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Moderne Mythenbildung

Entstehungsbedingungen von Mythen

Bachelorarbeit 2009 40 Seiten

Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Mythos − Der Begriff
2.1. Der Versuch einer Kategorisierung
2.2. Der politische Mythos

3. Konzepte und Theorien
3.1. Strukturalistische Mythenbetrachtung nach Roland Barthes
3.2. Mythos und Massenmedien − Marshall McLuhan

4. Rahmenbedingungen für Mythenbildung
4.1. Logos vs. Mythos
4.2. Medien und Mythen

5. Mögliche Voraussetzungen für eine Mythenbildung
5.1. Tod
5.2. Nachrichtenwirklichkeit
5.3. Konstruktion der öffentlichen Person
5.4. Bricolage
5.5. Kognitive Dissonanz

6. Jörg Haider − Lebensdaten
6.1. Jörg Haider − Eine Sozialpsychologische Biographie
6.1.1. Robin Hood
6.1.2. Sportlicher Neo−Macho
6.1.3. Bierzelt−Sozialist
6.1.4. Rehabilitations−Beauftragter

7. Überprüfung der Voraussetzungen zur Mythenbildung an Hand der Person Jörg Haider
7.1. Tod
7.2. Nachrichtenwirklichkeit
7.3. Konstruktion der öffentlichen Person
7.4. Bricolage − Jörg Haider vs. Lady Diana
7.5. Kognitive Dissonanz

8. Fazit

Literaturverzeichnis

Printmedien

Online−Quellen

Kurzfassung

Vor- und Zuname: Manuel Bauer

Institution: FH Salzburg

Studiengang: Bachelor MultiMediaArt

Titel der Bachelorarbeit: Moderne Mythenbildung − Entstehungsbedingungen von Mythen

Schlagwörter:

1.Schlagwort: Mythos
2.Schlagwort: Mythenbildung
3.Schlagwort: Jörg Haider

Die Bachelorarbeit ,Moderne Mythenbildung’ beschäftigt sich mit den Entstehungs− bedingungen von Mythen. Sie geht der Frage nach, welche Voraussetzungen vorhanden sein müssen damit eine Person zum Mythos werden kann.

Es wird der Versuch unternommen den Begriff ,Mythos’ zu definieren bzw. den Mythenbegriff für die vorliegende Arbeit inhaltlich einzugrenzen. Des Weiteren werden die Mythenkonzepte von Roland Barthes und Marshall McLuhan dargestellt und diskutiert. Zudem wird näher auf das Verhältnis von Mythos vs. Logos und die Rolle der Medien in Zusammenhang mit Mythen eingegangen. Den Abschluss der theoretischen Auseinandersetzung bilden ausgewählte Mechanismen, welche eine Mythenbildung begünstigen können.

Der empirische Teil der Arbeit überprüft die zunächst theoretisch erarbeiteten Thesen an Hand des österreichischen Politikers Jörg Haider. Im Zuge seines Todes kam es in der medialen Berichterstattung zu einer beinahe inflationären Verwendung des Begriffes ,Mythos’. Es gilt zu klären, ob die Ansicht, Haider sei Mythos, auch einer näheren wissenschaftlichen Analyse standhält.

Abstract

The bachelor thesis , Modern Creation of Myths’ deals on the origins and pro− conditions of myths. Central to the work is the question of the requirements that make a person or a personality a myth?

The central part of this present work is to give a definition of the term ,myth’ and to present the theoretical positions of Roland Barthes and Marshall McLuhan in this context. Furthermore the thesis discusses the relationship between myth and logos and the importance of information−media in conjunction with myths. Finally, as a conclusion of the theoretical part, this thesis gives some practical reasons which promote the creation of myths.

The empirical part of this thesis verifies the theoretical developed results by connecting them to the Austrian politician Jörg Haider. There was an almost inflationary use of the word myth in context of the media coverage about his death. It has to be clarified, if the common position, Haider is a myth, bears comparison with an academic view.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Sekundäres semiologisches System nach Roland Barthes

Abbildung 2: Tod als Faktor der Mythenbildung

Abbildung 3: Jörg Haider als Robin Hood im Villacher Fasching

1. Einleitung

Am 11. Oktober 2008 kam der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider bei einem selbstverschuldeten Autounfall ums Leben. Zum Unfallzeitpunkt war er stark alkoholisiert und weit über der zulässigen Höchstgeschwindigkeit unterwegs. Im Zuge der (v.a. österreichischen) Medienberichterstattung rund um seinen Tod kam es zu einer beinahe schon inflationären Verwendung des Begriffes ,Mythos’ bzw. mythenbezogener Inhalte. „Heiliger und Bube“1 titelte der Spiegel] im Oktober 2008. Die ORF Talk−Sendung Club 2 widmete sich am 22. Oktober 2008 dem ,Mythos Haider’. Stefan Petzner2 stellte in einem Interview zur Wahlkampfstrategie des BZÖ klar „[…] wir haben es jetzt nicht mit einem Spitzenkandidaten Jörg Haider zu tun, sondern mit dem Mythos Jörg Haider, und den muss man entsprechend berücksichtigen.”3 Auch vor seinem Tod wurde Jörg Haider in Medien immer wieder mit mythenbezogenen Inhalten in Verbindung gebracht. Erich Böhme4 wollte bereits im Jahr 2000 in seiner n−tv Talkshow ,Talk im Turm’ den Mythos Jörg Haider entzaubern.5

Ausgehend von dieser inflationären Verwendung des Terminus ,Mythos’ rund um die Person Haider versucht die vorliegende Arbeit zunächst der Frage nachzugehen welche Vorraussetzungen vorhanden sein müssen damit eine Person zum Mythos wird, um anschließend diese in Bezug auf Jörg Haider zu überprüfen. Ist der Politiker Mythos oder ist er eine (Selbst−)Inszenierung durch Medien und politische Gruppierungen? Bzw. sind die Gegebenheiten im Fall Jörg Haider ausreichend um Mythos zu werden?

Methodisch stützt sich der Großteil der Arbeit auf Recherche einschlägiger wissenschaftlicher Literatur. Zudem wurden im Zeitraum rund um den Tod Haiders v.a. österreichische Medien beobachtet. Diese Medienbeobachtung erhebt jedoch nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Vielmehr ging es darum die Tendenzen der Medienberichterstattung zu verfolgen.6

Inhaltlich beschäftigt sich die vorliegende Arbeit zunächst theoretisch mit dem Begriff ,Mythos’. Zunächst wird der Versuch einer Begriffsdefinition unternommen, um anschließend auf Mythenkonzepte und Mythentheorien näher einzugehen. Darauf aufbauend werden allgemeine gesellschaftliche mythenbegünstigende/− hemmende Entwicklungen aufgezeigt um abschließend ausgewählte Mechanismen der Mythenbildung identifizieren zu können. Im zweiten Teil der Arbeit sollen die zunächst theoretisch erarbeiteten Voraussetzungen zur Mythenwerdung an Hand der Person Jörg Haider untersucht werden.

2. Mythos – Der Begriff

Mythos ist zum einen eine „überlieferte Dichtung, Sage, Erzählung o.ä. aus der Vorzeit eines Volkes […], zum anderen eine Person, Sache, Begebenheit, die […] glorifiziert wird, legendären Charakter hat bzw. eine falsche Vorstellung.”7 Diese Definition findet sich im deutschen Fremdwörterbuch Duden. Dies ist einer von vielen Versuchen einer Minimaldefinition des Begriffs ,Mythos’.

Die einschlägige wissenschaftliche Literatur bringt keine einheitlich anerkannte Definition des Begriffs ,Mythos’ hervor. Grund dafür sind zum einen die verschiedenen Perspektiven und Forschungsinteressen aus denen heraus Mythen bearbeitet werden. Barner, Detken und Wesche merken diesbezüglich an, dass „[...] ,Mythos’ seit den großen Mythenforschern der Romantik ein umworbener Begriff fast aller Geistes− und Kulturwissenschaften”8 ist. D.h. aus den unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen gehen unterschiedliche Mythen− definitionen bzw. Mythentheorien hervor. Der Zugang zu diesem Feld gestaltet sich aufgrund der Vielfalt der wissenschaftlichen Forschung als besonders schwierig.9

Ein zweiter Grund für die Schwierigkeit bei der Definition des Begriffes liegt in seiner historischen Wandelbarkeit, abhängig von den jeweiligen Epochen, Gesellschafts− formen und Religionssystemen in denen er rezipiert wird. „Mythen gelten vielmehr als Bestandteile eines bestimmten kulturellen bzw. religiösen Symbolsystems das von Veränderungen im Sozialgefüge beeinflusst ist.”10

2.1. Der Versuch einer Kategorisierung

Aufgrund einer fehlenden allgemeinen Anerkennung einer Definition gibt es aktuell interdisziplinäre konzeptionelle Ansätze wie etwa die Unterscheidung in sieben Hauptverwendungen des Mythenbegriffs nach Aleida Assmann und Jan Assmann.11 Sie unterscheiden den Begriff ,Mythos’ nach polemischer, historisch−kritischer, funktionalistischer, narrativer, literarischer, neuer nicht−narrativer und alltäglicher Verwendung.

Mythos als polemischer Begriff entlarvt Mythen als unwahre Geschichten, Lügen oder Täuschungen und dient somit der De−Mythisierung. In historisch−kritischer Auffassung werden − im Gegensatz zum polemischen Begriff − „Mythen nicht pauschal verworfen, sondern mit Blick auf eine ,zeitlose Wahrheit’ interpretiert”.12 In funktionalistischer Hinsicht haben Mythen die Funktion die Welt und das Leben zu erklären. Assmann und Assmann bezeichnen diese Form von Mythos als „kulturellen Leistungswert“.13 Die Variante des Alltagsmythos bezeichnet „mentalitätsspezifische Leitbilder, die kollektives Handeln und Erleben prägen”.14 Als narrativer Begriff ist der Mythos gleichbedeutend mit einer erfundenen oder fiktiven Geschichte. Die literarische Funktion des Mythos beruht nicht auf Verbindlichkeit sondern auf „spielerischer und freier Variation”.15 Als siebte und letzte Kategorie nennen Assmann/Assmann den nicht−narrativen Mythos. Dieses Verständnis von Mythos beschreibt ganzheitliche Weltentwürfe bzw. Ideologien.

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass Mythen „Geschichten sind, die einen Glaubensinhalt mit transzendentem Bezug vermitteln, der menschlichem Leben Sinn und Bedeutung verleihen”.16 Im Sinne von Assmann und Assmann versteht die vorliegende Arbeit ,Mythos’ daher als polemischen Begriff, der jedoch sehrwohl zu erklären versucht welche Rahmenbedingungen für Mythenbildung gegeben sein müssen und welche Funktionen Mythen erfüllen können.

2.2. Der politische Mythos

Da der empirische Teil der vorliegenden Arbeit die Vorraussetzungen für Mythenbildung anhand der politischen Person Jörg Haiders diskutiert, wird im Folgenden der politische Mythos näher beleuchtet. Diese Form der Kategorisierung basiert nicht wie bei Assmann/Assmann nach Logik der Verwendung, sondern nach Logik des Inhalts.

[...]


1 Der Spiegel, 27.10.2008, S. 136.

2 Wahlkampfstratege des BZÖ Kärntens und Pressesprecher Jörg Haiders.

3 http:ƒƒwww.oe24.atƒzeitungƒoesterreichƒpolitikƒPetzner_will_mit_Mythos_Haider_wahlwerben_38 0854.ece

4 deutscher Journalist und Fernsehmoderator

5 http:ƒƒwww.welt.deƒprint− weltƒarticle500563ƒErich_Boehme_will_den_Mythos_Joerg_Haider_entzaubern.html

6 Beobachtet wurden u.a. Printmedien: Der Falter, Die Zeit, Der Standard, Der Spiegel, Heute, Neue, Österreich, News etc.; TV: Tagesberichterstattung, Dokumentationen; Internet: Foren, Plattformen, Youtube etc.

7 Duden (2005), S. 690.

8 Barner/Detken/Wesche (2003), S. 8.

9 Barner/Detken/Wesche (2003), S. 10f.

10 Behrenbeck (1996), S. 40.

11 Assmann/Assmann (1998), S. 180. zit. n. Barner/Detken/Wesche (2003), S. 11−14. Auch die folgenden Absätze beziehen sich auf den Artikel von Assmann/Assmann.

12 Ebd., S. 12.

13 Ebd., S. 13.

14 Ebd., S. 13.

15 Ebd., S. 13.

16 Behrenbeck (1996), S. 40.

Details

Seiten
40
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640485772
ISBN (Buch)
9783640485468
Dateigröße
796 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v139185
Institution / Hochschule
Fachhochschule Salzburg
Note
1,0
Schlagworte
Marshall McLuhan Jörg Haider Roland Barthes Moderne Mythenbildung Mythos Entstehung von Mythen Klaus Ottomeyer Massenmedien

Autor

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Titel: Moderne Mythenbildung