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Das Paradigma des systemischen Beratungsansatzes in pädagogischen Handlungsfeldern

Eine begriffliche Erläuterung und wissenschaftshistorische Betrachtung theoretischer Grundlagen

Magisterarbeit 2009 87 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

INHALT

1. EINLEITUNG

2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN SYSTEMISCHER BERATUNG
2.1 Grundlegendes
2.2 Systemtheorie
2.3 Kybernetik 1. und 2. Ordnung
2.4 Familientherapie
2.5 Konstruktivismus
2.6 Erkennen und Autopoiesis
2.7 Theorie sozialer Systeme

3. SYSTEMISCHE BERATUNG IN PÄDAGOGISCHEN HANDLUNGSFELDERN
3.1 Dimensionen der Beratung
3.1.1 Etymologie und Institutionalisierung
3.1.2 Bedeutung des Beratungsbegriffs und Abgrenzung zur Therapie
3.1.3 Voraussetzungen und Ziele der Beratung
3.1.4 Anspruch an Berater und Beratung
3.1.5 Freiwilligkeit versus Zwang
3.1.6 Das Verhältnis von Pädagogik und Beratung
3.2 Systemisches Denken
3.2.1 Der Begriff systemisch – Verständnis, Etymologie und Bedeutung
3.2.2 Ein Beispiel für einen Ansatz systemischen Vorgehens
3.3 Systemische Beratung
3.3.1 Voraussetzungen und Prinzipien
3.3.2 Bestimmung essenzieller Begriffe und Merkmale systemischer Beratung
3.3.3 Beratungs-Professionalität
3.3.4 Methoden systemischer Beratung
3.3.5 Rückbezug systemischer Beratungspraxis auf theoretische Grundlagen
3.3.6 Verortung systemischer Beratung in pädagogischen Handlungsfeldern

4. DAS PARADIGMA DES SYSTEMISCHEN BERATUNGSANSATZES
4.1 Allgemeiner Paradigmenbegriff
4.2 Das systemische Paradigma

5. FAZIT UND AUSBLICK

6. ANHANG

7. BIBLIOGRAPHIE

1. EINLEITUNG

In modernen Gesellschaften zeichnet sich als Konsequenz zunehmender Spezialisierung und Komplexität ein stetig steigender Beratungsbedarf ab, der in einer wachsenden Be-ratungsnachfrage Ausdruck findet. Auf dieses Phänomen versucht die Beratergemein-schaft mit der Entwicklung und Anwendung angemessener Beratungsformen zu reagie-ren. So existieren mittlerweile für den pädagogischen Aktionsraum vielfältige Bera-tungsansätze, unter denen der systemische Ansatz eine bedeutende Rolle spielt. Die systemische Beratung befindet sich nicht erst seit der Anerkennung der systemischen Therapie als wissenschaftliches Psychotherapieverfahren im Dezember des Jahres 2008 auf dem Vormarsch.1 Mit dem systemischen Ansatz hat sich eine innovative Vorge-hensweise herausgebildet, Beratung in den verschiedensten Bereichen zu konzipieren und zu praktizieren. Aufgrund der hohen Praxisrelevanz für den pädagogischen Bereich und der interessanten, theoriereichen Geschichte systemischer Beratung, richtet die vor-liegende Arbeit ihr Augenmerk auf diesen speziellen Beratungsansatz.

Will man den Begriff der systemischen Beratung tiefenscharf begreifen und kommuni-zierbar machen, so stellt dich dieses Vorhaben als durchaus anspruchsvoll heraus. Je mehr man sich dem Phänomen nähert, desto schwieriger fassbar erscheint es (vgl. Loth 2006, S. 207). Weidenbach beschrieb die Quintessenz dieser Art des Sachverhalts fol-gendermaßen: „Die Begriffe weisen uns einen Weg zu immer schwereren Rätseln, zu immer paradoxeren Situationen. Die Geschichte der Wissenschaften ist wie ein einzi-ges großes Beispiel dafür: Die ‚Existenz‘ flieht vor dem Begriff“ (Weidenbach 1948, S. 92). Ob die sogenannte Existenz vor dem Begriff des Systemischen flieht, ist fragwür-dig. Es kann jedoch festgestellt werden, dass sich durch den inflationären Gebrauch des Begriffes eine Form von Pseudoplausibilität eingeschlichen und etabliert hat, die das Systemische zu einem Teil des unwissenschaftlichen Kulturbetriebes herabsetzt und es schließlich im schlimmsten Falle der Beliebigkeit preis gibt (vgl. Handler 2007, S. 284; Barthelmess 2005, S. 11).2 Diese Popularisierungs- und Inflationstendenz ist durchaus bedenklich, da sie die geschichtliche Eigentlichkeit des Systemischen verschleiert, ver-fälscht und somit unterminiert. Die wissenschaftliche Reaktion auf diese, wie auf jede derartige Pseudoplausibilitäts-Entwicklung, kann in erster Linie nur eine sein: Problem-fokussierung, Recherche und Aufklärung. Die Fokussierung der Problematik kann dabei den Problemhorizont feststellen. Diesen setzt die Arbeit durch die Erläuterungen Hand­lers, Elbings und Loths, die eine inflationäre Entwicklung des systemischen Beratungs-begriffes feststellen und begründen, als gegeben voraus (vgl. Handler 2007, S. 284; El-bing 2000, S. 200f.; Loth 2006, S. 207).3 Die Aufklärung soll im vorliegenden Fall durch die Rückbesinnung auf, die Recherche von und die Ausführungen über die Ent-wicklung der theoretischen Wurzeln systemischer Beratung realisiert werden.

Die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs Entwicklung impliziert per Definition eine Komponente der Geschichtlichkeit (vgl. Wermke et al. 2001, S. 183, S. 926f.). Will man also einen Begriff in vollem Umfang von seiner Ursprünglichkeit ausgehend be-greifen, muss man in seine Entstehungsgeschichte eintauchen. Im anderen Falle kann dem Betrachter nur das Gewordene des Begriffs zuteil werden, das seine Geschichte bestenfalls erahnen lässt. So, wie es ohne Mann und Frau keine auf natürlichem Wege gezeugten Kinder geben kann, könnte es auch die systemische Beratung nicht ohne ihre "Erzeuger" geben, sie wäre ohne ihre theoretischen Grundlagen in ihrer jetzt existieren-den Form undenkbar. Um zu einem fundamentalen Verständnis systemischer Beratung zu gelangen, sind ihre Begriffsklärung als auch die Fokussierung und Hervorhebung ihrer Entstehungsgeschichte nicht nur angemessen, sondern stellen in der Tat eine Not-wendigkeit dar.

Im Rahmen dieser Magisterarbeit soll die These geprüft werden, dass verschiedene Theorien und Ansätze die Konstitution der systemischen Beratung maßgeblich geprägt haben, wobei die Systemtheorie einen fundamentalen Einfluss ausübte.

Zu Beginn wird eine grundlegende Erörterung einiger der für die systemische Beratung relevanten Theorien vorgenommen. Dadurch soll ein theoretisches Fundament geschaf-fen werden, auf das die weiterführenden Erklärungen bezüglich des systemischen Bera-tungsansatzes aufbauen können. Ziel der Arbeit ist es nicht, die vollständige Entwick-lung der für die systemische Beratung relevanten wissenschaftlichen Theorien en détail zu rekonstruieren. Stattdessen konzentriert sich der Autor im ersten Teil der Arbeit dar-auf, ausgewählte elementare Grundpfeiler der Wissenschaftsgeschichte, die zum heuti-gen Verständnis von systemischer Beratung essenziell beigetragen haben, in Auszügen vorzustellen. Das geschichtliche Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem 20. Jahrhundert, im Speziellen auf der allgemeinen Systemtheorie, der Kybernetik 1. und 2. Ordnung, dem Konstruktivismus, Erkenntnis- und Autopoiesisbegriffen und der Theorie sozialer Systeme. Im Anschluss daran wird eine detaillierte Klärung des Beratungsbegriffs vor-genommen, bei der verschiedene Dimensionen von Beratung behandelt werden. Um die Relevanz von Beratung im Rahmen der Pädagogik deutlich zu machen, schließt sich eine Betrachtung des Verhältnisses von Pädagogik und Beratung an. Danach folgt eine Erörterung des Begriffs systemisch, an die sich eine Beschäftigung mit der konzeptio-nellen und methodischen Besonderheit systemischer Beratung anschließt. Desweiteren wird der Bezug dieser Beratungsform zu den erörterten Theorien und Ansätzen explizit dargelegt. Ein Kapitel zur Beratungs-Professionalität soll den Qualitätsanspruch an pro-fessionelle Beratungsleistungen verdeutlichen, der auch im Rahmen des systemischen Beratungsansatzes als Garantiebedingung für Seriosität funktioniert. Abschließend wird der Paradigmenbegriff Kuhns vorgestellt, um daran anknüpfend die Frage zu behandeln, wodurch das Paradigma des systemischen Beratungsansatzes gekennzeichnet ist.

Die ausführliche Klärung der Begriffe Beratung, systemisch und Paradigma soll ein möglichst präzises Bild ihrer jeweiligen Charakteristiken zeichnen, um das Paradigma systemischer Beratung für den Leser möglichst anschaulich darzustellen.

2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN SYSTEMISCHER BERATUNG

2.1 GRUNDLEGENDES

Dieser Teil der Arbeit behandelt die Frage nach der geschichtlichen Konstituierung des systemischen Weltbildes, sprich die Grundlagen systemischer Beratung. Der systemi-sche Beratungsansatz ist multidisziplinär geprägt und aufgrund dessen auch nur in der Auseinandersetzung mit den verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen rekonstruierbar, aus denen er Anleihen bezieht. Zu diesen Disziplinen zählen die Biologie, die Physik, die Neurowissenschaften, die Philosophie, der Konstruktivismus, die Psychologie, die naturwissenschaftliche Systemtheorie, die Soziologie, die Familientherapie, die Organi-sationstheorie, die Kommunikationstheorie, die Theorie der Gruppendynamik, die Ky-bernetik, die Psychoanalyse, die Ökonomie und die Ökologie, um die wichtigsten zu nennen (vgl. Königswieser/Hillebrand 2004, S. 25, S. 35).4

Dem systemischen Weltbild liegen Fragen nach menschlicher Erkenntnisfähigkeit und Beschreibungsmöglichkeit von Wirklichkeit5 zu Grunde: Können wir erkennen? Was können wir erkennen? Wie können wir erkennen? Wie können wir uns des Erkennens sicher sein? Oder - kantisch gefragt: Was sind die Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis?6 Der Berater fragt sich in Bezug darauf: Wie können wir das, was wir zu erkennen glauben, adäquat beschreiben und welcher Nutzen ergibt sich daraus für die Beratung? Auszüge historischer wissenschaftlicher Theorien, die für das Thema der Arbeit hohe Relevanz besitzen, sollen Aufschluss über Standpunkte und Antwortmög-lichkeiten zu diesen Fragen liefern.

Es folgt, nach einigen einleitenden Worten, ein Exkurs in die Geschichte der Wissen-schaft, der sich auf das für die systemische Beratung wichtige 20. Jahrhundert konzent-riert.

Anders als in den tiefenanalytischen Schulen, bei denen jeweils ein Gründer und ein Zentrum ausgewiesen werden konnte7, hat die systemische Beratung vielfältige Ur-sprünge. Ein früher Zeuge systemischer, also ganzheitlicher Überlegungen ist Hippo-krates, der bereits um 400 vor Christus einen Bruch eines Armes zu heilen wusste und sich dabei aber fragte, ob es nicht die verminderte Sehfähigkeit des Patienten sei, auf-grund der er stolperte und sich darauf hin den Arm brach (vgl. v. Foerster 2004, S. 59). Aristoteles, der als einer der großen Systematiker und Begründer der abendländischen Wissenschaft gilt, schrieb: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“ (Aristote-les, 1041 b, in Anlehnung an die Übersetzung Ackrills 1987, S. 312f.). Damit wies er – auch oder gerade aus heutiger Sicht nachvollziehbar – auf bestimmte Eigenschaften von Systemen hin, die sich moderne Theorien noch gut 2350 Jahre später zu Nutze machen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich das Systemdenken im Zuge militäri-scher, ökonomischer und logistischer Probleme des Ersten Weltkrieges (vgl. Rit-ter/Gründer 1998, S. 863). Als in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts die bis dato an-gewandten linearen Modelle dem wissenschaftlichen Anspruch zur Erklärung kom-plexer Sachverhalte nicht mehr genügten, kam es zur Herausbildung eines adäquateren Modells, des Systemmodells (vgl. König/Volmer 2000, S. 23). Lineare Modelle waren lediglich in der Lage, auf geradlinig-kausale Weise Objekte zu beschreiben (vgl. Simon 2008, S. 13). Im Gegensatz dazu wurden auf Basis des Systemmodells Teile eines Gan-zen auf ihre Funktionen hin erforscht und die Wechselwirkungen zwischen funktional zusammenhängenden Teilen und ihre Beziehung zur Umwelt untersucht (vgl. Simon 2008, S. 15f.). An der Schaffung dieses bedeutsamen Erklärungsansatzes war der öster-reichisch-amerikanische Biologe Bertalanffy maßgeblich beteiligt, weswegen seinen Überlegungen im folgenden Kapitel eine eingehende Betrachtung gewidmet ist.

2.2 SYSTEMTHEORIE

Mitte des 20. Jahrhunderts beschleunigten Bertalanffy und der Mathematiker Rapoport durch die Etablierung der "Gesellschaft für allgemeine Systemforschung" und des Year­book of the Society for the Advancement of General Systems Theory die Formierung einer allgemeinen Systemtheorie (vgl. Werning et al. 2002, S. 77). Es ist ein gravieren-der Moment für die Entwicklungsbedingungen systemischen Denkens und somit auch systemischer Beratung, als Bertalanffy seine wissenschaftshistorisch höchst bedeuten-den Werke Der Organismus als physikalisches System betrachtet. Die Naturwissen-schaften 1940 und Zu einer allgemeinen Systemlehre, Biologia Generalis 1949 veröffentlicht (vgl. v. Ameln 2004, S. 27). Vor allem das zweite Werk wird als Grundstein der modernen Systemtheorie betrachtet (vgl. König/Volmer 2000, S. 24). Als die hervorragendste Leistung seines Œuvres gilt die von biologischen Erkenntnissen ausgehende Entwicklung der Systemtheorie als ein allgemein–gültiges, auf verschie-denste als Systeme definierte Phänomene anwendbares Modell. Durch die Herausarbei-tung der gemeinsamen Gesetzmäßigkeiten verschiedener Wissensgebiete und das Beo-bachten deren gemeinsamer Prinzipien gelingt es Bertalanffy, eine in dieser Form nie da gewesene Metatheorie zu schaffen (vgl. König/Volmer 2000, S. 24). Er konnte somit einen großen Erfolg gegen die vom linearen Weltbild hingenommenen „blind laws of nature“ (Bertalanffy 1968, S. 33) verbuchen, mit denen er sich nicht abfinden wollte (vgl. Bertalanffy 1968, S. 33).

Die allgemeine Systemtheorie erlaubt es, unterschiedliche Arten von Wissen zu integrie-ren und verschiedenste Funktionalismen als Systeme zu beschreiben. Mit Bertalanffys Modell entsteht ein elementarer Grundstein systemischer Beratung (vgl. v. Ameln 2004, S. 27). Systeme konstituieren sich in diesem Sinne als Einheiten von Elementen und sind dabei – um wieder auf Aristoteles zurückzukommen – mehr als deren bloße Summe. Dieses Phänomen bezeichnet man heute als Übersummation (vgl. Stengel 2003, S. 58). Es existieren Beziehungen zwischen verschiedenen Elementen eines Sys­tems und auch zwischen Elementen eines Systems zu anderen Systemen. Dabei können Wechselwirkungen erzielt werden, die über die begrenzten Eigenschaften der Elemente hinausgehen (vgl. Bertalanffy 1969, S. 30 - 38). Bertalanffy wollte die allgemeine Sys-temtheorie als „general science of ‚wholeness‘“ (Bertalanffy 1969, S. 37), als allgemeine Wissenschaft der Ganzheitlichkeit verstanden wissen. Sein Anspruch lag darin, eine allgemeine Theorie der Systeme auf einem logisch-mathematischen Konzept basieren zu lassen, das rein formal und auf alle empirischen Wissenschaften anwendbar ist. Bis zu seinem systemtheoretischen Durchbruch wurde dieses Vorhaben als vages, gefährliches und halb metaphysisches Konzept betrachtet (vgl. Bertalanffy 1969, S. 37).

Die Voraussetzungen und Anforderungen an eine allgemeine Systemtheorie fasst Berta-lanffy in fünf Punkten zusammen. Erstens diagnostiziert er dabei den Natur- und So-zialwissenschaften eine allgemeine Integrationstendenz: „There is a general tendency towards integration in the various sciences, natural and social“ (Bertalanffy 1969, S. 38).8 Zweitens vermutet Bertalanffy die Möglichkeit der Bündelung dieser Integrations-tendenzen in einer allgemeinen Theorie der Systeme (vgl. Bertalanffy 1969, S. 38). Drittens geht er davon aus, dass eine allgemeine Systemtheorie einen bedeutenden Bei-trag zur Schaffung einer exakten Theorie in den Sozial- und Geisteswissenschaften leis-ten kann, was sich später bestätigte9: „Such theory may be an important means for aiming at exact theory in the nonphysical fields of science“ (Bertalanffy 1969, S. 38). V iertens: Da die allgemeine Systemtheorie vereinheitlichende Prinzipien entwickelt, die vertikal durch das Universum der Einzelwissenschaften verlaufen, bringt sie den Forscher dem Ziel der Einheitlichkeit der Wissenschaften näher (vgl. Bertalanffy 1969, S. 38). Fünftens wird schließlich eine Prognose hinsichtlich der benötigten Integration der allgemeinen Systemtheorie in die wissenschaftliche Ausbildung als mögliche Kon-sequenz der Entwicklung vereinheitlichender, wissenschaftlicher Prinzipien gegeben: „This can lead to a much-needed integration in scientific education“ (Bertalanffy 1969, S. 38).

Durch die positive Rezeption Bertalanffys wissenschaftlicher Überlegungen kommt es zu einer raschen Verbreitung der allgemeinen Systemtheorie. Anschließend an diese avanciert der Systembegriff zu einer Gemeinsamkeit verschiedenster wissenschaftlicher Disziplinen, so zum Beispiel der Ökologie, der Soziologie, der Familientherapie und der Organisationstheorie (vgl. Saldern 1991, S. 67ff.). Mit der Ausweitung systemtheoreti-scher Ansätze entstand gleichzeitig ein Unschärfeproblem, da Unterschiede zwischen physikalischen und sozialen Systemen teilweise verschleiert oder ausgeblendet wurden. Speziell im Bezug auf die Anwendung systemischer Ansätze im Feld der Organisa-tionsberatung bemerkt Wimmer eine „mehr vernebelnde als erklärende Begrifflichkeit“ (Wimmer 1992, S. 62). Als Konsequenz dieses Unschärfeproblems erscheint die Unter-teilung Königs und Volmers in technische, biologische sowie soziale Systeme angeb- racht (vgl. König/Volmer 2000, S. 25). Eine Erweiterung um den Begriff der psychi-schen Systeme, der sich ausschließlich auf Lebewesen mit Bewusstsein bezieht und in dieser Arbeit eine wichtige Rolle einnehmen wird, erscheint notwendig.

Auch bei der Herausbildung der Kybernetik 1. und 2. Ordnung, die als praktische Um-setzungen systemtheoretischer Überlegungen gelten, spielte der Systembegriff eine zen-trale Rolle.

2.3 KYBERNETIK 1. UND 2. ORDNUNG

Die Systemtheorie gewann durch die Kybernetik praktische Bedeutung (vgl. v. Foerster 1979, S. 5-8). Der Begriff Kybernetik wurde 1948 von Wiener als Neologismus in den wissenschaftlichen Diskurs eingebracht und bedeutet soviel wie Steuerungskunst (vgl. Wiener, 1948). Simon definiert Kybernetik als „Erforschung der Steuerung und Rege-lung des Verhaltens von Systemen, die von ihrer Umwelt und vom Beobachter isoliert sind“ (Simon 2008, S. 41). Dieses Verständnis wird auch als Kybernetik 1. Ordnung bezeichnet, die in der Geschichtsschreibung etwa der Phase von 1950 bis 1980 zu-geordnet wird (vgl. Schlippe/Schweitzer 2003, S. 53). Die Basis des kybernetischen Modells ist die Feedback-Schleife (Rückkopplungsschleife), die später ein grundlegen-der Bestandteil systemischer Beratungsarbeit wurde (vgl. Bertalanffy 1969, S. 150; Kö-nigswieser/Hillebrand 2004, S. 50ff.). Mit der Entwicklung der Steuerungstechnik er-möglicht es die Kybernetik, Rezeptoren mit Effektoren zu koppeln und Eingriffe in technische Systeme kontrolliert zu steuern (vgl. v. Glasersfeld 1997, S. 244-248). Ein Beispiel hierfür ist eine Heizung, die automatisch mittels Sensoren und Effektoren die Temperatur misst und einem Sollwert anpasst, falls diese über oder unter diesem be-stimmten Temperaturgrenzwert registriert wird. Dahinter steckt die Idee der Homöosta-se, sprich der Erhaltung von Gleichgewicht (vgl. Schlippe/Schweitzer 2003, S. 61f.).

Es kommt neben der technisch ausgerichteten auch zu einer kognitiv orientierten Sys-temforschung in den Humanwissenschaften (vgl. Ackoff 1963, S. 117-121; Bateson 1992; Luhmann 2005; Watzlawick 1981). Vorerst werden im Rahmen der Kybernetik 1. Ordnung auch Menschen als kybernetische Regelkreise interpretiert und als quasi "steuerbare Maschinen-Systeme" behandelt. Es stellt sich heraus, dass man den Mensch nicht als "triviale Maschine" behandeln kann. Der Begriff triviale Maschine geht auf von Foerster zurück, der damit ein festgelegtes Prozedere in bezug auf Maschinen be-schriebt: Triviale Maschinen wandlen inputs aus ihrer Umwelt nach einem immer glei-chen internen Verarbeitungsschema in outputs (vgl. v. Foerster 1984, S. 9-13). Deshalb ergeben stets gleiche inputs auch stets gleiche outputs. Die praktische Nicht-Anwendbarkeit dieses Ansatzes auf Menschen hat Powers (1978) gründlich herausar-beitet. Er weist dabei auf Fehlfunktionen von Rückkopplungsmechanismen in lebenden Organismen hin (vgl. Powers 1978, S. 417-435). Die kybernetische Annahme, dass Modelle eine reale Existenz abbilden, wird später durch die Überlegungen zur Operati­on Beobachtung verworfen (vgl. Luhmann 1990, S. 51ff.). Beobachtung ist dabei „Un-terscheiden und Bezeichnen“ (Luhmann 1997, S. 69). Die Kybernetik 1. Ordnung prok-lamierte die objektive Gegebenheit von Gegenständen der Beobachtung. Die modernere kybernetische Perspektive (etwa ab 1980) sieht im Gegensatz dazu ein System erst durch die Beobachtung als Resultat seiner Konstruktion entstehen (vgl. Schlip-pe/Schweitzer 2003, S. 53; Luhmann 1987, S. 408f.). In dieser Konzeption ist die Sys-temtheorie eine Theorie der Systeme, die Beobachtungssysteme als Prämissen voraus-setzt (vgl. Baraldi et al. 1998, S. 196). Diesbezüglich kritisiert v. Foerster die "Absurdi-tät" des Konzepts der Objektivität, das eine Trennung von Beobachter und Beobachte-tem vornimmt (vgl. v. Foerster 2002, S. 44). Er begründet dies mit der Erklärung, dass weder Beobachtung noch Beschreibung übrig bleiben, wenn man die Eigenschaften des Beobachters (Beobachten und Beschreiben) ausschließt (vgl. v. Foerster 2002, S. 44). Aufgrund des Rückbezuges auf sich selbst werden Systeme zu einem mehrstufigen Schema: Erst durch die Beobachtung kommt es zur Entstehung von Systemen und dabei wird der Beobachtende zu einem Teil des von ihm beobachteten Systems. Im Rahmen der Kybernetik 2. Ordnung werden diese Erkenntnisse durch den kognitiven Zirkel der Selbstbezüglichkeit als kybernetische Schleife dargestellt (vgl. Ritter/Gründer 1998, S. 864).10

Der von Bateson gedanklich angestoßene Begriff der systemischen Analyse spielt hier-bei eine entscheidende, wenn nicht sogar revolutionäre Rolle für die Herausbildung des systemischen Beratungsansatzes. Er steht für den Wechsel von intrapsychischen Analy- sen zu Beobachtungen von Relationen in Sozialsystemen, woraus auch die Familienthe-rapie und die Kommunikationstherapie hervorgegangen sind (vgl. Ritter/Gründer 1998, S. 864). Man kann die systemische Analyse nach Bertalanffys Formulierung der allge-meinen Systemtheorie als zweite Geburtsstunde des systemischen Beratungsansatzes bezeichnen.

Im Zuge der Praktizierung der Kybernetik 2. Ordnung in sozialen Umgebungen wurde das maschinelle Leitbild der "steuerbaren Maschine Mensch" durch die systemische Analyse ersetzt. Diese Entwicklung wird auch durch die Überlegungen Erismanns nachvollziehbar. Er kommt in seiner Abhandlung über den Homunculus Sapiens Cyber-netes (etwa: künstlich geschaffener, kluger und kybernetischer Mensch) zu dem Schluss, dass der Mensch unter Umständen in einer gewissen Weise maschinell nach-gebaut werden könnte, jedoch nicht mit einer menschlichen Art des Denkens und schon gar nicht mit Bewusstsein und Gefühlen ausgerüstet werden könnte (vgl. Erismann 1972, S. 173-175). Dies weist indirekt auf die Unmöglichkeit einer komplett funktionie-renden Anwendung einer für Maschinen konzipierten Kybernetik auf Menschen hin. Diesem Anspruch versucht die Kybernetik 2. Ordnung gerecht zu werden, in dem sie sich nicht auf die Eigenschaften, die angeblich den Objekten innewohnen konzentriert, sondern auf die Eigenschaften des Beobachters dieser Objekte. Der Ausgangspunkt ist dabei also die Beobachtung eines Beobachters, die mit einer Endlosschleife an Rekur-sionen und Selbstreferenz einhergeht (vgl. v. Foerster 2002, S. 71).

Es folgte eine Reihe von für die systemische Beratung relevanten Innovationen, die ver-suchten, Bertalanffys systemtheoretisches Modell weiter zu entwickeln und es auf be-stimmte wissenschaftliche Bereiche anzuwenden. Beginnend bei Batesons Double-Bind-Theory über Jacksons Ansatz der Familienhomöostase und Interaktionstheorie bis hin zur Familientherapie Satirs kam es zu einer Adaption der allgemeinen Systemtheo-rie in Fachgebieten, die sich mit menschlicher Interaktion, Kommunikation und Bera-tungs- und Therapieverfahren befassen.11 Da die Familientherapie eine entscheidende Rolle bei der Herausbildung des systemischen Beratungsansatzes spielte, beschäftigt sich das folgende Kapitel ausführlicher mit dem Konzept dieser speziellen Therapie-form (vgl. Saam 2002, S. 117; Schlippe/Schweitzer 2003, S. 17; Kriz 1985).

2.4 FAMILIENTHERAPIE

Systemische Therapie beziehungsweise Familientherapie gelten als Vorläufer der sys-temischen Beratung (vgl. Brunner 2004, S. 655). Da die systemische Beratung entschei-dend durch die Familientherapie geprägt ist, die wiederum von der allgemeinen System-theorie Anleihen bezieht, wirken sich Bertalanffys Ideen indirekt auf die Konstitution des systemischen Beratungsansatzes aus, indem sie dieser Konsultationsform die Grundlage für ein Systemverständnis vermitteln (vgl. Saam 2002, S. 117).

Mitte des 20. Jahrhunderts kam es zu ersten Versuchen der Familientherapie, indem einzelne Therapie-Avantgardisten über die Einzel- und Gruppentherapie hinaus neue Konzepte ausprobierten (vgl. Schlippe/Schweitzer 2003, S. 17). Die Familientherapie, die auf Grundlagen der Systemtheorie zurückgreift, versucht die Probleme einzelner Familienmitglieder im „Gefüge des Familien-Ganzen“ (Brunner 2004, S. 655) zu be-trachten und wendet sich von einer isolierten Betrachtung einzelner Personen ab. Das kommt dadurch zum Ausdruck, dass beim Versuch der Klärung von Problemursachen eines Familienmitglieds alle Mitglieder der Familie integriert werden (vgl. Brunner 2004, S. 655). Eben diesen ganzheitlichen, auf die systemische Analyse aufbauenden Ansatz, werden die systemische Beratung und Therapie später weiter verfolgen, indem sie die psychischen und sozialen Systeme im Umfeld der Klienten mit in den Bera-tungsprozess einbezieht. Die Veröffentlichung von Richardsons Buch Patients have Families (1945) leitete diesen Wandel ein. Die Inhalte des Werkes wurden zur damali-gen Zeit von der Fachwelt als Sensation erfahren, sie waren laut Schlippe und Schweit­zer die Vorstufe zu einem Paradigmenwechsel, einer grundlegenden Veränderung der Weltsicht (vgl. Schlippe/Schweitzer 2003, S. 19).

Als herausragende Vertreter des Ansatzes der Familientherapie sind unter anderen Satir, Minuchin und Selvini Palazzoli zu nennen, die jeweils als Vertreter für eine andere Ausrichtung der Familientherapie stehen: Satir für eine humanistische und erlebnis-orientierte, Minuchin für eine strukturell-strategische Variante und Selvini Palazzoli mit dem Mailänder Modell für eine interaktionsorientierte Variante (vgl. Schlip-pe/Schweitzer 2003, S. 18-23).12 Minuchin und Selvini Palazzoli orientierten beide ihr Konzept am Homöostase-Prinzip. Dabei gingen sie von einem Ideal-Zustand der Fami- lie, einem funktionalen Familiensystem aus, das als erstrebenwert galt. So wurde – ähn-lich den Prinzipien der Kybernetik 1. Ordnung – durch therapeutisch oft massive Ein-griffe versucht, das dysfunktionale Familiensystem zu einem funktionalen Zustand zu bewegen (vgl. Schlippe/Schweitzer 2003, S. 50).

Im deutschen Raum stechen insbesondere zwei Persönlichkeiten hervor: zum einen Stierlin, der als Begründer der Heidelberger Familientherapie gilt und sich als Verfech-ter des psychoanalytisch orientierten narrativen Ansatzes auf Mehrgenerationenperspek-tive und Paartherapie spezialisiert hat (vgl. Stierlin 1979, S. 106-116); zum anderen Hellinger, der durch seine Ultra-Kurztherapie, eine Art Skulpturarbeit, für Aufsehen sorgte und die neuere Diskussion in der systemischen Therapie entfachte (vgl. Krüll 1995, S. 27).

Als Folge der Etablierung des Konzepts der Familientherapie in den 1960er und 1970er Jahren, kam es zu einer verstärkten Hinterfragung der „Orientierung an der Familie als Behandlungseinheit“ (Schlippe/Schweitzer 2003, S. 17). Da die Familie nur eine Art sozialer Organisation von Menschen darstellt, konzentrierte man sich verstärkt auf die strukturelle Funktionsweise der Familientherapie und versuchte eine perspektivische Ebene zu erreichen, die losgelöst vom sozialen System Familie existieren kann. Darauf-hin emanzipierte sich die systemische Sichtweise mehr und mehr vom konkreten Kon-zept der Familientherapie (vgl. Brunner 2004, S. 656). Reiter beschreibt diese bewusste Abstraktion der Methode vom Familien-Setting par excellence: „Von der Familienthe-rapie zur systemischen Perspektive“ (Reiter 1988, S. 24). Anders formuliert, kann man die systemische Beratung als ein Derivat der Familientherapie begreifen. Eben diese Emanzipierung systemischer Therapie- und Beratungsarbeit kann als die dritte Geburts-stunde systemischer Beratung begriffen werden. Zwei weitere Folgen dieser Entwick-lung waren, dass man zunehmend den Terminus "systemische Therapie"13 anstatt "Fa-milientherapie" im Sprachgebrauch führte und innerhalb der Systemtheorie den Fokus vom Zentralbegriff des Gleichgewichts auf die Veränderung von Systemen setzte (vgl. Schlippe/Schweitzer 2003, S. 17).

Die Familientherapie bezieht sich in ihren Methoden unter anderem auf den Konstrukti-vismus, dessen Annahmen im nächsten Kapitel beleuchtet werden (vgl. Schlip-pe/Schweitzer 2003, S. 28f.).

2.5 KONSTRUKTIVISMUS

Das Gedankengut des Konstruktivismus ist grundlegend für das Konzept des systemi-schen Denkens (vgl. Saam 2002, S. 117). Für die vorliegende Arbeit haben jedoch die Annahmen des radikalen Konstruktivismus von Glasersfelds (vgl. von Glasersfeld 1995, 1997) und die Annahmen des Sozialkonstruktivismus mehr Gewicht als etwa der Erlan­ger Konstruktivismus.14

„Die Welt ist für uns stets eine Antwort ; die von der Frage abhängt ; die wir an sie stellen“ (Brzozowski 1984, S. 145). Dieses Zitat Brzozowskis bringt zum Ausdruck, dass die Bedingungen der Antwort auf eine Frage immer schon in der jeweiligen ge-stellten Frage liegen. Adaptiert man dieses Zitat analog und formuliert es folgenderma-ßen neu, kann die Aussage vordergründiger auf einer konstruktivistisch-perspektivischen Ebene wirken: Die Welt tritt uns stets so in Erscheinung, wie wir sie als Betrachter aus unserem jeweiligen Blickwinkel heraus konstruieren. Stimmt man dem zu und nimmt an, dass der Mensch an seiner Wirklichkeitskonstruktion maßgeblich Teil hat, so bescheinigt man ihm eine Art Einfluss auf die Wahrnehmung seiner Welt. Weitet man diesen Einfluss aus auf die Anerkennung der Notwendigkeit innerer Wirk-lichkeitskonstruktion, so könnte man sich in der Theorie des Konstruktivismus wieder finden.

Als erkenntnistheoretische Position steht der Konstruktivismus für die Auffassung, dass Menschen Wirklichkeit subjektiv konstruieren und nicht wie nach den Ideen des Rea-lismus objektiv entdecken (vgl. v. Glasersfeld 1997, S. 190).15 Das konstruktivistische Programm drückt sich anschaulich im Titel eines Buches von Watzlawick aus: Die er-fundene Wirklichkeit (1981). Anstelle des Begriffs der Realität arbeitet man mit Bildern, sprich subjektiven Deutungen oder Konstruktionen der Realität (vgl. v. Glasersfeld 1997, S. 193). Dass es eine Welt außerhalb unserer Wahrnehmung gibt, wird von den Konstruktivisten nicht verneint. In ihren Ansätzen betonen sie vordergründig die aus-schließliche Zugänglichkeit zur Welt via Konzeption statt Perzeption (vgl. v. Glasers-feld 1997, S. 265f.). Das impliziert die Unmöglichkeit der Existenz einer objektiv er-fahrbaren Wirklichkeit, da die Welt, wie wir sie wahrnehmen, immer eine bereits inter-pretierte Welt ist. V. Foerster bringt diesen Sachverhalt folgendermaßen auf den Punkt und verdeutlicht den konstruktivistischen Charakter dessen, was man als Wirklichkeit begreifen könnte: „Die Umwelt, so wie wir sie wahrnehmen, ist unsere Erfindung“ (von Foerster 1981b, S. 40). Unter Bezug auf Wittgenstein, der bis zu seinem Tod vergeblich versuchte, das subjektive Element in seinen Erklärungen zu eliminieren, behauptet v. Glasersfeld die Unvermeidbarkeit des Subjektiven im Wahrnehmen und Denken (vgl. v. Glasersfeld 1997, S. 219). Dieses Postulat ist grundlegend für den Konstruktivismus, da es unter der Annahme permanenter Subjektivität keine Objektivität geben kann, die als Bedingung objektiver Erfahrbarkeit von Realität gedacht wird.16 Dieser Sachverhalt gründet schon in der Überlegung der Skeptiker, „daß menschliche Erkenntnis nicht durch ein Verfahren bewahrheitet werden kann, das selbst die Mechanismen der menschlichen Erkenntnis beansprucht“ (v. Glasersfeld 1997, S. 190f.). Die konstrukti-vistische Theorie kann auf viele geistige Wegbereiter zurückblicken, zu denen unter anderen Descartes, Locke, Berkeley, Hume, Bentham, Vico und Kant zu zählen sind (vgl. v. Glasersfeld 1997, S. 65-82; v. Ameln 2004, S. 11-16).

Radikaler Konstruktivismus

Aus konstruktivistischer Sicht ist es grundlegend fraglich, ob es – unabhängig von ihrer Erkennbarkeit – überhaupt eine objektive Welt gibt, was der radikale Konstruktivismus im Gegensatz zum Konstruktivismus von Grund auf bezweifelt. Die Radikalität des radikalen Konstruktivismus erstreckt sich allerdings nicht auf die Ablehnung neuer Er-klärungsmodelle. Er steht der Entwicklung neuer, sogenannter viablerer (gangbarer) Theorien offen gegenüber (vgl. v. Glasersfeld 1997, S. 13). Beim Viabilitäts-Konzept wird davon ausgegangen, dass andere Erklärungsansätze nicht minder gut funktionieren könnten (vgl. v. Glasersfeld 1997, S. 13). Die Viabilität von Theorien schließt in diesem Kontext Schlussfolgerungen auf eine real existierende Welt aufgrund der Konzeption des Konstruktivismus aus. Der Wahrheitsbegriff wird durch den Begriff der Viabilität, den Begriff der Gangbarkeit eines Weges oder einer Problemlösung ersetzt. V. Glasers-feld, der Urheber dieses Begriffs, stellt ihn wie folgt vor: „Radical constructivism [...] replaces the notion of truth (as true representation of an independent reality) with the notion of viability within the subjects’ experiential world“ (von Glasersfeld 1995, S. 22). Im Bezug auf die Idee der Viabilität ist zu bemerken, dass sich das „Anything goes“ (im Sinne von: alles ist gangbar, alles geht) Feyerabends nicht auf ausnahmslos alles bezieht, sondern nur auf alles nützlich Scheinende (vgl. Feyerabend 1975, S. 23). Dies soll unterstreichen, dass es sich bei der Viabilität nicht um ein Konzept der totalen Beliebigkeit handelt. V. Glasersfeld, der die Theorie des radikalen Konstruktivismus maßgeblich mitgestaltete, betrachtete die Entwicklung einer neuen Theorie aufgrund der Unzulänglichkeit des Realismus als Notwendigkeit. Er wandte sich gegen die Aussage des Realismus, der Wahrheitsgehalt des menschlichen Wissens könne durch einen Ver-gleich mit der Wirklichkeit ermittelt werden (vgl. v. Glasersfeld 1987, S. 103). Im Rahmen des radikalen Konstruktivismus bezweifelt v. Glasersfeld radikal die Annahme, dass Konstruktionen eine zwangsläufige Ähnlichkeit zur äußeren Realität haben, oder sie abbilden (vgl. Simon 2008, S. 69). Unter Bezug auf Piagets Theorie der kognitiven Systeme17 formuliert v. Glasersfeld die Prinzipien des radikalen Konstruktivismus: 1. (a) Wissen wird nicht passiv aufgenommen, weder durch die Sinnesorgane noch durch Kommunikation. (b) Wissen wird vom denkenden Subjekt aktiv aufgebaut. 2. (a) Die Funktion der Kognition ist adaptiver Art, und zwar im biologischen Sinne des Wortes, und zielt auf Passung oder Viabilität; (b) Kognition dient der Organisation der Erfahrungswelt des Subjekts und nicht der ‚Erkenntnis‘ einer objektiven ontologi-schen Realität“ (v. Glasersfeld 1997, S. 96). Eine prinzipielle Bezweifelbarkeit von objektiv erkennbarer Realität vertrat auch der britische Naturwissenschaftler Bronows-ki: „Es gibt keine Permanenz für naturwissenschaftliche Begriffe, denn sie sind ledig-lich unsere Interpretation natürlicher Phänomene. Wir machen bloß eine temporäre Erfindung, die den Teil der Welt betrifft, der uns gerade zugänglich ist“ (Bronowski 1978, S. 96, zitiert nach von Glasersfeld 1997, S. 58).

Es zeigt sich, dass der radikale Konstruktivismus verschiedenste Wissenschaftsgebiete beeinflusst (vgl. v. Glasersfeld 1997, S. 14). Das wird nicht zuletzt dadurch plausibel, dass es sich beim radikalen Konstruktivismus nicht um eine Wissenschaftsdisziplin, sondern um eine Theorie des Wissens und Erkennens handelt (vgl. v. Glasersfeld 1997, S. 22).

Sozialkonstruktivismus

Eine andere Form des Konstruktivismus ist der Sozialkonstruktivismus. Dieser fußt zwar nicht auf einer einheitlichen theoretischen Grundlage, dennoch werden unter dem Begriff unterschiedliche Ansätze zusammengefasst, durch die er vom Konstruktivismus abgrenzbar wird (vgl. Risse 2003, S. 102). So wie der Konstruktivismus geht auch der Sozialkonstruktivismus von der Annahme aus, dass sich Realität dem Menschen nicht direkt erschließt. Jedoch beruht der Sozialkonstruktivismus auf der ihm eigenen An-nahme, dass die soziale Welt, in der die Menschen leben, dadurch konstruiert wird, „wie wir mit anderen handeln, welche gemeinsam geteilten Vorstellungen über ‚Welt‘ wir haben und wie wir unsere Umwelt erfahren“ (Ulbert 2003, S. 391). Die Sozialkons-truktivisten gehen davon aus, dass soziale Artefakte und Produkte historisch situierter Wechselbeziehung zwischen Menschen die Bedingungen zum Zugang zur Welt darstel-len (vgl. Gergen 1985, S. 5). Hierbei wird also die von Menschen als Gemeinschaft konstruierte Wirklichkeit fokussiert.18

Konstruktivismus-Kritik

Bei allen dargestellten Annahmen des Konstruktivismus soll auch auf eine kurze kriti-sche Betrachtung konstruktivistischer Aussagen nicht verzichtet sein.

Eine fundierte Konstruktivismus-Kritik formuliert Nüse (1995), der die Bezweifelbar-keit konstruktivistischer Annahmen aus psychologischer und argumentativer Sicht be-handelt. Dabei zeigt Nüse auf, dass bestimmte Phänomene unter der Annahme der Gül-tigkeit radikal-konstruktivistischer Thesen ungeklärt bleiben müssen (vgl. Nüse 1995, S. 156). Einen Argumentationsfehler diagnostiziert Nüse beispielsweise im Postulat der informationellen Geschlossenheit: Allein der Fakt, dass das Hirn ausschließlich mit internen Signalen umgeht, rechtfertigt das Prinzip der informationellen Geschlossenheit nicht dahingehend, darauf aufbauend von der Unmöglichkeit einer Realitätserkennung zu sprechen (vgl. Nüse 1995, S. 333f.). Es lässt sich Nüse zufolge von der Art der Sig-nalverarbeitung des Hirns nicht darauf schließen, dass es keine erfassbare Realität gibt (vgl. Nüse 1995, S. 334). Als bedeutende allgemeine Fehlschluss-Strukturen des Kons-truktivismus gelten: „Fehlschluß des inkonsequenten Identitäts- bzw. Perspektiven-wechsels; der Versuch, Eigenschaften eines Systems, die man per definitionem nur von außerhalb erkennen kann, im System selbst wiederzufinden; Übergeneralisieren von künstlichen Situationen (...) [und das; M. C.] Verführen des Denkens durch einsei-tige Fragestellungen (Ausblendungsargument)“ (Nüse 1995, S. 334). Nüses Kritik des radikalen Konstruktivismus lässt sich zusammenfassend folgendermaßen beschreiben: Prinzipiell stellt der radikale Konstruktivismus aufgrund seiner Konstitution per se ein Paradoxon dar und führt sich selbst ad absurdum. Er baut auf die Behauptung der Nicht-Existenz einer objektivierbaren Realität, wobei er für diese keinen zwingenden Beweis anführt. Es genügt ihm dabei, aus der Nicht-Beweisbarkeit einer vom Betrachter unabhängigen Wirklichkeit deren Nicht-Existenz zu folgern. Zusätzlich stellt sich der radikale Konstruktivismus ob seiner tautologischen Radikalität selbst in Frage, da nach konstruktivistischen Auffassungen jede Theorie eine Konstruktion ist, deren Erklärun-gen somit nicht der Wirklichkeit entsprechen können. Dadurch spricht sich der radikale Konstruktivismus, wie auch jeder anderen Theorie, die Möglichkeit ab, Wirklichkeit erfassen und abbilden zu können. Somit folgt er einem logischen Fehlschluss, wenn er aufgrund der Unfähigkeit von Theorien zur Wirklichkeitserfassung die Existenz einer objektivierbaren Wirklichkeit bestreitet.

Nach einer weiteren Betrachtung menschlichen Erkennens und einem biologischen Ex-kurs in die Selbstorganisation lebender Systeme im nächsten Kapitel, folgt die Übertra-gung des Selbstorganisationsprinzips auf soziale Systeme.

2.6 ERKENNEN UND AUTOPOIESIS

Der systemtheoretische Fokus verschiebt sich in den 1980er Jahren weiter in Richtung innerer Selbstorganisationsprozesse lebender Systeme (vgl. Schlippe/Schweitzer 2003, S. 51). Die chilenischen Neurobiologen Maturana und Varela beschäftigten sich wie viele Wissenschaftler vor ihnen mit der Entstehung von Wirklichkeit im menschlichen Hirn. Als Vertreter konstruktivistischer Erklärungsmodelle standen sie fest zu der An-sicht, dass alles Erkennen keine Repräsentation der außerhalb des Menschen existieren-den Welt ist (vgl. Maturana/Varela 1987, S. 31). Diese Behauptungen versuchen sie unter anderem mit verschiedenen Wahrnehmungsexperimenten zu untermauern (vgl. Maturana/Varela 1987, S. 21-33). Ausgehend von den Zellen des menschlichen Orga-nismus beschreiben die Autoren in einer evolutionären Erkenntnistheorie Wirklichkeit auf biologische Art als stetig neu produzierte Welt (vgl. Maturana/Varela 1987, S. 20). Um Aussagen über die Wirklichkeit treffen zu können, analysierten sie den Prozess des Erkennens und gingen dabei wie folgt vor: Sie erklärten den Prozess des Erkennens, um davon ausgehend aufzuzeigen, dass das Erkennen immer eine „Welt hervorbringt“ (Maturana/Varela 1987, S. 35). In dieser Vorstellung wird Wirklichkeit nur durch die Lebensprozesse des menschlichen Organismus produziert. Dem Menschen kann sich somit kein originalgetreues Bild der objektiven Welt darbieten, beziehungsweise kann er dieses nicht erkennen.

Erkennen

Die Beschreibung menschlichen Erkennens kann laut Maturana und Varela durch eine wissenschaftliche Erklärung vorgenommen werden, die zyklisch vier bestimmte Validi-tätskriterien zu erfüllen hat: Erstens muss eine explizite Beschreibung des zu erklären-den Phänomens vorliegen, die für die Beobachtergemeinschaft angemessen ist, sodass die Beobachtung wiederholt werden kann. Zweitens bedarf es des Gerüsts eines „Sys­tems von Konzepten, das fähig ist, das zu erklärende Phänomen in einer für die Ge-meinschaft des Beobachter annehmbaren Weise zu erzeugen (explikative Hypo-these)“ (Maturana/Varela 1987, S. 34f.). Drittens muss es möglich sein, andere implizit im Gerüst enthaltene Phänomene, die noch nicht beobachtet worden sind, abzuleiten – einschließlich der Beschreibung der Beobachtungsbedingungen in der Gemeinschaft der Beobachter. Der vierte Punkt ist die Möglichkeit der Beobachtung der aus dem zweiten Punkt abgeleiteten Phänomene. Nun beginnt der Zyklus der Validitätskriterien wieder von vorn und vollzieht sich immer weiter dem beschriebenen Ablauf entsprechend (vgl. Maturana/Varela 1987, S. 34f.). Dieses Verfahren wird auch als „die naturwissenschaf-tliche Methode“ (v. Glasersfeld 1997, S. 192) bezeichnet. Da Maturana und Varela die kommunizierbare Fähigkeit des Erkennens jedem Menschen zuschreiben, nehmen sie – wie im oben beschriebenen Erkenntniszyklusmodell erläutert – in Bezug auf Menschen eine intersubjektive Erkenntnispotenzialität an, die Erkennen als einen nachvollziehba-ren Prozess definiert. Im alltäglichen Denken und Handeln ist dieser Prozess wohl be-kannt, da er dort häufig Anwendung findet; so zum Beispiel bei der nachvollziehbaren Erklärung von Prozessabläufen, etwa durch einen Familien- oder Berufsberater. Zu-sammenfassend bezeichnen Maturana und Varela Erkennen als „effektive Handlung, das heißt operationale Effektivität im Existenzbereich des Lebewesens“ (Matura-na/Varela 1987, S. 35). Damit meinen die Autoren, dass menschliches Erkennen ein biologischer Prozess ist, der von der Struktur des Organismus bestimmt wird und kei-neswegs durch Objekte der Außenwelt. Maturana und Varela gehen dabei davon aus, dass das menschliche Nervensystem operational und funktional geschlossen ist und nicht zwischen internen und externen Reizen unterscheidet, Wahrnehmung und Illusion sind somit nicht unterscheidbar (vgl. Ludewig 1992, S. 59).

Autopoiesis

Die kontinuierliche Wirklichkeitsproduktion, die durch biologische Prozesse des Orga-nismus gewährleistet ist, erklären Maturana und Varela aufbauend auf das von ihnen modifizierte Modell der Autopoiesis (Maturana 1982, S. 280; Maturana/Varela 1987, S. 55, S. 99f., S. 112f., S. 122f.).19

Der Begriff Autopoiesis leitet sich von altgriech. autos (w'rrog) „selbst“ (Kytzler et al. 2007, S. 832) und poieo (irothw) „schaffen, bauen“ (Kytzler et al. 2007, S. 104) ab. Ge-meinhin wird Autopoiesis als Selbsterschaffung und -erhaltung oder Selbstorganisati-on20 eines Systems bezeichnet (vgl. Simon 2008, S. 31). Sie wird über die ihr zuge-schriebene grundlegend konstitutive Funktion hinaus als notwendig mit dem Lebendi-gen verknüpfter Mechanismus erachtet (vgl. Maturana/Varela 1987, S. 55). Die Autoren beschreiben die Funktionalität der Zellen eines Organismus – auch lebendes oder biolo-gisches System genannt – als autopoietisches Prinzip, eine sich ständig reproduzierende Selbstorganisation.

[...]


1 Nachzulesen unter http://idw-online.de/pages/de/news295509.

2 Zur Problematik der Konsequenzen von Begriffspopularität sei auf von Glasersfeld 1997, S. 310f. verwiesen, der im Rahmen des dritten Siegener Gesprächs über Konstruktivismus vor aufkommen-den Schlagworten und Fehlinterpretationen warnt. Vergleiche hierzu auch den Internetartikel von Weiss (1996): Familientherapie zwischen Fundamentalismus und Beliebigkeit. Zum Kongress der Heidelberger Familientherapeuten. Zweischneidigkeit und Toleranzbegriff. unter http://www.zeit-fragen.ch/ARCHIV/ZF_29/T08.HTM. Auch Loth 2006, S. 207 diagnostiziert eine inflationäre Ver-mehrung des Begriffs systemisch. Interessant erscheinen an dieser Stelle ebenso die Ausführungen Schindlers (1997), dessen Zukunftsentwurf über die Verwendung des systemischen Beratungsbe-griffs eine inflationäre Verbreitung desselben prognostiziert. Vgl. dazu http://www.systemische-therapie-bremen.de/cms/upload/bilder/20jahre.pdf.

3 Handler referiert über die nach außen hin teils unprofessionell erscheinende systemische Bera-tung, deren Renommee unter der Vielzahl systemischer Ansätze und deren weiterhin wachsenden Inflation Schaden leidet. Elbing führt die inflationäre Entwicklung verschiedener Beratungsbegriffe ins Feld und schließt dabei auch systemische Ansätze ein. Loth leitet die Entstehung der Pseudo-plausibilität des Begriffs systemisch her und beschreibt ihn dabei in seiner Verwendung als „modi-sches Kürzel“ (Loth 2006, S. 207).

4 Vgl. dazu auch Simons Werk Einführung in die Systemtheorie und Konstruktivismus (2008), das einen Überblick über die Anleihen der für die systemische Beratung höchst bedeutsamen System-theorie gibt.

5 Zur Diversität von Wirklichkeitsbegriffen u. a. von Berger/Luckmann, van Fraassens, Dummett, Putnam, Glasersfeld, Maturana und Luhmann vgl. Riegler 2008, S. 322-324.

6 Vertiefend hierzu sei auf Kants Kritik der reinen Vernunft (1781) verwiesen.

7 Exemplarisch sei auf Freud, Adler und Jung hingewiesen. Weiterführend zu diesem Thema vgl. Roback 1970, S. 270-282. der Standard, online-Ausgabe. http://derstandard.at/?url=/?id=2291098.

8 In Organismic Psychology and Systems Theory (1968, S. 36) geht Bertalanffy weiter, als nur eine Integrationstendenz in Natur- und Sozialwissenschaften zu diagnostizieren. Er beschreibt stattdes-sen eine Notwendigkeit der Neukonzeptualisierung und die Einführung neuer Modelle in Biologie und Sozial- und Verhaltenswissenschaften.

9 Hier sei stellvertretend auf die Theorie sozialer Systeme Luhmanns von 1984 verwiesen.

10 Der Begriff Kybernetik 2. Ordnung, auch Kybernetik der Kybernetik genannt, wurde 1979 von Heinz von Foerster sowie der Palo Alto-Gruppe (Bateson, Haley, Watzlawick) geprägt (vgl. von Foerster 1979).

11 Das Prinzip der Double-Bind-Theory ist nachzulesen in Bateson et al. 1956, S. 251-264. Als Grundlegendes Werk zur Familienhomöostase vgl. Jackson (1957). Einen Überblick über die Inter-aktionstheorie vermittelt Jackson 1959, S. 121-141.

12 Einen Überblick über die verschiedenen Orientierungen und weitere Vertreter der Familienthe- rapie geben Schlippe/Schweitzer 2003, S. 18-23.

13 Zwischen systemischer Therapie und systemischer Beratung bestehen keine grundsätzlichen theoretischen und methodischen Differenzen. Unterschiede resultieren aus den Handlungsfeldern, die divergierende Eigen-Logiken aufweisen wie beispielsweise Medizin, Psychotherapie und Sozial-arbeit (vgl. Schlippe/Schweitzer 2003, S. 15).

14 Trotz dessen soll der Sinn der Methodologie der von Kamlah und Lorenzen begründeten Art des Konstruktivismus in keiner Weise in Abrede gestellt werden (vgl. Lorenzen 1974). Diese konstruk-tivistische Variante beschäftigte sich mit dem Anspruch der methodischen Rekapitulierbarkeit wissenschaftlichen Arbeitens.

15 Vergleiche zu Grundlegendem und neueren Diskussionen zum Realismus Lyre, H. (2004).

16 Zur Abgrenzung des Konstruktivismus von anderen wissenschaftstheoretischen Ansätzen sei auf Hacker 1978, S. 87-122 verwiesen, der eine ausführliche inhaltliche Verortung des Konstruktivis-mus vornimmt.

17 Vgl. als grundlegendes Werk dazu Piaget (1976).

18 Weiterführend vgl. Berger/Luckmann 1980, S. 55 über Genese und Präsenz gesellschaftlicher Ordnung und die doppelte soziale Wirklichkeitskonstruktion.

19 Zur Geschichte des Autopoiesisbegriffs vgl. als wegbereitende Arbeiten Prigogines Theorie dissi-pativer Strukturen (1979, 1984), die Theorie der Synergetik Hakens (1981), die Chaostheorie Lo­renz (1993) und die interdisziplinären systemtheoretisch-kybernetischen Ansätze von Foersters (1979, 1981a, 1981b).

20 Der Begriff Selbstorganisation wurde zuerst von v. Foerster verwendet; nachzulesen in v. Ameln 2004, S. 168.

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Titel: Das Paradigma des systemischen Beratungsansatzes in pädagogischen Handlungsfeldern