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Die Maiverfassung und die zweite Teilung Polens

Hausarbeit 2009 15 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Maiverfassung
2.1 Historischer Zusammenhang und die Entstehung der Verfassung
2.2 Besonderheiten & Neuerungen der Maiverfassung
2.3 Die zweite Teilung Polens

3 Auf die Maiverfassung folgt die zweite Teilung Polens
3.1 Die Maiverfassung als Grund für die zweite Teilung Polens?
3.2 Die Zeit nach der erneuten Teilung

4 Resümee

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Nation ohne Staat – genau so muss man die Polen von 1795 bis Ende des ersten Weltkriegs im Jahre 1918 bezeichnen. Nach drei Aufteilungen zwischen Russland, Preußen und Österreich bleibt der polnischen Nation nur noch das Streben nach einem eigenen Staat, der ihnen unter brutalen und zerstörerischen Maßnahmen der Nachbarstaaten genommen wurde. Das Land gehörte im 15. bis zum 17. Jahrhundert zu den fortschrittlichsten Staaten seiner Zeit, unter Anderem wegen seiner Staatsform der Adelsrepublik und der Königswahl. Doch Polen ging nicht mit der Zeit, denn die Magnatenherrscher samt König wurden unfähig den Staat zu regieren und wirtschafteten es in die Krise, womit sie es angreifbar machten. Es folgte 1772 die erste Teilung Polens, die die Bevölkerung zutiefst schockierte. Doch die reformatorischen Kräfte hatten den Mut sich von Russland loszureißen und eine eigene Verfassung anzufertigen, sowie mehrere Reformen durchzuführen, um wieder den Status eines souveränen Staates zu erreichen. 1792 folgte jedoch die erneute Teilung.

Unter dem Titel Die Maiverfassung und die zweite Teilung Polens soll erarbeitet werden, inwieweit die Verfassung vom 3. Mai 1791 Schuld an der zweiten Teilung ist. Zunächst wird die historische Vorgeschichte der zweiten Teilung dargestellt. Insbesondere die erste Teilung und der Entstehungshergang der Maiverfassung sollen in diesem Teilkapitel fokussiert werden. Anschließend wird auf den Inhalt der Maiverfassung eingegangen, sowie Auffälligkeiten und Neuerungen herausgearbeitet. Insbesondere der Beginn der Verfassung, der sich mit der den sozialen Verhältnissen beschäftigt, wird untersucht.

Fakt ist: Auf die Maiverfassung folgt die zweite Teilung. Doch ist sie der Grund für die erneute Teilung oder gab es bereits vorher Absichten der Nachbarstaaten, Polen weiter aufzuteilen? War es nur die Attraktivität der territorialen Gebiete Polens oder war es der drohende Jakobinismus ? Das Kapitel Die Maiverfassung als Grund für die zweite Teilung Polens? soll untersuchen, welche Faktoren die zweite Teilung herbeiführte und wo sich Indizien finden lassen, dass eine weitere Teilung schon lange geplant war.

Abschließend steht die Darstellung der Zeit nach der erneuten Teilung im Zentrum. Wie ging es mit Polen weiter? Und welche Konsequenzen hatte das revolutionäre Verhalten der Reformer wie Potocki und dem polnischen König für Polen? Fest steht, dass ab 1795 Polen restlos von der Landkarte verschwand und ein langer Kampf um den eigenen Staat begann, der erst 1918 erfolgreich endete.

Die Hausarbeit wird mit dem Resümee enden, in dem die Ergebnisse, die die Untersuchung gebracht hat, zusammengetragen und versucht die Frage zu beantworten, welche Rolle der Maiverfassung im Verlauf der zweiten Teilung Polens gespielt hat.

2 Die Maiverfassung

2.1 Historischer Zusammenhang und die Entstehung der Verfassung

Mit dem Jahre 1764 begann eine neue Ära im polnisch-litauischen Reich. Stanislaw II. August Poniatowski wurde zum König für das Großreich gewählt. Bis hierhin zeigte die Königswahl noch keine Abweichung von der bisherigen Prozedur. Betrachtet man aber nun die Umstände die Stansilaw II. zum König machten, bemerkt man einen Bruch in dem zunächst so fortschrittlichen politischen System. Stanislaw II. wurde von den Nachbarstaaten Russland und Preußen ausgesucht, welche die Abgeordneten des Sejms bestochen hatten und das Bestehen des Wahlergebnisses noch mit ihrer militärischen Gewalt zu schützten suchten. Der König führte von nun an einige Reformen durch und war sich sicher die Unterstützung der Zarin Katharina zu haben, da sie eine Liaison hatten. Doch als sich der Reichstag zu einer permanenten Konföderation erklärte und das Liberum Veto abschaffte, das die Beschlussfähigkeit bisher extrem einschränkte, ging dies auch für die Zarin einen Schritt zu weit. Das Liberum Veto oder auch das Einstimmigkeitsprinzip besagte, dass durch eine einzige Gegenstimme ein Beschluss als hinfällig erklärt werden konnte. Katharina benutzte die Unruhen im Land, die aufgrund der Dissidentenfrage geschürt wurden, um dem König seinen Rückhalt im Volk zu nehmen. Es folgte ein Stummer Sejm, in dem ein zuvor ausgearbeiteter Vertrag zwischen Polen und Russland ohne Diskussion angenommen werden musste. Die Kardinalrechte des polnischen Adels, darunter die freie Königswahl und das Liberum Veto, wurde mit diesem Vertrag festgeschrieben. Auch die Tolerierung der Dissidenten fand in diesem Abkommen Einzug.[1]

Da die russische Schutzmacht mit einer solchen Brutalität im polnisch-litauischen Reich vorging, formierte sich 1768 die Konföderation von Bar. Die Konföderation bestand aus Adligen, die für die Unabhängigkeit Polens und das Bürgerrecht nur für Katholiken forderten. Um gegen die Großmacht Russlands anzukommen, verbündeten sie sich mit den Osmanen. 1772 wurde die Konföderation schließlich niedergeschlagen. Schon vor der Niederschlagung der Konföderation begannen die Nachbarstaaten damit, Teile Polen-Litauens einzunehmen. Den ersten Schritt machte Österreich, das 1770 die Zips annektierte. Auch Preußen meldete Interesse bei der Zarin an und forderte eine Landbrücke zwischen Preußen und Ostpreußen. Die Verhandlungen mit der Zarin mündeten 1771 in einem Vertrag zwischen Russland und Preußen, in dem Westpreußen ohne Danzig und Thorn, sowie Ermland Preußen zugesichert und der Wunsch nach der Landbrücke der beiden preußischen Gebiete erfüllt wurde. Am 5. August 1772 folgte ein Vertrag zwischen Russland und Preußen, der die bereits eingenommenen Gebiete Österreich versprochen worden. Es handelte sich hierbei um die Gebiete südlich der Weichsel, Galizien und die westlichen Teile Podoliens. Russland eignete sich bei dieser Teilung Polnisch-Livland und Weißruthenien an.[2]

Der Schock über die Teilung und insbesondere über die Unfähigkeit Polens weckten im Land reformatorische Kräfte und Solidarität im Adel gegenüber den Bürgern. Der Stagnation in Polen war ein Ende gesetzt. Unter Anderem konnten neue Reformen im Schulwesen und im politischen System durchgeführt werden. Ein ständiger Rat und mehrere Ministerien wurden eingeführt.[3]

Sechzehn Jahre nach der ersten Teilung stand Russland im Krieg gegen das Osmanische Reich und Schweden. Die Nachbarstaaten lähmten bisher jegliche Reformversuche. Der Zweifronten Krieg zwang Russland dazu, das Protektorat über Polen zu lockern. Die reformatorischen Kräfte sahen nun ihre Zeit gekommen mehr zu tun als kleinere Reformen. So wurde 1788 der Große Sejm, der später auch als der Vierjährige Sejm bekannt wurde, einberufen. Der Große Sejm begann sofort mit seiner Arbeit und fasste erste Beschlüsse. Darunter fällt unter Anderen die Vergrößerung des Heers auf 100.000 Mann, welche zunächst durch Steuern aus Adels- und Kirchengütern finanziert wurde. Später musste das Heer jedoch wieder auf 65.000 Mann verkleinert werden. Der Große Sejm übernahm - nach der Verfügungsgewalt über das Heer – ab Dezember 1788 nun auch alle außenpolitischen Angelegenheiten und berief eine Deputation ein, die für die äußeren Angelegenheiten zuständig sein sollte. Der erste Höhepunkt in der Arbeit des Sejms fand am 19. Januar 1789 statt: Die Abschaffung der ersten funktionierenden Regierung der Rada Nieustająca, die durch ihre russische Herkunft befleckt war, wurde abgesetzt und der Große Sejm übernahm fortan die Vollzugsgewalt und setzte bis 1791 keine neue Regierung ein. Diese gravierenden Veränderungen durch Heeresreform und der Abschaffung der Regierung bedeuteten den Bruch mit der russischen Herrschaft in Polen. Um den drohenden Gefahren, die sich daraus ergaben entgegenwirken zu können, verbündete sich Polen nun mit Preußen. Als Drahtzieher dieser Verbindung gilt Ignacy Potocki, ein Anhänger der patriotischen Partei und seit 1789 auch Sejmleiter. Obwohl Preußen noch bei der ersten Teilung mit Russland zusammenarbeitete, arbeitete es nun gegen die Großmacht. Der Grund dafür mag wohl gewesen sein, dass sich die preußische Regierung alle Optionen offen halten wollte. Gegebenenfalls hätte es mit Polen kooperieren könnte, wenn dieses größer werden sollte, als geplant und Russland aus den Kriegen mit Schweden und dem Osmanischen Reich als Verlierer rausgehen sollte. Preußen hielt dennoch ständig verdeckt an den Plänen einer erneuten Spaltung des polnischen Territoriums fest.[4]

[...]


[1] Vgl. Manfred Alexander: Die kleine Geschichte Polens, in: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), Schriftenreihe Bd. 537. Bonn, 2005. S. 155.

[2] Vgl. Ebd. S. 156-157.

[3] Vgl. Ebd. S. 157.

[4] Vgl. Helmut Reinhalter: Die polnische Verfassung vom 3. Mai 1791 vor dem Hintergrund der europäischen Aufklärung, in: Peter Leisching/Peter Reinhalter (Hrsg.), Schriftenreihe der Internationalen Forschungsstelle Demokratische Bewegungen in Mitteleuropa 1770-1850. Frankfurt/Main, 1997. S.29.

Details

Seiten
15
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640478347
ISBN (Buch)
9783640478071
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v140477
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover – Historisches Seminar
Note
1,7
Schlagworte
Polen Russland Frühe Neuzeit Maiverfasung 3. Mai 1791 Preußen Österreich Teilungen 2. Teilung Zweite Teilung Katharina I.

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