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Beispiel einer flexionalen Derivation im Rahmen des Beardschen Modell einer "Lexeme-Morpheme-Base-Morphology" (LMBM)

Seminararbeit 1997 21 Seiten

Romanistik - Fächerübergreifendes

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

2) Die Basisprinzipien des Beardschen LMBM-Modells
2.1. Die Separationshypothese
2.2. Das erste Grundprinzip Beards
2.3. Die „Split-Morphology-Hypothesis“
2.4. Das vierte Grundprinzip Beards

3. Die Derivation der Form des flektierten Verbes „chantera“ innerhalb des Beardschen LMBM-Modells
3.1. Die Merkmalsmatrix der Form des flektierten Verbes „chantera“
3.2. Beards Konzeptioin von Flexion als syntaktischem Interpretations- mechanismus von morpholexikalischen Kategoriemerkmalen
3.3. Beards Unterteilung von grammatischen Kategorien in lexikalische und flexionale Kategorien
3.4. Die flexionale Kategorie „Agreement“ als syntaktischer Interpre- tationsmechanismus von morpholexikalischen Merkmalen
3.5. Die graphische Darstellung von Agreementfunktionen und flexionalen Kategoriemerkmalen in der Syntax
3.6. Die Tilung von syntaktischen Klammern und Verbanhebung durch die MS-Komponente
3.7. Die Spelling-Operationen der MS-Komponente

4. Bibliographie

1. Einleitung

Ich werde im folgenden die Derivation des französischen Satzes „Pierre chantera

cette chanson“ innerhalb des von Beard (1995) vorgeschlagenen LMBM-Modells

aufzeigen. Den zentralen Punkt meiner Darstellung bildet dabei die Derivation der

Form des flektierten Verbes „chantera“. Weiterhin werde ich versuchen, das Zu-

sammenwirken der autonomen grammatischen Module bei der Derivation dieses

Satzes innerhalb des Beardschen LMBM-Modells schrittweise dazustellen.

Zum besseren Verständnis der Funktionsweise dieser autonomen grammatischen

Module im Beardschen LMBM-Modell halte ich es für notwendig, auf die Basis-

prinzipien einzugehen, auf welche sich Beard bei der Konzeption dieser gramma-

tischen Module stützt. Daher werde ich eingangs die Ableitung des Aufbaus der

grammatischen Module von den grundlegenden Basisprinzipien kurz umreißen.

Ich werde auf die Konsequenzen, welche sich aus den Basisprinzipien für Beards

Konzeption der grammatischen Module in seinem LMBM-Modell ergeben, bei

der schrittweisen Derivation des Satzes „Pierre chantera cette chanson“ differen-

zierter eingehen.

2. Die Basisprinzipien des Beardschen LMBM-Modells

Die Basisprinzipien, auf die Beard sein LMBM-Modell gründet, sind die „Sepa-

ration Hypothesis“, die „Split Morphology Hypothesis“ („Lexicalist Hypothesis“/

„Lexical Integrity Hypothesis“) sowie die von Beard selbst definierten fünf Grund-

prinzipien. Ich werde im folgenden auf diese beiden Hypothesen sowie auf zwei

seiner Grundprinzipien eingehen.

2.1. Die Separationshypothese

Die Separationshypothese trennt die Derivation grammatischer Merkmale strikt

von der Markierung dieser Merkmale durch grammatische Morpheme (Affigie-

rung) (Beard,1995;S.45-51/97). Die Markierung grammatischer Merkmalswerte

durch grammatische Morpheme unterliegt einem autonomen grammatischen Mo-

dul, der „Morphological Spelling“-Komponente (MS-Komponente). Gramma-

tische Morpheme werden als Prozesse dieser Spelling-Komponente definiert

(Beard,1995;S.48-49). Der Status der Spelling-Komponente als eines eigenen

Modul wird dadurch gewährt, daß die Spelling-Operationen keinen Zugang zum

internen Ablauf von Derivationsregeln haben (Beard,1995;S.50). Die Spelling-

Komponente operiert lediglich auf dem Output der Derivation grammatischer

Merkmale. Die Spelling-Komponente operiert somit unabhängig von Deriva-

tionsregeln, grammatische Morpheme sind allerdings aufgrund ihrer Reaktion

auf lexikalische und flexionale Merkmale definiert (Beard,1995;S.50). Die Mar-

kierung von derivierten grammatischen Merkmalswerten erfolgt postsyntaktisch.

Gebundene Morphologie umfaßt somit zwei unabhängige, getrennte Prozesse,

auf welche sich Beard als „Derivation“ und „morphologisches Spelling“ bezieht

(Beard,1995;S.46). Derivationale Operationen und morphologische Spelling-

Operationen operieren jedoch auf denselben Objekten, Lexemen.

2.2. Das erste Grundprinzip Beards

Ein weiterer Aspekt der Separationshypothese besteht in der Unterscheidung zwi- schen Lexemen und grammatischen Morphemen. Beard definiert Lexeme und

grammatische Morpheme unterschiedlich. Lediglich Lexeme repräsentieren die

direkte Artikulatioin von Bedeutung durch Laute (Beard,1995;S.45). Beard kon-

zipiert Lexeme in dem von ihm aufgestellten ersten Grundprinzip als wechselsei-

tig implizierte und direkt artikulierte phonologische, grammatische und semanti-

sche Repräsentationen (Beard,1995;S.44-47). Beard definiert die Repräsentation

eines Lexems als wechselseitig impliziertes Tripel von p (phonologischen), g

grammatischen) und r (semantischen) Merkmalswerten (Beard,1995;S.46). Gram-

matische Morpheme hingegen werden in Begriffen von indirekten und kontext-

abhängigen Mitteln der Referenz definiert (Beard,1995;S.45). Ein grammatisches

Morphem drückt nur bestimmte grammatische Kategorien in festen Kontexten

aus (Beard,1995;S.49). Gebundene grammatische Morpheme haben keinen gram-

matischen oder semantischen Inhalt (Beard,1995:S.69) und sind als morphologi-

sche Spelling-Operationen als unabhängige Modifikationen der grammatischen

Repräsentation von Lexemen definiert (Beard,1995;S.44). Grammatische Mor-

pheme definieren sich aufgrund ihrer Reaktion auf lexikalische und syntaktische

Merkmale (Beard,1995;S.50). Weiterhin setzen grammatische Morpheme Lexe-

me voraus. Somit müssen grammatische Morpheme nicht direkt an die gramma-

tischen Kategorien, welche sie markieren, gebunden sein (Beard,1995;S.49-50).

2.3. Die „Split-Morphology-Hypothesis“

Die „Split-Morphology-Hypothesis“ („Lexicalist Hypothesis“) bezeichnet die

Trennung der Derivation und Manipulation morpholexikalischer Kategoriemerk-

male von der Derivation und Manipulation morphosyntaktischer flexionaler Ka-

tegoriemerkmale (Beard,1995;S.97-101). Die Manipulation morpholexikalischer

Kategoriemerkmale, von Beard als „L-Derivation“ bezeichnet, wird im Lexikon

angesiedelt, wohingegen die Manipulation morphosyntaktischer flexionaler Kate-

goriemerkmale, von Beard als „I-Derivation“ bezeichnet, in der Syntax stattfin-

det (Beard,1995;S.97/101). Die Begriffe „I-Derivation“ und „L-Derivation“ be-

zeichnen Operationen auf grammatischen Kategoriemerkmalen im Lexikon und

in der Syntax unabhängig von Affigierung (Beard,1995;S.98). Die Grammatik

enthält somit zwei unterschiedliche Arten von grammatischen Kategoriemerkma-

len: lexeminhärente morpholexikalische Kategorien (Gl) im Lexikon, welche

von L-Derivationsregeln bearbeitet werden, und morphosyntaktische flexionale

Kategoriemerkmale (Gi) in der Syntax, welche von I-Derivationsregeln manipu-

liert werden (Beard,1995;S.52). Zwar sind I-Derivation und L-Derivation von-

einander unabhängig, teilen jedoch dieselben Spelling-Operationen einer einzel-

nen integrierten MS-Komponente (Beard,1995;S.97/101).

Die derivierten morpholexikalischen Merkmale (Gl) und morphosyntaktischen

flexionalen Merkmale (Gi) bilden ein kombiniertes lexikalisches Merkmalsinven-

tar (Gl + Gi = G), welches den Operationsbereich der MS-Komponente darstellt

(Beard,1995;S.51-53/101). Um die kumulierten morpholexikalischen und mor-

phosyntaktischen Merkmale als gebundenes grammatisches Morphem realisieren

zu können, muß die MS-Komponente einen Spelling-Mechanismus besitzen, wel-

cher die grammatischen Merkmalswerte schrittweise und in einer bestimmten Rei-

henfolge bearbeitet. Bei der Ausführung dieser Schritte muß der Spelling-Mecha-

nismus Zugang zu allen drei Ebenen der lexikalischen Repräsentation haben (der

grammatischen, phonologischen und semantischen Repräsentationeines Lexems).

Da der Spelling-Mechanismus jedoch nur auf der phonologischen Ebene P arbei-

tet, benötigt er keinen Zugang zu einem Zwischenstadium von L- und I-Deriva-

tion. Der Spelling-Mechanismus bearbeitet lediglich den Output von L- und I-De-

rivation, d.h. das lexikalische Merkmalsinventar G (Beard,1995;S.55). Die Ope-

rationen der autonomen MS-Komponente sind auf das lexikalische Wort und auf

die funktionalen Kategorien in der Syntax beschränkt (Beard,1995;S.52).

2.4. Das vierte Grundprinzip Beards

Bei der Konzeptiion der unterschiedlichen grammatischen Module im vorliegen-

den LMBM-Modell aufgrund von Basisprinzipien wie der „Separation Hypothe-

sis“ und der „Split-Morphology-Hypothesis“ berücksichtigt Beard die von ihm

in seinem vierten Grundprinzip geforderte Autonomie dieser grammatischen Mo-

dule. Die Operationen eines grammatischen Moduls dürfen danach keinen Zugang

zu den internen Operationen eines anderen Moduls haben (Beard,1995;S.16).

Wenn die Operationen von grammatischen Subkomponenten nur insofern mit-

einander interagieren, als daß der Output eines Moduls den Input eines anderen

Moduls bildet (Beard,1995;S.16). Beard trägt diesem Modularitätsprinzip ins-

besondere bei der Konzeption von L- und I-Derivation Rechnung. Er schließt

jeglichen syntaktisch-lexikalischen Zugang durch die Berücksichtigung der

„Split-Morphology-Hypothesis“ aus. L-Derivationsregeln operieren auf lexem-

inhärenten morpholexikalischen Kategorien (Gl) im Lexikon, wohingegen I-

Derivationsregeln morphosyntaktische flexionale Kategorien (Gi) in der Syntax

bearbeiten (Beard,1995;S.52). Durch diese strikte Unterscheidung von lexikali-

schen und syntaktischen Operationen kommen der MS-Komponente neben der

Ausführung von morphologischen Spelling-Operationen noch die Aufgaben der

Tilgung syntaktischer Klammern in der Syntax sowie der Kontrolle von Verb-

anhebung zu. Ich werde auf diese weiteren Aufgaben der MS-Komponente bei

der Derivation des Satzes „Pierre chantera cette chanson“ genauer eingehen.

[...]

Details

Seiten
21
Jahr
1997
ISBN (eBook)
9783638193832
Dateigröße
376 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v13840
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Romanisches Seminar
Note
bestanden
Schlagworte
Beispiel Derivation Rahmen Beardschen Modell Lexeme-Morpheme-Base-Morphology Seminar Generative Morphologie Französischen Italienischen Ausgewählte Probleme

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Titel: Beispiel einer flexionalen Derivation im Rahmen des Beardschen Modell  einer "Lexeme-Morpheme-Base-Morphology" (LMBM)