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Was ist eine gute Schule?

Auswirkungen guten Unterrichts auf gute Schule

Hausarbeit 2007 28 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

A Unterricht und Schule
1. Ist guter Unterricht gleichzusetzen mit guter Schule?
1.1 Merkmale guten Unterrichts
1.2 Merkmale einer guten Schule
1.3 Fazit
2. Schulqualität durch Schulentwicklung

B Was tragen Ganztagsschulen zur Qualitätssicherung bei?

C Formen offenen Unterrichts

D Demokratisch ausgerichtete Schulen

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Man hört viel von der notwendigen Qualitätssicherung in Unterricht und Schule. Aber es wird nicht genau gesagt, wie diese Qualitätssicherung zueinander korreliert. Hilbert Meyer hat neben vielen anderen deutschsprachigen Autoren wie Andreas Helmke ein Werk zur Unterrichtsqualität verfasst. Diese Notwendigkeit bestand nicht nur seit den TIMSS und Pisa-Studien und dem daraus resultierenden Bestreben, den Unterricht und somit den Erfolg der Schülerinnen und Schüler in Deutschland zu verbessern.

Ziel dieser Arbeit soll es sein, die Kriterien guten Unterrichts darzustellen und die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu den Kriterien guter Schule herauszuarbeiten. Hierbei soll auch auf die Schulentwicklung und deren Auswirkungen auf die Sicherung, Erhaltung und Entwicklung von Qualität eingegangen werden. Diese Arbeit soll versuchen, anhand erziehungswissenschaftlicher Literatur, Antworten auf Fragen des Zusammenhangs zwischen gutem Unterricht und guter Schule, zu finden.

Im Teil A der Hausarbeit werden die Kriterien guten Unterrichts und guter Schule dargestellt. Hierbei werden ähnlich wie bei Hilbert Meyer, Arbeitsdefinitionen formuliert, die eine Grund- und Ausgangsvoraussetzung für das weitere Verständnis der Thematik schaffen sollen. Die Merkmale guten Unterrichts und guter Schule sollen hier weitgehend nach Helmke und Meyer erläutert werden, so dass Gemeinsamkeiten und Unterschiede und die gegenseitige Beeinflussung verdeutlicht werden können. An dieser Stelle soll ein Bezug zur Schulentwicklung hergestellt werden. Teil B, C und D sollen einen Einblick in ausgewählte drei Bereiche einer guten Schule geben, so dass die theoretischen Grundlagen an praktizierten Möglichkeiten und Methoden transparent dargestellt werden können. Hierbei sollen die Anwendungsgebiete kurz erläutert und die Erfolgsaussichten diskutiert werden. Ausgewählt wurden hierzu Ganztagsschulen, demokratisch ausgerichtete Schulen und offene Unterrichtsformen.

Den letzten Teil der Arbeit bildet das Fazit, in dem die Ergebnisse dieser Hausarbeit zu den benannten Fragestellungen zusammengefasst werden sollen.

A Unterricht und Schule

Unterricht und Schule sind die zwei bedeutende Faktoren und Bestandteile des Bildungswesens. Das eine folgt dem anderen. Das eine stammt aus dem anderen und sie bedingen sich gegenseitig. Ähnlich wie bei einem Huhn und dem Ei. Kann man nun Unterricht losgelöst von der Schule betrachten oder umgekehrt? Wie wirkt sich ein guter Unterricht auf die Qualität der Schule aus? Kann eine gute Schule auch Unterrichtsstunden beinhalten, die schlecht sind? Wie definiert sich im Bildungswesen gut oder schlecht? Was sind die Kennzeichen eines guten Unterrichts? Wie verhelfen sie zu einer guten Schule? Was trägt die Schul- und Unterrichtsqualität zur Schulentwicklung bei?

1. Ist guter Unterricht gleichzusetzen mit guter Schule?

Auf diese Frage soll das einführende Kapitel dieser Hausarbeit, Antworten bringen. Zunächst sollte aber geklärt werden, was unter gutem Unterricht und guter Schule verstanden wird. Daher scheint es vorteilhaft, zunächst eine Arbeitsdefinition zu „Gutem Unterricht“ anzubringen:

„Guter Unterricht“ ist ein Unterricht, in dem

(1) im Rahmen einer demokratischen Unterrichtskultur
(2) auf der Grundlage des Erziehungsauftrags
(3) und mit dem Ziel eines gelingenden Arbeitsbündnisses
(4) eine sinnstiftende Orientierung
(5) und ein Beitrag zur nachhaltigen Kompetenzentwicklung aller Schülerinnen und Schüler geleistet wird. (vgl. Meyer 2004, S.13)[1]

Die in der Arbeitsdefinition verwendeten Begriffe von Hilbert Meyer, dem Verfasser von Studienbüchern zur Didaktik und Schulpädagogik sollen im Folgenden kurz erläutert werden, um die Basis aufrecht zu erhalten.

Eine demokratische Unterrichtskultur bewirkt durch Gleichberechtigung, Chancengleichheit, Mündigkeit und Solidarität der SchülerInnen einen Beitrag zum Bestand und Weiterentwicklung der Gesellschaft. Dies beinhaltet auch die Förderung der benachteiligten SchülerInnen. (vgl. Meyer (2004), S. 13)

Der Erziehungsauftrag der Schule ist in § 2 der Allgemeinen Schulordnung für das Land Nordrhein-Westfalen festgehalten. Nicht nur auf Grundlage des Grundgesetzes und der Landesverfassung soll Schule die allgemeinen Bildungs- und Erziehungsziele individuell verwirklichen. Hierbei wird in Absatz 3 betont, dass das Erziehungsrecht der Eltern seitens der Schule zu achten ist und eine Mitwirkung bei der partnerschaftlichen Verwirklichung der Bildungs- und Erziehungsziele gewünscht wird. Die Schule soll hierbei die erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Werthaltungen vermitteln und die individuellen Voraussetzungen der SchülerInnen berücksichtigen. Schlussendlich sollen die SchülerInnen befähigt werden, eigenverantwortlich am sozialen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, beruflichen, kulturellen und politischen Leben teilzunehmen und ihr eigenes Leben zu gestalten.[2]

Ein Arbeitsbündnis hierzu schafft eine gemeinsame Grundlage für SchülerInnen und LehrerInnen durch die im Unterrichtsverband gemeinsam beschlossenen Rechte, Pflichten, Regeln und die jeweiligen Leistungserbringungen der beteiligten Personen.[3] Das Arbeitsbündnis stellt einen „didaktisch-sozialen Vertrag zwischen dem Lehrer und seinen Schülern dar“. (s. Meyer (2004), S. 130)

Die sinnstiftende Orientierung schließt neben der Weckung der Urteilskraft auch die Stärkung der Persönlichkeit der SchülerInnen ein. Bei der Bewältigung der persönlichen Entwicklungsaufgaben soll eine sinnstiftende Orientierung geboten werden. (vgl. Meyer (2004), S. 14)

Unter nachhaltige Kompetenzentwicklung sind die Hilfsangebote seitens der Schule gemeint, die die SchülerInnen im systematischen Wissens- und Könnensaufbau stärken. (vgl. Meyer (2004), S. 14)

Was sind nun auf Grundlage dieser Arbeitsdefinition, die Merkmale eines guten Unterrichts? Was zeigt der Stand der empirischen erziehungswissenschaftlichen Forschung? Im Folgenden sollen Kriterien guten Unterrichts nach Andreas Helmke[4] zusammengefasst werden.

1.1 Merkmale guten Unterrichts

Kriterien für die Merkmale guten Unterrichts nach Helmke

Als Grundlage für die Kriteriensammlung guten Unterrichts dienten Helmke verschiedene Theorien, Forschungen und Konzepte um Orientierungen und Strategien zur Bestimmung der Unterrichtsqualität zu erhalten. Hieraus bildete er ein „Angebot-Nutzungsmodell unterrichtlicher Wirkungen“, die er anhand von sechs Erklärungsblöcken kurz erläutert. Demnach hängt guter Unterricht im Grunde davon ab, welches Ziel bzw. welche Zielkriterien formuliert wurden und natürlich auch, aus welcher Perspektive die Unterrichtsqualität betrachtet wird.[5]

Angebot-Nutzungs-Modell unterrichtlicher Wirkungen[6] von A. Helmke

Das Angebot-Nutzungs-Modell von Helmke basiert auf Arbeiten von Fend (1981) und Helmke & Weinert (1997). Das Angebot-Nutzungs-Modell umfasst sowohl Merkmale der Lehrperson als auch des Unterrichts und versucht diese in ein umfassendes Modell der Wirkungsweise und Zielkriterien einzubeziehen. Demnach ist der von der Lehrperson gegebene Unterricht ein Angebot, was nicht notwendigerweise zu den Wirkungen führen müsse, da Erwartungen der Lehrperson nicht unbedingt von den SchülerInnen so wahrgenommen würden, wie seitens der Lehrperson gewünscht wäre. Zudem spielen verschiede Prozesse (motivational, emotional, volitional, Lernaktivität etc.) seitens der SchülerInnen eine entscheidende Rolle bei der Wirksamkeit.

„Die Mediationsprozesse – Wahrnehmung/Interpretation der Lehrkraft bzw. des Unterrichts und aktive Lernprozesse – hängen ihrerseits entscheidend von den individuellen Eingangsbedingungen (insbesondere dem Vorkenntnisniveau, den Lernstrategien und der Lernmotivation) der Schüler und vom Klassenkontext ab (z. B. ob es sich um ein leistungsfreundliches oder –feindliches Klima handelt, ob die Schicht- und Sprachzusammensetzung der Klasse lernförderlich oder lernhemmend ist.“[7]

Zehn Kriterien guten Unterrichts nach Andreas Helmke

Folgende zehn Kriterien erscheinen für Helmke als wirkungsvoll, um einen qualitativen Unterricht zu gestalten. Hierunter fallen: Engagement und Lehrmotivation, Subjektive Theorien und epistemologische Überzeugungen, Fähigkeit und Bereitschaft zur Selbstreflexion und Selbstverbesserung, Fachwissenschaftliche Expertise, Didaktische Expertise (Klarheit, Methodenvielfalt, Individualisierung), Motivierungsqualität, Klassenführung, Diagnostische Expertise, Unterrichtsqualität: Lehr- und Lernzeit und Qualität des Lehr- und Lernmaterials.

Engagement und Lehrmotivation

Der Unterrichtserfolg hängt nach Helmke mit Sicherheit von der Einstellung der Lehrkraft zum unterrichtenden Fach ab. Auch wenn empirisch derzeit noch wenig über die Rolle des Leistungsmotivs, Anschlussmotivs oder Machtmotivs der Lehrkräfte bekannt ist, geht Helmke von der entscheidenden Bedingung des Unterrichtserfolges aus. Die Forschung habe sich nach Helmke zum Enthusiasmus von Lehrkräften geäußert. Hierbei spielen laut Helmke „ausgeprägte Gestik, wechselnde Intonationen, ständiger Blickkontakt, häufiger Standortwechsel auf der ‚Bühne‘ sowie Humor, lebende Beispiele und lebendige und überzeugende Kommunikation mit den Schülern wichtige Rollen.[8]

Subjektive Theorien und epistemologische Überzeugungen

Subjektive Theorien beschreiben subjektive Aussagen- und Überzeugungssysteme. Sie sind zwar ähnlich aufgebaut und strukturiert wie wissenschaftliche Theorien ohne aber deren Gütekriterien (Systematik, Explizitheit, Falsifizierbarkeit etc.) aufzuweisen. Dafür leiten sie aber das Handeln meist sehr viel stärker als wissenschaftliche Theorien.[9]

„Für die Frage nach dem Unterrichtserfolg und der Veränderung des Unterrichts sind subjektive Theorien von Lehrpersonen von großem Interesse, denn sie steuern – vielfach gar nicht bewusst – das Lehrerhandeln; eine oberflächliche Veränderung von Unterrichtsmethoden (z. B. stärker schüleraktivierend) ohne vorherige Bewusstmachung und ggf. Veränderung der entsprechenden subjektiven Theorien und Überzeugungen führt unter Umständen in eine Sackgasse – oder in die Irre.“[10]

Epistemologische Überzeugungen beziehen sich auf die Struktur der Wissenserzeugung oder auf die Struktur des Wissens/des Lernens. Beispiele hierfür sind Überzeugungen, die davon ausgehen, dass Lernen bzw. die Lernfähigkeit angeboren ist und im Grunde unveränderbar ist. Dieses Kriterien stellen die subjektive Einstellung der einzelnen Teilnehmer im Prozess Unterricht dar. Sie sind meist unbewusst, steuern aber überwiegend Handeln und Haltungen.

Fähigkeiten und Bereitschaft zur Selbstreflexion und Selbstverbesserung

Helmke beschreibt dieses Kriterium trotz der betonten besonderen Bedeutung für Unterrichtsqualität nur sehr kurz. Er sagt, dass die Fähigkeit und Bereitschaft, den eigenen Unterricht in seiner Gesamtheit jederzeit selbstkritisch zu hinterfragen, verfügbare Methoden und Werkzeuge zur Selbstdiagnose und –verbesserung einzuholen, ein zentrales und für den Unterrichtserfolg unabdingbares Merkmal der Lehrperson sei.[11]

Fachwissenschaftliche Expertise

Helmke betont die Bedeutung der fachwissenschaftlichen Kompetenz der Lehrkräfte. Laut Bromme (1997)[12] sei aber der Zusammenhang zwischen fachwissenschaftlicher Kompetenz und Unterrichtserfolg nicht ausschlaggebend, weil Lehrkräfte eigene Defizite bis zu einem bestimmten Grad kompensieren könnten. Wichtig sei hierbei die Mischung aus fachwissenschaftlicher und fachdidaktischer, pädagogischer, psychologischer und entwicklungspsychologischer Kompetenz der Lehrkraft. Die Schlussfolgerung hieraus wäre, dass Lehrkräfte nicht alles wissen müssen, sobald sie dieses Defizit durch den Einsatz fachdidaktischer, pädagogischer, psychologischer und entwicklungspsychologischer Methoden kompensieren können.

Didaktische Expertise

Die didaktische Expertise behandelt eine Vielfalt von verschiedenen Unterrichtsformen, die je nach Bedarf eingesetzt werden können.

Klarheit

Hier sind Lehreräußerungen im Unterrichtsprozess vorrangig gemeint.

Akustische Verständlichkeit der Lehreräußerungen

Es ist nach Helmke wichtig, dass die Lehrkraft akustisch gut zu verstehen ist, d. h. in angemessener Lautstärke spricht, sich gut artikuliert, von Füllworten („ja“, „ne“, „ok“, „äh“, „ähm“ etc.) abweicht, auch wenn die SchülerInnen sich nach kurzer Zeit an Sprecheigentümlichkeiten ihrer Lehrer gewöhnen.

[...]


[1] Meyer, Hilbert (2002): Was ist guter Unterricht? Cornelsen Scriptor, Berlin.

[2] Schulgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen (Schulgesetz NRW – SchulG) vom 15. Februar 2005 (GV. NRW. S. 102)

zuletzt geändert durch Gesetz vom 27. Juni 2006 (GV. NRW. S. 278)

http://www.schulministerium.nrw.de/BP/Schulrecht/Gesetze/SchulG_Info/SchulG_Text.pdf, §2 Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule.

[3] Nach Meyer (2004), S. 130 Definition 17: Arbeitsbündnis.

[4] Helmke (2007): Unterrichtsqualität. Erfassen – Bewerten – Verbessern. 5. Auflage. Seelze.

[5] Vgl. Helmke (2007), S. 46 f.

[6] Vgl. Helmke (2007), S. 41 ff.

[7] Helmke (2006), S. 42

[8] Gage & Berliner (1996), zitiert nach Helmke (2006), S. 51

[9] Rheinberg et al., 2001, zitiert nach Helmke (2006), S. 52

[10] Helmke (2006), S. 52

[11] Vgl. Helmke (2006), S. 53

[12] Bromme (2007), zitiert nach Helmke (2006), S. 59

Details

Seiten
28
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640464241
ISBN (Buch)
9783640461424
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v137819
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen – Bildungswissenschaften
Note
1-2
Schlagworte
Schulentwicklun Schulqualität Schulprogramm Schulprofil Unterrichtsqualität Unterrichtsentwicklung Qualitätssicherung Offener Unterricht Demokratisch ausgerichtete Schulen

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