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Politische Bildung im Geschichtsunterricht der DDR

Examensarbeit 2009 71 Seiten

Didaktik - Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. BEGRIFFLICHE GRUNDLAGEN
2.1. DER HISTORISCHE MATERIALISMUS UND DAS GESCHICHTSBILD DER DDR
2.1.1. DER HISTORISCHE MATERIALISMUS
2.1.2. DAS GESCHICHTSBILD DER DDR
2.1.3. MODIFIKATIONEN AM GESCHICHTSBILD DURCH DIE TRADITION-ERBE-DISKUSSION
2.2. FUNKTIONEN POLITISCHER BILDUNG UND ERZIEHUNG
2.2.1. ERZIEHUNG UND BILDUNG
2.2.2. DIE STAATSBÜRGERLICHE ERZIEHUNG
2.2.3. POLITISCHE BILDUNG
2.3. FUNKTIONEN SCHULISCHER POLITISCHER BILDUNG UND ERZIEHUNG
2.3.1. FÖRDERUNG DER MÜNDIGKEIT
2.3.2. QUALIFIZIERUNG ZU FUNKTIONIERENDEN MITGLIEDERN DES GEMEINWESENS
2.3.3. STABILISIERUNG DER GEGEBENEN HERRSCHAFTSORDNUNG
2.3.4. VERANKERUNG DER GEISTIGEN GRUNDLAGEN DES GEMEINWESENS
2.3.5. BESSERUNG DER GESELLSCHAFTLICH-POLITISCHEN ZUSTÄNDE

3. ADMINISTRATIVE EINFLUSSNAHME DER SED AUF DEN GESCHICHTSUNTERRICHT DER DDR
3.1. DIE GESCHICHTSWISSENSCHAFT UND IHRE B EZIEHUNGEN ZUR SED
3.1.1 DIE „ZENTRALEN FORSCHUNGSPLÄNE“
3.1.2 BERÜCKSICHTIGUNG DER PARTEILINIE
3.2. DIE GESCHICHTSMETHODIK UND IHRE BEZIEHUNG ZUR SED
3.3. DIE EINFLUSSNAHME DER SED AUF DIE LEHRPLANKONZIPIERUNG
3.3.1. DIE LEHRPLANZIELE
3.3.2. DIE WICHTIGSTEN AN DER KONZIPIERUNG DER LEHRPLÄNE BETEILIGEN INSTITUTE
3.4. D IE E INFLUSSNAHME DER SED AUF DIE S CHULBUCHKONZIPIERUNG

4. DER GESCHICHTSUNTERRICHT DER DDR
4.1. Z IELE UND A UFGABEN DES G ESCHICHTSUNTERRICHTS IN DER DDR
4.2. D IE I NHALTE DES G ESCHICHTSUNTERRICHTS DER DDR
4.2.1. INHALT DES GESCHICHTSUNTERRICHTS IN KLASSE
4.2.2. INHALT DES GESCHICHTSUNTERRICHTS IN KLASSE
4.2.3. INHALT DES GESCHICHTSUNTERRICHTS IN KLASSE
4.2.4. INHALT DES GESCHICHTSUNTERRICHTS IN KLASSE
4.2.5. INHALT DES GESCHICHTSUNTERRICHTS IN KLASSE
4.2.6. INHALT DES GESCHICHTSUNTERRICHTS IN KLASSE
4.2.7. ZUSAMMENFASSUNG
4.3. M ITTEL UND M ETHODEN DER I NDOKTRINATION
4.3.1. DIE LÜCKENLOSE PLANUNGSHIERARCHIE
4.3.2. LEHRERZENTRIERTHEIT UND SCHÜLERTÄTIGKEIT
4.3.2.1. Der Lehrervortrag
4.3.2.2. Das Unterrichtsgespräch
4.3.2.3. Schülertätigkeit
4.3.2.4. Betrachtung aus dem Blickwinkel der politischen Bildung und Erziehung
4.3.3. EMOTIONALITÄT DES GESCHICHTSUNTERRICHTS
4.3.3.1. Betrachtung aus dem Blickwinkel der politischen Bildung und Erziehung
4.3.4. BEEINFLUSSUNG MITTELS PERSONALISIERUNG
4.3.5. BEEINFLUSSUNG DURCH SPRACHE
4.4. V ERÄNDERUNG DES G ESCHICHTSUNTERRICHTS DURCH ZEITGESCHICHTLICHE EREIGNISSE UND DIE P OLITIK DER SED
4.4.1. DER GESCHICHTSUNTERRICHT IN DER SBZ (1945-1949)
4.4.2. DER GESCHICHTSUNTERRICHT IN DER ZEIT DER STALINISIERUNG DER DDR (1949-1953)
4.4.3. DER GESCHICHTSUNTERRICHT ZWISCHEN „LIBERALEM“ UND „HARTEM“ KURS IN DER DDR (1953-1961)
4.4.4. DER GESCHICHTSUNTERRICHT IN DER ZEIT DER KONSOLIDIERUNG DER DDR (1961- 1971)
4.4.5. DER GESCHICHTSUNTERRICHT AM BEGINN DER ÄRA HONECKER (1971-1979)
4.4.6. DER GESCHICHTSUNTERRICHT IN DER KRISE DER DDR (1979-1989)

5.DIE WIRKUNG DER POLITISCHEN BILDUNG IM GESCHICHTSUNTERRICHT DER DDR

6.ZUSAMMENFASSUNG

7.LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung

Bildungsarbeit, egal welcher Art, war in der DDR immer sozialistische Bildungsarbeit, deren Leitmotiv die Einheit von wissenschaftlicher und ideologischer Bildung war.1 Unter Ideologie ganz allgemein versteht man „jedes System von Ideen, Meinungen, Einstellungen und Wertsetzungen, das eigenes (politisches) Handeln legitimiert, fremdes richtig oder falsch zu beurteilen erlaubt, den gegenwärtigen sozialen Zustand rechtfertigt oder Mittel und Ziele für seine Veränderung angibt und zu (Selbst-) Identifizierung und zum Zusammenhalt einer sozio-politischen Gruppe beiträgt.“2

Es ging also in der ideologischen Bildung darum, den zukünftigen Staatbürgern eine sozialistische Ideologie zu vermitteln, welche das politische Handeln der Staatspartei SED und das Gesellschaftssystem des Sozialismus rechtfertigte und den Kindern und Jugendlichen Ansatzpunkte für eine Identifikation mit ihrem Staat anbot. Durch die Einheit von politischer und ideologischer Bildung, war die Ideologie in der Schule allgegenwärtig.

Besondere Bedeutung für die ideologische Bildung hatten die gesellschaftswissenschaftlichen Fächer, zu denen auch das Fach Geschichte gehört. „Durch Unterweisung in Geschichte werden die Heranwachsenden in den Selbstverständniszusammenhang der Gesellschaft, in der sie leben, eingeführt. Es geht dabei ebenso um historisch-politische Sinnbildung und Traditionsbildung wie um Legitimation, Herrschaftssicherung und Gesinnungsbildung“.3 Die Aufgabe des Geschichtsunterrichts in der DDR war also die Vermittlung von Werten, Normen und Interpretationsmustern zur Sicherung der Herrschaftsverhältnisse. Es geht also nicht nur um Vermittlung historischer Bestände, sondern auch um politische Bildung, da die historischen Ereignisse und Zusammenhänge immer Bezüge zur Politik aufweisen. So kam in der DDR politische Bildung und Erziehung als Unterrichtsprinzip4 in allen Unterrichtsfächern zur Anwendung. Die hier vorliegende Arbeit setzt sich zuerst mit der Frage auseinander, welche administrativen Mittel die Staatpartei einsetzte, um eine Vermittlung von herrschaftslegitimierenden und identitätsstiftenden Werten, Normen und Interpretationsmustern zu gewährleisten. Eine Zweite Frage befasst sich mit dem Geschichtsunterricht selbst. Es soll untersucht werden, mit welchen Zielen, Inhalten und Methoden versucht wurde, das Gesellschaftssystem des Sozialismus und die Vormachtstellung der SED zu rechtfertigen, wie wirksam diese waren und wie sie sich durch Veränderungen in Gesellschaft und Politik gewandelt haben.

Der eröffnende Grundlagenteil soll für die Arbeit wichtige Begriffe klären. Er besteht aus zwei Unterkapiteln, von denen sich das erste mit der Theorie des historischen Materialismus und dem daraus abgeleiteten marxistisch-leninistischen Geschichtsbild befasst. Beide Begriffe sind von fundamentaler Bedeutung sowohl für die Geschichtswissenschaft als auch für den Geschichtsunterricht. Sie bilden die Grundlage dafür, wie die DDR und ihre Geschichte von den Historikern aber auch im Geschichtsunterricht dargestellt werden sollte. Das zweite Unterkapitel des Grundlagenteils beschäftigt sich mit Grundbegriffen und –funktionen politischer Bildung und Erziehung, anhand derer im dritten Teil der Arbeit, die Mittel und Methoden der politischen Bildung und Erziehung im Geschichtsunterricht beurteilt werden sollen.

Teil Zwei der Arbeit beschäftigt sich mit der administrativen Einflussnahme auf den Inhalt des Geschichtsunterrichts. Dabei soll als erstes die Geschichtswissenschaft und die Geschichtsmethodik untersucht werden, da diese ja die Lieferanten des historischen Inhalts und der zur Vermittlung benötigten Methoden des Geschichtsunterrichts sind. Weiterhin soll in diesem Teil der staatliche Einfluss bei der Konzipierung von Lehrplänen und Schulbüchern untersucht werden.

Im dritten Teil der Arbeit geht es um den Geschichtsunterricht an sich. Es soll vor allem anhand der Lehrpläne überprüft werden, welche Ziele und Aufgaben dem Geschichtsunterricht gestellt wurden und mit welchen Inhalten und didaktischen Methoden diese erfüllt werden sollten und wie sie aus Sicht der politischen Bildung und Erziehung zu bewerten sind.

Der letzte Teil der Arbeit soll anhand einer bis 1989 unter Verschluss gehaltenen empirischen Studie, die Wirksamkeit der politischen Bildung und Erziehung im Geschichtsunterricht der DDR untersuchen.

2. Begriffliche Grundlagen

2.1. Der Historische Materialismus und das Geschichtsbild der DDR

2.1.1. Der Historische Materialismus

Die Ideologie des Marxismus-Leninismus besteht aus drei Teilen, dem dialektischen Materialismus und dem historischen Materialismus, der (marxistisch-leninistischen) politischen Ökonomie und dem wissenschaftlichen Kommunismus.

Grundlage für das Geschichtsbild der DDR ist der historischen Materialismus.5 Materialismus ist eine philosophische Denkweise, welche die Natur, die Materie, als das Ursprüngliche ansieht und das Denken als eine Eigenschaft der Materie betrachtet. Ganz im Gegensatz zum Idealismus, bei dem das Denken, der Geist oder die Idee vor der Natur existiert haben sollen und die Natur sie auf irgendeine Weise von einem geistigen Wesen geschaffen worden oder von ihm abhängig ist. Christliche Ansätze finden im historischen Materialismus keinen Anklang, da Materialisten zugleich Atheisten sind, sie versuchen die Welt ohne Zuhilfenahme übernatürlicher Wesen und Ursachen zu erklären.6 Beim historischen Materialismus handelt es sich um eine historische Theorie über die Entwicklung der Gesellschaft, welche gleichzeitig die marxistisch-leninistische Geschichtsauffassung widerspiegelt.

Hier bildet die Produktionsweise, welche als Einheit aus Produktivkräften und Produktionsverhältnissen verstanden wird, die Grundlage jeder Gesellschaft. Produktionskräfte sind all jene Kräfte, die benötigt werden, um materielle Güter zur Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse herzustellen. Dazu gehören in aller erster Instanz die Arbeitskräfte als „Hauptproduktivkraft“7 mit ihren geistigen und körperlichen Fähigkeiten, aber auch Naturkräfte bzw. –stoffe, die in mehr oder weniger verarbeiteten Zustand als Produktionsmittel in den Dienst der Produktion gestellt werden. Zu diesen Produktionsmitteln gehören Arbeitsgegenstände wie der jungfräuliche Boden, Bodenschätze, Rohstoffe usw., aber auch Arbeitsmittel, z.B. Werkzeuge, Maschinen, Fertigungsanlagen etc. Ebenfalls zu den Produktivkräften zählen Kräfte, welche aus dem sozialen Charakter der Produktion, also durch Zusammenwirken von Menschen oder dem Zusammenwirken von lebendiger und vergegenständlichter Arbeit resultieren, z.B. die Arbeitsteilung und die Produktionsorganisation.8

Die sozioökonomischen Beziehungen, welche die Menschen in der Produktion und Reproduktion ihres materiellen Lebens untereinander eingehen, bezeichnet man als Produktionsverhältnisse. Man könnte sie auch als „Eigentumsverhältnisse“ an den Produktionsmitteln deuten. Sie bilden die sogenannte „Basis“ und bestimmen die gesellschaftlichen Verhältnisse, da sich die Gliederung der Gesellschaft in soziale Klassen aus dem Zugang zu den jeweiligen Produktionsmitteln ergibt.

Beide, Produktionskräfte und Produktionsverhältnisse, bilden zwar in der Produktionsweise eine Einheit, entwickeln sich aber unterschiedlich. Während sich die Produktionskräfte im Laufe des Produktionsprozesses, etwa durch Fortschritte in Technik und durch ständige Perfektionierung der Arbeitsweise weiterentwickeln, bleibt das Wesen der Eigentumsverhältnisse weitgehend unverändert. Dadurch entsteht ein Missverhältnis zwischen beiden Elementen. Aufgrund der Starrheit in der Entwicklung der Produktionsverhältnisse, welche eine weitere Entwicklung der Produktionskräfte behindern, entsteht ein Konflikt, der sich primär in der Verschärfung der Widersprüche zwischen den Klassen offenbart.9

[...]


1 Feldmann, A.: Der Vergessene Kongreß. Eine Studie zur geschichtspädagogischen Arbeit in der DDR am Fallbeispiel des IX. Pädagogischen Kongresses im Juni 1989. Regensburg 1996

2 Mätzing, H. C.: Geschichte im Zeichen des historischen Materialismus. Untersuchungen zu Geschichtswissenschaft und Geschichtsunterricht in der DDR. Hannover 1999, S. 19.

3 Neuhaus, F.: Geschichte im Umbruch. Geschichtspolitik, Geschichtsunterricht und Geschichtsbewusstsein in der DDR und in den neuen Bundesländern 1983-1993. Frankfurt/Main 1998, S. 9.

4 Vgl.: Detjen, J.: Politische Bildung. Geschichte und Gegenwart in Deutschland. München/Wien 2007, S. 9.

5 Zur Theorie des historischen Materialismus vgl.: Abendroth, F.: Das Ende der marxistisch-leninistischen Geschichtswissenschaft in der DDR. Diss. Berlin 1993, S. 22-38; Stiehler, G.: Materialismus und Dialektik als Grundlagen der marxistischen Geschichtsauffassung. in: ZfG 38 (1990), S. 5-20 sowie Redlow, G. (Hrsg.) Einführung in den dialektischen und historischen Materialismus. 12. Auflage. Berlin 1981.

6 Vgl.: Abendroth, F.: Das Ende, S. 12 f.

7Vgl.: Redlow, G. (Hrsg.) Einführung, S. 345.

8 Vgl.: Institut für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED: Grundlagen des historischen Materialismus. Berlin 1976, S 161ff.

9 Vgl.: Abendroth, F.: Das Ende, S. 24.

Details

Seiten
71
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640440610
ISBN (Buch)
9783640440870
Dateigröße
818 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v136868
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Institut für Geschichte
Note
1,0
Schlagworte
DDR Politische Bildung Lehrplan Ministerium für Volksbildung Schulbuch Geschichtsbild staatsbürgerliche Erziehung Geschichtsmethodik SED Indoktrination historischer Materialismus Geschichtsunterricht

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