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Generation Praktikum - Mythos oder Realität?

Mit einer Fallstudie zu unterschiedlichen Stellenanzeigen

Bachelorarbeit 2009 62 Seiten

Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Aufbau der Arbeit
1.2 Forschungsfragen und Methode
1.3 Ziele und Hypothesen
1.4 Definitionen

2 Gründe und Nutzen von Praktika

3 Schwierigkeiten mit Praktika

4 Alternativen zum Praktikum

5 Analyse verschiedener Stellenanzeigen
5.1 Printmedien
5.2 Internet
5.3 Vergleich

6 Stellungnahmen zum Thema
6.1 Studierende
6.2 AbsolventInnen

7 Zusammenfassung

8 Literaturverzeichnis

9 Anhang

1 Einleitung

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt und im Bereich der universitären Ausbildung hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Wo es früher für eine/n Absolventen/in mehrere Stellenangebote gab, so bewerben sich heute viele AbsolventInnen auf eine einzige Jobanzeige. Viele Personen haben heutzutage die Möglichkeit, eine gute Ausbildung zu erlangen und über Weiterbildungen frei zu entscheiden. Allerdings entsteht so das Problem, dass nahezu alle AbsolventInnen eines Studiengangs in etwa dieselben Kenntnisse haben und so jede/r für mehr oder weniger denselben Beruf geeignet ist. Diese Problematik stellt sich vor allem bei Studiengängen, deren Berufsfelder sich als eher diffus darstellen. Daher ist es notwendig, sich durch zusätzliches Wissen aus der Masse hervorzuheben. Vermutlich entstand die Forderung nach dem Absolvieren von Praktika daraus und zudem aus der Tatsache, dass viele Unternehmen einer universitären Ausbildung zu viel Theorie und zu wenig Praxis anlasten. Praktika sind aus dem StudentInnenleben kaum noch wegzudenken und zahlreiche Studien belegen, dass auch die Betroffenen diese nicht mehr als außergewöhnlich empfinden und in den Ausbildungsweg mit einplanen. So wurde der Begriff der „Generation Praktikum“ kreiert. Dieser bezieht sich vor allem auf AbsolventInnen, die nach ihrem Studium ein Praktikum nach dem anderen absolvieren müssen, da sie keine Festanstellung bekommen. Mittlerweile ist es jedoch notwendig, dass sich bereits Studierende während ihres Studiums möglichst viele Praxiskenntnisse aneignen. Doch dies alleine reicht bei weitem nicht mehr aus. Auch Fremdsprachen- und soziale Kompetenzen werden vorausgesetzt. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob der genannte Terminus tatsächlich auf die aktuelle Generation der AbsolventInnen und der Studierenden höherer Semester zutrifft oder ob die Bedeutung vor allem durch die Medien hochstilisiert wird. Die Höhe des Stellenwertes von Praktika, soll anhand von Gründen dafür, aber auch von Schwierigkeiten damit, beurteilt werden. Zudem stellt sich die Frage, ob es fachspezifische Unterschiede gibt oder ob diese Bezeichnung für alle MitgliederInnen dieser Generation pauschalisiert werden kann und wie bedenklich die Situation sich darstellt. Durch die Untersuchung von Stellenanzeigen und die Erforschung von Stellungnahmen durch verschiedene Personen soll herausgefunden werden, inwieweit sich die so betitelte Generation als solche selbst versteht und wie sie die aktuellen Anforderungen des Arbeitsmarktes einschätzen und mit den Herausforderungen umgehen.

1.1 Aufbau der Arbeit

Diese Arbeit gliedert sich inhaltlich in drei Teile, von denen zwei aus empirischer Sichtweise betrachtet werden. Zum einen wurde diverse Literatur zum Thema herangetragen. Hierbei stellte sich heraus, dass es weniger Print-, als Onlinequellen dazu gibt. Vermehrt wurden Artikel aus deutschen Tages- und Wochenzeitungen herangezogen sowie auch verschiedene Berichte aus Fachmedien. Es fanden sich aber auch wissenschaftliche Studien und andere Internet-Publikationen, die für den Themenbereich ausgewertet wurden. Zu Beginn der Arbeit werden Forschungsfragen, Methoden und Ziele vorgestellt sowie Definitionen für das vorliegende Skript erklärt. Diese sind jedoch aus der Betrachtungsweise der Autorin zu sehen und können nicht als allgemeingültig gelten, sondern werden nur zum besseren Verständnis in dieser Arbeit definiert. Im Anschluss an die inhaltliche Darstellung wird das Thema aus Sicht der Internet- und Printquellen betrachtet. Der empirische Teil besteht gleichfalls aus zwei Bereichen. Zum einen wurde ein Fragebogen erstellt mit Hilfe dessen „Betroffene“ nach ihrer Meinung befragt wurden. Einige aktiv Studierende verschiedener Fachrichtungen und eine Absolventin erklärten sich zur Beantwortung bereit. Die Antworten werden mit den Ergebnissen aus dem literaturtheoretischen Abschnitt verglichen. Nachfolgend stellt die Autorin eine Untersuchung vor, die die selbstständige, vierwöchige Beobachtung von Stellenanzeigen aus Print- und Internetquellen beinhaltet. Die Nachforschung bezieht sich im Internetbereich vor allem auf große Jobbörsen. So konnte herausgefunden werden, welche Anforderungen Unternehmen und Arbeitgeber an Jung-AbsolventInnen stellen und ob die Aussagen von Studierenden und Literatur mit der Realität am Arbeitsmarkt übereinstimmen. Zum Schluss werden die Ergebnisse zusammengefasst und die Hypothesen falsifiziert oder verifiziert.

1.2 Forschungsfragen und Methode

Zu der vorliegenden Themenstellung lassen sich verschiedene Forschungsfragen herausarbeiten. Zum einen wird die Leitfrage diskutiert, ob es die viel zitierte „Generation Praktikum“ überhaupt gibt oder ob dies ein Mythos ist, der durch Medienberichte geprägt wurde. Eine weitere Frage ergibt sich zur Abgrenzung: betrifft dieses Phänomen nur AbsolventInnen oder sind auch schon Studierende betroffen? Dazu muss untersucht werden, wie es zu diesem Zustand kommt und ob es einen Lösungsansatz gibt. Um Ergebnisse zu finden, wurden zuerst Textquellen aus Print- und Online-Publikationen herangezogen. Daraus ergaben sich Hinweise zu verschiedenen Studien, die ebenfalls in die Arbeit einfließen. In der Literatur wird häufig nicht zwischen unterschiedlichen Studienfachrichtungen differenziert. Daher ist dieser Teil der Arbeit eher allgemein gehalten und bezieht sich auf verschiedene Studiengänge. Im empirischen Abschnitt versuchte die Autorin ebenfalls Resultate zu finden, um diese mit dem literaturtheoretischen Bereich zu vergleichen. Die Beobachtung von Stellenanzeigen im Monat Mai erfolgte nach eigenem Ermessen. Es wurde versucht, sich auf mögliche Stellen für AbsolventInnen der Kommunikationswissenschaft zu beschränken. Dies geschah aus eigenem Interesse und aus der Notwendigkeit, eine Abgrenzung für die Beobachtung vorzunehmen. Untersucht wurden die geforderten Qualifikationen darauf, ob es nötig ist, dafür ein Praktikum zu absolvieren oder ob man sich diese auch anderweitig aneignen kann. Damit sollte herausgefunden werden, ob es auch ohne große Praxiserfahrung möglich ist, eine Stelle zu bekommen oder ob die Betroffenen weiterhin in der Praktikumsfalle sitzen - also gezwungen sind, möglichst viele davon, zielgerichtet zu machen. Die Anzeigen wurden aus zwei nationalen Tageszeitungen aus Deutschland und Österreich sowie auch aus deutschsprachigen Internet-Jobbörsen entnommen. Mit der Analyse der Fragebögen möchte die Autorin das Thema aus Sicht von TeilnehmerInnen des Phänomens darstellen. Die gestellten Fragen leiten sich aus der vorherigen Literaturrecherche ab, bzw. stellen die Meinung und Erfahrung der Verfasserin dar. So können verschiedene Herangehensweisen an den Begriff kombiniert und verglichen werden. Die Befragten sind unterschiedlichen Studienrichtungen zuzuordnen und beziehen sich nicht nur auf die Kommunikationswissenschaft. Auf diese Weise versucht die Autorin eine breitere Sicht auf den Zusammenhang des Begriffs mit diversen Studiengängen zu bekommen und seine Richtigkeit eher allgemein zu untersuchen. Die ausgefüllten Fragebögen können im Anhang eingesehen werden.

1.3 Ziele und Hypothesen

Ziel dieser Arbeit ist es, das Phänomen der „Generation Praktikum“ näher zu beleuchten und auf Unklarheiten, aus Sicht der Autorin, Antworten zu finden sowie den Bezug zur Realität zu untersuchen. Ein weiteres Ergebnis ist eine Darstellung von Zukunftsmöglichkeiten und Veränderungen. Die aufgestellten Hypothesen ergeben sich aus den oben genannten Forschungsfragen. Die Autorin geht davon aus, dass der genannte Begriff zwar namentlich durch die Medien geprägt wurde, allerdings in seinem Inhalt durchaus seit einiger Zeit in der Arbeits- und Studienwelt besteht. Hierbei handelt es sich bereits um die erste Hypothese. Allerdings wird der Terminus für diese Arbeit erweitert und die Hypothese aufgestellt, dass nicht nur AbsolventInnen, sondern bereits Studierende davon betroffen und dazuzurechnen sind. Eine weitere Hypothese lautet, dass dieses Phänomen durch einen Wandel in der Arbeits-, wie auch in der universitären Lehrwelt begünstigt und gefördert wird.

1.4 Definitionen

In dieser Arbeit werden einige Begriffe verwendet, die im normalen Sprachgebrauch zum Teil unterschiedliche Bedeutungen tragen. Zur Klärung werden jene eindeutig definiert. Dies bezieht sich jedoch nur auf den vorliegenden Text und entspricht der Meinung und Erfahrung der Autorin.

AbsolventInnen: Mit diesem Terminus sind prinzipiell all jene Personen gemeint, die vor kurzer Zeit (bis zu einem Jahr) ein Studium an einer Universität abgeschlossen haben, gleich welchen Studienfachs. Allerdings bezieht sich diese Arbeit vor allem auf AbsolventInnen der Studiengänge aus den Kultur- und Geisteswissenschaften, aus dem deutschen und österreichischen Raum. Der empirische Teil, betreffend die Stellenanzeigen, betrachtet ausschließlich AbsolventInnen kommunikations-wissenschaftlicher Studien, in Deutschland und Österreich.

Praktikum: In der vorliegenden Arbeit wird damit der Zeitraum bezeichnet, den Interessierte, Studierende und AbsolventInnen in einem Unternehmen oder einer Organisation verbringen, mit dem Ziel, einen Einblick in den dortigen Arbeitsalltag zu erhalten. Ob diese Tätigkeit entlohnt wird oder nicht, spielt hierfür keine Rolle. Im deutschen Recht gibt es zwei Arten davon, die es zu unterscheiden gilt:

1. Rechtsverhältnisse (Praktika), die nur zum Kennenlernen des Berufslebens dienen (z. B. während einer Schulausbildung oder im Rahmen eines Studiums). Die genauen Bestimmungen zur Ausgestaltung solcher Praktika ergeben sich aus der jeweiligen Ausbildungs- bzw. Studienordnung.
2. Rechtsverhältnisse (Praktika), in denen nicht die Arbeitsleistung, sondern der Erwerb beruflicher Kenntnisse, Fertigkeiten oder Erfahrungen im Vordergrund steht, ohne dass es sich um eine Berufsausbildung nach dem Berufsbildungsgesetz handelt (siehe § 26 Berufsbildungsgesetz). Dies betrifft Praktika, die freiwillig und zusätzlich neben der Schule, der Ausbildung oder dem Studium absolviert werden, sowie Praktika von Personen, die eine Ausbildung oder ein Studium abgeschlossen haben. (Bundesministerium für Arbeit und Soziales http://www.bmas.de/coremedia/generator/24456/intro__schueler__studierende__auszubildende.html 21.07.2009)

In der folgenden Arbeit beziehen sich die Aussagen auf die zweite Interpretation. Für den Terminus Praktikum werden nachfolgend auch die Begriffe berufspraktische Erfahrung, Berufspraxis oder praktische Kenntnisse synonym verwendet.

Unternehmen: Dieser Begriff umfasst alle Firmen, Agenturen, Institutionen, Organisationen oder ähnliches, in denen Praktika absolviert werden können.

Generation Praktikum: Mit diesem Terminus sind hier sowohl Studierende, als auch AbsolventInnen gemeint. Sie alle haben gemeinsam, dass sie sich durch Praktika Fachkenntnisse aneignen wollen und müssen, um im Berufsleben zu bestehen. Bei den AbsolventInnen sind in der vorliegenden Arbeit vor allem jene umfasst, die nach ihrem Abschluss von einem Praktikum zum nächsten gehen müssen, da sie keine feste Arbeitsstelle bekommen. Ebenso haben es Studierende trotz Pflichtpraktika im Studium meistens schwer einen geeigneten Platz zu finden, da Kenntnisse oder Zeitmöglichkeit häufig nicht ausreichen. In den meisten Stellenanzeigen wird jedoch berufspraktische Erfahrung vorausgesetzt und somit sind Studierende gezwungen, sich diese während ihrer Studienzeit anzueignen. Aus diesem Grund werden auch diese Personen in die Bedeutung des Begriffs mit eingebunden. Dieser Begriff wurde im März 2005 vom Journalisten Matthias Stolz in der Wochenzeitung „Die Zeit“ geprägt „[…] um diese Form des Übergangs in das Berufsleben zu bezeichnen (Hommerich 2009: 163).“

Soft skills: Unter diesem Bereich sind sämtliche Kenntnisse einer Person zu sehen, die auf eine Beschreibung des Charakters hin zielen. In Stellenanzeigen werden häufig Eigenschaften wie Teamfähigkeit oder Kreativität angeführt. Im Prinzip wird damit zusätzlich die Rolle beschrieben, die der Ausführende eines Jobs zu erfüllen hat.

2 Gründe und Nutzen von Praktika

Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit den Vorteilen, die das Absolvieren von Praktika mit sich bringt. Hierbei werden Gründe und Nutzen von berufspraktischer Erfahrung für Studierende, AbsolventInnen und auch für Unternehmen dargestellt. Die Lage am heutigen Arbeitsmarkt hat sich dahingehend verändert, dass es nahezu unmöglich ist, ohne berufsrelevante Praxis eine Anstellung zu bekommen. Daher nutzen viele Studierende diese Möglichkeit frühzeitig.

Keine Redaktion wird Sie einstellen, weil Sie die richtige Fächerkombination studiert haben. Kein Museum wird Sie beschäftigen, weil Sie Mitglied in einem Studentenclub waren. Und kein Verlag wird Sie als Lektor wollen, weil Sie schöne Weiterbildungskurse besucht haben. Eins aber punktet immer: praktische Erfahrung (Glaubitz 2006: 13).

Bereits nach dem Schulabschluss bekommt man durch Praktika die Chance, in verschiedene Berufszweige hinein zu schnuppern und so den persönlichen Berufswunsch in der Realität auszuprobieren oder überhaupt zu entwickeln. Praxiserfahrung macht sich gut in jedem Lebenslauf, zeigt Engagement und Motivation und bringt vor allem Erkenntnisse über den Arbeitsalltag im angestrebten Job. „[…] Lebenslaufdekoration ist nicht der Hauptnutzen. Wichtiger ist, dass Sie in Ihrem Praktikum Erfahrungen sammeln (Glaubitz 2006: 27).“ Hat man sich für ein Studium entschieden, so ist trotzdem nicht immer deutlich erkennbar, welcher Beruf später ausgeübt werden kann. Gerade im kultur- und geisteswissenschaftlichen Bereich ist die Ausbildung sehr breit gefächert. Hier kann durch Praktika, zum Beispiel in verschiedenen Medienunternehmen, wie Radio oder Zeitung, herausgefunden werden, wohin man sich beruflich orientieren möchte. So ist ein Einblick in benachbarte Berufsfelder möglich, um auch eine Abgrenzung zum gewünschten Job festzustellen und das Tätigkeitsfeld besser zu verstehen (vgl. ebd.: 16f.). Junge Erwachsene haben häufig die Möglichkeit, sich durch ihre Eltern finanziell unterstützen zu lassen. Aus diesem Grund wird die genannte Generation aber auch später wirtschaftlich selbstständig (vgl. ebd.:11). Daher können sie sich die Zeit der Berufsfindung leisten. Bei einer Studie von Hommerich 2009, konnte herausgefunden werden, dass viele Mitglieder der „Generation Praktikum“ in Deutschland sich nicht konkret darüber klar waren, welchen Beruf sie ausüben möchten. Allerdings wollten sie ihr im Studium erworbenes Wissen anwenden. So entsteht ein zusätzlicher Grund, praktische Erfahrungen zu sammeln, um sich dann zu entscheiden (vgl. Hommerich 2009: 230). Bei der Studie antworteten 87% der Befragten, dass sie die Möglichkeit der Weiterbildung als sehr positiv erachten. Allerdings geben UniversitätsabsolventInnen an, dass sie sich im Gegensatz zu FachhochschulabsolventInnen, durch ihr Studium nicht optimal auf ein praktisches Berufsleben vorbereitet fühlen (vgl. ebd.: 186). Laut einer Studie von Briedis und Minks 2007 wurde die These der „Generation Praktikum“ vor allem aus dem Bereich der Medien geprägt, in dem es viele Ausbildungen und Berufe gibt und die AbsolventInnen sich häufig früh spezialisieren sollten (vgl. Briedis/Minks 2007: 1). Die Bewerbung für Praktika betreffend, ähnelt das Verfahren dem Vorgang bei einem „richtigen“ Job. Angefangen bei renommierten Unternehmen und mittlerweile auch schon bei kleinen Organisationen ist es durchaus üblich, Vorstellungsgespräche zu führen (vgl. Glaubitz 2006.: 20). Somit hat sich bei den Bewerbungen auch einiges verändert. Die Unternehmen können sich unter einer Vielzahl an BewerberInnen die Gewünschten heraussuchen.

Da Praxiserfahrung bei nahezu jeder Stellenanzeige gefragt ist, kommen auch immer mehr junge Leute auf die Idee Praktika zu machen. So müssen die Unternehmen auch hier Auswahlkriterien festlegen. Auf der anderen Seite kann man so auch das Bewerbungsverfahren üben, da es sich häufig nicht mehr von dem für einen „richtigen“ Job unterscheidet. Praktika bieten jedoch auch den Vorteil, Pausen zu füllen, die aufgrund von Bewerbungs- oder Aufnahmephasen entstehen. Um keine Lücke im Lebenslauf entstehen zu lassen, entscheiden sich einige AbsolventInnen für eine Praxiserfahrung nach dem Abschluss, zum Beispiel wenn sie sich für eine Weiterbildung beworben haben und auf eine Zusage warten. Schließlich möchte man nicht den Eindruck erwecken, dass man in der Zwischenzeit untätig oder sogar faul gewesen ist (vgl. Hommerich 2009: 186). Die meisten AbsolventInnen bemühen sich bereits kurz vor Abschluss des Studiums um eine Praktikastelle, um keine zwischenzeitliche Pause einlegen zu müssen (vgl. Grühn/Hecht 2008: 23). Andere Personen befürchten eventuell den Anforderungen im Berufsleben direkt nach dem Studium nicht gerecht zu werden und nutzen Praktika dazu, sich erst einmal im Arbeitsalltag einzuleben und Erfahrungen zu sammeln (vgl. ebd.: 185). Bei diesen praktischen Erfahrungen kann man nicht nur das gelernte Wissen anwenden, sondern sich im besten Falle auch ausprobieren, ohne dass durch einen Fehler direkt negative Konsequenzen folgen, wie es im Beruf der Fall sein könnte. „Die oberste Pflicht der Generation Praktikum ist, sich anspruchsvolle Aufgaben zu suchen, sich nicht über längere Zeit mit simplen Tätigkeiten und Zuarbeiten abzugeben (Glaubitz 2006: 29).“Vor allem sollte man sich in einem gewissen Rahmen ausprobieren und versuchen Gelerntes anzuwenden. Hier hat man noch einmal die Möglichkeit z.B. Pressetexte redigieren zu lassen, ohne dass ein schlechter Text eine negative Wirkung nach sich zieht. So kann man herausfinden, ob der Wunschberuf wirklich der richtige für einen ist. Häufig ist hierbei jedoch Eigeninitiative gefragt, da nicht jedes Unternehmen PraktikantInnen anspruchsvolle Aufgaben überträgt und man sich auch im Praktikum erst beweisen muss. Allerdings hat sich in den letzten Jahren auch im Tätigkeitsbereich von vielen Unternehmen etwas verändert und häufig wird PraktikantInnen mehr Verantwortung übertragen. Zum einen bewegt sich dieser Wandel im Bereich der Ausnutzung, da die Bezahlung oft nicht mit dem Wert der Arbeit übereinstimmt und die Firmen so, günstige Arbeitskräfte beschäftigen können, was aber noch nicht einmal immer wirtschaftliche Vorteile für die Unternehmen bringt. Zum anderen können die PraktikantInnen aber auf diese Weise zeigen, was sie können und den Arbeitsalltag nicht nur als Zuschauer wahrnehmen, sondern ein Teil des solchen sein. Glaubitz bezeichnet diese Tatsache als die „neue Praktikantenkultur“ und befürwortet, dass es in den meisten Firmen mehr Aufgaben gibt, als abzuwaschen oder zur Post zu laufen (vgl. ebd.: 27f.).

Vermutlich entsteht heute kein Kinofilm, keine Werbekampagne, keine Winterkollektion und kein Freizeitpark mehr ohne die Mitarbeit von Praktikanten. Vorbei die Zeiten, in denen man dem Cutter allenfalls über die Schulter schauen oder die Aktentasche des Einkaufsleiters über die Messe schleppen durfte. Heute muss man oft ins kalte Wasser springen und echte Aufgaben übernehmen (ebd.).

Nach der Kienbaum-Praktikantenstudie von 2003 bekommen viele PraktikantInnen sogar eigene Projekte übertragen oder arbeiten als AssistentInnen mit (vgl. ebd.: 33). Trotzdem ist die Qualität der Betreuung in jedem Unternehmen unterschiedlich und jede Person muss für sich entscheiden, ob das Praktikum den eigenen Erwartungen entspricht und der Weiterbildung dient. Tut es dies nicht, so kann man sein Durchsetzungsvermögen und die Entscheidungsfindung trainieren, indem gegengesteuert wird. Praktika von ein paar Wochen bieten die Möglichkeit in ein Berufsfeld hineinzuschauen und vor allem Erfahrungen zu sammeln. Absolviert man dies über mehrere Monate, so können Kontakte geknüpft werden und man kann sich dem Unternehmen gut präsentieren, um eventuell später dort eine Anstellung zu bekommen (vgl. Janson 2007: 88). Nach einer Studie von Krawietz, Müßig-Trapp und Willige gibt es einen Unterschied zwischen den Erwartungen von Personen die ein Praktikum freiwillig absolvieren und denen die durch den Studienplan dazu gezwungen sind. Erstere hoffen darauf sich gute Kontakte zu sichern, zweitere stützen sich in erster Linie auf das Sammeln von Erfahrungen (vgl. Krawietz/ Müßig-Trapp/ Willige 2006: 3). Grundsätzlich sollte man die Chance nutzen, sich positiv darzustellen und seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Auch auf der Seite der Unternehmen bestehen Vorteile bei der Beschäftigung von PraktikantInnen. Bei der Stellenvergabe versuchen Organisationen die Kosten gering zu halten und greifen gerne auf bereits bekannte Personen zurück, sofern deren Leistungen in der Arbeit, als auch im Studium zufriedenstellend waren (vgl. Sarcletti 2007: 58). „Etwa ein Fünftel der bayerischen Hochschulabsolventen findet die erste Erwerbstätigkeit nach dem Studium über den Kontakt aus einem Praktikum oder einer (gewöhnlich fachnahen) Erwerbstätigkeit (ebd.: 52).“ Soziale Kontakte zu möglichen Arbeitgebern zu knüpfen, ist also ein weiterer Grund für das Absolvieren von Praktika. Gerade bei Studiengängen, deren Berufsbild eher diffus und breit gestreut ist, wie bei kultur- und gesellschaftswissenschaftlichen Studien, kann es sich lohnen, diese Chance auszunutzen. Für AbsolventInnen dieser Fächer ist es oft schwierig, das eigene berufliche Ziel festzulegen (vgl. Janson 2007: 81). Dies ist eine mögliche Erklärung dafür, dass gerade in den genannten universitären Ausbildungen häufig viel berufspraktische Erfahrung gesammelt und von der „Generation Praktikum“ als wichtig erachtet wird. Diese AbsolventInnen und Studierende besitzen aufgrund ihres Studiums häufig ein ähnliches Repertoire an Fachwissen und können sich nur durch Praxiskenntnisse voneinander abgrenzen (vgl. ebd.: 52f.). Für Unternehmen ist es ein Vorteil, dass die Einarbeitungszeit verkürzt werden kann und die Arbeitsmoral der Person bereits bekannt ist, wenn bereits zuvor Praktika absolviert wurden (vgl. ebd.: 60). Da Personaler oft eine schwierige Entscheidung treffen und diese auch rechtfertigen müssen, greifen sie vermutlich gern auf dieses Angebot zurück (vgl. Glaubitz 2006: 12).

Häufig zeigt sich nach Meinung des Autors Sarcletti auch, dass bereits bekannte Gesichter in Unternehmen in höheren Positionen einsteigen, als vollkommene Neulinge (vgl. Sarcletti 2007: 77). Dies ist nach einer Studie der Arbeitsagentur vor allem bei kleineren Betrieben der Fall (vgl. IAB 2007:3). Auf der anderen Seite ist es auch sehr positiv für die persönliche Motivation, wenn das Engagement und die Lernwilligkeit belohnt werden, indem man Neues ausprobieren und Gelerntes in die Tat umsetzen kann. (vgl. Glaubitz 2006: 13). Denn gerade in der Medienbranche ist der Einstieg für AbsolventInnen recht schwierig, vor allem wenn es um Festanstellungen geht. Die Nachfrage nach ArbeitnehmerInnen steigt zwar in einigen Bereichen, allerdings arbeiten viele Unternehmen mit freien MitarbeiterInnen, die dann bei Bedarf herangezogen werden (vgl. Kritzenberger 2007: 1). Durch ein Praktikum besteht jedoch noch eher die Chance, in diesen Kreis der MitarbeiterInnen mit aufgenommen zu werden. Bei einem Praktikum kann man also sowohl in den Arbeitsalltag hineinschauen, als auch Kontakte in verschiedene Richtungen knüpfen. Entweder direkt beim Praktikumsgeber sowie auch bei Personen, die mit diesem zusammenarbeiten. „Um Kontakte zu knüpfen, muss man umtriebig sein und dorthin gehen, wo die Branche sich trifft: Buchmesse, Filmfestival, Ausstellungseröffnung, Konferenzen, Empfänge (ebd.: 34).“ Das ist aber auch nicht so einfach, wie es klingt. Hat man Glück, so wird man als Praktikant mitgenommen, ansonsten gibt es kaum Möglichkeiten, in diese „Insider-Kreise“ zu gelangen. Meist sind Messen oder Veranstaltungen nur für Fachpublikum zugelassen, als Außenstehender hat man hier keine Chance. Trotzdem ist auch hier eine Veränderung erkennbar. Folgt man verschiedenen Ratgebern, so ist es heutzutage selbstverständlich, dass man sich während des Studiums bereits über Veranstaltungen und Fachtreffen informiert und wenn möglich auch daran teilnimmt. Aus eigener Erfahrung ist dies jedoch den meisten Studierenden nicht bewusst und wird in der Privatwirtschaft auch nicht als selbstverständliche Voraussetzung angesehen. Um Kontakte zu knüpfen ist dies sicherlich ein geeignetes Mittel, jedoch braucht man dazu auch die Unterstützung des Unternehmens in dem man Praktikum macht. Für diese ist es jedoch nicht selbstverständlich, PraktikantInnen zu Events mitzunehmen. Daher sollten auch andere Netzwerke gepflegt und gesucht werden, wie z.B. über die Internetplattform XING. Ein Praktikum dient nach Meinung der Autorin eher dazu, Gelerntes anzuwenden und sich im zukünftigen Job auszuprobieren, als außerhalb des Unternehmens Kontakte zu knüpfen. Dies ist wohl auch eher dann sinnvoll, wenn man bereits fest eine bestimmte Richtung eingeschlagen hat. Allerdings werden PraktikantInnen aus eigener Erfahrung immer häufiger zu Veranstaltungen mitgenommen und wenn es auch nur darum geht, abends beim Messestand Bier auszuschenken. Diese Entwicklung fördert einen weiteren Nutzen von Praktika: das Kennenlernen von nützlichen, branchenspezifischen Events und die Teilnahme daran. „Die Chancen eines Praktikums liegen also darin, Erfahrungen zu sammeln, sich unentbehrlich zu machen, sich bekannt zu machen und Kontakte zu knüpfen (Glaubitz 2006: 35).“ Zusammengefasst ist festzustellen, dass es nach Aussagen verschiedener Autoren und Betroffener zahlreiche Gründe für Praktika gibt und ebenso viel Nutzen, den man daraus ziehen kann. Wie immer gehört allerdings auch eine Portion Glück und Eigeninitiative dazu, da deutlich zu erkennen ist, dass zwar viel gefordert wird, umgekehrt die Durchführung aber häufig noch nicht angepasst ist und die PraktikantInnen sich selbst überlassen sind.

3 Schwierigkeiten mit Praktika

Das nachfolgende Kapitel behandelt die Problematik, die in Bezug auf das Absolvieren von Praktika besteht. Dieser Bereich soll aus Sicht von Studierenden bzw. AbsolventInnen, aber auch aus der von Unternehmen betrachtet werden. Wie im vorherigen Kapitel bereits angeführt, haben berufsspezifische Erfahrungen einige Vorteile für beide Seiten. Allerdings gibt es auch Nachteile, die vor allem die „Generation Praktikum“ betreffen. Die meisten Betroffenen absolvieren nicht nur ein Praktikum, sondern mehrere. Dies kann zum einen den Grund haben, dass sie sich beruflich orientieren und eine passende Branche finden möchten. Zum andern kann es sein, dass sie keine Festanstellung bekommen und sich daher mit Praktika durchschlagen, um so wenigstens weiterhin im Berufsfeld zu bleiben und Erfahrungen zu sammeln. „Sich zu lange mit Praktika durchzuwurschteln ist allerdings gefährlich: Irgendwann sieht der Lebenslauf zusammengeschustert aus. Zehn Praktika signalisieren: ,Ich weiß nicht, was ich will‘ (Glaubitz 2006: 13).“ Dieses Phänomen wird laut Standard mit den Begriffen „Kettenpraktika“ oder „trainee hopping“ bezeichnet (vgl. Standard.at 2008). Allerdings ist es neben dem Studium häufig nur möglich in den Semesterferien Praktika zu absolvieren. Macht man das in nahezu allen Ferien zeugt dies nach Meinung der Autorin eher von Engagement und Arbeitseifer, auch wenn damit viele verschiedene Stellen im Lebenslauf aufgeführt sind. So zeigt man als Studierender, dass man fähig ist, Praxiserfahrung und Studium gut zu kombinieren und auch zeitlich zu organisieren. Auch das Interesse, in den Ferien nicht nur Urlaub zu machen, sondern auch das Gelernte anzuwenden, wird damit belegt. Es stellt sich die Frage, ob es besser ist, Phasen der Arbeitslosigkeit mit Praktika zu füllen oder lieber untätig auf die nächste Stelle zu warten. Laut einer Studie von Briedis und Minks 2007 absolvieren Frauen mehr und längere Praktika als Männer (vgl. Briedis/Minks 2007: 4). Dies bedeutet also, dass Absolventen nach ihrem Studium schneller eine Stelle finden, als Absolventinnen, die dann wieder auf das Absolvieren von Praktika angewiesen sind. Viele Praktika signalisieren auch Interesse an branchenübergreifenden Bereichen. Allerdings besteht hier auch die Gefahr, dass ArbeitgeberInnen eine gewisse Orientierungslosigkeit ihrer BewerberInnen annehmen und sich fragen, wie es dann mit der Zielstrebigkeit im Unternehmen aussieht (vgl. Glaubitz 2006: 13). Das gilt nach Meinung der Autorin aber eher für AbsolventInnen, die nach dem Studium durch Praktika verschiedene Berufswege ausprobieren, da sie sich noch nicht sicher sind über ihren zukünftigen Weg. Aus persönlicher Erfahrung heraus entscheiden sich jedoch die meisten bereits während des Studiums für eine bestimmte Richtung oder probieren sich in den Semesterferien in verschiedenen Branchen aus. Dass jemand, der erst nach dem Abschluss des Studiums die Arbeitswelt in verschiedenen Richtungen erkundet, bei Personalverantwortlichen nicht die besten Chancen hat, versteht sich fast von selbst. Allerdings kommt es auch hier darauf an, welche Begründungen und Argumente man für die unterschiedlichen Praktika vorbringen kann. Grundsätzlich sollte man diese Entscheidung im besten Fall während der universitären Ausbildung treffen, um dann mit gezielten Praktika in eine Richtung zu gehen. Trotzdem ist es nach Meinung der Autorin nicht verkehrt, auch nach dem Abschluss für mehrere Berufsfelder, wie z.B. PR und Journalismus offen zu sein. Eine zu enge Festlegung auf einen speziellen Bereich, erschwert die Arbeitssuche wiederum. Nach Meinung der Autorin ist es gerade bei Studiengängen, die nicht auf ein konkretes Berufsfeld ausbilden von hoher Bedeutung, verschiedene Praktika zu machen, um sich über den persönlichen Berufswunsch klar zu werden. Allerdings ist es notwendig, bei einer Bewerbung in der Lage zu sein, Gründe für das Absolvieren von mehreren Praktika angeben zu können. So können BewerberInnen potenzielle ArbeitgeberInnen von ihrem Tun überzeugen.. Studierende und AbsolventInnen sollten also genau überlegen, in welche Richtung sie ihre Praktikumskarriere anlegen wollen. Einigen Personen fällt dies schwer und sie erhoffen sich, dass sie durch die Durchführung von Praktika eine Vorstellung ihres Berufswunsches bekommen (vgl. ebd.: 42f.). In vielen Fällen funktioniert das auch, allerdings ist es trotzdem ratsam, sich vorher zumindest über Neigungen und Interessen klar zu werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass man bei Praktika hängen bleibt und sich nicht entscheiden kann. Ist dies der Fall bei AbsolventInnen, so könnte bei zukünftigen ArbeitgeberInnen der Eindruck entstehen, dass sie bei keinem der vorherigen Jobs eine Festanstellung bekommen haben, da sie mit ihren Leistungen nicht überzeugen konnten (vgl. Hommerich 2009: 187). Diese Schwierigkeit lässt sich jedoch vermutlich nur durch offene Gespräche ausräumen. Vor Jahren galten Praktika vor allem der beruflichen Orientierung und die Ausführenden hatten so die Freiheit, auch entgegengesetzte Richtungen auszuprobieren. „Ziel eines Praktikums ist laut gesetzlicher Definition der Erwerb beruflicher Kenntnisse und Orientierung (Berufsbildungsgesetz §26) (ebd.).“ Bei ihrer Studie fand die Autorin Hommerich heraus, dass dies auch auf die Mehrheit der PraktikantInnen vor dem Abschluss zutraf. Trotzdem wurden ihnen bereits wichtige Aufgaben übertragen und sie arbeiteten auch häufig in einer 40-Stunden Woche (vgl. ebd.). In der heutigen Zeit ist es eher sinnvoll, sich früh für einen bestimmten Bereich zu entscheiden und diese Linie durchzuziehen. Es sei denn man hat für eine konträre Erfahrung eine gute Begründung. Damit ist die „Generation Praktikum“ nicht nur nahezu gezwungen praktische Kenntnisse zu sammeln, sondern ist in der Ausführung auch eingeschränkter als noch vor einigen Jahren. „[…] Praktika sind nicht dafür da, die Zeit bis zum richtigen Beruf totzuschlagen (Glaubitz 2006:14).“ Eher sollte man sie dazu nutzen, praktische Fähigkeiten zu erlernen, mit denen man sich aus der Masse seiner MitbewerberInnen hervorhebt. Ein weiteres großes Problem mit Praktika kann eine angemessene Bezahlung darstellen, die in vielen Fällen nicht gestellt wird. „Kein Praktikum der Welt ist es wert, sich selbst zu verleugnen. Wenn Sie dauerhaft Arbeit für drei leisten, aber unterhalb des ukrainischen Mindestlohns bezahlt werden, ist es Zeit zu gehen (ebd.: 21).“ In vielen Fällen ist es üblich, dass ein Praktikum schlecht oder sogar gar nicht bezahlt wird, so die Erfahrung der Verfasserin. Hier lassen sich jedoch auch länderspezifische Unterschiede entdecken. Während in Deutschland die meisten PraktikantInnen nicht bezahlt werden, wird in Österreich hingegen teilweise eine Pauschale gezahlt. Einige Unternehmen nutzen die Notwendigkeit von Praktika für Studierende und AbsolventInnen aus und haben so billige Arbeitskräfte. Da die Praktikastelle nicht automatisch zu einer Anstellung führen muss, können Firmen sich je nach Arbeitslage des PraktikantInnen-Marktes bedienen. Auf diese Weise werden die Betroffenen zum Teil hingehalten und ausgenutzt (vgl. Mörchen 2006: 10). So fühlen sich die Ausführenden gering geschätzt und auch der Wert ihrer Arbeit wird nicht entsprechend anerkannt. Viele haben zusätzlich das Problem, dass sie mit einem Gehalt ihren Unterhalt und ihre Lebenshaltungskosten bezahlen müssen. Daher können manche Personen die Stelle nicht antreten, verschulden sich, nehmen zusätzlich einen weiteren Job an oder haben das Glück, dass sie von ihren Eltern unterstützt werden. Laut eines Artikels im Standard ist dies in Österreich vor allem in den Bereichen Medien, Kultur und Kunst der Fall (vgl. Standard.at 2008). Viele sind zwar bereit, für die kurze Zeit der Praktika finanzielle Einbuße auf sich zu nehmen, häufig gibt es aber dennoch Probleme (vgl. Hommerich 2009: 184, 190, 233). Oft sind Praktika für einen Zeitraum ab drei Monaten angelegt und in einigen Fällen wird dann auch eine Bezahlung gewährt. Für Studierende ergibt sich damit aber eine Schwierigkeit, da sie eher nur in den Semesterferien Praxiserfahrung sammeln können, jedoch in den ersten Wochen häufig noch Tests oder Abgabetermine eingehalten werden müssen. Kürzere Zeiträume lohnen sich im Gegenzug allerdings für Unternehmen meist nicht, da die Einarbeitungszeit zu lange dauert, bevor sie für sich aus den PraktikantInnen Nutzen ziehen können. Das Angebot an Praktika von einigen Wochen ist daher sehr gering. Oft sind PraktikantInnen auch gezwungen, für die Dauer ihrer praktischen Erfahrung einen Umzug oder große Mobilität in Kauf zu nehmen. Dies lohnt sich jedoch nur für längere Praktika, ist jedoch auch mit einem hohen Aufwand verbunden, der von den Unternehmen vorausgesetzt wird (vgl. Falk/Reimer 2007: 34). So bleibt Studierenden zum Teil nichts anderes übrig, als ein längeres Praktikum nach den Abschluss zu verschieben und während der Semesterferien auf eine Bezahlung zu verzichten. „Das bedeutet, dass sich überhaupt nur ein privilegierter Personenkreis Praktika nach dem Studium überhaupt leisten kann (Grühn/Hecht 2007: 4).“ Personen, die sich eine Praxiserfahrung finanziell nicht leisten können, müssen also beim Berufseinstieg mit Schwierigkeiten und Einbußen rechnen. Die Autoren fordern daher, dass die Phase der Praktika nach dem Abschluss nicht als Voraussetzung für eine Festanstellung gelten dürfe, obwohl dies bereits bei vielen Unternehmen der Fall ist. Sie stellen die Vermutung an, dass ArbeitgeberInnen mit dieser Phase versuchen, ihre ArbeitnehmerInnen aus einer bestimmten Schicht zu rekrutieren. Inwiefern dies jedoch zutrifft konnten sie in ihrer eigenen Studie, einer AbsolventInnenbefragung, nicht herausfinden (vgl. ebd.). Da viele Firmen mittlerweile versuchen, ihre PraktikantInnen in Arbeitsabläufe mit einzubeziehen, wird diese Schwierigkeit in Zukunft auch weiterhin noch bestehen. Es stellt sich nur die Frage, ob es zukünftig notwendig wird, eine gesetzliche Entlohnung einzuführen, ähnlich dem Mindestlohn für geringfügige Jobs, mit denen die Arbeit bei Praktika durchaus vergleichbar ist. So könnte sich die finanzielle Situation von Studierenden und AbsolventInnen auflockern. Andererseits könnte dies Unternehmen ermuntern, den PraktikantInnen anspruchsvolle Arbeit aufzutragen, was noch nicht bei jeder berufspraktischen Erfahrung der Fall ist. BewerberInnen wissen meist nicht, was sie beim Antritt ihres Praktikums erwartet und im schlimmsten Fall muss die Arbeit abgebrochen werden, wenn sich herausstellt, dass die Erwartungen nicht erfüllt werden. Zudem ist eine weitere Veränderung zu beobachten. In vielen Praktikaanzeigen werden spezielle und branchenspezifische Kenntnisse gefordert. Es ist zu vermuten, dass viele BewerberInnen sich damit überfordert fühlen und sich zum Teil nicht einmal bewerben. Aus eigener Erfahrung kann die Autorin sagen, dass viele Angebote in der Kommunikationsbranche vor allem auf AbsolventInnen zugeschnitten sind und nur bedingt auf Studierende passen. Man hat jedoch kaum eine Chance, bereits vor dem Studium über Praktika in diesen Bereich hinein zu schnuppern, da zumindest eine gewisse Semesteranzahl häufig vorausgesetzt wird. Doch auch für Studierende und AbsolventInnen steigen die Anforderungen, da die Unternehmen die Möglichkeit haben, aus einer breiten Masse auszuwählen. So sind die künftigen Arbeitnehmer dauerhaft gefordert, sich darüber zu informieren, welche Kenntnisse am Arbeitsmarkt erwünscht sind. Meistens handelt es sich neben branchenspezifischen Fachinformationen vor allem um Computerkenntnisse. Die AbsolventInnen sollten also in verschiedenen fachübergreifenden Bereichen Kenntnisse besitzen und sich diese am besten vor und während des Studiums aneignen. Ein Studium allein genügt heutzutage nicht mehr aus, um beruflich Erfolg zu haben (vgl. Falk/Reimer 2007: 34). Daneben gibt es eine weitere grundlegende Problematik bei der Bewerbung um Praktika. Nahezu alle Angebote fordern bereits erste praktische Erfahrungen und sind daher von Beginn an, an bereits erfahrene Personen gerichtet. Da jedoch niemand mit Praxiskenntnissen geboren wird, ist es für viele Studierende schwierig, überhaupt einen Einstieg in die Praxiswelt zu bekommen. Hierfür sind oft langwierige Recherchen und eventuell auch ein Umzug für eine begrenzte Zeit notwendig. Gerade in Zeiten, in denen es viele AkademikerInnen gibt, die eine Anstellung suchen, ist es für Unternehmen eine gute Möglichkeit günstige Arbeitskräfte zu bekommen. „Die Wissenschaft hat diesen Jahren bereits einen Namen gegeben: die floundering period. Eine Phase, in der man zappelt wie eine Flunder (Stolz 2005: 3).“ Probleme treten auch auf, da diese Personen keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld oder andere finanzielle Hilfsmittel haben, weil sie nie einen festen Job hatten (vgl. ebd.). Die Autorin hat selbst den Eindruck gewonnen, dass auch praktische Arbeitsproben, die während der universitären Ausbildung gemacht wurden, hier nur zweitrangig sind. Aus Sicht der Unternehmen ist vermutlich zu sagen, dass BewerberInnen ohne vorherige Erfahrung ein Risiko darstellen, da man nicht genau weiß, wie sie sich einbringen können. Trotzdem muss jeder einmal irgendwo die Möglichkeit haben anzufangen, um sich Kenntnisse anzueignen. Da es jedoch bereits eine breite Masse an erfahrenen Personen gibt, stehen Neulinge immer wieder vor diesem Problem und müssen sich auf vielfache Absagen gefasst machen. Am besten nutzt man für den Einstieg Beziehungen aus dem familiären Umfeld, sofern dies möglich ist. Nach Meinung der Autorin nutzen viele zu Beginn Kontakte aus Netzwerken und begnügen sich auch mit Praktikastellen, die nicht genau ihrem Wunsch entsprechen, nur um Erfahrungen vorweisen zu können. Viele Unternehmen beschäftigen PraktikantInnen als günstige Arbeitskräfte, um Einsparungen vorzunehmen. Somit kommt es aber auch häufig vor, dass neue PraktikantInnen von den bereits bestehenden eingearbeitet werden und gar nicht mehr durch qualifizierte Fachkräfte. Dies ist eine bedenkliche Tatsache. PraktikantInnen sollten Erfahrungen sammeln und sich ausprobieren, auch wenn sie bereits länger in einer Firma beschäftigt sind und nicht auch noch ihre NachfolgerInnen in die Tätigkeiten einarbeiten (vgl. Lungmus 2006: 63). Damit besteht die Gefahr für die Ausführenden als auch für das Unternehmen, dass Fehler und Unwissenheit weitergegeben werden, bzw. sich die PraktikantInnen ausgenutzt fühlen und andersherum Festanstellungen verloren gehen und auf lange Sicht der Markt der Arbeitslosen erhöht wird. So bildet sich aufs Neue ein Teufelskreis, aus dem gerade AbsolventInnen schwer herauskommen. Als Praktikant kann man sich also nicht darauf verlassen, dass man auch ordentlich betreut wird und hat daher auch die Aufgabe skeptisch zu bleiben und auf seinen Erwartungen zu beharren, bzw. im Notfall den Mut zu haben, das Praktikum abzubrechen. Auf lange Sicht gesehen, bilden sich somit die PraktikantInnen nicht nur gegenseitig selbst aus, sondern üben ihre Fertigkeiten auch direkt beim Kunden.

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Details

Seiten
62
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640440627
ISBN (Buch)
9783640440887
Dateigröße
2.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v136881
Institution / Hochschule
Universität Salzburg – Gesellschaftswissenschaften
Note
2
Schlagworte
Generation Praktikum Mythos Realität Fallstudie Stellenanzeigen

Autor

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Titel: Generation Praktikum - Mythos oder Realität?