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Akrobatik – „Zug und Gegenzug": Methodische Erarbeitung der „Stuhl-Varianten“ und Anwendung in gelenkter Freiarbeit

Unterrichtsentwurf 2008 15 Seiten

Didaktik - Sport, Sportpädagogik

Leseprobe

1. Vorüberlegungen zur Unterrichtsstunde

1.1 Pädagogisch-psychologische Überlegungen

Seit dem 29. April 2009 unterrichte ich die 22 Schülerinnen der Klassen 7a und 7e des Hans-Carossa-Gymnasiums Landshut im Fach Sport. Der Unterricht findet mittwochs immer einstündig von 11.25 Uhr bis 12.15 Uhr und donnerstags im Rahmen einer Doppelstunde von 8.00 Uhr bis 9.30 Uhr statt.

Die Schülerinnen sind freundlich und offen und die Unterrichtsatmosphäre ist als angenehm zu beschreiben. Die Schülerinnen sind meist motiviert und interessiert und arbeiten fleißig mit. Dadurch, dass ich auch schon bei den Lehrversuchen in dieser Klasse eingesetzt wurde und die 7. Klassen im Skilager begleitet habe, habe ich das Gefühl, dass die Schülerinnen mir gegenüber aufgeschlossen sind und gerne am Unterricht teilnehmen. Es ist festzustellen, dass die Leistungsbereitschaft der Schülerinnen aus der 7a höher ist, als die der Schülerinnen der 7e. Diese fallen besonders durch Unaufmerksamkeit bei Unterrichtsgesprächen auf, zeigen jedoch auch Freude an den Bewegungsaufgaben. Das Verhältnis der Schülerinnen untereinander ist meist freundlich, es ist jedoch zu beobachten, dass sie es durchaus Unfrieden gibt, wenn sie die Arbeitsgruppen nicht selbstständig einteilen dürfen.

Die Schülerinnen erscheinen in der Regel pünktlich zum Unterricht, es lässt sich jedoch bemängeln, dass es immer wieder Schülerinnen gibt, die ihre Sportsachen nicht dabei haben. Nur selten kommt es vor, dass Schülerinnen vom Sportunterricht befreit sind und als „Passive“ auf der Bank sitzen müssen.

Das Leistungsniveau erscheint der Altersstufe und dem Entwicklungsstand der Mädchen angemessen. Eine Vielzahl der Mädchen ist auch privat in Sportvereinen aktiv und weisen eine gute Fitness auf. Fast alle Mädchen überzeugen durch ihre Bereitschaft zur aktiven Beteiligung und ihrem Bemühen, die geforderten Inhalte umzusetzen.

1.2. Methodisch-didaktische Überlegungen

1.2.1 Sachanalyse des Themas

Der Begriff Akrobatik wird häufig mit der Zirkuswelt assoziiert. Jedoch ist die Akrobatik auch eng mit dem Bereich des Turnens verwandt. Beide Sportarten besitzen ein umfangreiches Bewegungsrepertoire, das sich teilweise überschneidet (z.B. der Handstand). Trebels beschreibt daher die „Akrobatik […] als eine Form des Turnens am lebendigen Gerät“[1].

Die Erweiterung der Bewegungserfahrung im Turnen ist besonders in der Unterstufe wichtig, da sich die Schülerinnen, wenn die Grundlagen nicht frühzeitig gelegt werden, mit wachsendem Alter und dementsprechenden körperlichen Veränderungen, nur noch schwer zu turnerischen Leistungen motivieren lassen und mit Schwierigkeiten beim Erlernen neuer Elemente zu kämpfen haben. Die Akrobatik, als ein für die Schülerinnen neues Stoffgebiet, hat für die Schülerinnen häufig einen höheren Aufforderungscharakter als das klassische Turnen. Die Bandbreite der möglichen inhaltlichen Orientierung bei akrobatischen Bewegungsarrangements reicht dabei von der Schulung koordinativer und konditioneller Fähigkeiten (z.B. im Bezug auf Körperspannung) bis hin zur verbesserten Körperbeherrschung in Auseinandersetzung mit den physikalischen Grenzen. Das Spiel mit dem Gleichgewicht und der Schwerkraft sowie die Entwicklung einer realistischen Selbsteinschätzung können weitere wichtige Erfahrungen bieten.

Akrobatik bedeutet zudem als Team mit bestimmter Rollenverteilung zu agieren und zu funktionieren und stellt somit besondere Forderungen an kommunikative und kooperative Kompetenzen der Schülerinnen. Zudem hat das Thema einen hohen Aufforderungscharakter und bietet den Schülerinnen die Möglichkeit auch mit grundlegenden motorischen Fähigkeiten Erfolgserlebnisse im Sport zu haben. Das sportliche „Gegeneinander“ wird dabei fast vollständig zu einem produktiven „Miteinander“, in dem die Schülerinnen je nach physischer Voraussetzung ihre Rolle finden und erfolgreich ausfüllen können.

1.2.2 Einordnung des gestellten Themas in den Halbjahresplan

Aus dem Lernbereich Leisten, Gestalten und Spielen wurden im 2. Halbjahr die Sportarten Leichtathletik, Turnen, Basketball und Volleyball als Schwerpunkte behandelt. Zum Zeitpunkt der Übernahme der Klasse wurde das Turnen mit dem Minitrampolin und hierbei das (Kennen-) Lernen des Salto vorwärts intensiv geübt. Den Abschluss dieser Sequenz bildete eine Leistungsabnahme der Grundsprünge und des Saltos (fakultativ). Im Anschluss stand eine vielseitig Ausdauerschulung im Vordergrund. Dabei wurde durch spielerische Ausdauerschulung und die Erweiterung des Übungsrepertoires in den Bereichen Ausdauer und Kraftausdauer auch zu Musik (Aerobic), das Ausdauertraining mit einer abwechslungsreichen Schulung der koordinativen Fähigkeiten verbunden. Ein 27-minütiger Dauerlauf (Leistungsabnahme) bildete auch hier den Abschluss der Unterrichtssequenz. Parallel dazu wurde das Volleyballspiel verbessert und die Technik des Baggerns erlernt. Bedingt durch die gebäudetechnischen Einschränkungen konnte das Volleyballspiel zum Ende des Halbjahres jedoch weniger berücksichtigt werden.

Da die Klasse Freude an dem Feld der Bewegungskünste zeigt und die turnerischen Bewegungserfahrungen in der Unterstufe gefördert werden sollten[2], bildet das Stoffgebiet der Akrobatik einen weiteren Schwerpunkt in diesem Halbjahr. In den Vorstunden zur Lehrprobe wurden zunächst mit Vertrauens- und Kooperationsübungen sowie Kräftigungsübungen zur Verbesserung der Mittelkörperspannung die Grundlagen für die Akrobatik gelegt. In den folgenden Stunden standen die Erarbeitung der Grundformen „Bank“ sowie des „Fliegers“ sowie das Erproben von verschiedenen Gruppenpyramiden im Vordergrund. Auch wurden Fantasieelemente erfunden und Übungsverbindungen gesucht. Die methodische Erarbeitung des „Stuhls“ und dessen Einbindung in eine Pyramide ist die letzte Stunde, vor der abschließenden Präsentationsstunde, in der alle erarbeiten Elemente zu einem runden Abschluss geführt werden.

Es ist denkbar, die erarbeiteten Übungsfolgen auf dem Schulfest zu präsentieren und somit das Thema im Vorfeld noch einmal kurz aufzugreifen.

1.2.3 Einbettung in den Lehrplan

Im Fachlehrplan Sport werden in der 7. Jahrgangsstufe im Bereich Turnen „Bewegungskunststücke mit und an Geräten“[3], sowie „einfache Formen der Akrobatik“[4] gefordert. Da sich bei der Akrobatik schnell Erfolgserlebnisse erzielen lassen und die Präsentation von Gruppenergebnissen den Schülerinnen Freude bereitet, werden zudem das Selbstvertrauen und das Selbstwertgefühl der Jugendlichen weiterentwickelt, womit eine weitere Forderung des Lehrplans erfüllt wird.[5] Auch dem „spielerisch-kreative[n] Umgang mit Bewegungen"[6] wird in der Erarbeitung der Präsentationen entsprochen.

Der im Lehrplan geforderte pädagogische Aspekt des „Finden[s] der eigenen Rolle“[7] wird beim selbstständigen Arbeiten in Gruppen gefördert, da die Schülerinnen je nach ihren Fähigkeiten und körperlichen Voraussetzungen verschiedene Aufgaben übernehmen und dafür ihre eigene Situation reflektieren müssen. Das hierbei entstehende Körperbewusstsein ist ein weiteres vordergründiges Ziel des Sportunterrichts, welches bei der Akrobatik unausweichlich und ohne die Notwenigkeit einer Thematisierung entsteht. Da besonders in diesem Alter „Disharmonien bei der körperlichen Entwicklung“[8] zu beobachten sind, ist die bewusste eigene Körperwahrnehmung, aber auch das Gefühl für den Körper einer Partnerin, wie es bei der Akrobatik vermittelt wird, von großer Bedeutung. Über die Erkenntnis, dass für die erfolgreiche Ausführung der Übungen ein gewisses Maß an Bein-, Arm- und Rumpfkraft erforderlich ist, wird daneben die Kenntnis von elementaren Kräftigungsübungen erweitert. Der Lernbereich Gesundheit und Fitness wird überdies durch die Einhaltung der Sicherheits- und Gesundheitsregeln[9] angesprochen.

[...]


[1] Trebels, A.H. (2001): Akrobatik vermitteln. In: Sportpädagogik 1/2001, S. 5

[2] Vgl. 1.2.1 Sachanalyse des Themas

[3] Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus: Lehrplan Gymnasium Bayern (G8), Sport: 7. Jahrgangsstufe http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/g8.de/index.php?StoryID =26 307; Zugriff am 01.07.2009).

[4] Ebd.

[5] Vgl. Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus: Lehrplan Gymnasium Bayern (G8), Sport: 7. Jahrgangsstufe http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/g8.de/index.php?StoryID =26 307; Zugriff am 01.07.2009).

[6] Ebd.

[7] Ebd.

[8] Ebd.

[9] Anm.: Die Sicherheits- und Gesundheitsregeln enthalten das vorsichtige Auf- und Abbauen der Pyramiden, das Verbot, die Wirbelsäule der Partnerin zu belasten, sowie die Vermeidung von jeglichen unangenehmen und unphysiologischen Bewegungen.

Details

Seiten
15
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640522958
ISBN (Buch)
9783640520442
Dateigröße
668 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v138629
Note
2
Schlagworte
Akrobatik Gegenzug Methodische Erarbeitung Anwendung Freiarbeit

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Titel: Akrobatik – „Zug und Gegenzug": Methodische Erarbeitung der „Stuhl-Varianten“ und Anwendung in gelenkter Freiarbeit