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Moritz von Sachsen - Fürstenerziehung und Persönlichkeitsbildung

Seminararbeit 2001 18 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1.Einleitung

2. Quellenlage und Forschungstendenzen

3. Die Jugend des Moritz von Sachsen
3.1. Katholische Kindheit in Freiberg, Halle und Dresden
3.2. Der Wechsel zum Protestantismus und der Aufenthalt am kurfürstlichen Hof
3.3. Die Regierungszeit Heinrichs – Moritz als Thronfolger
3.4. Charakter und Vergleich der Texte von Erich Brandenburg (1898) und Simon Ißleib (1905)

4. Die Fürstenerziehung im 16.Jahrhundert
4.1. Grundlegende Entwicklungslinien
4.1.1. Die Veränderung des Verhältnisses der Adeligen zur Bildung
4.1.2. Humanismus und Reformation
4.2. Erziehungsliteratur
4.3. Der Alltag in der Fürstenerziehung

5. Schlussbetrachtungen

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Einer der wichtigsten Fürsten für Sachsens und die Reformation war Moritz von Sachsen, trotz seiner nur zwölfjährigen Regierungszeit. Mit ihm kommt ein Herrscher an die Macht dessen Handeln weniger durch religiösen Eifer sondern vielmehr durch politisches Kalkül bestimmt wird. Von seinem ernestinischen Vetter Johann Friedrich erwarb er die Kurwürde sowie einen Großteil Sachsens und Thüringens für die albetinische Linie der Wettiner, indem er im Schmalkaldischen Krieg auf Seiten des katholischen Kaisers gegen seine protestantischen Glaubensgenossen und Verwandten kämpfte. Durch eine Wendung gegen Karl V. konnte er jedoch zur Konsolidierung der Reformation, an deren Ende der Passauer Vertrag und der Augsburger Religionsfriede standen, entscheidend beitragen.

Es ist schwierig aus den Erziehungsgrundsätzen Schlüsse auf den Regierungserfolg zu ziehen.[1] Jedoch werden in der Jugend eines Menschen durch Erziehung und Bildung moralische wie auch politische Ansichten und Grundmuster vermittelt, die für sein späteres Verhalten verantwortlich sind.

In dieser Hausarbeit soll im ersten Teil die Jugend Moritz von Sachsens dargestellt werden. Des weiteren wird es notwendig sein, die allgemeinen und grundlegenden Abläufe und Tendenzen in der Adelserziehung des 16.Jahrhunderts aufzuzeigen.

2. Quellenlage und Forschungstendenzen

In der gegenwärtigen Forschung findet der deutsche Fürstenhof nur wenig Interesse. Eine der Ursachen ist, dass der adelige Hof und seine Gesellschaft für die heutigen bürgerlichen Historiker ferner denn je liegen.[2] Im Bereich der Fürstenerziehung, besonders zu bestimmten Persönlichkeiten oder speziellen Regionen gibt es bereits einige Monographien meist älteren Datums. Jedoch sind noch immer Forschungen nötig.[3] Dies gilt insbesondere auch für den sächsischen Bereich, wo Adelsforschung während der DDR-Zeit aus ideologischen Gründen vernachlässigt worden ist.[4] Durch die vor allem im 16.Jahrhundert einsetzende Verschriftlichung der Prinzenerziehung[5] entstand ein dichtes und nur teilweise gedrucktes Quellenmaterial. Es entstand aus der privat-höfischen Praxis heraus, umfasst etwa Erziehungsinstruktionen für die Hofmeister oder Examensberichte und ist mehr als nur persönliche Äußerungen mit individuellem Charakter, da auch überregionale Ähnlichkeiten bestehen[6].

Erich Brandenburg und Simon Ißleib führten vor etwa 100 Jahren die wohl bis heute wichtigsten Untersuchungen über Moritz von Sachsen durch. Aus neuerer Zeit ist Karlheinz Blaschkes Biografie von 1984 zu nennen.

3. Die Jugend des Moritz von Sachsen 1521-1541

3.1. Katholische Kindheit in Freiberg, Halle und Dresden

Moritz von Sachsen wurde am 21.März 1521 in der 22.Stunde in Freiburg geboren. Er ist nach drei Töchtern der erste Sohn des Herzogs Heinrich und dessen Gattin Katharina von Mecklenburg. Seine Brüder Severin und August wurden ein Jahr später bzw. 1526 geboren. Die Mutter Katharina wird als kluge, herzhafte, hochmütige und ehrgeizige Frau dargestellt, die sich seit 1525 zur neuen Lehre Luthers bekannte. Ihr Gemahl Herzog Heinrich war willensschwach und eher an der Jagd und Tafelrunden als an Politik interessiert. Er möchte nicht in den Gegensatz zu seinem Bruder Herzog Georg kommen. Heinrich war Herr über die Herrschaften Freiburg und Wolkenstein und finanziell auf die Unterstützung seines Bruders angewiesen.[7] Die temperamentvolle Mutter wirkte sicher stärker als der Vater auf Moritz ein. Herzogin Katharina, die sehr um das Wohl ihres Hauses besorgt war, sah in Moritz „den künftigen Träger des Glücks.“[8] Er wird zunächst offiziell katholisch erzogen, ist aber auch evangelischen Einflüssen durch die Mutter ausgesetzt, so dass wenn keine religiöse Gleichgültigkeit, „so mögen sie ihm doch eine skeptische Haltung in den Fragen von Religion und Konfession beigebracht und dazu geführt haben, in seinen späteren Entscheidungen die politische Zweckmäßigkeit stärker gelten zu lassen als Rücksichten auf die Lehre Luthers und das Werk der Reformation.“[9] Es sind keine Beweise zu erbringen, inwiefern Moritz außer lesen, schreiben, rechnen und geringen Lateinkenntnissen, sowie der für adelige Kinder übliche ritterliche Ausbildung in Reiten, Jagen und Waffenhandwerk, Unterricht und Bildung erfahren hat.[10] Am einfachen Freiberger Hof wurde er zusammen mit seinen Brüdern August und vor allem mit dem nur wenig jüngeren Severin erzogen. Im ritterlichem Fechtspiel war Severin meist der geschicktere. Für die Erziehung war wohl zunächst Balthasar Rysche verantwortlich.[11] Die Ehe von Herzog Georgs ältestem Sohn Johann mit Elisabeth von Hessen blieb kinderlos und sein zweiter Sohn Friedrich war geistesschwach. Damit kommt sein Bruder Heinrich und seine Söhne als mögliche Erben des albertinischen Herzogtums in Betracht, und so schickt Georg Moritz zu seinem Taufpaten Kardinal, Kurfürst und Erzbischof Albrecht von Brandenburg nach Halle und Severin an den Hof König Ferdinands, wo dieser aber zehnjährig stirbt. Ab Anfang Januar befindet sich Moritz nun in Halle und ist so dem lutherischen Einfluss der Mutter entzogen. Der Hof mit dem dort vorherrschenden Renaissancegeist und dem verschwenderischen Genussleben der höchsten Kirchenfürsten, welches im Gegensatz zum bescheidenen Freiberger Hof stand, war wohl nicht geeignet um aus Moritz einen überzeugten Katholiken zu machen.[12] In Halle ist Moritz von dem 13 Jahre älteren, hochgebildeten und weitgereisten Christoph von Carlowitz stark beeindruckt, der äußerlich katholisch, an religiösen Fragen jedoch wenig interessiert ist. Zu ihm gewinnt der junge Herzog eine hohe lebenslange Vertrauensstellung.[13] Der in Georgs Diensten stehende Hans von Schleinitz wird sein Hofmeister.[14]

Moritz litt unter Fieberanfällen und kam im Januar 1534 in Begleitung von Christoph von Carlowitz zu seinem Onkel nach Dresden, wo er drei Jahre blieb. Herzog Georgs Hof war von Arbeit, Fleiß, Ernst und Pflichtbewusstsein gekennzeichnet. Mangels Quellen kann nichts über die Ausbildung, Erziehung und den Einfluss des streng katholischen Onkels auf Moritz gesagt werden.[15] Brandenburg hält Georg „für wenig geeignet, große Einwirkungen auf den lebhaften Knaben [aus]zu üben.“[16] In Dresden machte der 13Jährige die Bekanntschaft mit dem ersten Rat seines Onkels: Georg von Carlowitz, der trotz geringer Bildung ein hervorragender Verwaltungsbeamter war. Außenpolitisch war er für eine enge Bindung an Habsburg und gegen die Ernestiner. Auch als Katholik war er der Reformation nicht total verschlossen und strebte eine Religionsvergleichung mit der lutherischen Lehre an. Diese politischen und religiösen Ansichten sind für Moritz von großer Bedeutung gewesen. In Dresden machte er auch erst Bekanntschaft mit seinem Vetter Landgraf Philipp von Hessen und mit dessen Schwester Elisabeth[17].

3.2. Der Wechsel zum Protestantismus und der Aufenthalt am kurfürstlichen Hof

Herzogin Katharina konnte ihren Mann Heinrich schließlich doch zum Übertritt ins Luthertum und zum Eintrittsgesuch in den Schmalkaldischen Bund bewegen. Während dessen starb im Januar 1537 Herzog Johann ohne Erben. Georgs zweiter schwachsinniger Sohn Friedrich konnte den Thron nach der „Väterlichen Ordnung“ von 1499 nur Erben, wenn ihn die Landstände nicht für unfähig erklärten. Als nächste Erbberechtigte kamen nun Herzog Heinrich und seine Söhne in Betracht.[18]

Moritz wurde nun dem katholischen Einfluss Georgs entzogen indem man ihn im Mai 1537 aus Dresden zurückholte und nach Torgau zu seinem 17 Jahre älteren, arbeitsamen, Frommen und entschlussunfreudigen Vetter Kurfürst Johann Friedrich schickte. Der Konfessionsstreit seiner Familie scheint Moritz ziemlich Gleichgültig gewesen zu sein. Möglicherweise bekam er aber Minderwertigkeitsgefühle gegenüber seinem kurfürstlichen Vetter, der in seinen Entscheidungen auf Luther, Melanchthon und andere Theologen angewiesen war. Trotz deutlicher Persönlichkeitsgrenzen war Johann Friedrich ihm im Stand und Rang überlegen.[19] Im November 1537 traten sowohl Heinrich als auch Moritz dem ersten Vertrag „zur Rettung und Gegenwehr“ des Schmalkaldischen Bundes bei. „Nach erfolgter Aufnahme in den Bund genossen sie dessen Vorteile ohne seine Lasten zu tragen.“[20]

[...]


[1] Boehm, Laetitia: Konservativismus und Modernität in der Regentenerziehung an deutschen Höfen im 15. und 16.Jahrhundert. In: Humanismus im Bildungswesen des 15. und 16. Jahrhundert, hrsg. von W. Reinhard. Weinheim. 1984, S.92

[2] Müller, Rainer A.: Der Fürstenhof in der frühen Neuzeit. München. 1995 (Enzyklopädie deutscher Geschichte; Band XXXIII), S.88f.

[3] Boehm S.79

[4] Endres, Rudolf: Adel in der frühen Neuzeit. München. 1993 (Enzyklopädie deutscher Geschichte; Band XVIII), S.92

[5] Boehm S.81

[6] Boehm S.79f

[7] Brandenburg, Erich: Moritz von Sachsen. Band I: Bis zur Wittenberger Kapitulation (1547). Leipzig. 1898, S.10f.

[8] Langenn , Friedrich Albert von: Moritz, Herzog und Churfürst zu Sachsen. Eine Darstellung aus dem Zeitalter der Reformation. Leipzig. 1841, S.51

[9] Blaschke, Karlheinz: Moritz von Sachsen. Ein Reformationsfürst der 2.Generation. Göttingen, Zürich. 1984 (Persönlichkeit und Geschichte; Band CXIII), S.15

[10] Ißleib, Simon: Die Jugend Moritzens von Sachsen, 1521-1541. In: Neues Archiv für Sächsische Geschichte und Altertumskunde, hrsg. von H. Ermisch. Dresden. 1905, S.275

[11] Richter, Julius: Das Erziehungswesen am Hofe der Wettiner Albertinischer (Haupt-)Linie. Berlin. 1913 (Monumenta Germaniae Paedagogica; Band LII), S.19

[12] Brandenburg S.12f.

[13] Blaschke S.16

[14] Richter S.22

[15] Ißleib S.277f.

[16] Brandenburg S.14

[17] Blaschke S.17

[18] Ißleib S.279

[19] Blaschke S.18f.

[20] Ißleib S.283

Details

Seiten
18
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638108706
Dateigröße
399 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v1397
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Institut für Geschichte
Note
2
Schlagworte
Moritz Sachsen Fürstenerziehung Persönlichkeitsbildung Proseminar

Autor

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