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Einfluss des Russischen auf den Erwerb des Deutschen am Beispiel eines Deutschkurses für Spätaussiedler aus Russland

Bachelorarbeit 2008 40 Seiten

Didaktik - Deutsch - Deutsch als Fremdsprache

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Danksagung

Einleitung

Ziele,Verfahren

1. Geschichte der Spätaussiedler aus Osteuropa
1.1. Historische Hintergründe der Aussiedlung
1.2. Schwierigkeiten der Spätaussiedler

2. Fremd-Zweitsprachenerwerbforschung
2.1. Die Kontrastivhypothese

3. Interferenz beim DaF- Lernen
3.1. Interlinguale Interferenz
3.2. Intralinguale Interferenz

4. Beispiele von Interferenzfehlern russischer Deutschlerner aus dem Russischen
4.1. Darstellung von interferenzfälligen Bereichen
4.2. Übersicht der häufigsten Fehler
4.2.1. Lexik
4.2.2. Orthographie
4.2.3. Grammatik
4.2.3.1.Substantive
4.2.3.2. Adjektive
4.2.3.3. Numerale
4.2.3.4. Verb
4.2.3.5. Präpositionen
4.2.3.6. Negation

5. Vorschläge zur Fehlertherapie

5.1. Vorschläge für einen effektiven Unterricht für Spätaussiedler

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Danksagung

An dieser Stelle möchte ich allen, die mir bei der Erstellung dieser Arbeit zur Seite

standen, ganz herzlich Danke sagen. Mein besonderer Dank gilt Herrn Dr. Reiner Schmidt

und Herrn Prof. Dr. Uwe Koreik für die fachliche Betreuung und vielfältige

Unterstützung.

Mein besonderer Dank geht auch an meine Familie und meine Freunde für die

kritische und liebevolle Unterstützung.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einleitung

Das Problem des Einflusses der Muttersprache auf den Erwerb der Fremdsprache ist eine der zentralen Fragen in DaF, Linguistik, Psycholinguistik und Soziolinguistik. Beim Erlernen einer Fremdsprache stellt sich die Frage, inwiefern die Muttersprache den Einfluss auf den Lernprozess in der Fremdsprache hat. Da es viele verschiedene Sprachfamilien existieren, ist es zu vermuten, dass manche Sprachen das Erlernen von anderen Sprachen vereinfachen oder erschweren. Aufgrund lexikalischer, grammatikalischer und phonlogischer Verwandtschaft von bestimmten Sprachen könnte man sagen, dass innerhalb einer Sprachfamilie der Aneignungsprozess leichter verläuft, als die Aneignung der Sprache aus einer anderen Sprachfamilie. Ein Sprachlerner versucht intuitiv und unbewusst die Strukturen und Verfahren aus der Muttersprache auf die Fremdsprache anzuwenden, weil er glaubt, dass diese gleich funktionieren und gleich strukturiert sind. Diese Ähnlichkeiten von Sprachen können sich jedoch nicht nur positiv auf den Fremdsprachenerwerb auswirken und das Aneignen dieser Sprache erleichtern, sondern können auch negative Auswirkungen haben. Neben weiteren Faktoren übt die Muttersprache eines Lerners einen entscheidenden Einfluss auf den Erwerb von Fremdsprachen aus. Auf verschiedenen Ebenen werden die Elemente transferiert, die sich in der Zielsprache vor- oder nachteilig auswirken können, was ich in dieser Arbeit darstellen möchte.

Nach einem kurzen Überblick der Ziele und Verfahren, die ich in meiner Bachelorarbeit anwende gehe ich kurz auf die Geschichte der Spätaussiedler an. Das Kapitel (1)stellt die historische Hintergründe der Aussiedlung und die Schwierigkeiten, die damit eng verbunden sind.

Im nächsten Kapitel werden die wichtigsten Hypothesen in der Fremd-Zweitsprachenerwerbforschung dargestellt. Die Menschen lernen nicht immer nur eine Sprache, sondern oft zwei, drei oder mehr. Wie verlaufen die Erwerbsprozesse der Fremdsprache? Verlaufen sie ähnlich zum Erstsprachenerwerb oder entstehen ganz andere Gesetzmäßigkeiten? Das versuche ich in dem Kapitel zu erläutern.

Kapitel 3, das sich der Interferenz beim DaF Lernen widmet, stellt den Themenschwerpunkt dieser Arbeit dar. In der Sprachwissenschaft gilt Interferenz als Hauptproblem der sprachlichen Kontakte. Quelle, Ursprung, Gründe und Erscheinungsformen der Inteferenz beim Aneignen des fremdsprachlichen Wortschatzes, seiner Semantik und seiner Anwendungsbereiche sind mannigfaltig und zahlreich. Um die Interferenz und ihre Rolle beim Erlernen einer Fremdsprache darzustellen wird in einem weiteren Kapitel 4 eine Analyse von den häufigsten Fehlern durchgeführt.

Anschließend (Kapitel 5) werden die Vorschläge zu Fehlertherapie und für einen effektiven Deutschunterricht vorgestellt. Einige abschließende Bemerkungen (Zusammenfassug) runden die Bachelorarbeit ab.

Ziele,Verfahren

Sprache ist ein Schlüssel für erfolgreiche Integration. Ein wichtiges Ziel der vorliegenden Arbeit ist ein Versuch den Einfluss des Russischen auf den Erwerb des Deutschen zu analysieren. Welche Rolle spielt die deutsche Sprache bei der Integration in die Gesellschaft? In wieweit kann die Muttersprache den Erwerb einer Fremdsprache beeinflussen? Welche Bereiche der Sprache werden am meisten von der muttersprachlichen Interferenz getroffen? Welche Rolle spielt überhaupt die Muttersprache bei den Einwanderern, Aussiedlern aus Osteuropa? Ich versuche in meiner Arbeit klar zu stellen wie äußert sich die Interferenz zwischen den beiden Sprachen Russisch und Deutsch. Die Bezugnahme auf die Muttersprache der Lerner und die Berücksichtigung der im Verlauf des Fremdsprachenunterrichts bestehenden Wechselwirkung zwischen Fremd –und Muttersprache gehören zu den wichtigsten Momenten des Unterrichtsprozesses.

Die Frage nach der Rolle und Stellung der Muttersprache im Fremdsprachenerwerb gehört zweifellos zu den wichtigsten Problemen in der Fremdsprachendidaktik. Obwohl seit dem Ende des 19. Jahrhunderts neue Methoden entstehen, die die Rolle der Muttersprache ignorieren und diese aus dem Unterricht ausschließen, herrscht auch heute noch die Meinung vor, dass der Bezug auf die Muttersprache der Lerner (in unserem Fall sind das die KT mit der Muttersprache Russisch, die Deutsch lernen) die Voraussetzung eines effektiven Deutschunterricht ist. Die Frage, ob sich die Muttersprache der Lerner im Prozess des Deutschunterrichts ignorieren lässt, kann man mit einem von L. Stscherba, einem der bekanntesten russischen Fremdsprachenmethodiker, geäußerten Gedanken beantworten: die Muttersprache kann zwar aus dem Unterrichtsprozess, nicht aber aus den Köpfen der Lerner vertrieben werden(vgl. Stscherba 1958:25).

Es ist bekannt, dass die Muttersprache immer im Bewusstsein der Lerner vorhanden ist und wirkt auf den Prozess der Aneignung einer fremden Sprache ein. Je älter der Lerner ist, desto gewichtiger wird die Rolle der Muttersprache. Da sich in meiner Arbeit um die Kursteilnehmer im Alter von 30-50 handelt, hat die Muttersprache bei denen besonders großen Einfluss auf den Prozess der Aneignung. Die Muttersprache (Russisch) und die Integrationssprache (Deutsch) treten im Unterrichtsprozess in komplizierte Wechselbeziehungen zueinander.

Es ist unbestreitbar, dass die Kursteilnehmer muttersprachliche Kenntnisse und Fertigkeiten in die Fremdsprache übertragen, wobei diese Übertragungen je nach dem Verhältnis zwischen den entsprechenden muttersprachlichen und fremdsprachlichen Erscheinungen entweder einen förderlichen oder einen störenden Einfluss auf den Lernprozess ausüben können.

In meiner Arbeit versuche ich den Einfluss der Muttersprache zu beschreiben und die anfälligsten Bereiche in der Sprache darzustellen. Meine Erfahrung im Unterricht für die Spätaussiedler und Ausländern im Integrationskurs hat mich auf den Gedanken gebracht das Problem des Deutschsprachenerwerbs näher zu betrachten. Das ist ein Versuch die Problembereiche bei Lernenden in der Deutschsprache mit einer Fehleranalyse zu beschreiben damit die, im Unterricht entstehende Fehler weiterhin leichter und schneller gelöst werden könnten. Diese Wechselwirkung zwischen den Sprachen könnte mit Hilfe der inhaltlichen und methodischen Gestaltung im Deutschunterricht von den Lehrern gut gebraucht werden. Die zu erweiterten Erkenntnisse werden möglich machen, den Fremdsprachenunterricht gezielter zu gestalten, und Lernschwierigkeiten, wenn nicht ganz zu verhindern, so doch im Voraus zu vermeiden. Aus meiner Lernerfahrung hatte ich am Anfang die große Wirkung von der Muttersprache gefühlt, was mir immer Probleme bereitete.

In den letzten fünf Jahrzehnten sind fast drei Millionen Aussiedler aus Osteuropa in die Bundesrepublik Deutschland übergesiedelt. Der größte Teil der in die Bundesrepublik gekommenen Russlanddeutschen verfügt nur über unzureichende Kenntnisse des Deutschen. Alle, die beruflich mit der Integration von Immigranten befasst sind wissen, dass die Beherrschung der Sprache des Aufnahmelandes ein entscheidender Faktor der Integration ist. Die Zuwanderung hat bei den Zuwanderern und in der Aufnahmegesellschaft ganz offensichtlich Probleme aufgeworfen. Das wichtigste Problem hat sich aber in der Sprache geäußert. Sprache hat im Prozess der Integration eine überragende Bedeutung und ohne Kenntnisse der Integrationssprache ist keine Integration in die Aufnahmegesellschaft möglich. Und im nächsten Kapitel möchte erläutern, warum die meisten Spätaussiedler haben mit der Sprache große Probleme.

1. Geschichte der Spätaussiedler aus Osteuropa

Um das Thema die Sprache und der Einfluss der Muttersprache auf den Erwerb der Fremdsprache näher betrachten zu können ist es wichtig die Geschichte der Spätaussiedler zu wissen. Ich möchte an dieser Stelle über die Geschichte und die historische Hintergründe der Einwanderer erzählen.

1.1. Historische Hintergründe der Aussiedlung

Seit den achtzigen Jahren sind viele Immigranten aus Ost- und Südosteuropa nach Deutschland gekommen. Diese Immigranten sind meistens keine Ausländer, sondern Aussiedler: Deutsche, die nach den Gesetzen der Bundesrepublik ein Recht darauf haben, in Deutschland zu leben. Die Aussiedler sind die Nachkommen von Deutschen, die vor mehr als 200 Jahren nach Osteuropa ausgewandert sind (http://www.neuss-erfttal.de/Integration/aussiedler.htm).

Dem Einladungsmanifest Katharina II folgend, wanderten zwischen 1764 und 1767 aus hessischen Territorien, aus Nordbayern, aus Nordbaden, aus der Pfalz und aus einigen Teilen der Rheinprovinz etwa 29 000 Personen nach Russland aus. Die deutschen Einwanderer (Kolonisten) wurden teilweise in der Nähe Petersburgs, überwiegend aber in den Wolgasteppen in der Nähe des Städtchens Saratov angesiedelt. Dort gründeten (vorwiegend) Hessen, Pfälzer und Württemberger am rechten und linken Ufer der Wolga 104 Kolonien. Dabei handelte es sich um die größte deutsche Sprachinsel, die von den russischen Dialektforschern als wolgadeutsche Sprachinsel benannt wurde 1924 wurde das Gebiet der Wolgadeutschen zu einer Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik der Wolgadeutschen (ASSRWD) ernannt (vgl. Eisfeld 1991:37, Berend 1998:54). Kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges am 22. Juni 1941 wurde die Bevölkerung der Wolgarepublik der Kooperation mit Hitlerdeutschland beschuldigt und im September nach Sibirien und Kasachstan umgesiedelt (http://74.125.39.104/search?q=cache:ioLLnGcqBAJ:www.jmdschwerin.de/deutsch/migranten).

In den ersten zwanzig Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die Deutschstämmige kaum Chancen, die Sowjetunion zu verlassen. Die Zahl der Aussiedler erhöhte sich erst, nachdem Michail Gorbatschow[1] Generalsekretär der KPdSU[2] geworden war. Mit der Öffnung der Grenzen 1989 stieg die Anzahl der Aussiedler an. Zwischen 1990 und 2000 sind jährlich jeweils über 100.000 Menschen als Aussiedler in die Bundesrepublik eingereist, 1993 bis 1995 sogar jeweils über 200.000. Bis Ende 2004 sind insgesamt rund 2,5 Millionen Menschen als Aussiedler, Spätaussiedler oder deren Angehörige aus der Sowjetunion bzw. ihren Nachfolgestaaten zugewandert. Das Bild der deutschen Gesellschaft haben diese Migranten nachhaltig verändert(http://www.bpb.de/themen/AA1Q8R,4,0,Die_Geschichte_der_Russlanddeutschen.html#art4)

Viele Aussiedler haben das Haus verlassen, um nach Deutschland zu ziehen, trotz der ungewissen Zukunft, die ihnen gegenüberstand. Nun stellt sich die Frage, warum sind sie nach ihr Heimatland gekommen. Dafür gibt es gibt vier Hauptgründe:

1) Die Aussiedler fühlten sich als Deutsche, in den Herkunftsländern und bewahrten immer noch ihren kirchlichen Glauben und ihre kulturellen Traditionen z.B. Volkslieder, obwohl sie deswegen verfolgt wurden. Diese Verfolgung hat die Aussiedler motiviert in ihr Heimatland zurückzukehren, weil sie als Deutsche leben wollten. In den Herkunftsländern lebten die Aussiedler als Minderheit und deshalb war es kaum möglich ihre kirchlichen Traditionen und eigene Kultur zu bewahren. Freiheit ist eine wichtige Überlegung, insbesondere angesichts der Verfolgung, unter der sie während der Stalinszeiten[3] litten.
2) Die Aussiedler ziehen die Zukunft ihrer Kinder in Erwägung: Sie sehen für ihre Kinder bessere Bildungsmöglichkeiten im Westen. Trotz der Schwierigkeiten, die das neue Leben bringt, wandern viele Aussiedler mit ihren Kindern in die Bundesrepublik um.
3) Wegen der ungewissen Wirtschaftslage in den Herkunftsländern und der relativ sicheren Wirtschaft Deutschlands wollen sie nach Deutschland kommen. Sie sehen keine wirtschaftlichen Perspektiven mehr in ihren Herkunftsländern.
4) Sprache ist auch ein Motiv für die Aussiedler. Sie zählen die deutsche Sprache als die Herkunftssprache, welche jetzt nur alte Generation bewahrt hatten. Es ist sehr wichtig für die Aussiedler die Herkunftssprache sprechen zu können (http://www.neuss-erfttal.de/Integration/aussiedler.htm).

1.2. Schwierigkeiten der Spätaussiedler

Paradoxerweise ist die Sprache eines der größten Probleme, die die Aussiedler erfahren, wenn sie nach Deutschland zurückkehren. Viele können kein Deutsch und diejenigen die Deutsch können, stellen bald fest, dass entweder ihre Beherrschung der deutschen Sprache ungenügend ist, oder ihr Deutsch veraltet ist. Daraus ergibt sich, dass es ihnen schwer fällt, eine Arbeitsstelle zu finden. Arbeitslosigkeit kommt auch aus der Tatsache, dass viele Aussiedler Landwirtschaftler gewesen sind. Deutschland ist aber eine Industrienation, und deshalb besteht wenig Nachfrage nach Landwirtschaftlern. Viele Aussiedler müssen sich umschulen lassen, und nicht nur wenn sie Landwirtschaftler gewesen sind, sondern auch wenn sie ihre Ausbildung in der Sowjetunion gemacht haben und ihren Beruf in Deutschland ausüben wollen. Diese wird nämlich in Deutschland nicht anerkannt.

Viele Aussiedler sind von Deutschland enttäuscht, weil sie feststellen, dass ihre Heimat und deutsche Kultur verändert sind. Die Heimkehr ist für manche Aussiedler schmerzhaft, weil die Einheimischen oft sehr zurückhaltend sind und die Aussiedler nicht akzeptieren. Das Problem liegt darin: Sie werden nicht als Russen oder Kasachen akzeptiert und fühlen sich sowieso nicht als Russen, obwohl sie, als sie nach Deutschland umzogen, als Russen galten. Ein Teil der einheimischen Bevölkerung hat Vorbehalte gegenüber Aussiedlern, denn manche Bundesbürger haben Schwierigkeiten, um die Aussiedler als "Deutsche" zu akzeptieren, vor allem wegen ihrer Sprachprobleme. Sie werden also als "Russen" bezeichnet oder beschimpft, das heißt, dass die Vorurteile gegen Flüchtlinge und andere Ausländer auch Aussiedler betreffen. Meinungen wie: "Aussiedler nehmen uns unsere Arbeitsplätze weg", und "unser Land kann die vielen Menschen nicht verkraften", stammen aus Nichtwissen und wirtschaftlichen Problemen wie der hohen Zahl der Arbeitslosen (http://www.wernerschell.de/Rechtsalmanach/Aktuelle%20Politik/aussiedler.htm).

Die Zuwanderung hat bei den Aussiedlern und in der Aufnahmegesellschaft viele Probleme aufgeworfen, aber Probleme der sprachlichen Integration scheinen die wichtigsten zu sein. In letzter Zeit hat sich die Situation geändert, da der Staat die Maßnahmen bezüglich der Einwanderer getroffen hat.

Es wurde zu Beginn 2005, mit In-Kraft-Treten des Zuwanderungsgesetzes, ein Mindestrahmen staatlicher Integrationskursangebote geschaffen (http://www.mgffi.nrw.de/-pdf/integration/zuwanderung-integration.pdf). Das Ziel: Die Migranten sollen sich im Alltag verständigen können und so der deutschen Gesellschaft näher kommen.

Die Zuwanderer bekommen im Rahmen des Integrationskurses Sprachunterricht. Der Integrationskurs gem. §43 AufenthG[4] umfasst insgesamt 645 Unterrichtseinheiten. Den ersten Teil, bestehend aus 600 Unterrichtseinheiten, bildet der Sprachkurs. Der zweite Teil nennt sich Orientierungskurs und besteht aus den restlichen 45 Unterrichteinheiten. In diesem Kursabschnitt stehen die Themenbereiche "Politik in der Demokratie", "Geschichte und Verantwortung" und "Mensch und Gesellschaft" im Vordergrund.

Die für die Durchführung der Integrationsmaßnahmen vorgesehenen Mittel werden vom BAMF zentral verwaltet. Das BAMF hat für 2005 einen Bedarf an 138.000 Plätzen in Integrationskursen für neu eingereiste Migranten (Spätaussiedler und Ausländer) und - für die nächsten fünf Jahre - an 60.000 Plätzen für so genannte Bestandsfälle eingeplant. Verringert sich der Bedarf für neu eingereiste Migranten, können entsprechend mehr Mittel für so genannte Bestandsfälle vorgesehen werden (und umgekehrt). Die Verteilung der Teilnehmerplätze auf die Bezirke der örtlichen Ausländerbehörden nimmt das BAMF vor. (http://www.bamf.de/cln_011/nn_443130/DE/Integration/Integrationskurse/integrationskurse-node.html?__nnn=true)

Wie es schon gesagt wurde, Ziel der Integrationskurse ist die Förderung der Migration von Migranten. Die Kenntnisse der deutschen Sprache und des Rechts- und Gesellschaftssystem sind wichtig, insbesondere die Integration in die Berufs- und Arbeitswelt. Ebenso sind die deutschen Sprachkenntnisse eine wichtige Voraussetzung für eine bessere Akzeptanz der Zuwanderer durch die deutsche Bevölkerung. Die Frage ist wie beherrschen die Zuwanderer die deutsche Sprache? Im nächsten Kapitel möchte ich die wichtigsten Hypothesen der Spracherwerbforschung darstellen.

2. Fremd-Zweitsprachenerwerbforschung

Die Menschen lernen nicht immer nur eine Sprache, sondern oft zwei, drei oder mehr. Wie sieht es mit diesen Erwerbsprozessen aus? Verlaufen sie ähnlich zum Erstsprachenerwerb oder entstehen ganz andere Gesetzmäßigkeiten? Grundsätzlich wissen wir, dass ein enges Verhältnis zwischen dem Erst- und Zweitsprachenerwerbsprozess besteht. Wo die Unterschiede und Ähnlichkeiten liegen, darüber wird aber viel gestritten.

Wie man Fremdsprachen lernt, damit hat man sich besonders nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigt. Eine der zentralen Fragen ist, ob der Mensch Zweit- oder Fremdsprachen lernt oder erwirbt? Bis zu welchem Alter ist der Mensch in der Lage ist eine gute Sprachkompetenz in der Fremdsprache aufzubauen? Einig sind sich die Forscher nur, dass die Fähigkeit zur spontanen und eigenständigen Hypothesenbildung über die Strukturen einer anderen Sprache als der Muttersprache ab dem zehnten Lebensjahr abzunehmen scheint. Um eine richtige Methode für den Sprachunterricht zu finden, muss man alle Faktoren in Betracht zu nehmen, z. B. Alter von den Lerner, Motivation, Selbsteinstellungen, Sprechangst u. a. Es gibt verschiedene Theorien und Hypothesen zum Erst und Zweitsprachenerwerb und ich will an dieser Stelle die drei wichtigsten darstellen. Das sind die Kontrastivhypothese, die Identitätshypothese und Interlanguage- Hypothese.

2.1. Die Kontrastivhypothese

Die Kontrastivhypothese ist angelehnt an die behavioristische Spracherwerbsforschung. Sie wurde 1947 von Fries initiiert und 1957 von Lado fortgeführt (vgl. Merten 1997:73). Man geht davon aus, dass die Erstsprache den Erwerb der Zweitsprache beeinflusst. Die Regeln und Elemente sind in Erst- und Zweitsprache identisch, leicht und fehlerfrei erlernbar, aber sie bereiten unterschiedliche Lernschwierigkeiten und bedingen Fehler.

Die Übertragung aus der einen Sprache in die andere spielt für diese Hypothese eine wichtige Rolle. Die Hypothese ist nur im syntaktischen Bereich für den Zweitspracherwerb von gewisser Bedeutung; inhaltliche und thematische Vergleiche sind nicht möglich.

Das Übertragen von Wörtern birgt aber Risiken, die Juhász, ein wichtiger Vertreter dieser Hypothese, ,,Interferenzen" oder ,,negativen Transfer"(vgl. Juhasz 1970:9,) nennt. Das Gegenteil bildet der „positive Transfer“, wen die Übersetzung fehlerfrei möglich ist, wie beispielsweise bei dem Satz: “Sie öffnet die Tür“, der ins Englische übersetzt „She opens the door“ (vgl. Merten 1997:74) heißt.

Als Fazit möchte zusammenfassen, dass Strukturen der Zweitsprache, die mit den entsprechenden Strukturen der Erstsprache übereinstimmen, schnell und leicht gelernt werden. Das stimmt aber nicht, denn „dieses Buch lese ich heute“ wäre dann ins Englische übertragen: „This book read I today“ Diese oben erwähnten Interferenzen führen zu „proaktiven Hemmungen“(Merten 1970:75), die durch bestimmte Verhaltensmuster der Erstsprache hervorgerufen werden. Dies ist der entscheidende Fehler der Kontrastivhypothese. Die Lernschwierigkeiten lediglich anhand der unterschiedlichen Strukturen zweier Sprachsysteme auszumachen, wäre falsch. Vielmehr können Fehler auch von strukturellen Ähnlichkeiten hervorgerufen werden. Die Interferenzen erweisen sich häufig als Merkmal des (Fremd-)Spracherwerbs, nicht als Resultat aus dem Einfluss der Muttersprache. Bis heute ist nicht geklärt, wie der Lerner Ähnlichkeiten und Unterschiede zweier Sprachsysteme wahrnimmt, bzw. inwieweit psycholinguistische Gründe das Lernen beeinflussen.

[...]


[1] Michail Gorbatschow ist ein Russischer Politiker und war von März 1995 bis August 1991 Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion.

[2] KPdSU Kommunistische Partei der Sowjetunion.

[3].Die Zeit, in der Stalin innen und außenpolitisch dominant war (1924-1953). Josef Stalin war ein sowjetischer Politiker und Diktator.

[4] Gesetz über den Aufenthalt, die Erwerbstätigkeit und die Integration von Ausländern im Bundesgebiet.

Details

Seiten
40
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640497263
ISBN (Buch)
9783640497010
Dateigröße
678 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v140190
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1.8
Schlagworte
Einfluss Russischen Erwerb Deutschen Beispiel Deutschkurses Spätaussiedler Russland

Autor

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Titel: Einfluss des Russischen auf den Erwerb des Deutschen am Beispiel eines Deutschkurses für Spätaussiedler aus Russland