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„Frühlings Erwachen“ – aktueller denn je und immer noch schockierend?

Essay 2008 5 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Thema: „Frühlings Erwachen“ – aktueller denn je und immer noch schockierend?

Die Erstausgabe von Frank Wedekinds gesellschaftskritischem, teilweise satirisch anmutenden Drama erschien vor genau 117 Jahren, zur Zeit des wilhelminischen Kaiserreichs – und löste einen Skandal aus; man braucht keine detaillierten historischen Kenntnisse der damaligen Zeit, um sich die Wirkung des Dramas, das 1906, nach eingehender Zensur, seine Uraufführung feierte, auf die Zeitgenossen vorstellen zu können: schockierend, irritierend – ein noch nie da gewesener Tabubruch mit den Themen Pubertät, Sexualität und Suizid erschütterte die literarische Welt im streng konservativen Deutschen Kaiserreich. Was damals als thematisch skandalös angesehen wurde, ist heute elementarer Bestandteil der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen: Nacktheit als Selbstverständlichkeit im Fernsehen, Links zu erotischen Inhalten auf fast jeder beliebigen Internetseite, sexuelle Anspielungen in Werbung und Alltagssprache. Aufklärung (über Sexualität) ist heute in der einen oder andere Form – ob nun in pädagogisch angemessener Art und Weise, sei einmal dahingestellt – Teil von Kindheit, Teil von Jugend, Teil der Pubertät; sie ist quasi omnipräsent, begegnet uns an jeder Straßenecke, an Plakatwänden an der Bushaltestelle, tönt uns aus dem Radio entgegen… In unserer modernen Mediengesellschaft werden die Jugendlichen von heute geradezu mit Reizen und Informationen überflutet – und sind im Endeffekt genauso ratlos, irritiert und hilflos wie Melchior, Moritz und Wendla in Wedekinds Drama.

„Eine Kindertragödie“, so lautet der Untertitel von Wedekinds Stück; und als Tragödie erscheint Kindheit/ Adoleszenz auch heute wieder: Es stellt sich nach Lektüre von „Frühlings Erwachen“ doch die Frage, ob die Jugendlichen von heute im Zeitalter der „Hyper-“ bzw. „Turbo-Aufklärung“ nicht genau so zu bedauern sind, wie die Heranwachsenden in wilhelminischer Zeit: Anstelle von Getuschel und wagen Andeutungen im Hinblick auf Aspekte und Probleme erwachender Sexualität, anstelle von Geheimniskrämerei und Halbwahrheiten, tritt heute eine verwirrende Informationsvielfalt, derer sich Jugendliche kaum entziehen können – schon gar nicht wollen – und wiederum keine universellen, objektivierbaren Erkenntnisse erhalten: Wie vor 117 Jahren sind es wiederum nur Halbwahrheiten, welche Heranwachsende in unserer modernen Gesellschaft hinsichtlich o.g. Themen erhalten – und sich ebenso verunsichert fühlen.

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Details

Seiten
5
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640508174
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v141059
Institution / Hochschule
Universität Paderborn – Literaturwissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Wedeking Frühlings Erwachen Drama

Autor

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Titel: „Frühlings Erwachen“ – aktueller denn je und immer noch schockierend?