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Die schulische und berufliche Situation Jugendlicher mit Migrationshintergrund in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung der jungen Italiener

Hausarbeit 2007 29 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Historischer Abriss der Arbeitsmigration nach Deutschland
2.1 Geschichte der allgemeinen Arbeitsmigration
2.2 Geschichte der italienischen Migration nach Deutschland

3. Die aktuelle Beschäftigungslage der italienischen Migranten

4. Schulische Bildung
4.1 Die Situation italienischer Migrantenkinder im System der schulischen Bildung
4.2 Gründe für das Scheitern italienischer Jugendlicher im deutschen Bildungssystem
4.2.1 Erklärungsansatz italienische Familie
4.2.2 Erklärungsansatz deutsches Schulsystem

5. Berufliche Bildung
5.1 Die Ausbildungssituation junger Menschen mit Migrationshintergrund
5.2 Erklärungsansätze für die ungleichen Chancen ausländischer Bewerber um einen Ausbildungsplatz im dualen System der Berufsausbildung

6. Der Stellenwert der besonderen Qualifikationen von Migranten auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt

7. Das Projekt FIT
7.1 Gründe für das Projekt FIT
7.2 Zielgruppe
7.3 Hauptziele des Projektes
7.4 Die Durchführung des Projektes
7.5 Herkunft und sozialer Hintergrund der Projektteilnehmer
7.6 Die Problembereiche der Projektteilnehmer
7.6.1 Sprache
7.6.2 Schule
7.6.3 Ausbildung und Arbeit
7.7 Fazit nach einem Jahr FIT
7.8 Die Zukunft von FIT
7.9 FIT 2

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wenn in Deutschland über die Probleme bei der Integration von Gastarbeitern oder Migranten gesprochen wird, denkt man vorwiegend an im Laufe der Zeit nach Deutschland gekommene türkisch- bzw. arabischstämmige Einwanderer. Von Italienern und Italienerinnen wird dagegen eher selten gesprochen. Die Italiener brachten italienische Kultur und Mentalität nach Deutschland. Heute sind vor allem italienisches Essen, italienische Musik, Mode, Möbel und italienische Kunst in Deutschland weit verbreitet und beliebt. Die gesellschaftliche Integration der Italiener scheint in den Augen der deutschen Öffentlichkeit gelungen zu sein. In dieser Hausarbeit soll nun untersucht werden, ob diese in der Öffentlichkeit weit verbreitete Meinung ein reales Fundament hat oder nicht. Dies soll vor allem an der Schul- und Ausbildungssituation der jungen Italiener in Deutschland herausgearbeitet werden.

Im ersten Abschnitt wird ein kurzer Überblick über die Geschichte der Zuwanderung nach Deutschland seit etwa Mitte der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts gegeben. In den folgenden Abschnitten wird die aktuelle Beschäftigungslage der Italiener aufgezeigt und die schulische sowie berufliche Situation der Jugendlichen mit italienischem Pass erläutert. Im letzten Abschnitt wird ein Förderungsprojekt für junge Italiener in Mannheim vorgestellt.

Als Quellen dienten vorwiegend das Buch „Berufliche Integration und plurale Gesellschaft – Zur Bildungssituation von Menschen mit italienischem Migrationshintergrund in Deutschland“ und der Projektbericht des FIT-Förderungsprojektes.

2. Historischer Abriss der Arbeitsmigration nach Deutschland

2.1 Geschichte der allgemeinen Arbeitsmigration

Das Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Italien aus dem Jahre 1955 ist der Grundstein für die Geschichte der Zuwanderung und Arbeitsmigration nach Deutschland. Mit diesem Abkommen wurde die Anwerbung von italienischen Arbeitskräften nach Deutschland und ihre Vermittlung auf dem deutschen Arbeitsmarkt beschlossen. Die Italiener waren somit die ersten Arbeitsmigranten nach Deutschland und bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts auch die größte Einwanderungsgruppe überhaupt (Vgl. Kufen 2006)

In Reaktion auf die in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts auftretende Arbeitskräfteknappheit in der Bundesrepublik Deutschland wurden als arbeitsmarktpolitische Gegenmaßnahme in der Folge viele ausländische Arbeitskräfte angeworben und weitere Anwerbevereinbarungen mit anderen Ländern wie zum Beispiel der Türkei, Spanien, Marokko, Tunesien, Griechenland und Jugoslawien unterzeichnet. In dieser Zeit waren die sogenannten Gastarbeiter in die deutsche Arbeitswelt integriert. Die erste Phase der Zuwanderungsgeschichte als Arbeitsmigration nach Deutschland, die Gastarbeiterphase, die bis zum Anwerbestopp 1973 dauert, wird von der zweiten Phase abgelöst, in der die weitere Zuwanderung erschwert wurde. Eingewandert werden darf nur noch unter bestimmten Voraussetzungen: so dürfen alle EU–Bürger im Rahmen der von EU-Recht garantierten Freizügigkeit einwandern oder Ehepartner und Kinder, die im Zuge der Familienzusammenführung nach Deutschland geholt werden. (Vgl. Pichler 2006). von Menschen aus dem Ostblock nach Die dritte Phase der Zuwanderungsgeschichte ist die der Ost-Westmigration. Nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 nimmt die Migration Deutschland zu.

„Zur Senkung des Migrationsdrucks und aufgrund des Mangels an Arbeitskräften wurden mit einer Reihe osteuropäischer Länder Verträge über die Möglichkeit der saisonalen Beschäftigung sowie der Werkvertragsarbeit geschlossen. Das bedeutet, dass die Bundesrepublik Deutschland wieder aktiv ausländische Arbeitskräfte anwarb, 27 Jahre nach dem Anwerbestopp von 1973.“ (Pichler 2006 S.45)

Die meist osteuropäischen Arbeitsmigranten pendeln seitdem als saisonale Arbeitskräfte zwischen ihren Heimatländern und Deutschland und werden in ganz bestimmten Bereichen des primären und tertiären Sektors eingesetzt (wie z.B. bei der Ernte von Spargel, Erdbeeren u. dergl., aber in jüngerer Zeit auch in der ambulanten Altenpflege).

Für alle Phasen der Zuwanderung allerdings lässt sich sagen, dass Deutschland auch mit seinem Bildungs- und Ausbildungssystem auf größere, vor allem dauerhafte Zuwanderungswellen nicht vorbereitet war, da die Regierung lange davon ausging, dass die Zuwanderer nur einen kurzfristigen Aufenthalt in Deutschland planten, um dann in ihre Herkunftsländer zurückzukehren. Die schulische und berufliche Integration der Einwandererkinder wurde durch eine fehlende schulische Infrastruktur und durch mangelnde Betreuungs- und Förderungsmöglichkeiten erschwert. Die Exklusion der Migranten in der „deutschen Arbeitswelt“ und damit auch in der Gesellschaft war abzusehen. (Vgl. Pichler 2006)

2.2 Geschichte der italienischen Migration nach Deutschland

Die Verhandlungen über die Anwerbung italienischer Arbeiter und Arbeiterinnen nach Deutschland begannen schon im Jahr 1952. Die Republik Italien wollte durch einen Vertrag die Arbeitslosigkeit in Italien senken und „gleichzeitig die passive Handelsbilanz durch die zu erwartenden Transferzahlungen“ (Pichler 2006 S.46) ausgleichen. In Deutschland hingegen waren die Meinungen darüber, ob man diesem Vertrag zustimmen sollte, sehr unterschiedlich. 1955 kündigte dann das Bundeswirtschaftsministerium ein Elf-Punkte-Programm an, welches zur „Stabilisierung von Wirtschaft und Währung unter anderem die Heranziehung ausländischer Arbeitskräfte“ (Pichler 2006 S. 46) vorschlug. Daraufhin wurde dann im Dezember 1955 der Anwerbevertrag zwischen Deutschland und Italien unterzeichnet.

Die italienischen Einwanderer waren vorwiegend allein stehende Männer, die aus ländlichen und industriell noch unterentwickelten Gebieten Nord- und Süditaliens kamen. Dort waren sie größtenteils in der Landwirtschaft und im Handwerk tätig gewesen. Nur wenige von ihnen besaßen eine Ausbildung, die allerdings in den meisten Fällen in Deutschland nicht als gleichwertig anerkannt wurde. Und auch anderweitig erworbene Qualifikationen nutzten den Arbeitsmigranten in der deutschen Arbeitswelt wenig.

Dennoch erreichte 1973 die Zahl der italienischen Arbeiter und Arbeiterinnen in Deutschland mit 450 115 ihren Höhepunkt. Allerdings sinkt diese Zahl seitdem stetig. Im März 2005 wurden nur noch 175 136 italienische Beschäftigte in Deutschland gezählt.

Nachdem auch die Zahl der in Deutschland insgesamt wohnenden Italiener und Italienerinnen in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts kurzzeitig gesunken ist, steigt diese Zahl seit Ende der 80er Jahre wieder leicht an. 2003 lebten 601 258 Bürger mit italienischem Pass in Deutschland und bildeten mit 33,1% die größte Gruppe der zugewanderten EU-Bürger; sie stellten dabei 8,3% der gesamten ausländischen Bevölkerung. Mittlerweile sind mehr als 28% der in Deutschland lebenden Italiener und Italienerinnen auch in Deutschland geboren.

Die industriellen Ballungszentren wie zum Beispiel das Ruhrgebiet, das Rhein-Main-Gebiet, der mittlere Neckarraum und auch die Region Wolfsburg waren die Hauptziele der italienischen Migranten, und auch heute noch sind sie vorwiegend in diesen Gebieten stark vertreten. (Vgl. Pichler 2006)

3. Die aktuelle Beschäftigungslage der italienischen Migranten

Die erste Generation der Migranten und Migrantinnen war in den deutschen Arbeitsmarkt integriert. Die zweite und dritte Generation der in Deutschland lebenden Ausländer sowie die Neuzuwanderer ereilt allerdings ein ganz anderes Schicksal. Durch die in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts aufgetretene Krise der massenindustriellen Produktion und den Tertiärisierungsprozess in den 80er Jahren wurden viele Arbeitsplätze in der Industrie mit relativ geringem Qualifizierungsprofil abgebaut. Diese Arbeitsplätze waren zumeist mit Migranten besetzt, die nun ihre Arbeitsplätze verloren. Diese Entwicklung hat dazu beigetragen, dass die Zahl der arbeitslosen Italiener seitdem immer stärker ansteigt. Vom Oktober 2002 bis zum Oktober 2004 stieg die Arbeitslosenquote der in Deutschland lebenden Italiener von 17,3% auf 19,2% an, d.h. es gab 43.683 arbeitslose Italiener und Italienerinnen. In Berlin-Brandenburg lag diese Quote bei 32,8% und war somit die höchste aller Bundesländer. Insgesamt sind 41% der in Deutschland lebenden arbeitslosen EU-Bürger Italiener und Italienerinnen (Vgl. Pichler 2006).

Diese Zahlen verwundern einen nicht, wenn man sich vor Augen hält, dass ca. 79,6% der in Deutschland lebenden Italiener und Italienerinnen keine Berufsausbildung haben. Das bundesdeutsche System der beruflichen Bildung ist vielen Migranten vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen in den Heimatländern zutiefst fremd, da sie es vor allem in den dortigen ländlichen Regionen gewohnt waren, dass das beruflichen Wissen und seine konkrete Anwendung von einer Generation an die nächste weitergegeben wurde. Diese nicht formalen, in der Familie weitergebenen Qualifikationen sind auf dem bundesdeutschen Arbeitsmarkt kaum verwertbar, wenn sie heute dort auf Grund der Trennung von Arbeits- und familiärer Sphäre überhaupt noch erworben und weitergeben werden.

Italiener und Italienerinnern finden in der aktuellen Arbeitsmarktsituation, wenn überhaupt, zumeist einen Arbeitsplatz, der keine formalen Qualifikationen erfordert, der dabei aber gleichzeitig durch teils konjunkturelle, teils strukturelle Probleme der aktuellen Wirtschaftslage stark gefährdet ist. Somit sind viele italienische Mitbürger der großen Gefahr ausgesetzt, auch länger-fristig arbeitslos zu werden (Vgl. Pichler 2006).

Auch in der Zukunft sehen die Perspektiven auf dem deutschen Arbeitsmarkt momentan für die Italiener und Italienerinnen nicht besser aus. Die Schulnoten und die Qualität der Schulabschlüsse der meisten jungen Italiener sind nicht zufriedenstellend, und auch ihre berufliche Ausbildungssituation ist schlecht. So bleibt ihnen – ohne ausreichende berufliche Qualifikation - häufig der Weg verschlossen, erfolgreich in den Arbeitsmarkt einzusteigen.

4. Schulische Bildung

4.1 Die Situation italienischer Migrantenkinder im System der schulischen Bildung

Die Ergebnisse der PISA-Studie zeigen, dass in Deutschland die soziale Herkunft in hohem Maße ausschlaggebend für den Schulerfolg ist. Die meistens aus Arbeiterfamilien und anderen sogenannten bildungsfernen Schichten stammenden Migrantenkinder sind auf den Gymnasien und an anderen höheren Schulen einschließlich der Hochschulen stark unterrepräsentiert.

Vielfach werden jedoch die Italiener in Deutschland als gesellschaftlich gut integriert angesehen, und so fallen auch in Schulen zumeist andere Migrantengruppen stärker negativ auf, bezogen auf schulischen Erfolg. Doch dieses Bild trügt. Zwar stellen die Türken mit 43,4% den größten Anteil der ausländischen Schüler und Schülerinnen, gefolgt von den Italienern mit 6,8%, trotzdem sind die Schüler italienischer Abstammung prozentual stärker an Sonder- bzw. Hauptschulen vertreten. 8,7% der italienischen Schüler und Schülerinnen besuchten 2003/2004 eine Sonderschule, im Gegensatz dazu „nur“ 6,7% der türkischen Schüler und 5,3% der griechischen (Vgl. Pilcher 2006). Ca. 40% der italienischen Jugendlichen erreichen einen Hauptschulabschluss. An Realschulen und Gymnasien stellen die Italiener den auch prozentual geringsten Anteil an der Schülerschaft. 30,7% der Schüler mit italienischem Pass gingen 2003 auf eine Realschule oder aufs Gymnasium, im Gegensatz zu über 50% der spanischen Schüler, und auch der Durchschnittswert aller ausländischen Schüler liegt mit 36,7% deutlich höher (Vgl. Auernheimer 2006). Insgesamt beenden fast 17% der Migrantenkinder die Schule ohne Abschluss im Gegensatz zu „nur“ 8,5% der deutschen Schüler und Schülerinnen (Vgl. Böhmer 2007).

Aus diesen Zahlen ist deutlich erkennbar, dass gerade die italienischen Schüler im bundesdeutschen Bildungssystem längst nicht so erfolgreich sind, wie es viele angesichts der scheinbar problemlosen Integration der Italiener in die deutsche Gesellschaft denken.

4.2 Gründe für das Scheitern italienischer Jugendlicher im deutschen Bildungssystem

Im folgenden Abschnitt sollen wichtige Gründe für das Scheitern vieler ausländischer und hier vor allem italienischer Schüler und Schülerinnen im deutschen Bildungssystem erläutert werden. Diese sind nicht nur auf strukturelle Mängel des deutschen Bildungssystems und das verantwortliche Personal zurückzuführen, sondern auch auf die Jugendlichen selbst und deren Eltern.

4.2.1 Erklärungsansatz italienische Familie

Eines der größten Probleme für die Chancen von Migrantenkindern im deutschen Bildungssystem ist, dass die ausländischen Jugendlichen und ihre Eltern über ein relativ niedriges soziales und kulturelles Kapital verfügen. D.h., dass sie im Allgemeinen nicht die sozialen Beziehungen und den Status besitzen, der ihnen den Zugang zu sozialen Ressourcen ermöglicht, und ebenso wenig das benötigte Wissen mitbringen. „Ihre Orientierung im Hinblick auf Schule und Ausbildung ist schwach ausgeprägt, die Vorstellungen sind konfus und die soziale und institutionelle Unterstützung ist dürftig.“(Califano 2006 S.38)

Die meisten italienischen Migranten stammen aus dem armen Süden Italiens, dem Mezzogiorno. Diese Region ist in Italien die ökonomisch schwächste, damit ärmste und im Allgemeinen bildungsfernste Region. Und so bilden die Bildungsferne der Familien und die zusätzlichen Sprachprobleme keine gute Ausgangslage für die italienischen Schulkinder in Deutschland.

Viele Eltern wissen anscheinend nicht, dass ein höherwertiger Schulabschluss und eine gute Berufsausbildung größere berufliche Chancen mit sich bringen und ihren Kindern den Einstieg in die Arbeitswelt sehr erleichtern würden. Folglich drängen sie häufig auch ihre Kinder nicht, eine höhere schulische und berufliche Qualifikation anzustreben, sondern unterstützen sie eher darin, einen Job als Ungelernter anzunehmen und so möglichst früh und schnell Geld zu verdienen (Vgl. Califano 2006).

Ebenso wichtig wie eine leitende Hand der Eltern (und sonstigen Erzieher) bei der Berufsfindung selbst wäre es, dass die Eltern im Vorfeld ihre Kinder schulisch stärker unterstützen bzw. ihnen, wenn sie es selbst nicht vermögen, Hilfe aus dem privaten Umfeld oder gar professionelle Hilfe anbieten würden.

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Details

Seiten
29
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640448319
ISBN (Buch)
9783640448487
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v137047
Institution / Hochschule
Technische Universität Berlin – Arbeitslehre
Note
1
Schlagworte
Situation Jugendlicher Migrationshintergrund Deutschland Berücksichtigung Italiener

Autor

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Titel: Die schulische und berufliche Situation Jugendlicher mit Migrationshintergrund in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung der jungen Italiener