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Spanien und der Islam - Musliminnen auf dem spanischen Arbeitsmarkt

Hausarbeit 2006 24 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einwanderung in Spanien
2.1 Die feminisierte Emigration

3. Die Situation der Frau auf dem spanischen Arbeitsmarkt
3.1 Die Verteilung der Musliminnen auf dem spanischen Arbeitsmarkt
3.2 Die große Nachfrage nach Dienstmädchen in spanischen Privathaushalten
3.3 Muslimische Dienstmädchen in Spanien
3.4 Arbeitsbedingungen und Lebenssituation der internas

4. La Constitución Española de 1978 und die Klassifikation der islamischen Religionspraktiken
4.1 Die Integration der Religion in das Arbeitsleben der Musliminnen
4.2 Die Religionspraktiken der internas

5. Diskriminierungen auf dem spanischen Arbeitsmarkt
5.1 Probleme der Musliminnen bei der Arbeitssuche

6. Fazit

Bibliographie
Monographien
Zeitungsartikel
Internetquellen

1. Einleitung

In den letzten Jahren hat sich der Islam in Spanien verändert, denn er ist von einer Minderheit zu einem festen Bestandteil der religiösen Landschaft geworden. „Seit dem 19. Jahrhundert hat sich durch Auswanderer und Arbeitsmigranten eine islamische Diaspora in der ganzen Welt, vor allem in Westeuropa und Nordamerika, gebildet.“[1]

Trotz allem wird der Islam in Europa stets als Ausdruck einer anderen kulturellen Identität wahrgenommen, und obwohl der Islam dem Christentum in vielerlei Hinsicht ähnelt, halten die meisten Europäer Muslime für beängstigend und fremdartig. Die westliche Welt assoziiert und pauschalisiert den islamischen Glauben unausweichlich mit jenen terroristischen Anschlägen und Aktivitäten, die die Schlagzeilen beherrschen.

La presencia de la inmigración no comunitaria musulmana, árabe, africana, pero sobre todo magrebí, pues es el colectivo más numeroso en España, concita atención y preocupación social, periodística y científica, prestándose a diversos discursos que van desde el paternalismo hasta xenofobia.[2]

Die Medien forcieren regelrecht diese stereotypische Denkweise der spanischen Gesellschaft, so dass vor allem muslimische Einwanderinnen weiterhin mit Hindernissen und Herausforderungen in Spanien konfrontiert werden, sobald es um Gleichberechtigung und das Bahnen neuer Wege in die Gesellschaft geht.

Aufgrund der Tatsache, dass insbesondere die Präsenz der marokkanischen Frauen stetig in Spanien wächst, verfolgt die vorliegende Untersuchung das Ziel, die Situation der muslimischen Marokkanerinnen auf dem spanischen Arbeitsmarkt herauszuarbeiten. Dazu bietet sich zunächst ein komprimierter Überblick über das Einwanderungsphänomen in Spanien an, was anhand von ausgesuchten historischen und aktuellen Ereignissen dargestellt werden soll. Darauf aufbauend sollen die wichtigsten Arbeitssektoren ergründet werden, in denen die muslimischen Immigrantinnen am Meisten vertreten sind. Des Weiteren stellt sich hier die Frage, ob bzw. wie die Musliminnen ihre kulturellen Praktiken des Islam in das alltägliche westliche Arbeitsleben integrieren können. Diese Darstellung nimmt den Hauptteil der Hausarbeit in Anspruch.

Abschließend soll aufgezeigt werden, welche grundsätzlichen Probleme sich bei dem Versuch der Integration der muslimischen Frauen auf dem spanischen Arbeitsmarkt ergeben.

2. Einwanderung in Spanien

Auch wenn der zentrale Untersuchungspunkt dieser Arbeit die Musliminnen auf dem spanischen Arbeitsmarkt sein sollen, ist es notwendig, auf das Phänomen der Einwanderung in Spanien einzugehen, denn in den letzten zwei Jahrzehnten ist der Anteil der ausländischen Bevölkerung um das fünfzehnfache angestiegen. Auch der Anteil der Muslime in Spanien, vor allem der marokkanischen Zuwanderer, hat enorm zugenommen.[3]

Spanien hat sich als südeuropäisches Land, ähnlich wie Italien[4], vom klassischen Auswanderungs- zu einem Einwanderungsland entwickelt.[5] Den absoluten Höhepunkt erlebte die spanische Migrationsgeschichte zu Beginn des 20. Jahrhunderts, denn zwischen 1905 und 1913 verließen 1,5 Millionen Spanier das Land. Die Mehrheit ging nach Lateinamerika. Nach Unterbrechungen durch die Weltkriege und dem Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) setzte eine zweite Auswanderungswelle ein, und bis 1958 emigrierten noch mal 624.000 Menschen. Aufgrund der ökonomischen Entwicklung in den 60er Jahren begann das Land, ausländische Arbeitnehmer anzuwerben und so wurde Spanien zu einem Zielland der Gastarbeiter. Das Ende der Anwerbungen infolge der Wirtschaftskrise 1973/74 führte zu einem drastischen Rückgang der Auswanderungen.[6]

Mitte der achtziger Jahre wurde Spanien vom Aus- zum Einwanderungsland mit positivem Saldo des Migrationsflusses, wodurch die zweite Phase mit einer `neuen Einwanderung` eingeläutet wurde: neu hinsichtlich der Herkunftsgebiete und dem Entwicklungsstand dieser Gebiete, neu hinsichtlich der Kulturen und Religionen der Einwander(innen), neu hinsichtlich ihres Aussehens, neu wegen der ökonomischen Migrationsgründe und des Anziehungseffektes durch den spanischen Arbeitsmarkt.[7]

Bis 1985 besaß Spanien kein Gesetz, das die Immigration regulierte, doch mit der Unterzeichnung des Schengener Abkommens und dem beabsichtigten Beitritt Spaniens zur Europäischen Union wurde im Vorfeld ein Ausländergesetz notwendig. Spanien trat 1986 der EU bei und die Meeresenge von Gibraltar wurde die europäische Grenze zu Afrika.

Die freien Grenzen innerhalb der Union erforderten eine umso strengere Kontrolle an den Grenzen Europas, denn seit Mitte der 80er und verstärkt Anfang der 90er Jahre kamen die Einwander(innen) nicht mehr primär aus Nordeuropa, sondern vornehmlich aus außereuropäischen Ländern und den so genannten Dritte-Welt-Ländern.[8] Der spanische Arbeitsmarkt hatte in der Zeit einen großen Bedarf an Arbeitskräften, weil für gewisse Tätigkeiten keine Spanier mehr zu gewinnen waren (vor allem im Bereich der Landwirtschaft) und die sich ausweitende Teilnahme der Frauen am Arbeitsmarkt[9] hatte zusätzlich die Nachfrage nach häuslichen Dienstleistungen erhöht. „Zudem hatte Spanien bis Mitte der 80er Jahre eine kaum definierte Grenz- und Einwanderungspolitik und bot auch anschließend bis in die 90er Jahre durch seine Ausrichtung auf Tourismus wenige Hindernisse.“[10]

Doch 1991 trat eine erhebliche Veränderung für die Immigranten ein, da in diesem Jahr die Visumspflicht für Ausländer eingeführt wurde und eine Legalisierung[11] stattfand, bei der Einwanderer ohne Aufenthaltsstatus eine Aufenthaltsgenehmigung erlangen konnten. Die Immigranten mussten den Behörden nachweisen können, dass sie seit zwei Jahren in Spanien lebten und arbeiteten.[12] „Die Legalisierung 1991 brachte zutage, dass 12.000 marokkanische Frauen, die in Privathaushalten arbeiteten, bisher ohne Aufenthaltserlaubnis in Spanien gelebt und gearbeitet hatten und nun die Legalisierung beantragten.“[13]

Gerade für Marokkaner(innen) ist Spanien als Migrationsziel heutzutage weiterhin relevant, „denn das Mittelmeer, insbesondere die Straße von Gibraltar, mit der geringen Entfernung zwischen Europa und Afrika stellt einen Verbindungsweg dar, um nach Spanien in die Europäische Union zu gelangen.“[14]

Laut den Daten des Instituto Nacional Estadística (INE) machten Anfang 2005 Afrikaner, vor allem Nord-Afrikaner, 19% aller Ausländer in Spanien aus. Darunter stellen Marokkaner mit über 70% mit Abstand die größte Nationalität dar. Die Gesamtanzahl der registrierten Ausländer beläuft sich auf 3.730.610, was einem Anteil von 8,43% der Gesamtbevölkerung entspricht.[15] Zu berücksichtigen ist jedoch auch die gewiss hohe Anzahl der Ausländer ohne Aufenthaltsgenehmigung, was natürlich nicht aus den statistischen Untersuchungen hervor geht. Die nachfolgende Tabelle gibt Auskunft der dominierenden Nationalitäten in Spanien im Jahr 2005:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Instituto Nacional Estadística, Nacionalidades predominantes. 2005.

2.1 Die feminisierte Emigration

Gründe für die Feminisierung der marokkanischen Emigration ins Ausland seit Ende der 1980er Jahre liegen in den `Anwerbestopps` der europäischen Länder, die als Konsequenz die Familienzusammenführungen mit sich brachten und viele Marokkanerinnen als Familienmitglieder ins europäische Länder führte.[16]

Vor allem aber sind die veränderten Strategien in marokkanischen Haushalten ab diesem Zeitpunkt für die Emigration der Frauen von Bedeutung. Die patriarchalische islamische Vorstellung, dass der Mann für den Lebensunterhalt seiner Frau und seiner Kinder verantwortlich ist, rückte nun in den Hintergrund, und es wurde begonnen, auch die feminine Migration für die ökonomische Sicherung und Verbesserung der Kosten der Familienhaushalte zu verfolgen. „Eine moralisch andere Haltung und weniger Restriktionen gegenüber der Emigration von Frauen waren hierzu erforderlich.“[17]

Die Frau übernimmt somit den Part des Mannes, um der Armut zu entgehen und die wirtschaftliche Situation ihrer Familie zu verbessern bzw. ihnen ein erträglicheres Leben zu verschaffen. Viele Frauen sehen die Auswanderung als eine Verpflichtung gegenüber ihrer Familie an, um für den Lebensunterhalt aufzukommen.[18]

Además, la emigrada se ve obligada a demostrar continuamente que sigue siendo una buena hija y una buena mujer según los estándares de su país, que no es una transgresora del orden social y que la única razón para quedarse en el extranjero es propocionar a la familia una vida acomodada.[19]

Wie bereits erwähnt, entsprechen Erwerbstätigkeiten der Frauen, die etwas mit der Öffentlichkeit bzw. der westlichen Welt zu tun haben, nicht der islamischen Idealnorm und können einen gesellschaftlichen Statusverlust der Frau in ihrem Heimatland zur Folge haben. Aber dessen sind sich die Marokkanerinnen durchaus bewusst, denn ein Ausweg aus der sozialen Stigmatisierung und aus der ökonomischen Notlage sind dominierende Faktoren. „Arbeitsmobilität muss also nicht als etwas Erstrebenswertes gelten. Konzepte wie Arbeit, Bewegungsfreiheit und sozialer Aufstieg sind anders mit Emanzipation verknüpft als etwa in Europa.“[20]

Im Gegensatz zu verheirateten Frauen sind vor allem Angehörige der ärmsten Schichten, Geschiedene, Witwen oder junge Frauen, die keine verwandtschaftliche Hilfe erhalten, auf der Suche nach einer Zukunft im Ausland, da es oftmals in ihrem Heimatland keine Perspektiven für sie gibt. Besonders für ledige Frauen bedeutet die Emigration und ihr Arbeitsverdienst, der zu großen Teilen den Familienmitgliedern in Marokko zukommt, die Legitimation für ihre bisherige „Nicht-Heirat“. Mit dem ökonomischen Kapital des regelmäßigen Einkommens und einer bestehenden Aufenthaltsgenehmigung in Spanien verfügen die Frauen über die Macht, potentielle Ehemänner und Familienangehörige von sich fern zu halten, soweit sie das wünschen. „Ihre Ressourcen machen eine Ehe für sie nicht notwendig. Da viele marokkanische Männer keine Arbeit und materielle Ressourcen vorweisen können, besteht für viele Marokkanerinnen kein Grund, mit ihnen in Ehegemeinschaften zu leben.“[21]

[...]


[1] Halm, Heinz, Der Islam: Geschichte und Gegenwart, München: Beck 2000, S. 7.

[2] Mouahli, Djaouida, Mujeres musulmanas: estereotipos occidentales versus realidad social – http://www.webislam.com/?idt=5649 (11.12.06)

[3] Vgl. Kreienbrink, Axel, Focus Migration – Länderprofil Spanien- Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.) - http://www.bpb.de (15.01.07)

[4] „Se olvida que la Europa de Sur ha sido un mundo generador de migraciones dentro y fuera de la cuenca mediterranea. Italia produjó 25 milliones de emigrantes entre 1860 y 1970. España, 7 milliones.“ [aus: Nair, Nadia, „Multiculturaliad y principio de igualdad: las mujeres musulmanas en los países europeos“, in: Parte de la Intervención en las Jornadas sobre Multiculturalidad y Extranjeria, Universidad del País Vasco: 2002, S.2.]

[5] Vgl. Jiménez Laux, Rosa Maria, Soziales Kapital in transnationalen Netzwerken marokkanischer Hausmädchen in Spanien – eine Et hnografische Studie, Bremen: Eigendruck 2002, S.25-26.

[6] Vgl. Kreienbrink, Axel, Focus Migration – Länderprofil Spanien- Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.) - http://www.bpb.de (15.01.07)

[7] Cachón, Lorenzo, Einwanderungsland Spanien und die Entstehung einer Migrantenjugend, Deutsch-spanische Konferenz zur Integration jugendlicher Migrat(inn)en, Köln: 21.-23. Juni 2004.- http://www.dija.de/downloads/dijal%C3%A4nderkunde/spanien/Cachon_Migrantenjugend (02.03.07)

[8] Vgl. Ramírez, Àngeles, Migraciones, género e islam: Mujeres marroquíes en España, Madrid: Agencia Española de Cooperación Internacional 1998, S.197-200.

[9] Für eine Darstellung der Frauenerwerbsbeteiligung auf dem spanischen Arbeitsmarkt siehe Kapitel 3, S.4.

[10] Ebd., S.3.

[11] Legalisierungen fanden 1985, 1991, 1996, 2000, 2001 und 2005 in Spanien statt.

[12] Vgl. Jiménez Laux, Rosa Maria, Soziales Kapital in transnationalen Netzwerken marokkanischer Hausmädchen in Spanien – eine Ethnografische Studie, S.25-29.

[13] Ebd., S.30.

[14] Kreienbrink, Axel, Focus Migration – Länderprofil Spanien- Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.) http://www.bpb.de (15.01.07)

[15] Vgl. Instituto Nacional de Estadistica, Nacionalidades predominantes 2005 - http://www.ine.es/prodyser/pubweb/espcif/pobl06.pdf (25.01.07)

[16] Jiménez Laux, Rosa Maria, Spanien – das südliche Tor zu Europa – Bundeszentrale für politische Bildung http://www.bpb/themen/7NQSK.html (03.03.07)

[17] Ebd.

[18] Vgl. Mernissi, Fatima, Geschlecht – Ideologie – Islam, München: Weismann Verlag 1987, S.167-169.

[19] Vitale, Serena, “El status de la mujer migrante. Las marroquíes en España“, in: Investigaciones Geográficas 24 (2000), S.105.

[20] Künzler, Eva, Zum westlichen Frauenbild von Musliminnen, Würzburg: Ergon Verlag 1993, S.73.

[21] Jiménez Laux, Rosa Maria, Soziales Kapital in transnationalen Netzwerken marokkanischer Hausmädchen in Spanien, S.149.

Details

Seiten
24
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640479757
ISBN (Buch)
9783640479979
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v140473
Institution / Hochschule
Universität Paderborn – Romanistik
Note
1,0
Schlagworte
Spanien Islam Musliminnen Arbeitsmarkt
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Titel: Spanien und der Islam - Musliminnen auf dem spanischen Arbeitsmarkt