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Die Chronik des Thietmar von Merseburg

Hausarbeit 2008 9 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Die Chronik des Thietmar von Merseburg

Thietmari Merseburgensis episcopi Chronicon

Biografie

Thietmar von Merseburg, Sohn des Grafen Siegfried von Walbeck und der Gräfin Kunigunde von Stade wurde am 25. Juli 975 geboren[1]. Sein Vater, der einen Teil der väterlichen Grafschaft erbte, nahm an zahlreichen Feldzügen gegen die Slawen teil.

Den ersten Unterricht erhielt Thietmar bei Verwandten in Quedlinburg[2], wo der die Königswahl Heinrich des Zänkers[3] 984 und den Hoftag Otto III. 986 miterlebte. Später wurde er dem Abt Rikdag des Johannesklosters in Magdeburg übergeben. Zu seinen Mitschülern zählte Brun von Querfurt[4]. Neun Jahre erhielt der Schüler eine Ausbildung in einer der besten Ausbildungsstätten seiner Zeit. Um 1000 wurde Thietmar in das Domkapitel aufgenommen.

1002 wurde er mit Hilfe eines simonistischen Handels, Probst von Walbeck, nachdem er die Hälfte des Stiftes von seiner Mutter erbte. Um den restlichen Teil des Familienstiftes zu erhalten, wurde der Mitbesitzer, sein Oheim mit einer Entschädigung bedacht, der bisherige Propst wurde mit einem Ämtertausch abgefunden[5] 1004 empfing der von Erzbischof Tagino in Anwesenheit Kaiser Heinrich II. die Priesterweihe[6]. Als 1009 Bischof Wigbert von Merseburg starb, wurde Thietmar auf Empfehlung des Erzbischof Tagino[7] zu dessen Nachfolger bestimmt. Thietmar blieb bis zu seinem Tod 1018 im Merseburger Bischofsamt. Er wurde im Merseburger Dom beigesetzt.

Die Auseinandersetzungen mit den Bischöfen des Nachbarbistümer, die Mitarbeit am Grenzschutz und der Slawenmission prägten die Amtszeit Thietmars. Den Reformideen seiner Zeit stand er extrem kritisch gegenüber. Thietmar von Merseburg kritisiert z.B. mit Hilfe von Bibelzitaten die Absetzung von Abt Rikdag (Abt des Klosters Berge, Erzieher von Thietmar) durch Bischof Tagino [8] . An seine Stelle kam Alfker, der Vorsteher des Klosters Pöhlde. Das Johanneskloster Berge wurde 966 gegründet, 1005 dem Erzbistum Magdeburg geschenkt. Die Mönche waren Anhänger der Gorzer Reform[9]. Inhalt der Reform war die Neuerung der Ordnung und die striktere Einhaltung der durch Consuetudines ergänzten Regel. Die Durchsetzung erfolgte durch Einsetzung eines neuen Abtes. König Heinrich II. setzte sich sehr für diese Reform ein. Die Verbreitung der Reform kam zügig voran, in dem bereits reformierte Klöster, weitere Ordensgemeinschaften mit den neuen Reformen bekannt machten. Cluny nahm bei dieser Entwicklung eine Sonderstellung ein, sein Gründer Wilhelm von Aquitanien unterstellt es direkt dem Papst. Die Cluniazenser hatten mit ihrer asketischen Religiosität maßgeblichen Anteil an den kirchlichen Reformen des 11. Jahrhunderts. Anschließend leitet Thietmar in eine generelle Kritik an kirchlichen Würdenträgern über, wieder mit Zitaten aus der Bibel und des Augustinus. Der Chronist polemisiert gegen die Einsetzung des Reformabtes im Kloster Berge: „Tatsächlich sind Menschen, deren neuartiges Auftreten in Kleidung und Lebensweise Lob findet, oft nicht das, was sie vorgeben“[10].

Dieser Abschnitt wird von Thietmar im Predigtstil beendet. Seine Kritik ist scharf, er vermeidet aber direkt die Reform anzusprechen und setzt vom Leser offenbar das benötigte „Insiderwissen“ voraus.

In regelmäßigen Abständen nimmt der Bischof auch zu seiner eigenen Person Stellung. Er beschreibt sich selbst als kleinwüchsig und durch eine Narbe im Gesicht entstellt (IV, 75). Seinen Schreibstil entnimmt der Leser, dass er eine selbstbewusste Person gewesen sein muss, obwohl er sich selbst als unwürdig für die Darstellung der Geschichte der Ottonen bezeichnet.

Seine eigene Zeit bezeichnete Thietmar, wie so viele mittelalterliche Chronisten, als schlecht. Engel verkündeten ihm oder seinen Angehörigen und Bekannten, wenn jemand mit dem Tod und damit die Aufnahme in eine erstrebenswertere Umgebung belohnt wurde.

[...]


[1] Thietmar von Merseburg, Chronik, Darmstadt 1975, III, 6.

Temporibus hiis ego natus sum VIII. Kal. Augusti, mense Iulio.

[2] Thietmar von Merseburg, IV, 16.

[3] Heinrich der Zänker, Herzoh von Baiern (995-976, 985-995) und Kärnten (989-995), Neffe Otto I. Nach dem Tod Otto I. war er der führende Kopf der Verschwörung gegen Otto II, an der sich Boleslaw von Böhmen und Mieszko von Polen beteiligten. Nach Aufdeckung der Verschwörung kam wurde Heinrich in Ingelsheim inhaftiert, 976 flüchtete er. Die anschließenden Kämpfe beendete Otto II. mit der Eroberung Regensburgs im Herbst 976. Er setzte den Herzog., der außerdem von den Bischöfen mit dem Kirchenbann belegt wurde, ab. Nach dem Tod Ottos versucht er mit Hilfe der Vormundschaft über das Kind Otto III. die Herrschaft zu erlangen, 984 wird er zum König ausgerufen. Auf dem Frankfurter Reichstag 985 kam es zum Ausgleich, durch den Heinrich bei gleichzeitigem Verzicht auf alle weitergehenden Ansprüche sein Herzogtum zurückerhielt. Nach dem Tode Heinrichs III. wurde ihm Kärnten übertragen. LexMa 4, 2063-2064, A. Schmid

[4] Thietmar von Merseburg, VI, 94,

Fuit quidam Brun nomine, contemporalis et conscolasticus meus, ex genere clarissimo editus, sed divina miseratione pre caeteris parentibus inter filios Dei electus.

[5] Thietmar von Merseburg, VI, 44,

Hic post longam animi constantis deliberationem, posthabito caritatis et affinitatis debito, magna ex parte mea poposcit; et quia in fratribus meis nullo fruebar amminiculo, desiderio eiusdem, pro dolor! consensi ac eiusdem aecclesiae, cuius tunc fui paterna tradicione servus, dominicae incarnationis anno millesimo II. Non. Mai. custos effectus sum, annuente id antecessore meo ob acceptam commutationem sibi placitam.

[6] Thietmar von Merseburg, IV, 46,

Presbiterii vero dignitatem XII. Kal. Ianuarii a prefato archiepiscopo, presente Heinrico rege et casulam mihi optimam largiente, indignus percepi.

[7] Thietmar von Merseburg, VI, 38,

[8] Tagino von Magdeburg, Erzbischof, * um 970, Dollnhofen (südöstlich von Regensburg), † 9.6. 1012, Magdeburg, 1009 inthronisierte Tagino den Chronisten später. Im Sinne Kaiser Heinrichs setzte er sich auf der Synode von Frankfurt 1007 erfolgreich für die Gründung des Bistums Bamberg ein.

[9] Lexikon des Mittelalters, CDRom Ausgabe, LEXMA 1 1952, D. Claude.

[10] Thietmar von Merseburg, VI, 21, Verum est, quod hii, quorum nova conversatio et in habitu et in victu laudabilis extat, vero non sunt sepe quod simulant.

Details

Seiten
9
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640468911
ISBN (Buch)
9783640468706
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v138261
Institution / Hochschule
Universität Wien
Note
1
Schlagworte
Chronik Thietmar Merseburg

Autor

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Titel: Die Chronik des Thietmar von Merseburg