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Aktuelle Probleme der Jugend in Frankreich

Hausarbeit 2007 21 Seiten

Französisch - Landeskunde

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Jugendarbeitslosigkeit in Frankreich
2.1 Bedeutung der Arbeit
2.2 Ursachen der Jugendarbeitslosigkeit in Frankreich
2.3 Staatliche Maßnahmen gegen Jugendarbeitslosigkeit

3. Jugendgewalt und -kriminalität in Frankreich
3.1 Jugendgewalt
3.2 Jugendkriminalität
3.3 Gewalt und Kriminalität in den Banlieues

4. Drogenkonsum als weiteres Problem
4.1 Legale und illegale Drogen
4.2 Ursachen für Drogenkonsum Jugendlicher
4.3 Prävention und Hilfe bei Drogenabhängigkeit

5. Zusammenfassende Schlussbetrachtung

6. Bibliographie

7. Anhang

1. Einleitung

„L’un des enjeux forts du 21e siècle tournerait autour de la jeunesse et de sa capacité à donner du sens à sa vie.“ Dieser Gedanke kam dem französischen Autor des Buches Les Nouvelles délinquances des jeunes, Jean-Marie Petitclaire, bereits zur Zeit der Studentenproteste im Jahre 1968. Gewiss ist diese Aussage, dass es von entscheidender Bedeutung ist, dass die Jugend Frankreichs in der Lage sein muss, ihrem Leben einen Sinn zu geben, berechtigt. In der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, mit welchen Problemen die Jugendlichen dabei konfrontiert sind. Vor allem die hohe Arbeitslosigkeit und soziale Missstände in den Banlieues[1] machen es vielen Jugendlichen nicht leicht und führen oft zu Gewalthandlungen und Kriminalität. Obwohl der Anteil der Jugendlichen an der französischen Gesamtbevölkerung durch niedrige Geburtenraten und die steigende Lebenserwartung zunehmend sinkt, weitet sich die Lebensphase Jugend mehr und mehr aus und ist vor allem durch einen späten Eintritt ins Berufsleben gekennzeichnet. Dennoch ist zu beobachten, dass der Jugend in der heutigen Gesellschaft eine zunehmende Bedeutung zukommt. Als Zukunftsträger des Landes ist es unabdingbar, dass sich die Situation der Jugendlichen in Frankreich verbessert, damit diese Gruppe soziale und wirtschaftliche Verantwortung übernehmen, sich als französische Staatsbürger in die Bevölkerung integrieren und somit den modernen Generationenvertrag erfüllen kann.

Jugendliche erwerben im Zuge ihrer Entwicklung in unterschiedlichen Bereichen psychische und soziale Kompetenzen. Diese reichen von schulischem beziehungsweise beruflichem Erfolg über die Herausbildung zwischenmenschlicher Beziehungen, verbunden mit dem Wahrnehmen geschlechtsspezifischer Rollen, bis hin zum Aufbau von individuellen Norm- und Wertvorstellungen sowie der Entwicklung eines politischen Bewusstseins. Störungen in diesem Sozialisationsprozess können zu erheblichen Belastungen der Jugendlichen führen. Ausgelöst durch Faktoren wie Arbeitslosigkeit und damit verbundener Perspektivlosigkeit treffen oftmals viele Probleme zusammen, die dann von den Jugendlichen nur mithilfe von Gewalt, Kriminalität oder Drogenkonsum verarbeitet werden können. Diese Probleme, ihre Ursachen und Maßnahmen zur Bekämpfung werden in der vorliegenden Arbeit genauer betrachtet.

2. Jugendarbeitslosigkeit in Frankreich

In der modernen Konsum- und Leistungsgesellschaft nimmt die Arbeit beziehungsweise der Beruf und das damit verbundene geregelte Einkommen einen wichtigen Platz ein. Mit dem Fehlen der Arbeit gehen demnach sowohl soziale Ächtung als auch gravierende materielle Probleme einher. Bevor die Ursachen für Jugendarbeitslosigkeit in Frankreich und Maßnahmen der Regierung zur Verringerung der Arbeitslosenzahlen betrachtet werden, soll zunächst ein Überblick über die Funktionen, die die Arbeit im Leben der Menschen hat, gegeben werden.

2.1 Bedeutung der Arbeit

Klaus Heinemann (1978: 16) führt in diesem Zusammenhang sechs wesentliche Funktionen und Leistungen, die Arbeit und Beruf zu erfüllen haben, an. Zunächst stellt er fest, dass Arbeit dazu dient, den Tagesablauf zu gliedern und somit den gesamten Lebensrhythmus grob zwischen Arbeitszeit und Freizeit zu unterteilen. Weiterhin benennt Heinemann den Einkommenserwerb als wesentliche Funktion der Arbeit für Jugendliche, da dieser das materielle Lebensniveau bestimmt. Als dritter Punkt wird angeführt, dass Arbeit dauerhafte soziale Kontakte vermittelt sowie die Anpassung an wechselnde soziale Situationen und die Einordnung der Jugendlichen in Gruppenstrukturen erlernbar machen soll. Außerdem dient die Arbeit in der heutigen Leistungsgesellschaft zur Bestimmung des sozialen Status und Prestiges und stellt weiterhin eine Realitätserfahrung dar, in der die Jugendlichen ihre Persönlichkeit verwirklichen können. Als sechsten und letzten Punkt führt Heinemann an, dass Arbeit zur Entwicklung der personalen Identität beiträgt und somit den Heranwachsenden ihre eigene Kompetenz bewusst macht und ihnen daher Selbstachtung vermittelt (cf. 1978: 22).

Um zu verstehen, wie arbeitslose Jugendliche empfinden, ist es hilfreich, analog zu den positiven Aspekten der Arbeit, herauszustellen, welche negativen Konsequenzen sich aus der Arbeitslosigkeit ergeben. Dabei ist zunächst die Eintönigkeit des Tagesablaufes zu nennen, die sich aus der mangelnden Strukturierung des Lebens ohne geregelte Arbeit ergibt. Hinzu kommt, dass sich die Jugendlichen ohne Einkommen keine materiellen Wünsche erfüllen können und sich mit einem sehr geringen Lebensniveau abfinden müssen. Eng damit verbunden ist auch die soziale Isolation, die daraus folgt, dass die Einbindung in eine soziale Gruppe wie den Kreis der Arbeitskollegen fehlt und ergo keine neuen Kontaktmöglichkeiten entstehen – vor allem in Ermangelung finanzieller Mittel um die für Jugendliche wichtigen Freizeitaktivitäten, wie etwa Kino- oder Konzertbesuch, sportliche Aktivitäten und Café- oder Diskothekenbesuch zu bezahlen. Daraus folgt wiederum das individuelle Empfinden, versagt zu haben und durch die Arbeitslosigkeit eine sozial gering geachtete Position einzunehmen. Auch ist das Argument Heinemanns, dass Arbeitslosigkeit mit einem Verlust des Wirklichkeitsbezuges und einer damit verbundenen „Erosion der individuellen Handlungskompetenz“ (1978: 22) einhergeht, nicht von der Hand zu weisen, denn ohne Arbeit fehlt den Jugendlichen der Ort an dem sie Verantwortung übernehmen und ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen können. Dies führt dann wiederum zu einem Gefühl der Nutzlosigkeit und einem geringen Selbstwertgefühl. Gründe hierfür liegen vor allem an dem äußerst hohen Stellenwert, den Arbeit und Beruf in unserer Gesellschaft haben und der damit einhergehenden Diskreditierung der Menschen ohne Arbeit. Warum heutzutage so viele Jugendliche in Frankreich von Arbeitslosigkeit betroffen sind, soll im folgenden Unterkapitel eruiert werden.

2.2 Ursachen der Jugendarbeitslosigkeit in Frankreich

Wenn man die Jugendarbeitslosigkeit in Frankreich näher betrachtet, dann gilt es zunächst, die aktuellen Zahlen kritisch zu hinterfragen. Besonders erschreckend wirkt die Angabe, dass im Jahre 2004 in Frankreich 22% der Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren arbeitslos waren. Hier ist jedoch zu beachten, dass sich zwei Drittel dieser Altersgruppe noch in einer schulischen Ausbildung befinden. Somit kann festgestellt werden, dass in Frankreich heutzutage die Jugendlichen oft die Arbeitslosigkeit vermeiden, indem sie länger die Schule besuchen. Kaum vorhandene Auswahlverfahren an Universitäten (ausgenommen sind natürlich die Grandes Ecoles) und geringe Studiengebühren führen dazu, dass viele Jugendliche studieren, um Zugang zu Krankenversicherungen, sowie preiswerten Studentenunterkünften zu bekommen (cf. Wyplosz 1998: 45).

Laut Charles Wyplosz finden sich drei allgemeine Gründe für die hohe Arbeitslosigkeit in Europa, die teilweise auf die Situation französischer Jugendlicher angewendet werden können. Zum einen nennt er das im Falle Frankreichs seit „den Ölschocks von 1973 und 1980“ (1998: 47) geringe Wirtschaftswachstum, welches sich durch die Wirtschaftspolitik der 1990er Jahre weiter verschlechtert hat. Die hohe Zahl der arbeitslosen Jugendlichen geht also mit der derzeitigen Konjunkturschwäche einher, welche durch die folgende Übersicht der Arbeitslosenquoten in den europäischen Ländern verdeutlicht werden kann:

Chômage des jeunes de 15 à 24 ans dans l'UE en % en 2005

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die zweite Ursache für die hohen Arbeitslosenzahlen liegt im Modell der Unterstützung von Arbeitslosen begründet und ist nur bedingt auf Jugendliche anwendbar. Ähnlich wie in Deutschland ist das Arbeitslosengeld in Frankreich recht hoch, sodass viele Menschen ohne Arbeit nur durch staatliche Unterstützung leben. Da die Voraussetzungen zum Erhalt dieser Unterstützung allerdings beinhalten, dass zuvor bereits eine bestimmte Zeit lang gearbeitet wurde und dies auf die wenigsten Jugendlichen im Alter von 16 bis 24 Jahren zutrifft, kann diese Ursache unberücksichtigt gelassen werden.

Vielmehr sieht Wyplosz den Hauptgrund für Jugendarbeitslosigkeit im Festhalten am Mindestlohn (SMIC). Dies ist sehr provokant, denn schließlich soll durch die Zahlung des Salaire minimum interprofessionnel de croissance ein gewisser Lebensstandard für die gesamte arbeitende Bevölkerung gewährleistet werden. Jedoch, so Wyplosz, ist es „einleuchtend, dass diese Kosten oftmals Unternehmen davon abhalten, Personen mit geringen oder keinen Qualifikationen einzustellen.“ (Wyplosz 1998: 48). Somit lässt sich feststellen, dass es für Firmen nicht unbedingt lukrativ ist, einen Jugendlichen ohne Berufserfahrung einzustellen. Genau an dieser Stelle hat der französische Staat angesetzt und durch Subventionen für Unternehmen und verschiedenste Bildungsprogramme für Jugendliche versucht, den Zugang zum Arbeitsleben zu verbessern.

[...]


[1] Banlieue wird in der vorliegenden Arbeit anstelle des deutschen Begriffs „Vorort“ verwendet, weil dieser nicht alle Konnotationen enthält, die für die Situation in den französischen Großstädten relevant sind.

Details

Seiten
21
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640476497
Dateigröße
402 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v140047
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Institut für Romanistik
Note
1,3
Schlagworte
Aktuelle Probleme Jugend Frankreich

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