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Personalführung, Kommunikation und Organisation in Indien

Hausarbeit 2008 19 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Wahl der Führungskraft
2.1 Deutsche Führungskräfte
2.2 Indische Führungskräfte

3 Führungsstil für indische Mitarbeiter

4 Besonderheiten in der indischen Geschäftswelt
4.1 Religion
4.2 Die Rolle der Frau
4.3 Umgangsformen

5 Kommunikationskanäle in Indien

6 Verhandlungen mit Dritten

7 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Republik Indien wurde 1947 gegründet und liegt in Südasien. Die Landesfläche beträgt 3.287.000 qkm und teilt sich in 26 Bundesstaaten und 6 Unionsterritorien. 1,1 Milliarden Menschen leben dort und machen Indien, gemessen an der Einwohnerzahl, zum zweitgrößten Land der Welt. Neu-Delhi ist die Hauptstadt und hat ca. 15 Millionen Einwohner. Hindi und Englisch sind die beiden Landessprachen, daneben gibt es weitere 21 anerkannte Sprachen. Den indischen Alltag bestimmen die Religion (besonders das Kastensystem), die großen Unterschiede zwischen Arm und Reich (Kinderarbeit, kein Zugang zu sauberem Trinkwasser, fehlende Strom- und Straßennetze), die Benachteiligung der Frauen sowie Korruption. Die indisch- deutsche Entwicklungszusammenarbeit beschäftigt sich mit diesen Schwerpunkt- themen.[1]

Der Subkontinent Indien hatte 2005 ein Wirtschaftswachstum von 8 % und ein Bruttoinlandsprodukt von 760 Mrd. US-Dollar. Neben Russland und China gehört Indien damit zu den schnellstwachsenden Volkswirtschaften mit zunehmend wachsender Bedeutung für die Weltwirtschaft.[2] Die niedrigen Produktionskosten haben Unternehmen aus den Bereichen Energie- und Umwelttechnik, Automobilherstellung, Automobilzulieferer, Chemie, Pharma und Software bereits für sich entdeckt. Mehr als 200 Unternehmen haben bereits eine Niederlassung in Indien. Zu den bekanntesten gehören Siemens, Allianz, Deutsche Bank und BMW.[3] Indien gehört zu den innovationsreichsten und leistungsstärksten Ländern in den Bereichen Informationstechnologie, Pharmaindustrie und Biotechnologie, obwohl es immer noch ein Entwicklungsland ist.[4] Indien zählt zu den ärmsten Ländern der Welt, trotzdem hat sich in den letzten Jahren eine Mittelschicht um die 250 Millionen Menschen gebildet, wodurch Indien auch als Absatzmarkt immer mehr an Bedeutung gewinnt.[5] Durch das aktuelle Thema Outsourcing ergeben sich für deutsche Arbeitnehmer immer bessere Chancen, das aufstrebende Land Indien kennen zu lernen. Die Produktionskosten sind im Vergleich zu Deutschland sehr gering. Ausländische Unternehmen investierten im Jahr 2006 11,3 Mrd. Dollar in Indien, aber auch indische Unternehmen investieren in die restliche Welt. Im Jahr 2006 waren das 22,4 Mrd. Dollar.[6] Durch den Trend, dass immer mehr indische Unternehmen sich auch in Europa niederlassen, können bereits dadurch erste Kontakte geknüpft werden, um auch in den indischen Markt einzudringen.[7] Es ist ein ständiger Wettbewerb neue Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen[8] zu suchen und an sich zu binden.

Die Hausarbeit betrachtet die Personalführung, Kommunikation und Organisation in Indien, auf die sich deutsche Unternehmen einstellen müssen, wenn sie in Indien erfolgreich sein möchten. Es wird auf die Wahl der Führungskraft, den Führungsstil und die Besonderheiten der indischen Kultur, die sich auf die Geschäftswelt auswirkt, eingegangen. Zusätzlich werden die Themen Kommunikationskanäle in Indien und Verhandlungen mit Dritten vertieft.

2 Wahl der Führungskraft

Die Unternehmensphilosophie, die den nationalen Ursprung eines Unternehmens repräsentiert, ist auf Länder wie Indien übertragbar. Zwar stellt das durch die kulturellen Unterschiede eine Herausforderung dar, die Kompromisse verlangt.[9]

2.1 Deutsche Führungskräfte

Heutzutage ist Auslandserfahrung immer wichtiger für die persönliche Erfahrung und Entwicklung sowie für die Planung der Berufslaufbahn. Viele Unternehmen sind international aufgestellt, wodurch mit unterschiedlichen Kulturen zusammen gearbeitet werden muss.[10] Indien wird als berufliche Auslandserfahrung immer wichtiger in der Karriereplanung. Ein typischer Expatriat ist für eine kaufmännische Tätigkeit 38 Jahre alt und für eine technische Tätigkeit 47 Jahre alt. Damit eine Führungskraft in Indien Fuß fassen kann, sind bereits fünf Jahre Auslandserfahrung in Asien und Osteuropa vorzuweisen. Leistung, Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen sind weitere Voraussetzungen für eine erfolgreiche Karriere. Indische Mitarbeiter legen bei ihrem Vorgesetzten Wert auf Berufserfahrung, selbstbewusstes Auftreten und Kommunikationsfähigkeit.[11] Um international erfahrene Führungskräfte für Indien zu gewinnen und vor allem zu halten, müssen verschiedene Faktoren berücksichtigt werden. Gerade deutsche Unternehmen suchen qualifizierte Führungskräfte für Indien. Indien ist das größte Englisch sprechende Land der Welt, wo durch Englisch zur offiziellen Amts- und Geschäftssprache wird.[12]

Deutsche Unternehmen schicken meistens international erfahrene Führungskräfte in ihre indischen Niederlassungen. Diese Führungskräfte kennen das Unternehmen und haben bereits Erfahrungen im Ausland. Trotzdem ist das oft nur eine temporäre Entscheidung, die mit hohen Kosten verbunden ist. Um sich in die Mentalität und Kultur einzuleben, sowie den Führungsstil an indischen Mitarbeiter anzupassen ist ein hoher Zeitaufwand nötig. Aus diesem Grund kommen tendenziell eher jüngere Nachwuchskräfte, die noch keine Familie haben, in die engere Auswahl. Allerdings ist das Alter in der indischen Kultur von entscheidender Bedeutung. Hier gilt immer noch das Senioritästprinzip, bei dem sich jüngere Mitarbeiter dem älteren Mitarbeiter unterordnen. Es ist unwichtig, welche Erfahrung die Führungskraft bereits gesammelt hat und welches Fachwissen sie vorweisen kann. Nur durch Autorität können Mitarbeiter in Indien geführt werden. Diese Fähigkeit wird jüngeren Mitarbeitern nicht zugetraut. Aus diesem Grund erhalten sie oft nicht einmal die Gelegenheit ihr Können bei Entscheidungsträgern unter Beweis zu stellen.[13] Ein wichtiger Faktor bei der Entscheidung für einen längeren Zeitraum ins Ausland zu reisen, ist der Familienstand eines Arbeitnehmers. 2/3 sind noch unverheiratet, denn die Auswanderung in ein anderes Land mit Frau und Kindern ist um einiges komplexer als bei einem alleinstehenden Arbeitnehmer. Ehefrauen, die einer qualifizierten Tätigkeit in Deutschland nachgegangen sind, haben es allerdings schwer in Indien eine ähnliche Position auszuüben. Zusätzlich kommt dazu, das in Indien, der Ehemann für die finanzielle Absicherung seine Familie verantwortlich ist und es deshalb nicht gern gesehen wird, wenn seine Frau selbst arbeitet. Auf Grund dessen ist die Anzahl der mitreisenden Ehefrauen am höchsten, wenn sie keinem Beruf in ihrem Heimatland nachgegangen sind.[14] Um die Entscheidung, in Indien zu arbeiten zu erleichtern und dort über einen längeren Zeitraum zu leben, sind die meisten Unternehmen bereit eine hohe finanzielle Absicherung für den entsendeten Arbeitnehmer zu tragen. Dazu gehören nicht nur ein hohes Entgelt, Dienstwagen mit Fahrer, Haushaltshilfe oder die Umzugskosten, sondern auch die Schulausbildung und das Studium der Kinder. Die Arbeitnehmer werden meistens in teuren Wohnungen oder Häusern in den besten Gegenden untergebracht. Auch Freizeitaktivitäten wie Golf kommen nicht zu kurz und sind an den besseren Standorten verfügbar.

Allerdings investieren Unternehmen im Vorfeld zu wenig in eine Beschäftigung mit dem Kulturunterschied statt findet, um sich auf das andere Land einzulassen. Ein neues Verständnis für andersartige Kulturen wird entwickelt. Ein Verständnis für andere Kulturen ist dann am größten, wenn man selbst in diesem Land gelebt hat[15] Führungskräfte sollten Weiterbildungsmaßnahmen bezüglich der unterschiedlichen Kulturen, Religionen und Weltanschauungen erhalten.[16] Besonders wichtig ist dieses Thema bei Arbeitnehmern, die mit ihrer Familie in das neue Land kommen. Es ist wichtig, das die gesamte Familie lernt mit der neuen Kultur umzugehen. Um zu vermeiden das Arbeitnehmer ihre Entscheidung nach wenigen Monaten bereuen und ihren Auslandsaufenthalt abbrechen. Der Hauptgrund ist das den Familienmitgliedern erst dann richtig bewusst wird, wie anders das Leben in Indien doch ist. Für das Unternehmen entstehen hohe Kosten, denn neben den Kosten vor Ort muss der Arbeitnehmer im Heimatland wieder im Unternehmen untergebracht werden und ein neuer Expatriat muss gefunden und eingearbeitet werden. Solch eine Fehlentscheidung kann vorab vermieden werden, wenn sich die gesamte Familie mit diesem Thema auseinander setzt. Manche Unternehmen bieten daher vorab interkulturelle Trainings für die ganze Familie an oder sogar Reisen in das neue Land, um zu verdeutlichen, welche Unterschiede zu berücksichtigen sind.[17]

Eine berufliche Auslandserfahrung ist für die meisten Führungskräfte ein Sprungbrett für die Karriere. Der durchschnittliche Aufenthalt beträgt 5,7 Jahre. Die Meisten erhalten nach ihrem Aufenthalt eine gleichwertige oder höhere Position. Erfahrungen werden ausgetauscht und weiter gegeben. Allerdings ist der Aufenthalt in der Heimat für die meisten nur von kurzer Dauer. Viele suchen wieder nach neuen Herausforderungen in einem neuen Land.[18]

[...]


[1] Vgl. http://www.bmz.de/de/laender/partnerlaender/indien/index.html

[2] Vgl. http://www.focus.de/jobs/karriere/tid-5383/arbeiten-in-indien_aid_51437.html

[3] Vgl. http://www.focus.de/jobs/karriere/tid-5383/arbeiten-in-indien_aid_51476.html

[4] Vgl. Kerkhoff, G., 2005, Seite 82

[5] Vgl. Stehr, C., Überwiegend positive Erfahrungen mit der Geschäftskultur auf dem Subkontinent. Deutsche Asien-Expatriates entdecken Indien, in: Handelsblatt Nr. 78 vom 24.04.1995, Seite k01

[6] Vgl. http://www.personalwirtschaft.de/hlv/pwt2/home.nsf/url/776CD3F144C9F052C1 2572C500651F8F?OpenDocument

[7] http://www.focus.de/jobs/karriere/tid-5383/arbeiten-in-indien_aid_51477.html

[8] Zur Verbesserung der Lesbarkeit wird in dieser Arbeit, auf die ausdrückliche Differenzierung der weiblichen und männlichen Form im Text verzichtet. Soweit sich aus dem Zusammenhang nichts anderes ergibt, sind beide Geschlechter gemeint.

[9] Vgl. Van Reenen, J., Deutsche Manager sind sehr gut, in: Handelsblatt Nr. 4 vom 07.01.2008, Seite 2

[10] Vgl. http://www.focus.de/jobs/karriere/tid-5383/arbeiten-in-indien_aid_51454.html

[11] Vgl. Stehr, C., Überwiegend positive Erfahrungen mit der Geschäftskultur auf dem Subkontinent. Deutsche Asien-Expatriates entdecken Indien, in: Handelsblatt Nr. 78 vom 24.04.1995, Seite k01

[12] Vgl. http://www.personalwirtschaft.de/hlv/pwt2/home.nsf/url/776CD3F144C9F052C1 2572C500651F8F?OpenDocument

[13] Vgl. http://www.personalwirtschaft.de/hlv/pwt2/home.nsf/url/776CD3F144C9F052C1 2572C500651F8F?OpenDocument

[14] Vgl. Stehr, C., Überwiegend positive Erfahrungen mit der Geschäftskultur auf dem Subkontinent. Deutsche Asien-Expatriates entdecken Indien, in: Handelsblatt Nr. 78 vom 24.04.1995, Seite k01

[15] Vgl. http://www.focus.de/jobs/karriere/tid-5383/arbeiten-in-indien_aid_51454.html

[16] Vgl. Leendertse, J., Neue Vielfalt, in: Wirtschafts Woche Nr. 24 vom 11.06.2007, Seite 80

[17] Vgl. Stehr, C., Überwiegend positive Erfahrungen mit der Geschäftskultur auf dem Subkontinent. Deutsche Asien-Expatriates entdecken Indien, in: Handelsblatt Nr. 78 vom 24.04.1995, Seite k01

[18] Vgl. Stehr, C., Überwiegend positive Erfahrungen mit der Geschäftskultur auf dem Subkontinent. Deutsche Asien-Expatriates entdecken Indien, in: Handelsblatt Nr. 78 vom 24.04.1995, Seite k01

Details

Seiten
19
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640505258
ISBN (Buch)
9783640505050
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v141616
Institution / Hochschule
Hochschule Bochum
Note
2,7
Schlagworte
Wahl der Führungskraft Führungsstil für indische Mitarbeiter Besonderheiten in der indischen Geschäftswelt Religion Rolle der Frau Umgangsformen Kommunikationskanäle in Indien Verhandlung mit Dritten

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Titel: Personalführung, Kommunikation und Organisation in Indien