Lade Inhalt...

Private Equity vor und nach der Finanzkrise

Und wie der Mittelstand von den veränderten Rahmenbedingungen profitieren kann

Bachelorarbeit 2009 94 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

INHALT

1 EINLEITUNG

2 DEFINITIONEN DER BEGRIFFE AGGRESSION UND GEWALT
2.1 DEFINITIONEN VON AGGRESSION
2.2 DEFINITIONEN VON GEWALT

3 THEORIEN ZUM ERWERB UND URSACHEN AGGRESSIVEN VERHALTENS
3.1 PSYCHOLOGISCHE THEORIEN
3.1.1 Triebtheorien
3.1.1.1 Triebtheorie aus der Psychoanalyse
3.1.1.2 Triebtheorien aus der Ethologie
3.1.2 Frustrations-Aggressionstheorie
3.1.3 Lerntheorien
3.1.3.1 Klassisches Konditionieren
3.1.3.2 Operantes Konditionieren
3.1.3.3 Lernen am Modell
3.2. SOZIOLOGISCHE ANSÄTZE
3.2.1 Anomietheorie
3.2.2 Soziale Kontrolltheorien
3.2.3 Interaktionistische Theorien
3.2.3.1 Identitätskonzepte
3.2.3.2 Definitions- und Etikettierungsprozesse

4 BEWERTUNG DER THEORIEN ALS MÖGLICHE ERKLÄRUNGSANSÄTZE FÜR DIE GEWALTENTSTEHUNG IN DER SCHULE
4.1 BEWERTUNG DER PSYCHOLOGISCHEN ANSÄTZE
4.1.1 Bewertung der Triebtheorien
4.1.2 Bewertung der Frustrations-Aggressionstheorie
4.1.3 Bewertung der Lerntheorien
4.2 BEWERTUNG DER SOZIOLOGISCHEN ANSÄTZE

5 FAZIT

LITERATURVERZEICHNIS

1 Einleitung

In den letzten 20 Jahren beschäftigte das Thema Gewalt in der Schule verstärkt die Öf- fentlichkeit (vgl. Hurrelmann & Bründel 2007, S. 7). Spätestens seit dem Amoklauf an einer Highschool in Columbine am 20. April 1999, ist Gewalt an Schulen ein Thema auch in der deutschen Öffentlichkeit (vgl. Siegele 2004, o. S.). Dabei ist historisch eindeutig, dass es noch nie eine gewaltfreie Schule gegeben hat, denn Aggressionen gehören zur menschlichen Grundausstattung. Doch kommen heut zu tage immer mehr Schüler/-innen in die Schule, die psychisch und sozial unsicher und irritiert sind. Sie bringen dabei viele Probleme aus ihrem Umfeld mit in die Schule, was die Schule schnell zu einem Austra- gungsort der Gewalt macht (vgl. Hurrelmann & Bründel 2007, S. 8).

Problematisch war, dass zu beginn der 90er Jahre dem Gewaltzustand an deutschen Schulen kaum angemessene Forschungsbefunde gegenüber standen. Dies änderte sich rasch, nachdem in den Medien immer häufiger über den desolaten Zustand an deutschen Schulen berichtet wurde. Heute liegt eine Vielzahl an Arbeiten vor, sie reichen von Befun- den zu Erscheinungsformen von Gewalt bis hin zu Präventionsansätzen (vgl. Holtappels 2006a, S. 7 f.).

Für (angehende) Lehrer/-innen ist das Thema der Gewalt an Schulen von besonders hoher Bedeutung. Sie sind damit täglich konfrontiert und müssen der Gewalt Einhalt gebieten. Doch sind viele Lehrer/-innen sich den Ursachen der Gewalt überhaupt be- wusst? Denn nur so können sie die Schüler/-innen und ihr Verhalten verstehen und ent- sprechend auf sie einwirken.

Angesichts der zunächst vernachlässigten Forschung hinsichtlich der Gewalt an Schulen, stellt sich die Frage, welche grundlegenden Erklärungsansätze und Theorien die wissen- schaftliche Literatur hinsichtlich der Gewalt an Schulen bietet. Die vorliegende Arbeit hat das Ziel, mögliche Ursachen für Gewaltentstehung an Schulen, insbesondere Berufsbil- denden Schulen, aufzuzeigen. Im Laufe der Arbeit werden dabei wesentliche Theorien erläutert, die, begonnen bei der menschlichen Psyche, Erklärungsansätze für Gewalt bieten.

Dafür wird zunächst ein verbales Fundament gelegt, um im Nachstehenden den Ausfüh- rungen der verschiedenen Aggressionstheorien folgen zu können. So werden in Kapitel 2 die grundlegenden Begriffe der Gewalt und der Aggression behandelt.

In Kapitel 3 wird konkret auf einige ausgewählte, ursprüngliche Theorien zur Gewaltent- stehung eingegangen. Unterschieden werden dabei die psychologischen und die soziolo- gischen Theorien.

Die psychologischen Theorien lassen sich aufgliedern in Triebtheorien, welche die Trieb- theorien der Psychoanalyse und der Ethologie umfassen, Frustrations-Aggressionstheorie und die Lerntheorien, worunter das klassische Konditionieren, das operante Konditionie- ren und das Lernen am Modell gehören. Im Anschluss an die psychologischen Erklä- rungsmodelle werden, das dritte Kapitel abschließend, die soziologischen Ansätze erläu- tert. Zu ihnen gehören die Anomietheorie, die soziale Kontrolltheorie und die interaktioni- stischen Theorien. Letztere Theorien beinhalten die Identitätskonzepte und die Definiti- ons- und Etikettierungsprozesse.

Daran anschließend soll in Kapitel 4 ein Bezug von den dargelegten Theorien zur Schule hergestellt werden. Dabei wird die Bedeutung der einzelnen Theorien hinsichtlich des Kontextes Schule untersucht.

Den Abschluss bildet das Fazit, in dem die Ergebnisse zusammengefasst und ein Resü- mee gezogen wird.

2 Definitionen der Begriffe Aggression und Gewalt

Im folgenden Kapitel werden die beiden Begriffe Aggression und Gewalt erläutert und gegeneinander abgrenzt. Aufgrund unterschiedlicher Auffassungen diverser Autoren hinsichtlich dieser Begriffe, werden zunächst verschiedenen Definitionen zu Aggression und Gewalt angeführt. Anschließend werden diese zusammengefasst und zur weiteren Verwendung in dieser Arbeit klar definiert.

2.1 Definitionen von Aggression

Das Begriffsverständnis im alltäglichen Sprachgebrauch und in den literarischen Definitio- nen bezüglich der Aggression ist sehr vielfältig. Eine eindeutige Auslegung gibt es nicht, da jeder mit Aggression andere Phänomene in Verbindung bringt oder den Begriff auf unterschiedliche Verhaltensweisen bezieht. Es ist daher schwer, eine klare Grenze zwi- schen aggressiven und nicht aggressiven Verhaltensweisen zu ziehen (vgl. Nolting 2004, S. 21).

Für die meisten Menschen hat Aggression etwas mit Schädigung, Verletzung oder Schmerzzufügung zu tun. Um die Fälle auszuschließen, die nur auf unglücklichen Um- ständen beruhen oder bei denen es sich um ein Versehen handelt, werden in den meisten Definitionen die Begriffe Intention, Absicht oder Zielsetzung genannt (vgl. Nolting 2004, S. 22).

Eine psychologische und pädagogische Deutung von Petermann und Petermann (1984, S. 3 f.) beschreibt die Aggression als ein Verhalten, welches darauf ausgerichtet ist, ande- re Personen direkt oder indirekt zu schädigen. Diese Schädigungsabsicht kann sich so- wohl auf Menschen, als auch auf Tiere oder Objekte beziehen.

Bandura, einer der bekanntesten Lernpsychologen, fasst seine Definition etwas weiter. Er beschreibt die Aggression als ein schädigendes und destruktives Verhalten, das im sozia- len Umfeld auf Grundlage einer Reihe von Faktoren als aggressiv definiert wird, von denen einige eher beim Beurteiler als beim Handelnden liegen (vgl. Kusche 2000, S. 20 f.). In dieser Definition wird deutlich, dass die Bewertung des aggressiven Handelns durch die Umwelt, also durch die vorherrschenden sozialen, juristischen oder moralischen Werte und Normen geschieht. Sie entscheiden demzufolge, ob ein aggressives bzw. gewalttäti- ges Verhalten vorliegt oder nicht (vgl. Lind 1993, S. 5). Eine klare Aufteilung zwischen objektiver Sachlage und subjektiver Bewertung sollte daher die Konsequenz für den Um- gang mit Aggression sein. Ob ein konkretes Verhalten, welches per Definition als aggres- siv gilt, als legitim oder illegitim, konstruktiv oder destruktiv, angemessen oder unange- messen eingeschätzt wird, hängt folglich ganz von den persönlichen und gesellschaftli- chen Anschauungen ab (vgl. Nolting 2004, S. 29).

Eine ebenso ausführliche Definition stammt von Zillmann, der davon ausgeht, „(...) daß (!) eine Aktivität dann als Aggression zu erklären ist, wenn die handelnde Person versucht, einer anderen Schaden oder Schmerz zuzufügen und das Opfer gleichzeitig danach strebt, die Tat zu vermeiden“ (Kusche 2000, S. 22). Zillmann differenziert dabei verschie- dene Typen der Aggression. Unterschieden wird unter anderem, ob die Aggression offen- siver oder defensiver Natur ist, ob sie dem Angriff oder der Verteidigung dient und ob sie provoziert oder unprovoziert geschieht. Bei diesen Unterscheidungen stellt sich die Paa- rung provoziert vs. unprovoziert als besonders problematisch heraus, da die Beteiligten den Konflikt verschieden bewerten und erfahrungsgemäß unterschiedlicher Meinung darüber sind, ob Provokation vorliegt oder nicht. In den meisten Fällen reagieren beide Parteien aggressiv, da sie sich durch das aggressive Verhalten des anderen provoziert fühlen und sehen folglich das eigene Verhalten als gerechtfertigte Vergeltung an (vgl. Kusche 2000, S. 22).

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Aggressivität ein Impuls ist, welcher den Menschen dazu verleiten kann in konkreten Sachlagen destruktive Handlungen gegen einen Menschen oder ein Objekt auszuüben. Dieser aggressive Impuls verwandelt sich in Aggression, wenn die Neigung zur Schädigung oder Verletzung absichtlich ausgeführt wird (vgl. Hurrelmann & Bründe]l 2007, S. 11).

2.2 Definitionen von Gewalt

In der Psychologie ist der Begriff der Aggression bei weitem gebräuchlicher als der Ge- waltbegriff. Gewalt beschreibt meistens nur sehr starke Ausprägungen der Aggression und kann als ein nutzbringendes Verhalten erklärt werden. Auch Gefühle, wie Hass, Wut oder Feindseligkeit werden häufig mit Gewalt in Verbindung gebracht. Aggression ist demgegenüber als ein impulsives Verhalten zu beschreiben (vgl. Kusche 2000, S. 17).

Hacker (1971, S. 15) definiert in diesem Kontext sehr treffend: „Nicht alle Aggression ist Gewalt, aber alle Gewalt ist Aggression“.

Für eine grundlegende Definition des Gewaltbegriffs ist die Brockhaus-Enzyklopädie heranzuziehen. Dort wird der Begriff Gewalt als die Anwendung von Zwang und unrecht- mäßigem (gewalttätigem) Vorgehen erklärt. Gleichzeitig wird er durch Macht, Kraft und Herrschaftsbefugnis beschrieben (vgl. Brockhaus-Enzyklopädie 1969, S. 265).

In der wissenschaftlichen Literatur ist der Gewaltbegriff jedoch sehr umstritten. In den meisten Interpretationen gilt Gewalt als Verletzung, Einschränkung oder Manipulation und damit als Schädigung oder Verhinderung eines ansonsten möglichen Sein-Könnens (vgl. Hilpert 2003, S. 66).

Johan Galtung, als wissenschaftlicher Vertreter der Friedens- und Konfliktforschung, geht noch weiter. Er unterscheidet zwischen struktureller und personaler Gewalt. Bei der per- sonalen Gewalt gibt es eine konkret zu benennende handelnde Person und das Objekt der Gewaltausübung, welches die Gewalt auch als solche wahrnimmt. Wohingegen bei der strukturellen Gewalt, die Gewalt vom Objekt schwer wahrgenommen werden kann, da es keinen Handelnden gibt, sondern die Gewalt in das System und die Strukturen mit eingebaut ist und sich durch ungleiche Macht- und Lebensverhältnisse äußert (vgl. Gal- tung 1975, S. 12). Galtung beschreibt demnach Gewalt als jene Auswirkung, welche eine denkbare Selbstverwirklichung hemmt und dann vorliegt, „(...) wenn Menschen so beein- flußt (!) werden, daß (!) ihre aktuelle somatische und geistige Verwirklichung geringer ist, als ihre aktuelle potentielle Verwirklichung“ (Galtung 1975, S. 9).

Im alltäglichen Sprachgebrauch hingegen wird unter dem Gewaltbegriff nachstehendes verstanden: „Gewalt liegt dann vor, wenn jemand eine andere Person oder Sache, die ihnen zugehören, absichtlich schädigt, verletzt oder gar zerstört, und wenn dieses Verhal- ten gegen bestehende Normen verstößt“ (Lind 1993, S. 5). Gewalt wird folglich auf eine offene und sichtbare physische Gewalt reduziert (vgl. Stangl 2007a, o. S.). Diese Ein- schränkung auf die körperliche Gewalt ist nicht gerechtfertigt, da physische Gewalt mit ihrer schwerwiegenden Wirkung häufig psychische Gewalt nach sich zieht. Somit muss diese Definition von Gewalt erweitert werden, weil es sich nicht nur um körperliche, son- dern auch um psychische Ausprägungen in allen Varianten handeln kann, also einer drohenden oder diskriminierenden Gewalt in sprachlicher, körperlicher oder symbolischer Form (vgl. Kusche 2000, S.13).

Um die beiden Begriffe Aggression und Gewalt klar zu definieren und voneinander zu unterscheiden kann zusammenfassend gesagt werden, dass Aggressivität ein Impuls der Angriffslust gegen einen Menschen oder ein Objekt ist. Sobald diese Angriffslust in ein absichtliches aggressives und schädigendes Verhalten übergeht, wird von Gewalt ge- sprochen. Hier liegt der Unterschied: Aggressionen ist ein Empfinden, welches zu zerstö- rerischen Handlungen führen kann, Gewalt ist aber immer eine zerstörerische Handlung, die entweder physisch oder psychisch ausgeprägt ist.

Trotz dieser Unterscheidungen sind die beiden Begriffe doch sehr ähnlicher Natur und beschreiben beide ein destruktives Verhalten. Daraus folgt, dass Gewalt und Aggression umgangssprachlich gleichberechtigte Begriffe sind, da sie dieselben Vorgänge beschrei- ben (vgl. Hurrelmann & Bründel 2007, S. 16 f.). In der wissenschaftlichen Sprache ist der Gebrauch von Aggression üblicher, wohingegen Gewalt den Begriff der Aggression we- gen seiner größeren Anschaulichkeit und Deutlichkeit weitgehend verdrängt hat (vgl. Hurrelmann & Bründel 2007, S. 16 f.). Aufgrund dieser Tatsache werden die Begriffe Aggression und Gewalt im weiteren Verlauf der Arbeit synonym verwendet.

3 Theorien zum Erwerb und Ursachen aggressiven Verhaltens

In diesem Kapitel werden Erklärungsansätze erläutert, um die Problematik der Aggressi- ons- und Gewaltentstehung darzustellen. Da es sich in der vorliegenden Arbeit um die Thematik der Gewalt an Schulen handelt, sollen schwerpunktmäßig nur die Gewaltphä- nomene thematisiert werden, welche die Schüler/-innen im Handlungsort Schule selbst als Gewalt erleben. Aus diesem Grunde werden nur die fundamentalen, ursprünglichen psychologischen und soziologischen Theorien betrachtet, auf welche in der Literatur am häufigsten zurückgegriffen wird.

Unzweifelhaft ist eine Gewaltausübung auch von der Institution Schule möglich. Diese strukturelle Gewaltform bleibt in dieser Arbeit jedoch unberücksichtigt, da dies ein weite- res Themenfeld öffnen und den Umfang dieser Arbeit überschreiten würde.

[...]

Details

Seiten
94
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640445165
ISBN (Buch)
9783640445479
Dateigröße
7.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v137243
Institution / Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen; Standort Nürtingen – European School of Finance
Note
1,3
Schlagworte
Private Equity Finanzkrise Mittelstand Rahmenbedingungen

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Private Equity vor und nach der Finanzkrise