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Die Soziale Frage und der Pauperismus bis zur Revolution 1848/49 und deren Lösungsmöglichkeiten

Hausarbeit 2009 28 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsklärung
2.1 Soziale Frage
2.2 Pauperismus

3. Der Pauperismus und die Soziale Frage bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts
3.1 Gesellschaftliche Konzessionen/ Umstände
3.2 Arbeits- und Lebensbedingungen

4. Lösungsversuche der Sozialen Frage
4.1. Theoretische Lösungsversuche
4.1.1 der Sozialisten
4.1.2 der Liberalen
4.1.3 der Konservativen
4.1.4 der Kirche
4.2 Praktische
4.2.1 Auswanderungen
4.2.2 Proteste und Streiks
4.2.3 Arbeiterbewegungen und Vereine
4.2.4 Staatliche Maßnahmen
4.2.5 Kassen

5. Fazit

6. Literatur

Sekundärliteratur:

Quellen:

1. Einleitung

Viele Historiker stellen die Entwicklungen, die mit der Industriellen Revolution einhergingen als „größte menschheitsgeschichtliche Zäsur“[1] dar. Zu diesen Entwicklungen gehören auch die Phänomene des Pauperismus und der Sozialen Frage, die ab der Zeit des Wiener Kongresses bis zum Ausbruch der Revolution 1848/49 im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen. Dahingehend wird untersucht, welche Ansätze zur Lösung jener Probleme es gab und wie diese gewirkt haben. Im Untersuchungszeitraum befindet sich das Stadium der Sozialen Frage noch in einer Vorform, die aber trotz dessen eine enorme Relevanz für die kommende Zeit hatte, da sie den Grundstein für die weitere gesellschaftliche Entwicklung legte.

Die Arbeit beinhaltet neben Einleitung, einer kurzen Begriffsklärung, Fazit und Literaturangabe zwei wesentliche Kapitel. Im Ersten steht die Soziale Frage deskriptiv hinsichtlich ihrer Ursachen, beispielsweise der frühen Industrialisierung, der Bauernbefreiung und der Bevölkerungsexplosion des 19. Jahrhunderts, im Mittelpunkt. Weiterhin werden die Arbeitsverhältnisse und Lebensbedingungen, speziell der arbeitenden Unterschicht dargestellt. Im zweiten großen Kapitel werden hinsichtlich der theoretischen Lösungsversuche Ansätze aus den verschiedenen Denkrichtungen der Zeit, sowie der Kirche analytisch dargestellt. Welche bedeutenden Vertreter der Zeit haben sich zum Thema geäußert? Welche weiteren Unternehmungen gab es von Seiten des Staates, den Betroffen selbst oder gar einiger fortschrittlichen Unternehmer? Inwieweit haben der Ideen gefruchtet?

Göhler und andere Historiker vertreten die Annahme, dass der Sozialismus die wichtigste Antwort auf die Soziale Frage fand, da diese erst durch den aufkommenden Kapitalismus ausgebrochen ist. Diese Annahme ist auch nicht vollkommen falsch, mit dieser Arbeit soll jedoch belegt werden, dass sowohl aus den anderen wichtigen Denkrichtungen der Zeit als auch von den Betroffenen selbst und anderen gesellschaftlichen Akteuren wichtige Ansatzmöglichkeiten zur Lösung der Sozialen Frage gefunden wurden.

Die Revolution von 1848/49 wird in der Arbeit ausgegrenzt, da sie hauptsächlich eine politische Revolution war und den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.

Die Literatur- und Quellenlage zum untersuchten Thema erwies sich als flächendeckend, wobei auffiel, dass sich ein größerer Teil der Literatur mit dem Zeitraum nach 1848/49 befasst. In der Forschung gibt es verschiedene Ansichten darüber, in welchem Zusammenhang der Pauperismus und die Industrielle Revolution stehen. Auf diesen Diskurs wird jedoch nicht weiter eingegangen. Ein besonders aufschlussreiches Werk für meine Arbeit war die Sammlung der Quellen zur Geschichte der sozialen Frage in Deutschland von Dr. Ernst Schraepler. Weitere wichtige Werke sind jene von Ritter, Henning, Tennstedt und Göring.

2. Begriffsklärung

An den Beginn dieser Arbeit wird eine Erläuterung dessen gestellt, was unter den zentralen Begriffen Soziale Frage und Pauperismus zu verstehen ist. Beide Begriffe werden in der folgenden Arbeit nicht differenziert betrachtet, da sie in ihrer Bedeutung für den Untersuchungszeitraum stark miteinander verknüpft sind.

2.1 Soziale Frage

Das Wörterbuch der Geschichte von Bayer/ Wende erklärt die Soziale Frage als eine „Bezeichnung für eine gesellschaftliche Situation, in der breite Unterschichten sozialen Missständen ausgesetzt sind, die sie in ihrer Existenz bedrohen, und in der demzufolge das soziale Gleichgewicht und der innere Frieden der Gesellschaft starken Spannungen ausgesetzt sind. Im engeren Sinne wird der Begriff angewendet im Zusammenhang mit dem von Bevölkerungsexplosion, Massenarmut und Agrarkrise begleiteten Übergang von der feudalen Agrargesellschaft zur frühkapitalistischen Industriegesellschaft um 1800 sowie auf die sich daran anschließende Phase der Entstehung des Proletariats wahrend der industriellen Revolution. Die Soziale Frage bzw. die Bemühungen um ihre Lösung trugen maßgeblich bei zum Entstehen von Arbeiterbewegung sowie staatlicher Sozialpolitik.“[2] Im Wörterbuch der Geschichte von Fuchs/ Raab wird die Soziale Frage „[…]mit der Veränderung der gesellschaftlichen Strukturen durch die industrielle Revolution, in deren Verlauf eine Arbeiterklasse entstand, die ohne rechtlichen Schutz und politisch nicht gleichberechtigt der wirtschaftlichen Überlegenheit der Fabrikbesitzer ausgeliefert war. Die s.F. konzentrierte sich dadurch in erster Linie auf das Problem, einer Verelendung der Arbeiter entgegenzuwirken und insbes. Erscheinungen wie Frauen- und Kinderarbeit, elende Wohnverhältnisse, geistigen und moralischen Verfall zu beseitigen“ beschrieben.[3] Manche Autoren datieren den Ausbruch der Sozialen Frage erst später.

2.2 Pauperismus

Nach einer Definition aus der Brockhaus’ Real- Enzyklopädie von 1846 ist der Pauperismus ein „neu erfundener Ausdruck für eine höchst bedeutsame und unheilvolle Erscheinung, die man in Deutschland durch die Worte ‚Massenarmut oder Armentum’ wiederzugeben versucht hat. Es handelt sich dabei nicht um die natürliche Armut, wie sie als Ausnahme infolge physischer, geistiger oder sittlicher Gebrechen oder zufälliger Glücksfälle immerfort einzelne befallen mag; auch nicht um die vergleichsweise Dürftigkeit, bei der doch eine sichere Grundlage des Unterhalts bleibt. Der Pauperismus ist da vorhanden, wo eine zahlreiche Volksklasse sich durch die anstrengenste Arbeit höchstens das notdürftige Auskommen verdienen kann… und dabei immer noch sich in reißender Schnelligkeit ergänzt und vermehrt.“[4] Bezeichnend ist das realhistorisch neue Phänomen, da man den Pauperismus von der traditionell herrschenden Armut deutlich abgrenzen muss.

3. Der Pauperismus und die Soziale Frage bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts

In diesem Kapitel sollen die gesellschaftlichen Bedingungen, die zum Ausbruch der Sozialen Frage und des Pauperismus geführt haben, dargestellt werden. Außerdem wird ein großes Augenmerk auf die Situation der Arbeiterschicht hinsichtlich Arbeits-, Wohn- und Lebensbedingungen gelegt.

3.1 Gesellschaftliche Konzessionen/ Umstände

Das 19. Jahrhundert war von der Ablösung der Agrargesellschaft durch die Industriegesellschaft geprägt. Damit einher gingen tief greifende wirtschaftliche, soziale, politische und kulturelle Veränderungen in der Gesellschaft.[5] In dieser Arbeit steht der Wandel der Erwerbstätigkeit vom feudalen Landarbeiter zum freien Lohnarbeiter im Mittelpunkt, hinsichtlich all der damit einhergehenden Veränderungen für die neu entstehende Schicht. 1815 waren noch ca. 80% der Bevölkerung in der Land- und Forstwirtschaft beschäftigt.[6] Der Vormärz zeigte nur schwache Ansätze der Industrialisierung, man spricht von einer Phase der Vorindustrialisierung. Im Gebiet des Deutschen Zollvereins betrug 1834 die Zahl der Fabrikarbeiter an der Gesamtbevölkerung gerade einmal 4,4 Prozent. Erst in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts setzte der große und neuartige industrielle Aufschwung ein. Diese Schicht verdient u.a. eine große Aufmerksamkeit, weil sie 1913 bereits einen Anteil von ca. 40 Prozent an der Gesamtbevölkerung aufwies. Der in dieser Arbeit untersuchte Zeitraum richtet sich jedoch nur auf die vorindustrielle Zeit und die Anfänge der Industrialisierung und untersucht demnach nur ein Teilphänomen der Gesellschaft.[7] Die Tendenz hin zu einer neuen Form des Erwerbs hat zudem eine große Bedeutung für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung, da sich der sekundäre Sektor der Industriearbeit im 19. Jahrhundert als Haupterwerbsform durchsetzte und in dieser Epoche die Grundlagen für die weitere Entwicklung gelegt wurden.

Ausgangspunkte für den Ausbruch der Sozialen Frage waren u.a. die Bauernbefreiung von 1806, die Einführung der Gewerbefreiheit von 1810 und die Bevölkerungsexplosion, die in den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts eingesetzt hat und bis in die 30er Jahre des 19. Jahrhunderts anhielt. Die Gründe für diese Bevölkerungsexplosion lagen in der Verbesserung der Hygiene und der medizinischen Versorgung und in den Auswirkungen der preußischen Reformpolitik. Außerdem war die Entwicklung durch eine sinkende Sterblichkeit und anwachsende Geburtenzahlen der Gesamtbevölkerung geprägt.[8] Die in der napoleonischen Zeit angestoßenen Modernisierungstendenzen legten den Grundstein für die spätere Industrialisierung. In Deutschland wurde die Feudalherrschaft beendet und die Zunftordnung gelockert, eine Gewerbefreiheit konnte sich durchsetzen und durch die Gründung des Zollvereins 1834 kam es zur Bildung von überregionalen Märkten.[9] Durch die Folgen der Bauernbefreiung verloren viele Bauern einen Großteil ihres bewirtschafteten Landes sowie den gutsherrlichen Schutz und den des Staates. Folge dessen war, dass viele Landwirte ihre Existenz verloren hatten und in die Städte abwandern mussten. Dort blieb ihnen häufig keine andere Alternative als die Arbeit in der Fabrik. Da sie jedoch keine Ausbildung vorzuweisen hatten, verblieben sie in der unteren Einkommensschicht und wurden zu ungelernten Fabrikarbeitern. Auch die Einführung der Gewerbefreiheit führte zu einem ähnlichen Effekt. Den Handwerksgesellen war es durch die Gewerbefreiheit leichter möglich, sich als selbstständige Meister niederzulassen. Das wiederum führte zu einer Überladung einzelner Zweige des Handwerks, sodass den überflüssigen Meistern ebenfalls keine Alternative blieb, als ihr Geld in der Stadt als ungelernte Fabrikarbeiter zu verdienen. Parallel zu dieser strukturellen Veränderung der Gesellschaft in der Stadt und auf dem Lande explodierten die Bevölkerungszahlen zu einem unterschiedlichen Tempo in den verschiedenen Regionen Deutschlands. Da der industrielle Sektor anfänglich über zu geringe Kapazitäten verfügte, die vielen Arbeitssuchenden Menschen aufzunehmen, entstand ein großes Vakuum an Arbeitsmöglichkeiten.[10] Außerdem hinkte Deutschland der europäischen Entwicklung in der Industrialisierung, vor allem der Englands und Frankreichs hinterher. In der Tendenz der Marktausweitung lag ein großes Problem der beginnenden gewerblichen Massenproduktion. Das handwerkliche Kleingewerbe kam durch die ausländische Konkurrenz und die Produktion in den Manufakturen in existentielle Nöte. Anfänglich große Absatzschwierigkeiten und die großen Hungersnöte von 1817/18 und 1847/48 verschlimmerten die Lage. Es entstand eine Massenarmut, die Deutschland bisher so nicht erlebt hatte.[11]

[...]


[1] KOCKA, JÜRGEN: Das lange 19. Jahrhundert. in: GEBHARDT: Handbuch der deutschen Geschichte. Stuttgart: Klett-Cotta 2002, S. 44.

[2] BAYER, ERICH/ WENDE, FRANK: Wörterbuch zur Geschichte. Begriffe und Fachausdrücke. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag 1995, S.510.

[3] FUCHS, KONRAD/ RAAB, HERIBERT: Wörterbuch zur Geschichte. Band 2 L-Z. München: Deutscher Taschenbuchverlag 1972, S. 291.

[4] Brockhaus’ Real- Enzyklopädie zit. nach: HARDTWIG, WOLFGANG: Vormärz. Der monarchische Staat und das Bürgertum. in: BROSZAT, MARTIN/ BENZ, WOLFGANG/ GRAML, HERMANN (Hrsg.):Deutsche Geschichte der neuesten Zeit vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. München: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG 1993, S. 15f.

[5] vgl. Rauscher (1988): S.1

[6] vgl. SCHRAEPLER, DR. ERNST: Quellen zur Geschichte der sozialen Frage in Deutschland. Band 1: 1800- 1870. Göttingen: Musterschmidt Verlag 1955, S. 8.

[7] vgl. Hartdwig (1993): S. 103f.

[8] vgl. KELLENBENZ, HERMANN: Deutsche Wirtschaftsgeschichte. Band II. Vom Ausgang des 18. Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. München: Verlag C.H. Beck 1981, S. 27., ABEL, WILHELM: Der Pauperismus in Deutschland am Vorabend der Industriellen Revolution. Braunschweig: Braunschweig-Druck GmbH 1970, S. 56.

[9] vgl. Kocka (2002): S. 50

[10] vgl. Schraepler (1955): S. 9f.

[11] vgl. TENNSTEDT, FLORIAN: Sozialgeschichte der Sozialpolitik in Deutschland. Vom 18. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1981, S. 38f.

Details

Seiten
28
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640469826
ISBN (Buch)
9783640470143
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v139919
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,7
Schlagworte
Soziale Frage Pauperismus Revolution Lösungsmöglichkeiten

Autor

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