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Bericht zum Orientierungspraktikum an einer Montessori-Schule

Praktikumsbericht / -arbeit 2007 19 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Praktikumsvorbereitung
1.1. Persönliche Erwartungen und Motivation
1.2. Vorbereitung auf das Praktikum
1.3. Charakterisierung der Montessori-Pädagogik
1.4. Charakterisierung meiner Praktikumsschule
1.5. Zeitlicher und organisatorischer Ablauf des Praktikums

2. Struktur von Unterrichtsstunden
2.1. Theoretische Grundlage
2.2. Praktische Umsetzung

3. Ganzheitliches Lernen
3.1. Theoretische Grundlage
3.2. Praktische Umsetzung

4. Soziales Lernen
4.1. Theoretische Grundlage
4.2. Praktische Umsetzung

5. Lehrer- und Schülerverhalten
5.1. Theoretische Grundlage
5.2. Praktische Umsetzung

6. Abschließende Auswertung

7. Literaturverzeichnis

1. Praktikumsvorbereitung

1.1. Persönliche Erwartungen und Motivation

Vom 27.August bis 21.September 2007 habe ich das für Lehramtsstudenten obligatorische Orientierungspraktikum durchgeführt. Ich muss sagen, dass ich vor der Durchführung des Praktikums eher skeptisch war, ob ein verhältnismäßig langer Zeitraum von vier Wochen zur Hospitation für angehende Lehrer wirklich zweckmäßig sei. Es reizte mich, einen anderen Schultyp und somit auch Schüler einer jungen Altersklasse kennen zu lernen, da ich durch meine Wahl des Studiums zur Gymnasiallehrerin wohl sonst nie dazu gekommen wäre. Somit traf ich eine bewusste Entscheidung für die Grundschule.

Da meine eigene Grundschulzeit nun schon 10 Jahre her ist, hatte ich kaum Erinnerungen an diese Schulform. Allerdings wusste ich noch, dass es den meisten Lehrern schwer fiel, mit den verschiedenen Leistungen starker und schwacher Schüler umzugehen, da innerhalb einer Klasse der Leistungsunterschied extrem unterschiedlich sein kann. Hinzu überlegte ich mir, dass es genau diese Schwierigkeit ist, die ich an der Montessori-Schule als Problem empfand.

Am Anfang meines Praktikums hatte ich eher gemischte Gefühle und unterschiedliche Erwartungen, allerdings erhoffte ich mir vor allem Gewissheit in meinen Bestrebungen Lehrer zu werden und freute mich darauf endlich mal an eine Schule zu gehen und den Schulalltag zu erleben.

1.2. Vorbereitung auf das Praktikum

Als ich im Sommersemester 2007 an dem Vorbereitungskurs zum Orientierungspraktikum teilnahm, besuchte ich auch noch einen Kurs, der von XXX, dem Direktor der Montessori-Grundschule, geleitet wurde. Auf diesem Weg wurde ich sehr gut über die Montessori-Pädagogik informiert und interessierte mich immer mehr für diese Schule. Dieses Seminar trug im erheblichen Maß dazu bei, dass ich mir bereits im Groben bewusst war, was mich an dieser Schule erwarten wird. Dennoch war eine Motivation die, dass ich anfangs eher skeptisch war, ob sich die Erwartungen, die an die Schüler gestellt werden, z.B. das selbstständige Lernen oder auch das gegenseitige Helfen, realisieren.

Durch das Pädagogik-Studium wurde ich auch schon vorher für diese Pädagogik begeistert. In Zeiten der Kritik an deutschen, staatlichen Schulen mit traditioneller Pädagogik, finde ich es wichtig sich über Alternativen zu informieren. So kam es dazu, dass ich mich gegen meine ursprüngliche Entscheidung für eine Grundschule in der Nähe meines Wohnortes wendete und mich an der Montessori-Grundschule um einen Platz bewarb. Daraufhin konnte ich mich dann im Juli persönlich vorstellen. Schon damals wurden mir die blaue Ebene, mein zukünftiger Hospitationsplatz in einer ersten bis dritten Klasse, und deren Klassenlehrerinnen Frau XXX und Frau XXX, die beide, wie auch alle anderen Lehrer an dieser Schule ein Montessori-Diplom besitzen, vorgestellt. Außerdem wurde ich durch die Schule geführt und kurz über ihre Besonderheiten informiert, z.B. über den räumlich integrierten Kindergarten und Hort.

1.3. Charakterisierung der Montessori-Pädagogik

Die Montessori-Schule in XXX arbeitet mit der bekannten Montessori-Pädagogik, die eine von Dr. Maria Montessori im Jahr 1906 unter dem Motto “Hilf mir, es selbst zu tun“ eingeführte Bildungs-Methodik und Bildungsphilosophie für Kindergärten und Schulen ist, die auf offenem Unterricht beruht, sich unmittelbar am Kind orientiert und konsequent die Bedürfnisse des Kindes berücksichtigt. Das Kind in seiner Persönlichkeit zu achten und es damit als ganzen vollwertigen Menschen zu sehen ist nur eines der Prinzipien. Die Montessori-Methode konzentriert sich als Pädagogik auf die Bedürfnisse, Talente und Begabungen des einzelnen Kindes. Der Montessori-Erzieher hilft dem Kind seinen Willen zu entwickeln, indem man ihm Raum für freie Entscheidungen gibt, und selbstständig zu denken und zu handeln sowie Schwierigkeiten zu überwinden, statt ihnen auszuweichen. So lernen die Kinder frei, ohne Behinderung und Kritik, da Montessori glaubte, dass sowohl Belohnungen als auch Strafen schädlich für die innere Einstellung des Menschen sind, dass Kinder ganz natürlich aus ihrer eigenen Motivation lernen wollen. Das Leitmotiv ist daher die Pflege der natürlichen Freude des Kindes am Lernen. Hinzu wird die sensible Phase berücksichtigt, in der Kinder zu einer bestimmten Zeit etwas ganz Bestimmtes lernen wollen. Dazu wird ihnen in der Freiarbeitszeit Gelegenheit geboten. Freiarbeit ist das Kernstück der reformpädagogischen Bildung Montessoris. Die Kinder wählen nach eigener Entscheidung, womit sie sich beschäftigen. Das spezielle Montessori-Material, welches die Vorstellung unterstützt, die kindgerechte Darstellung der Angebote und die gute Beobachtungsgabe der Erzieher helfen dem Kind, sich für ein Angebot zu entscheiden. Das Kind bestimmt weitestgehend selbst den Arbeitsrhythmus und die Beschäftigungsdauer. Die Montessori-Erzieher helfen den Kindern selbstständige Persönlichkeiten zu entwickeln und erziehen sie zu Ordnung in ihrer Umgebung. Sie sind nicht nur flexibel, sondern auch geduldig beim Erklären des Gebrauchs der Montessori-Materialien.1

1.4 Charakterisierung meiner Praktikumsschule

Die Montessori-Schule in XXX ist eine genehmigte Schule in freier Trägerschaft. Außerdem ist sie in Ganztagsform, Grundschule (Klassenstufen 1-4) mit Orientierungsstufe (Klassenstufe 5-6). Zurzeit steht die Schule in enger Zusammenarbeit mit zwei XXXer Schulen. Zum einen mit dem XXX-Gymnasium und zum anderen mit der Integrativen Gesamtschule XXX. Besonders an den Räumlichkeiten im XXX im XXX ist, dass sich dort nicht nur die Montessori-Schule befindet, sondern auch das Montessori-Kinderhaus, welches eine Krippe, einen Kindergarten und einen Schulhort beinhaltet, sowie den Jugendclub der Aktion XXX, die nach besagter Pädagogik geführt werden. So ist es den Eltern möglich ihre Kinder ab dem Kinderkrippenalter mit der Montessori-Pädagogik vertraut zu machen. Dies ist auch der Grund, warum die 1. Klasse mehrheitlich aus Ehemaligen des Montessori-Kindergartens bestand.

Die Grundstruktur der Schule basiert auf zwei Stufen, da es keine herkömmliche Klasseneinteilung gibt, sondern jahrgangsübergreifende Strukturen, die so genannten Ebenen, in denen jeweils drei Jahrgänge zusammengefasst sind. In Stufe I gibt es vier Ebenen, die jeweils nach Farben benannt sind, mit Jahrgangsmischung der Klassenstufen 1, 2 und 3. In der gelben, orangenen, blauen und weißen Ebene sind jeweils etwa 30 Schüler, die jeweils von zwei unterrichtet werden. In Stufe II gibt es drei Ebenen (rot, grün, terra), die von insgesamt ca. 115 Schülern besucht werden.

Der Fachunterricht findet in festen Lerngruppen von 15 bis 20 SchülerInnen statt. In der Freiarbeit ist jeweils ein Team von LehrerInnen für die inhaltliche Arbeit in einer Ebene verantwortlich. Das Lernniveau der Kinder wird in (halbjährlichen) Lernentwicklungsberichten festgehalten, die sich auf die so genannten „Pensenbücher“ stützen, in denen sie Fortschritte der SchülerInnen detailliert dokumentiert werden. Hinzu finden mindestens zweimal pro Schuljahr Gespräche zwischen Eltern und LehrerInnen statt, in denen über die schulische und persönliche Entwicklung der Kinder gesprochen wird.

Diese Angebotsschule wird von Kindern aus der ganzen Stadt sowie aus den angrenzenden Landkreisen besucht. Darunter befinden sich auch einige Kinder mit verschiedenen Behinderungen, die in den Schulalltag integriert werden. Die LehrerInnen haben eine staatlich anerkannte Ausbildung sowie ein zusätzliches Montessori-Diplom.

Ab 7.00 Uhr können sich die Kinder in der Schule aufhalten und beschäftigen, bis der Unterricht um 7.45 Uhr beginnt und je nach Jahrgangsstufe zwischen 12 und 15 Uhr endet. Zwischen 12 und 13 Uhr besteht für alle Kinder die Möglichkeit, Mittag zu essen. Die meisten Schüler der Stufe I gehen anschließend in den Hort, der für sie bis 17 Uhr verschiedene Aktivitäten und Möglichkeiten zur Beschäftigung anbietet.

1.3. Zeitlicher und organisatorischer Ablauf des Praktikums

Schon vor Beginn meines Praktikums bemerkte ich, dass Ordnung und Zuverlässigkeit an dieser Schule sehr beachtet werden, da ich in einem Vorgespräch mit Frau XXX nicht nur über meine Praktikumsaufgaben informiert wurde, sondern auch eine Belehrung bekam und auch schon vorgestellt wurde, obwohl noch die Sommerferien bevorstanden und ich somit erst im neuen Schuljahr anfangen konnte. So erfuhr ich außerdem noch, dass ich im Unterricht der blauen Ebene hospitieren durfte. Die blaue Ebene besteht aus 30 Schülern der 1. bis 3. Klasse, das heißt, dass jeder Stufe etwa 10 Schüler angehören. Dass ich neben dem Fachunterricht, auch in der Freiarbeit hospitieren durfte, freute mich sehr. Der Fachunterricht lief meistens innerhalb einer Klasse ab. Dies hatte den Vorteil, dass die Gruppen mit 10-20 Schülern relativ klein gehalten waren und so fiel das Lernen den Kindern recht leicht und die Klassenlehrerinnen waren nicht so überfordert wie an Schulen mit einer Klassenstärke von 30 Kindern. Bezüglich des Fachunterrichts konnte ich mir aussuchen, welchen ich besuche und dies nahm ich auch häufig wahr. So hospitierte ich auch bei anderen Lehrerinnen, die aus anderen Ebenen kamen, um hier z.B. Geometrie zu unterrichten. Zumeist entschied ich mich für Englisch, Deutsch, Musik, Mathematik oder Kunst, dabei bevorzugte ich jedoch auch immer die 1. Klasse, da ich besonders die „Kleinen“ sehen wollte, die so gern lernten und glücklich über jeden neuen Fortschritt waren.

2. Struktur von Unterrichtsstunden

2.1. Theoretische Grundlagen

Für eine effektive und effiziente Unterrichtsdurchführung ist eine Strukturierung der Unterrichtsstunde unerlässlich. Steindorf begründet die Notwendigkeit der Strukturierung mit vier Argumenten:2

- Durch die Strukturierung des Lerngeschehens wird das Verständnis durch den Lernenden gefordert, da die Stoffvermittlung sinnvoll eingeteilt wird (lernpsychologischer Aspekt)
- Die Lerninhalte erfordern zumeist selbst eine gewisse Strukturierung oder bieten diese an (inhaltlicher Aspekt)
- Das Unterrichtsgeschehen muss in Berücksichtigung der übergeordneten Planung, vor allem den Lehrplänen, erfolgen (lernzielbezogener Aspekt)
- Für erfolgreiche Lehr-Lern-Prozesse ist eine gewisse Dynamik in der Darstellung durch den Lehrenden hilfreich und nötig (dramatischer Aspekt)

[...]


1 Vgl. KATEIN 1992, S.11ff.

2 Vgl. STEINDORF 1995, S. 186 f.

Details

Seiten
19
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640886357
ISBN (Buch)
9783640886401
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v141121
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Institut für Erziehungswissenschaften
Note
Schlagworte
bericht orientierungspraktikum montessori-schule

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