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Psychopharmakotherapie bei Kindern mit hyperkinetischen Störungen

Diskussion über Wirksamkeit und Risiken einer Medikation

Hausarbeit 2009 19 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

1 Einleitung

2 Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
2.1 Symptomatik und Klassifikation
2.2 Prävalenz und Verlauf
2.3 Pathogenese
2.4 Diagnostik
2.5 Therapeutische Behandlung

3 Psychopharmakotherapie bei Kindern mit ADHS
3.1 Allgemeine Leitlinien zur medikamentösen Behandlung
3.2 Häufig eingesetzte Medikamente und ihre Wirkung
3.3 Empirische Befunde zur Wirksamkeit von Methylphenidat und Atomoxetin..
3.4 Risiken und Nebenwirkungen einer medikamentösen Behandlung

4 Diskussion

5 Ausblick

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Zusammenfassung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Psychopharmakotherapie bei Kindern mit hyperkinetischen Störungen bzw. Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS). Es wird ein Überblick über häufig eingesetzte Präparate und den mit ihnen verbundenen Wirkungen gegeben und über Wirksamkeit und Risiken von Methylphenidat und Atomoxetin diskutiert. Die theoretische Grundlage der Arbeit bildet die Darstellung des Krankheitsbildes der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung.

Schlüsselwörter:

Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, Pharmakotherapie, Methylphenidat, Atomoxetin

1 Einleitung

Mit ihren unterschiedlichen Komponenten zählt die Aufmerksamkeit zu einer der wichtigsten Basisleistungen unseres Gehirns und ist für nahezu jede praktische und intellektuelle Tätigkeit erforderlich. Aufmerksamkeitsfunktionen sind an vielfältigen Prozessen der Wahrnehmung, des Gedächtnisses, der Sprache sowie des Planens und Handelns beteiligt und stellen keinesfalls eine homogene Leistung dar. Vor allem im schulischen Kontext werden von Kindern Aufmerksamkeitsfähigkeiten erwartet. Aufmerksamkeit ist die Voraussetzung für kognitive Leistungen und damit auch für gute Schulnoten.

Zu den häufigsten psychischen Auffälligkeiten im Kindesalter zählen hyperkinetische Störungen bzw. Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS). Sie sind der häufigste Vorstellungsanlass in Erziehungsberatungsstellen oder kinderpsychotherapeutischen Kliniken und Praxen (Döpfner, 2002). Die Diagnostik und Behandlung von ADHS rückte in den letzten Jahren zunehmend in das Blickfeld einer interessierten und kritischen Öffentlichkeit. Vor allem die medikamentöse Behandlung mit Stimulanzien sowie die Unterversorgung im Bereich verhaltenstherapeutischer Angebote werden kontrovers diskutiert.

Psychopharmakotherapie bei Kindern stellt eine relativ neue Behandlungsmethode dar, die den traditionellen Behandlungspielraum erweitert und in den letzten Jahrzehnten an Qualität gewonnen hat (Rothenberger & Steinhausen, 2005). Bei schwerwiegender Störungssymptomatik reichen konventionelle Therapiemethoden oft nicht aus, um Schwierigkeiten von Kind und Familie zu behandeln. Mit Hilfe von Psychopharmaka können einzelne Symptome der Krankheit gelindert und der Alltag der ganzen Familie erleichtert werden. Diesbezüglich verweisen auch Richtlinien auf die Notwendigkeit einer multiaxialen Behandlung von ADHS, die im Rahmen eines Gesamtbehandlungsplanes bei hohem Schweregrad und anhaltender Dauer der Symptomatik eine medikamentöse Behandlung beinhaltet (Döpfner, Frölich & Lehmkuhl, 2000).

Zunächst erfolgt in Kapitel 2 eine Auseinandersetzung mit dem Störungsbild der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). In Kapitel 3 wird auf die Psychopharmakotherapie von Kindern mit hyperkinetischen Störungen eingegangen. Es werden die am häufigsten eingesetzten Medikamente und ihre Wirkungen näher erläutert und empirische Befunde zu Wirksamkeit und Risiken von Methylphenidat und Atomoxetin dargelegt. Nach einer Diskussion in Kapitel 4 endet die Arbeit in Kapitel 5 mit einem Ausblick über Möglichkeiten zur Verbesserung der Versorgungsstruktur.

2 Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)

Unter Aufmerksamkeit wird ein Zustand konzentrierter Bewusstheit verstanden; die Zuweisung von Bewusstseinsressourcen auf Bewusstseinsinhalte. Aufmerksamkeit beschreibt ein Konzept, an dem viele Prozesse und Funktionen beteiligt sind, die sich auf basale Fertigkeiten menschlichen Handelns beziehen (Ward, 2004). Die Regulation von Aufmerksamkeit sowie die Reaktion auf Stimuli erfolgt durch das Zusammenwirken verschiedener neuronaler Netzwerke, die vorwiegend durch dopaminerge und noradrenerge Bahnen kontrolliert und moduliert werden (Banaschewski, Roessner, Uebel & Rothenberger, 2004).

Ein häufiges Problem im Kindesalter sind Störungen der Aufmerksamkeit, mangelnde Impulskontrolle und motorische Aktivität. Hyperkinetische Störungen bzw. die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zählen zu den häufigsten psychischen Auffälligkeiten im Kindesalter und stellen durch ihre recht hohe Persistenz ein beträchtliches Entwicklungsrisiko dar (Hampel & Petermann, 2004).

2.1 Symptomatik und Klassifikation

Aufmerksamkeitsstörungen lassen sich in den international gebräuchlichen Klassifikationsschemata ICD-10 und DMS-IV einordnen. Während die ICD-10 den Begriff der einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (F90.0) bzw. hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens (F90.1) in der Rubrik hyperkinetische Störungen (F90) verwendet, bezeichnet DSM-IV die gleichen Auffälligkeiten als Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (Heubrock & Petermann, 2001).

In beiden Klassifikationssystemen sind die Symptomkriterien weitgehend übereinstimmend definiert. So gelten Störungen der Aufmerksamkeit, Impulsivit ä t und Hyperaktivit ä t als Leitsymptome von ADHS, die durch spezifische Verhaltensbeschreibungen gekennzeichnet sind (vgl. Tab. 1). Die Auffälligkeiten sollten bereits vor dem siebten Lebensjahr deutlich erkennbar und in mehr als einem Lebensbereich erfüllt sein. Zusätzlich müssen die Symptome über einen Zeitraum von sechs Monaten in einem Ausmaß vorhanden sein, das deutliches Leiden oder eine Beeinträchtigung der sozialen, schulischen oder beruflichen Funktionsfähigkeit verursacht sowie dem Entwicklungsstand des Kindes unangemessen ist (Döpfner, 2002).

Tabelle 1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Während sich beide Klassifikationssysteme kaum in der Definition der Symptomkriterien unterscheiden, legen sie sich auf eine unterschiedliche Anzahl und Kombination dieser Kriterien fest (Lehmkuhl, Frölich, Sevecke & Döpfner, 2007):

Für die Diagnose einer einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung verlangt ICD- 10 sowohl Aufmerksamkeitsstörungen als auch Hyperaktivität und Impulsivität in mindestens zwei Lebensbereichen in ausgeprägter Form. Eine hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens wird bei zusätzlich stark auffälligen oppositionellen und aggressiven Verhaltensweisen diagnostiziert. DSM-IV dagegen unterscheidet zwischen Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität/Impulsivität als zwei verschiedene Verhaltensausprägungen. Es sind dabei drei Subtypen spezifiziert, die entweder durch beide Verhaltensausprägungen gleichzeitig charakterisiert sind (Mischtyp) oder sich durch jeweils eine Auffälligkeit auszeichnen (vorherrschend unaufmerksamer Typ vs. vorherrschend hyperaktiv-impulsiver Typ).

2.2 Prävalenz und Verlauf

Die Prävalenzangaben von ADHS sind sehr unterschiedlich und abhängig von den jeweiligen Diagnosekriterien und Messinstrumenten. Zwischen 3 bis 7% aller Kinder im Schulalter, mehr Jungen als Mädchen, leiden unter einer Aufmerksamkeitsstörung (Barkley, Edwards, Laneri, Fletcher & Metevia, 2001, zitiert nach Hampel & Petermann, 2004, S. 131). ADHS stellt mit vergleichbaren Prävalenzraten eine kulturübergreifende Symptomatik dar (vgl. Rohde, Szobot, Polanczyk, Schmitz, Martins & Tramontina, 2005, zitiert nach Lehmkuhl et al., 2007, S. 24). Erste Auffälligkeiten können bereits im Säuglingsalter auftreten, wenn Babys als unausgeglichen und wenig adaptiert beschrieben werden. Während sich im Kindergartenalter vor allem Probleme mit motorischer Hyperaktivität und oppositionellem Verhalten zeigen, treten im Schulalter eine kurze Aufmerksamkeitsspanne sowie kognitive Impulsivität in den Vordergrund (Lehmkuhl et al., 2007). Auf Grund der Stabilität von ADHS wird davon ausgegangen, dass bei 50 bis 70% der betroffenen Kinder beeinträchtigende Symptome bis ins Erwachsenenalter fortbestehen (Banaschewski et al., 2004).

2.3 Pathogenese

Hyperkinetische Störungen sind nicht nur klinisch, sondern auch ätiologisch ein heterogenes Störungsbild. Obwohl genaue Ursachen und Entstehungsmechanismen der ADHS noch nicht vollständig geklärt sind, konnten auf vielen Forschungsgebieten bedeutende Fortschritte erzielt und verschiedene Modelle der Pathogenese entwickelt werden. Banaschewski et al. (2004) beschreiben genetische und neurobiologische Erklärungsansätze sowie exogene Risikofaktoren:

Familien-, Adoptions- und Zwillingsstudien zeigen, dass die Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung weitgehend genetisch determiniert ist. So konnte eine höhere Prävalenz der Psychopathologie von Eltern und Verwandten der Kinder mit hyperkinetischen Störungen festgestellt und verschiedene Gene lokalisiert werden, die Störungen im Neurotransmitterstoffwechsel bewirken und insbesondere eine Fehlregulation des Dopaminstoffwechsels begleiten. Bei den Betroffenen kommt es zu einer verstärkten Wiederaufnahme des Dopamins durch die präsynaptische Membran. Zugleich ist die Sensitivität der Dopamin-Rezeptoren auf der postsynaptischen Membran erniedrigt.

Mittels bildgebender Verfahren wurden neuroanatomische Auffälligkeiten ermittelt. So zeigten kernspintomographische Untersuchungen verminderte Volumina kortikaler sowie subkortikaler Regionen und eine signifikante Größenabnahme des Kleinhirns. Als mögliche Ursache dafür werden auch Schwangerschafts- und Geburtenkomplikationen, ein niedriges Geburtengewicht sowie pränatale Alkohol- und Nikotinexposition beschrieben.

Obwohl Forschungen den biologischen Aspekten der ADHS mehr ätiologische Bedeutung beimessen, sollten auch familiäre Bedingungen wie schwere Deprivation in der frühen Kindheit, institutionelle Erziehung oder eine gestörte Mutter-Kind-Interaktion berücksichtigt werden. Die psychosozialen Faktoren scheinen zwar weniger eine primäre Ursache einer hyperkinetischen Störung zu sein, sie tragen jedoch zum Schweregrad, der Stabilität und Komorbidität der Symptomatik bei.

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Details

Seiten
19
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640505227
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v141604
Institution / Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung) – Institut für Psychologie
Note
1,3
Schlagworte
Psychopharmakotherapie ADHS Methylphenidat Ritalin Aufmerksamkeitsstörung Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung Pharmakotherapie Psychopharmaka Tabletten für Kinder

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Titel: Psychopharmakotherapie bei Kindern mit hyperkinetischen Störungen