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Ermutigung, Motivation, Selbsterfüllung. Unterschiede und Koppelung

Hausarbeit 2009 14 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

1. Erste Überlegungen

Ermutigung und Entmutigung beeinflussen mit ihrer immensen Bedeutung die unterschiedlichsten Lebensbereiche. Besonders in Erziehungsprozessen, vor allem aber im schulischen Kontext lassen sich die aufbauende Wirkung der Ermutigung und die schlichtweg zerstörende Wirkung der Entmutigung hinreichend beobachten. Die maßgebliche Aufgabe eines Pädagogen[1] muss also immer einem verantwortungsbewussten Umgang mit den Schülern unterstellt werden. Jedes schulische und erzieherische Handeln muss immer einer ermutigenden Grundhaltung unerstellt werden, das ist zumindest meine Grundannahme, die am Beginn meiner Überlegungen steht. Wer wissen möchte, ob es nach der Auseinandersetzung mit dem vielschichtigen Thema noch immer so ist, der sei auf die Schlussüberlegungen dieses Textes verwiesen. Diese Forderung, also eine ermutigende, pädagogische Grundhaltungdie, die von den Studierenden unseres Seminars formuliert wurde, basiert auf der Überzeugung, dass beim Wissenserwerb neben dem Lern- und Leistungsverhalten der Schüler, sowie der Haltung des Wollens und Könnens, dem Intellekt und des Gedächtnisses immer auch Items wie Selbstvertrauen, Selbstbild und Zuversicht mitgedacht werden müssen.

Im Folgenden möchte ich beschreiben, welche Konsequenzen von Ermutigungen (und Entmutigungen) ausgehen und überlegen, in wiefern diese Erkenntnisse eine Relevanz für den Schulzusammenhang aufweisen.

2. Zur Motivierung und Ermutigung

Alltagssprachlich erscheinen die Begriffe Motivierung und Ermutigung oft als Synonyme. Beide haben tatsächlich, auch im wissenschaftlichen Zusammenhang, einige Gemeinsamkeiten, unterscheiden sich aber trotzdem in ihrer grundlegenden Intention voneinander. Beides intendieren soziale Handlungen, die die Zielperson dazu veranlassen, entsprechend der Zielintention zu handeln.

Um den Unterschied der beiden Begriffe zu klären müssen drei weitere zunächst kurz erläutert werden. Das Motiv, die Motivation und schließlich die Motivierung. Die genauen Definitionen dieser Begriffe werden in der Psychologie kontrovers diskutiert. Ludwig (1999, S.45), auf den ich mich in meiner Arbeit vornehmlich beziehe, formuliert deshalb Arbeitsbegriffe, mit denen ich an dieser Stelle auch arbeiten möchte.

2.1. Das Motiv

Menschen besitzen immer mehrere Motive, die ihren Handlungen zugrunde liegen. Von diesen wird in der Regel zeitgleich nur eines oder einige wenige aktiviert und in der Konsequenz realisiert. Motive stellen die bewussten oder unbewussten Beweggründe dar, nach denen und wegen denen Menschen eine bestimmte Handlung ausführen um ein bestimmtes Zeil zu erreichen. Triebe beispielsweise können als biologische Motive bezeichnet werden. Motive werden immer dann aktiviert, wenn sich für die betreffende Person ein physischer, psychischer, sozialer oder ökonomischer Mangelzustand auftut. Dieser ist freilich subjektiv ermessen und stellt deshalb in der Regel keinen wirklich Mangel, sondern zumeist einen aufrichten Wunsch nach einer Sache, einer Kompetenz oder einem Zustand dar.

2.2. Die Motivation

Die Motivation ist als Handlungsimpuls zu verstehen. Er ist nicht stetig. Die Motivation hin zu einer bestimmten Handlung kann aber durchaus durch dauerhafte Motive beeinflusst werden. Wer einer Motivation folgt, wählt entsprechend seiner akuten Situation unter den vorhandenen Motiven das dringlichste aus. Das Motiv des Wunsches nach Attraktivität kann beispielsweise zu einer Diät oder zum Friseurbesuch motivieren. Umgangssprachlich wird der Motivationsbegriff noch etwas erweitert. Hier beschreibt eine Motivation, ob eine Person etwas gerne und mit Freude tut, oder eine bestimmte Tätigkeit unter mehreren potentiellen Alternativhandlungen auswählt. Für uns als angehende Lehrer ist die Motivation der Schüler sich einen Unterrichtsinhalt anzueignen eines der Ziele, die es primär zu erreichen gilt. Es ist also wichtig zu wissen, wie eine Motivation entsteht und was sie zu leisten vermag.

2.3. Die Motivierung

Die Motivierung ist der Vorgang, der eine Person dazu veranlasst entsprechend ihrer Motive zu handeln. Die Motivierung bringt folglich den Motivationsprozess in Gang. Wenn sie durch eine außenstehenden Person, etwa einer Lehrerin[2], angestoßen wird, greift die Motivierung in die Selbstbestimmung des Adressaten ein. Dennoch bietet sie dem Zu-Ermutigenden einen Freiraum, der ihm im Zusammenhang mit ähnlichen Eingriffen, etwa der Beeinflussung, der Konditionierung oder der Überredung nicht ermöglicht werden würde. Diese Aspekte gehen nämlich eher mit Gehorsam als mit Freiräumen einher und sind deshalb von der Motivierung, die die Freiheit ihres Adressaten erhält, klar abzugrenzen.

3. Zur Unterscheidung von Ermutigung und Motivierung

Nun, da die oben genannten Begriffe von einander abgegrenzt und beschreiben worden sind, lassen sich auch die Unterschiede zwischen der Ermutigung und der Motivierung leichter beschreiben. Während nämlich die Er- und Entmutigung, die Zuversicht und das Selbstbild einer Person verändern, verändern Motivierung und Demotivierung die Motivation, also die Bereitschaft durch Motive beeinflusst zu Handeln. Beide Begriffe aber wollen bewirken, dass die betreffende Person auf eine intendierte Art und Weise handelt. Beide greifen aber auf unterschiedliche Grundvoraussetzungen zurück, die im Folgenden kurz unterschieden werden müssen. Eine Motivierung kann immer nur dann erfolgreich sein, wenn der Zu-Motivierende bereits über das geforderte Verhaltensmuster grundlegend verfügt. So kann beispielsweise ein Kind zum aufräumen seines Zimmers motiviert werden, wenn entsprechende Handlungen, wie z.B. das Ordnen von Dinge bereits im Vorfeld eingeübt worden sind und als gekonnt vorausgesetzt werden können. Anders verhält es sich mit der Ermutigung. Handlungen, zu denen ermutigt werden kann, müssen noch nicht gekonnt werden. So kann ein Kind zum Erlernen einer Fremdsprache ermutigt werden. Eine Ermutigung setzt immer dort an, wo es an Zuversicht fehlt. Zweifel, Ängste und Verunsicherungen werden zunächst gestärkt, so dass der Zu-Ermutigende letztendlich keine Hindernisse mehr benennen kann oder empfindet, die sich der Handlung entgegenstellen und ihm deshalb unmöglich erscheinen. Eine Motivierung hingegen muss nicht immer zwangsläufig auch die Zuversicht des Betreffenden steigern. Das In-Aussichtstellen einer ex- oder intrinsischen Belohnung stellt niemals eine Ermutigung dar, sondern bleibt immer nur eine Belohnung. Steht ein Kind beispielsweise auf dem Dreimeterturm und getraut sich nicht zu springen, kann es ermutigt werden, indem man auf seinen Mut, seine guten Schwimmkenntnisse oder ähnliche bereits gemeisterte Herausforderungen verweisen. Das Versprechen, ihm zwei Euro zu schenken hingegen, würde lediglich auf eine Motivationssteigerung, also eine Motivierung, abzielen. Das Motiv „Zwei Euro bekommen“ wäre das einzige und würde vermutlich gegen die Angst des Kindes nicht bestehen können.

[...]


[1] Auch wenn ich diese Arbeit weitgehend im generischen Maskulinum verfasse, gilt all das immer auch für Schülerinnen, Lehrerinnen, Mütter, Mädchen, Frauen und Pädagoginnen.

[2] Das mit dem generischen Maskulinum funktioniert auch in entgegengesetzte Richtung.

Details

Seiten
14
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640495054
ISBN (Buch)
9783640495160
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v139429
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
13LP
Schlagworte
Ermutigung

Autor

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