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Das Motiv des Reisens in der Kinder- und Jugendliteratur

Dargestellt an Jules Vernes Werk 'In 80 Tagen um die Welt'

Hausarbeit 2009 20 Seiten

Didaktik - Germanistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Lessing und die Theaterlandschaft in Deutschland

3. Veränderungen dieser Theaterlandschaft
3.1 durch Gottsched
3.2 durch Lessing

4. Ein Vergleich der Werke „Der junge Gelehrte“, „Miss Sara Sampson“ und „Nathan der Weise“
4.1 Der junge Gelehrte
4.2 Miss Sara Sampson
4.3 Nathan der Weise

5. Schlussbemerkungen

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung des Dichters und Aufklärers Gotthold Ephraim Lessing und drei seiner Werke, namentlich „Der junge Gelehrte“, „Miss Sara Sampson“ und „Nathan der Weise“.

Im Verlauf der Hausarbeit soll versucht werden, den Prozess und die Veränderungen, die sich im Laufe der Jahre, in denen Lessing als Schriftsteller tätig war, von dem einen zum anderen Werk vollzogen haben, herauszuarbeiten.

Die zentralen Untersuchungspunkte stellen dabei die Veränderungen in Aufbau und Struktur der Werke dar, wobei auch einige thematische Schwerpunkte sowie einige Intentionen und Wirkungsabsichten, die Lessing mit Hilfe seiner Werke zum Ausdruck bringen wollte, berücksichtigt werden.

Zu Beginn der Arbeit werde ich zunächst kurz die historische Situation des Theaters und die Bedingungen schildern, auf die Lessing in der Anfangszeit seines literarischen Schaffens traf.

Im folgenden Kapitel möchte ich dann auf die Veränderungen eingehen, die sich dank der Bestrebungen Gottscheds und Lessings im deutschen Theaterwesen vollzogen haben. Hier werde ich mich auch auf theoretische Äußerungen der beiden Schrifsteller bezüglich des Theaters sowie der Komödie und Tragödie beziehen, da dies die Grundlage für meine weiteren Ausführungen darstellt. Denn anschließend werde ich dann versuchen, diese Theorien auf die drei ausgewählten Werke anzuwenden, d.h. überprüfen, inwiefern sich die theoretischen Ausführungen Lessings auf seine Werke übertragen lassen.

Außerdem sind die Werke kurz in ihren entstehungsgeschichtlichen Zusammenhang eingebettet, um die Veränderungen, die sich in den einzelnen Werken finden lassen, besser einordnen zu können.

Zum Schluss werde ich dann, neben einer kurzen Zusammenfasung der Ergebnisse, noch auf die Frage eingehen, inwieweit der „späte“ Lessing ein modernerer Autor ist als der „frühe“ Lessing und welche Parallelen es bereits zwischen seinen Gedanken und seinen Vorstellungen und unseren heutigen Idealen gibt.

2. Lessing und die Theaterlandschaft in Deutschland

Nachdem Gotthold Ephraim Lessing die Fürstenschule St. Afra in Meißen erfolgreich abgeschlossen hatte, schrieb er sich auf Wunsch seines Vaters im September 1746 an der Universität in Leipzig für ein Studium der Theologie ein.

Sein Interesse an der Theologie hielt sich dabei jedoch in Grenzen. Es galt vielmehr den philosophischen Fächern und der Literatur, was auch schon daran zu erkennen ist, dass Lessing sich als Schüler bereits literarisch betätigt hatte und schon während seiner Zeit am Gymnasium sein erstes Lustspiel „Der junge Gelehrte“ verfasst hatte.

Schon zu Beginn seiner Zeit in Leipzig fühlte sich der junge Lessing stark zum Theater hingezogen.

Die Theaterlandschaft, die Lessing zu dieser Zeit in Deutschland vorfand, hatte dabei allerdings nichts mit dem zu tun, wie wir es heute aus den deutschsprachigen Stadt- und Staatstheatern kennen.

Zum einen regierte das Wanderbühnenwesen. Das ist eine Bezeichnung für eine Schauspielergemeinschaft, deren Mitglieder sich meist aus „entlaufenen Studenten und fahrendem Volk“[1] rekrutierten. Charakteristisch für diese Art des Theaters war einerseits, bedingt durch das seltene Anlaufen der gleichen Spielorte, das schmale Repertoire und andererseits das Stegreifspiel, eine Darstellung einzelner Szenen ohne ausgeformte Textvorlage. Die Schauspieler hatten dabei nur grobe Vorgaben bezüglich des Themas, der Charaktere und des Spielverlaufs. Alles andere wie Dialoge, Monologe, Gestik und weitere Details wurde von ihnen selbst improvisiert.[2]

Dabei wird sich noch streng an die Einteilung der Stände gehalten. „Liebhaber und Helden auf der Bühne sind Feudale. Hanswürste und Statisten repräsentieren die unterbürgerlichen Schichten (Bauern und Diener).“[3]

Zum anderen gab es die Theatergruppen an den Höfen, die sich, bezahlt durch die Fürsten, durch prunkvolle Kostüme, gekünstelte Vortrags- und Spielweise auszeichneten, die mehr die höfische Lebensart als die ernsthafte Auseinandersetzung mit den dramatischen Figuren und deren Konflikten thematisierten.

3. Veränderungen dieser Theaterlandschaft

Im folgenden Kapitel möchte ich nun darauf eingehen, inwiefern zunächst Gottsched und, auf ihn und seine Theorien und Anstrengungen bezogen, wenig später Lessing selbst mit seinen theoretischen Äußerungen zu Drama und Theater, welche sich vor allem in seinen theoretischen Schriften „Briefe, die neueste Literatur betreffend“ (1759-1765) und „Hamburgische Dramaturgie“ (1767-1769) finden lassen, zu einer Veränderung der Theaterlandschaft in Deutschland beigetragen haben.

3.1 durch Gottsched

Johann Christoph Gottsched (1700 – 1766), Professor, Spracherzieher und einer der geistigen Führer der Frühaufklärung aus Leipzig, setzte sich seit Ende der 20er Jahre für eine Reform des Theaters ein. In seiner Schrift „Versuch einer critischen Dichtkunst für die Deutschen“ erstrebt er das Ziel, das in seinen Augen chaotische Theater der Wanderbühne zu reformieren.

Einen Hauptgrund für das niedere Niveau des deutschen Theaters sah Gottsched in der Trennung von Theater und Dichtung. Er bemängelte, dass die Aufführungen nicht textgetreu seien, sowie das Fehlen einer sich durchziehenden Handlungsstruktur. Wichtigster Angriffspunkt waren für ihn hierbei die Hanswurstiaden und die Greuelszenen. Der „Hanswurst“, die Lieblingsfigur des volkstümlichen Theaters, vollführte improvisierte Scherze und derbe Späße, die meist mit der Bühnenhandlung keinen inneren Zusammenhang hatten und einzig und allein Heiterkeit auslösen sollten.

So berichtete Gottsched nach einem seiner Theaterbesuche: „Lauter schwülstige und mit Harlekinslustbarkeiten untermengte Haupt- und Staatsaktionen, lauter unnatürliche Romanstreiche und Liebesverwirrungen, lauter pöbelhafte Fratzen und Zoten waren dasjenige, so man daselbst zu sehen bekam."[4]

Es gelang ihm, die Prinzipalin Neuber und ihre Schauspielgruppe, die zu der damaligen Zeit mit zu den größten und bekanntesten gehörte, von seinen Plänen, das Stegreifhafte und die Hanswurstiaden abzuschaffen, zu überzeugen. 1737 führte die Neubersche Truppe daraufhin die Verbannung des Harlekin vor.

Gottsched wird auch als Regelpoetiker bezeichnet und gilt als Anhänger des französischen Klassizismus. Da die zeitgenössische deutsche Literatur für die von ihm angestrebten Neuerungen nicht brauchbar schien, griff er auf die französische Komödie sowie die französische Alexandrinertragödie zurück. An ihnen entwickelte er seine Vorstellungen von regelmäßigen Schauspielen, die seinen Regeln der Poetik entsprachen, wie die strenge Einhaltung der drei Einheiten Ort, Zeit und Handlung, die gebundene Rede, die Naturnachahmung und die Klarheit des Stils.

Dichtung, die diesen Regeln nicht entsprach, könne seiner Meinung nach keinen literarischen Wert beanspruchen, haben doch diese Regeln aus Gottscheds Sicht „ihren Grund in der unveränderten Natur der Dinge selbst“.[5]

Auf literarischem Gebiet hatten Gottscheds Reformmaßnahmen einschneidende Konsequenzen. So wurde jeder, der in diesen Jahren Dramen oder Komödien schrieb, an den von Gottsched gesetzten Maßstäben gemessen.

3.2 durch Lessing

Auch Lessings frühe Lustspiele standen noch unter dem Einfluss der zu der Zeit maßgeblichen Gottschedschen Theorie, wie ich im weiteren Verlauf meiner Hausarbeit noch an seinem frühesten Werk „Der junge Gelehrte“ zeigen werde.

Doch schon die Kritiken der frühen Berliner Zeit lassen erkennen, dass Lessing sich von der Partei des Leipziger Literaturpapstes distanzierte. So war er bestrebt, Gottscheds Reformleistungen im Bereich des Theaters so gering wie möglich, eigentlich gar nicht als Reform erscheinen zu lassen. So sei Gottsched nicht der Erste gewesen, der den Missstand des deutschen Theaters erkannt habe, „er war nur der erste, der sich Kräfte genug zutraute, ihm abzuhelfen.“[6]

In Gottscheds Literaturreform sah Lessing die Ursache, welche die Entwicklung eines deutschen Theaters verhindert habe.

Dieser Vorwurf kommt vor allem in dem 17. Literaturbrief (1759), aus „Briefe, die neueste Literatur betreffend“, einer Sammlung von Kritiken zur zeitgenössischen Literatur, die Lessing zusammen mit Friedrich Nicolai und Moses Mendelssohn herausgegeben hatte, zum Tragen: „Niemand, sagen die Verfasser der Bibiolthek, wird leugnen, daß die deutsche Schaubühne einen großen Teil ihrer ersten Verbesserung dem Herrn Professor Gottsched zu danken habe. Ich bin dieser Niemand; ich leugne es gerade zu. Es wäre zu wünschen, daß sich Herr Gottsched niemals mit dem Theater vermengt hätte. Seine vermeinten Verbesserungen betreffen entweder entbehrliche Kleinigkeiten oder sind wahre Verschlimmerungen.“[7]

Als einen Bereich dieser „Verschlimmerungen“ sah Lessing die Vertreibung des Harlekin von den deutschen Bühnen, „welches selbst die größte Harlekinade war, die jemals gespielt worden;...“[8]. Ein weitere aus Lessings Sicht hervorgerufene Verschlimmerung kam dadurch zustande, dass sich Gottsched zu eng an französische Muster gebunden habe, ohne untersucht zu haben, „ob dieses französische Theater der deutschen Denkkunst angemessen sei oder nicht.“[9]

Lessing hält den englischen Geschmack dem deutschen für ähnlicher, da „das Große, das Schreckliche, das Melancholische [der Engländer] besser auf uns wirkt als das Artige, das Zärtliche, das Verliebte [der Franzosen];...“[10]

Durch die alleinige Fixierung auf das Französische sei der Weg zur fruchtbaren Anregung durch die Engländer und ihr dramatisches „Genie“ Shakespeare versperrt worden.[11]

[...]


[1] Jacobs 1986, S.27

[2] www.lexikon.meyers.de/meyers/Stegreifspiel (14.09.08)

[3] Steinmetz 1987 S.17

[4] Jens, Walter, Kindlers Neues Literatur Lexikon, Band 6, Seite 726, Spalte 1

[5] Barner 1975, S.120

[6] Best 1998, S. 111

[7] Best 1998, S. 110

[8] Best 1998, S. 112

[9] Best 1998, S. 112

[10] Best 1998, S. 112

[11] Barner 1975 S.92

Details

Seiten
20
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640475056
ISBN (Buch)
9783640474783
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v140434
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – Germanistik
Note
2,3
Schlagworte
Motiv Reisens Kinder- Jugendliteratur Dargestellt Jules Vernes Werk Tagen Welt

Autor

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