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Wie beeinflussen die Figurenrede und der Sprachstil des Willy G. Christmas die Erzählstruktur des Romans „Timbuktu“ von Paul Auster

Wie verändern sich der Erzählstil und die Erzählperspektive nach dem Tod dieser menschlichen Hauptfigur?

Hausarbeit 2008 17 Seiten

Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Vorwort

2. Die Figuren und ihre Beziehungen, chronologisch nach der Begegnung mit Mr. Bones geordnet

3. Mr. Bones und Willy
3.1. Die Erzählperspektive
3.2. Figurenrede und Sprachstil

4. Cal und Henry Chow
4.1. Die Erzählperspektive
4.2. Figurenrede und Sprachstil

5. Sparky und Familie Jones
5.1. Die Erzählperspektive
5.2. Figurenrede und Sprachstil

6. Schlusswort

7. Quellen

1. Vorwort

Übergeordnetes Ziel meiner Untersuchungen soll es sein, sprachstrukturelle Mechanismen im Roman aufzuspüren und zu analysieren.

Dabei werde ich mein Hauptaugenmerk auf die Personenrede und den Sprachstil der erzählenden Instanz richten. Dabei ist auch eine genauere Betrachtung der Erzählperspektive interessant, insbesondere, da diese sich dem Handlungsverlauf innerhalb des Romans anpasst.

Ich will erläutern, warum sich die einzelnen Kapitel auf den Sprachstil bezogen voneinander unterscheiden und wie Figurenrede und Erzählstil einander bedingen.

Der Erzählstil ist abhängig von den Erlebnissen und den Bezugspunkten, mit denen der tierische Protagonist Mr. Bones im Laufe des Romans Bekanntschaft macht.

Die Erzählerrede behält zwar kontinuierlich die grammatikalisch 3. Person bei, ändert jedoch ihren Blickwinkel, jeweils orientiert an der zu beschreibenden Begegnung.

Ziel dieser Hausarbeit ist es, zu beleuchten, inwiefern die Erzählperspektive und der damit verbundene Erzählstil in Austers Roman Timbuktu den Werdegang und die Begegnungen des Hundes Mr. Bones nachzeichnen. Das impliziert, dass ich versuchen werde, deutlich zu machen, dass die Figuren im Roman vor dem Hintergrund ihres gesellschaftlichen Standpunktes und ihrer charakter-konstitutiven Elemente direkten Einfluss auf den Sprachstil der Erzählerinstanz ausüben.

Hierzu möchte ich zunächst die im Roman vorkommenden Figuren vorstellen und dabei deren Beziehungen untereinander und deren gesellschaftlichen Kontext kurz anreißen. Anschließend werde ich, die Chronologie im Roman als Orientierung verwendend, den Romantext in die einzelnen, im Roman gezeichneten, Episoden im Leben des Hundes Mr. Bones unterteilen. Die einzelnen Abschnitte werde ich daraufhin nach markanten Textmechanismen auf der Ebene des Sprachstils und der Textkonstruktion abklopfen und nachprüfen, ob es tatsächlich die Figuren sind, die auf den Erzählstil Einfluss nehmen.

2. Die Figuren und ihre Beziehungen, chronologisch nach der Begegnung mit Mr. Bones geordnet.

- Mr. Bones ist der hündische Protagonist in der Geschichte, seiner Abstammung nach ist er Mischlingshund,

„[...]was a hodgepodge of genetic strains- part collie, part labrador, part spaniel, part canine puzzle-[...].“[1]

und siebeneinhalb Jahre alt. Der Hund wird uns zunächst als Weggefährte Willys vorgestellt. Mr. Bones bleibt bei Willy bis zum Ende des 2. Kapitels, also bis zu Willys Tod. Im Verlauf des Romans erhält der Hund, nach Willys Tod, von den Leuten, die seine Bezugspunkte darstellen, abweichende Namen.

- William Gurevitch, ist der Sohn jüdisch-polnischer Emigranten, der sich, seit einem Erlebnis im Erwachsenenalter, dass sich als psychotische Wahnvorstellung deuten lässt, Willy G. Christmas nennt, um in seinem weiteren Leben die Weihnachtsbotschaft zu verkünden. Sein erklärtes Ziel ist es, selbst ein Heiliger zu werden. Willy erliegt innerhalb der Erzählung einer tödlichen Atemwegserkrankung, während er auf der Suche nach seiner früheren High-School-Lehrerin Bea Swanson von Brooklyn nach Baltimore gelangt. Willy ist neben seinem Vagabundendasein auch Poet und Verfasser zahlreicher Manuskripte und so hat er vor, zwei Dinge zu erledigen, bevor er das Zeitliche segnet, einerseits will er die Manuskripte, die er Zeit seines Lebens verfasst hat, in gute Hände übergeben, andererseits ist es sein übergeordnetes Ziel,

„ [...]to find new digs for his furry compagnion.“[2]

Der Vagabund akzeptiert den Hund als ebenbürtigen Partner, er behandelt ihn als ein vernünftiges Wesen, das seiner Ansicht nach, in der Lage sei, zu begreifen, zu reflektieren und zu urteilen, aber lediglich durch die anatomischen körperlichen Voraussetzungen, nicht in der Lage sei, seine Gedanken zu verbalisieren.

Im weiteren Verlauf meiner Untersuchung wird deutlich, welche Bedeutung dieser Blickwinkel für den gesamten Roman hat. Willy bleibt auch nach seinem Tod prägendster Bezugspunkt des Hundes.

Mr. Bones begegnet Willy dann weiterhin in Träumen, in denen die Beiden dann, im Gegensatz zur erlebten Realität des Mensch-Hund-Gespannes, miteinander Dialoge führen und Willy als Berater des Hundes, der sich jetzt alleine durchschlagen muss, fungiert.

- Willys Mutter, vom Erzähler Mom-san oder Mr.Gurevitch genannt, wird im Tempus der Vergangenheit erwähnt.

An dieser Stelle ist erwähnenswert, dass aber als das im Roman verwendete Erzähltempus ebenfalls durchgehend das Präteritum verwendet wird, somit es zunächst nicht klar differenziert, in welcher Form hier eine Vorzeitigkeit auftritt. Erst im Verlauf der Erzählung wird deutlich, dass Mom-san zur Zeit der Erzählung verschieden ist, ebenso wie Willys Vater, der aber direkt als bereits Verstorbener erwähnt wird.

Willys Mutter war, da sie Polin jüdischer Abstammung ist, mit ihrem Mann vor dem Nationalsozialismus geflüchtet und vor der Geburt des gemeinsamen, einzigen Sohnes in die USA migriert, um dort in Brooklyn zu leben. Mrs. Gurevich duldet das Dabeisein des Hundes, in ihrer Wohnung, seit seinem Welpenalter, während ihr Sohn, der im Sommer heimatlos lebt, ihre Wohnung, in der Glenwood Avenue, als Winterunterkunft nutzt.

- Henry Chow begegnet uns im dritten Kapitel. Der 11-jährige Chinese ist Mr. Bones´ erster Wegbegleiter nach Willys Tod. Henrys Eltern sind die Inhaber eines chinesischen Restaurants, also Leute, denen Mr. Bones, gemäß den Ratschlägen, die er von Willy erhalten hat, misstrauisch gegenübersteht. Henry betrachtet Mr. Bones als Verbündeten, als den Erwachsenen unterlegenen und somit benachteiligten Partner.

Der Junge beschließt, den Hund Cal zu nennen, „Cal Ripken Junior der Zweite“ ist ein Baseballstar, den Henry verehrt.

Die Kumpanenschaft zwischen Cal und Henry endet mit dem Ende der Sommerferien, als Henrys Vater zudem von der Freundschaft zwischen dem Hund und dem Jungen erfährt und den 11-Jährigen daraufhin verprügelt.

Mr. Bones rennt, während des Streits zwischen Vater, Sohn und der sich einschaltenden Mutter, ziellos davon und verlässt Baltimore.

- Im vierten Kapitel wird Mr. Bones, einen Viertagesmarsch von Baltimore entfernt, als Haustier bei der Familie Jones aufgenommen.

Die Jones sind eine gutbürgerliche Familie, bestehend aus einem jungen Ehepaar und deren zwei Kindern, wohnhaft in einem Eigenheim mit penibel gepflegtem Garten und Haushalt.

Hier macht der Hund, der von den Kindern den Namen „Sparky“ erhält, Bekanntschaft mit vier Charakteren, die in einer unterschiedlichen Beziehung zu dem Hund stehen.

- Terry „Tiger“ Jones sorgt mit seinem Spitznamen zunächst für Verwirrung bei dem Hund, er ist circa zweieinhalb Jahre alt. Er versteht den Hund als Raufkumpanen.
- Alice Elisabeth Jones kann von Mr. Bones altersmäßig nicht exakt bestimmt werden (etwa 7 bis 10 Jahre alt) und da wir nur seine Perspektive kennenlernen, müssen wir uns mit der Einschätzung begnügen, dass sie im Grundschulalter sein müsste. Aus ihrer Perspektive nimmt der Hund die Rolle des Helden in Ihren Fantasiegeschichten ein.
- Polly Jones hatte den Mädchennamen Danforth. Sie ist die Mutter der beiden Kinder und nach Einschätzung des Hundes höchstens 28 Jahre alt. Für sie ist Sparky Vertrauter, der ihre Sorgen und Gedanken zu hören bekommt.
- Richard „Dick“ Jones ist der Vater der Familie, er ist als Pilot häufig unterwegs und nimmt den Hund als zunächst geduldetes und letztendlich, in die Familie, integriertes Haustier wahr. Er ist die Autoritätsperson in der Familie, hat aber, da er selten zu Hause ist nur bedingten Einfluss auf die Vorgänge zu Hause.

[...]


[1] Auster, Paul: Timbuktu. A novel. New York: Henry Holt and Company 1999. S. 5, m.

[2] Auster, 1999: S. 8, u.

Details

Seiten
17
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640509126
ISBN (Buch)
9783640508877
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v141416
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Germanistisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
Besonderheiten in Erzählperspektive Figurenrede und Sprachstil in Paul Austers "Timbuktu"

Autor

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Titel: Wie beeinflussen die Figurenrede und der Sprachstil des Willy G. Christmas die Erzählstruktur des Romans „Timbuktu“ von Paul Auster