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Zertifikatehandel und Zertifikatelösungen

von Henrike Kosinowski (Autor) Reinhold Steinhardt (Autor)

Seminararbeit 2009 52 Seiten

VWL - Geldtheorie, Geldpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen und Theorien
2.1 Grundlagen nach Coase
2.2 Ökonomisches Modell nach Dales.
2.3 Ansätze der Preismodellierung

3 Entwicklung erster Zertifikatelösungen
3.1 Historischer Verlauf
3.2 Zertifikatelösungen in den USA.
3.3 Dänischer Zertifikatehandel
3.4 UK-Zertifikatehandel
3.5 Schlussfolgerungen aus bisher in der Praxis durchgeführten Handelssystemen

4 Zertifikatelösungen im Rahmen internationaler Verpflichtungen
4.1 Zieldefinition gemäß Kyoto-Abkommen
4.2 Flexible Mechanismen im Kyoto Protokoll
4.3 EU-Gesetzgebung des Emissionshandels.
4.4 Nationale Gesetzgebung des Emissionshandels
4.5 Grundlagen staatlicher Allokation in Deutschland
4.6 Bewertung des EU-Emissionshandels.
4.7 Ausblick auf zukünftige Zertifikatelösungen

5 Schlussbetrachtung

Anhang

Literaturverzeichnis

Eidesstattliche Versicherung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Große Naturkatastrophen: Gesamtschäden und versicherte Schäden

Abbildung 2: Internalisierung durch Verhandlungen

Abbildung 3: Funktionsweise der Zertifikatelösung

Abbildung 4: Prinzipskizze zum System von Umweltlizenzen

Abbildung 5: 2005-2007 allocations, verified emissions and 2007 compliance in the EU ETS. VIII

Abbildung 6: EU-27 Caps nach der Kommissionsentscheidung vom 26.10.2007

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Benchmarking und Grandfathering in Abhängigkeit der Anlagenart, des Emissionsvolumens pro Jahr und dem Jahr der Inbetriebnahme

Tabelle 2: Zusammenhang zwischen Treibhausgasen und Treibhauseffekt

Tabelle 3: Reduktionspflichten gemäß Lastenteilungsvereinbarung der EU- Mitgliedstaaten.

Tabelle 4: Übersicht Nationales Emissionsbudget 2008-2012 (gemäß dem Allokationsplan NAP II der aktuellen Handelsphase auf Basis des ZuG 2012)

1 Einleitung

In Folge voranschreitender Industrialisierung ist der Klimawandel nicht von der Hand zu weisen. Die daraus entstehenden negativen Effekte schaffen eine zunehmende Bedrohung für Mensch und Natur. Auch für die Wirt- schaft besteht ein immenses Verlustrisiko.

Abbilbrng 1 zeigt die Entwicklung der Schadenssummen, die durch Klima- katastrophen entstanden und deren versicherungstechnische Regulierung immense Summen und damit wirtschaftliche Ressourcen verzerrt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbilbrng 1: Große Natrrkatastrophen: Gesamtschäben rnb versicherte Schäben (Entnommen ars Münchner Rück (2007), S. 54)

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie eine Regulierung dieser Effekte auf die Umwelt durch das Instrument Zertifikatehandel aussieht. Zu diesem Zwecke wird in Kapitel 2 zuallererst ein theoretisches Fundament gelegt, um zu erklären wie der Zertifikatehandel funktioniert, und wie sich Preise auf diesen Märkten einstellen. Darauf aufbauend werden in Kapitel 3 die ersten Zertifikatelösungen aufgezeigt, die in der Praxis realisiert wur- den. Im Anschluss soll Kapitel 4 zeigen, welche Probleme es bei einem großen (internationalen) Zertifikatehandel zu bewältigen gilt und welche zukünftigen Entwicklung zu erwarten sind.

Vornehmlich ist das Ziel dieser Arbeit die Funktionsweise von Zertifikate- märkten (in Theorie und Praxis) aufzuzeigen und dabei gleichzeitig die Vielzahl der damit verbundenen Ausgestaltungsmöglichkeiten und Heraus- forderungen zu berücksichtigen.

2 Grundlagen und Theorien

2.1 Grundlagen nach Coase

Die Idee des Handels mit Emissionszertifikaten1 entstand durch John Har- kness Dales im Jahre 19682. Dales stützte sich bei seinen Ausarbeitungen auf die von Ronald H. Coase im Jahre 1960 gemachten Annahmen.3

In seiner Arbeit „The Problem of Social Cost“ legt Coase dar, dass Teilneh- mer eines Marktes selber das Problem der Internalisierung externer Effek- te und der Schadensoptimierung lösen können, indem reine private Ver- handlungslösungen gefunden werden.4 Die Bedingung ist, dass die Markt- teilnehmer frei über die Allokation der Ressourcen verhandeln und diese ohne Kosten tauschen können.5

Die Bedeutung dieser Aussage soll im Folgenden erläutert werden. Exter- ne Effekte sind alle Verluste, die Dritte oder die Allgemeinheit als Folge wirtschaftlicher Aktivitäten zu tragen haben. Wobei die daraus entstehen- den Kosten vom Verursacher unberücksichtigt bleiben.6 Negative externe Effekte können z. B. die jetzigen und zukünftigen Gefahren für die Natur und den Menschen sein, die durch die Emission von Treibhausgasen ver- ursacht werden.7 Wird ein Knappheitspreis für die Nutzung der Umwelt ge- schaffen, so verhindert dies eine Umweltnutzung und den damit verbunde- nen Umweltschaden im Übermaß.8 Vor allem jedoch hat der einzelne Marktteilnehmer die Kosten für seine Umweltnutzung zu tragen und ist da- mit gewillt, die Nutzungs-/ Schadenskosten in sein wirtschaftliches Kalkül mit einzubeziehen.9

Um nun die Verhandlungslösung zu verstehen, lässt sich diese gut an ei- nem Beispiel mit zwei Marktteilnehmern betrachten.10 Schädigt z. B. Per- son A Person B durch ihre Aktivitäten (externe Effekte), so besteht ein Ab- wägungsproblem, ob es A erlaubt sein sollte B zu schädigen oder ob es zuzulassen ist, dass B durch ein Recht die Aktivitäten As stoppt.11 In die- sem Fall, sollte laut Coase der Staat nicht regulierend eingreifen, da eine optimale Lösung durch private Verhandlungen zwischen A und B möglich sei.12 Die einzige Aufgabe des Staates sei es, die Eigentumsrechte (pro- perty rights), von denen die Marktteilnehmer ihre Handlungsrechte bzw.

Duldungspflichten ableiten, der Beteiligten eindeutig zu definieren.1 Abhän- gig von der Schadensersatzpflicht des Verursachers lassen sich die Fälle der Laissez-fair-Regel und der Verursacherregel unterscheiden.2 Ist der Verursacher A berechtigt zur Schädigung Bs, da der Staat keine Regelun- gen getroffen hat (Laissez-faire), so könnte B durch die Entrichtung eines Verhandlungsbetrags das Unterlassen As erreichen.3 Andersherum kann bei der Verursacherregel, der B das vollkommene Einstellen der Aktivitä- ten As fordern, da er gesetzlich dazu berechtigt ist.4 In diesem Fall könn- ten sowohl A als auch B besser gestellt sein, wenn A dem B einen Ent- schädigungsbetrag entrichtet, damit A seine Aktivitäten weiterhin betreiben kann.5

Abbilbrng 2 verdeutlicht diesen Sachverhalt. Es kann angenommen wer- den, dass die Aktivitäten As zur Verschmutzung der Umwelt und damit zu Lasten von B gehen.6 Auf der Abszisse sind die Emissionen (ausgeschie- dene Schadstoffmenge) E des Marktteilnehmers A ablesbar, die sich auf- grund der Produktion des Gutes x ergeben. Je geringer E, desto besser ist die Umweltqualität zugunsten von B.7 Steigt mit zunehmender Schadstoff- abgabe der Grenzschaden der Umweltverschmutzung überproportional an, so ergibt sich die abgebildete marginale Schadensfunkton.8 Die Funkti- on der Grenzkosten der Schadstoffverringerung GVK9 zeigt die Kosten an, die nötig sind, um die Umweltverschmutzung zu revidieren.10 Existiert kei- ne Umweltgesetzgebung (Laissez-faire), so liegen die Eigentumsrechte bei A.11 Dieser produziert zu seinem Gewinnmaximum, was zur Ver- schmutzung Em führt, bei der B maximal geschädigt ist.12

Somit wird B gewillt sein, eine Verhandlungslösung zu finden, da er dem A bei Reduktion der Verschmutzung auf E* nur eine (Mindest-) Kompensati- on für den Bereich E*AEm entrichten muss, selber aber um ein wesentli- ches besser gestellt ist.13 Da von E m bis E* der Wert der Schadensminde- rung für B stets größer als die marginalen Gewinneinbußen des A sind ist diese Einigung für beide von Vorteil.14 Zum selben Ergebnis gelangt man bei der Verursacherregel, hier entrichtet A dem B eine Kompensation von mindestens 0AE*, damit B die Umweltverschmutzung duldet. A stellt diese Kompensation besser, da seine Grenzgewinne weitaus höher sind.15 Somit ist die private Verhandlungslösung (über den Markt, auf dem das Gut Ver- schmutzungsreduktion gehandelt wird), die zu E* führt pareto-optimal1, da eine Veränderung in Richtung E* eine Verbesserung für beide Marktteil- nehmer darstellt.2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbilbrng 2: Internalisierrng brrch Verhanblrngen (Mobifiziert entnommen von D. Brümmerhoff (2001), S. 82)

Das Coase-Theorem ist jedoch nicht frei von Kritik. Die Vernachlässigung der Transaktionskosten, d. h. all jener Kosten, die für die Anbahnung, Durchführung und Überwachung der Verhandlung anfallen, können in der Realität höher als der aus der Verhandlung gewonnene Nutzen ausfallen.3 Des Weiteren stellt die Argumentation nach Coase nur auf zwei Parteien ab. Gerade bei einer steigenden Anzahl von Verhandlungspartnern sind jedoch auch steigende Transaktionskosten zu erwarten.4 Ein weiterer Kri- tikpunkt ist die Annahme vollständiger Information der beteiligten Partei- en.5 In der Realität werden die Grenzkosten der Schadstoffverringerung dem Emittenten bekannt sein, er wird jedoch nicht gewillt sein, diese be- kannt zu geben, da er als Nutzenmaximierer versucht ist, eine größtmögli- che Kompensationszahlung zu erhalten.

Coase zeigt jedoch, dass das Umweltproblem nicht auf verzerrten Prei- sen, sondern auf fehlender staatlicher Zuweisung der Eigentumsrechte beruht. Wie gezeigt, versagt nicht der Markt bzgl. der Allokation, statt des- sen liegt ein Politikversagen vor, weil angepasste Eigentums- und Nut- zungsrechte fehlen.6

2.2 Ökonomisches Modell nach Dales

Aufbauend auf dem oben erläuterten Ansatz von Coase stellt Dales 1968 den Grundgedanken des Konzepts der Zertifikate auf.1 Dales Ansatz be- steht darin, Märkte für die Inanspruchnahme von Umweltgütern zu schaf- fen.2 Funktionsfähige Märkte setzen zuerst die Existenz von Eigentums- rechten voraus.3 Jedoch sind Eigentumsrechte für Umweltgüter aufgrund ihrer Kollektivguteigenschaft nicht institutionalisierbar.4 Somit beziehen sich die Rechte auf eine spezifische Nutzungsform.5 Dem Besitzer des Rechts wird eine genau festgelegte Inanspruchnahme der Umweltgüter als Aufnahmemedium für seine verursachten Emissionen gestattet.6 Ge- mäß Coase legt auch Dales seinem Modell explizite Eigentumsrechte der Teilnehmer zugrunde und internalisiert durch deren verpflichtenden Han- del die externen Kosten.7 Der Unterschied ist, dass nicht, wie bei Coase, die Höchstmenge der Emissionen (per Verhandlung) über den Markt gere- gelt, sondern durch einen politischen Entscheidungsträger vorgegeben wird.8 Die Quantifizierung der Emissionsmenge richtet sich nach dem Ver- mögen der Umwelt, Schadstoffemissionen aufzunehmen.9 Die tolerierbare Menge wird daraufhin in kleinere Teilmengen gestückelt und in Emissions- zertifikate verbrieft.10 Das Gesamtkontingent der Zertifikate entspricht dann der möglichen Umweltnutzung.11 Den Besitzern der Zertifikate ist es er- laubt, Schadstoffe in genau der Höhe zu emittieren, für die sie Zertifikate halten.12 Zertifikate sind frei handelbar, so dass die Besitzer sie geldwert verkaufen können (z.B. bei Schadstoffverminderung oder Betriebsstillle- gung) und Nachfrager, die Schadstoffe emittieren wollen (z.B. wegen Be- triebsneugründung oder Produktionsausweitung), sie erwerben müssen.13 Somit entstehen Märkte, auf denen sich ein Zertifikatepreis bildet (vgl. auch Abbilbrng 4).14

Den Zertifikatepreis werden die Emittenten ihren Grenzvermeidungskos- ten gegenüberstellen.15 Sind die Kosten der Schadensvermeidung höher als der Zertifikatepreis, so müssen Zertifikate hinzugekauft werden.16 Sind die Kosten jedoch geringer, ist es für den Emittenten vorteilhafter seine Emissionen zu reduzieren, da ihn dies wirtschaftlich weniger belastet, als der Zukauf von Zertifikaten.17 Abbilbrng 3 verdeutlicht dies grafisch durch die Darstellung der Grenzvermeidungskosten GVK und des Zertifikatekur- ses ZK.1 Ist ZK durch den Markt vorgegeben, so sieht sich der Emittent veranlasst, seine Emissionen auf 0E1* zu begrenzen.2 Weiterhin ergibt sich für ihn ein dynamischer Anreiz, seine GVK zu minimieren, z. B. durch die Einführung einer effizienteren Technik.3 Damit verschiebt sich die Kur- ve von GVK1 nach GVK2 und die Emissionen werden bis auf E2* mini- miert.4 Der dynamische Anreiz zur Installation einer neuen Technik ergibt sich für den Anlagenbetreiber, als Fläche ABEm, aufgrund eingesparter Vermeidungskosten und einem Verkaufserlös frei gewordener Zertifikate abzüglich der zusätzlichen Vermeidungskosten für die Reduktion der Emissionsmenge5

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbilbrng 3: Frnktionsweise ber Zertifikatelösrng

(Mobifiziert entnommen von M. Fritsch/T. Wein/H.-J. Ewers (2005), S. 138-139)

Folglich entspricht die individuelle Grenzvermeidungskostenkurve der indi- viduellen Zertifikatnachfrage und die aggregierte Grenzvermeidungskos- tenkurve der Marktnachfrage für Zertifikate, wie in Abbilbrng 4 zu sehen.6 Der Staat gibt die maximale Anzahl der Zertifikate vor und damit die maxi- male Emission von Schadstoffen E*.7 Steigt die Nachfrage N1 nach Zertifi- katen, weil z. B. die Produktion zunimmt auf N2, so steigt auch deren Preis von ZK1 auf ZK2.8 Dies wird Nachfrager mit geringen GVK dazu bewegen, ihre Emissionen so weit wie möglich zu senken. Infolgedessen verändern sich die relativen Preise zugunsten umweltschonend hergestellter Güter. Volkswirtschaftlich verschiebt sich die Produktion somit langfristig in Rich- tung einer umweltverträglicheren Industrie.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbilbrng 4: Prinzipskizze zrm System von Umweltlizenzen (Mobifiziert entnommen von U. Wicke (1993), S. 383)

Zertifikate stellen ein marktorientiertes Instrument dar, da es den Marktme- chanismen überlassen wird, wie und wo die Emissionsreduktionen erfol- gen.1 Es bestehen jedoch auch staatliche Handlungsoptionen, so dass Zertifikate nicht als ein rein marktwirtschaftliches Instrument zu qualifizie- ren sind.2 Durch Abwertung der Zertifikate oder Änderung der Rahmenbe- dingungen liegt es nämlich in der Hand des Staates, die Selbstregulie- rungskräfte des Marktes zu kontrollieren.3 Es muss jedoch kritisch betrach- tet werden, dass auch im Modell nach Dales die Transaktionskosten keine Berücksichtigung finden.4 Trotzdem konnte Montgomery im Jahre 1972 den erstmaligen Beweis erbringen, dass der Handel von Umweltzertifika- ten ein kosteneffizientes umweltpolitisches Instrument ist.5

2.3 Ansätze der Preismodellierung

Emissionszertifikate sind an einem CO2-Markt handelbare Güter, welche den, durch eine Reduktionsverpflichtung betroffene Unternehmen, durch kostenlose Zuteilungsverfahren oder durch Auktionsmechanismen zuge- teilt werden (siehe Abschnitt 4.5). Ähnlich wie andere Produktionsfaktoren werden auch die Zertifikate innerhalb des Produktionsprozesses durch die Abgabe an dafür zuständige Behörden „verbraucht“.6 Preise bilden sich in einem Mechanismus von Angebot und Nachfrage und bestimmte Einfluss- faktoren zeigen ihre Auswirkungen auf eben dieses Zusammenspiel.7 Die CO2-Preise bzw. die Zertifikatepreise, unterliegen einer verhältnismäßig hohen Volatilität, die auf eine Reihe möglicher Einflussfaktoren zurückge- führt wird. Dies sind zum Beispiel regulatorische und politische Risiken, temporäre Brennstoffpreise, das Wirtschaftswachstum, die technologische Entwicklung, technische Risiken, das Wetter und das Volumenrisiko1 re- duktionspflichtiger Unternehmen.2

Prinzipiell werden in der Literatur folgende drei Arten von Preismodellen unterschieden:

- Deterministische Gleichgewichtsmodellierung
- Stochastische Gleichgewichtsmodellierung
- Direkte Preismodellierung3

Deterministische Preisbildungsmodelle setzen vollständige Information be- teiligter Wirtschaftssubjekte, sowie Nutzen-maximierendes Verhalten der Haushalte und Gewinn-maximierendes Verhalten der Unternehmen vor- aus und betrachten das Zusammenspiel dieser Akteure auf Produkt- und Faktormärkten.4 Besitzen die Akteure statt vollständiger Information ledig- lich die Kenntnis über statistische Verteilungen potentieller Einflussfakto- ren, so handelt es sich, unter der Voraussetzung von Nutzen- bzw. Ge- winn-maximierenden Verhaltens, um stochastische Preisbildungsmodelle.5 Bei der direkten Preismodellierung ergeben sich die Preise nicht aus der Schätzung von Angebot- und Nachfragestruktur, sondern aus der direkten Ableitung aus historischen Daten.6 Bei der Untersuchung möglicher Preis- modellierungen des CO2-Zertifikatehandels ist man bisher auf Grundlage des Verlaufs empirischer Entwicklungen noch zu keinem einheitlichen Re- sultat der Entstehung gekommen. So ist zum Beispiel im Rahmen der di- rekten Preismodellierung in der zweiten EU-Handelsphase (2008-2012, im Gegensatz zur ersten Phase ist Emissions-Banking möglich, vgl. Abschnitt 2.4) im Gegensatz zur ersten Handelsphase kein Hinweis auf eine mögli- che Preisobergrenze zu finden.7 Würden diese aber im Handel ignoriert werden, so kann es unter Umständen zu einer signifikant falschen Bewer- tung kommen.8 Die Uneinigkeit über die Wirkungsweise der Preismecha- nismen zeigt sich auch, da Experten für die erste Phase nach Einführung des Emissionsberechtigungshandels Preise zwischen 250$ und 350$ pro Tonne emittierten Schwefeldioxyds (SO2) prognostiziert hatten. Mit nur 100$ je Tonne lag dieser nach der Implementierung der Gesetze allerdings weit unter den Erwartungen.9

[...]


1 Zertifikate werden auch Umweltlizenzen, Emissionsrechte, Treibhausgas-Berechti- gungen oder handelbare Nutzungsrechte genannt (engl.: tradebale permits) (vgl. K. Zwingmann (2007), S. 95).

2 Vgl. B. Hansjürgens (2005), S. 5

3 Vgl. ebenda

4 Vgl. R. H. Coase (1960), S. 1-23; G. Vogt (2007), S. 375

5 Vgl. ebenda

6 Vgl. L. Wicke (1993), S. 43

7 Vgl. ebenda, S. 44

8 Vgl. H. Bonus (2001), S. 1

9 Vgl. ebenda, S. 1f.

10 Vgl. J. Altmann (1997), S. 81

11 Vgl. ebenda

12 Vgl. ebenda

1 Vgl. J. Altmann (1997), S. 81

2 Vgl. ebenda

3 Vgl. ebenda

4 Vgl. ebenda

5 Vgl. ebenda,

6 Vgl. Brümmerhoff (2001), S. 82

7 Vgl. ebenda, S. 81f.

8 Vgl. ebenda, S. 82

9 Auch Grenzvermeidungskosten oder Grenzkosten der Schadensvermeidung ge- nannt.

10 Vgl. Brümmerhoff (2001), S. 82

11 Vgl. ebenda

12 Vgl. ebenda

13 Vgl. ebenda

14 Vgl. ebenda

15 Vgl. ebenda

1 Pareto Optimal ist ein Zustand, in dem es nicht möglich ist, einen Marktteilnehmer besser zu stellen, ohne zugleich einen Anderen schlechter zu stellen (vgl. F. Breyer (2008), S. 193).

2 Vgl. Brümmerhoff (2001), S. 82 3 Vgl. D. Wellisch (2000), S. 143 4 Vgl. J. Altmann (1997), S. 81

5 Vgl. I. Pies/M. Leschke (200), S. 75 6 Vgl. R. H. Coase (1964), S. 196

1 Vgl. J. H. Dales (1968), S. 93-97

2 Vgl. K. H. Hartwig (2003), S. 151

3 Vgl. ebenda, S. 151

4 Vgl. ebenda

5 Vgl. ebenda

6 Vgl. ebenda

7 Vgl. K. Zwingmann (2007), S. 95 8 Vgl. K. H. Hartwig (2003), S. 152 9 Vgl. U. Wicke (1993), S. 383

10 Vgl. ebenda,

11 Vgl. K. Zwingmann (2007), S. 96 12 Vgl. L. Wicke (1993), S. 125f. 13 Vgl. K. H. Hartwig (2003), S. 152

14 Vgl. ebenda

15 Vgl. M. Fritsch/T. Wein/ H.-J. Ewers (2005), S. 138

16 Vgl. ebenda

17 Vgl. ebenda

1 Vgl. M. Fritsch/T. Wein/ H.-J. Ewers (2005), S. 138

2 Vgl. ebenda

3 Vgl. ebenda

4 Vgl. ebenda

5 Vgl. ebenda

6 Vgl. K. H. Hartwig (2003), S. 152

7 Vgl. U. Wicke (1993), S. 383

8 Vgl. ebenda

1 Vgl. F. Shirvani (2005), S. 162

2 Vgl. ebenda

3 Vgl. ebenda

4 Vgl. S. Rädler (2007), S. 34

5 Vgl. W. D. Montgomery (1972), S. 395-418

6 Vgl. M. Wagner (2007), S. 23-24

7 Vgl. ebenda

1 Das Volumenrisiko beschreibt das Risiko, ein in Zukunft unsicheres Emissionsvolu- men zu haben, das keine sichere Planung des Kaufs oder der notwendigen Zuteilung von Emissionszertifikaten zulässt. (Vgl. M. Wagner, (2007), S. 32; 42)

2 Vgl. M. Wagner (2007), S. 32; 42

3 Vgl. ebenda, S. 64

4 Vgl. T. Hadeler/ E. Winter (2000), S. 2460

5 Vgl. ebenda, S. 2461

6 Vgl. M. Wagner (2007), S. 67

7 Vgl. ebenda, S. 122

8 Vgl. ebenda, S. 96

9 Vgl. M. Fritsch/ T. Wein/ H.-J. Ewers (2005), S. 174

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Titel: Zertifikatehandel und Zertifikatelösungen