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Die antike Demokratie im Vergleich zur modernen Demokratie

Was kann die moderne Demokratie von der antiken Demokratie lernen?

Essay 2007 11 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

2 Einleitung
2.1 Die politische Partizipation
2.2 Exekutive
2.3 Legislative
2.4 Judikative
2.5 Die politische Freiheit
2.6 Die politische Gleichheit
2.7 Der Informationsaustausch
2.8 Die Experten
2.9 Die Gesellschaftsstruktur

3 Fazit

4 Literaturverzeichnis

2 Einleitung

Der Begriff Demokratie hat seinen Ursprung in der griechischen Antike. Demokratia setzt sich aus den zwei Worten demos – das ins Deutsche übersetzt Volk heißt – und kratein – das im Deutschen Macht, Herrschaft, Kraft und Stärke bedeutet – zusammen. Etwa um die Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. entstand bei den Griechen die Demokratie (vgl. Meier 1995: 360). „Indem die Griechen das Politische entwickelten, bildeten sie das Nadelöhr, durch das die Weltgeschichte hindurch mußte, wenn sie zum modernen Europa gelangen sollte“ (Meier 1995: 13). Der Begriff Demokratie war damals der Ausdruck für eine Gesellschaft und ihre Erscheinung. In der Moderne hingegen versteht man unter Demokratie eine Staatsformenlehre, ein politisches System. Auch der Begriff Politik hat seinen Ursprung in der griechischen Antike. Er wurde aus dem griechischen Polis für Stadt oder Gemeinschaft abgeleitet. Das Politische war in der griechischen, besonders der athenischen Gesellschaft das zentrale Lebenselement (vgl. Meier 1995: 17). Es versammelten sich die Vollbürger, vor allem die Männer in der ekklesia (Volksversammlung), tauschten dort ihre Meinungen aus und trafen die politischen Entscheidungen. „Die Polis war für sie der einzige wichtige Zusammenhang oberhalb des Hauses“ (Meier 1995: 27). Der andere Bereich – der sogenannte oikos – des Wirtschaftens, des Sozialen, des privaten Haushalts wurde beherrscht durch Hierarchie. In der Familie war der Mann das Oberhaupt und hatte das Sagen. Politisch war den Griechen gleichbedeutend mit allgemein, es zielte auf die Sache aller (vgl. Meier 1995: 27). Die Bürger der Polis setzten sich so stark für das Gemeinwesen ein, dass ihr Zusammenleben enorm von der Politik bestimmt war. Wenn die Ursprünge der Demokratie in der griechischen Polisdemokratie liegen, welchen Einfluss hatte sie auf die moderne Demokratie? In den nachfolgenden Abschnitten gehe ich anhand von mir selbst ausgewählter, politischer Institutionen auf mögliche Analogien der antiken zu der modernen Demokratie ein. Abschließend werde ich im Fazit versuchen darzustellen, welche die Unterschiede der griechischen Polisdemokratie zur modernen Demokratie sind.

2.1 Die politische Partizipation

Die direkten Demokratien waren die ersten Demokratien (vgl. Meier 1995: 91) überhaupt. Die athenische Polisdemokratie war nämlich eine direkte Demokratie. Für die einen war sie ein erstrebenswertes Ideal – denn nur das Volk selbst besaß die Macht die eigenen politischen Entscheidungen zu treffen – für die anderen galt diese uneingeschränkte Herrschaft des Volkes als Schreckbild, da die Demokratie leicht in eine Tyrannei umschlagen konnte. Die Volkssouveränität ist in den modernen Demokratien die entscheidende Voraussetzung, um die Staatsgewalt zu legitimieren. Die meisten modernen Demokratien sind repräsentative Demokratien, wie beispielsweise die Bundesrepublik Deutschland. Das essenzielle Kennzeichen der politischen Partizipation in den modernen Demokratien ist die Wahl. Der politisch mündige Bürger – jemand, der hinreichend qualifiziert ist, informierte Entscheidungen über Kandidaten für politische Ämter und über politische Programme zu treffen – ist die wesentliche Voraussetzung. In der griechischen Polisdemokratie wurden prinzipiell alle Ämter durch das Los bestimmt. Das Los galt als das Symbol für bürgerliche Gleichheit. Es stand für das Ideal der gleichen Chance auf Teilhabe und Teilnahme an der Politik. In den meisten modernen Demokratien sind Wahlen die einzige Form der direkten Teilnahme der Bürger am politischen Prozess – weitere direktdemokratische Elemente sind Volksabstimmungen, die sogenannten Referenden. „Viele der Referenden in modernen Demokratien hatten Verfassungsfragen zum Inhalt“ (Kailitz 2007: 292), z.B. die Ersetzung einer Regierungsform durch eine andere oder die Ablösung eines Wahlsystems. Volksabstimmungen kommen heutzutage selten zur Anwendung. Im antiken Griechenland hingegen wurden alle Entscheidungen von den Bürgern in der Volksversammlung getroffen. Ein Grund für die Seltenheit von Volksabstimmungen in unsrer Zeit ist, dass sie erheblich zur Verlängerung der Dauer des eigentlichen Willensbildungsprozesses beitragen. Vielleicht könnte die Möglichkeit mehr direktdemokratische Entscheidungen zu treffen, den Bürgern auch wieder stärkere Anreize bieten, sich mit dem politischen System zu identifizieren. Möglicherweise würde dann auch die Politikverdrossenheit – insbesondere „die Gleichgültigkeit, die Teilnahmslosigkeit der Mehrheit der Wahlberechtigten in westlichen Demokratien“ (Finley 1973: 7) – zurückgehen.

2.2 Die Exekutive

In der griechischen Antike übten die Vollbürger Athens die volle Gesetzgebungs-, Regierungs-, Kontroll- und Gerichtsgewalt aus. Sie wählten die Beamten und kontrollierten die gewählten und die durchs Losverfahren bestimmten Amtsträger und die Richter. Die eigentliche exekutive und administrative Regierungstätigkeit war auf eine große Zahl von auf ein Jahr gewählten Beamten und eine Rat von 500 ›Buleuten‹ aufgeteilt, die alle durch das Los bestimmt wurden (vgl. Finley 1973: 23). In den modernen Demokratien ist die Exekutive die vollziehende oder ausübende Gewalt. Sie umfasst die Regierung und die Verwaltung, der in erster Linie die Ausführung der Gesetze anvertraut ist. Schon in der griechischen Antike erhielten seit der Mitte des 5. Jahrhunderts die Inhaber von Ämtern, die Ratsmitglieder und die Geschworenenrichter eine geringe Entschädigung für die Sitzungstage oder die Amtszeit (vgl. Finley 1973: 23). Aber auch die Bürger erhielten Tagegelder als Ausgleich für den Verdienstausfall, den sie durch die Teilnahme an Versammlungen und die Übernahme von Ämtern erlitten. Heute bekommen die Abgeordneten Diäten, d.h. sie erhalten für ihr Mandat eine zu versteuernde Entschädigung als Ausgleich für Verdienstausfälle durch die Ausübung ihres Mandats. Die Parlamentarier verfügen in repräsentativen Demokratien über ein freies Mandat, d.h. sie gelten als Vertreter des ganzen Volkes und sind daher nicht an Aufträge und Weisungen ihrer Wähler und ihrer Partei gebunden. Sie sind nur ihrem Gewissen unterworfen (vgl. Pötzsch 2005). Im antiken Athen hingegen schützte man die Freiheit sowohl der Volksversammlung wie auch der einzelnen Mitglieder, indem ihnen die Immunität gerade verweigert worden ist (vgl. Finley 1973: 31).

2.3 Die Legislative

In der griechischen Polisdemokratie war die Volksversammlung die uns heute bekannte Legislative. Sie stellte das Machtzentrum der Athener dar. Denn diejenigen Bürger, die an der Volksversammlung teilnahmen, haben die Gesetze beschlossen. „Die Volksversammlung, die die letzte Entscheidung über Krieg und Frieden, über Vertragsabschlüsse, Finanzfragen, Gesetzgebung, öffentliche Baumaßnahmen, kurz, über die ganze Skala von Regierungstätigkeiten oblag, war eine unter freiem Himmel stattfindende Massenveranstaltung von vielen tausend Bürgern, die das Alter von 18 Jahren erreicht und sich zur Teilnahme an dem festgesetzten Tag entschlossen hatten. Im Laufe eines Jahres trat sie häufig zusammen, wenigstens vierzigmal, und erreichte gewöhnlich in der ausstehenden Angelegenheit innerhalb eines von Debatten gefüllten Tages eine Entscheidung. Im Prinzip besaß jeder das Recht, an Auseinandersetzungen teilzunehmen, indem er sich das Wort erteilen ließ“ (Finley 1973: 22 f.). In den modernen Demokratien stellt die Legislative die gesetzgebende Gewalt dar. Sie steht in der repräsentativen Demokratie mit Gewaltenteilung dem Parlament zu. Ihre wichtigste Aufgabe ist die Beratung und Verabschiedung von Gesetzen und die Kontrolle der Exekutive.

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Details

Seiten
11
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640510344
ISBN (Buch)
9783640510160
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v140815
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,0
Schlagworte
politische theorie und ideengeschichte demokratienvergleich antike und moderne
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