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Aufgaben und Funktionen des Wettbewerbs

Hausarbeit 2003 29 Seiten

VWL - Wettbewerbstheorie, Wettbewerbspolitik

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einftihrung

2. Definition des Wettbewerbs

3. Funktionen des Wettbewerbs
3.1 Auflerokonomische Funktionen des Wettbewerbs
3.1.1 Freiheitsfunktion
3.1.2 Kontrollfunktion
3.2 Binnenokonomische Funktionen des Wettbewerbs
3.2.1 FOrderung einer am Leistungsprinzip orientierten Einkommensverteilung
3.2.2 Beeinflussung der Produktion durch die Marktteilnehmer
3.2.3 Optimale Faktorallokation
3.2.4 FOrderung des wirtschaftlichen und technischen Fortschritts
3.2.5 Anpassungsflexibilitat
3.3 AuflerfOkonomische Funktionen des Wettbewerbs

4. Soziale Funktionen und EinflUsse des Wettbewerbs auf die gesellschaftliche Ordnung
4.1 FOrderung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Stabilitat
4.2 FOrderung gesellschaftlicher Gerechtigkeit

5. Zusammenfassung

Anhang 1: „Konkurrenzkampf — Bahn verliert Marktanteile an Airlines"

Anhang 2: „Wettbewerbstheorie und —politik"

Anhang 3: „Funktionen des Wettbewerbs"

Anhang 4: „Microsoft: Wettbewerb verlangt nach neuen Strategien"

Literaturverzeichnis

1. Einfiihrung

In vielen Bereichen des sozialen und kulturellen Lebens unterliegen die Menschen dem Wettbewerb. So kennt jeder die groflen Wettstreite im Sport, die Wahlkampfe der Politiker urn die Stimmen ihrer Wahler sowie die Auseinandersetzungen in den zwischenmenschlichenBeziehungen1. Wenn von Wettbewerb die Rede ist, verbindet fast jeder diesen Begriff mit Rivalitat und dem Bestreben, jemanden unter den gegebenen Vor-aussetzungen zu besiegen, zumindest es ihm gleichzutun. Dieser Kon-kurrenzkampf zeigt sich in dem Antrieb zur Leistungssteigerung unter Ermittlung des optimalen Losungswegs einer Aufgabe oder eines Prob­lems. In dieser Situation findet ein Ausleseprozess statt, in dem am En-de der Trager der besten Leistung bestimmt wird2. Wettbewerbe kOnnen entweder freiwillig sein oder einem aufgezwungen werden. In jedem Fall werden an die Effektivitat des eigenen Tuns hOchste Anforderungen gestellt. Folglich hat Wettbewerb im Allgemeinen die Aufgabe, das BestmOgliche zu erreichen und zugleich die Mitbewerber zu dominieren.

Das Prinzip des Wettbewerbs hat sich besonders in der Wirtschaft be-wahrt, da gerade in diesem Lebensbereich moglichst frei von Reglemen-tierungen komplexe Aufgaben gelost werden mussen. Hierzu gehort ganz allgemein die Befriedigung der menschlichen Bediirfnisse unter sinnvoller Verwendung entsprechend knapper Mittel3. Neben der Be-darfsdeckung gehort zu einem offensiven Wettbewerb auch die Be- darfsweckung. Sie suggeriert dem Verbraucher, ein neues Produkt ha-ben zu mussen. Der Verwirklichung dieser beiden Ziele dienen die Pro-duktionseinrichtungen, samtliche Aktivitaten in diesem Zusammenhang, die Verteilung und Ietztendlich der Gebrauch bzw. Verbrauch von GO-tern4. Entsprechendes gilt gerade in der heutigen Zeit fur den Bereich der Dienstleistungen. Urn im Wettbewerb bestehen zu konnen, steht die Effizienz samtlicher Arbeitsablaufe laufend auf dem Prufstand. Folglich kommt dem Wettbewerb im wirtschaftlichen Sinne eine zentrale Bedeu-tung zu, auf die in den folgenden Abschnitten naher eingegangen wird.

2. Definition des Wettbewerbs

Dem Wettbewerb kommt in der Wirtschaft eine bedeutende Steuerungs-funktion zu5. Der Leistungsfahigere setzt sich gegenuber dem Schwa-cheren durch. Wie im aulerwirtschaftlichen Bereich wird der Wettbe-werb demzufolge auch hier durch

- Ermittlung des optimalen LOsungsweges einer Aufgabe,
- Leistungssteigerung und
- Auslese
bestimmt.

Die Rivalitat im okonomischen Sinne findet allerdings unter den Anbie-tern eines Produktes oder einer Leistung state6. Da meist mehrere Inte-ressenten auf der Anbieter- und Nachfragerseite vorhanden sind, exis-tiert hier ein aullerst flexibles System gegenseitiger Wechselwirkungen7. Die Anbieter kOnnen mit den Instrumenten des Wettbewerbs — auf die noch naher eingegangen wird — gezielt bestimmte Nachfragergruppen, von denen sie sich hOhere Umsatze versprechen (z. B. junge Leute), ansprechen8. Die Nachfrager konnen bei bestimmten Anbietern, bei de-nen z. B. das Preis-Leistungsverhaltnis ihren Vorstellungen entspricht, kaufen9. So wird durch die Wahlmoglichkeiten unter den Anbietern ein Ausleseprozess in Gang gesetzt, dem nicht alle Anbieter standhalten kOnnen.

Unter einem harten Konkurrenzkampf hat auch die Bahn zu leiden, wie es bei „Spiegel online" zu lesen ist. Die Deutsche Bahn ist zwar quasi Monopolist im Schienenverkehr, jedoch steht sie in starker Konkurrenz zu anderen Verkehrsmitteln. So heiRt es, „Verantwortlich fur den Mick-gang im Schienenverkehr sind (...) vorrangig externe Grunde"10. Zu den Ursachen gehorten nicht nur ein „schwache(s) konjunkturelle(s) Umfeld", ein „noch nicht zufrieden stellende(s) Punktlichkeitsniveau", die „fehlen-de Kundenakzeptanz beim Neuen Preissystem", „eine Eiberaus kritische Berichterstattung in den Medien", sondern ausdrucklich „deutlich aus-geweitete Konkurrenzangebote von Billigfluggesellschaften"11. Es zeigt sich insofern besonders deutlich, dass die potentiellen Kunden mit den von der Bahn zu bestimmten Preisen angebotenen Dienstleistungen haufig unzufrieden sind und folglich auf andere Anbieter bzw. Verkehrs-mittel umsteigen. An diesem Untemehmen spiegelt sich dementspre-chend der Wettbewerbsdruck auffallend wider.

„Wirtschaftlicher Wettbewerb (...) ist [zusammenfassend] dadurch gekennzeichnet, dass (1.) selbstandig entscheidende Wirtschafts-subjekte oder Wirtschaftseinheiten (2.) gleiche, ahnliche oder neue Produkte bzw. Leistungen ihrerWahl zu Preisen ihrer Wahl anbieten bzw. nachfragen und (3.) sich bemuhen, das eigene Angebot da-durch anziehender als das der Mitbewerber zu gestalten, dass sie eines, mehrere oder alle erlaubten Instrumente des Wettbewerbs wie Preis, Preisbestandteile (Rabatte), Qualitat und Nebenleistungen (Service, Werbung, Konditionen, Verpackung) einsetzen."12

Besteht Wettbewerb in einer Form, in der er die grogte Effektivitat er-zielt, wird er als „vollkommener" Wettbewerb bezeichnet. Er ist dadurch gekennzeichnet, dass beide Marktseiten stark vertreten sind. Es gibt sowohl viele meist kleinere Firmen als auch viele Nachfrager. Die Folge ist, dass kein einzelnes Wirtschaftssubjekt die Macht hat, den Markt zu kontrollieren. Alle Anbieter sind somit bestrebt, so effektiv wie mOglich zu produzieren bzw. Leistungen anzubieten und die Nachfrager bemOht, die grOfItmOgliche Menge an Produkten oder Dienstleistungen zu kon-sum ieren13.

„Vollkommener" Wettbewerb ist jedoch lediglich ein „theoretische(s) Ide-al"14. Vielmehr ist die Anzahl der Untemehmen in einem bestimmten Marktsegment eher gering, so dass ein Unternehmen in diesem Markt haufig eine dominierende Stellung eingenommen hat. Zudem setzen Firmen verschiedene Instrumente des Wettbewerbs ein, wie z. B. Prei- se, kundenorientierte Zahlungs- und Lieferbedingungen, QuaRat der Produkte, Innovationen, Service oder Werbung. Vor allem durch kun-dengerechte Leistungen werden die Untemehmen nicht nur finanziell, sondern auch mit gesellschaftlicher Anerkennung belohnt. Da alle Markt-teilnehmer Ober samtliche Marktbedingungen meist nicht informiert sein 'carmen, kann auch von einem „vollkommenen" Wettbewerb fast nie die Rede sein15.

Im Ergebnis kann grundsatzlich von einem freien Wettbewerb gespro-chen werden, der mit Hilfe verschiedener Mittel — Instrumente des Wett-bewerbs - das Angebot und die Nachfrage koordiniert. Die Wettbe-werbspolitik hat dabei regulierend wirkende Aufgaben und Funktionen in der Wirtschaftsordnung, welche in einen aullerakonomischen und einen Okonomischen Bereich eingeteilt werden kannen. Der aullerakonomi-sche Zweig betrifft die Handlungs- und Wahifreiheiten der am Marktge-schehen Beteiligten sowie den Kontrolimechanismus des Wettbe-werbs16. Das okonomische Gebiet schlieflt die folgenden Funktionen ein: FOrderung einer am Leistungsprinzip orientierten Einkommensver-teilung, Beeinflussung der Produktion durch die Marktteilnehmer, Oko-nomische Faktorallokation, wirtschaftlicher und technischer Fortschritt sowie Anpassungsflexibilitat17. Die beiden Ietzteren Aufgaben des Wet-bewerbs werden in der Literatur immer wieder als dynamische Funktio-nen des Wettbewerbs und die ubrigen Okonomischen Aufgaben als sta-tische Funktionen des Wettbewerbs bezeichnet18. Zu erwahnen ist zu-dem, dass das Zusammenwirken der Wettbewerbspolitik mit der interna-tionalen Wirtschaft und die Einfltisse des harten Wettbewerbsdrucks auf die Gesellschaftsordnung zusatzliche Herausforderungen fur alle Betei-ligten darstellen.

3. Funktionen des Wettbewerbs

3.1 Aullerokonomische Funktionen des Wettbewerbs

3.1.1 Freiheitsfunktion

Wettbewerb bedingt Freiheiten und Ermessensspielraume der am Marktgeschehen Beteiligten, was grundsatzlich positiv zu beurteilen ist. Der Inbegriff der Wettbewerbsordnung ist dementsprechend das Prinzip der Handlungs- und Wahifreiheiten der Wirtschaftssubjekte19. Dieser Grundsatz basiert auf Art. 2 des Grundgesetzes20. Aus Art. 2 GG geht eine Entscheidung filr eine bestimmte Wirtschaftsordnung jedoch nicht hervor21. Vielmehr ist der Gesetzgeber verpflichtet, Mindestanforderun-gen, die die Verfassung an eine Wirtschaftsordnung stellt, nicht zu igno-rieren22. Bei diesen Erfordernissen muss man zwischen einer formalen (Handlungs-) und einer materiellen (Entschliellungs-)Freiheit unter-scheiden23. Wahrend die formale Freiheit „die Gleichheit vor dem Gesetz und den Schutz vor staatlicher Willkur"24 beinhaltet, umfasst die materia-le Freiheit die MOglichkeit, eigene Ziele zu verwirklichen. Dazu gehOrt u. a. die Freiheit der Berufs- und Arbeitsplatzwahl, die Freiheit in Bezug auf die eigenverantwortlichen Tatigkeiten der Unternehmer und das Recht des Privateigentums25. Samtliche Wirtschaftssubjekte sind foiglich mun-dig, ihren individuellen wirtschaftlichen Wohlstand selbst zu beeinflus-sen. Insofern sind diese Freiheiten auch wirtschaftlich motivierte Funkti-onen, d. h. gewissermallen Hilfsfunktionen, mit denen man hOhere Ziele erreichen mOchte.

Allerdings kann uneingeschrankter Wettbewerb der Firmen auch Nachteile zur Folge haben. Der Staat muss foiglich dafur Sorge tragen, dass samtliche Freiheiten der Unternehmen sich nicht negativ auswir-ken. Gegebenenfalls ist der Wettbewerb durch Auflagen z. B. im Zu-sammenhang mit Arbeitsbedingungen, Sicherheitsvorkehrungen oder Umweltschutz einzuschranken26. Ideale wie soziale Gerechtigkeit, Urn-weltschutz, Vollbeschaftigung oder angenehme Arbeitsplatzbedingun-gen durfen durch Wettbewerb nicht vemachlassigt werden.

3.1.2 Kontrollfunktion

Vor allem die materiale Freiheit ermOglicht es den Untemehmem, 6ko-nomische Macht zu erwerben und zu sichern27. Der Staat als Trager der Wirtschaftspolitik dart im Hinblick auf die Gefahr einer zunehmenden Marktmacht eines oder mehrerer Untemehmen jedoch nie ein angemes-senes Zusammenwirken von politischer und wirtschaftlicher Ordnung aus dem Auge verlieren28. Da Wettbewerb als Antrieb zur Leistungsstei-gerung stets die Ausschaltung der konkurrierenden Untemehmen zum Ziel hat, Iiegt die Gefahr der Untemehmenskonzentration nahe, die sich wiederum schadlich auf den allgemeinen Wohlstand auswirkt29. Sind jedoch viele Wirtschaftssubjekte auf der Anbieterseite gegenwartig (Po-lypol), besteht kaum eine derartige Bedrangnis, da kein Anbieter groll genug ist, urn Druck auf seine Konkurrenten auszuCiben30. Bei wenigen Anbietem (Oligopol) ist die Wettbewerbsintensitat dagegen hÖher, da die Wahrscheinlichkeit eines Erfolges in einem Konkurrenzkampf relativ groI ist31. Dementsprechend begrenzt und kontrolliert Wettbewerb die wirtschaftliche Macht im Falle eines Polypols. Stehen anderenfalls nur wenige Anbieter in Rivalitat zueinander, fallt die Macht eines einzelnen Unternehmens auch grofler aus.

Wettbewerb hat jedoch auch die Eigenschaft, sich nicht selbst zu erhal-ten32. Da Wettbewerb als solcher mit seinem stetigen Antrieb zur Leis-tungssteigerung, seinem Anpassungszwang, seinen Konflikten und Ri-valitaten auch lastig und anstrengend sein kann, ist haufig statt eines Gegeneinanders ein Miteinander vorzufinden33.

[...]


1 Vgl. auch Gabler (1996), Seite 1277.

2 Vgl. Lampert/Bossert (2001), Seite 182 f.

3 Vgl. o. V. (1998), „Wettbewerb", in: Microsoft@ Encarta® 98 Enzyklopadie.

4 Vgl. ebenda.

5 Vgl. o. V. (1998), „Wettbewerb", in: Microsoft® Encarta® 98 Enzyklopaclie.

6 Vgl. ebenda.

7 Vgl. auch Gabler (1996), Seite 1270 f.

8 Vgl. ebenda.

9 Vgl. ebenda.

10 Hornig (30.06.03), Anhangsnummer 1, Seite 1

11 Hornig (30.06.03), Anhangsnummer 1, Seite 1.

12 Lampert/Bossert (2001), Seite 197.

13 Den gesamten Absatz betreffend vgl. o. V. (1998), „Wettbewerb", in: Microsoft® Encarta® 98 Enzyklopadie.

14 o. V. (1998), „Wettbewerb", in: Microsoft® Encarta® 98 Enzyklopadie.

15 Den gesamten Absatz betreffend vgl. o. V. (1998), „Wettbewerb", in: Microsoft® Encarta® 98. Enzyklopadie.

16 Vgl. Gabler (1996), S. 1271. Sowie Vahlen (beteiligt Bender, u. a.) (1999), Seite 301. Sowie Higl (22.10.02), Anhangsnummer 2, Randnummern 16, 17, 18, 19, 20.

17 Vgl. ebenda.

18 Vgl. Higl (22.10.02), Anhangsnummer 2, Randnummern 16, 17, 18, 19, 20.

19 Vgl. Vahlen (beteiligt Bender, u. a.) (1999), Seite 301.

20 Vgl. Gabler (1996), Seite 1272.

21 Vgl. Hesselberger (2001), RdNr. 4 zu Art. 2 GG.

22 Vgl. ebenda.

23 Vgl. Gabler (1996), Seite 1274.

24 Gabler (1996), Seite 1274.

25 Vgl. Lampert/Bossert (2001), Seite 196

26 Vgl. Lampert/Bossert (2001), Seite 185.

27 Vgl. Gabler (1996), Seite 1274.

28 Vgl. Lampert/Bossert (2001), Seite 198.

29 Vgl. ebenda.

30 Vgl. bankstudent.de, Anhangsnummer 3, „Die optimale Wettbewerbsintensitar.

31 Vgl. ebenda.

32 Vgl. Langfeldt(1986), Seite 206.

33 Vgl. Lampert/Bossert (2001), Seite 198.

Details

Seiten
29
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783640472185
Dateigröße
1.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v138558
Institution / Hochschule
Fachhochschule für Verwaltung und Dienstleistung in Schleswig-Holstein
Note
15 Punkte
Schlagworte
Aufgaben Funktionen Wettbewerbs Punkte

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