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Die Meisterhäuser in Dessau - Das Gropiushaus

Hausarbeit 2008 12 Seiten

Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Das BAUHAUS. Eine Skizze

2 Die Meisterhäuser in Dessau
2.1 „Die Meisterhäuser waren nicht nur ein Experiment auf der Suche nach neuen Wohnbauten für eine neue Lebensweise, sondern auch Künstlerhäuser.“
2.2 Das Gropiushaus. Eine Baubeschreibung
2.3 Das Gropiushaus. Eine Detailbeschreibung

3 Das Neue Bauen und das Neue Wohnen
3.1 Zweckmäßigkeit und Sachlichkeit. „Moderne Architektur und Wohngestaltung ermöglichen ein besseres Leben.“
3.2 Das Neue Bauen und das Neue Wohnen – eine Umsetzung dieser Zielsetzung in den Meisterhäusern?

1 Das BAUHAUS. Eine Skizze

Das Bauhaus entstand 1919 unter der Leitung von Walter Gropius[i]. Es war eine Kunstschule, an der führende Künstler nebeneinander wirkten[ii]. Eine Verbindung von geistig-künstlerischer und praktisch-handwerklicher Ausbildung mit dem Ziel bildende Kunst und Architektur zu einem Gesamtkunstwerk zu vereinen[iii]. Dieses Ziel des Zusammenwirkens wird mit dem Begriff der „Große Bau“ dargestellt. Die Aufgabe dieses Zusammenwirkens von Kunst und Industrie im Sinne „umfassender Lebensgestaltung“ wurde in schulischer Praxis umgesetzt[iv]. Die Anforderungen und Erwartungen an die Architektur waren nach Kriegsende sehr hoch[v], nicht zuletzt ausgelöst von Problemen wie Wohnraum- und Materialmangel. Walter Gropius wollte mit der Gründung des Bauhauses 1919 in Weimar erste Schritte zur Erneuerung der Architektur tun, allerdings sollte erst mit der Übersiedlung nach Dessau in das neue Bauhausgebäude eine eigene Architekturabteilung realisiert werden[vi]. Die Probleme in den Gründungsjahren verhinderten für längere Zeit die Arbeit an einem konkreten Architekturprojekt, Ausnahme war das „Haus Sommerfeld“, an dem die Bauhaus-Idee einer gemeinsamen Arbeit der verschiedenen Werkstätten an einem Bau verwirklicht wurde[vii].

In den Anfangsjahren des Bauhauses entstand 1921/22 das „Haus Dr. Fritz Otte“, welches von Blockhaftigkeit, einem hohen Walmdach, starker Symmetrie und prismatisch gebrochnen Wänden im Eingangsbereich gekennzeichnet ist. Das Versuchshaus „Haus am Horn“ zur Bauhausausstellung 1923, bevorzugt Elementarformen und einen geometrischen Aufbau, was zu einer neuen Architektursprache beigetragen hat. Die Architektur am Bauhaus wurde von Anfang an als „Erziehungssubjekt“ (Konrad Wünsche) verstanden, das aus funktionalen Überlegungen der „Organisation von Lebensvorgängen (Walter Gropius) hervorgeht.[viii] Das „Haus am Horn“ hatte zum ersten Mal die Tendenz einer neuen Raumauffassung. Es war Hauptstück der damaligen Bauhausausstellung und die erste große Selbstdarstellung des Bauhauses. Anhand dieses Hauses konnte man eine Vorstellung von einem Typenhaus der Zukunft in seiner Totalität bekommen. Vom Bau selbst bis hin zu den Türgriffen. Ziel war es mit sechs „Einzel-Raumkörpern“ einen variantenreichen und billigen Hausbau zu ermöglichen. Dies wurde als „Baukasten im Großen“ bezeichnet.[ix] Wo immer es möglich war verwendete Gropius Serienprodukte. Es gibt dabei zwei verschiedene Arten von Serienprodukten. Industrielle Serienprodukte, die von der Industrie geliefert und aus Katalogen auswählbar waren und Serienprodukte, die Gestalter am Bauhaus entwarfen, wie beispielsweise die Türklinke, entworfen 1922 von Walter Gropius und Adolf Meyer, die Gropius für das Bauhausgebäude und die Meisterhäuser in Dessau verwendete.[x] Die Meisterhäuser könnten die praktische Erprobung des „Baukasten im Großen“ sein.[xi] 1922/23 war die Skizze eines variablen Typenhauses entwickelt worden. Dazu Gropius in seiner Erläuterung: „Baukasten im Großen, aus dem sich je nach Kopfzahl und Bedürfnis der Bewohner verschiedene Wohnmaschinen zusammenfügen lassen“, dabei übernahm er den Begriff „machine á habiter“ von Le Corbusier[xii].

2 Die Meisterhäuser in Dessau.

2.1 „Die Meisterhäuser waren nicht nur ein Experiment auf der Suche nach neuen Wohnbauten für eine neue Lebensweise, sondern auch Künstlerhäuser.“

Das Projekt der Meisterhäuser in Dessau besteht aus vier Häusern, von denen drei baugleiche Doppelhäuser sind und das vierte ein Einzelhaus ist. In den Doppelhäusern lebten und arbeiteten (zu Anfang) die Künstler Laszlo Moholy-Nagy und Lyonel Feininger, Georg Muche und Oskar Schlemmer, Paul Klee und Wassily Kandinsky[xiv]. Das Einzelhaus war als einziges der Meisterhäuser als reines Wohnhaus (für Walter Gropius und dessen Frau) konzipiert[xv].[xiii]

Die Häuser wurden im Sommer 1925 von der Stadt Dessau in Auftrag gegeben und wurden nach einem Jahr Bauzeit bezogen. Sie entstanden nahezu zeitgleich zum Dessauer Bauhausgebäude[xvi]. Walter Gropius war der Architekt. Das Einzelhaus enthält 1908 Kubikmeter umbauten Raumes, die Doppelhäuser jeweils 2507 Kubikmeter.[xvii] Gropius wählte den Standort der Meisterhäuser persönlich, ein völlig unbebautes und idyllisches Areal unweit des Bauhausgebäudes. In dieses unbebaute Gebiet konnte man ohne Rücksicht auf bestehende Architektur neue Bauten errichten, die einen Kontrast zu den schlanken Kiefern herstellen.[xviii]

Alle sechs Wohnungen der drei Doppelhäuser sind gleich bis ins Detail, dennoch in ihrer Wirkung verschieden. Die von der Wandmalereiabteilung des Bauhauses durchgeführte farbige Gestaltung betont einerseits die räumliche Organisation innerhalb der Wohnungen, bringt andererseits eine Abwandlung der Wirkung der an sich gleichen Räume.[xix] Die individuelle Ausmalung der Innenräume nach Entwürfen der Erstbewohner unterstreicht ihre Aura sowohl als künstlerisch inszeniertes Werk wie auch als Ort des künstlerischen Lebens und Arbeitens.[xx] Wassily Kandinsky und Paul Klee beispielsweise ließen ihre Wohn- und Arbeitsbereiche in kräftigen und kontrastreichen Farben streichen[xxi].

Die Doppelhäuser verfügen über ein Atelier, das Gropiushaus bildet zu denen eine Ausnahme, da es ohne Atelier auskommt. „Mit ihren prononcierten Atelierbereichen und dem manifestartigen Charakter der Architektur als Ausdruck des Neuen Bauens erweisen sich die Meisterhäuser als eines der bedeutendsten Beispiele von Künstlerhäusern der Moderne.“[xxii] Die die Straßenseite beherrschenden Nordfenster der Ateliers bilden nicht nur ein formal auffälliges Element der ästhetischen Gesamterscheinung, sondern vermitteln auch nach außen die Nutzung der Räume einer Gruppe prominent gewordener und selbstbewusster Künstler.[xxiii]

Das Fundament der Meisterhäuser besteht aus Beton. Betonstützen und Steineisendecken ermöglichen, dass Terrassen oder Gebäudeelemente vorkragen.[xxiv] Bei den Meisterhäusern wurde Stahl lediglich für die filigranen Stahlbrüstungen verwendet, denn unter dem Anstrich verbirgt sich keine moderne Stahl-Beton-Konstruktion[xxv]. Die Wände bestehen vielmehr aus Jurkosteinen , die aus Schlacke, Sand und Zement als Platten mittlerer Größe, noch von Menschenhand verbaubar sind[xxvi]. Diese wurden u.a. verwendet um die Bauten schnell fertig zu stellen[xxvii]. Die Flachdächer waren mit verlöteten Asphaltplatten auf einer Torfoleumdämmung eingedeckt[xxviii].

[...]


[i] vgl. Lexikon der Kunst. Band I, Leipzig 2004, S.435

[ii] vgl. WINGLER, Hans Maria: Bauhaus. Architektur, Design, Malerei, Graphik, Berlin 1987, S.15

[iii] vgl. Lexikon der Kunst. Band I, Leipzig 2004, S.435

[iv] vgl. ebd.

[v] vgl. DÜCHTING; Hajo: Wie erkenne ich. Die Kunst des Bauhaus, Stuttgart 2006, S.94

[vi] vgl. ebd.

[vii] vgl. ebd.

[viii]vgl. KOLBER, Gabriele: Leben am Bauhaus. Die Meisterhäuser in Dessau, München 1993, S.35

[ix]vgl. ebd., S.35f.

[x] vgl. ebd., S.37

[xi]vgl. LUPFER, Gilbert: Walter Gropius. Propagandist der neuen Form, Köln 2004, S.46

[xii]vgl. ebd.

[xiii] vgl. KOLBER, Gabriele: Leben am Bauhaus. Die Meisterhäuser in Dessau, München 1993, S.29

[xiv] vgl. WINGLER, Hans Maria (Hrsg.): Bauhausbauten Dessau, Kupferberg 1974, S.45

[xv] vgl. KOLBER, Gabriele: Leben am Bauhaus. Die Meisterhäuser in Dessau, München 1993, S.41

[xvi] vgl. WINGLER, Hans Maria (Hrsg.): Bauhausbauten Dessau, Kupferberg 1974, S.45

[xvii]vgl. GROPIUS, Walter: Bauhausbauten Dessau, Berlin 1997, S.85

[xviii] vgl. KOLBER, Gabriele: Leben am Bauhaus. Die Meisterhäuser in Dessau, München 1993, S.31

[xix] vgl. GROPIUS, Walter: Bauhausbauten Dessau, Berlin 1997, S.86

[xx] vgl. LUPFER, Gilbert: Architektur und Kunst. Das Meisterhaus Kandinsky-Klee in Dessau, Berlin 2000, S.23

[xxi]vgl. LUPFER, Gilbert: Walter Gropius. Propagandist der neuen Form, Köln 2004, S.45

[xxii]vgl. LUPFER, Gilbert: Architektur und Kunst. Das Meisterhaus Kandinsky-Klee in Dessau, Berlin 2000 , S.23

[xxiii]vgl. ebd.

[xxiv] vgl. GROPIUS, Walter: Bauhausbauten Dessau, Berlin 1997, S.85

[xxv]vgl. LUPFER, Gilbert: Walter Gropius. Propagandist der neuen Form, Köln 2004, S.50

[xxvi]vgl. GROPIUS, Walter: Bauhausbauten Dessau, Berlin 1997, S.85

[xxvii]vgl. ENGELMANN, Christine; SCHÄDLICH, Christian: Die Bauhausbauten in Dessau, Berlin 1991 , S.32

[xxviii] vgl. ebd.

Details

Seiten
12
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640502523
ISBN (Buch)
9783640502615
Dateigröße
392 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v140028
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Kunsthistorisches Seminar und Kustodie
Note
2,7
Schlagworte
Architektur BAUHAUS Gropiushaus Dessau Meisterhäuser Baubeschreibung

Autor

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