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Film/Expositionsanalyse: 'Some like it hot' von Billy Wilder

Zwischenprüfungsarbeit 2008 18 Seiten

Germanistik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Plot - SOME LIKE IT HOT

3. Expositionsanalyse
3.1 Eingrenzung der Exposition - Prolog
3.2 Einteilung der Expositionssequenz
3.2.1 Analyse der ersten Subsequenz
3.2.2 Analyse der zweiten Subsequenz

4. Ausblick

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

“Nobody is perfect” - mit diesem bekannten Schlusswort endet einer der berühmten Filme Billy Wilders, SOME LIKE IT HOT mit Jack Lemmon, Tony Curtis und Marilyn Monroe in den Hauptrollen, welcher 1959 gedreht wurde und zum Genre der Komödie zu zählen ist.

Ziel der vorliegenden Arbeit soll die Analyse der Exposition sein, welche eine Bild- sowie Tonanalyse beinhaltet. Die Analyse basiert auf der überarbeiteten Fassung von 2001 der MGM Home Entertainment GmbH. Bearbeitet wurde die amerikanische Version im Format 16:9. Eingeteilt ist die Expositionssequenz in zwei Subsequenzen, denen ein Prolog vorausgeht.

Die Analyse soll zunächst darüber Aufschluss geben, welche Funktion dem Prolog zukommt und warum dieser nicht als Exposition gesehen werden kann. Als Grundlage dient hierfür Rudolf Arnheims Film als Kunst. Anschließend erfolgt die Einteilung der Expositionssequenz in zwei Subsequenzen, welche kompositorisch sowie dramaturgisch voneinander zu trennen sind. Darauf aufbauend soll die Bild- und -Tonanalyse der beiden Subsequenzen Einblick darüber geben, ob alle wichtigen Voraussetzungen für eine Exposition umgesetzt sind und wie diese gestaltet sind. Als Sekundärliteratur werden hierfür wissenschaftliche Arbeiten von Gerd Gemünden, Maurice Zolotow, Cameron Crowe sowie Neil Sinyard hinzugezogen, welche sich umfassend mit Billy Wilders Filmen sowie SOME LIKE IT HOT auseinandergesetzt haben.

Abschließend wird im Ausblick diskutiert, welche Motive, die bereits im Prolog und in der Exposition aufgegriffen werden, im weiteren Verlauf des Films ihre Fortführung finden. Überdies wird erläutert, welche Funktion die Exposition innerhalb der Gesamtkomposition hat.

2. Plot - SOME LIKE IT HOT

Am Valentinstag werden in Chicago die mittellosen Jazzmusiker Jerry (Jack Lemmon) und Joe (Tony Curtis) in Chicago unfreiwillig Zeugen eines Massakers zweier verfeindeter Mafiabanden. Das Massaker in der Werkstatt ist eine Anspielung auf das so genannte „Valentinsmassaker“, welches am 14. Februar 1929 in Chicago statt gefunden hat und Teil eines Bandenkrieges war.

Auf der Flucht wechseln Joe und Jerry als Damen verkleidet ihre Identität und schließen sich der Damenkapelle „Sweet Sue’s Society Syncopaters“ an, die auf dem Weg nach Florida ist, um im berühmten Hotel Seminole Ritz in Miami als musikalische Abendunterhaltung aufzutreten. Im Zug nach Miami lernen Joe und Jerry, die sich als Damen mit den Namen Josephine und Daphne ausgeben, Sugar Kane Kowalczyk (Marilyn Monroe) kennen, die Sängerin der Band ist und zudem die Ukulele spielt.

In Florida verliebt sich Joe in Sugar und schlüpft aufgrund seiner Damenverkleidung in die Rolle des reichen Shellöl -Millionärserben Junior, um sie zu beeindrucken. Jerry hingegen, blüht in der Frauenrolle auf und wird von einem echten Millionär, Osgood Fielding III umschwärmt, der „Daphne“ ständig Avancen macht. Aufgrund der Konferenz der „ Freunde der italienischen Oper“, die als Tarnung eines Mafiosi-Treffen fungiert, findet sich in besagtem Ritz Hotel schließlich auch die Mafiabande von Gamaschen Colombo aus Chicago ein, vor der Joe und Jerry auf der Flucht sind. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände werden Joe und Jerry von den Gangstern erkannt und müssen flüchten.

3. Expositionsanalyse

3.1 Eingrenzung der Exposition - Prolog

Die Gesamtlänge der Exposition umfasst 36 Einstellungen, wobei zu beachten ist, dass ihr ein Prolog vorausgeht, welcher dramaturgisch und kompositorisch von der Exposition abzugrenzen ist. Der Prolog, welcher ab 01:29 mit einer Aufblende beginnt und in 22:58 endet, bildet eine eigene, in sich geschlossene Einheit und vermittelt dem Zuschauer Hintergrundwissen, welches im Laufe des Films von Bedeutung ist. Im Prolog erfährt der Zuschauer zunächst wichtige Details über den Ort und die Zeit, welche als Titel eingeblendet sind - Chicago, 1929. Eine Zeit, die geprägt ist von Prohibition, Bandenkriegen und Wirtschaftskrise. Außerdem werden die beiden männlichen Protagonisten Joe und Jerry vorgestellt, die mittellose Musiker sind und aufgrund dessen in illegalen Bars spielen. Der Prolog fungiert somit als überblickartige Darstellung und macht bereits deutlich, dass es sich bei SOME LIKE IT HOT trotz der anfänglichen Verfolgungsjagden nicht um einen klassischen Gangsterfilm handelt, sondern um eine Komödie. Wilder führt dies so ein, dass er das „speakeasy“ („Flüsterkneipe“ mit illegalem Alkoholausschank) als Beerdigungsinstitut Mozarella’s Funeral Parlor, den Transport von Schnapsflaschen mithilfe eines Sargs und Leichenwagens, sowie die lebhafte Bar als „Omas Beerdigung“ tarnt. Er parodiert somit die klassische Gangsterkomödie.[1]

Somit wäre bereits im Prolog das Genre eingeführt, allerdings werden andere wichtige Voraussetzungen, die eine Exposition beinhalten, nicht aufgegriffen.

Rudolf Arnheims Film als Kunst stellt als wichtige Voraussetzungen einer Exposition folgende Fragen : Wer sind die Protagonisten? Wo spielt die Handlung? Warum spielt sie dort? Was passiert? Wie stehen die Protagonisten zueinander?[2]

Aufgrund dessen kann der Prolog nicht als Exposition gesehen werden, da wichtige Voraussetzungen nicht erfüllt sind. So zeigt der Prolog als Handlungsplatz Chicago, der jedoch im Verlauf des Films nicht mehr Hauptschauplatz ist. Überdies fehlt im Prolog die dritte Protagonistin Sugar Kane Kowalczyk, welche erst innerhalb der ersten Subsequenz Teil der Handlung wird.

Der Prolog endet kompositorisch mit einer Überblende, um die nächste Sequenz und somit die Exposition einzuleiten, die auch einen Ortswechsel herbeiführt. Auch dramaturgisch gesehen ist der Schnitt wichtig, wie Wilder in einem Interview mit dem Regisseur Cameron Crowe erläuterte:

„Es hätte so langweilig werden können, wissen Sie? ‚Lass uns mal ausprobieren, ob wir eine Frisur hinbekommen.’ Nichts. Wir haben gar nichts gemacht. Wir haben einfach geschnitten, als die Jungs am Telefon sind und Mr. Curtis dem Agenten sagt, dass er eine Frau ist, verstehen Sie? Jetzt ist das Problem gelöst. Und sie sind Frauen.“[3]

Dieser, zu der Zeit moderne Schnitt, wie Wilder ihn nannte, markiert dramaturgisch die abrupte Geschlechterumwandlung Joes und Jerrys und wurde später als „fait accompli“ von Regisseuren wie Sydney Pollack in TOOTSIE (1982) eingesetzt.[4] Eine erste Feminisierung ist jedoch schon in der letzten Einstellung des Prologs zu erkennen, da Joe während des Telefonats mit der Agentur mit weiblicher Stimme spricht, um den Job in der Frauenband zu bekommen.

3.2 Einteilung der Expositionssequenz

Wie bereits erwähnt umfasst die Einstellungslänge der gesamten Exposition 36 Einstellungen, die in zwei Subsequenzen mit jeweils 18 Einstellungen unterteilt ist. Dramaturgisch ergibt sich die Abgrenzung meiner Meinung nach einerseits aus der Tatsache, dass ein klarer Ortswechsel vorhanden ist, der durch eine Überblende kenntlich gemacht wird. Die erste Subsequenz, welche eine Länge von 3:42 (22:59 – 26:01) Minuten umfasst, ist in 18 Einstellungen unterteilt und spielt auf dem Bahnsteig des Bahnhofs in Chicago. Hier werden Joe und Jerry zum ersten Mal als Frauen eingeführt; die Rolle, die sie zu einem Großteil im Laufe des Films spielen werden. Überdies wird Sugar Kane Kowalczyk eingeführt, welche die dritte Protagonistin in SOME LIKE IT HOT ist.

Die zweite Subsequenz, welche ebenfalls 18 Einstellungen umfasst, beginnt ab 26:02 und endet in Minute 29:46 ( Gesamtlänge 3:44). Die gesamte Subsequenz spielt nun im Zug. Dadurch ist ein klarer Ortswechsel zu Subsequenz 1 geschaffen. Innerhalb des Zugs spielt die Sequenz in verschiedenen „Räumen“, als da wären: Zwischengänge, größeres Abteil, Damentoilette. Sie werden in der Montage durch Bewegungsanschlüsse und Tonanschlüsse verbunden.

3.2.1 Analyse der ersten Subsequenz

Nach dem Prolog folgt die erste Subsequenz der Exposition, welche ab 22:59 beginnt und in Minute 26:01 endet. Sie umfasst genau 18 Einstellungen.

Die Kamera trägt den Blick des Zuschauers aus einer Untersicht, in der die Kehrseiten der beiden Protagonisten Joe und Jerry gezeigt werden, die nun als Frauen verkleidet sind und mit Koffern bepackt am Bahnsteig entlang stöckeln. Die Bildfokussierung liegt auf den Instrumenten, die zentriert in der Mitte des Bildes zu sehen sind. Somit wird für den Zuschauer sofort deutlich, dass es sich um die Musiker Joe und Jerry handeln muss. Überdies werden die Beine und Stöckelschuhe der beiden fokussiert, um deutlich zu machen, dass die Transformation von Mann zu Frau mittels einer filmischen Ellipse bereits geschehen ist.

Die erste Einstellung ist geprägt von Geschwindigkeit und Hektik. Sie ist durch rhythmische Jazzmusik aus dem Off-Ton unterlegt, welche die Laufgeschwindigkeit und den Laufrhythmus Joes und Jerrys unterstützt. Auf diese Weise bilden Ton (Musik) und Bild eine Einheit und sind somit kompositorisch verbunden. Hektik wird durch einen vorbeilaufenden Reisenden erzeugt, der die beiden passiert.

In der nächsten Einstellung zeigt die Kamera nun in einer Halbnahen Joe und Jerry als Frauen verkleidet. Aus dem Off ertönt die Ansage des Bahnsprechers mit den Zielen der Züge, (u.a. auch Miami – Florida, das Ziel von Joe und Jerry), wobei die Kamera in kurzen, ungefähr gleichlangen, nahen Einstellungen abwechselnd Joe und Jerry zeigt.

[...]


[1] Vgl.Gemünden, Gerd: Filmemacher mit Akzent. Billy Wilder in Hollywood. Wien, Synema Verlag, 2006, S.99

[2] Vgl. Arnheim, Rudolf: Film als Kunst. Suhrkamp Taschenbuch , S.141

[3] Crowe, Cameron: Hat es Spaß gemacht, Mr. Wilder? München, Diana Verlag, 2000, S.222

[4] Gemünden, Gerd: Filmemacher mit Akzent. Billy Wilder in Hollywood. Wien, Synema Verlag, 2006, S.111

Details

Seiten
18
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640451661
ISBN (Buch)
9783640451432
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v136783
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen – Germanistik, Filmwissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
Filmanalyse Billy Wilder

Autor

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Titel: Film/Expositionsanalyse: 'Some like it hot' von Billy Wilder