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Gesundheitsbildung als Lebensführung in Theorie und Praxis

Seminararbeit 2003 17 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Gesundheit und Krankheit: eine Gegenüberstellung
1.1. Was ist Gesundheit? Was ist Krankheit?
1.2. Die Aufgabe des Einzelnen
1.3. Die Aufgabe der Pädagogik/ der Medizin

2. Die Umsetzung theoretischer Erkenntnisse in die Praxis
2.1. Leitlinien bei der Umsetzung
2.2. Was muß verändert werden?
2.3. Wo liegen die Grenzen?

3. Das „Mergentheimer Modell“
3.1. Was waren die Ziele?
3.2. Was wird dem Patienten angeboten?
3.3. Erfolge und Grenzen des Modells

4. Schlußreflexion

Literaturverzeichnis

Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema der Gesundheitsbildung in Theorie und Praxis. Vorlage für die Auseinandersetzung mit den frühen Theorien der Gesundheitsbildung ist ein Text von Gerhard Vescovi mit dem Titel „Gesundheitsbildung als Lebensführung“. Der Text erschien in dem von Dr. med. Dr. phil. Heinrich Schipperges und Wolfgang Jacob herausgegebenen Band „Kann man Gesundsein lernen?“ aus dem Jahr 1981.

Außerdem wurden noch zwei weitere Bücher hinzugezogen: „Der gesunde kranke Mensch“, herausgegeben von Hans Schaefer, das den Untertitel „Gesundheit ein Wert- Krankheit ein Unwert?“ trägt, sowie von Dr. med. Dr. phil. Heinrich Schipperges „Die Medizin in der Welt von Morgen“.

Gerhard Vescovis Text ist sicherlich bereits ein wenig veraltet, aber deshalb nicht weniger aktuell für die heutige Praxis der Gesundheitsbildung, denn er beleuchtet noch einmal jene Grundsätze, die der Theorie der Gesundheitsbildung zugrunde liegen. Somit kann eine Entwicklung der Gesundheitsbildung besser verstanden und nachvollzogen werden.

Auch die Aussagen von Schipperges sind von bedeutender Aktualität. Die „Medizin in der Welt von Morgen“, erschienen im Jahre 1976, ist nun schon zur Medizin der heutigen Welt geworden. Aus diesem Grund ist es ebenso interessant, jene Prophezeiungen und Wünsche für eine zukünftige Medizin mit der heutigen Situation zu vergleichen. Was ist wahr geworden, was ist umgesetzt worden?

Des weiteren soll hier auf das „Mergentheimer Modell“ eingegangen werden, das der erste Schritt zu einer Umsetzung der Gesundheitsbildung in die Praxis war: Unter Leitung von Dr. Dr. Heinrich Schipperges, damals Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Gesellschaft für Gesundheitsbildung, wurde 1980 die „Abteilung Praxis-Seminare“ im „Haus des Kurgastes“ in Bad Mergentheim mit eigenen Institutsräumen eröffnet. Das heute bestehende Institut ist seitdem ausgebaut und weiterentwickelt worden. Wie die Praxis heute in Bad Mergentheim aussieht wird später erläutert werden.

Ziel dieser Arbeit soll nun sein, die Grundthesen einer Gesundheitsbildung herauszuarbeiten und nach ihrer Aktualität zu fragen. Zunächst soll nach der Definition von Gesundheit und Krankheit gefragt werden, wie und ob es überhaupt möglich ist, dies genau zu definieren. Wessen Aufgabe ist es Gesundheit zu erhalten? Wie ist dies umsetzbar und wie wurde es umgesetzt? Welche Probleme bei der Umsetzung entstehen können und wo die Grenzen liegen, soll erörtert werden. Die Beschreibungen der gesundheitlichen Situation und der Entwicklung der Medizin zu einer „Wiederherstellungsmedizin“ (Vescovi, G., 1981, S.44) in „Der gesunde kranke Mensch“ deckt sich mit der heutigen Situation: Gesundheit wird in der heutigen Gesellschaft überbewertet. Jeder Mensch strebt nach Gesundheit, aber niemand weiß wie dies umzusetzen ist. Die Medizin ist zu einer Lehre der Krankheiten geworden und hat ihren ursprünglichen Sinn fast verloren: die Lehre vom gesunden Leben und wie man es erhält ist in den Hintergrund gerückt. Die Menschen haben nicht gelernt für ihre Gesundheit Verantwortung zu tragen und übertragen jegliche Verantwortung dem Arzt. Dieser aber ändert nichts an dieser Situation. Die wachsende Vielfalt an Möglichkeiten in dieser Gesellschaft führt zu immer vielfältigeren Wünschen und Bedürfnissen der Menschen. Dabei sollte jeder Mensch eigentlich sein Leben so gestalten, dass er seine Gesundheit erhält, aber das Gegenteil ist der Fall: gerade die Lebensführung, das Leben im Überdruss der heutigen Gesellschaft führt zu den sogenannten Zivilisationserkrankungen. Folge des Fortschritts in der Medizin und der Gesellschaft sind immer mehr kranke Menschen mit immer diffuseren Krankheiten, die den Ärzten über den Kopf wachsen. Die ursprüngliche Aufgabe des Mediziners als Berater ist dabei verlorengegangen. Der psychische und soziale Aspekt einer Krankheit wird oft gar nicht wahrgenommen. Hier stellt sich begründet die Frage: Hat Krankheit eigentlich noch einen Wert? Die heutige Gesellschaft produziert zwar Kranke, aber wird diesen Kranken überhaupt noch ein Wert zugestanden? „Inmitten einer aufgeklärten Gesellschaft erscheint der Kranke als ein desozialisiertes Wesen, unmündig und fehlentwickelt unter lauter normalen und mündigen, das heißt geschäftsfähigen Partnern“ (Schipperges, H., 1976, S.196).

Diese Fragen sind heute leider ebenso aktuell wie im Jahre 1980, als der Band „Der gesunde kranke Mensch“ erschien. Dennoch hat die Praxis der Gesundheitsbildung, u.a. in Bad Mergentheim, versucht, an diesen Tatsachen etwas zu ändern und hat dabei einiges erreichen können. Hierauf soll nun eingegangen werden.

1. Gesundheit und Krankheit: eine Gegenüberstellung

1.1. Was ist Gesundheit? Was ist Krankheit?

Mit den Begriffen Gesundheit und Krankheit wird heute allzu leichtfertig umgegangen. Es sind zwei getrennte Begriffe mit unterschiedlichen Definitionen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnete Gesundheit als einen Zustand vollkommenen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein als das Fehlen von Krankheit. Gibt es diesen Zustand?

Ein Mensch kann wohl niemals gleichzeitig soziales, psychisches und physisches Wohlbefinden empfinden, dies scheint fast unmöglich. Wenn man genauer überlegt, ist weder der Begriff der Gesundheit, noch der Begriff des sozialen Wohlbefindens objektiv definierbar. Jeder Mensch ist unter anderen Umständen zufrieden mit seinem Leben, jeder Mensch hat andere Möglichkeiten zur Verfügung. Ein Mensch kann sich trotz starker körperlicher Gebrechen dennoch gesünder fühlen als ein anderer mit ähnlichen Beschwerden. Gesundheit ist folglich verbunden mit der persönlichen Lebensführung und der Einstellung zum eigenen Leben. „Gesundsein ist Selbsverwirklichung! Gesund ist, wer sich und andere ertragen gelernt hat und wer auch selber als einigermaßen erträglich erscheint“ (Schipperges, H., 1980, S.35).

Gesundheit und Krankheit lassen sich nicht definieren und auseinanderhalten: beides, sowohl Gesundheit als auch Krankheit gehört zum Menschen: „Und bleibt daher nicht beides, die Gesundheit, aber auch Krankheit, unser eigentliches Eigentum, ein Besitz?“ (Schipperges, H., 1980, S.27)

Es lässt sich also keiner der beiden Begriffe, weder Gesundheit noch Krankheit, genau definieren. Der bedeutende Faktor ist die Bewältigung des eigenen Lebens, die Verantwortung für sich selbst und das eigene Wohlbefinden. Wichtig ist dabei nicht das alleinige Streben nach Gesundheit um jeden Preis, sondern auch das Anerkennen von Krankheit als Teil unserer Selbst, als Teil der menschlichen Existenz.. Häufig kann Krankheit auch dazu führen, die wesentlichen Qualitäten des Lebens wieder zu entdecken oder das eigene Leben in einem anderen Licht zu sehen.

Soviel lässt sich zumindest feststellen: Der gesunde Mensch, wenn es ihn gibt, ist ein sich selbst und Anderen, ein dem Leben gegenüber aufgeschlossener Mensch, der auch Spannungen im Leben bewältigen kann. Er lässt sich vom Stress nicht völlig einnehmen, hat eine Vorstellung vom eigenen Leben, setzt sich Ziele und engagiert sich. Was zählt ist der Wille zur Veränderung, ein Gefühl der Verantwortung für sich selbst und die Bereitschaft, sich für das eigene Leben und damit für die eigene Gesundheit einzusetzen und zu entscheiden.

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Details

Seiten
17
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638192934
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v13721
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg – Institut für Pädagogik
Note
sehr gut
Schlagworte
Gesundheitsbildung Lebensführung Theorie Praxis Proseminar Krankheit Ereignis

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Titel: Gesundheitsbildung als Lebensführung in Theorie und Praxis