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Das sprachliche Phänomen ‚Ironie’

Funktion und Wirkung

Magisterarbeit 2009 105 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Einführung in die Arbeit
1.2. Gliederung der Arbeit

I. Theoretischer Hintergrund

2. Begriffsdefinition der Ironie
2.1. Begriffsursprung und -entwicklung der Ironie
2.2. Abgrenzung der Ironie zu anderen Stilformen

3. Ironiesignale

4. Linguistische Ironietheorien
4.1. Implikaturtheorie nach Grice
4.1.1. Kooperationsprinzip und Konversationsmaximen
4.1.2. Generelle und partikuläre Implikaturen
4.1.3. Ironie als konversationelle partikuläre Implikatur
4.2. Sprechakttheorie nach Austin und Searle
4.2.1. Ironie als indirekter Sprechakt
4.2.2. Ironie als uneigentlicher Sprechakt
4.3. Neuere Theorieansätze der Ironie
4.3.1. Lapps Modell der Ironie als zweistufige Simulation
4.3.2. Die Pretense Theory von Clark und Gerrig
4.3.3. Die Echoic Mention Theory von Sperber und Wilson
4.3.4. Die Allusional Pretense Theory von Kumon-Nakamura
4.4. Zusammenfassung der Theorien

II. Ironie in Printmedien - Eine Analyse

5. Das Korpusmaterial

6. Charakteristika der Zeitungen

7. Die Darstellungsformen Kommentar, Kolumne und Glosse

8. Verwendungsmotivation von Ironie in Printmedien
8.1. Wirkungen der Ironie
8.2. Funktionen der Ironie
8.2.1. Funktion der Negativen Bewertung
8.2.2. Funktion des Spiegels
8.2.3. Funktion des Ästhetischen Humors
8.2.4. Funktion der Höflichkeit
8.3. Zusammenfassung der Ergebnisse

9. Fazit

10. Abbildungsverzeichnis

11. Literaturverzeichnis

12. Anhang: Beispieltexte

1. Einleitung

1.1. Einführung in die Arbeit

„ Dann solltest du auch sagen, was du meinst “ , fuhr der Schnapphase fort. „ Das tue ich ja “ , widersprach Alice rasch; „ wenigstens - wenigstens meine ich, was ich sage - und das kommt ja wohl aufs gleiche heraus. “ „ Ganz und gar nicht “ , sagte der Hutmacher. „ Mit dem selben Recht k ö nntest du ja sagen: ‚ Ich sehe, was ich esse ’ ist das gleiche wie ‚ Ich esse, was ich sehe ’ ! “

Lewis Carroll, Alice im Wunderland (zitiert nach Lapp 1997²: 11)

Die Kommunikation zwischen Menschen dient nicht nur ausschließlich dazu Informationen auszutauschen, sondern darüber hinaus Meinungen und Ansichten zu vermitteln. Die Übermittlung kann zum einen auf direktem Weg über die wörtliche Formulierung vollzogen werden oder auf indirektem Weg, indem der Sprecher neben der wörtlichen Bedeutung eine zusätzliche transportiert. Diese Eigenschaft beinhaltet unter anderem das Phänomen der Ironie. Sowohl in der Alltagskommunikation als auch in der Literatur findet sie Verwendung. Darum besteht seit der Antike ein hohes Interesse an der Erklärung ihres Auftretens und ihrer Begreifbarkeit. Eine Vielzahl von Theorieansätzen der Ironie bemüht sich, das sprachliche Phänomen in ihrer Komplexität zu erfassen und transparent zu machen.

Statt eines homogenen Ironiebegriffes, der empirisch nutzbar wäre, verfügt die Wissenschaft bislang lediglich über eine Aneinanderreihung bestimmter Kriterien, deren Geltungsbereich und deren Interaktion unklar bleiben. (Prestin 2000: 1)

Darin wird die Schwierigkeit eines übereinstimmenden Begriffes deutlich. Auch die vorliegende Arbeit erhebt nicht den Anspruch eine vollständige und endgültige Ironieauffassung zu formulieren. Vielmehr verfolgt sie das Ziel, die bisherigen Erkenntnisse zu einem Gesamtbild zu integrieren, welches Aussagen über die Funktionen von Ironie in Printmedien enthält und mögliche Wirkungen im Zusammenhang mit den Kontextbedingungen beschreibt. Denn beim Verständnis der Ironie muss der Rezipient auf ein bestimmtes Hintergrundwissen zurückgreifen, um das zu verstehen, was der Produzent übermitteln möchte.

Das Phänomen Ironie bereichert die menschliche Kommunikation, indem sie ermöglicht, trotz der Übermittlung von Kritik, das Gesicht des Ironisierten zu wahren, etwas anderes mitzuteilen als die wörtliche Bedeutung und mit der Äußerung Humor zu erzeugen.

1.2. Gliederung der Arbeit

Die vorliegende Arbeit gliedert sich grob in zwei Teilbereiche. Der erste stellt den theoretischen Hintergrund dar, denn um herausgearbeitete Funktionen und Wirkungen der Ironie im zweiten Teilbereich erklären zu können, bedarf es einer theoretischen Grundlage. Aufgrund dessen befasst sich der Abschnitt 2.1. zunächst mit der Geschichte und der heutigen Bedeutung des Begriffs Ironie, um ihn darauf aufbauend von anderen Stilformen in Abschnitt 2.2. abgrenzen zu können. Ebenfalls von großer Bedeutung, um das Phänomen Ironie greifbarer und verständlicher zu machen, ist es notwendig aufzuweisen, wodurch sich die Ironie kenntlich macht und welche Hinweise dem Rezipienten gegeben werden. Im weiteren Verlauf werden unterschiedliche theoretische Ansätze dargestellt, die von der Antike bis hin in die Gegenwart reichen (Kapitel 4). Das Phänomen der Ironie löste zahlreiches Interesse und Begeisterung aus, was dazu führte, dass unterschiedliche Herangehensweisen in dem Verständnis entwickelt wurden. Einige Theorien ergänzen vorangehende, können sie jedoch auch widerlegen. Das Ziel dieses Kapitels ist es, durch die Darstellung der zentralen Kriterien aller ausgewählten Ironietheorien, übereinstimmende Merkmale herauszuarbeiten und in Abschnitt 4.4. zu einer Auffassung zu gelangen, welche als Grundlage der praktischen Bearbeitung dient.

Der zweite Teilbereich bildet die praktische Analyse des Korpusmaterials. Überwiegend ist in der Fachliteratur die Erarbeitung von verbaler Ironie zu finden. Darum stützt sich diese Arbeit auf die Verwendung der Ironie in Printmedien. Besonders interessant erscheint der Anspruch der Ironieverwendung in schriftlichen Texten, da sich Produzent und Rezipient nicht unmittelbar gegenüberstehen. Obwohl dem Produzenten andere Signale als in der verbalen Kommunikation zur Verfügung stehen, gelingt es ihm die Ironie zu transportieren und eine Wirkung beim Rezipienten zu erzielen. Das zugrunde liegende Material dieser Arbeit entstammt der Zeitung Die Zeit (Kapitel 5). Darum erscheint es zunächst notwendig die Charakteristika von Zeitungen in Kapitel 6 darzulegen, um darauf aufbauend die meinungsbetonten Darstellungsformen Kommentar, Kolumne und Glosse voneinander abzugrenzen (Kapitel 7).

Den Hauptpunkt dieser Arbeit bildet die Darstellung der Wirkungen und Funktionen von Ironie. Darum werden die Fragen Welche Wirkung erzielt der Produzent beim Rezipient bei der Ironieverwendung ? und Welche Funktion verfolgt er damit? in den Mittelpunkt des Kapitels 8 gestellt. Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass die unterschiedlichen Funktionen und Wirkungen nicht vollkommen getrennt voneinander auftreten. Dennoch ist zu erwarten, dass eine die Hauptfunktion bildet und andere nebengeordnet erscheinen. In der Schlussbetrachtung (Abschnitt 8.3.) werden die Ergebnisse der Analyse zusammengefasst, um anschließend in Kapitel 9 eine Resümee zu ziehen.

I. Theoretischer Hintergrund

2. Begriffsdefinition der Ironie

Das Phänomen der Ironie begegnet uns beinahe täglich, sei es in Privatgesprächen oder in Texten der Printmedien. Dennoch besteht keine einheitliche Auffassung über diese sprachliche Erscheinung. Bereits seit den Anfängen der Begriffsgeschichte existiert eine Fülle von Definitionsversuchen, Erläuterungen und Darstellungen, die zwar zum einen ergänzend zu betrachten sind, sich zum anderen aber auch widersprechen. Im folgenden Kapitel wird zunächst die Bedeutungsveränderung des Begriffs in den unterschiedlichen geschichtlichen Zeiten dargestellt, um anschließend zu einer Begriffsdefinition zu gelangen, die den Ansichten des 20. Jahrhunderts nachkommt. Ferner ist es notwendig, die Ironie von anderen Formen, wie der der Lüge oder des Scherzes, abzugrenzen, um sie in ihrer Fülle zu erfassen.

2.1. Begriffsursprung und -entwicklung der Ironie

Aus historischer Perspektive wird die Ironie in der Linguistik dem Bereich der Rhetorik1 zugeordnet und gilt traditionell als Stilmittel, um in öffentlichen Auseinandersetzungen den gegnerischen Standpunkt anzugreifen. Der Begriff bezeichnet eine Redeweise, bei der das Gegenteil des Geäußerten gemeint ist. Der früheste schriftliche Beleg lässt sich auf Aristophanes2 zurückführen, der mit dem Begriff eiron Menschen beschreibt, "die elastisch wie Gummi oder schlüpfrig wie Öl sind" (Lapp 1997²: 18). Sie betrügen durch „leere Redensarten, hohles Geschwätz und [geben] sich den Schein des Wissens, um zu täuschen, zu heucheln, zu höhnen, zu spaßen und sich durchzuschwindeln“ (ebenda: 18). Diesen Begriff bezieht Aristophanes auf Sokrates3, den er als „protzerischen

2.1. Begriffsursprung und -entwicklung der Ironie

Scharlatan, der wissenschaftlichen Unsinn von sich gibt“ (Behler 1972: 18; Bergson 1971: 414) bezeichnet und Platon4, der zwar die “positive, pädagogische Funktion der spezifisch sokratischen Ironie (der Haltung des prätendierten Nichtwissens) herausstellt, [aber] nicht eindeutig Stellung bezieht“ (Lapp 1997²: 18). Aristophanes fasst den Begriff eiron als eine geistige Betrügerei und Heuchlerei auf. Dieses Verständnis ist ebenso bei Platon zu finden, der unter eironeuestai ‚leeres Geschwätz‘ versteht, das sich den Schein des Wissens gibt. Er sieht die sokratische Ironie als ein kritisch-schadenfrohes Spiel der Überheblichkeit, indem sich Sokrates gegenüber seinem Gesprächspartner nicht ernsthaft verkleinert und Demut erweist, sondern sich vielmehr in der Verhöhnung und Verspottung des ‚großspurig‘ auftretenden Gegners übt (vgl. Ribbeck 1876: 383).

Demgegenüber ist die Auffassung Aristoteles5 zu setzen. Nach seiner Meinung ließ sich Sokrates nicht von Verspottung oder Verhöhnung leiten, sondern zeigte vielmehr das Feingefühl, seine eigenen Vorzüge in den Schatten zu stellen und Nachsicht gegenüber seinen Gesprächspartnern zu zeigen, um ihnen so in pädagogischer Absicht ihre Unwissenheit deutlich zu machen (vgl. Lapp 1997²: 19).

Dies zeigt, dass sich mit Aristoteles und seiner Auseinandersetzung mit dem Begriff ein Bedeutungswandel vollzog. Dennoch fiel es auch ihm schwer, eine einheitliche Definition zu finden. Er erörterte seine Lehre der Ironie anhand der ethischen Tugenden und fasste den Begriff eironeia als eine Form des Scherzes auf: „Der eiron amüsiert sich selbst, im Gegensatz zum simplen Possenreißer (bomolochos), der mit seinen Scherzen andere belustigt“ (Aristoteles 19955: 223). Mit dem Begriff eiron bezeichnete Aristoteles ein bestimmtes Verhalten im gesellschaftlichen Umgang. Der eiron weicht von der Wahrhaftigkeit als moralischer Norm ab, indem er untertreibt und bescheiden tut. Diesem Verhalten setzte Aristoteles das des alethes gegenüber, welches durch Übertreibung und Prahlerei charakterisiert ist (vgl. Lapp 1997²: 20). Zwischen diesen Bezeichnungen besteht jedoch keine klare Grenze, daher kann eine Form fließend in die andere übergehen. Dennoch sind beide Formen Abweichungen in der Einstellung zur Wahrhaftigkeit innerhalb der aristotelischen Tugendlehre und moralisch fehlerhaft.

Neben der ethisch-sozialen Komponente nahm auch der rhetorisch-technische Gebrauch der Begriffe entscheidenden Einfluss auf die Herausbildung des klassischen Ironieverständnisses. So lautet es bereits im Lehrbuch Rhetorica ad

2.1. Begriffsursprung und -entwicklung der Ironie 7

Alexandrum von Anaximenes von Lampsakos6 aus dem 4. Jahrhundert v. Chr., dass die eironeia auch ein rhetorisches Mittel sei, den Gegner zu verspotten, zu demütigen oder lächerlich zu machen. Die Ironie wird als spöttische Redeweise bezeichnet, bei der „das Gegenteil des Gemeinten zum Ausdruck gebracht wird“ (Lapp 1997²: 21). Diese Definition hat sich in der Figuren- und Tropenlehre aus der Antike bis in die Gegenwart behauptet. Als Tropos kann sich die Ironie auf ein einzelnes Wort beziehen oder als Figur den ganzen Gedanken umgestalten (vgl. Lausberg 1990³: 446f.). Zur stärkeren Klassifizierung des Begriffs Ironie und um das Spezifikum herauszustellen, wurde die Definition des Anaximenes später durch den Zusatz erweitert, dass der Tenor des Sprechens, die Betonung, Mimik und Gestik, die wahre Meinung des Ironikers durchscheinen lasse (vgl. Büchner 1941: 355f.; Behler 1972: 25).

Bei Cicero7 wird der Begriff der Ironie einfacher dargestellt. Übereinstimmend mit den vorangegangenen Ironieauffassungen ist, dass die Intention des Sprechers von dem abweicht, was er tatsächlich sagt, und dass der Hörer das Gegenteil von dem Geäußerten versteht. Dennoch wird die ursprüngliche Bedeutung der griechischen euroneia bei Cicero auf die Redefigur beschränkt, durch die das Gegenteil der wirklichen Bedeutung geäußert wird. Bei Cicero (1986²: 383) heißt es: "Von feinem Witz zeugt auch die Ironie (dissimilation), bei der man anders redet, als man denkt." Darin kommt das elementare Kriterium des sprachlichen Phänomens zum Ausdruck: Das wörtlich Gesagte stimmt mit dem inhaltlich Gemeinten nicht überein. Dies beschreibt die Ironie als Verstellung, die durch Gestik, Mimik, Kontext und Intonation demaskiert wird. Aus dieser Spannung zieht sie ihren Reiz. Ihre Struktur bietet ein humorvolles Potenzial, welches der Rezipient in der Situation realisieren muss. Folglich kann dieselbe ironische Äußerung je nach Hörer Erheiterung oder Verärgerung hervorrufen - mit einem Lob kann getadelt oder umgekehrt durch vorgeblichen Tadel jemand gelobt werden (vgl. Lapp 1997²: 23). Quintilian8 unterschied dabei zwischen simulatio und dissimulatio: "In einem Fall stellt man sich, als sei einem eine bestimmte Auffassung wirklich zu eigen, im anderen Fall ver stellt man sich und versucht seine eigene Meinung zu verbergen" (Quintilian, Inst. or II, 3, 85. Zitiert nach Lapp 1997²: 23).

Cicero erweiterte diese Gegenteilsdefinition und unterschied sie von der Form Ironie, bei der nicht genau das Gegenteil vom Gemeinten gesagt wird, sondern lediglich etwas anderes. Lapp (1997²) sieht in dieser Erweiterung den Grund, warum sowohl Cicero als auch Quintilian die Ironie als eine Form des Scherzens

2.1. Begriffsursprung und -entwicklung der Ironie

betrachten. Nach Knox (1973: 25f.) können vier Ironiedefinitionen zusammenfassend festgehalten werden, von denen insbesondere die beiden letzteren für eine Analyse der Funktion und Wirkung von zentraler Bedeutung sind:

1. Das Gegenteil von dem sagen, was man denkt.
2. Etwas anderes sagen, als man meint.
3. Tadeln durch falsches Lob, loben durch falschen Tadel.
4. Jede Art des Sichlustigmachens und Spottens.

Während die Definitionen 1. und 2. grundlegend für die Darstellung ironischer Strukturen geeignet sind, beziehen sich die letzen beiden vielmehr auf den Zweck und das Ziel ironischer Äußerungen. Nach Rosengren (1986) sind in diesen Definitionen verschiedene Seiten der Ironie verzeichnet. In der ersten wird ein Merkmal beschrieben, das die Ironie mit der Lüge gemein hat. Die zweite schließt unweigerlich die erste ein und die dritte Definition fokussiert das Ziel, welches der Sprecher mit der ironischen Äußerung verfolgt. In der vierten sieht Rosengren mehr beinhaltet, als zur Ironie gezählt werden soll (vgl. Rosengren 1986: 43). Auffallend ist, dass keine der Definitionen eine klare Abgrenzung zur L ü ge schafft. Auch bei der Lüge äußert der Sprecher etwas anderes als er meint. Das Geäußerte entspricht nicht der Wahrheit. Gleichermaßen wie bei der Lüge hat auch die Ironie etwas mit dem Wahrheitsbegriff zu tun, denn das, was der Sprecher sagt, ist nicht wahr. Der wesentliche Unterschied liegt aber darin, dass der Sprecher nicht beabsichtigt, dass der Hörer glauben soll, was er sagt. Seine Intention ist, dem Hörer eben genau das Gegenteil vom Geäußerten zu verstehen zu geben (vgl. ebenda: 43). Somit haben Lüge und Ironie ein Merkmal gemein, aber unterscheiden sich in einem anderen wesentlich voneinander. Mit einer Formel kann es wie folgt dargestellt werden (vgl. Falkenberg 1982: 71ff.):

Lüge: Sprecher behauptet p, glaubt aber -p; Hörer soll p glauben

Ironie: Sprecher behauptet p, glaubt aber -p; Hörer soll -p glauben.9

Im Laufe der Zeit veränderte sich die Ironieauffassung im Bereich der Rhetorik und Stilistik nicht wesentlich, wodurch die vorangehenden Ironiedefinitionen seit dem Mittelalter Kern vieler Lexikonerklärungen sind. Aber in der Mitte des 18. Jahrhunderts erfuhr der Begriff in der Literatur Nuancierungen und Ausweitungen. Dabei wurden charakteristische Merkmale der rhetorischen Ironie auf eine literarische Form übertragen, wodurch besonders in England eine satirische Literaturform entstand, bei der die Romanstruktur als Ausdrucksmittel der Ironie diente (vgl. Lapp 1997²: 27). Zu den ausübenden Autoren in Europa

2.1. Begriffsursprung und -entwicklung der Ironie

zählten unter anderem William Shakespeare10 und Johann Wolfgang von Goethe11. Die Praktizierung von Ironie in ihren Werken gipfelte in der Ausbildung eines neuen Kunstbegriffs, der sogenannten romantischen Ironie, bei der der Verlauf des Stückes durch vielerlei Effekte mehrfach unterbrochen wurde, um die Rezeptionshaltung des Publikums zu stören12 (vgl. Lapp 1997²: 27).

Die Entwicklung des Ironiebegriffs und die unterschiedliche Charakterisierung zeigt deutlich die Schwierigkeit einer einheitlichen Definition. Die ursprüngliche Bezeichnung von Platon, der die Ironie als ein "leeres Geschwätz von Priestern, Tyrannen, Volksrednern und Sophisten" charakterisierte, wurde bereits bei Aristoteles zu einem "Kleintun aus Höflichkeit und Rücksichtnahme" (ebenda: 28). Wesentlichen Einfluss nahm ferner die Auffassung der eironeia als spöttische und hochmütige Redensart, die zur Demütigung und Bloßstellung der gegnerischen Partei verwendet wurde. Hier steht folglich nicht mehr das ‚Kleintun’, sondern vielmehr die Verstellung im Mittelpunkt, indem das Gegenteil des Gesagten zum Ausdruck kommt.

In gleicher Weise lautet es bei Müller (1989: 189ff.), der die Ironie in der Form betrachtet, dass durch ein wörtlich Gesagtes ein ironisch Gemeintes "übersetzt" wird:

[Es] handelt [...] sich bei der Ironie um einen Tropus, der einen Ausdruck (Substituendum) durch einen semantisch entgegengesetzten Ausdruck (Substituens) ersetzt und zwar in der Weise, dass der ersetzte Ausdruck aufgrund bestimmter Signale [...] für den Adressaten in ironischen Äußerungen erkennbar ist.

[...]

Der Unterschied zwischen Ironie und L ü ge besteht darin, dass bei der Ironie die semantische Inversion durchsichtig und die eigentliche Bedeutung rekonstruierbar ist, während bei der L ü ge die semantische Inversion undurchsichtig und die wahre Meinung des Sprechers nicht rekonstruierbar ist.

In diesen Definitionsformulierungen sieht Preukschat (2007: 255) den Hauptkritikpunkt, dass sie nicht den Mehrwert ironischer Äußerungen erklären:

Wenn lediglich eine Bedeutung (Gesagtes) durch eine andere (Gemeintes) ersetzt werde, ergebe sich keine plausible Begründung dafür, warum hier überhaupt ein indirekter Weg beschritten wird. Wichtig sei deshalb die Erkenntnis, "dass die ironische Bedeutung gerade auf dem Spannungsverhältnis zwischen wörtlicher und abgeleiteter Bedeutung aufbaut und nicht wie vielfach angenommen die wörtliche Bedeutung einfach substituiert, sondern für ein ‚Mehr’ an Bedeutung sorgt".

2.2. Abgrenzung der Ironie zu anderen Stilformen

Obwohl im vorherigen Kapitel die Entwicklung des Ironiebegriffs ausführlich dargestellt wurde, bleibt es immer noch schwierig, auf dieser Basis einen Text als ironisch zu interpretieren. Da dieses Phänomen anderen stilistischen Formen sehr ähnelt, besteht die Gefahr, dass sie miteinander verwechselt werden. So wird z.B. häufig in Alltagssituationen irrtümlich der Sarkasmus als Ironie interpretiert, da die Phänomene dicht beieinander liegen. Im Gegensatz zur Ironie ist der Sarkasmus ein direkter Angriff auf eine Person, Institution oder Norm, der als direkter Sprechakt formuliert wird, d.h. es wird keine anders gemeinte Bedeutung übermittelt.13 Deshalb wird in diesem Abschnitt die Ironie von einigen angrenzenden Formen auf der Grundlage des Duden Universalwörterbuchs (20066) unterschieden.14

1. Ironie: die; -, -n (Pl. selten) [lat. Ironia < griech. eironeía = geheuchelte Unwissenheit, Verstellung; Ironie]: feiner, verdeckter Spott, mit dem jmd. etw. dadurch zu treffen sucht, dass er es unter dem augenf ä lligen Schein der eigenen Billigung l ä cherlich macht: eine feine, zarte, bittere, verletzende I.
2. Satire: die; -, -n [lat. satira] [...] Kunstgattung (Literatur, Karikatur, Film), die durch Ü bertreibung, Ironie u. [bei ß endem] Spott an Personen, Ereignissen Kritik ü bt, sie der L ä cherlichkeit preisgibt, Zust ä nde anprangert, mit scharfem Witz gei ß elt
3. Parodie: die; -, -n [frz. parodie < griech. parodía] 1. (bildungsspr.) komisch- satirische Nachahmung od. Umbildung eines [ber ü hmten, bekannten] meist k ü nstlerischen, oft literarischen Werkes od. des Stils eines [ber ü hmten] K ü nstlers: eine schlechte P. 2. [komisch-sp ö ttische] Unterlegung eines neuen Textes unter eine Komposition
4. Travestie: die; -, -n [engl. travesty] (o. Pl.) komisch-satirische literarische Gattung, die bekannte Stoffe der Dichtung ins L ä cherliche zieht, indem sie sie in eine ihnen nicht angemessene Form ü bertr ä gt
5. Sarkasmus: der; -, ...men [spätlat. sarcasmos < griech. sarkasmós] bei ß ender, verletzender Spott, Hohn, der jmdn., etw. l ä cherlich machen will.
6. Karikatur: die; -, -en [ital. caricatura < vlat. carricare] Zeichnung o. Ä ., die durch satirische Hervorhebung bestimmter charakteristischer Z ü ge eine Person, eine Sache od. ein Geschehen der L ä cherlichkeit preisgibt.
7. Groteske: die; -, -n (Kunstwiss., Literaturwiss.) Darstellung einer verzerrten Wirklichkeit, die auf paradox erscheinende Weise Grauenvolles, Missgestaltetes mit komischen Z ü gen verbindet.
8. Komik: die; - [frz. le comique] (von Worten, Gesten, einer Situation, Handlung, o. Ä . ausgehende) komische (= durch eigenartige Wesensz ü ge belustigend in seiner Wirkung, zum Lachen reizend) Wirkung
9. Humor: der; -s, -e (Pl. Selten) [älter engl. humour < lat. (h)umores] 1. (o. Pl.) F ä higkeit u. Bereitschaft, der Unzul ä nglichkeit der Welt u. der Menschen, den Schwierigkeiten u. Missgeschicken des Alltags mit heiterer Gelassenheit zu begegnen. 2. sprachliche, k ü nstlerische o. ä . Ä u ß erung einer von Humor bestimmten Geisteshaltung, Wesensart: gezeichneter H. (Humor in der Kunstform der Karikatur o.Ä.)
10. Hohn: der; -[e]s [mhd. (md.) hōn, ahd. hōna] mit verletzendem, bei ß endem Spott verbundene, unverhohlene Verachtung
11. Spott: der; - [e]s [mhd., ahd. spot] Ä u ß erung od. Verhaltensweise, mit der sich jmd. ü ber jmdn., jmds. Gef ü hle o. Ä . lustig macht, seine Schadenfreude ausdr ü ckt, ü ber jmdn., etwas frohlockt
12. Witz: der; -es, -e [mhd. witz(e), ahd. wizzī] [pr ä gnant formulierte] kurze
Geschichte, die mit einer unerwarteten Wendung, einem ü berraschenden Effekt, einer Pointe am Ende zum Lachen reizt
13. Scherz: der; -es, -e [mhd. scherz] nicht ernst gemeinte [witzige] Ä u ß erung, Handlung, die Heiterkeit erregen soll
14. Spaß: der; -es, Späße [ital. spasso] ausgelassen-scherzhafte, lustige Ä u ß erung, Handlung o. Ä ., die auf Heiterkeit, Gel ä chter abzielt.

2.2. Abgrenzung der Ironie zu anderen Stilformen

In der folgenden Abbildung 1 werden die wesentlichen Eigenschaften der erwähnten Formen kurz zusammengefasst und mit denen der Ironie verglichen.15

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Eigenschaften von Ironie und ähnlichen Stilformen: Mittel und Ziele. (Kohvakka 1997: 27f.)

Unter der Kategorie „Mittel“ sind die Formen zusammengefasst, mit deren Hilfe das Phänomen u.a. sprachlich realisiert wird, wie z.B. Umstellungen, Umbildungen, Nachahmungen, Widerspr ü chlichkeiten oder Verstellungen innerhalb des Textes. Ziele hingegen sind nach Kohvakka (vgl. 1997: 26ff.) all das, was mit diesen Darstellungsweisen erreicht werden soll. Dazu können Heiterkeit, L ä cherlich-Machen, In-Frage-Stellen, Kritik oder die Beeinflussung gehören. Auch die Ausflucht kann als ein „Nebenziel“ angesehen werden, wenn „der Sprecher nicht so verstanden wird, wie er will“ (ebenda: 26).

Einige der Ziele und Mittel können sich in ihrer Erscheinungsform überschneiden, was darauf hinweist, dass eine konkrete Unterscheidung nur schwer zu realisieren ist. Im Gebrauch der einzelnen Stilformen können nach andere Stilformen unter anderem als Mittel benutzt werden,

2.2. Abgrenzung der Ironie zu anderen Stilformen

in der literarischen Satire z.B. Ironie, Spott oder Witz. Die Ironie tritt ebenfalls im Rahmen der Parodie und Karikatur auf. Ironische Texte können wiederum auch parodistische Textabschnitte enthalten, obwohl der Text als Ganzes keine Parodie darstellt. Die literarische Karikatur wird dagegen z.B. in den literarischen Gattungen Komik, Parodie und Satire gebraucht. Einige Stilformen können auch als Formen anderer Kunstgattungen angesehen werden: die Karikatur z.B. als Bildsatire. (Kohvakka 1997: 26)

Die tabellarische Übersicht macht deutlich, in welchen Punkten die Ironie mit anderen Formen übereinstimmt. Die häufigsten Übereinstimmungen treten im Bezug zur Satire, Parodie, Travestie oder Karikatur auf, was bereits durch die zuvor aufgeführten Definitionen zu erwarten war. So sind in den Definitionen des Dudens Begrifflichkeiten wie Übertreibung (Satire), Nachahmung oder Umbildung (Parodie), etwas ins Lächerliche ziehen (Travestie), oder etwas der Lächerlichkeit preisgeben (Karikatur) zu finden, die problemlos auf die Beschreibung der Ironie zutreffen, denn auch sie versucht etwas zu treffen, indem sie es lächerlich macht. Überraschenderweise wird jedoch deutlich, dass die Ironie, die häufig als eine negative Erscheinung angesehen wird, nach den Wörterbuchdefinitionen mit den rein negativen Stilformen Sarkasmus, Hohn und Spott verhältnismäßig wenig übereinstimmende Eigenschaften aufweist (vgl. ebenda: 29). Ferner ist es interessant, dass die unterschiedlichen Stilformen, durch die Nennung anderer Formen, erklärt werden. Dies verdeutlicht, wie nah die genannten Formen beieinander liegen und sich dennoch in Feinheiten unterscheiden.

Der Vergleich beabsichtigte, die Ironie von anderen ähnlichen Phänomenen zu unterscheiden. In Anlehnung an Kohvakka ist es gelungen, die Ironie zu isolieren und die grundlegenden Unterschiede zu verdeutlichen:

1. Nur bei der Ironie wird die Verstellung (etwas sagen, aber das Gegenteil oder etwas anderes meinen) versteckt signalisiert. Es wird zwar offen die Unaufrichtigkeit der Äußerung simuliert, aber dennoch erfolgt die Offenheit getarnt. Darum ist das Verstehen der Ironie mitunter nur unter gleichgesinnten Kommunikationspartnern möglich.
2. Nur in der Ironie kann das absolute Gegenteil des Gemeinten geäußert werden.
3. Aufgrund der zuvor dargestellten Eigenschaften, hat der Sprecher nur bei dem Gebrauch der Ironie, wenn sie nicht verstanden wird, die Möglichkeit zum Rückzug. (ebenda: 26f.)

Folglich entstehen bei der Verwendung der Ironie zwei Interpretationsebenen: Zum einen die ironische und zum anderen die wörtliche Bedeutung. Diese Ausführung soll zur Abgrenzung des Phänomens Ironie von anderen Erscheinungsformen genügen.

3. Ironiesignale

Eine der einflussreichsten Arbeiten zur linguistischen Analyse der Ironie stammt von Weinrich Linguistik der L ü ge (20006). Seine Überlegungen knüpfen an die Erkenntnisse der Rhetorik an, in denen er eine Feststellung und Systematisierung von Ironiesignalen unternimmt:

Zur Ironie gehört das Ironiesignal; man tut klein und man gibt gleichzeitig zu verstehen, daß man Kleintut. Man verstellt sich, gewiß, aber man zeigt auch, daß man sich verstellt. Das Ironiesignal ist ebenso konstitutiv für die Ironie, wie das Kleintun. (Weinrich 20006: 60)

Zu den erwähnten Ironiesignalen zählt Weinrich mimische, gestische und intonatorische Modulationen, wie Augenzwinkern, Räuspern, eine emphatische Stimme oder die Häufung ‚bombastischer‘ Ausdrücke, gewagte Metaphern, überlange Sätze, Wortwiederholungen oder in gedruckten Texten den Kursivdruck und die Anführungszeichen (vgl. Lapp 1997²: 29). In der gesprochenen Sprache wird die Verdeutlichung von Ironie auf unterschiedlicher Weise realisiert, hingegen der Ironiker bei der geschriebenen Sprache vor eine größere Hürde gestellt wird, da keine mimischen, gestischen und intonatorischen Hinweise gegeben werden. Aus der alltäglichen Erfahrung mit ironischen Äußerungen kann der Hinweis gezogen werden, wie viele Ironiesignale nur in kleinen Nuancen liegen: „Ironiesignale, die durch geschriebene und gedruckte Texte wirken sollen, müssen vielfach aus der nuancenreichen gesprochenen Sprache erst in ein anderes Ausdrucksmedium übersetzt werden“ (Weinrich 20006: 67). Folglich ist es notwendig, die Wörter so zu wählen, dass man sie gar nicht anders, als mit einem gewissen ironischen Tonfall, lesen kann.

Zudem ist es möglich, Ironiesignale so einzusetzen, dass eine Fehlinterpretation klar auszuschließen ist. Diese Offensichtlichkeit, die durch die Addition von Kontext und sprachlichen Ironiesignalen gegeben wird, gilt allerdings als ‚platt’ und wenig kunstvoll (vgl. Prestin 2000: 58). Gieszmann (1977: 415) erklärt die allgemeine Bevorzugung verdeckter Formen damit, dass „die Ironie um so wirkungsvoller [ist], je weniger plump das Signal angebracht wird.“ Aber eine der folgenden Bedingungen muss erfüllt sein, damit die Ironie erfolgreich übermittelt werden kann:

1. Der Rezipient kann mit Hilfe des Kontextes die Unernsthaftigkeit des Gesagten erkennen.
2. Der Rezipient wird durch (sprachliche) Ironiesignale auf die Unernsthaftigkeit des Gesagten hingewiesen. (Prestin 2000: 58f.)

Eine Analyse möglicher Ironiesignale von Lapp (1997²: 30) ergab, dass „praktisch alles Ironie signalisieren kann, d.h. es ist kaum absehbar, welches sprachliche oder nicht-sprachliche Mittel nicht als ‚Marker’ für ironische Äußerungen gelten kann; die sprachlichen und außersprachlichen Möglichkeiten sind hier geradezu unbegrenzt“. Aber der Charme einer ironischen Äußerung besteht gerade darin, sich nicht allzu deutlich kenntlich zu machen.

Nach Warning (1976: 420) sind Ironiesignale nur unter Betrachtung des jeweiligen Sprechaktes bestimmbar. Darum sollten sie nicht als konventionelle sprachliche oder außersprachliche Zeichen im Sinne eines selbstständigen Kodes angesehen werden. Damit widerspricht Warning (1976) der Auffassung von Weinrich (20006), der mehrere Arten von Ironiesignalen aufzählt.16 Aber auch Clyne (1974) wählt eine ähnliche Formulierung wie Warning, nach der alle sprachlichen Aspekte Ironie-Marker sein können. Entscheidend sei der Subkode, d.h. die „soziolinguistischen Variablen Themenbereich, Gesprächspartner, Rollenverhältnis und der Interaktionstyp… Jegliche Inkongruenz zwischen diesen Variablen und der Wahl des Kodes oder der sprachlichen Elemente, jegliche ‚Übertreibung’ des Kodes kann daher potentiell ironische Wirkung haben“ (Clyne 1974: 346). Seiner Ansicht nach seien besonders die lexikalischen Markierungen deutlich erkennbar, da sie unmittelbar aus dem Kontext ersichtlich sind.

Eine weitere Formulierung ist bei Groeben/Scheele (1986²: 61) zu finden, die Ironiesignale mit Störfaktoren bezeichnen, da sie „eine wörtliche Interpretation der Äußerung verhindern sollen und nur relativ zu konkreten Sprechakten bestimmbar sind“. Damit sollen sie dem Hörer die Entscheidung erleichtern, ob eine ironische oder ernsthafte Äußerung vorliegt. Trotz der unterschiedlichen Termini ist allen Auffassungen gemein, dass der Ironiker sicher gehen muss, dass der Hörer die Unernsthaftigkeit seiner Äußerung erkennt.

Die heutige Ironieforschung betont, dass es keine festen Ironiesignale gibt, sondern lediglich Distanzierungsverfahren, die u.a. Äußerungen als ironisch ausweisen können (vgl. Hartung 1998: 172f.; Kotthoff 2002: 448). Der Sprecher einer ironischen Äußerung verfügt folglich über unterschiedliche Signalisierungsmöglichkeiten, zu denen unter anderem auch die Wortstellung und Wiederholungen gehören. Er kann jedoch auf die Signalisierung der Unernsthaftigkeit verzichten, wenn der Kontext offenkundig hergibt, dass das Gesagte nicht ernst zu nehmen ist, wie in der Äußerung Tolles Wetter! bei strömenden Regen (vgl. Prestin 2000: 58). Eine übersichtliche Darstellung möglicher Ironiesignale findet sich bei Hoppe (2000: 168f.) und wird im Folgenden exemplarisch aufgelistet:

Gestik/ Mimik:
Übertriebene Gebärden, Lachen, Augenzwinkern, Nachahmungen, u.a.

Phonetik/ Graphemik:
Intonationsänderung, Stimmenverstellung, Alliterationen, Interpunktionsabweichungen oder Übertreibung, Kursivsetzung, Anführungszeichen, auffällige Orthographiefehler, Anführen von Emotionen z.B. Smileys, u.a.

Morphologie/ Syntax:
Lange Komposita, Wiederholungen, Neologismen, Superlative, elliptische Konstruktionen, Inkongruenz zwischen syntaktischer Konstruktion und banalem

Inhalt, komplizierte Einschachtelungen, Verwendung von Dialektausdrücken oder Fachtermini, u.a.

Semantisch-logische Ebene:
Kausallogische Widersprüche, Widerspruch zu generellem Wissen (Behaupten absurder Dinge), Ersetzung von festgelegten semantischen Bestandteilen von Redewendungen, starke Über- bzw. Untertreibungen, u.a.

Pragmatische Ebene:
Verstoß gegen die Konversationsmaximen, Widersprüche aufgrund allgemeiner Werte und Normen, u.a.17

Eberenz (1993:70) sieht das Charakteristische der Ironie in der Intonation, weshalb sie sich auf die mündliche Kommunikation beschränke und „in der Literatur so schwer zu fassen“ sei. Dem aber stellt Prestin (2000) entgegen, dass es zahlreiche Beispiele von Ironie in Printmedien und der Literatur gäbe und sich damit das Stilmittel nicht ausschließlich auf die mündliche Kommunikation begrenzen ließe. Als Analogon zur Intonation „bietet sich im Bereich der Printmedien beispielsweise das Layout an, das unter anderem Schriftart, Hervorhebung durch farbige Kästen etc. umfasst“ (Prestin 2000: 57). Auch unter der Beachtung, dass die Ironie in der mündlichen Kommunikation nicht immer mit einer speziellen Intonation verbunden ist, kann die vorgebrachte Charakterisierung von Eberenz widerlegt werden. In der Äußerung Tolles Wetter! bei strömenden Regen ist keine besondere Intonation notwendig, da der Kontext ausreicht, um die Ironie des Gesagten erfassen zu können.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass es keine festgeschriebenen Ironiesignale gibt, sondern sie sich in der Kommunikation ergeben und erwartete Gesprächsstrukturen durchbrechen, um den Rezipienten darauf aufmerksam zu machen, dass das Geäußerte mit dem Gemeinten nicht übereinstimmt.

4. Linguistische Ironietheorien

Die vorangegangenen Kapitel konnten bereits die Besonderheit der Ironie klar herausstellen: Das wörtlich Gesagte stimmt mit dem ironisch Gemeinten nicht überein. Es liegt folglich eine Diskrepanz zwischen der Äußerung selbst und deren Bedeutung vor.

In den weiterführenden Abschnitten folgt ein Überblick über die bisherigen Theorieansätze zur Ironie innerhalb der Linguistik. Die linguistische Pragmatik konnte sich als eigenständige Disziplin mit der Sprechakttheorie nach Austin (1962) und Searle (1969), die Sprechen als eine Handlung auffassten, etablieren. Auch der Sprachphilosoph H. Paul Grice (1975) beschäftigte sich mit den allgemeinen Regeln der natürlich sprachlichen Konversation. Diese Theorieauffassungen bilden den Ausgangspunkt der Betrachtung des sprachlichen Phänomens Ironie . Auf diesem Verständnis aufbauend haben sich in jüngerer Zeit weitere Ironietheorien gebildet, die sich zum Teil widersprechen, ergänzen oder aufeinander aufbauen. Aus diesen Darstellungen sollen die grundlegenden Merkmale der Ironie ersichtlich werden.

4.1. Implikaturtheorie nach Grice

Grices Implikaturtheorie ist eine Theorie darüber, wie Menschen die Sprache benutzen. Er geht davon aus, dass Richtlinien für die Kommunikation existieren, die die Gesprächsführung steuern (vgl. Levinson 2000³: 104). Grundsätzlich nehmen Sprecher und Hörer innerhalb einer Kommunikation an, dass sie sich kooperativ verhalten. Das bedeutet, dass sie ihren Gesprächsbeitrag genau so gestalten, wie es das Gespräch erfordert. Grice betrachtet ein Gespräch als eine Form von kooperativem Handeln, bei dem zwei oder mehrere Individuen zusammen wirken, um ein gemeinsames Ziel, „einen maximal effektiven Informationsaustausch“, zu erreichen (Grice 1975: 47).

In dieser Annahme sieht man sich aber in einigen Fällen von Äußerungen getäuscht. Das folgende Beispiel soll dies belegen (Schwäbisches Tagblatt: 5.9.97, zitiert nach Meibauer 2008²: 25):

(1) Fraktionssprecher Joschka Fischer (Bündnis 90/Die Grünen) auf die Frage, welchen

SPD-Kanzlerkandidaten seine Partei bevorzuge:

Wir haben uns auf der Klausurtagung für August Bebel entschieden.

In der Antwort von Joschka Fischer wird klar, dass er sie nicht ernst meinen konnte, denn zu diesem Zeitpunkt lebte August Bebel18 bereits nicht mehr. Der Hörer nimmt folglich eine Diskrepanz zwischen dem wörtlich Gesagten und dem inhaltlich Gemeinten wahr und sieht die wörtliche Bedeutung der Aussage als unwahr an. Darüber hinaus aber ergeben sich weitere Bedeutungsvarianten, die sich aus dem Kontext erschließen lassen. Nach Meibauer (vgl. 2008²: 24) besteht die Möglichkeit, dass Joschka Fischer mit seiner Äußerung dem Journalisten zu verstehen geben wollte, dass sich die Partei zu diesem Zeitpunkt noch nicht einigen konnte, oder dass alle potenziellen Bewerber abgelehnt wurden. Grice bezeichnet diese Schlussfolgerung als konversationelle Implikatur. Es ist eine ermittelte (Zusatz-) Bedeutung einer Äußerung, die über den wörtlichen Gehalt einer Äußerung hinausgeht und sich auf dem Hintergrund „gewisser allgemeiner Diskursmerkmale“ (Grice 1975: 45) ermitteln lässt. Folglich war der Fraktionssprecher in diesem Beispiel nur scheinbar unkooperativ.

Nach Grice kann das Phänomen der konversationellen Implikatur erklärt werden, wenn die Kommunikation als eine Form von zielgerichtetem, kooperativem und rationalem Handeln betrachtet wird, bei dem die beteiligten Personen gewissen rationalen Prinzipien und Maximen folgen (vgl. Meibauer 2007²: 217). Als ein kommunikativ Handelnder kann ein Sprecher durch die Art der Kommunikationsrealisierung mit den nachfolgend erklärten Prinzipien und Maximen in Konflikt geraten und zu einer Nichterfüllung führen. Damit diesem Verhalten dennoch Bedeutung zukommt, muss angenommen werden, dass der Sprecher trotzdem kooperativ handelt, denn

[w]er etwas sagt, hat nicht nur zu beachten, was das Gesagte in der betreffenden Sprache bedeutet und in welchem Verhältnis es zu dem steht, was er sagen muß, kann, sollte oder will; wer etwas sagt - und das gilt für den, der es hört, gleichermaßen -, muß auch beachten, was das Gesagte in der betreffenden Situation bedeutet: Zu dem Gesagten in Beziehung steht auch das Gemeinte. (Rolf 1994: 109f.)

4.1.1. Kooperationsprinzip und Konversationsmaximen

Grices Verständnis, ein Gespräch als eine Form von kooperativem Handeln zu betrachten, bildet die Basis für die Annahme grundlegender Konversationsmaximen, die dem effizienten kooperativem Sprachgebrauch zugrunde liegen und die zusammen ein allgemeines Kooperationsprinzip ausdrücken (vgl. Levinson 2000³: 104). Diese Richtlinien werden nach Grice (1975) folgendermaßen formuliert (Übersetzt nach Meibauer 2007²: 216f.):

Das Kooperationsprinzip:

Gestalte deinen Gesprächsbeitrag genau so, wie es der Punkt des Gesprächs, an dem er erfolgt, erfordert, wobei das, was erforderlich ist, bestimmt ist durch den Zweck oder die Richtung des Gesprächs, an dem du teilnimmst!

Die Konversationsmaximen:

1. Maxime der Qualität
Versuche einen wahren Gesprächsbeitrag zu machen!
a) Sage nichts, was du für falsch hältst!
b) Sage nichts, wofür du keine adäquaten Evidenzen hast!

2. Maxime der Quantität
a) Mache deinen Beitrag so informativ wie erforderlich.
b) Mache deinen Beitrag nicht informativer als erforderlich.

3. Maxime der Relation
a) Sei relevant!

4. Maxime der Modalität Drücke dich deutlich aus!
a) Vermeide ungeläufige Ausdrücke!
b) Vermeide Ambiguitäten!
c) Fasse dich kurz! (Vermeide unnötige Weitschweifigkeit!)
d) Gehe geordnet vor!

Diese Maximen sollen verdeutlichen, wie der Sprecher auf eine möglichst effiziente und kooperative Art kommunizieren kann. Meibauer (2007²: 218) versucht, diese verschiedenen Maximen in einem Satz prägnant zusammenzufassen und gelangt zu folgender Formulierung: „Willst du ein Gespräch rational führen, so sei aufrichtig, drück dich verständlich aus und liefere hinreichende und relevante Informationen!“ Unter Betrachtung der real geführten Gespräche wird deutlich, dass die Einhaltung aller Maximen nur schwer realisierbar ist. Viele Gespräche sind von Weitschweifungen oder ausschmückenden Sequenzen geprägt und der Hörer wird mit Unklarheiten konfrontiert, die er sich durch Erfragungen beantworten muss. Bereits Grice war sich darüber im Klaren, dass die Gesprächspartner die Richtlinien nicht immer befolgen. Dennoch sieht er darin keine Widerlegung seiner Theorie, da es sich nicht um „deskriptive Generalisierungen handelt, sondern um normative Prinzipien und Maximen, genauer: um Rationalitätsstandards“ (ebenda: 218). Mit der Qualitätsmaxime wird nicht explizit gesagt, dass es moralisch nicht zu vertreten sei zu lügen, sondern es wird dem Kommunikationspartner rationalerweise unterstellt, dass er es nicht tut, denn es erscheint sehr irrational, bei jeder aufgestellten Behauptung zunächst anzunehmen, dass der Gesprächspartner nicht die Wahrheit sagt (vgl. Meibauer 2008²: 26). Verläuft ein Gespräch nicht nach den erwarteten Richtlinien, nimmt der Hörer an, dass die Prinzipien auf einer tieferen Ebene befolgt werden. Das folgende Beispiel soll dies verdeutlichen:

(2) A: Wo ist Michael?

B: Vor Susannes Haus steht ein gelber VW. (Levinson 2000³: 105)

In der Betrachtung des wörtlich Gesagten äußert B auf As Frage die Information, dass vor Susannes Haus ein gelber VW steht. Damit bietet B A wörtlich keine Antwort auf die Frage und scheint so die Quantitäts- und Relevanzmaxime zu verletzen. A könnte folglich Bs Antwort oberflächlich als unkooperativ einschätzen und als einen Versuch des Themenwechsels interpretieren. Aber A wird versuchen, Bs Antwort auf einer tieferen Ebene zu erfassen. Mit dem Ausgangspunkt, dass die Kommunikation kooperativ verläuft, wird sich A die Frage stellen, welche Verbindung zwischen Michaels Standort und dem Standort des gelben VWs bestehen könnte. So gelangt A zu dem Hinweis, den B tatsächlich übermittelt, dass Michael, wenn er einen gelben VW fährt, sich in Susannes Haus aufhalten könnte.

In diesen Situationen erfolgen Schlussfolgerungen, damit die Kooperationsannahme bewahrt wird (vgl. ebenda: 105). Je nach Situation ist davon auszugehen, dass etwas über das wörtlich Gesagte geäußert wird. Diese zusätzliche Bedeutung, die konversationelle Implikatur, muss aus dem Kontext erschlossen werden. Damit wurde auch im Beispiel (2) ein Fall beschrieben, in dem die Maximen nach Grice nur scheinbar verletzt wurden.

Auch der folgende Dialog ist ein Beispiel für eine konversationelle Implikatur:

(3) A: Wann findet die nächste Fakultätssitzung statt?
B: Ich glaube, dass in der nächsten Woche eine Fakultätssitzung stattfindet. (Meibauer 2007²: 220)

Hier scheint B zunächst auf As Aussage nicht adäquat zu antworten, denn er liefert nicht die Antwort, die erforderlich wäre. Somit verletzt er die Maxime der Quantität. Geht A jedoch davon aus, dass B kooperativ ist, so muss B einen Grund haben, eine Formulierung zu wählen, die eine Kommunikationsmaxime verletzt. Mit Blick auf die Maxime kann der Grund darin liegen, dass B die Maxime der Qualität einhalten und nichts sagen wollte, dessen er sich nicht ganz sicher ist. Folglich kann sich mit Hilfe des Kooperationsprinzips und der Maximen die Implikatur ableiten, dass B sich nicht sicher ist, wann die nächste Sitzung stattfindet.

Grice teilt das, was ein Sprecher mit seiner Äußerung insgesamt ausdrücken kann, in das, was „gesagt“ und das, was „implikatiert“ wird, ein. Der Deutlichkeit halber sei hier in Anlehnung an Meibauer (2007²: 221) eine schematische Darstellung des Griceschen Implikaturmodells wiedergegeben:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Arten von Implikaturen (Meibauer 2007²: 221)

Das Gesagte umfasst dabei den Teil der Gesamtbedeutung der Äußerung, der für die Wahrheit oder Falschheit eines Satzes einschlägig ist. Bei den Implikaturen unterscheidet Grice mehrere Arten. Im Gegensatz zu den konversationellen Implikaturen finden die Kommunikationsmaximen und das Kooperationsprinzip bei den konventionellen keine Beachtung. Nach Grice liegt z.B. eine konventionelle Implikatur vor, wenn jemand sagt:

(4) Sie ist Engländerin - folglich trinkt sie am liebsten deutschen Wein. (ebenda: 221)

Der Sprecher macht durch seine Formulierung deutlich, dass er der Ansicht ist, dass bei der Person das Trinken von deutschem Wein eine Konsequenz der Herkunft sei. Es wird also durch die konventionelle Bedeutung des Wortes folglich bestimmt, was „implikatiert“ werden soll (vgl. ebenda: 222). Diese Implikaturen sind relativ kontextunabhängig und werden deshalb auch in einiger Literatur als Standardimplikaturen beschrieben (vgl. Auer 1999: 98). Es sind nicht wahrheitsfunktionale Schlussfolgerungen, sondern sie werden durch besondere lexikalische Einheiten oder Ausdrücke durch Konvention hinzugefügt (vgl. Levinson 2000³: 129). Der Satz, dass Engländer am liebsten deutschen Wein trinken, kann somit nicht als falsch bezeichnet werden, da der Sprecher mit seiner Äußerung nicht sagt, dass ein solcher Zusammenhang besteht, sondern er ihn lediglich impliziert. Konventionelle Implikaturen liegen folglich vor, wenn die konventionelle Bedeutung der verwendeten Wörter bestimmt, was impliziert ist und nicht ausschließlich bestimmt wird, was gesagt worden ist (vgl. Rolf 1994: 125). Das wesentliche Merkmal, welches konventionelle Implikaturen von konversationellen unterscheidet, ist laut Grice (1989), dass sie nicht zurückgenommen werden können (vgl. Levinson 2000³: 128ff.).

[...]


1 Rhetorik (griech. rhetorike [techne], Redekunst, Kunst der schönen Rede, Lehre von der Redekunst. In der Antike und Renaissance spielt die Rhetorik eine zentrale Rolle. Sie betrifft als Kunst der Vermittlung nicht bloß die äußere Form oder Formulierung von Erkenntnis: a) Die Form und Formulierungsweise von Einsichten gehört zu diesen Einsichten notwendig hinzu. Eine Erfahrung wird erst zu wirklicher Erfahrung, wenn sie sprachlich gefasst zu werden vermag. b) Alles Verstehen bezieht sich auf den Menschen. Es muss vermittelt werden, muss sich an jemanden richten. Es soll insbesondere vermittelt werden, um Handlung zu ermöglichen. In der Vereinigung von Verstehen und Handeln, von Erkenntnis und Gefühl liegt für die rhetorische Tradition das Ziel (Hügli/ Lübcke 1991: 494).

2 Aristophanes (445-385 v. Chr.) war ein griechischer Komödiendichter, der in seinen Werken die Staatspolitik, das geistige Leben und die Sitten seiner Zeit thematisiert. Näheres dazu bei Möllendorff (2002: 57f.).

3 Sokrates (470-399 v. Chr.) gilt als Begründer der praktischen Philosophie. Die sokratische Methode beinhaltet die Widerlegung des Gegners mit seinen eigenen Prämissen (Hügli/Lübcke 1991: 533).

4 Platon (428/427-348/347 v. Chr.), Schüler Sokrates, wurde erheblich von den Ansichten Sokrates geprägt. Kernstück seiner Philosophie ist die Ideenlehre: Die Ideen (als das wahrhaft Seiende) sind die geistig erkennbaren Urbilder der sinnlich erfahrbaren Dinge, ihr Seins- und Erkenntnisgrund (Hügli/Lübcke 1991: 450).

5 Aristoteles (384-322 v. Chr.) gilt neben seinem Lehrer Platon als der bedeutendste Philosoph der griechischen Antike. Seine vielfältigen Forschungen, die er erstmals in verschiedene einzelwissenschaftliche Disziplinen einteilte, haben die Wissenschaftstheorie und -geschichte entscheidend geprägt. Sein Werk enthält Schriften unter anderem zur Logik, Wissenschafts- und Erkenntnistheorie, Ethik, Politik, Poetik und Rhetorik (Hügli/Lübcke 1991: 52).

6 Anaximenes von Lampsakos (383-320 v. Chr.) verfasste mehrere historische Werke. Seine Lehrschrift über die Rhetorik wurde lange Zeit fälschlicherweise Aristoteles zugeordnet (vgl. Schütz 2001: 42f.).

7 Cicero, Marcus Tullius (106-43 v. Chr.) römischer Redner, Politiker, Schriftsteller und Philosoph. In der Erkenntnistheorie vertritt einen gemäßigten akademischen Skeptizismus, in der Logik und Ethik einen Kompromiss zwischen stoischer und peripatetischer Theorie (Hügli/ Lübcke 1991: 111).

8 Quintilian (30-96 n. Chr.) wirkte als Redner in Rom und schrieb mit seinen zwölf Bänden der „Institutio oratoria“ die umfangreichste Rhetorik der Antike (vgl. Irmscher 19846: 464f.).

9 In dieser Formel beschreibt der Ausdruck (-p) „nicht p“, d.h. das Gegenteil von p.

10 William Shakespeare (1564-1616), englischer Dichter und bedeutender Dramatiker, arbeitete als Schauspieler und schrieb selbst Theaterstücke. Die Bürger besuchten seine Stücke um sie vorwiegend zu hören, da sie vieles allein durch die Sprache darstellten. Shakespeare war für die Literaturtheorie der Aufklärung, für die Dramatiker des Sturm und Drangs und für die deutsche Romantik und Dramentheorie von großer Bedeutung. Vgl. dazu Ackroyd/Müller (2006).

11 Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), deutscher Dichter, Dramatiker und Naturwissenschaftler der Weimarer Klassik. Näheres dazu in Ahnert (2007).

12 Da die literarische Ironie nicht Gegenstand dieser Arbeit ist, wird auf eine ausführliche Darstellung der literarischen Entwicklung verzichtet.

13 Ein Beispiel wäre: A: „Es gibt viele Psychotiker, die keinen Leidensdruck verspüren.“ B: „Es sei denn, sie kommen in die Psychiatrie!“ Näheres dazu bei Groeben/Scheele (1986²: 56f.).

14 Die Auswahl der Stilmittel erfolgt in Anlehnung an Kohvakka (1997). Die Formulierungen sind dem Duden wörtlich entnommen, und folglich in gleichem Wortlaut zu finden.

15 Die Abbildung hat nicht den Anspruch auf Vollständigkeit der beinhalteten Eigenschaften. Die Konzentration liegt auf denjenigen, die für die Abgrenzung von der Ironie von Bedeutung sind.

16 Näheres dazu bei Weinrich (20006: 64 ff.).

17 Vgl. dazu eine ähnliche Kategorisierung bei Groeben/Scheele (1986²: 62 ff.).

18 August Bebel (1840-1913): Politiker und Publizist; u.a. 1869 mit Wilhelm Liebknecht - Zusammenschluss des „Arbeiterbildungsvereins“ und der „Sächsischen Volkspartei“ zur „Sozialdemokratischen Arbeiterpartei“ (vgl. Herrmann/Emmrich 1989).

Details

Seiten
105
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640476756
ISBN (Buch)
9783640476633
Dateigröße
956 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v138055
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Institut für Germanistik
Note
2,3
Schlagworte
Phänomen Funktion Wirkung

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Titel: Das sprachliche Phänomen ‚Ironie’