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Anfragen an eine ethisch fundierte Soziale Arbeit

Soziale Arbeit zwischen postmodernem Wertrelativismus und vormodernem Wertabsolutismus

Hausarbeit 2009 28 Seiten

BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ethik und Soziale Arbeit – eine Verhältnisbestimmung
2.1. Ethik
2.2. Soziale Arbeit
2.3. Verhältnisbestimmung

3. Postmoderne
3.1. Postmoderne als historisch-gesellschaftliche Problematik
3.2. Ethik der Postmoderne nach Zygmunt Baumann
3.3. Kritische Würdigung

4. Compassionate Conservatism
4.1. Compassionate Conservatism nach Marvin Olasky
4.2. Ethik des Compassionate Conservatism
4.3. Kritische Würdigung

5. Ausblick

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts hat sich soziale Hilfe bzw. Soziale Arbeit von einer primär moralisch beziehungsweise religiös inspirierten Mildtätigkeit hin zu einer professionalisierten Sozialen Arbeit gewandelt, welche die Rationalisierung der formalen Organisation und die Bürokratisierung der Hilfe beinhaltet. Diese – neue – Art der Sozialen Arbeit bezieht sich auf ungeplante und ungelöste Folgeprobleme der Industrialisierung und Modernisierung wie beispielsweise strukturelle Armut oder gesellschaftliche Ausgrenzung aufgrund von ‚Anderssein’. Sie reagiert auf die Tatsache, dass traditionelle Hilfesysteme wie Familie und Verwandtschaft nur noch begrenzt in der Lage sind, diese Probleme zu lösen sowie auf die dementsprechende Notwendigkeit professionell organisierter Hilfen (vgl. Kleve 1999a: S. 369f). Zielstellung dieser professionell organisierten Hilfen muss es dabei sein eine lebensdienliche, an einem ‚gelingenden’ Leben im Sinne der Adressaten orientierte Ausgestaltung der Hilfeformen zu gewährleisten. Dem folgend kann sich professionelle Soziale Arbeit nicht nur auf die strategisch-instrumentelle Übersetzung von Zielen konkreter Hilfeprogramme beziehen, sondern muss um die Dimension der Bedürfnisse und des Persönlichkeitsschutzes der Adressaten erweitert werden. Dabei dürfen jedoch auch die gesamtgesellschaftlichen Zielstellungen nicht außer Acht gelassen werden. Hieraus ist die Notwendigkeit abzuleiten, Entscheidungen dahingehend zu prüfen, ob sie zu einem ‚gelingenden Leben’ beitragen aber gleichzeitig auch dem gesellschaftlichen Zusammenleben förderlich sind. Um negative Effekte auf Individuen oder die Gesamtgesellschaft zu vermeiden, ist es notwendig, dass die Soziale Arbeit sich in einem Diskurs über ‚gelingendes’ Leben und dementsprechender Werte verortet, sich hieraus legitimiert und Orientierungshorizonte für ihr praktisches Handeln aufbaut. Insofern ist hier die Notwendigkeit einer ethisch fundierten professionellen Sozialen Arbeit angesprochen. Im Rahmen des angemahnten ethischen Diskurses darf sich die Soziale Arbeit nicht scheuen, sich auch kritischen Anfragen bezüglich ihrer Legitimation, Wertorientierung oder gar der fundamentalen Frage nach ihrer Notwendigkeit auszusetzen. So bieten gerade solche fundamentalen Anfragen doch die Chance sich neu zu positionieren und eigene Handlungs- und Vorgehensweisen, aber vor allem auch eigene Wertorientierungen offen zu legen und kritisch zu überprüfen.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist nun nicht die Generierung einer umfassenden Ethik der Sozialen Arbeit oder einer abschließenden ethischen Fundierung derselben. Vielmehr hat diese Arbeit zum Anliegen zwei fundamentale Anfragen an eine ethisch fundierte Soziale Arbeit – zum einen aus der Theorie der Postmoderne, zum anderen aus dem sozialpolitischen Konzept des Compassionate Conservatism – darzustellen, auf ihre ethischen Implikationen hin zu überprüfen, sich kritisch mit diesen auseinanderzusetzen und daraus Anknüpfungspunkte für eine ethische Reflexion der Sozialen Arbeit zu gewinnen. Weiterhin soll zum Ende dieser Arbeit der Versuch unternommen werden, die Soziale Arbeit vor dem Hintergrund der beiden Anfragen zu legitimieren und erste Orientierungspunkte für ihre ethische Ausgestaltung zu gewinnen.

Dem eben skizzierten Anliegen folgend, werden im zweiten Kapitel dieser Arbeit zunächst die Begriffe der Ethik (Kapitel 2.1.) sowie der Sozialen Arbeit (Kapitel 2.2.) konkretisiert, um anschließend eine Verhältnisbestimmung von Sozialer Arbeit und Ethik vornehmen zu können (Kapitel 2.3.).

Im anschließenden dritten Kapitel werden die Theorie der Postmoderne (Kapitel 3.1.) sowie die postmoderne Ethik nach Zygmunt Baumann (Kapitel 3.2.) vorgestellt und anschließend einer kritischen Würdigung hinsichtlich ihres ethischen Bedeutungsgehalts sowie der Implikationen für die professionelle Soziale Arbeit unterzogen (Kapitel 3.3.).

Das vierte Kapitel dient der Darstellung des sozialpolitischen Ansatzes des Compassionate Conservatism nach Marvin Olasky (Kapitel 4.1.) sowie dessen ethischen Grundlegungen (Kapitel 4.2.). Diese werden daraufhin wiederum einer kritischen Würdigung hinsichtlich ihrer ethischen Implikationen sowie ihres Bedeutungsgehaltes bezüglich der professionellen Sozialen Arbeit unterzogen (Kapitel 4.3.).

Abschließend wird im Rahmen des fünften Kapitels ein Ausblick auf eine ethische Mindestbegründung der Sozialen Arbeit jenseits von Postmoderne und Compassionate Conservatism gegeben sowie eine erste Annäherung an eine ethische Vorgehensweise, welche einen Horizont bezüglich konkreter Wert- und Handlungsorientierungen eröffnen könnte, vorgenommen.

2. Ethik und Soziale Arbeit – eine Verhältnisbestimmung

Ethische Reflexionen sind sowohl aus der Praxis als auch der sozialpolitischen Bestimmung der Sozialen Arbeit nicht wegzudenken. Dem folgend konstatiert auch Schneider (2002): „Tatsächlich aber bedarf es der Ethik und der Berufung auf ethische Prinzipien, um Handlungsziele verantwortungsvoll und begründet wählen bzw. vorgefundene institutionelle Zwecke kritisieren zu können“ (ebd.: S. 291). Anliegen des vorliegenden zweiten Kapitels ist es nun ein Verständnis des Verhältnisses zwischen Ethik und Sozialer Arbeit zu schaffen. Diesem Anliegen folgend werden im Weiteren zunächst die Begriff Ethik (Kapitel 2.1.) und Soziale Arbeit (Kapitel 2.2.) konkretisiert, um darauf aufbauend eine Verhältnisbestimmung von Sozialer Arbeit und Ethik vornehmen zu können (Kapitel 2.3.).

2.1. Ethik

Um den Terminus Ethik zu bestimmen, ist es notwendig, diesen von dem alltagssprachlich häufig synonym angewandten Begriff der Moral abzugrenzen. „Moral bezeichnet dabei das, was ‚man’ tut, also Konventionen, das Übliche, die Alltags- und Durchschnittsmoral, wohingegen Ethik die Reflexion darauf bezeichnet, ob das, was üblich ist, auch ‚wirklich’ gut und richtig ist“ (Honecker 1993: S. 249). Insofern stellen Moralen normative Setzungen dar, die die vorherrschenden Sinnvorstellungen einer Gemeinschaft beschreiben. Moral urteilt in sittlich gutes oder aber auch schlechtes Verhalten und sucht danach richtungweisend einzugreifen (vgl. Leisinger 1997: S. 13). Die Ethik als Wissenschaft hingegen reflektiert moralische Anschauungen und normative Setzungen sowie die daraus folgenden Handlungsorientierungen hinsichtlich ihrer Geltungsansprüche kritisch und begründet Grundsätze guten und gerechten Wollens und Handelns. Dementsprechend fragt die Ethik nach den Voraussetzungen gelingenden Lebens. Sie zielt „[…] auf das gute gelingende individuelle Leben, gemeinsam mit und für andere, in gerechten Institutionen“ (Ricoeur zitiert nach Volz 2000: S. 214). Zentrale Aufgabe der Ethik ist es „[…] über aktuelle gesellschaftliche Probleme und Fragen unter gegebenenfalls auch kritischen Rechtfertigungsaspekten nachzudenken“ (Lenk/Maring 1996: S. 3). Insofern können ethische Fragestellungen und Reflexionen sich auf alle Bereiche des menschlichen Lebens beziehen und dienen „[…] der umfassenden Ordnung und Orientierung individueller […] und gesellschaftlicher Praxis“ (Schneider 2002: S. 291). Die ethische Urteilsbildung in Bezug auf Fragestellungen wie ‚Was sollen wir tun?’ oder ‚Was dürfen wir tun?’ erfolgt dabei stets unter einer Logik, die klar am Menschen als Person orientiert ist. Dies verlangt Werte und Normen sowie die Folgen relevanter Handlungen im Hinblick auf übergeordnete Grundwerte und Menschenrechte zu diskutieren, da diesen Verantwortung geschuldet ist (vgl. Lenk/Maring 1996: S. 4).[1]

2.2. Soziale Arbeit

Die Konkretisierung des Begriffs der Sozialen Arbeit erweist sich als schwieriges Unterfangen, da bis heute keine Einigung darüber besteht, was genau die Soziale Arbeit umfasst (vgl. Rauschenbach/Züchner 2002: S. 842). In einer ersten Annäherung kann Soziale Arbeit als gemeinsamer Oberbegriff für die Fachrichtungen Sozialarbeit und Sozialpädagogik beschrieben werden. Dementsprechend wird Soziale Arbeit im Rahmen der vorliegenden Arbeit als diejenige Profession verstanden, welche darauf abzielt, durch professionelle soziale Hilfe, soziale Bildungsarbeit und politische Arbeit soziale Probleme zu lösen, indem sie Teilhabe- und Partizipationschancen von Individuen oder Gruppen eröffnet, wiederherstellt, sichert und erweitert. Diesem Verständnis folgend kann Soziale Arbeit als typisches Produkt der Moderne charakterisiert werden, da sie auf gesellschaftliche Nebenfolgen der Modernisierung wie Probleme der sozialen Ungleichheit und gesellschaftlicher Integration, auf soziale Risiken der individuellen Lebensführung und alltäglicher Lebensbewältigung sowie auf vielschichtige Herausforderungen des Aufwachsens in und jenseits von Familie und Schule reagiert (vgl. ebd.: S. 844). Dementsprechend ist es Anliegen der Sozialen Arbeit ihre Adressaten dabei zu unterstützen ein ‚gelingendes’, ‚gutes’ Leben zu realisieren. Im Rahmen der skizzierten Problemlagen und Zielstellungen können verschiedenste Stoßrichtungen der Sozialen Arbeit herausgearbeitet werden.

„Sie [die Soziale Arbeit; F.F.] begleitet, berät, unterstützt, pflegt und betreut Personen, die der Hilfe bedürfen, sie versucht aber auch soziale Situationen bzw. die sozialen Bedingungen des Lebens zu verändern. Soziale Arbeit basiert dabei auf einem Fall- und Feldbezug, sie verändert Personen und Situationen, bezieht sich auf das individuelle Verhalten und die gesellschaftlichen Verhältnisse“ (ebd.: S. 844).

Soziale Arbeit handelt dabei im Rahmen eines gesellschaftlich-sozialpolitischen Auftrags in einem stark verrechtlichten und bürokratisierten Bereich, nachdem sozialarbeiterische Hilfen bzw. Maßnahmen sowie dementsprechende (Hilfe-) Bedarfe von Individuen oder Gruppen weitestgehend aufgrund gesetzlicher Normierungen erfolgen, welche der politischen Willensbildung unterworfen sind. Über gesetzliche Rahmungen hinaus, wird Soziale Arbeit jedoch auch verstanden „[…] als eine spezifische Gestaltung einer der Condicio Humana inhärenten Dialektik von gesellschaftlichen Verhältnissen, kulturellen Verständnissen und individuellem Verhalten“ (Volz 2000: S. 209). Insofern zielt die Soziale Arbeit auch auf die kontinuierliche Verbesserung gesellschaftlicher Verhältnisse zugunsten aller Gesellschaftsmitglieder.

In ihren Leistungen ist die Soziale Arbeit an den Bedarfen und lebensweltlichen Gegebenheiten ihrer Adressaten auszurichten und kann dementsprechend als lebensweltbezogene soziale Dienstleistung verstanden werden, bei der der Leistungsempfänger „[…] in seiner Rolle als so genannter ‚Koproduzent’ zu einem wesentlichen Indikator für Erfolg und Qualität des Hilfeprozesses wird“ (Rauschenbach/Züchner 2002: S. 843f). Da – unabhängig davon welcher Standpunkt dazu eingenommen wird – Soziale Arbeit in weiten Teilen politisch-gesellschaftlichen Normierungen und Vorstellungen über die Differenz von Norm und Abweichung folgt, bewegt sie sich in ihren Leistungen immer in einem Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle.[2] Hieraus wird deutlich, „[…] dass Sozialarbeit nie nur in Bezug auf den Klienten, sondern immer auch in Bezug auf die Gesellschaft betrachtet werden muss“ (Erath 2006: S. 69). Unabhängig von dem skizzierten Spannungsverhältnis, hat die Soziale Arbeit – ebenso wie die Ethik – immer einer Logik zu folgen, die am Subjektstatus des Menschen als Person orientiert ist.

2.3. Verhältnisbestimmung

Wie in Kapitel 2.1. dargestellt hat die Ethik den Anspruch, sich auf alle Bereiche des menschlichen Lebens zu beziehen und sich an der Verantwortung gegenüber dem Subjektstatus des Menschen als Person zu orientieren. Diesem allumfassenden Anspruch folgend, ist auch die Soziale Arbeit einer ethischen Reflexion zu unterwerfen. Bevor Ethik und Soziale Arbeit aufeinander bezogen werden können, ist es jedoch notwendig, darauf zu verweisen, dass durchaus grundlegende Einwände gegen eine Ethik der Sozialen Arbeit bestehen.[3]

Ein zentraler Einwand gegen eine Ethik der Sozialen Arbeit entspringt der modernen Systemtheorie, nach der die Soziale Arbeit als Sozialtechnologie angesehen wird, deren ethische Reflexion sich erübrige, da sie sich an methodischen Programmen orientiere, die durch konkrete (politische) Verfahren beschlossen wurden (vgl. Luhmann zitiert nach Klug 2000: S. 176). Dementsprechend wäre „[…] die Entscheidung zu helfen oder nicht zu helfen, nicht Sache des Herzens, der Moral oder der Gegenseitigkeit, sondern eine Frage der methodischen Schulung und der Auslegung des Programms“ (Luhmann zitiert nach ebd.: S. 176). Dieser Argumentation folgend, wäre eine Ethik der Sozialen Arbeit bzw. eine ethische Reflexion derselben nicht notwendig. Dieser Einwand kann entkräftet werden, wenn beachtet wird, dass die Soziale Arbeit – wie in Kapitel 2.2. aufgeführt – zum Anliegen hat, ihre Adressaten bei der Realisierung eines ‚gelingenden’, ‚guten’ Lebens zu unterstützen. So hat die Soziale Arbeit zu reflektieren, was die Termini ‚gelingend’ und ‚gut’ bezogen auf die Lebensführungspraxis eines Menschen in seinem Status als Person bedeuten. Weiterhin kann selbst im Rahmen einer sozialtechnologischen Sichtweise der Sozialen Arbeit nicht auf eine Diskussion der Programme und ihrer Inhalte verzichtet werden. Es ist zu analysieren, wie sich diese Programme auswirken, welche Effekte sie auf betroffene Individuen sowie die Gesamtgesellschaft haben, warum und wofür es überhaupt solche Programme geben sollte, und wie die Würde des Menschen in seinem Subjektstatus als Person im Kontext von technisierten Sozialprogrammen gewahrt werden kann. Bereits mit diesen beiden, knapp skizzierten Überlegungen wird die Tür zu einer ethischen Reflexion Sozialer Arbeit und damit zu einer Ethik der Sozialen Arbeit weit aufgestoßen.

Aus der Gegenargumentation bezüglich des eben vorgetragenen Einwandes sind erste Ansätze für ein Beziehungsverhältnis von Ethik und Sozialer Arbeit ableitbar. So ist eine ethische Reflexion der Zielstellung – also das, was als ‚gutes’ bzw. ‚gelingendes’ Leben gilt – für die Soziale Arbeit unabdingbar. Eine ethisch fundierte Arbeit, die am Menschen als Person orientiert ist, muss sich fragen, welche Werte sie bezüglich der genannten Zielstellungen postuliert. Insofern ist Staub-Bernasconi (1994) zuzustimmen, wenn sie fordert: „Die Wertfrage erfordert eine eigene philosophisch-ethische […] Reflexion, und zwar auch derjenigen Werte, die an Definitionen körperlicher, psychischer [sic! F.F.], sozialer und kultureller Probleme anknüpfen“ (ebd.: S. 86). Die dementsprechende Grundfrage muss lauten: Was macht Handlungen zu guten Handlungen in dem Sinne, dass sich aus ihnen ein Horizont des gelingenden Lebens aufbaut (vgl. Taylor zitiert nach Volz 2000: S. 217)? Diese Frage muss dabei sowohl in der politisch-ethischen Diskussion über allgemeine Zielstellungen der Sozialpolitik und der Sozialen Arbeit als auch in der individuellen sozialarbeiterischen Praxis hinsichtlich der Handlungen von Adressaten, aber vor allem auch im Hinblick auf das professionelle Handeln in spezifischen ‚Hilfesettings’, gestellt werden. Somit sind ethisches Handeln und ethische Reflexion in der Sozialen Arbeit auf drei Dimensionen zu beziehen. Diese sind die Dimensionen der Gesellschaft, der Adressaten sowie der Profession bzw. des eigenen professionellen Handelns. Grundsätzlich kann dabei festgehalten werden, dass eine ethische Reflexion der Sozialen Arbeit in doppelter Hinsicht behilflich sein kann. Zum einen eröffnet die Ethik der Sozialen Arbeit die Möglichkeit, sich jenseits von ökonomischen Kalkülen zum Beispiel als Ort institutioneller Solidarität zu positionieren und zu legitimieren. Zum anderen bietet sie eine Orientierungshilfe bezüglich der Ausgestaltung konkreter Leistungen und Angebote. „Sie [die Ethik; F.F.] hebt solche moralischen Orientierungen und Verbindlichkeiten ins Bewusstsein, die selbst als normative Leitideen Sozialer Arbeit begründet werden können oder aber mit solchen übereinstimmen“ (Lob-Hüdepohl 2002: S. 291f). Wie sich im Rahmen des vorliegenden Kapitels gezeigt hat, ist die Soziale Arbeit aufs Engste mit ethischen Fragestellungen verknüpft. So ist sie gefordert ethische Grundprinzipien und Grundwerte zu entwickeln, die sowohl ihre Praxis als auch ihre wissenschaftliche Reflexion legitimieren und handlungsleitende Orientierungen begründen. Die für die Soziale Arbeit formulierten Maximen müssen dabei so herausgearbeitet werden, dass sie in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext ihre Gültigkeit bewahren können. In diesem Zusammenhang eröffnet sich jedoch ein neuer Problemhorizont. So ist es – um mit den Worten von Alexander Lob-Hüdepohl (2002) zu sprechen – strittig, „[…] ob es in einer pluralen Gesellschaft angesichts der Vielfalt unterschiedlicher Wertmuster und moralischer Grundüberzeugungen überhaupt allgemein verbindliche Grundprinzipien geben kann“ (ebd.: S. 292).

[...]


[1] Das vorliegende Kapitel zur Klärung des Begriffes der Ethik ist in leicht modifizierter Form einer früheren Arbeit des Autors mit dem Titel ‚Führungsethik im Spannungsfeld von Erfolgs- und Humanverantwortung’ entnommen (vgl. Frank 2008).

[2] Das sozialarbeiterische Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle wird in der Fachdiskussion als doppeltes Mandat bezeichnet. Das doppelte Mandat an dieser Stelle näher zu erörtern würde den Rahmen dieser Arbeit bei weitem sprengen. Verwiesen werden soll jedoch auf Erath (2008) Kapitel 3.3.

[3] Neben dem im Folgenden skizzierten Einwand der modernen Systemtheorie bestehen noch weitere Einwände gegen eine Ethik der Sozialen Arbeit. An dieser Stelle explizit auf diese Einwände einzugehen, würde den Rahmen dieser Arbeit bei weitem sprengen. Verwiesen werden soll jedoch auf den ‚Pluralisierungseinwand’ (vgl. Klug 2000), den ‚Instrumentalisierungseinwand’ (vgl. Volz 2000) sowie auf den ‚Ideologieverdacht’ (vgl. Schneider 2002).

Details

Seiten
28
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640479221
ISBN (Buch)
9783640479573
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v140895
Institution / Hochschule
Katholische Hochschule Freiburg, ehem. Katholische Fachhochschule Freiburg im Breisgau
Note
1,0
Schlagworte
Anfragen Soziale Arbeit Wertrelativismus Wertabsolutismus Thema Soziale Arbeit

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Titel: Anfragen an eine ethisch fundierte Soziale Arbeit