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Nibelungenlied - Warum musste Siegfried sterben?

Hausarbeit 2009 12 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Mord an einem Unverwundbaren

3 Die Forschungslage zur Figur Siegfried

4 Mögliche Gründe für die Ermordung
4.1 Kriemhild und Brunhild: Der Streit der Königinnen
4.2 Hagen und Brunhild

5 Fazit: War Siegfried selbst Schuld?

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Siegfried ist ein „Held, wie die Sonne keinen zweiten gesehen hat, voll kühnsten Mutes und übermenschlicher Kraft. Sein Erscheinen ist wie das Strahlen der Sonne an einem heiteren Frühlingsmorgen, sein Tod wie das Sterben einer Blume voll sonnigen Glanzes und liebliche Duftes.“[1] So beschreibt die frühe Forschung um Siegfried die heldenhafte Figur aus dem Nibelungenlied. Wenn man an den Xantener Siegfried denkt, denkt man meist an einen Helden, der durch eine hinterhältige Intrige ermordet wurde. Doch entspricht das wirklich der Wahrheit?

In der vorliegenden Arbeit möchte ich mich deshalb nun mit der interessanten Frage beschäftigen, weshalb Siegfried denn nun eigentlich sterben musste. War er selbst Schuld daran? Oder lieferten andere Figuren des Textes Gründe, die seine Ermordung zur Folge hatten? Diese Fragen sollen nicht nur anhand der Analyse der Tat selbst, auf die im ersten Kapitel der vorliegenden Arbeit eingegangen wird, beantwortet werden, sondern auch anhand einiger anderer Figuren und Handlungen, die der eigentlichen Tat vorausgingen.

Da es in der Forschung um Siegfried oft geteilte Meinungen und diverse Diskussionen über seine Schuld gab, möchte ich im zweiten Teil meiner Seminararbeit auch kurz auf die bisherige Siegfriedforschung eingehen. Danach werde ich den Streit der Königinnen und die Figuren Hagen und Brunhild näher beleuchten, um dort eventuell mögliche Gründe für Siegfrieds Ermordung zu finden. Am Ende kann dann möglicherweise eine Antwort auf die Frage „Ist Siegfried selbst Schuld an seiner Ermordung?“ gegeben werden.

2 Mord an einem Unverwundbaren

Wie man von der Figur Siegfried weiß, gibt es nur eine einzige Stelle, an der er verwundbar ist, nämlich zwischen seinen Schulterblättern. Durch ein Bad im Blut des Drachen, den er in seiner Jugend getötet hat, wurde er unverwundbar, doch diese kleine Stelle zwischen seinen Schultern war durch ein Lindenblatt bedeckt.

Siegfried muss also am Rücken getroffen werden, um getötet werden zu können. Dazu muss ihm ein Hinterhalt gelegt werden, da die Ermordung sonst nicht funktionieren würde. Deshalb ist klar, dass Hagen ihn auch nicht einfach zu einem Duell herausfordern konnte. Wichtig für Hagen war bei dem Hinterhalt nur, dass die Ermordung aus dem Hof ausgelagert werden muss, damit der Kampf nicht als Fehde angesehen wird. Wichtig für die Tat ist also auch der Handlungsraum! Die Folge des Mordes wäre ja natürlich die Rache von Siegfrieds Vater am Wormser Hof. Doch Siegfrieds Vater kann den Wormser Hof danach nicht angreifen, da es ja kein öffentlicher Mord war und somit nicht der Hof die Ermordung durchgeführt hat, sondern Hagen.

Und deshalb konnte es auch gar nicht anders ablaufen, als genauso wie es geschehen ist.

Hagen wusste um die verwundbare Stelle Siegfrieds, nur wo diese ist, wusste er nicht. Durch eine List wollte er diese durch Kriemhild erfahren. So sagte er zu Gunther “Wir befehlen mehreren hierorts unbekannten Boten, eine falsche Kriegserklärung ins Land zu bringen. Ihr ruft eure Gefolgsleute für einen Heerzug zusammen und zeigt Euch besorgt von der Übermacht des Feindes.”[2] So soll Siegfried Gunther seine Hilfe zusichern, Kriemhild Angst um ihren Mann bekommen und so die verwundbare Stelle an Hagen verraten.

Und so geschieht es auch: Kriemhild verrät Hagen die verwundbare Stelle ihres Gatten, damit dieser Siegfried schützt.

Nachdem Hagen das Kreuz auf Siegfrieds Rücken gesehen hat, konnte er die Kriegsbotschaft widerrufen lassen und anstelle des Krieges schlug Gunther eine Jagd im Wasgenwald vor.[3] Zu der Jagd wurde zwar Essen mitgenommen, doch die Getränke kamen „aus Versehen“ nicht am Lager an. So musste eine nahe gelegene Quelle als Durstlöscher dienen. Hagen, Gunther und Siegfried machten ein Wettrennen dorthin und obwohl Siegfried als erster ankam, wartete er darauf, dass Gunther als König, zuerst trinkt. Während Gunther trank, versteckte Hagen Schwert und Bogen Siegfrieds. Und als Siegfried zur Quelle trat erstach Hagen Siegfried mit seinem Speer.

Siegfried beschimpft vor seinem Tod die Mörder, Hagen und Gunther, in seinen letzten Worten noch als Feiglinge und macht ihnen klar, welche Schande sie nun tragen müssen, da sie sich an ihren eigenen Verwandten vergangen haben. Nachdem er an seinen Wunden gestorben ist, wird er zurück zum Hof getragen. Hagen nimmt die Schuld ganz auf sich und möchte nicht, dass sie Tat als Unfall dargestellt werden soll, da er den Mord als seine Pflicht gegenüber seiner Königin ansieht.

Nach dem Mord bringt Hagen Siegfrieds toten Körper mit zum Hof. Es ist sehr auffällig, dass dort Kriemhild kein einziges Mal bei ihrem Namen genannt wird. Hagen müssten die Tränen Kriemhilds eigentlich egal sein, da er sich nicht höfisch verhält, aber Kriemhild ist verwandt mit dem Wormser Hof und das ist ihm wichtig.

Hagen will, dass Siegfried stirbt, da er die Herrschaftsstrukturen klar sichtbar machen will. Hagen tötet ihn aus dem Grund persönlich, denn der König kann es nicht selbst ausüben. So wird die Gewalt aus dem Hof ausgelagert und Hagen muss ihn ermorden, denn Hagen ist ein Vasall und dieser muss Aufgaben übernehmen. Auch wenn es am Ende heißen wird, der Hofverband habe Siegfried besiegt und nicht Hagen als Einzelner.

In Strophe 1001 tauchen erst die Tränen Kriemhilds auf und es kommt zum Bruch.

Gunther steht zwischen dem Konflikt einerseits verwandt zu sein und andererseits aber die Herrschaft aufrecht zu erhalten. Bei Hagen steht die Verwandtschaft hinten an, denn für ihn ist die Herrschaft eindeutig wichtiger.

3 Die Forschungslage zur Figur Siegfried

Lange Zeit blieb Siegfried in der Nibelungenforschung der vorbildliche, makellose Held. Aber in der neueren Forschung ist das Siegfriedbild sehr umstritten. Denn zwar hat Siegfried eine höfische Erziehung genossen, doch trotzdem war sein Verhalten nicht immer vorbildlich. „Der selbstbewusste kraftgeniale Siegfried verstieß bei seinem ersten Auftreten in Worms gegen Recht und Vernunft, durch seine Selbsterniedrigung in Island gegen die Standessitte, als er das Geheimnis der Brautnacht ausplauderte, gegen Treue und Ehre, durch seinen derben Spaß auf der Jagd gegen die höfische Zucht.“[4] Das heißt also, dass es nun zwei Siegfriedbilder gibt. Siegfried als „höfisch-ritterlichen Prinzen“[5] und daneben Siegfried als „zaubermächtiger Recke“[6].

Im Vergleich zu den restlichen Figuren im Nibelungenlied, trägt Siegfried trotz seiner Stellung keine Königstitel, sondern fast ausschließlich Heldentitel: wie der „starke Sîfrit ,der helt von Niderlant“[7], der „küene Sîfrit“[8], „der degen Sîfrit“[9]. Seine Person wird somit nicht durch den Status als König oder Landesherr bestimmt, sondern vielmehr wird der Held aufgrund seiner besonderen Eigenschaften und herausragenden Merkmale hervorgehoben. Was versteht man jedoch unter einem Helden? In der mittelhochdeutschen Literatur des 12. Jahrhunderts bezeichnet „helt“ einen hervorragenden und bewundernswürdigen Kämpfer, der durch seine Taten Bewunderung und Aufmerksamkeit hervorruft. Seine kämpferischen Leistungen und seine Tugenden stellt er in außerordentlichen Situationen unter Beweis. Somit sind Helden allgemein Figuren der Erinnerung, die durch ihren Nachruhm im kollektiven Gedächtnis weitergetragen werden. Sie dienen als Vorbild und vertreten Außerordentliches, wodurch sie Sympathie und Bewunderung beim Hörer des Epos hervorrufen.[10]

[...]


[1] Stuhrmann, Johannes: Die Idee und die Hauptcharaktere der Nibelungen, Paderborn 1910, S. 70.

[2] Hansen, Walter: Wo Siegfried starb und Kriemhild liebte. S. 52.

[3] Hansen, Walter: Wo Siegfried starb und Kriemhild liebte. S. 54.

[4] Saran, Franz: Deutsche Heldengedichte des Mittelalters: Das Nibelungenlied. Halle 1922, S. 73.

[5] Fechter, Werner: Siegfrieds Schuld und das Weltbild des Nibelungenliedes. Hamburg 1948, S.9.

[6] Ebd. S.9.

[7] Das Nibelungenlied. Mittelhochdeutscher Text und Übertragung, Herausgegeben, übersetzt und mit einem Anhang versehen von Helmut Brackert. Fischer Verlag: Frankfurt a. M. 2004.29. Auflage. S. 24.

[8] Ebd. S.16.

[9] Ebd. S.24.

[10] Schulze, Ursula: Siegfried-ein Heldenleben? Zur Figurenkonstitution im Nibelungenlied. In: Literarische Leben. Rollenentwürfe in der Literatur des Hoch- und Spätmittelalters. Hrsg. Von Matthias Meyer. Tübingen 2002, S. 670-672.

Details

Seiten
12
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640504718
ISBN (Buch)
9783640504534
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v140265
Institution / Hochschule
Universität Bayreuth
Note
2
Schlagworte
Nibelungenlied Warum Siegfried

Autor

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Titel: Nibelungenlied - Warum musste Siegfried sterben?