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Die Menagerie Kaiser Friedrichs II.

Über die repräsentative Verwendung der Tiere

Hausarbeit 2007 16 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Friedrich II. als Stupor Mundi – Hinführung zum Thema unter Berücksichtigung der Forschung und der Quellenlage

2. Die Menagerie Kaiser Friedrichs II
– die repräsentative Verwendung der Tiere
2.1 Die Ornithologie De arte venandi cum avibus von Friedrich II.
2.1.1 Entstehung, Einteilung und Verbleib des Falkenbuches
2.1.2 Bedeutung des Falkenbuches laut Friedrich II.
2.1.3 Rezeption des Traktats
2.2 Die Menagerie Friedrichs II.
2.2.1 Die „tierischen“ Begleiter des Kaisers
2.2.2 Zweck der Menagerie
2.2.3 Wirkung der Menagerie auf Zeitgenossen
2.2.4 Exkurs: Der Elefant als herausragendes Element der Menagerie

3. Fazit – Friedrich II. als Vorreiter einer neuen Zeit

4. Quellen- und Literaturverzeichnis
4.1 verwendete Literatur
4.2 verwendete Schriftquellen
4.3 verwendete Bildquellen

1. Friedrich II. als Stupor Mundi – Hinführung zum Thema unter Berücksichtigung der Forschung und der Quellenlage

Zahlreiche Biographien oder Aufsatzsammlungen[1] existieren über Kaiser Friedrich II., dem häufig der Beiname Stupor Mundi – „Verwandler der Welt“ zugeschrieben wird. Als römischer Kaiser, König von Jerusalem und Sizilien hielt er in seiner Regierungszeit 1220 bis 1250 die Welt in Atem. „Zweifellos zählt ja dieser zweite große Staufer zu einer der interessantesten Herrschergestalten des Mittelalters, da er geistig und nach seinem kulturellen Wollen bereits der Renaissance angehört.“[2] Ziel dieser Arbeit ist es, dabei einen Aspekt dieses Wollens herauszufiltern: Die Bedeutung der Tiere für Kaiser Friedrich II.. Er liefert uns mit seinem Traktat De arte venandi cum avibus ein Werk, das gleichermaßen untypisch wie einzigartig für einen Herrscher seines Ranges ist. Doch nicht nur durch das Falkenbuch gab Kaiser Friedrich II. der Nachwelt den Eindruck, dass er seiner Zeit voraus war, nicht nur durch Jagdschlösser und Wildparks, die auch schon andere Herrscher vor ihm besaßen[3] und der damit verbundenen Beschäftigung mit der Jagd – nein, auch seine Menagerie, die ihn ständig begleitete, war ein neuer Aspekt des Kaisertums, das noch nicht recht in seine Zeit passte und daher die Welt zum Staunen brachte. Ein wichtiger Punkt ist hierbei vor allem, wie Friedrich II. den Umgang mit Tieren einsetzte, wie er durch ihre Wirkung sein eigenes Prestige steigern wollte.

Wertvolle Hilfe zur Untersuchung der Menagerie Kaiser Friedrichs II. bieten natürlich einerseits die oben genannten Biographien oder Aufsatzsammlungen, andererseits auch Andrea Sommerlechner, die sich mit Friedrich II. in der mittelalterlichen Geschichtsschreibung beschäftigte.[4] Für das Falkenbuch Friedrichs II. liefert vor allem Carl Arnold Willemsen[5], der das Werk edierte, einen unerlässlichen Beitrag, ebenso wie die Aufsätze von Johannes Fried[6] oder Johannes Zahlten[7].

Was die Quellenlage betrifft, so finden wir natürlich die wertvollste Quelle im Falkenbuch Kaiser Friedrichs II. selbst – für die Menagerie an sich ist dies aber nur insofern repräsentativ, da man davon ausgehen kann, dass der Kaiser, die Tiere bzw. die Vogelarten, die er darin beschreibt, auch selbst besessen hat. Was seine Reise-Menagerie betrifft, so muss man sich hier hauptsächlich auf Chronisten stützen, die über den eindrucksvollen Aufmarsch Friedrichs mit seinen exotischen Tieren berichtet haben.[8]

2. Die Menagerie Kaiser Friedrichs II die repräsentative Verwendung der Tiere

Ob in seinem Falkenbuch oder als seine ständigen Begleiter – Friedrich II. benutzte Tiere meist, um sein eigenes Ansehen zu steigern und Prestige zu erlangen. Wie er dies versuchte zu erreichen, soll nun am Beispiel des Falkenbuchs und anschließend an seiner ihn ständig begleitenden Menagerie deutlich gemacht werden.

2.1 Die Ornithologie De arte venandi cum avibus von Friedrich II.

Im Verlauf des Mittelalters spielte die Jagd sowohl für geistliche als auch weltliche Herrscher eine zentrale Rolle – Tiere zu erlegen war nicht mehr nur für die Fleischversorgung von Nöten, nein, in der Jagd sahen die Herrscher ein persönliches Vergnügen, Jagden kamen Hoffesten gleich und besaßen somit eine bedeutende soziale Funktion. Seit der Karolingerzeit war die laute Jagd mit Hunden für Kleriker verboten, da es als sakrale Verunreinigung galt, Tiere zu töten und anzufassen. Infolgedessen widmete man sich anderen Arten der Jagd – mit Fallen oder mit Falken und Beizvögeln, die dann das Töten übernahmen. Besonders im 12. Jahrhundert erlebte die Beizjagd wieder einen Aufschwung, dabei erhielt vor allem die Jagd mit Falken eine hervorgehobene Stellung innerhalb der unterschiedlichen Möglichkeiten:

„Ihr winkte ein Aufstieg sondersgleichen: von einer Form subsistenzsichernder Fleischversorgung, von notwendiger und nützlicher Geschicklichkeit zum Ausdruck adelig-höfischer Lebensform, innerer Zucht und neu errungener Wissenschaftlichkeit. […] Doch kein mittelalterlicher Autor steht für diese Entwicklung überzeugender als Friedrich II., der gelehrte staufische Kaiser und sizilische König, der Autor eines der kompetentesten Falkenbücher, die je geschrieben wurden.“[9]

Friedrich II. befasste sich intensiv mit der Falkenjagd, pflegte seine Jagdleidenschaft vor allem in den Jagdschlössern in der Capitanata und bei Melfi,[10] der damit verbundene zeitliche und finanzielle Aufwand war mit hohem Prestige für den Kaiser verbunden. Doch im Ziel seiner Beizjagden und damit auch in seinem Falkenbuch sah er mehr als eine bloße Perfektionierung der Jagd im eigentlichen Sinne. „Diese zu erreichen war in den Augen des Kaisers nicht nur eine Frage des Wissens und Könnens, sondern ebenso sehr eine solche der Persönlichkeit und des Charakters.“[11] Hier wollte er als Kaiser, als Stupor Mundi, als Verwandler der Welt, einen neuen Typ Mensch ausbilden, wie im Folgenden noch genauer erläutert werden soll.

2.1.1 Entstehung, Einteilung und Verbleib des Falkenbuches

„Die Abfassung des Falkenbuches […] erforderte nach des Autors eigenem Bekunden ungefähr dreißig Jahre der Vorbereitung – die ersten Überlegungen und Planungen dazu gehören demnach unter Umständen noch in die Zeit seines Deutschlandaufenthaltes vor 1220.“[12] Friedrich II. beschäftigte sich also intensiv, beinahe exzessiv über eine lange Zeit hinweg mit dem Verfassen seines Traktats De arte venandi cum avibus. Hierbei ist natürlich zu sagen, dass Friedrich II. in erster Linie Kaiser war und kein Schriftsteller – umso mehr mögen der Ehrgeiz und die Hartnäckigkeit, mit denen er an dem Thema der Beizjagd festhielt, verwundern. Wann immer Friedrich II. Zeit hatte, beschäftigte er sich mit seiner großen Passion, studierte Techniken aus Spanien und Arabien oder ließ Sachkundige aus dem Morgenland anreisen.[13] Entstanden ist schließlich ein Werk, bestehend aus insgesamt sechs Büchern, das die heutige Forschung auf kurz vor 1248 datiert.[14] Dabei befasst sich der Prolog mit den Schwierigkeiten und Anforderungen der Beizjagd, das erste Buch gibt einen Überblick über die verschiedenen Vogelarten, das zweite Buch zeigt die Methoden des Falkenfangs auf und beschäftigt sich mit deren Zähmung. Im dritten bis zum sechsten Buch beschreibt der Kaiser die Grundausbildung der Greifvögel zur Beize, also deren Abrichtung.[15]

Das Prachtexemplar, das Friedrich II. auf Drängen seines Sohnes hin angefertigt hatte, wurde bei der Niederlage vor Parma von Plünderern neben anderen Gütern, wie zum Beispiel dem Kronschatz, erbeutet. Schuld an dieser Niederlage war laut Willemsen ebenfalls die Jagdleidenschaft Friedrichs II.:

„[A]ls am 18. Februar 1248 die Einwohner der schon seit Monaten von Friedrich II. belagerten Stadt Parma in der Morgenfrühe zum Sturm auf die kaiserliche Lagerstadt Vittoria antraten, befand er sich mit seinem Sohn Manfred und zahlreichem Gefolge fernab vom Schauplatz des Verhängnisses auf der Beize.“[16]

In der Forschung ist der weitere Weg des Falkenbuchs umstritten – vermutlich bot es der Kaufmann Guillemus Bottatius aus Mailand, der das Buch von Plünderern erworben hatte, in den Jahren 1264/65 Karl von Anjou als Geschenk an, der Verbleib des Prachtexemplars bleibt jedoch ungewiss. Im Jahr 1258 entstand jedoch die so genannte „Manfred-Fassung“, in die zwar nur das erste und zweite Buch des ursprünglichen Traktats aufgenommen wurde, die uns jedoch in der Biblioteca Apostolica Vaticana erhalten ist.

2.1.2 Bedeutung des Falkenbuches laut Friedrich II.

Bereits zu Beginn des Falkenbuches wird deutlich, dass es sich bei De arte venandi cum avibus nicht nur um ein schlichtes Jagdtraktat handelt: Auctor est vir inquisitor et sapientie amator Divus Augustus Fredericus secundus Romanorum imperator, Ierusalem et Sicilie rex.[17] Friedrich II. stellt sich als Erforscher und Liebhaber der Weisheit vor, nicht als bloßer Jäger oder Tierliebhaber. Für ihn hatte es hohen Stellenwert, – und dies mag komisch klingen – dass er nicht „nur“ als römischer Kaiser, König über Jerusalem und Sizilien, sondern eben auch als Wissenschaftler angesehen und akzeptiert wird, dass er neben der weltlichen Herrschaft auch die Wissenschaft und die Weisheit regiert.

Zu Beginn der so genannten „Manfred-Fassung“ lassen sich zudem drei Darstellungen[18] Friedrichs II. finden: In der ersten Abbildung, die sich auf dem unteren Rand der ersten Seite (fol. 1) befindet, sieht man Kaiser Friedrich II. in seiner „Arbeitstracht“ mit einem Falken auf seinem Arm. Die zwei Abbildungen auf der Rückseite zeigen den Kaiser dann in einer typischen Frontdarstellung im Herrscherornat mit Krone und Lilie, jedoch ist er auch hier auf den zweiten Blick nicht „nur“ Kaiser:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Oben [, Abb. 1, erkennt man ihn] frontal majestätisch thronend als Lehrmeister, der die nobiles auffordert, sein Buch zu lesen und sich erläutern zu lassen. Die ausgestreckte Hand weist genau auf diese Textstelle: legi faciat et exponi.“[19]

In der rechten Hand hält er die Lilie, mit der linken, auf deren Seite sich auch der Falke befindet, macht er eine Geste, die dieses belehrende Element ausdrückt und auf den Text

Abb. 1: Falkenbuch Kaiser Friedrichs II.

verweist, wo es dann auch genauer erläutert wird. Die nobiles, die Vornehmen, sollten sich den Text von aliquo scientiarum perito[20] vorlesen und erklären lassen, der ursprüngliche Gelehrte ist hier natürlich der Kaiser selbst. Die dritte Abbildung zeigt ebenfalls diese lehrende Geste mit dem ausgestreckten Zeigefinger, an seiner Seite sitzen zwei Falkner – diese Stelle verweist zudem auf die oben genannte Vorstellung des Autors. Infolgedessen lassen sich also eingangs drei Herrscherabbildungen finden, die Friedrich II. aber nicht nur als bloßen Kaiser darstellen: „Die Miniaturfolge offenbart damit Friedrichs Selbstverständnis als Gelehrter und Jäger, als Lehrmeister und Imperator.“[21] Er ist zugleich Wissenschaftler, Lehrer und imperialer Autor des Falkenbuchs, wodurch er seine weltliche Herrschaft auch wissenschaftlich aufwerten wollte.

Friedrich bezweckte mit seinem Traktat De arte venandi cum avibus weiterhin, dass die Beizjagd als Kunst verstanden wird, er wollte sie ad artis certitudinem redigere, quorum nullus habuit scientiam hactenus neque artem.[22] Die Jagd hatte zur Zeit Friedrichs II. den Stand einer ars mechanicae, was bedeutet, dass sie zu den technisch-handwerklichen Fächern zugeordnet wurde. Der Kaiser hingegen wollte ihr den Rang einer philosophica naturalis sichern und sie so unter die Septem artes liberales einordnen. „Der Kaiser wollte die Ars venandi zu einer Wissenschaft für den Unterricht an Fürstenhöfen erheben, wie der Prolog zum ersten Buch samt seinen drei Kaiserbildern unmissverständlich zu erkennen gibt.“[23] Friedrich II. war es wichtig, in seinem Traktat die Dinge, que sunt, sicut sunt,[24] darzustellen, er plädierte dafür, dass die Menschen seiner Zeit die Natur wieder sehen, kennen lernen und verstehen – hierbei betont auch die Wichtigkeit des Auges, das ihm wertvoller war als das Ohr, das Sehen rangiert vor dem Hören. Dies setzte er im Falkenbuch auch selbst um, es beruhte „bis in die kleinste Kleinigkeit auf eignem Sehen […] oder auf Beobachtungen, die Freunde und Fachleute für ihn angestellt hatten.“[25]

[...]


[1] Um nur einige zu nennen: Kantorowicz, Ernst: Kaiser Friedrich der Zweite, Berlin 1927 [alle Nachdrucke unverändert]; Stürner, Wolfgang: Friedrich II., 2 Bände (Gestalten des Mittelalters und der Renaissance), Darmstadt 2000; Wolf, Günther (Hg.): Stupor mundi: zur Geschichte Friedrichs II. von Hohenstaufern, Darmstadt ²1982.

[2] Schönbauer, Ernst / Schönbauer, Otto: Die Imperiumspolitik Kaiser Friedrichs II. in rechtsgeschichtlicher Beleuchtung, in: Stupor mundi: zur Geschichte Friedrichs II. von Hohenstaufern, hg. von Günther G. Wolf, Darmstadt ²1982, S. 231.

[3] vgl. Hauck, Karl: Tiergärten im Pfalzbereich, in: Deutsche Königspfalzen. Beiträge zu ihrer historischen und archäologischen Erforschung 1 (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 11, 1), Göttingen 1963, S. 30-74.

[4] Sommerlechner, Andrea: Stupor mundi? Kaiser Friedrich II. und die mittelalterliche Geschichtsschreibung (Publikationen des Historischen Instituts beim österreichischen Kulturinstitut in Rom), Wien 1999.

[5] [Kaiser Friedrich II., De arte venandi cum avibus] Friderici Romanorum imperatoris secundi, De arte venandi cum avibus 1, hg. von Carl Arnold Willemsen, Leipzig 1942.

[6] Fried, Johannes: Kaiser Friedrich II. als Jäger oder Ein zweites Falkenbuch Kaiser Friedrichs II.?, in: Nachrichten der Göttinger Akademie der Wissenschaften 4 (1996), S. 115-156.

[7] Zahlten, Johannes: Kaiserliche Erziehungsvorstellungen, Friedrich II. und der ideale Falkner, in: Geistesleben im 13. Jahrhundert, hg. von Jan A. Aertsen / Andreas Speer (Miscellanea Mediaevalia, Veröffentlichungen des Thomas-Instituts der Universität zu Köln 27), Berlin 2000, S. 499-512.

[8] Hier beschränke ich mich auf die folgenden Quellen: [Gotfredi Viterbiensis] Continuatio Funiacensis et Eberbacensis, hg. von Georg Heinrich Pertz, in: MGH SS 22, Hannover 1872 (unveränderter Nachdruck Stuttgart 1976), S. 342-349; Salimbene de Adam, Cronica I: a. 1168-1249, hg. von Giuseppe Scalia (Corpus Christianorum, Continuatio mediaevalis 125), Turnhout 1998; Ryccardi de Sancto Germano, Chronica, hg. von Carlo Alberto Garufi (Rerum Italicarum Scriptores VII/2), Bologna 1938.

[9] Fried, S. 151f.

[10] Vgl. Stürner, S. 430.

[11] Willemsen, Einleitung, S. 7.

[12] Stürner, S. 433.

[13] Vgl. Stürner, S. 433f, auch Kantorowicz, S. 333f.

[14] Vgl. Fried, S. 154.

[15] Vgl. Stürner, S. 440-447; Willemsen, Einleitung, S. 8.

[16] Willemsen, Einleitung, S. 6.

[17] Friedrich II, Prologus, S. 2.

[18] Vgl. hierzu Fried, S. 158; Zahlten, S. 501f.

[19] Zahlten, S. 502.

[20] Friedrich II, Prologus, S. 2.

[21] Fried, S. 158.

[22] Friedrich II., Prologus, S. 2.

[23] Fried, S. 160.

[24] Friedrich II., Prologus, S. 2.

[25] Kantorowicz, S. 332.

Details

Seiten
16
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640480159
ISBN (Buch)
9783640480203
Dateigröße
2.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v138731
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Historisches Seminar
Note
2,0
Schlagworte
Friedrich II. Menagerie Tiere Mittelalter Repräsentation

Autor

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