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Eine Abrechnung mit der zeitgenössischen Literatur

Rosalía de Castros 'El Caballero de las botas azules'

Hausarbeit 2009 18 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der etwas andere romantische Roman
2.1. Un hombre y una musa
2.2. La Corredera del perro

3. El duque de la Gloria

4. Gesellschaftskritik im Roman
4.1. Albuérniga
4.2. Personen des literarischen Lebens

5. El pozo de la moderna ciencia und El libro de los libros

6. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Rosalía de Castro ist vor allem für ihre galicische Dichtung bekannt, auch wenn der Großteil ihrer Werke auf Spanisch verfasst wurde. Somit ist auch ihr Roman El caballero de las botas azules (1867) in der Forschung weniger präsent. Dabei ist der Roman in vielerlei Hinsicht interessant und verdient der näheren Betrachtung. Der Roman erschien in einer geschichtlich sehr bewegten Zeit. Die Ära Isabelina geht mit der Septemberrevolution 1868 zu Ende und die Königin Isabel II. wird ins französische Exil vertrieben. Rosalía de Castro lebte zu Zeiten der Carlistenkriege, in denen Liberalisten und Traditionalisten um die Herrschaft kämpften. Literarhistorisch erlebt sie die Epoche der Romantik und den bürgerlichen Realismus und Naturalismus. Wo genau nun der Roman El caballero de las botas azules einzuordnen sein wird, werde ich im Laufe der Arbeit herausstellen.

In dieser Arbeit werde ich den Roman vor allem in Hinblick darauf untersuchen, wie Rosalía de Castro hier mit ihrer zeitgenössischen Literatur umgeht und diese direkt und indirekt kritisiert. Zunächst werde ich auf die besondere Form und Stilistik des Romans eingehen, die eine Neuerung in der damaligen Literaturlandschaft darstellte und im Zuge dessen auch inhaltlich besonders auf den Prolog Un hombre y una musa eingehen und die Episode der Corredera del perro. Daraufhin folgt ein Kapitel über den Duque de la Gloria oder auch den Caballero de las botas azules, der als Protagonist die Madrider Gesellschaft durcheinander bringt. In einem nächsten Punkt werde ich mich mit der verübten Gesellschaftskritik beschäftigen und werde dann mit einer näheren Betrachtung der letzten beiden Kapitel des Buches enden.

2. Der etwas andere romantische Roman

Was die genaue epochale Einordnung des Romans so schwierig macht, ist vor allem die außergewöhnliche Form, die der Roman aufweist. Untertitelt ist der Roman mit „un cuento extraño“, was schon auf eine eigenartige Geschichte schließen lässt. Die Geschichte des caballero de las botas azules besteht aus einem Prolog und 24 Kapiteln, in denen die Geschichte eines Mannes erzählt, der strebend nach Ruhm über den Tod hinaus, die Musen anruft, damit sie ihn inspirieren und zu einer neuen Poetik verhelfen. Es antwortet ihm die Muse „La Novedad“. Er wird zum Duque de la Gloria, einem sehr ungewöhnlichen Mitmenschen, der vor allem auch durch seine extravagante Kleidung auffällt (botas azules, aguilucho por corbata, bastón con cascabel). Er weckt die Neugierde des gesamten Hofes in Madrid und sorgt für einen Skandal nach dem anderen. Seine Mission ist es der höfischen Gesellschaft ihre Scheinheiligkeit und Eitelkeit vorzuführen und ebenso mit der derzeitigen Literatur zu verfahren. Auch wenn der fantastische Roman durchaus der Romantik entsprach, ist dieser nach Form und Konzeption eher mit unserer heutigen Literatur zu vergleichen. Rosalía de Castro kreiert Bilder und einzelne Szenen, die den Erzählstrang in den Hintergrund rücken lassen. El caballero de las botas azules ist eine Mischung aus verschiedenen Geschichten, die immer wieder unterbrochen werden und teilweise ganz aussetzen, wie im Beispiel von Señor de Albuérniga, der aus Madrid flüchtet, um seine Ruhe wieder zu finden. Allein die Hauptfigur, der Duque de la Gloria, hält den Roman mit seiner offenen Erzählstruktur wie ein roter Faden zusammen. Interessant ist in dieser Hinsicht der Kommentar eines Verlegers in einer Zusammenkunft von Autoren und Editoren:

- “Hablo de este modo, señora, porque me ha indignado la reciente lectura de una novela desconocida que lleva por epígrafe: El caballero de las botas azules. […]; he leído la mitad, yo no puedo saber todavía en qué capítulo empieza, puesto que es en todos a la vez.”[1]

Auf einer Metaebene wird hier der Roman selbst zum Thema und die offene Struktur bewusst angesprochen. Diese Art des Erzählens erinnert stark an die der Feuilletonromane, die zu Rosalía de Castros Zeiten sehr beliebt waren und die im Roman selbst allzu deutlich kritisiert werden. Ambrosio, einer der Autoren, sagt in einer Diskussion über die neue Zeitung Las Tinieblas folgendes:

“¡Qué quieres! Las Tinieblas me agradan, sobre todo porque tiende a derribar el vano orgullo de las medianías, la mentira gloria de algunos malos prosistas y la lastimosa popularidad que han llegado a adquirir esas novelas que, para explotar al pobre, se publican por entregas de a dos cuartos.”[2]

oder auch der Duque de la Gloria selbst an anderer Stelle:

“[…] yo mereciera, el primero, ser arrojado en el pozo de la moderna ciencia en compañía de las historias inspiradas, de los malos versos, de las zarzuelas sublimes y de las novelas que se publican por entregas de a dos cuartos. ¡Concluyamos de una vez!”[3]

Der Erzähler selbst wirkt eher distanziert, was dem ganzen Roman etwas ironisches verleiht. Desweiteren weist der Roman dramatische Elemente auf. Hier ist vor allem der Prolog Un hombre y una musa zu nennen und ebenso die Dialoge im Roman selbst. Die Figuren werden vor allem durch die Dialoge charakterisiert, sofern man von „Charakter“ sprechen kann. Die meisten bleiben in der Beschreibung eher oberflächlich, nur die Figuren der Corredera del perro und der Señor de la Albuérniga bilden eine Ausnahme.

2.1. Un hombre y una musa

Der eigentlichen Geschichte vorangestellt, ist dieser Prolog in dramatischer Form ein direkter Einstieg in die Handlung, da die Form direkt für die volle Aufmerksamkeit des Lesers sorgt. Erzählt wird in diesem kleinen Stück, bestehend aus drei Szenen, die Entstehung des Duque de la Gloria, der hier noch als Hombre auftaucht und nun die Musen anruft, die ihm helfen sollen, etwas neues zu kreieren.

“[I]nspírame para que pueda cantar en ese nuevo estilo que se me exige, que se espera con avidez, pero que nadie sabe.”[4]

Zwischen Spaß und Ernst werden nun verschieden philosophische, literarische und soziale Fragen behandelt. Das Gespräch zwischen Musa und Hombre ist vor allem durch starke Brüche, sowohl im Inhalt als auch im Ton, gekennzeichnet, die keine logische Verbindung aufweisen. Nach Miralles dient dies dazu den Sinn der Geschichte zu verschleiern.[5] Zentrales Motiv und gleichzeitig Name der Muse ist La Novedad. Es existiert in der Forschung die Annahme, Rosalía de Castro spräche hier über ihr eigenes poetisches Werk, wenn sie eine Neuerung verlange.[6] C. Poullain hingegen bezieht die Forderung nach Neuerung auf den Helden des Romans.[7] Auch wenn es sich bei dem Duque de la Gloria durchaus um eine neue Art Held handelt, halte ich es für eine allgemeinere Forderung, die Rosalía de Castro auf Grund der derzeitigen Literaturlandschaft stellte. C. Poullain schreibt selbst:

[...]


[1] (Castro, 2000, S. 314)

[2] (Castro, 2000, S. 170)

[3] (Castro, 2000, S. 301)

[4] (Castro, 2000, S. 90)

[5] Vgl. (Miralles, 1986, S. 457)

[6] Vgl. (Poullain, 1970, S. 38)

[7] Vgl. (Poullain, 1970, S. 40)

Details

Seiten
18
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640473267
ISBN (Buch)
9783640473373
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v140272
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Romanisches Seminar
Note
1,7
Schlagworte
Rosalá de Castro Romanautorinnen des 19. Jahrhunderts Realismus Romantik Costumbrismo

Autor

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