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Die Darstellung des Geschlechts im Schulbuch - Eine Analyse

Hausarbeit 2009 23 Seiten

Germanistik - Didaktik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Entwicklung der Geschlechtsidentität
2.1 Schritte in der Entwicklung der Geschlechtsidentität
2.2 Erklärungsansätze für die Entwicklung der Geschlechtsidentität

3. Bedeutung und Funktion von Schulbüchern

4. Schulbuchanalysen

5. Eigene Schulbuchanalyse
5.1 Überprüfung der aufgestellten Hypothesen
5.2. Weitere Beobachtungen bei der Schulbuchanalyse
5.3 Fazit der eigenen Schulbuchanalyse

6. Didaktischer Ausblick

7. Zusammenfassung / Schlussfolgerung

8. Literaturverzeichnis

Monographien:

Aufsätze:

Schulbücher:

1. Einleitung

Die folgende Hausarbeit soll eine intensive Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex „Die Darstellung des Geschlechts in den Medien“ im Rahmen des sprachdidaktischen Hauptseminars „Sprache und Geschlecht als Forschung- und Unterrichtsgegenstand“ darstellen. Als angehende Lehrerin möchte ich mich insbesondere mit der Untersuchung des Mediums Schulbuch beschäftigen und herausfinden, welche Bedeutung und Funktion Schulbücher besitzen und welche Ergebnisse, sowie Kritikpunkte offizielle Schulbuchuntersuchungen schon zu Tage gebracht haben. Auch die Ermittelung der Beeinflussung der SchülerInnen darf bei dieser Darstellung nicht fehlen. Dafür möchte ich zunächst aufzeigen, wie Sozialisation beziehungsweise Entwicklung zu einer spezifischen Geschlechtsrolle funktioniert.

2. Entwicklung der Geschlechtsidentität

Ob ein Mensch als Mann oder Frau geboren wird, hat Konsequenzen für sein ganzen Leben, da eine Geschlechtszugehörigkeit auch geschlechtsbezogene Erwartungen mit sich bringt. In einer Gesellschaft werden die Menschen in der Regel in zwei Geschlechter unterteilt, die mit unterschiedlichen Erwartungen erzogen werden und aufwachsen. Denn obwohl die Natur beziehungsweise der Zufall bestimmt, ob wir weiblich oder männlich sind, ist es doch die Gesellschaft, die festlegt und definiert, was weiblich und männlich ist. Es ist somit nicht das Baby oder das Kleinkind, welches sich in die Gesellschaft geschlechtsspezifisch einordnet, sondern das soziale Umfeld behandelt den Heranwachsenden entweder weiblich oder männlich. Dies sorgt für geschlechtsspezifische Erfahrungen, die das Kind dann erfährt.

„Welchem Geschlecht wir angehören, ist ein integraler Bestandteil dessen, wer wird sind, wie wir uns selbst erleben und wie andere mit uns umgehen.“[1]

Bei Untersuchungen zur Entwicklung der Geschlechtsidentität ist daher nicht der Unterschied zwischen den Geschlechtern in Bezug auf das Verhalten oder die Fähigkeiten wichtig, sondern vor allem die individuelle Wahrnehmung des Subjekts und seine Verarbeitung der sozialen Umwelt im Zusammenhang mit dem eigenen Verhalten.

Das Geschlecht stellt demnach eine soziale Kategorie dar, mit der bestimmte Differenzierungen und Erwartungen an die Rolle des Individuums einhergehen. Man identifiziert sich mit der Zugehörigkeit zu einem Geschlecht und nimmt sich damit selbst entweder als männlich oder weiblich wahr und definiert damit einen wichtigen Part der eigenen Persönlichkeit. Im sozialen Alltag versucht man dann, den Erwartungen an die eigene Geschlechtsrolle gerecht zu werden. Der Aufbau dieser Selbstwahrnehmung beziehungsweise des Selbstkonzeptes erfolgt aufgrund von Beobachtungen und Vergleich von sich selbst und anderen, sowie der Aufnahme von Reaktionen auf das eigene gezeigte Verhalten innerhalb der Gesellschaft. Denn

„die Informationen, die dem geschlechtsbezogenen Selbstkonzept und den Einstellungen und Verhaltensweisen zugrunde liegen, stammen jedoch wesentlich aus der in der sozialen Umwelt wahrgenommenen Geschlechterdifferenzierung und den damit verbundenen Konsequenzen“[2].

2.1 Schritte in der Entwicklung der Geschlechtsidentität

Vor der Geburt wird das genetische Geschlecht festgelegt und äußere sichtbare Geschlechtsmerkmale ausgebildet, welche dann nach der Geburt das soziale Geschlecht bestimmen.

Die biologischen Entwicklungsschritte in Bezug auf die körperlichen Veränderung-en außer Acht gelassen, verlaufen die einzelnen Phasen der kognitiven Entwicklung individuell – beeinflusst durch soziale Voraussetzungen.[3]

In den ersten zwei Lebensjahren spielen für die Kleinkinder Unterscheidungen im Geschlecht noch keine Rolle und sie sind auch noch nicht in der Lage sich selbst zuverlässig in männliche oder weibliche Geschlechtszugehörigkeit einzuordnen.

Erst mit dem dritten Lebensjahr können Kinder die Geschlechter klar unter-scheiden und Verhaltensweisen zu männlichen oder weiblichen Kategorien zuordnen, obwohl das Wissen über die Unterschiede noch sehr begrenzt ist. Bis zum sechsten Lebensjahr wird das Wissen über die Geschlechter ununterbrochen erweitert und die Kinder lernen durch die soziale Umwelt Eigenschaften als männlich oder weiblich einzuordnen und Stereotypen aufzubauen.

„Die Wahl oder Ablehnung von Spielzeug oder Spielaktivitäten orientiert sich nun zunehmend am Kriterium ihrer Geschlechtsangemessenheit“[4].

In diesem Alter erkennen die Kindern jedoch noch nicht, dass die Geschlechter-konzepte von der Gesellschaft vereinbarte soziale Prinzipien sind, sondern betrachten diese als feststehende Naturgesetze.

Bis zum Grundschulalter erwerben die Kindern die Erkenntnis der genitalen Grundlage für ein Geschlecht. Zudem hat sich die Zuordnung zu einem Geschlecht weitestgehend der gesellschaftlichen Vorstellung angepasst.

Zwischen sieben und elf Jahren erkennen die Kinder, dass es nicht nur Unterschiede, sondern auch Gemeinsamkeiten zwischen den Geschlechtern gibt und erwerben die Fähigkeit, „zwischen geschlechtstypischen und geschlechts-neutralen Merkmalen zu unterscheiden“[5]. Die Phase des Grundschulalters dient nunmehr als Erweiterung des Wissens über Geschlechtsprinzipien und des eigenen Aufbaus eines Selbstkonzeptes. Erst in der folgenden Adoleszenzphase treten neue Entwicklungsaspekte auf.

Die Differenzierung der Geschlechter ist ab dem zwölften Lebensjahr ein wichtiger Aspekt innerhalb der sozialen Entwicklung, da eine intensivere Beschäftigung mit der eigenen Person und der eigenen Identität für das Individuum im Mittelpunkt steht. Obwohl das Wissen über die gesellschaftlichen Normen der Geschlechter und die Darstellung des eigenen Ichs sich schon in der Kindheit entwickelt haben, stellt nun die sexuelle Reifung neue Aufgaben an die Entwicklung und verschiebt die zentralen Inhalte der Geschlechtskonzeptionen.

Im Erwachsenenalter werden die Verhaltenstendenzen, die in der Kindheit und in der Jugend aufgebaut wurden, noch einmal kritisch überprüft, da neue Anforderungen auf das Individuum zukommen, wie zum Beispiel die Berufsrolle, die Ehe und das Elternsein.[6]

2.2 Erklärungsansätze für die Entwicklung der Geschlechtsidentität

Um die Frage zu beantworten, warum aus Menschen männliche oder weibliche Persönlichkeiten werden, gibt es drei verschiedene Erklärungsansätze: biologisch, sozialtheoretisch und kognitiv.

Bei dem biologischen Erklärungsansatz geht man von evolutionären Gründen aus, die die Geschlechtsunterschiede auf die Selektion und Anpassung unserer Vorfahren zurückführen, die unterschiedliche Funktionen bei der Fortpflanzung besaßen. Jedoch hat dieser Ansatz die Schwäche, dass soziale Einflüsse biologischen Grundlagen überlagern können.

Der sozialtheoretische Ansatz geht davon aus, dass typische Verhaltensweisen eines Geschlechtes durch Bekräftigung Seitens der Umwelt und Imitation von Personen erlernt werden. Das Individuum wird – nach diesem Erklärungsansatz – durch Interaktionspartnern zu einem geschlechtstypischen Verhalten bekräftigt, da diese spezielle Erwartungen der Person entgegenbringen und unterschiedliche Verhalten der Geschlechter stärken. Dabei spielt das Beobachten von Verhaltens-weisen der Vorbilder eines Geschlechtes und das Nachahmen derer bei dem Aufbau von Identität zu männlich oder weiblich eine große Rolle. Durch dieses Beobachten von Vorbildern lernen Kinder sehr schnell, welches Verhalten typisch für welches Geschlecht ist und welches bekräftigt oder bestraft wird.

Bei dem verbleibenden Ansatz – dem kognitiven – geht man davon aus, dass das Wissen der Kinder über die Kategorien von männlich und weiblich immer größer wird und „zu einem zunehmenden Verständnis für die biologische, soziale und psychische Geschlechterdifferenzierung führt“[7]. Dieses Verständnis führt dann bei dem Individuum zu einer Selbstsozialisation.

3. Bedeutung und Funktion von Schulbüchern

Im Hinblick auf die Erkenntnis, dass Kinder durch ihre Umwelt ihr Selbstkonzept konstituieren und sich dabei an Vorbildern und dargestellten Konzeptionen orientieren, ist es nun auch wichtig ein Medium zu untersuchen, mit dem jedes Kind unserer Gesellschaft konfrontiert wird: das Schulbuch. Denn neben Interaktionspartnern und den Massenmedien, wie zum Beispiel Fernsehen oder Internet, nehmen die Schulbücher eine Sonderstellung ein. Das liegt daran, dass diese im Gegensatz zu anderen Medien keine kommerziellen Orientierung haben, sondern sich intentional orientieren und zur Erziehung von Kindern zu Erwachs-enen beisteuern.[8]

Die Schule hat verschiedene gesellschaftliche Funktionsbestimmungen. Sie soll zum Einen allen Kindern den Erwerb von Kenntnissen und Fähigkeiten ermöglichen und auch durch Selektion den Schülern verschiedene Lebens-chancen in unserer Gesellschaft, in Bezug auf materiellen und ideellen Aspekte zuweisen. Zum Anderen hat die Schule die Funktion den Heranwachsenden grundlegende Werte und Normen unserer Gesellschaft zu vermitteln. Diese werden dann oft von den SchülerInnen als berechtigt angesehen und nicht mehr hinterfragt.[9] Darüber hinaus unterstützt die Schule ungewollt – oft auch unbewusst – die Entwicklung des Selbstkonzeptes bei den SchülerInnen. Denn in diesem institutionellen Rahmen durch Interaktionen und Kommunikationsprozessen werden Normen, Werte und kulturellen Symbolen vermittelt. Diese unabsichtlichen Einflüsse auf die Entwicklung der Kinder werden als „heimlicher Lehrplan“ beschrieben.[10]

[...]


[1] Trautner, H.: Entwicklung der Geschlechtsidentität. Seite 626.

[2] Trautner, H.: Entwicklung der Geschlechtsidentität. Seite 633.

[3] Vgl. Trautner, H.: Entwicklung der Geschlechtsidentität.

[4] Trautner, H.: Entwicklung der Geschlechtsidentität. Seite 635.

[5] Ebd. Seite 636.

[6] Vgl. Ebd..

[7] Trautner, H.: Entwicklung der Geschlechtsidentität. Seite 647.

[8] Vgl. Schmerl, Christiane: Das Frauen- und Mädchenbild in den Medien. Seite 73.

[9] Vgl. Hilgers, Andrea: Geschlechterstereotype und Unterricht. Seite 88.

[10] Vgl. Ebd. Seite 89.

Details

Seiten
23
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640478781
ISBN (Buch)
9783640478514
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v138415
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,0
Schlagworte
Darstellung Geschlechts Schulbuch Eine Analyse

Autor

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