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Möglichkeiten und Grenzen expanisver Fiskalpolitik

Seminararbeit 2009 22 Seiten

VWL - Geldtheorie, Geldpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Symbolverzeichnis

1. Einleitung

2. Methodologie

3. Daten

4. Effekte von Fiskalschocks auf das BIP und seine Komponenten
4.1. Wirkung von Ausgabeschocks
4.2. Wirkung von Steuerschocks
4.3. Ursachen eines Strukturbruchs
4.4. Der Dummy-Variable-Ansatz

5. Antizipation und Timing

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Regierungen rund um den Globus verabschieden derzeit Konjunkturpakete, um die eigenen Volkswirtschaften zu stimulieren und gegen die aktuelle Wirtschaftskrise anzukämpfen. Die exakte Wirkung von expansiver Fiskalpolitik auf makroökonomische Variablen bleibt unter Ökonomen jedoch umstritten. Während die meisten Modelle einen positiven Effekt auf das Bruttoinlandprodukt (BIP) vorhersagen, unterscheiden sie sich hinsichtlich Aussagen über den Konsum. Es lassen sich zwei grundlegende Ansätze unterscheiden, welche die dynamischen Effekte von Fiskalschocks untersuchen. Die Ergebnisse des strukturellen vektorauto- regressiven (SVAR) Ansatzes von Blanchard und Perotti (2002) und Perotti (2005) sind konsistent mit einigen neokeynesianischen Modellen: Steigende Staatsausgaben verursachen eine höhere Arbeitsnachfrage, z.B. aufgrund von Preisrigiditäten und Monopolistischer Konkurrenz.[1] Der resultierende höhere Reallohn kann durch Substitution von Freizeit zu Arbeit oder durch Existenz nicht-Ricardianischer- Verbraucher[2] eine Konsumsteigerung verursachen. Der Dummy-Variable-Ansatz von Ramey und Shapiro (1998) im univariat autoregressiven Modell, welcher in weiteren Studien von u.a. Burnside, Eichenbaum und Fischer (2003) und Perotti (2007) zu einem multivariat vektorautoregressiven (VAR) Modell weiterentwickelt wurde, isoliert exogene, große Schocks in den Verteidigungsausgaben der USA und studiert deren Wirkung. Die Ergebnisse sind konsistent mit neoklassischen Aussagen: Steigende Staatsausgaben benachteiligen die privaten Haushalte durch einen negativen Vermögenseffekt, ausgehend von steigenden Steuern[3] . Die Haushalte senken entsprechend ihrer intertemporalen Budgetrestriktion den Konsum und erhöhen das Arbeitsangebot. Als Folge steigt der Output. Perotti (2007) zeigt jedoch, dass bei Auflockerung der Beschränkungen des Dummy-Variablen-Ansatzes die Ergebnisse dem des SVAR-Modells entsprechen.[4]

Die Struktur der Seminararbeit ist die folgende: Sektion 2 zeigt, wie im Rahmen des Modells die strukturellen Schocks identifiziert werden, um die Impuls-Antworten zu schätzen. Sektion 3 beschreibt die untersuchten Datensätze und geht auf einen möglichen Strukturbruch ein. Sektion 4 präsentiert die Auswirkungen von finanzpolitischen Schocks auf das BIP, den privaten Konsum und die privaten Investitionen im SVAR-Modell, sowie im Dummy-Variablen-Ansatz. Zudem wird auf die Gründe eines Strukturbruchs eingegangen. Sektion 5 beschäftigt sich mit der Möglichkeit, dass Fiskalschocks antizipiert und somit in der SVAR-Identifikation zu spät aufgenommen werden könnten. Die letzte Sektion resümiert.

2. Methodologie

Strukturelle VAR-Modelle sind in der Vergangenheit in zahlreichen Studien zu Effekten von Geldpolitik benutzt worden. Blanchard und Perrotti (2002) führten diese Technik auf Studien zu Fiskalschocks ein; Perotti (2005) entwickelte die Methodik weiter. Ein VAR-Modell ist ein lineares Modell mit n-Gleichungen und n- Variablen, wobei jede Variable durch die eigenen verzögerten Werte, sowie durch die aktuellen und verzögerten Werte der übrigen Variablen erklärt wird. Dieses multivariate Modell ist im Gegensatz zu univariaten Modellen in der Lage den dynamischen Zusammenhang zwischen den Variablen zu analysieren. Dazu kommt, dass es einfach verwend- und interpretierbar ist.[5] Die reduzierte-Form-VAR ist

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] (1)

wobei aus Einfachheit in dieser Sektion angenommen wird, dass[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]ein dreidimensionaler Vektor der Logarithmen von BIP, Staatsausgaben und Steuern Pro-Kopf ist und [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] der entsprechende Vektor der reduzierte-Form-Residuen.[6] Alle Gleichungen enthalten vier Lags jeder endogenen Variablen, festgehalten durchA(L). Folgende Beziehung zwischen den reduzierte- Form-Residuen und strukturellen Fiskalschocks kann hergestellt werden:

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] (2)

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] (3)

Die Koeffizienten [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] fangen zwei mögliche Effekte ein: Die auto- matische Reaktion von Steuern und Staatsausgaben und die systematische, diskretionäre Antwort von Politikern auf bestimmte ökonomische Aktivitäten, wie z.B. Rezessionen. Die Koeffizienten [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] stellen die strukturellen Fiskalschocks dar, welche unkorreliert miteinander sind; die cov [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] . Es besteht jedoch eine Korrelation zwischen den reduzierte-Form-Residuen und [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] sodass die strukturellen Schocks nicht durch die Methode der kleinsten Quadrate geschätzt werden können. Strukturelle VAR gebrauchen Identifikationsannahmen, um Korrelationen kausal interpretieren zu können. Der Gebrauch von Quartalsdaten ermöglicht es die diskretionäre Antwort aus dem System zu streichen, da es normalerweise länger als ein Quartal dauert auf einen unantizipierten Outputschock zu reagieren und entsprechende Gegenmaßnahmen zu treffen. Daraus resultierend fangen die Koeffizienten [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] nur noch die automatische Reaktion von Steuern und Staatsausgaben ein. Anhand externer Informationen können die Elastizitäten von Steuern und Staatsausgaben zum BIP berechnet werden, um die zyklisch adjustierten Fiskalschocks zu konstruieren:

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] (4)

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] (5)

Die Identifikation der strukturellen Fiskalschocks [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] ist identisch mit einer Cholesky-Zerlegung bei der die Staatsausgaben zuerst angeordnet sind.[7] Die aktuelle Reihenfolge spielt dabei keine Rolle, da die Korrelation zwischen den zyklisch adjustierten Schocks sehr niedrig ist. Die beiden strukturellen Schocks können nun als Instrumente eingesetzt werden, um die verbleibende BIP-Gleichung [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] zu schätzen. Mit allen identifizierten strukturellen Schocks können letztendlich die Impuls-Antworten konstruiert werden.[8] Der folgende Ab- schnitt definiert die Datensätze für die analysierten Länder.

3. Daten

Die Datensätze umfassen die fünf OECD-Länder Australien (1960:1 - 2001:2), Deutschland[9] (1960:1 - 1989:4), Großbritannien (1963:1 - 2001:2), Kanada (1961:1 - 2001:4) und USA (1960:1 - 2001:4).[10] Perotti (2005) unterstellt einen Struktur- bruch[11], lokalisiert um 1979:4 - für Deutschland 1974:4 - und unterteilt folglich in zwei Datensätze S1 und S2. Blanchard und Perotti (2002) führen diese Unterteilung für ihren USA-Datensatz nicht durch. Auf die Auswirkungen der Implementation eines Strukturbruchs wird im Folgenden eingegangen. Die VAR-Spezifikation um- fasst gemäß Perotti (2005) Quartalsdummies und einen linearen Zeittrend. Blanchard und Perotti (2001) unterscheiden hingegen noch zwischen deterministischen (quadratische Trends) und stochastischen Trends. Die Ergebnisse unterscheiden sich qualitativ allerdings nicht. In der kommenden Sektion werden zunächst die Effekte eines expansiven Ausgabeschocks und nachkommend eines restriktiven Steuer- schocks auf das BIP, den Konsum und die Investitionen vorgestellt. Danach wird auf die Robustheit der Ergebnisse anhand der Stabilität der Subperioden und der Resultate des alternativen Dummy-Variablen Ansatzes eingegangen.

4. Effekte von Fiskalschocks auf das BIP und seine Komponenten

4.1. Wirkungen von Ausgabeschocks

Abbildung 1 stellt die Reaktion des BIPs auf einen Ausgabeschock in Höhe von 1% des BIPs für den ganzen Datensatz ohne Strukturbruch (ALL), sowie für die beiden Unterperioden S1 und S2, dar. Zudem werden die zwei symmetrischen Standard- fehler-Bänder angezeigt. Es ist ersichtlich, dass das BIP im gesamten Datensatz in allen Ländern, außer Australien, zunächst signifikant positiv reagiert.

[...]


[1] Weitere Ursachen für die erhöhte Arbeitsnachfrage finden sich in Perotti (2007: 33-35).

[2] Der Konsum zum Zeitpunk t dieser Verbraucher gleicht dem Einkommen in Periode t. Siehe hierzu die Ausführungen von Galí, López-Salido und Vallés (2007).

[3] Es wird eine Pauschalsteuer angenommen.

[4] S. Sektion 4.4 der Seminararbeit.

[5] S. hierzu Stock und Watson (2001: 101-103).

[6] Die Ergebnisse Sektion 4 stammen von einer VAR, die zusätzlich den BIP-Deflator und die 10- Jahres Nominalzinsen enthalten.

[7] S. Perotti (2005: 4).

[8] Die Vorgehensweise entspricht der von Blanchard und Perotti (2002: 1332-1336) und Perotti (2005: 3-5).

[9] Westdeutschland im eigentlichen Sinne.

[10] Vgl. Perotti (2005: 14).

[11] Auf die Gründe des Strukturbruchs gehe ich in Gliederungspunkt 4.3 ein.

Details

Seiten
22
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640493456
ISBN (Buch)
9783640493562
Dateigröße
583 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v141460
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1,0
Schlagworte
Möglichkeiten Grenzen Fiskalpolitik

Autor

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Titel: Möglichkeiten und Grenzen expanisver Fiskalpolitik