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Exegese der Bibelstelle Mk 11,15-19 (Tempelreinigung)

Hausarbeit 2009 20 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

1.1. Vorüberlegungen

1.2. Wirkungsgeschichte

1.3. Abgrenzung der Perikope

1.4. Textkritik

2. Strukturanalyse / Sprachlich-sachliche Analyse
2.1 Übersetzung ins Deutsche
2.2. Textlinguistische Fragestellung
2.3. Sozialgeschichtliche und historische Fragen, Realien

3. Frage nach der Aussageabsicht
3.1. Formkritik
3.2. Pragmatische Analyse

4. Kontextuelle Analyse / Innovatives Potential (diachron)
4.1. Traditionsgeschichte
4.2. Religionsgeschichtlicher Vergleich
4.3. Synoptischer Vergleich

5. Der Text als Teil eines theologischen Gesamtkonzepts
5.1. Kompositionskritik
5.2. Redaktionskritik

6. Ergebnissicherung und Ausblick
6.1. Ergebnis, Fazit
6.2. Hermeneutischer Ausblick

7. Literaturverzeichnis

Exegese der Bibelstelle Mk 11,15-19

Bibeltext:

15 Καὶ έρχονται Ιεροσόλυμα. Καὶ εἰσελθὼν εἰς τὸ ἱερὸν ἤρξατο ἐκβάλλειν τοὺς πωλοῦντας καὶ τοὺς ἀγοράζοντας ἐν τῷ ἱερῷ, καὶ τὰς τραπέζας τῶν κολλυβιστῶν καὶ τὰς καθέδρας τῶν πωλούντων τὰς περιστερὰς κατέστρεψεν, 16 καὶ οὐκ ἤφιεν ἵνα τις διενέγκῃ σκεῦος διὰ τοῦ ἱεροῦ.
17 Kαὶ ἐδίδασκεν καὶ ἔλεγεν αυτοις • Οὐ γέγραπται ὅτι

Ὁ οἶκός μου οἶκος προσευχῆς κληθήσεται πᾶσιν τοῖς ἔθνεσιν; ὑμεῖς δὲ πεποιήκατε αὐτὸν σπήλαιον λῃστῶν.

18 Kαὶ ἤκουσαν οἱ ἀρχιερεῖς καὶ οἱ γραμματεῖς καὶ ἐζήτουν πῶς αὐτὸν ἀπολέσωσιν• ἐφοβοῦντο γὰρ αὐτόν, πᾶς γὰρ ὁ ὄχλος ἐξεπλήσσετο ἐπὶ τῇ διδαχῇ αὐτοῦ. 19 Καὶ ὅταν ὀψὲ ἐγένετο, ἐξεπορεύοντο ἔξω τῆς πόλεως.[1]

1. Einleitung

1.1. Vorüberlegungen

Die folgende exegetische Auslegung der Perikope Markus 11,15-19 erarbeite ich für das Proseminar „Grundwissen Neues Testament“ an der Bergischen Universität Wuppertal. Ich habe mich für diese Bibelstelle im Markusevangelium entschieden, da ich schon oft mit der Geschichte über die Tempelreinigung konfrontiert wurde. Sei es im Kindergottesdienst, wo wir dazu gemalt haben oder aber im Konfirmandenunterricht, wo wir dieser Perikope viel Aufmerksamkeit geschenkt und in diesem Zusammenhang über die Bedeutung von Recht und Unrecht diskutiert haben.

Für mich stellt sich immer noch – wie schon damals – die Frage, wie es überhaupt zu einer solchen Missachtung der Tempelriten von Seiten der Menschen kommen konnte und warum niemand den „Händlern“ Einhalt geboten hat. Wieso wunderte sich das Volk über die Tat Jesu, welcher das Ziel hatte das Bethaus im ursprünglichen Sinne aufrecht zu erhalten, aber nicht über ihr eigenes Versagen?

Im Laufe dieser Exegese möchte ich ebenfalls versuchen der Frage nachzugehen, warum Handel im Tempel betrieben wurde, ob vielleicht andere Religionen ebenfalls solch einen „Markt“ innerhalb ihrer Heiligtümer besaßen und warum Jesus diese Reinigung ganz allein schaffte, ohne durch andere daran gehindert zu werden.

Zum Schluss dieser Exegese möchte ich auch in der Lage sein, die Tragbarkeit der Perikope in die heutige Zeit beantworten zu können und welche Bedeutung für uns heute die Aussageabsicht des Evangelisten noch besitzt.

1.2. Wirkungsgeschichte

Es existieren zwei Auslegungsmodelle zu der Perikope der Tempel-reinigung innerhalb der Kirchengeschichte. Dass Jesus eine Abschaffung der bestehenden Verhältnisse am Tempel anstrebte und das Gebetshaus für alle zugänglich machen wollte, kann man entweder moraltheologisch oder zelotisch interpretieren. Bei der moraltheologischen Interpretation wird das Hauptaugenmerk auf den Protest gelegt, welchen Jesus erwirken wollte, und dass er dadurch aufzuzeigen versuchte, welches Verhalten in dem heiligen Tempel angebracht ist und welches nicht. Wenn man jedoch zelotisch interpretiert, dann werden in dem Handeln Jesu schon die Besitzansprüche, die er als König Israels an den Tempel und die Menschen stellt, deutlich. Bei dieser Interpretation auf historischer Ebene geht jedoch die eigentliche Aussage des Textes verloren und so zweifle ich an dem zelotischen Auslegungsmodell für diese Perikope.[2]

1.3. Abgrenzung der Perikope

Die Perikope lässt sich sehr gut von den umliegenden Textstellen abgrenzen. Zum einen durch einen Orts- und Personenwechsel und zum anderen durch eine neue Thematik, welche inmitten der Feigenbaum-geschichte (Mk 11,12-25) aufgegriffen wird – die Thematik der Tempelreinigung.

Direkt in Vers 15 werden wir mit dem Ortswechsel konfrontiert, wenn es heisst: „Und sie gingen nach Jerusalem.“ Der Leser erkennt sofort, dass es sich nun um einen neuen Textabschnitt handelt. Einen ebenso deutlichen Ortswechsel kündigt das Ende der Perikope an: „Und wenn nun es nun einmal spät wurde, gingen sie aus der Stadt hinaus“, welcher sich in Vers 19 befindet und die Textstelle der Tempelreinigung abschließt.

Doch auch ein Personenwechsel lässt eine klare Abgrenzung der Perikope zu seinen Nachbartexten deutlich werden. Obwohl die Jünger innerhalb dieser Textstelle genannt werden und auch bei der Reinigung dabei zu sein scheinen, spielen sie im Gegensatz zur vorhergegangenen Perikope und der darauffolgenden keine tragende Rolle. Vielmehr treten nun die Händler im Tempel, sowie der Hohepriester und die Schriftgelehrten in den Vordergrund der Geschichte.

Zur Abgrenzung der Perikope möchte ich noch abschließend auf die Thematik hinweisen, welche mit der Reinigung des Bethauses einen anderen Themenstrang darstellt, als den des Versuches Jesu seinen Jüngern deutlich zu machen, welche Bedeutung der Glaube und das Gebet für uns Menschen hat ( siehe Mk 11,12-14;20-25 ).

1.4. Textkritik

Mit Hilfe des textkritischen Apparates, welcher sich unterhalb der Textstelle der griechischen Textes bei Nestle-Aland befindet, möchte ich nun versuchen die ursprünglichste Variante des Textes herauszuarbeiten. Es stellt sich die Frage, wie zuverlässig die Zeugen der unterschiedlichen Lesart sind.

Vers 15

Direkt zu Anfang der Perikope steht eine Textpassage, die verschieden überliefert ist. Während bei Nestle-Aland nach der syrischen Leseart „έρχονται Ιεροσόλυμα. Καὶ εἰσελθὼν εἰς τὸ ἱερὸν“ steht, ist im textkritischen Apparat auch „εισελθων εις Іερ. Και οτε ην εν τω ιερω“ zu finden. Diese verschiedenen Lesearten werden durch hervorgehoben. Die alternative Variante stammt aus dem Codex Bezae Cantabrigiensis, einer altlateinischen Textstelle. Des weiteren deutet ein □ darauf hin, dass sich im Teil der Überlieferung einer längeren Auslassung befindet.

Vers 16

Für diesen Vers sind keine weiteren Varianten im Apparat angegeben, was vermuten lässt, dass wahrscheinlich keine andere Lesart vorhanden ist.

Vers 17

Durch ° ist angegeben, dass „αυτοις“ in einigen Überlieferungen nicht vorkommt. Nicht nur bei Bover 1943 und in der Minuskelfamilie ƒ13

23.2427.2542 fehlt dieses Pronomen, sondern auch in einigen lateinischen Handschriften, syrischen Version und in den Überlieferungen im sahidischer Dialekt.

Des Weiteren stehen in diesem Vers zwei Worte, bei denen die Autoren im textkritischen Apparat eine Lesart aus einer Parallelüberlieferung angegeben haben. Anstelle von πεποιήκατε αὐτὸν kann man bei Jr 7,11 auch εποιήσατε αὐτὸν. Diese Lesart findet man auch bei den Majuskel C D W und in der Minuskelfamilie ƒ13, aber auch in den Mehrheitstexten. Nachträgliche Ergänzungen aus verlorengegangener Lagen A θ und den Minuskelfamilie ƒ1 33.565.579.700.1424 zeugen von dieser Lesart. Es existiert zu dieser Texstelle zudem noch eine weitere Variante, die durch ein : gekennzeichnet ist. Diese Textstelle ist mit einem txt gekennzeichnet, was auf die Vaariante in dem hier verwendeten Text verweist. So wie der Vers hier auftaucht, wird er auch bei Bover, L, Δ und Ψ (ständige griechische Zeugen des Markusevangeliums erster Ordnung), gesehen, aber taucht – durch das pc für pauci- wohl selten auf, Jedoch wird auch Origines als Vertreter dieser Lesart genannt.

Vers 18

In diesem Vers befinden sich vier Worte innerhalb von zwei Zeichen ( ), die anzeigen, dass eine Umstellung in einem Teil der Überlieferung der Worte vorgenommen wird. Bei der 25. Ausgabe von Nestle/Aland von 1963, bei Γ , in den Minuskelfamilie f1 1241, im Mehrheitstexten und in der lateinischen Version bei der Ausgabe der Harclensis von Joseph White findet sich die Reihenfolge der Worte in 4 2 3 1 wieder.

Zu dem in Nestle-Aland verwendetes Verb ἐξεπλήσσετο wird eine alternative Lesart im Apparat angegeben: ἐξεπλήσσovτο. Dieses findet man bei den ständigen Zeugen – dem Majuskel Cxodex Sinaiticus und dem Codex Sanallensis, sowie dem Minuskeln 579.892.1424.2542 und in anderen Texten, die durch einen Korrektor verändert wurden und in wichtigen Vulgata Handschriften.

Vers 19

Das Wort ἐξεπορεύοντο wurde in anderen Überlieferungen durch ἐξεπορεύετο ersetzt. Diese Veränderung findet man bei den ständigen Zeugen in den Majuskeln C D Θ und in den Minuskelnfamilie f(1).13 33. Auch in den Mehrheitstexten ist diese Lesart vertreten, sowie ein Teil der Vulgata und in den syrischen Übersetzungen bei den Sinai-Syrer und in der Ausgabe der Harclensis, als auch alle verfügbaren Versionen der koptischen Übersetzung. Zudem gibt es auch Texte in denen dies ausgelassen wurde, wie zum Beispiel bei L. Eine Bezeugung für die uns vorliegende Variante findet man in A B K Δ, mit Umstellung bei W und Ψ. Auch bei den Minuskeln bei 565.700.2427 und anderen lateinischen Übersetzungen c d r1 und in den syrischen Übersetzungen bei Peschitta und in der Asugabe der Harclensis.

[...]


[1] Aland: Novum Testamentum Graece.

[2] Vgl. EKK, Seite 131-132.

Details

Seiten
20
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640479146
ISBN (Buch)
9783640479030
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v138410
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,7
Schlagworte
Exegese Bibelstelle

Autor

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