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Die Berichterstattung schwäbischer Lokalzeitungen bei der Revolution von 1848

Magisterarbeit 2005 204 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Neuere Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Revolution von 1848/49
1.1. Die Ausgangslage vor Beginn der Revolution
1.2. Die Märzrevolution
1.3. Das Parlament in Frankfurt
1.4. Reichsverweser und Zentralgewalt
1.5. Die Septemberkrise
1.6. Grundrechte, Verfassung und Nationalstaat
1.7. Ablehnung der Kaiserkrone und Scheitern der Revolution
1.8. Letztes Aufflackern der Revolution und Sieg der Reaktion
1.9. Ergebnis der Revolution

2. Die Revolution im Königreich Württemberg
2.1. Die Ausgangslage in Württemberg
2.2. Verlauf der Revolution im Königreich
2.2.1. Die Märzforderungen
2.2.2. Das württembergische Märzministerium
2.2.3. Württemberg in der Zeit der Nationalversammlung
2.2.4. Das unrühmliche Ende in Stuttgart
2.3. Die Revolution in Böblingen
2.3.1. Böblingen im 19. Jahrhundert
2.3.2. Die Jahre 1848 und 1849 in Böblingen
2.3.3. Ein revolutionäres Dorf im Oberamt
2.4. Die Revolution in Leonberg
2.4.1. Leonberg zur Mitte des 19. Jahrhunderts
2.4.2. Der ruhige Revolutionsverlauf in Leonberg

3. Geschichte und Entwicklung des Zeitungswesens
3.1. Einführung in die deutsche Pressegeschichte
3.2. Die Situation der Presse zwischen Karlsbad und der Revolution
3.3. Die Presse in Württemberg
3.4. Die Geschichte der beiden schwäbischen Lokalblätter
3.4.1. Der Böblinger Bote
3.4.2. Der Leonberger Stadt- und Amtsbote

4. Die Darstellung der Revolution im Böblinger Boten
4.1. Das Erscheinungsbild des Böblinger Boten
4.2. Die Bekanntmachungen
4.3. Die Nachrichten im Böblinger Boten
4.3.1. Vor Beginn der Revolution
4.3.2. In der ersten Phase ab März 1848
4.3.3. Zwischen Beginn der Nationalversammlung und Septemberkrise
4.3.4. Unter dem Zeichen der Reaktion
4.3.5. Nach Ende der Revolution
4.4. Das Lokalgeschehen
4.4.1. Zu Beginn der Revolution
4.4.2. Öffentliche Diskussion über die ersten Wahlen
4.4.3. Die kurze Blütezeit der Volksvereine
4.4.4. Während der Wahlen von 1849
4.5. Unterhaltender Teil und weitere Meinungsäußerungen
4.6. Parteinahme für die Revolution im Böblinger Boten?

5. Schilderung der Ereignisse im Leonberger Stadt- und Amtsboten
5.1. Das Erscheinungsbild des Stadt- und Amtsboten
5.2. Amtliches aus Leonberg und Stuttgart
5.3. Lokalgeschehen und lokale Anzeigen
5.3.1. Vor Revolutionsbeginn
5.3.2. Nach Gewährung der Pressefreiheit
5.3.3. Nach den ersten Wahlen
5.3.4. Zum Ende der Revolution und während der Wahlen von 1849
5.4. Die „Rundschau“ im Stadt- und Amtsboten
5.4.1. „Allerlei“ vor dem 1. August 1848
5.4.2. Nach Einrichtung des Nachrichtenressorts
5.4.3. Während der Septemberunruhen
5.4.4. Unter dem Wiedererstarken der Reaktion
5.4.5. Nach Ende der Revolution
5.5. Witze und Unterhaltung
5.6. Nahm der Stadt- und Amtsbote Partei für die Revolution?

Fazit

Bibliografie

Einleitung

1848 – eine Jahreszahl, die neben den revolutionären Ereignissen heute vor allem mit einer Einrichtung verbunden wird: Dem ersten deutschen Parlament, der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche. Doch die Revolution von 1848 war mehr als das. Elementa-re Freiheiten, Ansätze von Demokratie und Rechtsstaat wurden auf deutschem Boden erst-mals verwirklicht – wenn auch nicht auf Dauer. Bereits seit Beginn des 19. Jahrhunderts hatten vom Vorbild der französischen Revolution ausgehend, die Strömungen des Libe-ralismus und des Nationalismus immer stärkeren Druck auf die Politik ausgeübt. „Einheit“ und „Freiheit“ lauteten die beiden Schlagworte, mit denen die Vertreter dieser Richtungen ihre Forderungen auf einen kleinen Nenner brachten. Ein ums andere Mal wurden sie je-doch von reaktionären Kräften unterdrückt. 1848 kam es schließlich zur Entladung: Eine Vielzahl von Gründen führte bei verschiedenen Bevölkerungsgruppen zum unbedingten Wunsch, das bisherige System durch ein besseres zu ersetzen. Nach einer Serie von Erhe-bungen erkannten die adligen Machthaber sehr schnell die Gefahr, die von der Revolution ausging und waren zu Zugeständnissen bereit. Doch diejenigen Schichten, die nun das Heft in die Hand bekamen, waren nicht in der Lage, das anfangs Erreichte weiterzuführen und gegen die Angriffe der Reaktion zu festigen. Bereits im Verlauf eines Jahres verlor das Parlament in der Paulskirche seine Autorität, bevor die Überreste des Abgeordnetenhauses im Frühjahr 1849 in Stuttgart vom württembergischen Militär auseinander gejagt wurden. Betrachtet man die Ereignisse dieser beiden Jahre, so dürfte man streng genommen eigent-lich nicht von „der“ Revolution von 1848 sprechen, da es sich um eine Vielzahl von Erhe-bungen handelte, die von Phasen der Verrechtlichung abgelöst wurden. Dennoch hat es sich eingebürgert, die Entwicklung im Lauf des Jahres 1848 bis in die erste Jahreshälfte 1849 als eine Revolution zu bezeichnen.

Auch für das Scheitern dieser Revolution und der damit verbundenen Jahrhundertaufgabe, der Bildung eines deutschen Staates kann man eine Vielzahl von Gründen nennen, die in der Wissenschaft bis heute, 156 Jahre später, intensiv diskutiert werden.

Vorliegende Arbeit wird sich in diese Diskussion nicht einmischen, der Blick zielt in eine andere Richtung. In allen Staaten des Deutschen Bundes verlief die Revolution unter-schiedlich, die Einwohner der einzelnen Herzogtümer oder Königreiche reagierten auf ver-schiedene Weise. Während zum Beispiel in Baden die schwersten und hartnäckigsten Auf-stände ausbrachen, blieb es im benachbarten Württemberg vergleichsweise ruhig. Eine der interessantesten Fragen, die sich – nachdem die Abläufe und Entwicklungen der Jahre 1848/49 weitgehend bekannt sind – stellt, ist die, welche das neue Medium der Presse, ins-besondere der Zeitungen, im Verlauf der Revolution gespielt hat. Lange Jahre waren die Zeitungen in der sogenannten Vormärzzeit strengstens zensiert worden, da die Potentaten das von den Druckerzeugnissen ausgehende Widerspruchs- und Konfliktpotenzial of-fensichtlich fürchteten. Eine der zentralen Forderungen der Revolutionäre war demnach auch immer wieder die Pressefreiheit gewesen, die mit der Revolution verwirklicht wurde. Die Geschichte der Presse und der Pressefreiheit ist daher aufs Engste mit der politischen Geschichte der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verbunden. Es würde freilich den Rahmen einer solchen Abhandlung sprengen, einen allgemeinen Überblick über die Presse-landschaft der damaligen Zeit geben zu wollen.

Exemplarisch werden daher zwei Lokalzeitungen aus dem Königreich Württemberg unter-sucht, die bisher kaum im Blickpunkt der Forschung standen: Der Böblinger Bote und der Leonberger Stadt- und Amtsbote. Beide Blätter berichteten immer wieder über die Ereig-nisse aus den verschiedenen Staaten und aus Frankfurt; der Stadt- und Amtsbote veröffent-lichte sogar die Grundrechte des deutschen Volkes, Teil der Paulskirchen-Verfassung[1].

Bevor man sich über die Berichterstattung der beiden Zeitungen Gedanken machen kann, ist es jedoch unerlässlich, zunächst einen allgemeinen Überblick über die Revolution von 1848/49 zu geben. In einem ersten Schritt werden daher die Ereignisse der beiden Jahre in Erinnerung gerufen. In der Folge wird sich der Blick auf den Verlauf der Revolution in Württemberg und in den beiden Heimatstädten der Zeitungen, Böblingen und Leonberg, richten. Auch wenn ein derartiger Überblick für den mit dem Thema vertrauten Wissen-schaftler nicht unbedingt nötig wäre, erübrigen sich dadurch weitere Erklärungen zu den Zeitungsberichten innerhalb des eigentlichen Forschungsteils und es ist sichergestellt, dass der Leser über alle nötigen Informationen verfügt.

Nach dieser Einführung in die Situation zur Mitte des 19. Jahrhunderts ist auch ein Blick auf die spezielle Geschichte des Zeitungs- und Pressewesens angebracht, der ein besseres Verständnis bei der Analyse und Interpretation der Zeitungen ermöglicht.

In einem dritten Schritt werden dann die einzelnen Ausgaben der beiden Blätter in der be-treffenden Zeit zu untersuchen sein. Wie bereits erwähnt, war die Frage der Pressefreiheit in der Zeit des Vormärz und der Revolution von überragender Bedeutung.

Es ist daher wenig verwunderlich, dass Redakteure sich vielfach keineswegs als neutrale Beobachter sahen, sondern etliche Zeitungen gerade zur Darstellung von Argumenten und Meinungen verwendet wurden. Und das – nebenbei bemerkt – von beiden Seiten, wozu die konservativ-reaktionäre Kreuzzeitung als Beispiel dient. Dennoch dürfte es wohl das ur-eigenste Interesse der meisten Journalisten gewesen sein, zumindest in Bezug auf die Pressefreiheit auf Seiten der neuen politischen Kräfte zu stehen.

Im Vordergrund dieser Arbeit soll daher auch die Frage stehen, wie die beiden Lo-kalzeitungen in der Nähe von Stuttgart die Ereignisse der Jahre 1848/49 begleiteten und kommentierten und ob sich aus der Berichterstattung eine Parteilichkeit in den aktuellen politischen Fragen ableiten lässt.

Erleichtert wird die Forschungsarbeit über die Revolution von 1848 durch eine Fülle von Literatur, die zu diesem Thema verfügbar ist. Als nach wie vor unverzichtbar ist die aus-führlichste aller Darstellungen von Veit Valentin anzusehen, auch wenn sie nicht mehr dem heutigen Stand der Forschung entspricht[2]. Außerordentlich hilfreich ist der von Dieter Langewiesche verfasste Band „Deutschland zwischen Restauration und Revolution 1815­1848“, der einen Überblick über Forschungsstand, Quellenlage und Literatur gibt und da-her als Grundlage einer jeden Arbeit über die Revolution von 1848 dient[3]. Insbesondere über die durchaus gute Quellenlage gibt Langewiesche einen Überblick, der freilich nicht alle erhaltenen Quellen umfassen kann, wie ja auch das Beispiel dieser Arbeit zeigt, die sich auf bisher wenig untersuchte Druckerzeugnisse bezieht.

Auf die Tendenzen der Forschung weist Michael Neumüller hin, insbesondere auf die Rechtfertigungs- und Verurteilungsliteratur, die jeweils in Bezug zur politischen Stimmung des Erscheinungszeitraums steht[4]. Zahlreiche weitere Darstellungen und Aufsätze beschäf-tigen sich mit Einzelaspekten, von denen hier nur die für das Thema relevanten Verwendung finden und die an der entsprechenden Stelle zu erwähnen sind. Auch über die Geschichte Württembergs ist mit dem Handbuch der baden-württembergischen Geschichte eine zielführende Untersuchung vorhanden.

Bei der Untersuchung des Revolutionsverlaufs in Württemberg ist insbesondere der Autor Bernhard Mann zu nennen, der zahlreiche Aufsätze und Bücher zu diesem Thema verfasst hat.

Über die Stadtgeschichte Böblingens und Leonbergs sind ebenfalls Darstellungen er-schienen[5]. Zur Zeitungs- und Pressegeschichte liegen einige ältere Standard-Werke wie Dovifats „Zeitungslehre“ oder Koszyks Band innerhalb der „Geschichte der deutschen Presse“ vor, die wertvolle Hinweise liefern. Die Grundlage zur Presseforschung stellt Hagelweides Bibliografie dar, an neueren Werken sind zudem die Einführungen und Über-blicksdarstellungen von Stöber und Wilke zu nennen. Den aktuellsten Einstieg in die Pressegeschichte bietet Dussel. Die beiden zu behandelnden Zeitungen selbst sind in ge-bundener Form nicht veröffentlicht, weshalb sie im Untersuchungsteil ausführlich vorge-stellt werden sollen. Der Leonberger Stadt- und Amtsbote befindet sich im Original im Ar-chiv der heutigen Leonberger Kreiszeitung. Böblingen wurde 1944 Ziel schwerer Luftan-griffe, weshalb die alten Ausgaben des Böblinger Boten heute im Stadtarchiv der Nach-barstadt Sindelfingen auf Mikrofilm vorhanden sind. Außer den Zeitungsausgaben sind für beide Blätter aus den Jahren 1848 und 1849 keine weiteren Unterlagen etwa aus dem Verlag oder von den Behörden mehr vorhanden, wie Nachforschungen in den Stadtarchi-ven Leonberg und Böblingen, sowie in den Oberamtsbeständen des Staatsarchivs Ludwigs-burg und im Bestand des Innenministeriums im Hauptstaatsarchiv Stuttgart ergaben. Damit können sich alle Erkenntnisse nur noch auf die veröffentlichten Zeitungsexemplare stützen, Informationen über Zusammensetzung der Redaktion, eigene Korrespondenten, Auflage, oder ähnliches sind nicht mehr verfügbar.

Auch wenn der Verlauf der Revolution sich aus beiden Blättern rekonstruieren ließe, wäre ein solches Vorgehen der historischen Faktizität gegenüber nicht angemessen. Deshalb wird sich das erste Kapitel vor allem auf die allgemeine Forschungsliteratur und Gesamt-darstellungen stützen, um nun zunächst das revolutionäre Geschehen allgemein zu beleuch-ten.

1. Die Revolution von 1848/49

1.1. Die Ausgangslage vor Beginn der Revolution

In den Jahrzehnten vor Ausbruch der Revolution lassen sich eine Reihe von Entwicklungen erkennen, die man als direkte oder indirekte Ursachen der Krise ausmachen kann und die schließlich zum Umsturz führten. Eine gewaltige Bevölkerungszunahme ließ die Ein-wohnerzahl im Reichsgebiet (ohne Elsass-Lothringen) von 1815 bis 1850 um rund die Hälfte anwachsen – was nebenbei bemerkt auch zu den großen Auswanderungswellen jener Zeit führte[6]. Die beginnende Industrialisierung und die Veränderung des Arbeits-lebens rief eine enorme Zuwanderung in die Städte hervor, Eisenbahn und Dampfschiff re-volutionierten das Verkehrswesen. Auf politischem Gebiet hatte sich im Verlauf des 19. Jahrhunderts Unzufriedenheit gegen die Monarchie aufgestaut, die allerdings nicht wie im benachbarten Frankreich in Hass umschlug[7]. Vielmehr sehnte sich der Mittelstand nach bürgerlichen und politischen Rechten. Hinzu kam, dass „Deutschland“ als Nationalstaat noch gar nicht existierte und sich bei breiten Schichten der Bevölkerung der Wunsch nach nationaler Einheit und Unabhängigkeit gebildet hatte[8]. Neben den beiden großen Staaten Österreich-Ungarn und Preußen bestand der Deutsche Bund aus einer Vielzahl von kleineren Staaten, die trotz des Zusammenschlusses in einen Bund alles andere als ein einheitliches Gebilde darstellten. Die Herausbildung neuer bürgerlicher Schichten durch die Veränderung der Arbeitswelt sowie Einflüsse aus der Philosophie ließen neue poli-tische Strömungen aufkommen. Auch die Entwicklung des Pressewesens, auf die an spä-terer Stelle (Kap. 3) einzugehen sein wird, trug hierzu bei. Als wichtigste politische Rich-tung ist dabei der Liberalismus zu nennen, dessen Anhänger dann auch die treibende poli-tische Kraft der Revolution waren, obgleich später eine Aufspaltung in Liberale und Demo-kraten erfolgte[9]. „Freiheit“ lautete die zentrale Forderung. Das unter dem Stichwort „Natio-nalismus“ betrachtete Streben nach einem Staat der Deutschen ist eine weitere – oft kaum vom Liberalismus zu trennende – politische Zielrichtung der Jahre vor 1848, während Kommunismus und Sozialdemokratie vor allem mangels einer zahlenmäßig relevanten Arbeiterklasse noch nicht zu bestimmenden politischen Faktoren wurden. Sie waren erst im Entstehen begriffen.

Die gelegentlichen Versuche politisch aktiver Gruppen, an der politischen Gesamtsituation etwas zu verändern kamen beispielsweise beim Hambacher Fest 1832, dem Frankfurter Wachensturm von 1833 oder dem Protest der Göttinger Sieben 1837 zum Ausdruck. Dennoch konnte der unnachgiebige Fürst Metternich, seit dem Wiener Kongress von 1815 der dominierende Staatsmann Mitteleuropas, die freiheitlichen Versuche, deren Vorbilder immer wieder ähnliche Entwicklungen in Frankreich bildeten, erfolgreich abwehren. 1819 war dieses harte Durchgreifen gegen sogenannte Demagogen mit den Karlsbader Beschlüssen auf einer Versammlung des Bundes offiziell vereinbart worden. Sie sahen eine strenge Kontrolle der Universitäten, sowie eine Vorzensur aller Druckerzeugnisse unter 20 Bogen vor[10].

Neben diesen Einschnitten in die Freiheit der Bürger, der „tödlichen Stagnation des poli-tischen Lebens in Deutschland“[11] führten in den Jahren unmittelbar vor der Revolution eine zunehmende Verelendung sowie Hungerkrisen zu einer Verschlechterung der Lebensbe-dingungen. Diese Not erreichte ihren Höhepunkt jedoch bereits 1846/47 und ist nicht als direkter Anlass der Revolution zu sehen.

Unmittelbarer Auslöser war letztendlich keiner der internen Faktoren, über deren Gewich-tung in der Forschung durchaus Uneinigkeit herrscht, sondern ein erneuter revolutionärer Ausbruch in Paris im Februar 1848[12]. Wie bereits im Nachgang der Julirevolution von 1830 schwappte die Umbruchs-Stimmung über den Rhein und führte auch im deutschen Gebiet zum Ausbruch einer Revolution, die allgemein als Märzrevolution bezeichnet wird und sich von den Entwicklungen in den folgenden Monaten unterscheidet.

1.2. Die Märzrevolution

Es war eine fast blitzartige Aktion, in der nach Ausbruch der Barrikadenkämpfe in Paris am 22. Februar 1848 der französische König Louis Philippe gestürzt und innerhalb von drei Tagen durch eine republikanische Regierung ersetzt wurde[13]. Obgleich die Ursachen dieser Erhebung in Frankreich in einer Krise in Getreideanbau, Textil- und Metallindustrie zu sehen sind[14], kam der Umsturz einer Initialzündung gleich, der nun auch die deutschen Gebiete erfasste, vor allem das an Frankreich grenzende Rheinland, sowie Baden. Nur fünf Tage nach Beginn der Februarrevolution in Paris fand am 27. Februar in Mannheim eine Volksversammlung statt, auf der erste „Märzforderungen“ verabschiedet wurden und die als Beginn der Revolution in Baden gilt[15]. Diese Versammlung wiederum löste eine Woge von Protestkundgebungen, Petitionen, Märschen und Kundgebungen aus, die nach und nach alle Mittelstaaten erfasste und schließlich die Hauptstädte der beiden Großmächte, Berlin und Wien, erreichte[16]. Während die Proteste in den Städten zunächst weitestgehend friedlich verliefen, kam es auf dem Lande zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Die so-genannten Märzforderungen, für die bürgerliche Protestierer auf die Straße gingen, waren überall dieselben: An erster Stelle die Pressefreiheit, daneben Vereins- und Versammlungs-freiheit, Schwurgerichte in Strafprozessen, Volksbewaffnung und Verfassungseid des Mili-tärs, eine endgültige Aufhebung der Feudallasten, allgemeines Wahlrecht und, damit ver-bunden, eine verfassungsgebende Nationalversammlung für einen deutschen National-staat[17]. Bereits im Herbst 1847 hatten Demokraten und Liberale ähnlich lautende Pro­gramme verabschiedet, wobei das sogenannte Offenburger Programm der Demokraten bei-spielsweise mit seiner Forderung nach einer Überwindung nicht nur des Privilegiensystems des Adels, sondern auch des Kapitals und der akademischen Bildung weiter ging als die Forderungen der Liberalen[18].

Das Bemerkenswerte an den Märzforderungen ist jedoch, dass sie in der Regel nicht auf eine Abschaffung des bisherigen Systems zielten, sondern auf dessen Veränderung[19].

Genauso schnell wie sich der Aufstand erhoben hatte, gaben die Monarchen den Forderungen zunächst nach. Sicherlich für viele unerwartet hatten sie offenbar eine zu große Furcht, ihre Macht – oder möglicherweise sogar ihr Leben – zu verlieren. Sahen sie sich doch einer dreifachen Erhebung gegenüber, derjenigen der Bauern gegen die Grund-herren, derjenigen der Handwerker und Kleinbürger gegen die Verproletarisierung sowie derjenigen der Akademiker, Schriftsteller und Advokaten gegen ein System der geistigen Unfreiheit[20]. So kam es, dass in vielen Staaten liberale Märzregierungen gebildet wurden[21]. Zu gewaltsamen Revolutionen mit Straßenkämpfen und Toten kam es in Wien und Berlin, wo die Höfe zunächst nicht zum Einlenken bereit waren. Vor allem in Berlin spielten Ar-mut und Hunger als weitere Unruhefaktoren eine Rolle[22].

Auf Grund der Erfolge der Aufständischen musste selbst Metternich am ß. März 1848 fliehen und kehrte erst 1851 nach Wien zurück. Die Bundesversammlung in Frankfurt am Main, das Zielobjekt der revolutionären Bewegung schlechthin[23], zeigte sich zu Zuge-ständnissen bereit und auch König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen demonstrierte nach schweren Straßenkämpfen mit rund 300 Toten am 18. März in Berlin drei Tage später bei einem Umritt in der schwarzrotgoldenen Schärpe, dass er den Bürgern politisch entgegen-kommen werde. Er hob die Zensur auf, versprach eine Verfassung und eine Neuorganisati-on des Bundes. „Preußen geht fortan in Deutschland auf“[24], lauteten die Worte des Königs an seine Bürger, nur wenige Tage später setzte auch er ein Märzministerium ein.

Bereits am 5. März hatten in Heidelberg Liberale und Demokraten Südwestdeutschlands die Einsetzung eines Vorparlaments beschlossen[25]. Das Gremium, das am 31. März in Frankfurt zusammentrat, stand vor der Grundsatzentscheidung zwischen Revolution und Reform. Die Abgeordneten entschieden sich für einen Reformkurs. Dass die Revolutionäre nicht genug Macht und Rückhalt in der Bevölkerung für einen weitergehenden Umsturz hatten, zeigte sich in Baden, wo im April ein Aufstand von Bundestruppen niederge-schlagen wurde[26].

Die radikalen Kräfte um Friedrich Hecker und Gustav von Struve drängten im Vor-parlament darauf, dass die Versammlung so lange tage, bis sie durch ein frei gewähltes Parlament ersetzt werden könne. Ein Exekutivkomitee sollte eine Art provisorische Natio-nalregierung bilden. Man einigte sich schließlich auf ein Komitee aus 50 Männern, das den Bundestag kontrollieren sollte.

Der Bundestag selbst hatte alle anti-liberalen Ausnahmegesetze zu widerrufen und ein Wahlgesetz für ein Nationalparlament zu verabschieden[27]. Diese – wenn auch kaum demo-kratische – Wahl führte dann zum Zusammentritt des ersten deutschen Parlaments.

1.3. Das Parlament in Frankfurt

Ebenfalls auf Beschluss jener Heidelberger Versammlung vom 5. März hatte ein Siebene-rausschuss per Aufruf alle ehemaligen und gegenwärtigen Mitglieder von Landtagen sowie einige geachtete Persönlichkeiten für den 30. März nach Frankfurt eingeladen. Die 574 Per-sonen, die dem Aufruf folgten, berieten vier Tage lang als sogenanntes Vorparlament[28]. Ein Antrag Struves, die Versammlung solle sich gleich für die gesetzgebende Macht im Bund erklären, wurde abgelehnt. Stattdessen entschieden sich die Teilnehmer, als vorbereitendes Gremium der zu wählenden Nationalversammlung zu tagen und überließen bis zu dessen Eröffnung die Vertretung der Volksinteressen dem oben genannten Fünfzigerausschuss.

Obwohl die Versammlung ein allgemeines und direktes Wahlrecht gefordert hatte, wobei auf jeweils 50.000 Bürger ein Abgeordneter kommen sollte, wurde die Wahl in den Einzel-staaten sehr unterschiedlich durchgeführt. Neben indirekter Wahl in einigen Staaten legte Bayern beispielsweise die Vorbedingung der Steuerzahlung für das Wahlrecht fest[29].

Der 18. Mai 1848, der Tag der Eröffnung der Nationalversammlung in der Paulskirche in Frankfurt am Main, wird dennoch häufig als einer der größten Momente der deutschen Ge-schichte angesehen[30]. Es war das erste gesamtdeutsche Parlament. Mit ihm verbanden sich alle Hoffnungen auf eine Staatsgründung, auf nationale Einheit und liberale Freiheiten. Die Macht der Einzelstaaten war geschwächt, alles hing nun davon ab, ob es der Nationalver-sammlung gelingen würde, die Mammutaufgabe zu meistern, den Nationalstaat zu schaffen und diesem gleichzeitig eine Verfassung zu geben.

Analysiert man die Zusammensetzung der Versammlung, so wird in der Regel der Begriff „Honoratiorenparlament“ gebraucht. Von den alles in allem 830 Abgeordneten und deren Stellvertretern waren rund 550 Akademiker, denen ein einziger Bauer, ein Arbeiter und nur wenige Handwerker gegenüberstanden. Eine etwas größere Gruppe bildeten dagegen mit 110 Vertretern die wirtschaftlichen Berufe[31]. Die Abgeordneten teilten sich je nach poli- tischer Ausrichtung in verschiedene Fraktionen auf, die, wie der „Deutsche Hof“ der Radi-kalen oder das „Cafe Milani“ der Rechten nach ihren Tagungslokalen genannt wurden. Die Liberalen aus dem Südwesten trafen sich passenderweise im „Württembergischen Hof“[32]. Schnell kristallisierten sich die Probleme heraus, vor denen die Nationalversammlung stand: Insbesondere die Gebietsbestimmung des neuen Staates erwies sich als schwierig, da einerseits von Deutschen bewohnte Gebiete außerhalb des bisherigen Bundes lagen, andererseits wie in Böhmen oder Triest die Frage der Eingliederung von Nichtdeutschen zu klären war.

Der häufigste Vorwurf, der den Abgeordneten gemacht wird, ist, dass sie in dieser Anfangsphase kostbare Zeit verstreichen ließen und statt zu handeln ausführlich über die Grundrechte diskutierten[33].

Dieser Vorwurf ist jedoch nur zum Teil gerechtfertigt. Denn schon im Juni hatte das Parlament einen ersten wichtigen Schritt zur Reichsgründung getan, indem es mit dem Reichsverweser eine zentrale Gewalteninstanz schuf.

1.4. Reichsverweser und Zentralgewalt

Elementar verbunden mit der Frage einer deutschen Nation war die Frage einer Zentralge-walt. Auch hier stand die Paulskirchenversammlung vor der Entscheidung, ob man sich selbst als souverän erachtete, eine Exekutive zu schaffen, oder ob man eine Übereinkunft mit den Einzelstaaten suchen sollte[34]. Diese Frage führte zu parlamentarischen Diskussionen, würde ihre Lösung doch die zukünftige Gestalt des Staates mitbestimmen. Berühmt geworden ist innerhalb dieser Debatte Heinrich von Gagerns „kühner Griff“. Während die Linke einen Vollzugsausschuss forderte und sich die Rechte für den preu-ßischen König als Zentralgewalt aussprach, erklärte der Präsident am 24. Juni: „Ich tue einen kühnen Griff und ich sage Ihnen: Wir müssen die provisorische Zentralgewalt selbst schaffen und wählen“[35].

Diese Kombination einer Wahl durch das Parlament und der damit verbundenen demokra-tischen Souveränität, mit einem Monarchen an der Spitze, schien ein gangbarer Ausweg: Ein „Reichsverweser“ sollte – ähnlich einem Monarchen – dem Parlament gegenüber nicht verantwortlich sein. Er hatte jedoch ein Reichsministerium zu berufen, das wiederum der Abgeordnetenversammlung verantwortlich sein sollte, gleichzeitig jedoch auch das Ver-trauen des Reichsverwesers besitzen musste. Von Gagerns Vorschlag für das Amt des Reichsverwesers: Der österreichische Erzherzog Johann. Nachdem die Regierungen die Wahl Johanns durch die Frankfurter Versammlung anerkannt hatten und auch der Bundestag seine Kompetenzen übertrug, konnte Johann das erste Kabinett um den Fürsten Karl von Leiningen berufen[36].

Trotz dieses Erfolgs der Revolution konnte sich das Parlament in anderen Bereichen gegenüber den Einzelstaaten nicht durchsetzen, so dass dessen Autorität letztlich beschränkt bleiben musste. Insbesondere die Weigerung einzelner Staaten, den Oberbefehl über Land- und Seestreitkräfte abzugeben, unterminierte die Macht der neuen Zentralinstanzen. Auch bei der Souveränität sowie Fragen der diplomatischen Vertretung und der Verwaltung gelang kein Durchbruch in Richtung einer stärkeren Orientierung auf das Reich[37].

Während in der Paulskirche neben dem politischen Tagesgeschäft die Verfassungsbera-tungen begannen, brachte erneut die Entwicklung in anderen Ländern einen Umschwung, in dessen Verlauf die Reaktion zunehmend Oberwasser bekam. Bereits während der soge-nannten Pfingstunruhen konnte Fürst Windischgrätz die Selbstständigkeitsbestrebungen in Prag blutig niederschlagen. In Italien ging Joseph Graf Radetzky von Radetz ebenso erfolg-reich gegen die Nationalbewegung vor. Auch in Paris konnte General Cavaignac am 26. Juni einen Aufstand blutig niederschlagen und als Kopf einer neuen Regierung die Reste der Revolution bekämpfen[38].

Ein weiterer der vielen Brennpunkte nationaler Bewegungen war Schleswig-Holstein. Der Konflikt zwischen Dänemark und insbesondere Preußen als Vertreter des Deutschen Bundes ließ im Spätsommer 1848 die Paulskirchenversammlung in die Defensive geraten.

1.5. Die Septemberkrise

Bereits kurz nach der Erklärung Friedrich Wilhelms IV., Preußen werde fortan in Deutsch­land aufgehen, hatte sich am 23. März in Kiel eine provisorische Regierung für das eigent-lich unter dänischer Kontrolle stehende Schleswig-Holstein gebildet. Diese Entwicklung wollte der preußische Herrscher nutzen um seine deutsche Haltung zu demonstrieren. Mit Unterstützung einiger norddeutscher Staaten rückte ein preußisches Heer in die beiden Her-zogtümer ein, vertrieb die Dänen aus Schleswig und besetzte Teile Jütlands[39]. Während dieses Verhalten in Deutschland wahre Begeisterungsstürme hervorrief, führte es bei den anderen europäischen Großmächten, insbesondere England und Russland zu Beunruhi-gung[40]. Beide wollten die Zugänge zur Ostsee unter dänischer Kontrolle erhalten wissen. Obwohl Friedrich Wilhelm IV. letztlich keine Konfrontation mit Dänemark wagte, geriet die deutsche Nationalversammlung bei den europäischen Mächten durch dieses Verhalten in Verruf.

Auch nach innen versetzte Preußen mit seiner Schleswig-Holstein-Politik der revolutio-nären Sache einen schweren Schlag. Um aus der Sackgasse herauszukommen, hatte Fried­rich Wilhelm IV. am 26. August 1848 mit dem Waffenstillstand von Malmö eine Überein-kunft geschlossen, ohne dabei das Parlament einzubeziehen[41]. Nach einem Sturm der Ent-rüstung beschloss das Parlament am 5. September, die Durchführung des Waffenstill-standes zu verbieten. Die Regierung Leiningen trat zurück, der Liberale und frühere Führer der Göttinger Sieben, Friedrich Christoph Dahlmann versuchte, ein neues Ministerium zu bilden. Dies gelang ihm nicht, so dass der Paulskirchenversammlung keine andere Wahl blieb, als den Waffenstillstand am 16. September doch noch zu billigen. Vor die Wahl ge-stellt, sich von Preußen brüskieren zu lassen oder einen europäischen Krieg zu riskieren, hatten sich die Abgeordneten für den Frieden entschieden. Dabei war die Haltung der Parlamentarier eigentlich eindeutig. Der Linke Robert Blum sprach sich dafür aus, lieber in Ehren unterzugehen, als den Waffenstillstand zu akzeptieren. Dahlmann prophezeite, dass Deutschland „sein ehemals stolzes Haupt nie wieder erheben“[42] könne, wenn man die deut­sche Einheit jetzt preisgebe. Obwohl nun wieder eine Regierung unter dem Österreicher Anton von Schmerling zu Stande kam, löste das Umschwenken des Parlaments in der na­tional erregten Stimmung beim Volk eine tiefe Empörung aus[43]. In Frankfurt sammelten sich über 10.000 Menschen, die die Parlamentarier in einer Resolution als Verräter be-zeichneten. Um einen Sturm auf die Paulskirche zu verhindern, setzte die Regierung Bundestruppen ein.

Das Ergebnis der darauf folgenden Barrikadenkämpfe am 18. September und damit genau ein halbes Jahr nach den Zusammenstößen in Berlin war eine Spaltung von Nationalver- sammlung und Bevölkerung. Als Nutznießer erwiesen sich alsbald die Höfe, die nun ihre Chance zu einer Rückkehr an die Macht witterten. Als erstes kippte die Situation in Wien, wo sich nach Lohnkürzungen Proletarier und die bürgerliche Nationalgarde gegenüber-standen. Hof und reaktionäre Kräfte nutzten die Gunst der Stunde und nahmen die Haupt-stadt mit dem loyalen Heer nach schweren Kämpfen am 30. Oktober ein.

Ähnliches geschah auch in Berlin, wo sich die Bürgerwehr gemeinsam mit dem mon-archischen Militär gegen den „Vierten Stand“ stellte, nachdem die Unterschichten von der Volksbewaffnung wieder ausgeschlossen werden sollten. Lang anhaltende Unruhen ermöglichten es dem König schließlich, die preußische Nationalversammlung zunächst nach Brandenburg zu verlegen und am 5. Dezember 1848 ganz aufzulösen, während er gleichzeitig eine Verfassung oktroyierte.

Den Wendepunkt in der Geschichte der deutschen Revolution markierten die Septemberge-schehnisse auch, weil sich der Konflikt zwischen Liberalen und Demokraten so sehr verschärfte, dass eine Zusammenarbeit nicht mehr möglich war. Rote Fahnen in Frankfurt und Angriffe auf Privateigentum in Baden trieben viele Bürger in die Arme der Reaktion[44]. Sie fürchteten nun Versuche einer weitergehenden Revolution der aus ihrer Sicht „roten“ Republikaner. Es kam zu Gewaltanwendungen, Anarchie und politischen Morden. Die Un-ruhe der Massen, die sich vom Bürgertum in den Parlamenten nicht vertreten fühlten, rief einen Aufruhr hervor, der die Reichsregierung zu Truppenkonzentrationen veranlasste[45]. Die Gefahr eines Bürgerkriegs wurde vermutlich überschätzt, denn nur in Baden kam es zu einem weiteren Aufstand, der jedoch von badischem Militär rasch niedergeschlagen wurde. Obwohl sich das Ende aller zentralstaatlichen Bestrebungen damit bereits abzeichnete und die neuen Kräfte mit der Verteidigung der revolutionären Errungenschaften zunehmend in die Defensive gerieten – selbst Teile der Linken erklärten das Mandat der Paulskirche auf dem Demokratenkongress vom 26. bis 31. Oktober in Berlin für beendet –, setzte die Frankfurter Versammlung ihre Beratungen zur Bildung eines Nationalstaats und zur Verab-schiedung einer Verfassung fort.

1.6. Grundrechte, Verfassung und Nationalstaat

Im Zeitraum vom 3. Juli bis zum 12. Oktober hatten die Parlamentarier der Paulskirche über die Grundrechte diskutiert. Am 28. Dezember wurden diese als separates Gesetz ohne die Verfassung verabschiedet. Die 50 Artikel bezweckten die vollständige Abschaffung noch vorhandener feudaler Strukturen und Einrichtungen[46]. Wichtigste Festlegungen waren die Gleichheit vor dem Gesetz, Aufhebung aller Klassenvorrechte, Vereinigungs-, Ver-sammlungs- und Pressefreiheit sowie die Freiheit der Forschung. Auch das Recht des habeas corpus, die Trennung von richterlicher und vollziehender Gewalt, wurde formu-liert.

Am 19. Oktober begann das Parlament mit den Beratungen über die Verfassungsorganisati-on des Reichs. Die drei wichtigsten Punkte waren die Festlegung der Grenzen des Reichs-gebiets, die Frage des Staatsoberhaupts und die Frage der Machtverteilung[47]. Schnell wurde jedoch klar, dass die Abgeordneten kaum noch mit den oben skizzierten Entwicklungen Schritt halten konnten. Während die Nationalversammlung am 27. Oktober mit überwäl-tigender Mehrheit für die sogenannte großdeutsche Lösung unter Einbeziehung der deut-schen Gebiete Österreich-Ungarns stimmte, kam in der Donaumonarchie nach dem militä-rischen Eingreifen in Wien durch Fürst Windischgrätz mit Fürst Felix Schwarzenberg am 21. November ein Mann in das Amt des Ministerpräsidenten, der keineswegs natio-naldeutsch dachte, sondern dem vielmehr ein Großösterreich als Führungsmacht in Mittel-europa vorschwebte [48]. Nachdem Schwarzenberg dies am 27. November im österrei-chischen Reichstag erklärt hatte, trat in der Folge von Schmerling als Reichsministerprä-sident zurück. Er hatte die großdeutsche Lösung verfochten und war mit seinem Vorhaben gescheitert.

Sein Nachfolger wurde von Gagern, der sich fortan für das Konzept eines Doppelbundes einsetzte: Ein enger nationalstaatlicher Verband ohne Österreich sollte durch eine staaten-bündische Vereinigung unter Einbeziehung der Donaumonarchie ergänzt werden[49].

Seit Dezember 1848 kam es innerhalb des Parlaments zu einer Neuausrichtung der ver-schiedenen Interessen. Von Schmerling, der sich weiterhin für Österreich stark machte, konnte sich der Unterstützung konservativer Katholiken versichern, von denen viele aus antipreußischen Gefühlen gegen eine kleindeutsche Lösung unter preußischer Vorherr-schaft und unter Ausschluss Österreichs eintraten. Unterstützung bekam diese Gruppe auch von den Demokraten der politischen Linken, während die Mitte vor allem auf Preußen setzte[50].

Mit dem Regierungswechsel am 15. Dezember von Schmerling zu Gagern, der zum Führer der kleindeutschen Lösung geworden war, wurde die veränderte Situation auch nach außen deutlich. Auch wenn bis in den Januar 1849 keine der beiden Gruppen die Oberhand ge-winnen konnte, ließ die politische Großwetterlage vor allem in Österreich ein Aufgehen in einem deutschen Reich nicht mehr zu[51].

Gleichzeitig beendete die verfassunggebende Nationalversammlung in den letzten Januar-tagen 1849 die erste Lesung des Verfassungsentwurfs. Als Staatsoberhaupt war ein aus der Zahl der herrschenden deutschen Fürsten gewählter Kaiser vorgesehen. Er sollte die Exe-kutivgewalt besitzen. Die Reichsminister sollten dem aus zwei Kammern, dem „Staaten-haus“ und dem „Volkshaus“, bestehenden Reichstag verantwortlich sein[52].

Die Verfassung sah eine weitgehende Autorität des Reichs vor, unter anderem in den Be-reichen Auswärtiges und Militär, Zoll, Währung, Handel, Verkehrs- und Nachrichten-wesen.

Dem Kaiser wurde lediglich ein suspensives Veto eingeräumt, ein Oberster Gerichtshof blieb auf politische Probleme und das Wächteramt über die Verfassung beschränkt.

Vor allem die Ereignisse in Österreich beeinflussten jedoch zunehmend die Entwicklung. Nach der Auflösung des dortigen Reichstags in Kremsier und dem Erlass einer Verfassung wurden alle Pläne für einen föderativen Aufbau des Habsburgerreiches und alle Aussichten auf eine großdeutsche Lösung Makulatur.

Die zeitweise bestehende Koalition zwischen Großdeutschen und Linken zerbrach dann im März, als Österreich die Forderung stellte, als Gesamtstaat dem neuen Reich beizutreten. Auch Schmerling distanzierte sich nun von der Schwarzenbergschen Linie. Karl Theodor Welcker, einer der führenden Liberalen, wechselte ins kleindeutsche Lager, da mit Österreich ein Bundesstaat, ein Parlament und eine freiheitliche Verfassung nicht mehr zu machen waren[53].

Durch diese erneute Umformierung der Fraktionen konnten die linken Demokraten noch einmal wesentlichen Einfluss auf die Verfassung nehmen. Der „Pakt“ zwischen dem radi-kalen Demokraten Heinrich Simon und Heinrich von Gagern führte nicht nur zu einer Wahlrechtsänderung hin zu einem demokratischeren Wahlmodus als ursprünglich vorgese-hen[54]. Nun sollten allgemeine, gleiche und geheime Wahl garantiert werden. Es wurde auch ein absolutes Veto des Kaisers aus dem Entwurf gestrichen. All dem mussten die Liberalen wohl oder übel zustimmen, waren sie doch auf die Stimmen der Demokraten angewiesen um den preußischen König zum Kaiser zu wählen. Auch die Frage nach dem zukünftigen Modus der Kaiserfindung war lange umstritten gewesen.

Am 27. März war es dann so weit: Mit der denkbar knappen Mehrheit von 267 zu 263 Stimmen wurde die Verfassung angenommen und das Erbkaisertum verabschiedet[55]. Damit hatte die Nationalversammlung allein gehandelt, ohne die Zustimmung der Einzelstaaten einzuholen, wenngleich von Gagern im Januar die Regierungen um eine Stellungnahme zum ersten Entwurf gebeten hatte. Während einige Länder, darunter auch Württemberg, den Entwurf damals abgelehnt hatten, zeigte sich die Mehrzahl, vor allem auch Preußen, grundsätzlich zur Zustimmung bereit.

Nach der Wahl zum Kaiser hatte Friedrich Wilhelm IV. seine Meinung jedoch geändert und wollte sich mit diesem Parlament nicht mehr gemein machen.

1.7. Ablehnung der Kaiserkrone und Scheitern der Revolution

Nur einen Tag nach der Abstimmung über die Verfassung hatte die Frankfurter Versamm-lung Friedrich Wilhelm IV. mit 290 Stimmen bei 248 Enthaltungen zum deutschen Kaiser gewählt. Eine ideologisch und regional möglichst repräsentative Abordnung des Hauses sollte dem bisherigen preußischen König die Kaiserkrone offiziell antragen[56].

Während der feierlichen Audienz am 3. April 1849 verlas Eduard von Simson, seit Dezem­ber 1848 der Präsident der Versammlung, die Botschaft, nach der die von der Nationalver-sammlung beschlossene Verfassung als Ganzes verkündet und die vorgesehene Erbkaiser-krone ihm, Friedrich Wilhelm, verliehen worden sei. Dem feierlichen Anlass angemessen hielt sich der König in seiner Antwort zurück, ließ jedoch erkennen, dass er erst dann zu-stimmen könnte, wenn ihn die Fürsten und Freien Städte Deutschlands dazu aufforderten. Es sei nun an den einzelnen Regierungen, die Verfassung zu prüfen. Die Delegation inter-pretierte diese Antwort des Königs als das, was sie war: Die Ablehnung der Krone und die – zumindest vorläufige – Nicht-Anerkennung der Verfassung.

In einem Brief an Christian Karl Josias Freiherr von Bunsen wurde der König ohnehin deutlicher: „Man nimmt nur an oder schlägt aus eine Sache, die geboten werden kann, - und Ihr da habt gar nichts zu bieten: Das mach’ ich mit meines Gleichen ab; jedoch zum Abschied die Wahrheit: Gegen Demokraten helfen nur Soldaten“[57].

In weiteren Briefen ließ Friedrich Wilhelm alle Zurückhaltung fahren und sprach von einem „Hundehalsband“ mit dem man ihn unauflöslich an die Volkssouveränität fesseln wolle[58]. Als eine Krone mit dem „Ludergeruch der Revolution“, dem „imaginären Reif aus Dreck und Letten gebacken“ hatte der preußische Herrscher das Kaisertum bereits im De­zember bezeichnet[59].

Schlagartig war damit die Politik der Paulskirchen-Mehrheit gescheitert und das Ende des ersten deutschen Parlaments kaum noch aufzuhalten. Von Gagern und seine Mitstreiter hofften zunächst, mit einer Vermittlung, einer Revision der Verfassung und der Zustim-mung der anderen Fürsten den König zum Umdenken bewegen zu können. Doch weder der preußische Herrscher noch das Parlament ließen sich auf das Verfahren ein[60].

Dennoch schien für einen Moment noch nicht alles verloren, da eine Vielzahl von Staaten der Verfassung zustimmte, zum Teil allerdings unter dem Druck der radikalen Demokraten und ihrer „Reichsverfassungskampagne“, mit der sie erneute Kämpfe, die sogenannten Maiaufstände heraufbeschworen.

1.8. Letztes Aufflackern der Revolution und Sieg der Reaktion

Bereits seit November 1848 hatten sich Radikale im „Zentralmärzverein“ zusammengetan, entschlossen für die Errungenschaften der Revolution wenn nötig auch mit Waffengewalt zu kämpfen. So kam es ein weiteres Mal zu zahlreichen Erhebungen, als sich der Sieg der Reaktion abzuzeichnen begann. In Sachsen, in der Pfalz und in Baden konnten Aufstän-dische kurzfristig Siege erringen, wurden aber von den jeweiligen regierungstreuen Truppen rasch besiegt. Auch der württembergische König musste sich zwischenzeitlich dem Druck der Straße beugen und die Paulskirchenverfassung anerkennen. Zum Sinnbild des dramatischen Kampfes um Verfassung, Grundrechte und die Erfolge des Umschwungs aus dem Jahr zuvor wurde die Belagerung der Bundesfestung Rastatt, wo 6000 Mann bis zum 23. Juli 1849 Widerstand leisteten. Dann hatte auch hier die Reaktion gesiegt und die Revolution des deutschen Volkes von 1848/49 war zu Ende[61].

Dabei war die Situation bei dieser dritten Aufstandswelle eine andere gewesen, als im Jahr zuvor. Aus Sicht des Parlaments galt die Verfassung vom 28. März als beschlossen und da-mit als geltendes Recht. Die Frage jedoch, wie sich die Versammlung gegenüber den Ein-zelregierungen und den Aufständischen verhalten solle, führte im Parlament zum Bruch, als am 4. Mai mit knapper Mehrheit der Beschluss gefasst wurde, Regierungen und Volk zur Anerkennung und Durchsetzung der Verfassung aufzufordern[62].

Auch das Parlament selbst zeigte erste Auflösungserscheinungen: Am 10. Mai trat von Gagern als Ministerpräsident zurück, da er sich für einen legalen Weg einsetzte. Der Reichsverweser versuchte, mit dem rechten Kandidaten Wilhelm Grävell einen Gegenpol zu der zunehmenden Macht der Radikalen zu schaffen. Ihm wurde jedoch das Misstrauen ausgesprochen[63].

Noch im April hatte es Bemühungen um eine Verhandlungslösung gegeben, denen sich auch Preußen anschloss, während Österreich und die vier Königreiche Gespräche abgelehnt hatten. Dennoch hatten am 14. April 28 Regierungen kollektiv ihre Zustimmung zur Verfassung erklärt. Preußen lehnte die Verfassung jedoch endgültig ab, während das Parlament für den 15. Juli zu den ersten Reichstagswahlen aufrief[64].

Daraufhin erklärte Preußen am 14. Mai die Mandate seiner Abgeordneten für erloschen. Weitere Länder folgten dieser Linie, viele konservative und gemäßigte Abgeordnete schie-den aus der Versammlung aus. Das Ende der Nationalversammlung stand bevor. Am 24. Mai musste die Beschlussfähigkeit auf die Anwesenheit von 100 Abgeordneten gesenkt werden, da nur noch 155 Parlamentarier – mehrheitlich extremer Ausrichtung – anwesend waren[65]. In Verkennung der Realität beschloss man sogar noch die Wahl einer fünfköpfigen Reichsregentschaft. Die übrig gebliebenen linken Abgeordneten verlegten das „Rumpf-parlament“ am 30. Mai nach Stuttgart. Dort stellten sich schließlich sogar der dem linken Zentrum angehörende württembergische Ministerpräsident Friedrich Römer und seine Ministerkollegen gegen die Versammlung. Das Rumpfparlament wurde am 18. Juni vom württembergischen Militär gesprengt[66].

1.9. Ergebnis der Revolution

Das Ergebnis der Revolution scheint eindeutig: Sowohl die Kämpfer als auch die Reform-politiker von 1848 scheiterten. Dies ist die einhellige Meinung der Historiker. Exempla-risch für ihr Urteil über die Ereignisse von 1848/49 steht beispielsweise Theodore Hame-row. Er konstatiert: Die Revolution „scheiterte schließlich so furchtbar und so vollständig“[67].

Guy Palmade stellt fest, dass der Absolutismus in Mitteleuropa unter dem Deckmantel der Verfassungen wieder an die Macht gekommen sei[68].

Die Frage, die immer wieder auftaucht, ist, wie eine Revolution zunächst so schnell siegen konnte um dann mit so wenig Mühe niedergeschlagen zu werden[69].

Eine einfache Antwort auf diese Frage gibt es, wie so oft, nicht. Ein Bündel von Ursachen, die zum Scheitern der Revolutionen in Europa führten, zählt Dieter Langewiesche auf: Zielkonflikte zwischen den einzelnen revolutionären Gruppen etwa, oder die zum Teil zu-kunfts-, zum Teil aber auch rückwärtsgerichteten Ziele quer durch die verschiedenen Lager. Diese Problemfülle sei in der kurzen Zeit, die den Revolutionären zur Verfügung stand, nicht zu lösen gewesen[70].

Weit verbreitet ist in diesem Zusammenhang auch das Argument, das “Professoren-parlament” in Frankfurt habe mit seinen Debatten kostbare Zeit verschwendet. Anderson gibt dazu zu bedenken: „The accusation that the Frankfurt professors wasted time in ar­guing constitutional niceties and debating abstract ideas instead of acting is easily pressed too far. But it did mean that the assembly was not and could not hope to be representative of the German people as a whole”[71].

Blackbourn und Eley dagegen wenden sich gegen die gängigen Ansichten vieler (deut-scher) Historiker, indem sie die häufig formulierte Notwendigkeit einer bürgerlichen Revo­lution ebenso in Frage stellen, wie das englisch-französische Vorbild für Deutschland[72].

Ironisch fügt Blackbourn hinzu, die deutschen Historiker hätten entgegen Rankes Maxime mehr darüber geschrieben, „wie es eigentlich nicht gewesen“[73]. Bedeutungsvoll wird diese Kritik, wenn man den weiteren Verlauf der Geschichte mit einbezieht. So warnt Eley da-vor, eine stringente Kontinuität vom 19. Jahrhundert bis zum dritten Reich zu konstru-ieren[74]. Stattdessen plädiert er dafür, die „bürgerliche Revolution von oben“, der 1860er und 1870er Jahre als die deutsche Variante der bürgerlichen Revolution anzuerkennen.

Trotz ihres Scheiterns stellten die Revolutionsjahre dennoch einen Wendepunkt dar. Der geringschätzige Umgang des Bürgertums mit den Arbeitern und ihren Interessen stieß einen Politisierungsprozess dieser Schicht an, der nicht mehr rückgängig zu machen war[75]. Bei den Bürgern hatte sich auf der anderen Seite die Furcht eingenistet, durch die Ansprü-che des Proletariats in ihrer Klassenexistenz gefährdet zu sein. So war die Revolution von 1848 zugleich die letzte, in der sich das Bürgertum zu revolutionären Maßnahmen hin-reißen ließ. Ungelöst blieb dagegen die Frage der Nationenbildung. Erst mit der Reichs-gründung von 1870/71 wurde sie schließlich nachgeholt. Als kleinen Teilsieg innerhalb der Niederlage kann man den Revolutionären anrechnen, dass nicht alle Reformen der Revolu-tionsjahre, wie beispielsweise die Bauernbefreiung, nach 1849 zurückgenommen wurden.

2. Die Revolution im Königreich Württemberg

Nach diesem schlaglichtartigen Überblick über den Verlauf der deutschen Revolution von 1848/49 als Ganzes, wird sich das folgende Kapitel mit den Besonderheiten und Entwick-lungen im Königreich Württemberg beschäftigen. Dabei wird sich zeigen, dass es in diesem Land signifikante Unterschiede zu anderen Mittelstaaten gab. Diese besonderen Faktoren werden später bei der Interpretation der Berichterstattung zu berücksichtigen sein.

2.1. Die Ausgangslage in Württemberg

Zwischen Bodensee und Tauber, Schwarzwald und Kraichgau gelegen, war das Königreich Württemberg in der Form, wie es sich Mitte des 19. Jahrhunderts darstellte, noch sehr jung[76]. Ein neu entstandenes Gebiet, zu dessen altwirtembergisch-evangelischen Stamm-land im Zuge der napoleonischen Eingriffe evangelische und katholische Reichsstädte, geistliche (katholische) Gebiete und Kleinfürstentümer hinzugekommen waren[77]. 1803 war es unter Friedrich I. Kurfürstentum geworden, im Dezember 1805 Königreich und Mitglied des Rheinbunds. 1816 trat Württemberg, das in Bezug auf seine Größe zu den sogenannten Mittelstaaten gezählt wurde, dem Deutschen Bund bei. 1819 erhielt es eine Verfassung, die bis zur Revolution in Kraft blieb.

Darin wurde die erbliche Monarchie festgeschrieben, in der der Monarch alle Rechte der Staatsgewalt auf sich vereinigte[78]. Über den Landtag waren die Bürger an der Willensbil-dung beteiligt. In der ersten Kammer saßen vom König ernannte oder durch Geburt be-rechtigte Vertreter. Die Abgeordneten der zweiten Kammer wurden von den volljährigen, Steuer zahlenden Bürgern gewählt. Ein parlamentarisches Recht zur Gesetzesinitiative gab es nicht, auch durfte sich der Landtag nicht selbst versammeln, sondern nur nach Einberu- fung durch den Monarchen. Höchste beratende Staatsbehörde war der Geheime Rat, be-stehend aus Ministern und vom König ernannten Räten. An Grundrechten wurden den Württembergern unter anderem die Rechtsgleichheit, die Freiheit der Person, Sicherung des Eigentums, Unabhängigkeit der Justiz, Gewissens-, Presse- und Auswanderungsfreiheit sowie ein Beschwerderecht gegen administrative Verfügungen zugestanden. Dennoch steht die Verfassung ausdrücklich in Kontinuität zu den ständischen Traditionen des Landes[79]. Das Inkrafttreten der Konstitution fiel in den Beginn der Regentschaft Wilhelms I., der 1816 seinem Vater Friedrich I. auf den Thron gefolgt war. Wilhelm starb 1864 und blieb damit während der gesamten Vormärz- und Revolutionszeit Staatsoberhaupt. Valentin be-zeichnete Wilhelm als „eine der merkwürdigsten Gestalten der damaligen deutschen Fürstenwelt, [...] ein falscher Biedermann, ein Gschaftlhuber [...], der durch seinen persön-lichen Scharm auch manchen augenblicklichen Erfolg errang, der auf die Dauer aber zu nichts kommen konnte, weil er mit unwirscher Naivität die anderen immer für dümmer hielt, als sich selbst [...]“[80]. Generell gehört Wilhelm zu den in der Geschichtsschreibung umstrittensten Monarchen seiner Zeit[81].

Zur Verwaltung war Württemberg bereits von Friedrich I. in über 60 Oberämter eingeteilt worden, die zunächst in 12 Landvogteien, ab 1818 in vier Regierungskreise zu-sammengefasst wurden[82].

Wie oben erwähnt, gab es in Württemberg offiziell bereits in der zweiten Dekade des 19. Jahrhunderts Pressefreiheit. Ein Gesetz über die Pressefreiheit datierte sogar schon auf den 30. Januar 1817. Dennoch blieb Zensur unter bestimmten Bedingungen erlaubt und wurde in der Folge der Karlsbader Beschlüsse durch Verordnungen immer strikter durchgeführt, weshalb die Situation in Bezug auf die tatsächliche Gewährung von Grundrechten im All-tag auch in Württemberg von vielen als nicht befriedigend angesehen wurde und die Verwirklichung der Pressefreiheit auch im Südwesten eine zentrale Forderung von Libera-len und Demokraten blieb[83].

Dennoch brachte Württemberg zusammen mit anderen süddeutschen Staaten mit seinem Frühkonstitutionalismus eine neue Variante der konstitutionellen Monarchie hervor, wenn auch die Mitwirkungsmöglichkeiten der Bürger bei eingeschränkten Parlamentsrechten und nur rund 14 Prozent aktiver Wählerschaft begrenzt blieben. Diese auf den ersten Blick niedrige Zahl bedeutete zur damaligen Zeit einen Demokratievorsprung selbst gegenüber England und Frankreich, weshalb sich die südwestdeutschen Liberalen bis in die 30er Jahre des 19. Jahrhunderts auf die parlamentarische Arbeit konzentrierten, hinter der das nationa-le Engagement zurückstand[84].

Ab 1830, nach Jahren der Restauration, wurde dann die „intensive Auseinandersetzung mit der erneut aktuell gewordenen demokratischen und nationalen Revolution“[85] sichtbar, in deren Hintergrund außerdem eine soziale Spannung lag. Im Verlauf der 30er Jahre trat mit Johannes Schlayer, Friedrich Römer und Paul Pfizer eine neue Generation von Politikern auf, während sich breitere Bevölkerungsschichten am politischen Leben beteiligten, die Bürokratie in die Defensive geriet und der König im Lauf der Jahre konservativer wurde[86]. Oppositionelle Bewegungen erstickte Wilhelm I. im Keim, auch die Mitgliedschaft im Deutschen Zollverein ab 1834 wurde von Zeitgenossen nicht als ein Akt des Liberalismus aufgefasst.

Die Auswirkungen der Revolution von 1830/31 waren in Württemberg zu spüren. Die Bürgerschicht hatte Angst vor Massenunruhen, dennoch wurde Kritik an Verwaltung und Steuerbelastung geäußert[87]. Das Engagement auch vieler Württemberger für die polnische Nationalbewegung führte zu neuen politischen Organisationsformen, die Anzahl und die Leserschaft der Zeitungen nahmen zu[88].

Seit den Landtagswahlen von 1831 konnte man von den Ansätzen einer organisierten Op­position sprechen, zu deren Koordinierungsinstrument sowohl für Liberale als auch Demo-kraten die von Rudolf Lohbauer redigierte Stuttgarter Abendzeitung Hochwächter wurde. Ab Januar 1833 wurde aus dem Hochwächter der Beobachter, jahrzehntelang das Organ der schwäbischen Demokratie[89]. Aus den Wahlen gingen die fortschrittlichen Kräfte als Gewinner hervor. Sie konnten über die Hälfte der Mandate erringen. Angesichts dieses Ergebnisses zögerte die Regierung noch, den neuen Landtag einzuberufen, als sich die poli- tische Großwetterlage durch das Hambacher Fest am 27. Mai 1832 aus Sicht der Liberalen und Demokraten weiter verschlechterte.

Am 31. Juli 1832 wurde Johannes Schlayer Chef des Innen- und Kultusministeriums und wirkte bis zu Beginn der Revolution im März 1848 als tatsächlicher Premierminister und bestimmende Persönlichkeit neben Wilhelm I.[90]. Die Eröffnung des „vergeblichen Land-tags“[91] am 15. Januar 1833 geriet nicht nur zu einer Bewährungsprobe für Schlayer, son-dern auch zu einem Aufbäumen der Opposition. Die Abgeordneten Albert Schott und Lud­wig Uhland forderten die Rückkehr zur Pressefreiheit[92], Paul Pfizer[93] bestritt die Rechtmä-ßigkeit der sechs Artikel des Deutschen Bundes, die unter anderem die Parlamentsrechte einschränkten sowie politische Vereine und Versammlungen verboten. In der Abstimmung musste die Regierung eine Niederlage hinnehmen, woraufhin der König im Geheimen Rat die Auflösung des Landtags durchsetzte.

Die Landtage von 1833, 1836 und 1838 waren geprägt von konservativer Modernisierungs-politik, einzelne Abstimmungserfolge der Opposition blieben folgenlos. Viele Liberale Abgeordnete kehrten dem Landtag enttäuscht den Rücken[94]. Unter dem seit 1831 amtierenden Präsidenten des Geheimen Rats Eugen Freiherr von Maucler wurde das kon-stitutionelle System durch allmähliche Verlagerung der Entscheidungen in die Exekutive weiter geschwächt.

Der gleichzeitige Reformkurs führte zu einer Situation, in der sich ein verfassungspolitisch vorwärtsdrängender, sozial und ökonomisch aber konservativ geprägter Liberalismus und die autokratische Reformbürokratie mit ihrer auch gegen die alten Führungsschichten durchgesetzten Bürokratisierung im Zuge des wirtschafts-, sozial- und bildungspolitischen Modernisierungskurses gegenüberstanden[95].

Obwohl im Land zum Wechsel des Jahrzehnts noch keine Anzeichen einer aufziehenden Krise zu erkennen waren, verschärfte sich auch in Württemberg das Problem der Armut. Einen ersten Höhepunkt erreichte der um sich greifende Pauperismus in den Hungerkra-wallen im Mai 1847, vor allem in Ulm, Stuttgart und Tübingen. Denn neben den Missern-ten bei Getreide und Kartoffeln hatte die erste Überproduktionskrise eine Entlassungswelle ausgelöst[96]. Den Protesten schlossen sich auch industriefeindliche, notleidende Handwerks-meister und Gesellen an, die sich durch den Fortschritt in ihrer beruflichen Existenz be-droht sahen. Die politisch dominanten Kräfte erkannten in der gewaltbereiten Unterschicht einen politischen Faktor. Zur Unterdrückung der Gewalttätigkeiten hofften die Liberalen einerseits im Bündnis mit der Regierung auf Zugeständnisse seitens des Königs, während sie andererseits mit den Besitzlosen liebäugelten um die Bürokratie zu weiteren Kon-zessionen zu zwingen[97]. Ein riskantes Vorgehen, das in einer Spaltung der oppositionellen Kräfte in Liberale und Demokraten endete. Im religiösen Bereich wuchsen die Gegensätze zwischen Pietismus und Rationalismus, sowie zwischen der katholischen Kirche und dem Staat.

Nachdem der geheime Rat die Berichterstattung der Zeitungen zur Landtagswahl 1844 gestattet hatte, konnte die Opposition mit rund einem Drittel der Sitze wieder im Parlament einziehen. All diese Entwicklungen lassen erkennen, dass sich Württemberg also bereits am Vorabend der Revolution in einer Krise befand, in der höchst unterschiedliche Gesell-schaftsschichten mit höchst unterschiedlichen Zielen nur ein Wunsch verband: Der nach mehr Partizipation[98].

2.2. Verlauf der Revolution im Königreich

2.2.1. Die Märzforderungen

Unter diesen Vorzeichen traf die Revolution Anfang des Jahres 1848 Württemberg und veranlasste den „Nationalhelden“ Ludwig Uhland zu seiner berühmt gewordenen Formu-lierung „der Sturm ist in die Zeit gefahren“[99]. Die Politik, die nun auf die Agenda kam, war nicht neu, sie war von vielen seit langem gefordert und vorbereitet worden. Im „Stuttgarter Programm“ einer Wählerversammlung vom 17. Januar 1848 wurden Forderungen formu-liert, die – auf württembergische Verhältnisse bezogen – den späteren Märzforderungen be-reits stark ähnelten: Eine einheitliche Gesetzgebung innerhalb des deutschen Zollvereins wurde ebenso verlangt, wie dessen Ausdehnung auf ganz Deutschland, die Errichtung deutscher Konsulate, eine Verbesserung des Unterrichts, die Vereinfachung der Staatsver- waltung, ein aktives Wahlrecht aller Steuerzahler, die Öffentlichkeit von Gemeinderatsver-handlungen, die Abschaffung der Lebenslänglichkeit von Gemeinderäten und Ortsvor-stehern, Pressefreiheit, Versammlungs- und Vereinsrecht oder die Ablösung des Zehnten und anderer Grundlasten[100]. Für den Stuttgarter Landtag wollte man eine Abschaffung der Kammer der Standesherren erreichen, die durch eine reine Volkskammer ersetzt werden sollte[101].

Als dann im März die Revolution in Paris ausbrach, sah sich König Wilhelm alarmiert. Er aktivierte seine Gesandten und Diplomaten, suchte die Nähe zum russischen Kaiser und erwog sogar einen Antrag beim Deutschen Bund zur Verteidigung des Vaterlands[102]. Eine Mobilmachung des württembergischen Heeres schied jedoch aus Geldmangel aus.

Noch am 1. März fielen Berichte im Beobachter über die Situation in Baden der Zensur zum Opfer, am Tag darauf hatte der König die Pressefreiheit wieder hergestellt. In den folgenden Tagen kam auch unter den Schwaben Unruhe auf, Petitionen und Adressen wurden massenweise verfasst – einige aus Solidarität mit dem König, andere mit liberalen Forderungen. Keine jedoch rief zu einer echten Revolution auf, vielmehr ging es um die immer gleichen liberalen Forderungen[103].

Anders als Baden, Wien oder Berlin, war Württemberg jedoch kein Zentrum der Ereig-nisse, sondern eher „revolutionäre Provinz“[104], wenn auch „links“ orientiert.

2.2.2. Das württembergische Märzministerium

Am 5. März entschloss sich Wilhelm zu einer Kabinettsumbildung: Der Konservative und katholische Kirchenratspräsident Joseph Freiherr von Linden sollte Schlayer ersetzen. Öf-fentlichkeit und Ministerialbürokratie reagierten ablehnend, von Linden war nicht durch-setzbar[105].

Derweil verschärfte sich die Lage im Land weiter: Außenminister Karl Joseph Ignaz Graf von Beroldingen bat beim preußischen Gesandten um Beistand. Die Bauernaufstände in Baden griffen nach Württemberg über. In Niederstetten wurde das fürstliche Schloss nie-dergebrannt, im hohenlohischen Weinsberg, einem der alten Unruhegebiete des Bauern- kriegs von 1525, warfen Aufständische Akten und Papiere der Behörden in die Flammen. In das ebenfalls unruhige Heilbronn wurde ein Kavallerieregiment verlegt, für Ulm bat Wilhelm um Unterstützung aus Vorarlberg und Bayern[106].

Doch der König scheute den Entscheidungskampf und entschloss sich am 8. März zur Ein-richtung eines echten „Märzministeriums“, was die Pietisten bis zum Schluss zu verhindern suchten. Die Liberalen Gustav von Duvernoy und Paul Pfizer sollten das Innen-und das Kultusministerium übernehmen. Beide waren bereit die Ämter anzutreten, wenn Wilhelm auch Friedrich Römer ins Kabinett berufe. Dieser wurde schließlich Justizminis-ter und Regierungschef. Lediglich Kriegsminister Johann Georg Graf von Sontheim und Außenminister Graf Beroldingen aus der vorherigen Regierung behielten ihre Ämter. Zwei Ressorts, die – ging es nach Römer – ohnehin bald abgeschafft werden sollten. Über die Richtung, welche die Liberalen einschlagen wollten, bestand Einigkeit: Man wollte Re-formen durchführen und gleichzeitig die Anarchie bekämpfen[107]. Vom Beobachter scharf kommentiert wandte sich das Märzministerium am 11. des Monats mit einem von Pfizer formulierten Regierungsprogramm und einer Warnung an die Urheber der Aufstände in den Oberamtsbezirken Neckarsulm, Öhringen, Künzelsau und Gerabronn an die Öffent-lichkeit. Das Regierungsprogramm sah neben einer Vereidigung des Heeres auf die Verfassung und einer parlamentarischen Verabschiedung von Gesetzen auch die Herstel-lung von Versammlungsfreiheit und Volksbewaffnung vor. In neuen Ständewahlen sollte das Ministerium die Legitimation durch eine parlamentarische Mehrheit erhalten. Weitere Reformen sollten nach diesen Wahlen erfolgen. Des Weiteren hofften die Minister auf einen Schritt nach vorne in der Frage der deutschen Einheit.

Am 18. März wurde das württembergische Militär auf die Verfassung vereidigt, die Volks-versammlungen wurden nachträglich legalisiert, was dem politischen Leben qualitativ und quantitativ zum Aufstieg in eine neue Dimension verhalf[108].

Die im oben genannten Programm enthaltenen Forderungen wurden vom Landtag noch vor seiner Auflösung in der zweiten Märzhälfte verabschiedet, ebenso wie ein Grundlasten-Ab-lösegesetz. Die Opposition gegen diese neue Politik, Pietisten und Konservative aus dem rechten Lager, sowie die insbesondere von dem Gaildorfer Glasfabrikanten Gottlieb Rau verkörperte extreme Linke, bereitete der Regierung dabei keine größeren Schwierigkei-ten[109].

Eine weitere wichtige Maßnahme der ersten Tage war das Gesetz zur Volksbewaffnung vom 1. April 1848, das jedoch nicht (wie gefordert) eine Verschmelzung von Heer und Volkswehr brachte, sondern eine Art paramilitärische, lokale Hilfspolizei[110].

2.2.3. Württemberg in der Zeit der Nationalversammlung

Seit den ersten Anfängen des deutschen Parlaments waren Politiker aus Württemberg an dessen Entstehung beteiligt. Römer hatte bereits der Heidelberger Versammlung ange-hört[111]. Das vom Bundestag eingesetzte Gremium von 17 Vertrauensmännern, in dem Lud­wig Uhland saß, brachte den Verfassungsentwurf Dahlmanns hervor, gegen den Uhland opponiert hatte und der letztendlich allen Seiten zu viel zumutete. Damit blieb nur der Weg über das neue Parlament, den die Württemberger besonders unterstützten und mit großen Hoffnungen verbanden. Dies zeigte sich zum ersten Mal bei den Wahlen zur Nationalver-sammlung. Über das Wahlrecht gerieten Demokraten und Liberale allerdings in Streit. Die Regierung entschied schließlich, dass die 28 württembergischen Abgeordneten in Einer-Wahlkreisen bestimmt werden sollten, wobei ungefähr jeder sechste Einwohner stimmbe-rechtigt war. Fast überall traten zwei oder mehrere Kandidaten gegeneinander an. Lediglich die Galionsfiguren des Politikwandels, wie Uhland in Tübingen, Pfizer in Stuttgart oder Römer in Göppingen brauchten keine Gegenkandidaten zu fürchten. Die Hälfte der Ge-wählten waren politische Neulinge, die vorher kein Mandat innegehabt hatten. Auch unter den Württemberger Abgeordneten waren die Akademiker in der Mehrheit. Lediglich der Schlossermeister Ferdinand Nägele aus Murrhardt und der Heilbronner Bierbrauer Louis Hentges vertraten das Gewerbe.

Das Interesse der Württemberger an der Arbeit der Nationalversammlung war groß. Nicht nur die politischen Vereine[112] hatten einen großen Mitgliederzulauf. Auch die Nachfrage nach Zeitungen war immens und die Abgeordneten erhielten zahlreiche Adressen mit Bitten und Wünschen.

Die Mehrheit der politisch Aktiven schien dabei dem linken Spektrum anzugehören. Die württembergische Regierung hielt sich in der Jahresmitte mit politischen Neuerungen zu-rück und zögerte auch, den Landtag einzuberufen.

Man erhoffte sich deutliche Impulse aus Frankfurt, wobei zum Beispiel auch die „Grund-rechte des deutschen Volkes“[113] Auswirkungen auf württembergischen Bestimmungen haben sollten.

In der Haltung der Württemberger gegenüber den Entwicklungen in der Paulskirche ist vor allem die allgemeine Anerkennung des Parlaments hervorzuheben. Daneben tendierte eine Mehrheit zu unitarisch-linken Vorstellungen, da Württemberg als relativ kleines Land von einem Partikularismus nicht profitieren würde[114]. Die preußischen Hegemoniepläne der Rechten lehnten sie aus ihrem freiheitlichen Denken ab. Der Staat des Militärs, des Adels und der Freihändler fand bei den Württembergern nur wenig Sympathie. Durch die Hin-wendung zur Linken fanden vielmehr die Gedanken der Republik oder der demokratischen Monarchie Anklang.

Trotz seiner Zurückhaltung war das Märzministerium nicht untätig geblieben. Die neue „Zentralstelle für Gewerbe und Handel“ sollte die Gewerbeförderung intensivieren, eine „Organisationskommission“ die Reorganisation der Verwaltung festlegen. Durch eine scharfe Verfolgung der Vereine auf der extremen Linken erfolgte eine Aufspaltung in die gemäßigteren Vaterlandsvereine unter dem Dach des Vaterländischen Hauptvereins in Stuttgart und die Volksvereine, die ihren Landesausschuss monatlich neu bestimmten.

Die Septemberkrise ging auch an Württemberg nicht spurlos vorbei. Als Struve in Baden seinen Aufstand begann, wollte auch der „württembergische Hauptrevolutionär“[115] Gottlieb Rau den bewaffneten Marsch auf Stuttgart und Bad Cannstatt antreten, als dort am 25. Sep­tember das „Cannstatter Volksfest“ eröffnet wurde. Mit rund 800 Mann zog er von Rott-weil los, kam jedoch nur bis Balingen. Hier erwartete ihn nicht nur ein Haftbefehl aus dem Ministerium Duvernoy, sondern die dortige Bürgerwehr versagte ihm auch die Unter-stützung, da gleichzeitig Nachrichten von Struves Niederlage eintrafen[116].

Am 20. September 1848 wurde der sogenannte Lange Landtag eröffnet, der aus den Wahlen vom Mai (nach altem Wahlrecht) hervorgegangen war und bis 11. August 1849 tagte. Eigentlich sollte dieses Parlament nur den Haushalt verabschieden und eine Wahl-rechtsreform beschließen, tagte dann aber fast ein Jahr und konnte wichtige Libe-ralisierungsvorhaben durchsetzen. So zum Beispiel mehr Pressefreiheit, mehr Wehrge-rechtigkeit und eine Befreiung der Gewerbe. Nach der Verabschiedung der Grundrechte durch die Nationalversammlung begann der Landtag mir deren Umsetzung in das Landes-recht[117].

Das württembergische Märzministerium hatte von Anfang an keinen Zweifel daran ge-lassen, sich der von Frankfurt beschlossenen Verfassung unterzuordnen. Das Ergebnis der Nationalversammlung, die kleindeutsche Lösung mit dem preußischen König als Erbkaiser, enttäuschte dann allerdings viele Württemberger. Dennoch machten sich die Politiker wei-ter für die Verfassung stark und hofften, den preußischen König umstimmen zu können, wenn eine Reihe von Staaten das Werk der Nationalversammlung anerkannte. Neben etli-chen Klein- und Mittelstaaten war Württemberg jedoch das einzige Königreich, das diesen Weg beschritt.

Wilhelm I., eigentlich kein Freund der Frankfurter Verfassung, versuchte die Haltung „sei­nes“ Landes gar durch einen Staatsstreich zu ändern, musste jedoch feststellen, dass die Offiziere nur einer verfassungsgemäßen Regierung Gehorsam zu leisten bereit waren – und die wurde von Römer geleitet. Dem König blieb nichts anderes übrig, als sich der Verfassung zu unterwerfen. Im Verlauf des Konflikts um die Reichsverfassung verhielt sich die Regierung Römer abwartend, einen Zusammenschluss mit den Radikalen lehnte man ab.

In der Bevölkerung dagegen, gab es durchaus Pläne und Forderungen, von der Straße aus Einfluss auf das Geschehen zu nehmen. Auf einer Versammlung in Reutlingen am 27. Mai 1849 sprachen sich über 20.000 Menschen für eine Unterstützung der badischen Mairevo-lution aus und stellten Forderungen für Württemberg: Abschaffung von Feudallasten und Einkommenssteuer sowie des stehenden Heeres und eine Wahl der Offiziere durch die Mannschaften[118]. Gleichzeitig zogen Unterstützungsverbände über die Grenze nach Baden.

2.2.4. Das unrühmliche Ende in Stuttgart

Bis zum Schluss standen die Württemberger zum Frankfurter Parlament, auch als die rech-ten und rechtsliberalen Abgeordneten die Versammlung verlassen hatten und deren Reste nach Stuttgart übergesiedelt waren.

Die Abgeordneten hatten sich für Stuttgart als neuen Tagungsort entschieden, weil Würt-temberg der größte der verfassungsfreundlichen Staaten war, während in Frankfurt Bundes-truppen zusammengezogen wurden und die Parlamentarier eine Auflösung der Versamm-lung befürchteten[119].

[...]


[1] LSAB, 11.Januar 1849.

[2] Valentin, Veit: Geschichte der deutschen Revolution von 1848-1849. Zwei Bände (Nachdruck der Originalausgabe von 1930). Weinheim, Berlin 1998.

[3] Langewiesche, Dieter: Europa zwischen Restauration und Revolution 1815-1849 (Oldenbourg Grundriss der Geschichte 13). München 31993. (Noch im Jahr 2004 wird dieser Band in einer vierten, aktualisierten Auflage erscheinen, die jedoch im Moment der Abfassung noch nicht vorliegt und daher nicht mehr maßgeblich zu dieser Abhandlung herangezogen werden kann.)

[4] Vgl.: Neumüller, Michael: Liberalismus und Revolution. Das Problem der Revolution in der deutschen liberalen Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts. Düsseldorf 1973, S. 121-124.

[5] Fischer, Joachim (u.a.): Leonberg. Eine altwürttembergische Stadt und ihre Gemeinden im Wandel der Geschichte. Stuttgart 1992. Lorenz, Sönke/Scholz, Günther: Böblingen. Vom Mammutzahn zum Mikrochip (Gemeinde im Wandel, Band 14). Filderstadt 2003.

[6] Vgl. auch zum Folgenden: Schieder, Theodor: Vom Deutschen Bund zum Deutschen Reich. In: Grundmann, Herbert: Gebhart Handbuch der Deutschen Geschichte, Band 3. Von der Französischen Revolution bis zum Ersten Weltkrieg. Stuttgart 91970, S. ß2f.

[7] Vgl.: Stadelmann, Rudolf: Das Jahr 1848 und die deutsche Geschichte. In: Langewiesche, Dieter (Hrsg.): Die deutsche Revolution von 1848/49 (Wege der Forschung, Band 164). Darmstadt 1983, S. 23.

[8] Vgl.: Craig, Gordon A.: Geschichte Europas 1815-1980. Vom Wiener Kongress bis zur Gegenwart. München 31989, S. 100.

[9] Vgl. auch zum Folgenden: SCHIEDER (wie Anm. 6), S. ß6-ß9; LANGEWIESCHE (wie Anm. 3), S. 68ff; CRAIG (wie Anm. 8), S. 56-58.

[10] Vgl.: Koch, Rainer: Deutsche Geschichte 1815-1848. Restauration oder Vormärz. Stuttgart u.a. 1985, S. 85.

[11] STADELMANN (wie Anm. 7), S. 23.

[12] Vgl. auch zum Folgenden: Grimm, Dieter: Deutsche Verfassungsgeschichte 1776-1866. Vom Beginn des modernen Verfassungsstaats bis zur Auflösung des Deutschen Bundes. Frankfurt/Main 1988, S. 179f.

[13] Vgl.: Labrousse, Ernst: 1848,1830,1789. Wie Revolutionen entstehen. In: Hartig, Irmgard (Hrsg.): Geburt der bürgerlichen Gesellschaft: 1789. Frankfurt/Main 1979, S. 67f.

[14] Vgl.: LABROUSSE (wie Anm. ß), S. 74.

[15] Vgl.: Nolte, Paul: Baden. In: Dipper, Christoph/Speck, Ulrich: 1848. Revolution in Deutschland. Frankfurt/Main, Leipzig 1998, S. 54.

[16] Vgl. auch zum Folgenden: GRIMM (wie Anm. 12), S. 179.

[17] Vgl.: Valentin, Veit: Geschichte der deutschen Revolution von 1848-1849. Erster Band, bis zum Zusammentritt des Frankfurter Parlaments (Nachdruck der Originalausgabe von 1930). Weinheim, Berlin 1998, S. 340ff, S. 348.

[18] Vgl.: KOCH (wie Anm. 10), S. 263f.

[19] Vgl.: GRIMM (wie Anm. 12), S. 179f.

[20] Vgl.: KOCH (wie Anm. 10), S. 264f.

[21] Vgl.: Nipperdey, Thomas: Deutsche Geschichte 1800-1866. Bürgerwelt und starker Staat. München 41987, S. 596.

[22] Vgl.: Robertson, Priscilla: Revolutions of 1848. A social History. Princeton 21971, S. 110ff.

[23] Vgl.: Grefe, Ernst-Hermann: Revolution oder Reform? Politik im Vorparlament und im Fünfzigerausschuss. In: Klötzer, Wolfgang/Moldenhauer, Rüdiger/Rebentisch, Dieter(Hrsg.): Ideen und Strukturen der deutschen Revolution 1848 (Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst, Band 54). Frankfurt/Main 1974, S.ß.

[24] Zit. nach.: NIPPERDEY (wie Anm. 21), S. 599; vgl. auch zum Folgenden.

[25] Vgl.: Faber, Karl-Georg: Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert. Restauration und Revolution von 1815 bis 1851 (Handbuch der Deutschen Geschichte, Band, 3/I, 2. Teil). Wiesbaden 1979, S. 219.

[26] Vgl.: LANGEWIESCHE (wie Anm. 3), S. 94.

[27] Vgl.: Holborn, Hajo: Deutsche Geschichte in der Neuzeit. Band II Reform und Restauration, Liberalismus und Nationalismus (1790 bis 1871). Frankfurt/Main. 1981, S. 283f.

[28] Vgl. auch zum Folgenden: GRIMM (wie Anm. 12), S. 181.

[29] Vgl.: ROBERTSON (wie Anm. 22), S. 148f.

[30] Vgl. auch zum Folgenden: SCHIEDER (wie Anm. 6), S. 144.

[31] Vgl.: SCHIEDER (wie Anm. 6), S. 145.

[32] Vgl.: Bußmann, Walter: Vom Hl. Römischen Reich deutscher Nation zur Gründung des Deutschen Reiches. In: Schieder, Thomas (Hrsg.): Handbuch der europäischen Geschichte, Band 5. Europa von der Französischen Revolution zu den nationalstaatlichen Bewegungen des 19. Jahrhunderts. Stuttgart 1981, S. 498.

[33] Vgl.: SCHIEDER (wie Anm. 6), S. 146.

[34] Vgl. auch zum Folgenden: NIPPERDEY (wie Anm. 21), S. 6ß.

[35] Zit. nach: NIPPERDEY (wie Anm. 21), S. 6ß.

[36] Vgl.: NIPPERDEY (wie Anm.21), S. 613f.

[37] Vgl.: Palmade, Guy (Hrsg.): Das bürgerliche Zeitalter (Weltgeschichte, Band 27). Augsburg 2000, S. 56.

[38] Vgl.: PALMADE (wie Anm. 37), S. 52-55.

[39] Vgl. auch zum Folgenden: ROBERTSON (wie Anm. 22), S. 157f.

[40] Vgl. auch zum Folgenden: BUSSMANN (wie Anm. 32), S. 499f.

[41] Vgl. auch zum Folgenden: Valentin, Veit: Geschichte der deutschen Revolution von 1848-1849. Zweiter Band, bis zum Ende der Volksbewegung von 1849 (Nachdruck der Originalausgabe von 1930). Weinheim, Berlin 1998, S. 147-158.

[42] Zit. Nach: BUSSMANN (wie Anm. 32), S. 500.

[43] Vgl. auch zum Folgenden: GRIMM (wie Anm. 12), S. 192ff.

[44] Vgl.: HOLBORN (wie Anm. 27), S. 296.

[45] Vgl. auch zum Folgenden: NIPPERDEY (wie Anm. 21), S. 634f.

[46] Vgl. auch zum Folgenden: HOLBORN (wie Anm. 27), S. 292f.

[47] Vgl.: Siemann, Wolfram: Die deutsche Revolution von 1848/49. Frankfurt/Main 1985, S. 192.

[48] Vgl.: SCHIEDER (wie Amn. 6), S. 147f.

[49] Vgl.: SIEMANN (wie Anm. 47), S. 193f.

[50] Vgl.: HOLBORN (wie Amn. 27), S. 311.

[51] Vgl. auch zum Folgenden: NIPPERDEY (wie Anm. 21), S. 658.

[52] Vgl. auch zum Folgenden: HOLBORN (wie Anm. 27), S. 312f.

[53] Vgl.: NIPPERDEY (wie Anm. 21), S. 659.

[54] Vgl. auch zum Folgenden: HOLBORN (wie Anm. 27), S. 314. Gegen die Erblichkeit hatte sich insbesonde-re auch der Württemberger Ludwig Uhland gewandt; vgl.: Zeller, Bernhard: Ludwig Uhland. Dichter, Ge-lehrter, Politiker. In: ZWLG 42 (1988), S. 396f.

[55] Vgl. auch zum Folgenden: NIPPERDEY (wie Anm. 21), S. 659f.

[56] Vgl. auch zum Folgenden: Eyck, Frank: Deutschlands große Hoffnung. Die Frankfurter Nationalversammlung 1849/49. München 1973, S. 448f.

[57] Zit. nach: GRIMM (wie Anm. 12), S. 205.

[58] Zit. nach: HOLBORN (wie Anm. 27), S. 315.

[59] Zit. nach: SIEMANN (wie Anm. 47), S. 201.

[60] Vgl.: NIPPERDEY (wie Anm. 21), S. 661.

[61] Vgl.: HOLBORN (wie Anm. 27), S. 317ff.

[62] Vgl.: SIEMANN (wie Anm. 47), S. 205.

[63] Vgl.: EYCK (wie Anm. 56), S. 451.

[64] Vgl.: GRIMM (wie Anm. 12), S. 205f.

[65] Vgl.: EYCK (wie Anm. 56), S. 451f.

[66] Vgl.: EYCK (wie Anm. 56), S. 452.

[67] Hamerow, Theodore: 1848. In: Langewiesche, Dieter (Hrsg.): Die deutsche Revolution von 1848/49 (Wege der Forschung, Band 164). Darmstadt 1983, S.115.

[68] Vgl.: PALMADE (wie Anm. 37), S. 62.

[69] Vgl.: Canis, Konrad: Die preußische Gegenrevolution. In: Hardtwig, Wolfgang (Hrsg.): Revolution in Deutschland und Europa 1848/49. Göttingen 1998, S. 161. Canis bezieht sich hier auf Friedrich Mei-necke.

[70] Vgl.: LANGEWIESCHE (wie Anm. 3), S. 110ff.

[71] Anderson, Matthew Smith: The Ascendancy of Europe 1815-1914. London, New York 1985, S. 88.

[72] Vgl.: Eley, Geoff: Deutscher Sonderweg und englisches Vorbild. In: Blackbourn, David/Eley, Geoff: Mythen deutscher Geschichtsschreibung. Die gescheiterte bürgerliche Revolution von 1848. Frank-furt/Main, Berlin, Wien 1980, S. 11-14.

[73] Vgl.: Blackbourn, David: Wie es eigentlich nicht gewesen. In: Blackbourn, David/Eley, Geoff: Mythen deutscher Geschichtsschreibung. Die gescheiterte bürgerliche Revolution von 1848. Frankfurt/Main, Berlin, Wien 1980, S. 71.

[74] Vgl. auch zum Folgenden: ELEY (wie Anm. 72), S. 54-57.

[75] Vgl. auch zum Folgenden: LANGEWIESCHE (wie Anm. 3), S. 112f.

[76] Die Einwohner Württembergs, die Schwaben, charakterisiert VALENTIN (wie Anm. 17), S. 144 als „[...] ernster beschwert als die Franken, herber, kerniger als das Gemisch der Rheinebene, klüger und feiner als die Bayern, bewegter, beschwingter als die Niedersachsen, gerader, zäher als die Obersachsen. Das Volk der Käuze und Grobiane, der Glaubenseiferer und Versedrechsler, das Volk der vorsichtigen unermüdlichen Tat-kraft [...], das die wunderlichst geschnitzten Murrköpfe und Sauertöpfe, Kreuzschläger und Quertreiber, Kampfhähne und Lästermäuler, Vaganten und Pfahlbürger hervorgebracht hat, dem aber ebenso sehr dichte-risch lebendigste Gestaltung, gedanklich tiefste Erkenntnis erreichbar war. Die Schreiber waren hier schreibseliger, die Schulmeister wissensstolzer, die Advokaten rechthaberischer, die Bauern geiziger, die Kaufleute raffgieriger als sonst wo in Deutschland, ein Fremder kam niemals recht hinein und wurde keines-falls fertig. Aber gekonnt und geschaffen wurde etwas hier [...] Stolz auf das Rechte und Sinn für gleiches ehrliches Spiel war eingewurzelt – staatsbürgerliche Arbeit, freie deutsche Gesinnung mußte hier aufblühen“.

[77] Vgl.: Mann, Bernhard: Revolution und Nationalbewegung in Württemberg 1848/49. In: ZWLG 58 (1999), S. 185.

[78] Vgl. auch zum Folgenden: Fenkse, Hans: Der liberale Südwesten. Freiheitliche und demokratische Traditionen in Baden und Württemberg 1790-1933 (Schriften zur politischen Landeskunde Baden-Württembergs, Band 5). Stuttgart u.a.1981, S. 41f.

[79] Vgl.: Press, Volker: Landstände des 18. und Parlamente des 19. Jahrhunderts. In: Berding, Helmut/ Ullmann, Hans-Peter (Hrsg.): Deutschland zwischen Revolution und Restauration. Düsseldorf 1981, S. 153.

[80] VALTENIN (wie Anm. 17), S. 143.

[81] Vgl.: KOCH (wie Anm. 10), S. 245.

[82] Vgl.: Waibel, Raimund: Von der Französischen Revolution bis zum Ersten Weltkrieg – Böblingen auf dem Weg in die Moderne. In: Lorenz, Sönke/Scholz, Günther: Böblingen. Vom Mammutzahn zum Mikrochip (Gemeinde im Wandel, Band 14). Filderstadt 2003, S. 227.

[83] Vgl.: FENSKE (wie Anm. 78), S. 57f.

[84] Vgl.: LANGEWIESCHE (wie Anm. 3), S. 64.

[85] Mann, Bernhard: Württemberg von 1800 bis 1866. In.: Schwarzmaier, Hansmartin (Hrsg.): Handbuch der baden-württembergischen Geschichte, Band 3. Vom Ende des Alten Reiches bis zum Ende der Mon-archien. Stuttgart 1992, S. 292.

[86] Vgl. auch zum Folgenden: MANN (wie Anm. 85), S. 293.

[87] Vgl. auch zum Folgenden: MANN (wie Anm. 85), S. 294.

[88] So fiel auch die Gründung der beiden Lokalzeitungen in diesen Zeitraum, s.u., Kap. 3.

[89] Vgl.: FENSKE (wie Anm. 78), S. 60f. Fenske zitiert an dieser Stelle ein anschauliches Beispiel, wie man versuchte die Zensur zu umgehen: In einer Werbeannonce pries der Drehermeister Merkauf sein Kinder-spielzeug, Ständekammern nach dem Stuttgarter Muster mit allen Abgeordneten des Jahres 1839: „Obgleich es viele Figuren sind, wiegt das Ganze doch nicht viel, weil ich solche von Pappelholz und inwendig hohl ausgearbeitet habe“.

[90] Vgl. auch zum Folgenden: MANN (wie Anm. 85), S. 295f.

[91] Ein von der damaligen Regierungspublizistik geprägter Begriff.

[92] Zeitgenössisch wurde häufig von „Preßfreiheit“ gesprochen.

[93] Pfizer war vor allem durch den „Briefwechsel zweier Deutscher“ bekannt geworden, indem er sich für eine preußische Vorherrschaft einsetzte. Vgl.: KOCH (wie Anm. 10), S. 215f.

[94] Vgl.: MANN (wie Anm. 85), S. 296f.

[95] Vgl.: KOCH (wie Anm. 10), S. 245f. Zu diesem vom König vorangetriebenen Modernisierungsprogramm gehört nicht nur der in den 1840er Jahren begonnene Eisenbahnbau und eine fabrikmäßiger Umbau der Ge-werbe, sondern auch die Gründung der Königlichen Gewerbeschule Stuttgart 1832 – der heutigen Universität.

[96] Vgl.: KOCH (wie Anm. 10), S. 246f.

[97] Vgl. auch zum Folgenden: MANN (wie Anm. 85), S. 298ff.

[98] Vgl.: KOCH (wie Anm. 10), S. 247.

[99] Zit. nach: Mann (wie Anm. 85), S. 301. Der Ausdruck „im Sturm der Zeit“ wurde rasch zu einem gebräuch-lichen Synonym für den März 1848. Als einen „ bürgerlichen Nationalhelden“ seiner Zeit charakterisiert Langewiesche Uhland; vgl.: Langewiesche, Dieter: Vom Scheitern bürgerlicher Nationalhelden. Ludwig Uh-land und Friedrich Ludwig Jahn. In: HZ 278/2 (2004), S. 375-397.

[100] Vgl.: VALENTIN (wie Anm. 17), S. 348.

[101] Vgl.: MANN (wie Anm. 77), S. 184.

[102] Vgl. auch zum Folgenden: VALENTIN (wie Anm. 17), S. 349f.

[103] Vgl.: Mann, Bernhard: Die Württemberger und die deutsche Nationalversammlung 1848/49 (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Bd. 57). Düsseldorf 1975, S. 16-19.

[104] Kuhn, Axel: Die Revolution in Württemberg 1848/49. In: Maier, Gerald/Krazeisen, Thomas (Hrsg.): Leben mit Vergangenheit. Jahrbuch des Heimatgeschichtsvereins für Schönbuch und Gäu e.V., Band 1. Calw 2000, S. 11.

[105] Vgl.: MANN (wie Anm. 85), S. 302.

[106] Vgl. auch zum Folgenden: VALENTIN (wie Anm. 17), S. 351.

[107] Vgl. auch zum Folgenden: Mann (wie Anm. 103), S. 21f.

[108] Vgl.: Mann (wie Anm. 103), S. 34f.

[109] Vgl.: MANN (wie Anm. 85), S. 303.

[110] Vgl.: Mann (wie Anm. 103), S. 35.

[111] Vgl. auch zum Folgenden: MANN (wie Anm. 85), S. 303-307.

[112] Meist mit dem Namen „Vaterlandsverein“.

[113] Für Württemberg engagierte sich vor allem der Besigheimer Abgeordnete Adolf Schoder bei der Aus-arbeitung der Grundrechte, wofür er den Ehrennamen „Vater der Grundrechte“ erhielt. Vgl.: MANN (wie Anm. 85), S. 306f.

[114] Vgl. auch zum Folgenden: Mann (wie Anm. 103), S. 140.

[115] MANN (wie Anm. 77), S. 186.

[116] Vgl.: Mann (wie Anm. 103), S. 201f.

[117] Vgl. auch zum Folgenden: MANN (wie Anm. 85), S. 308f.

[118] Vgl.: KUHN (wie Anm. 104), S. 16.

[119] Vgl. auch zum Folgenden: Müller, Sabrina: Das Rumpfparlament. In: Krause, Albrecht (u.a.): Rettet die Freiheit. Das Rumpfparlament 1849 in Stuttgart – eine Revolution geht zu Ende. Offenbach 1999, S. 11f.

Details

Seiten
204
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640443888
ISBN (Buch)
9783668122000
Dateigröße
3.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v137051
Institution / Hochschule
Universität Stuttgart – Historisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
Parteinahme Revolution Berichterstattung Lokalzeitungen Beispiel Leonberger Stadt- Amtsboten Böblinger Boten

Autor

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Titel: Die Berichterstattung schwäbischer Lokalzeitungen bei der Revolution von 1848