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Die Funktion der mittelhochdeutschen Strophe des Carminum Buranum 151 unter Berücksichtigung von Walthers Mailied

Hausarbeit 2008 12 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Die sprachmischenden Lieder der Codex Buranus
1. Einführung in die Carmina Burana
2. Das Verhältnis lateinischer und volkssprachlicher Texte

II. Das CB 151 und Walthers Mailied
1. Interpretation des CB 151
2. Interpretation von Walthers Mailied

III. Das CB 151 als Kontrafaktur zu Walthers Mailied
1. Walther von der Vogelweide als ‚Nachahmer’ eines mehrsprachigen Liedes
2. Konsequenzen für die Interpretation des CB 151

IV. Überlegungen zu möglichen Rezipienten des CB 151 und Fazit

Literaturverzeichnis

I. Die sprachmischenden Lieder der Codex Buranus

1. Einführung in die Carmina Burana

Die umfangreichste Liedersammlung des Mittelalters wird allgemein als ‚Carmina Burana’ bezeichnet, wörtlich übersetzt, Lieder aus Benediktbeuern, da der Codex Buranus, in dem diese Lieder überliefert sind, in der Benediktinerabtei Benediktbeuern gefunden wurde. Im Zuge der Säkularisation der bayrischen Klöster wurde die Handschrift 1803 in die damalige Kurfürstliche Hofbibliothek überführt. Heute wird der Codex Buranus in der Bayrischen Staatsbibliothek aufbewahrt.[1]

Die Entstehung des Kodex fällt wahrscheinlich in die Zeit um 1230 am südlichen Rand des deutschsprachigen Raumes. Genauere Angaben zum Ort und Zeitpunkt sind nur sehr schwer zu machen, da in dem Kodex selbst hierüber keine Angaben zu finden sind.[2]

Obwohl die Handschrift eine Vielzahl unterschiedlichster Textzeugnisse enthält, lässt sich doch an der Auswahl der aufgenommenen Lieder sehen, dass es sich um eine bewusst angelegte Sammelhandschrift handelt, und nicht um eine zufällige Sammlung.[3] Das zeigt sich auch schon an dem thematischen Zusammenhang, den die Lieder untereinander haben. Hugo Kühne schlägt eine Grob-Gliederung der Lieder in: „1. Moralisch-satirische Dichtungen (CB1-56), 2. Liebeslieder (CB 57-186), 3. Trink- und Spielerlieder (CB 187-226)“ vor.[4]

2. Das Verhältnis lateinischer und volkssprachlicher Texte

Nicht nur inhaltlich ist die Textsammlung für die germanistische Mediävistik von großem Interesse, sondern auch hinsichtlich der einmaligen Mischung von lateinischen und volksprachigen Textstücken.[5] Ulrich Müller unterscheidet hierbei zwei „polylinguale“[6] Textgruppen: 1. die sprachmischenden Lieder, in denen in einen lateinischen Satz volkssprachliche Elemente eingebettet sind und 2. mehrsprachige Lieder in denen auf mehrere lateinische Strophen eine oder zwei volkssprachliche (meist mittelhochdeutsche) Strophen folgen.[7] Häufig sind diese „Zusatzstrophen“[8] gleichzeitig Anfangsstrophen von mittelhochdeutschen Liedern, die in anderem Kontext überliefert wurden.

Ich möchte mich im Folgenden vor allem mit den mehrsprachigen Liedern des Codex Buranus beschäftigen.[9] Es wird eine angeregte Forschungsdiskussion darüber geführt, in welchem Verhältnis lateinische und volkssprachige Lieder stehen.[10] Denkbar ist nämlich einerseits, dass die lateinisch-volkssprachigen Lieder als Vorbild zu rein deutschsprachigen Liedern dienten, oder umgekehrt, dass die mittelhochdeutschen Strophen aus Liedern genommen und an die, dazu gedichteten, lateinischen Lieder im Nachhinein angefügt wurden. Ich möchte dieses Problem an einem konkreten Beispiel, dem Carminum Buranum 151 (CB 151) näher beleuchten.

II. Das CB 151 und Walthers Mailied

Das im Codex Buranus mit CB 151 bezeichnete Lied besteht aus 6 Strophen, 5 lateinischen und einer mittelhochdeutschen. Die letzte, mittelhochdeutsche Strophe, taucht in anderem Zusammenhang als Anfangsstrophe des Mailieds („Muget ihr shouwen waz dem meien…) von Walther von der Vogelweide auf. Für CB 151 ist kein Titel im Kodex überliefert, genauso wenig wie es eine Autorenangabe gibt.

Ulrich Müller bezeichnet dieses Lied als „Frühlings- und Werbelied“[11], was sehr genau die beiden Hauptthemen widerspiegelt, um die es in dem Lied geht. Die ersten beiden Strophen beschreiben die im Frühling erwachende Natur. Die dritte Strophe stellt junge Menschen beim ausgelassenen Tanz im Freien dar. Erst in der vierten Strophe tritt das lyrische Ich in Erscheinung und bezeichnet sich als Verehrer eines der tanzenden jungen Mädchen. In der nächsten Strophe wird dann relativ offen die sexuelle Begierde des Verehrers thematisiert.

Daraufhin wirkt die letzte Strophe, die mittelhochdeutsche, wie ein Bruch oder ein Rückschritt. Plötzlich geht es, auf den ersten Blick, nur noch um den harmlosen Streit zwischen Blumen und Klee darum, wer größer ist. Um diesen Bruch richtig einordnen und verstehen zu können, muss Walthers Mailied in die Interpretation einbezogen werden. Zuerst ist jedoch eine genauere Analyse des CB 151 nötig.

[...]


[1] Sayce, Plurilingualism, S.1.

[2] Näheres zur Forschungsdiskussion um Ort und Zeit der Entstehung der Carmina Burana in: Vollmann, Carmina Burana, S.900 f.

[3] Kühne, Deutsch und Latein, S.57.

[4] Ebd., S. 57.

[5] Holznagel, Rezension, S.155.

[6] Ebd., S.158.

[7] Müller, Mehrsprachigkeit, S.92.

[8] Ebd. S.92.

[9] Zur Sprachmischung in den Carmina Burana verweise ich auf die detaillierte, systematische Untersuchung von Olive Sayce: Sayce, Plurilingualism.

[10] Müller, Mehrsprachigkeit, S. 87.

[11] Müller, Mehrsprachigkeit, S. 90.

Details

Seiten
12
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640509690
ISBN (Buch)
9783640509478
Dateigröße
394 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v141452
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Institut für deutsche Sprache und Literatur I
Note
1,0
Schlagworte
Walther von der Vogelweide Mailied Carminum Buranum 151 Carmina Burana mittelhochdeutsche Strophe

Autor

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Titel: Die Funktion der mittelhochdeutschen Strophe des Carminum Buranum 151 unter Berücksichtigung von Walthers Mailied