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Rohstoffgewinnung in der Ostsee

Seminararbeit 2001 14 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Geologie, Mineralogie, Bodenkunde

Leseprobe

1 Einleitung

Die Gewinnung von Bodenschätzen hat in der Ostsee bereits eine lange Tradition. Während in der Vergangenheit jedoch hauptsächlich Steine und Blöcke im Küstenraum abgebaut wurden, gewinnen seit etwa 20-30 Jahren die Förderung von Erdöl und Erdgas sowie der Abbau von Kiesen und Sanden immer mehr an Bedeutung, und stehen somit auch im Vordergrund der weiteren Ausführungen. Weitere Rohstoffvorkommen, wie zum Beispiel die Schwermineralseifen (Ilmentit, Magnetit, Zirkon, Rutil), sind aus einigen Teilen der Ostsee bekannt, jedoch haben sie heute keine wirtschaftliche Bedeutung mehr. Schwermineralseifen sind natürliche, abbauwürdige Anreicherungen von spezifisch schweren und oder schwer verwitternden Mineralen. Wird das diese Minerale primär enthaltende und leichter verwitternde Gestein ausgespült, reichern sich die Minerale zu eluvialen Seifen an. Ilmentit und Rutil finden z.B. als wichtige Titanerze Verwendung (Brockhaus 20. Bd. 1992, S. 71)

Auch die meisten Bernsteinvorkommen an den Küsten sind heute bereits erschöpft und sind somit von nur noch geringer Bedeutung, wenngleich sich die bernsteinführende Schicht in der Ostsee fortsetzt. Die wirtschaftlich wichtigste Bernsteinlagerstätte der Erde befindet sich an der Küste Ostpreußens, wo die von 30-40 Meter mächtige Tonschichten bedeckte blaue Erde (obereozäne und unteroligozäne, marine, graugrüne, bis neun Meter mächtige tonige Glaukonitsande) ein bis zwei Kilogramm Bernstein pro Kubikmeter Sand enthalten. (Brockhaus 3. Bd. 1988, S. 167f.)

Letztlich kann auch die Entnahme von Meerwasser unter die Thematik „Rohstoffgewinnung“ gefasst werden. Meerwasser aus dem Küstenmeer wird für Brauchwasserzwecke, also z.B. für Kraftwerke, Spaßbäder und Thermen, entnommen. Hier ist tendenziell mit einer Zunahme der Nutzung zu rechnen, da sich u.a. in Mecklenburg-Vorpommern eine Reihe von Hallenbädern im Zusammenhang mit dem weiteren Ausbau der touristischen Infrastruktur in Planung befinden. (Obenaus et al. 1999, S. 9)

Im folgenden sollen insbesondere die räumliche Lage, die wirtschaftliche Bedeutung sowie Perspektiven und Probleme der Prospektion (Erkundung), Exploration (Erschließung) und Förderung der genannten Rohstoffe dargestellt werden. Was die Probleme betrifft, so sollen vor allem die ökologischen Folgen betrachtet werden, die direkt kausal auf die Rohstoffgewinnung in der Ostsee zurückzuführen sind. Die Auswirkungen des zusätzlichen Schiffsverkehrs durch den Transport und die Anlandung der Rohstoffe sollen an dieser Stelle nicht weiter erläutert werden. Zudem bleibt festzuhalten, dass die heute zur Erkundung von Lagerstätten eingesetzten geophysikalischen Verfahren, wie hydroakustische (z.B. Echolote, Subbottom Profiler, Side-Scan-Sonar) oder seismische Methoden, keine Gefahr für die Umwelt darstellen und somit in diesem Zusammenhang nicht näher betrachtet werden sollen. (Gromoll 1996, S. 115f.)

2 Kies- und Sandförderung in der Ostsee

In allen Ostsee-Ländern ist für den Abbau von Kies und Sand in der Ostsee eine amtliche Genehmigung erforderlich. Zudem hat jedes Land die Möglichkeit, zu entscheiden, ob ein sogenanntes EIA (Environmental Impact Assessment), also eine Studie über die ökologischen Folgen eines Abbauvorhabens, notwendig ist. Die Kriterien oder Voraussetzungen für ein EIA sind vom jeweiligen Land festzulegen. In Deutschland legt eine Verordnung aus dem Jahre 1990 fest, dass ein EIA erarbeitet werden muss, sofern das Abbaugebiet größer als 10 Hektar ist oder die tägliche Abbaurate über 3.000 Tonnen liegt. (Helsinki Commission 1999, S. 3)

Im Allgemeinen unterliegt die wirtschaftliche Nutzung des Meeresbodens und -untergrundes im Küstenmeer den Bestimmungen des Bundesberggesetzes (BbergG).

Abbildung 1 bietet eine knappe Darstellung der beiden üblichsten Abbaumethoden von Sedimenten in der Ostsee. Während beim “Anchor hopper dredging“-Verfahren durch vor Anker liegende Schiffe Sedimente gefördert werden, kreuzen beim “Trailor suction hopper dredging”-Verfahren die Schiffe über den Fördergebieten. Die ökologischen Auswirkungen der Abbaumethoden sollen später noch betrachtet werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kies und Sand werden meist mit Saug- und Eimerkettenbaggern aus Wassertiefen von 10 bis maximal 30 Metern abgebaut. Auf diesen Förderschiffen, oder auf Schuten, werden die Rohstoffe dann zu Häfen oder Spülfeldern transportiert und dort angelandet. Werden Lockersedimente in unmittelbarer Küstennähe, d.h. im Bereich des uferparallelen Materialversatzes gewonnen, so ist ein intensiver Küstenrückgang im Lee des Fördergebietes zu erwarten. Diese Zone reicht im allgemeinen bis in Wassertiefen von 4 bis 8 Metern. (Gromoll 1996, S. 117.)

Verwendung finden die Sedimente entweder als Zuschlagstoffe in der Bauindustrie, als Schütt- oder Bettungsgut oder als Strand- oder Dünenaufspülsande im Küstenschutz. In Dänemark und Schweden wurden zudem große Mengen an Sedimentmaterial benötigt, um beim Bau der Öresund-Brücke künstliche Inseln aufzuschütten, die als Brückenträger fungieren (Abb. 2).

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Details

Seiten
14
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638108478
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v1371
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Geographisches Institut Kiel
Schlagworte
Rohstoffgewinnung Ostsee Mittelseminar Schutz Nutzung

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Titel: Rohstoffgewinnung in der Ostsee