Lade Inhalt...

Die Stadt-Umland-Beziehung am Beispiel Bremen und die Umsetzung des Themas im Geographieunterricht

Hausarbeit 2009 24 Seiten

Didaktik - Geowissenschaften / Geographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Stadt und Umland
2.1 Geographische r Stadtbegriff
2.2 Suburbanisierung dargestellt am Phasenmodell von Agglomerationsräumen
2.3 Stadt und Umland als Verflechtungsraum

3. Stadt-Umland-Beziehungen am Beispiel Bremen
3.1 Lage und Größe
3.2 Entwicklungen in der Region Bremen
3.2.1 Suburbanisierung der Bevölkerung
3.2.2 Wirtschaftliche Entwicklungen
3.3 Probleme für die Kernstadt

4. Umsetzung des Themas Stadt und Umland im Geographieunterricht
4.1 Didaktische Überlegungen
4.2 Methodische Überlegungen

5.Fazit

6. Literaturverzeichnis

7 Anhang

1. Einleitung

Den Beziehungen von Stadt und Umland kommt nicht nur innerhalb geographischer Forschungen eine bedeutende Rolle zu, sondern beeinflusst auch unser eigenes Leben. Viele Menschen, die im Umland einer Stadt leben, verbringen täglich viel Zeit in Zug, Bus oder Auto, um ihre Arbeitsstätte oder Schule in der Stadt zu erreichen.

Im Rahmen meiner Hausarbeit möchte ich klären, wie diese Verflechtungen zwischen Stadt und Umland zustande kommen. Wie prägen diese Beziehungen das Leben der Menschen im Umland? Und welche Probleme ergeben sich daraus für die Stadt? Dies sind weitere Fragen, die beantwortet werden sollen. Da Stadt und Umland als Lebensraum außerdem einen wichtigen Abschnitt der unmittelbaren Lebenswelt der Kinder ausmacht, sollte die Thematik auch in der Schule behandelt werden. Deswegen ist es ein weiteres Ziel meiner Hausarbeit, zu zeigen wie die Thematik der Stadt-Umlands-Beziehungen im Geographieunterricht umgesetzt werden können. Die Hausarbeit lässt sich in drei Teile untergliedern.

Der erste Teil meiner Hausarbeit soll sich den allgemeinen Stadt-Umland-Beziehungen widmen. Hierbei soll zunächst auf den geographischen Stadtbegriff eingegangen werden, wobei geklärt werden soll, was eine Stadt im Gegensatz zu ihrer ländlichen Umgebung eigentlich ausmacht. Wie sich die Stadt und die Beziehung zu ihrem Umland im Zuge des Prozesses der Suburbanisierung verändert hat, soll anschließend näher erläutert werden. Abschließen soll dieser Teil mit der Darlegung des für heutige Industriestaaten typischen Beziehungsstatus von der Stadt und ihrem Umland, nämlich Stadt und Umland als Verflechtungsraum.

Im zweiten Teil soll der Stadtstaat Bremen beispielhaft für einen Raum stehen, der in den letzten Jahrzehnten aufgrund der Suburbanisierung vielfältige Entwicklungen vollzogen hat. Nach einer kurzen Beschreibung zur Lage und Größe Bremens, sollen Veränderungen hinsichtlich der Bevölkerung und der Wirtschaft Bremens, die im Zusammenhang mit der Suburbanisierung stehen, dargelegt werden. Da diese Entwicklungen nicht ohne Folge für die Kernstadt blieben, sollen außerdem Probleme aufgezeigt werden, die sich durch die Suburbanisierung für diese ergeben.

Wie die Thematik der Stadt-Umland-Beziehung im Geographieunterricht umgesetzt werden kann, soll anhand eines Beispiels im dritten Teil der Hausarbeit gezeigt werden.

Abschließend möchte ich in einem persönlichen Fazit Stellung zu der Thematik nehmen.

2. Stadt und Umland

2.1 Geographische r Stadtbegriff

Eine eindeutige Definition für den Begriff der Stadt zu finden erweist sich als äußerst schwierig, da diesem je nach Zeit sowie Raum und dessen Entwicklungsstand unterschiedliche Kriterien zugewiesen werden. Hinzu kommt, dass in den heutigen Industriestaaten aufgrund des Prozesses der Suburbanisierung, welcher in den folgenden Punkten noch näher beschrieben wird, die Grenze zwischen Stadt und Land zunehmend verschwimmt (vgl. Heineberg 2000, S. 23). Des Weiteren ist die Stadt ein „multidisziplinärer Forschungsbereich“ (Quelle: Lichtenberger 1986, S.35), es liegen demzufolge verschiedene Definitionen des Stadtbegriffes von den unterschiedlichen Wissenschaften vor, wie beispielsweise der soziologische, historisch-juristische oder der statistisch-administrative Stadtbegriff (vgl. Heineberg 2000, S. 23ff.). Im Folgenden soll der geographische Stadtbegriff näher erläutert werden, da dieser vielschichtiger ist als die Genannten. Im Gegensatz zu dem statistisch-administrativen Stadtbegriff, welcher sich lediglich nach den Einwohnerzahlen richtet, beinhaltet der geographische Stadtbegriff unter anderem auch wirtschaftliche und soziale Aspekte. In der Literatur finden sich zahlreiche Merkmale zum geographischen Stadtbegriff. An dieser Stelle sollen die sechs Kennzeichen des geographischen Stadtbegriffs nach Bähr und Jürgens dargestellt werden.

In der Vergangenheit war die Geschlossenheit der Ortsform für einen langen Zeitraum charakteristisch für eine Stadt, da die Grenze zwischen Stadt und Land, beispielsweise durch Mauern, deutlich auszumachen war. Der Prozess der Suburbanisierung führte dazu, dass diese Grenze heute nicht mehr vorhanden ist. Zu unterscheiden sind die zwei Räume jedoch heute häufig dadurch, dass viele Städte eine „Hohe Bebauungsdichte und Mehrstöckigkeit der Gebäude“ (Quelle: Bähr / Jürgens 2005, S.22) aufweisen. Diese dichte Bebauung leitet zu einem weiteren Kennzeichen von Städten, nämlich dem Mindestmaß an Bevölkerung und Fläche. Dabei war lange Zeit eine abfallende Bevölkerungsdichte vom Stadtinneren nach außen charakteristisch, was jedoch in größeren Städten aufgrund des Prozesses der Citybildung[1] verändert wurde. Auch wenn Städte eine lange Zeit wegen der Wanderungen der Bevölkerung vom Land in die Stadt gewachsen sind, hat dieses Phänomen in den Industriestaaten mittlerweile abgenommen (vgl. ebd., S.22).

Als weiteres Merkmal zählt, dass der Großteil der Beschäftigten im sekundären und tertiären Bereich tätig ist, wobei eine hohe Arbeitsteiligkeit vorliegt. Da bei gleichzeitiger Konzentration der Arbeitsplätze innerhalb der Stadt viele Beschäftigte außerhalb der Stadt wohnhaft sind, verfügt die Stadt weiterhin über einen Einpendlerüberschuss (vgl. Bähr / Jürgens 2005, S.22f.).

Ferner macht ein Vorherrschen städtischer Lebens- und Kulturformen eine Stadt aus, was auch als Urbanität beschrieben wird. Hierzu zählen zum Beispiel charakteristische Haushaltsgrößen und Familienstrukturen, wie Einpersonenhaushalte und nicht eheliche Lebensgemeinschaften. Freizeitverhalten, Konsummuster und kulturelle Orientierung gehören außerdem dazu (vgl. ebd., S.23).

Eine innere Differenzierung, auch Viertelsbildung genannt, ist ebenfalls typisch für Städte. Hierbei unterscheidet man zwischen City, „Industrie- und Gewerbegebieten, Mischzonen sowie Wohnvierteln“ (Quelle: ebd., S.23). Bezüglich der Wohnviertel findet eine weitere Wohnsegration statt, das heißt, dass Bewohner aus unterschiedlichen sozialen Schichten räumlich getrennt, also in verschiedenen Stadtvierteln, leben (vgl. ebd., S.23).

Das letzte Merkmal beschreibt das Mindestmaß an Zentralität, welches Städte aufweisen. Waren und Dienstleistungsangebot der Stadt wird demnach nicht nur von den Bewohnern der Stadt sondern auch der des Umlandes in Anspruch genommen (vgl. ebd., S.22).

Abschließend lässt sich festhalten, dass der geographische Stadtbegriff sehr komplex ist, weil ihm vielfältige Kriterien zugrunde liegen. Diese sind jedoch keine festen Determinanten, sondern nach Zeit und Raum veränderbar. Demzufolge gibt es nicht den einen geographischen Stadtbegriff, sondern einen wandelbaren geographischen Stadtbegriff, wobei „Auffassungen nicht aufgegeben, sondern relativiert und durch neue ergänzt [werden]“ (Quelle Heineberg 2000, S. 25).

2.2 Suburbanisierung dargestellt am Phasenmodell von Agglomerationsräumen

Wie im vorangegangenen Punkt dargestellt, ist der geographische Stadtbegriff ein dynamischer Begriff, woraus sich schließen lässt, dass auch Städte an sich ständigen Veränderungen unterliegen. Mit Augenmerk darauf spielt in den Industriestaaten der Prozess der Suburbanisierung eine bedeutende Rolle. Ganz allgemein meint dieser Prozess, das Ausdehnen von Städten über ihre bisherigen Grenzen hinaus (vgl. Brake 2001, S.15). Genauer betrachtet meint Suburbanisierung die „intraregionale Dekonzentration von Bevölkerung, Arbeitsplätzen und Infrastrukturen in verdichteten Regionen (mit einer oder mehreren Kernstädten) hochindustrialisierter Länder“ (Quelle Heineberg 2000, S. 40). Zum bessern Verständnis der Entstehung des Suburbanisierungsprozesses, soll dieser im Zusammenhang mit vorrangegangenen und nachfolgenden Prozessen betrachtet werden. In Anbetracht dessen eignet sich das Phasenmodell von Agglomerationsräumen von Gaebe zur Erläuterung besonders gut.

Das Modell beschreibt Entwicklungen hinsichtlich Bevölkerung und Beschäftigung in sogenannten Agglomerationsräumen. Mit diesem Begriff werden allgemein Verdichtungs-äume „mit einer gewissen Kernbildung, einer bestimmten Flächenausdehnung und einer größeren Mindestbevölkerungszahl“ (Quelle: ebd., S. 51) bezeichnet.

In dem Modell lassen sich vier Phasen unterscheiden. Die erste Phase, die Urbanisierungsphase, ist durch einen Zuwachs an Bevölkerung und Beschäftigten innerhalb der Kernstadt geprägt, was mit dem wirtschaftlichen Wachstum des 19. Jahrhunderts zusammenhängt. Das Einkommen sowie das noch nicht so stark ausgebaute Verkehrsnetz machten eine größere räumliche Entfernung von Wohnen und Arbeit für die Bevölkerung jedoch noch unmöglich, weshalb die Konzentration von Bevölkerung und Wirtschaft noch in der Kernstadt lagen (vgl. ebd., S.52).

In der zweiten Phase vollzieht sich der Prozess der Suburbanisierung. Dieser setzte in den Industriestaaten bereits im 19. Jahrhundert ein. Dass Bevölkerung und Beschäftigung im Umland einen größeren Zuwachs verzeichnen als die Kernstadt ist das wesentliche Merkmal dieser Phase. Hauptgrund für diese Entwicklung ist, dass „ein steigender Flächenbedarf derjenigen Akteure [besteht], die ein Interesse am Gesamtstandort einer Stadtregion haben, dieses jedoch in der Kernstadt nicht befriedigen wollen oder können“ (Quelle: Brake 2001, S.15). Akteure meint hier zum einen die Bevölkerung, welche überwiegend aufgrund von Wohnungsmangel innerhalb der Stadt sowie höherer Wohnqualität im Umland aus der Kernstadt fortzieht. Weitere Akteure sind Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen, welche wegen zahlreicher Vorteile des Umlandes, wie große und günstige freie Gewerbeflächen, die darüber hinaus gut erreichbar sind, eine Verlagerung in das Umland vornehmen (vgl. Heineberg 2000, S. 52f.).

An dem Punkt, an welchem zwar noch eine Zunahme im Umland erfolgt, diese aber die Verluste in der Kernstadt nicht mehr ausgleicht, spricht man von Des- oder Deurbanisierung. In dieser dritten Phase des Modells erfolgt demnach eine „absolute Bevölkerungs- und Beschäftigungsabnahme im gesamten Agglomerationsraum“ (Quelle: ebd., S. 53; zitiert nach: Gaebe 1991, S.8). Hiervon besonders betroffen sind Räume mit monoton strukturierter Industrie, da diese weniger erneuerungsfähig sind als Städte mit weniger Altlasten, welche auf Arbeitskräfte und Betriebe häufig attraktiver wirken (vgl. ebd., S. 53f.; zitiert nach: Gaebe 1991, S.9).

Die letzte Phase, die Phase der Reurbanisierung, ist durch einen Anstieg von Bevölkerung und Beschäftigung in der Kernstadt gekennzeichnet, welcher durch eine Erneuerung dieser bewirkt wird. Im Zusammenhang damit steht häufig auch ein Prozess der Aufwertung, „der auf der Verdrängung unterer Einkommensgruppen durch den Zuzug wohlhabenderer Schichten basiert und zu Quälitätsverbesserungen im Gebäudebestand führt“ (Quelle: ebd., S. 18; zitiert nach Helbrecht 1996a, S.2; zitiert nach Johnston 1994, S.216). Dieser Prozess wird als „Gentrification“ bezeichnet.

Nach Betrachtung des Phasenmodells muss jedoch erwähnt werden, dass der Modellcharakter nicht außer Acht gelassen werden darf. So muss sich der Prozess der Suburbanisierung nicht innerhalb der beschriebenen Reihenfolge der anderen Phasen vollziehen, sondern kann auch gleichzeitig mit der Phase der Urbanisierung und Desurbanisierung auftreten (vgl. ebd., S. 55).

2.3 Stadt und Umland als Verflechtungsraum

Mit dem in Punkt 2.2 beschriebenen Prozess der Suburbanisierung ging ein Hinauswachsen der Stadt über ihre ursprünglichen administrativen Grenzen und ein Entstehen städtischer Siedlunsgebiete im ländlichen Raum einher. Als Resultat daraus entstanden vermehrt Verflechtungen zwischen Stadt und Umland. Für die Stadt- und Regionalforschung bedeutete dies, Modelle zu entwickeln, die diesen Prozess berücksichtigen. In Deutschland wurde dem Modell der Stadtregionen von Boustedt ein besonderer Stellenwert zugeschrieben, welches von dem oben genannten Grundgedanken einer tiefgreifenden Stadt-Umland-Verflechtung ausgeht (vgl. Tempel 1993, S.7ff.).

Wie Abbildung 1 auf der folgenden Seite zeigt, sind die beiden grundlegenden Elemente des Modells das Kerngebiet der Stadt, bestehend aus Kernstadt und Ergänzungsgebiet, welches der Kernstadt in struktureller und funktionaler Hinsicht ähnelt, sowie das in zonale Untereinheiten gegliederte Umland. Die Gliederung des Umlandes wurde auf der Grundlage bestimmter Indikatoren festgelegt, welchen jeweils bestimmte Grenzwerte zugeschrieben wurden. Ein Indikator stellt die Bevölkerungsdichte (Einwohner pro Quadratkilometer) dar, welche zur Darstellung der baulichen Verstädterung dient. Zweiter Indikator ist der Anteil der in der Landwirtschaft tätigen Erwerbspersonen zur Veranschaulichung der sozialen Verstädterung. Ferner gelten die Pendlerbewegungen als Indikator. Hierzu zählt erstens die

[...]


[1] „Funktionswandel des zentralst gelegenen Standortraumes einer Stadt […]. Dieser Wandel ist durch eine zunehmende Konzentration von Einzelhandels- sowie öffentlichen und privaten Dienstleistungseinrichtungen […] und eine dadurch bedingte strake Abwanderung […] der Wohnbevölkerung gekennzeichnet.“ (Quelle: Heineberg 2000, S. 16.)

Details

Seiten
24
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640466375
ISBN (Buch)
9783640466467
Dateigröße
869 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v137776
Institution / Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta
Note
1,3
Schlagworte
Stadt Umland Bremen Stadt-Umland-Beziehung Geographieunterricht

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die Stadt-Umland-Beziehung am Beispiel Bremen und die Umsetzung des Themas im Geographieunterricht