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Berufsbildung im internationalen Vergleich am Beispiel Spaniens und Deutschlands

Hausarbeit 2006 23 Seiten

Didaktik - BWL, Wirtschaftspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Berufsbildungssystem in Spanien
2.1. Das allgemeine Bildungssystem
2.2. Das Berufsbildungssystem
2.2.1. Die berufliche Grundbildung
2.2.2. Die berufliche Fachausbildung
2.2.3. Spezielle Berufsausbildungen
2.2.4. Praktische Ausbildung

3. Das Berufsbildungssystem in Deutschland
3.1. Das allgemeine Bildungssystem
3.2. Das Berufsbildungssystem
3.2.1. Berufliche Bildung an Vollzeitschulen
3.2.2. Die Berufsausbildung im Dualen System

4. Vergleich zwischen den beruflichen Erstausbildungen in Spanien und Deutschland

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Jedes Jahr beenden Tausende von Schülern ihre Schullaufbahn. Viele stehen nun vor der Entscheidung, auf welchem Weg sie in das Berufsleben übergehen sollen. Für Absolventen der Hauptschule und Realschule bieten sich nun Ausbildungsmöglichkeiten über berufliche Vollzeitschulen oder im Dualen System der Berufsausbildung an.

Das Duale System gilt als nahezu einzigartig in Deutschland und führt zwei Drittel der Schulabgänger in das Berufsleben.

In anderen Ländern hingegen gibt es grundlegend andere Systeme, eine Berufsausbildung außerhalb der Hochschule zu absolvieren. Diese Systeme beruhen oftmals auf anderen Ansätzen. So ist das spanische System dadurch gekennzeichnet, das es die Berufsausbildung hauptsächlich durch schulische Unterrichtung vornimmt.

Nur welches System ist strukturell zu bevorzugen?

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dieser Fragestellung. Ziel ist es, die verschiedenen Berufsbildungssysteme Deutschlands und Spaniens vorzustellen. Hierbei sollen strukturelle Gegebenheiten, Voraussetzungen und Möglichkeiten herausgearbeitet werden. Weniger Fokus wird auf Statistiken gelegt.

Gleichwohl geht es in dieser Arbeit nur um die berufliche Erstausbildung. Fortbildungs- und Umschulungsmaßnahmen sollen ebenso wie die Hochschulausbildung nicht betrachtet werden.

Zunächst werden die beiden Berufsbildungssysteme Spaniens und Deutschlands in Kapitel 2 und 3 vorgestellt. Hierzu soll zunächst das allgemeine Bildungssystem als Voraussetzung für die Berufsbildung, danach das System der beruflichen Erstausbildung erläutert werden.

Kapitel 4 befasst sich dann damit, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Systeme herauszuarbeiten und die Vor- bzw. Nachteile zu bewerten.

2. Das Berufsbildungssystem in Spanien

2.1. Das allgemeine Bildungssystem

In der spanischen Verfassung ist das Recht auf Bildung gemeinsam mit anderen die Bildung betreffenden Grundrechten etabliert. Die bildungspolitischen Verantwortlichkeiten sind hierbei auf den Staat, die autonomen Gemeinschaften sowie die Stadtverwaltungen aufgeteilt.[1]

Das allgemeine Bildungssystem in Spanien wurde durch das LOGSE (Ley de Ordinación General de Sistema Educativo – Gesetz zur allgemeinen Neuordnung des Bildungswesens) im Jahre 1990 grundlegend reformiert.[2] Diese Reform diente der Angleichung des spanischen Systems an europäische Verhältnisse und wurde bis zur vollständigen Umsetzung im Schuljahr 2003/03 schrittweise durchgeführt.

Inhalte des LOGSE sind die Ausweitung der Schulpflicht von acht auf zehn Jahre sowie eine Strukturreform des oberen Sekundarbereichs.

Im LOGSE ist auch die Dezentralisierung des spanischen Bildungswesens verankert. Hierbei kommt es zu einer Aufteilung der Verantwortlichkeiten zwischen dem Staat und den Autonomen Regionen. Hiernach gibt es Lehrinhalte, die im ganzen Land vorgegeben sind, und solche, die die Regionalregierungen mitbestimmen können.[3] Somit eröffnete es den Regionen die Möglichkeit, regional gewachsene Traditionen und Eigenheiten in den Unterricht einzubringen.[4]

Die Finanzierung der Bildung erfolgt sowohl über private als auch über öffentliche Mittel. Der Anteil der öffentlichen Mittel beträgt 87,8 % (Stand 2001) und liegt damit im europäischen Durchschnitt[5]. Diese Mittel werden zur Finanzierung öffentlicher Schulen ebenso wie zur Finanzierung privater Bildungseinrichtungen als auch von Stipendien verwendet.[6]

Die Schulbildung in Spanien setzt bereits im Alter von 0 Jahren ein. Im Alter von 0 bis 6 Jahren besteht die Möglichkeit einer freiwilligen Vorschulbildung, für die die Behörden allerdings stets ausreichend Plätze für alle Schüler/innen[7] garantieren. Nach dem LOCE (Ley Orgánica de Calidad de la Ensenanza – Organgesetz zur Qualität der Bildung) im Jahre 2002 wurde dieser Abschnitt neu geordnet und in zwei getrennte Abschnitte mit unterschiedlichen pädagogischen Zielsetzungen unterteilt. Im Alter von 0 bis 3 Jahren findet die Vorschulerziehung zur Unterstützung der Kindererziehung und Kinderbetreuung statt, anschließend folgt die Kindererziehung mit dem Ziel, die physische, intellektuelle, emotionale, soziale und moralische Entwicklung des Kindes zu fördern.[8]

Der Pflichtschulbereich beginnt mit der Primarschule im Alter von 6 Jahren. Die Primarschule wird in 3 Abschnitte von je 2 Schuljahren unterteilt.[9] Das Ziel der Primarausbildung besteht darin, die Schüler mit einer Grundbildung auszustatten. Hierzu gehören kulturelle Grundwerte, bürgerliches Verhalten und die Fähigkeit zu Lernen genauso wie mündliche Ausdrucksfähigkeit. Nicht zuletzt erlernen die Schüler in dieser Phase das Lesen, Schreiben und Rechnen.[10] Die Primarausbildung findet sowohl in öffentlichen als auch in privaten Schulen statt.

Den zweiten Teil des Pflichtschulbereichs markiert die Educación Secundaria Obligatoria (ESO – verpflichtende Sekundarausbildung). Sie führt gleichzeitig nach 4 Schuljahren zum Ende der Schulpflicht, die mit dem LOGSE von 14 auf 16 Jahre angehoben wurde. In den 4 Jahren sollen die Schüler grundlegende kulturelle Qualifikationen, Verantwortungsbewusstsein und ihre Rechte vermittelt bekommen, um sie auf das spätere Berufsleben oder auch die an die Pflichtschule anschließende weitergehende Schulausbildung vorzubereiten. Auch hier findet eine Unterteilung in zwei jeweils zwei Schuljahre umfassende Abschnitte statt, die aber durchgängig am gleichen Ausbildungsort, also der gleichen Schule stattfinden. Die Ausbildung findet in verschiedenen allgemein bildenden Unterrichtsfächern aus den Bereichen Naturwissenschaften, Sozialwissenschaften, Technologie, Fremdsprachen, Spanisch, Mathematik, Religion und Sport statt.[11] Bei erfolgreicher Beendigung dieses Schulabschnitts erreichen die Schüler ihren Sekundarabschluss.[12]

Nach Ableisten der Schulpflicht bestehen für Schüler in Spanien verschiedene Möglichkeiten, den Weg in das Berufsleben zu finden. Im Bereich des Sekundarbereichs II kann man sich nun zwischen dem allgemein bildenden Bereich und dem berufsbildenden Bereich entscheiden. 60 % der spanischen Pflichtschulabsolventen entscheiden sich für den Weg des „Bachillerato[13] (Stand 2001/02), das die Hochschulzugangsberechtigung vermittelt und somit dem deutschen Abitur gleichzusetzen ist. Hier findet die Vorbereitung auf ein Hochschulstudium, eine spezielle erweiterte berufliche Ausbildung oder auch den Arbeitsmarkt statt. Die Schüler können den Bachillerato in drei verschiedenen Fachrichtungen erlangen: Kunst, Naturwissenschaften und Technik sowie Geistes- und Sozialwissenschaft. Die Ausbildung findet zwei Jahre sowohl in einheitlichen Hauptfächern, in je nach Typ des Bachillerato unterschiedlichen Spezialisierungen und in Wahlfächern statt.[14]

Die einzelnen Kurse des Bachillerato werden mit einer Klausur beendet, die die Schüler bestehen müssen. Zusätzlich gibt es am Ende einen Bachillerato -Abschlusstest. Bei erfolgreicher Teilnahme wird den Schülern das „Bachiller diploma“ verliehen.[15]

2.2. Das Berufsbildungssystem

Auch auf die Berufsbildung hatte das LOGSE einen erheblichen Einfluss, denn einer der inhaltlichen Schwerpunkte war die Erneuerung der formalen Berufsbildung. Die Durchführung dieses Gesetzes erfolgte unter Mitwirkung der Autonomen Regionen, die damit im Zuge der Dezentralisierung des Bildungswesens gestaltend tätig werden konnten.[16]

Weitere Veränderungen in der Berufsbildung in Spanien kamen durch das Programa Nacional de Formación Profesional (PNFP – Nationales Programm für Berufsbildung) 1993 und das Nuevo Programa Nacional de Formación Profesional (NPFP – Neues Nationales Programm für Berufsbildung) 1998. Hierdurch kam es zu Reformen hinsichtlich zweier Faktoren:

- Die berufliche Bildung wurde in drei Bereiche gegliedert: Subsystem der beruflichen Erstausbildung bzw. staatlich geregelten Ausbildung, Subsystem der beruflichen Fortbildung und Umschulung und Subsystem der beruflichen Weiterbildung
- Die drei Subsysteme werden miteinander verknüpft über einen gemeinsamen Bezugsrahmen für alle Ausbildungen, das Sistema Nacional de Cualificaciones Profesionales (Nationales System der beruflichen Qualifikationen). Hierbei werden Ausbildungen in den Catálogo de Títulos Profesionales (Katalog der beruflichen Abschlüsse für die staatlich geregelten Berufsbildung) und in das Repertorio de Certificados de Profesionalidad (Verzeichnis der beruflichen Befähigungsnachweise für die Fortbildung und Umschulung) aufgenommen und ein System der gegenseitigen Entsprechung zwischen staatlich geregelter Ausbildung und der Fortbildung und Umschulung etabliert.[17]

[...]


[1] Vgl. Eurydice/CEDEFOP/ETF (2003), S. 8 f.

[2] Vgl. Hidalgo/ Machado/Rodríguez (2001), S.9

[3] Vgl. Wuppertaler Kreis (1991), S. 61

[4] Vgl. Lanzendorf (2003), S. 266

[5] Vgl. Europäische Kommission/Eurydice/Eurostat (2005), Abb.D7

[6] Vgl. Eurydice/CEDEFOP/ETF (2003), S.11

[7] Die Bezeichnung Schüler bzw. Auszubildender wird nachfolgend geschlechtsneutral verwendet.

[8] Vgl. Eurydice/CEDEFOP/ETF (2003), S.14

[9] Vgl. Hidalgo/ Machado/Rodríguez (2001), S.10

[10] Vgl. Eurydice/CEDEFOP/ETF (2003), S.17

[11] Vgl. Eurydice/CEDEFOP/ETF (2003), S.19

[12] Vgl. ebd., S. 20

[13] Vgl. Europäische Kommission/Eurydice/Eurostat (2005), Abb. C9

[14] Vgl. Eurydice/CEDEFOP/ETF (2003), S.22

[15] Vgl. ebd., S. 23

[16] Vgl. Lanzendorf (2003), S. 275

[17] Vgl. Eurydice/CEDEFOP/ETF (2003), S.12 f.

Details

Seiten
23
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640478859
ISBN (Buch)
9783640478583
Dateigröße
604 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v138661
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Seminar für Wirtschaftspädagogik
Note
2,0
Schlagworte
Berufsbildung Vergleich Beispiel Spaniens Deutschlands

Autor

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