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Das Leben und Wirken Mechthilds von Magdeburg

Hausarbeit 2009 22 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Historische Rahmenbedingungen

3. Begriffsklärungen
3.1. Die Armutsbewegung
3.2. Die Mystik
3.3. Die Frauenmystik

4. Mechthild von Magdeburg
4.1. Quellenlage
4.1.1. Das Fließende Licht der Gottheit
4.2. Ihre Kindheit
4.2.1. Die Minne
4.3. Der „Gruß“ des Heiligen Geistes und das Ende des Lebens auf der Burg
4.4 Mechthilds Leben in der Stadt, ein Leben als Begine
4.4.1. Das Beginentum
4.5. Die letzten Jahre in der Stadt
4.6. Das Leben im Kloster Helfta
4.6.1. Die Charakteristik von Mechthilds Mystik

5. Schlussbetrachtungen

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Seminar haben wir verschiedene „Paar- und Geschlechterbeziehungen des Mittelalters“ besprochen. In diesem Zusammenhang habe ich mich entschlossen, meine Hausarbeit über Mechthild von Magdeburg zu verfassen. Es gibt viele Gründe sich mit Mechthild von Magdeburg auseinanderzusetzen. Zum einen war sie eine bedeutende Vertreterin der Frauenmystik des Spätmittelalters und eine der ersten Mystikerin die in niederdeutscher Sprache, in der Sprache des Volkes, schrieb. Geboren in einer adligen Familie, zog sie in jungen Jahren nach Magdeburg, um sich dort als Begine, um die Armen und Bedürftigen zu kümmern. In dieser Zeit verfasste sie auch ihr Werk „Das fließende Licht der Gottheit“, welches ihre innige „Liebesbeziehung“ zu Gott in metaphorischer Minnelyrik zum Ausdruck bringt. Mit großer Hingabe verwendet sie in ihrem Werk die verschiedensten literarischen Stilmittel, die sie zu einer der bekanntesten Poetinnen des Mittelalters machten und ihr Werk in die Reihen der Weltliteratur einreihten. Auf Grund der „liebevollen“ Hinwendung zu Gott kann man Mechthild, obwohl nie verheiratet, unbestritten unter der Rubik Paar- und Geschlechterbeziehungen besprechen.

Wenn man über Mechthild von Magdeburg schreibt ist es notwendig einen kurzen Einblick in die historischen Voraussetzungen zu geben, um ihre herausragenden Leistungen würdigen zu können. Des Weiteren werde ich zunächst, zur Schaffung einer allgemeinen Verständnisgrundlage, einige prägnante Begrifflichkeiten wie Mystik im Allgemeinen, die Frauenmystik im Besonderen und der Armutsbewegung erläutern. Daran wird sich dann ein Abriss über das Leben Mechthilds anschließen. Dort werde ich mit einer kurzen Auswertung der Quellen beginnen, die uns Auskunft über ihr Leben geben können. Darauf folgt ihre Jugend auf der Burg, dem sich dann ihr Dasein als Begine in Magdeburg und ihr Wirken als Lehrmeisterin der Mystik und Ende ihres Lebens im Kloster Helfta anschließen wird. In diesem Zusammenhang wird es einen kurzen Überblick über Mechthilds Mystik geben. Auf Grund der des großen Umfangs dieser Thematik erhebe ich dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern will es nur als Abrundung der gesamten Thematik zu verstehen wissen. Auch fehlen mir die theologischen Grundlagen, um der Mystik Mechthilds in der vollen Bandbreite gerecht werden zu können.

Für meine Zitationen aus dem „Fließenden Licht der Gottheit“ verwende ich durchgehend die Ausgabe von Hans Urs von Balthasar die im Quellen und Literaturverzeichnis angegeben ist. Bei der Zitation verwende ich die Abkürzung FLG für „Das fließende Licht der Gottheit.“

2. Historische Rahmenbedingungen

Mechthilds herausragende Bedeutung für die Frauenmystik und die Entwicklung der deutschen Sprache, kann ohne die vorherrschenden historischen Begebenheiten nicht verstanden werden.

Mechthilds Schaffen konzentriert sich auf die Zeit des Übergangs vom Hoch- zum Spätmittelalter. Eine Zeit, die von sozialen Umbrüchen und politischen Veränderungen geprägt ist. Die mittelalterliche Stadt erfährt einen Aufschwung, sie zeichnete sich durch das Marktrecht, Zunftwesen und Handel aus. Auf Grund dieser veränderten Lebensbedingungen setzte eine Wanderungsbewegung der Bevölkerung vom Land in die Städte ein. Die Menschen sich dabei immer von der Hoffnung getrieben, ein besseres Leben führen zu können. Mit der steigenden Popularität der Städte ging ein enormer Städtewachstum einher, in dessen Konsequenz sich eine „neue Epoche der Armut entwickelte“.[1] Auch im kulturellen Sektor fanden Veränderungen statt. Die einsetzende Verschriftlichung sorgte für zunehmende Bürokratisierung der Gesellschaft. Dabei fand die Volkssprache immer stärkere Verwendung. Des Weiteren verlagert sich der intellektuelle Fortschritt von den Klöstern in die Universitäten.[2]

3. Begriffsklärungen

3.1. Die Armutsbewegung

Der wirtschaftliche Wohlstand und das Aufblühen der Städte gingen auch an der Kirche nicht spurlos vorüber. „[…](Die) Macht und der Reichtum der Amtskirche ließen den Unterschied zu der in der Katechese als Ideal vor Augen geführten armen und machtlosen christlichen Urgemeinde immer eklatanter erscheinen.“ Auf Grund dieses Kontrasts entwickelte sich die Armutsbewegung. Sie strebte eine Rückkehr zu Einfachheit der Alten Kirche an.[3] Armut selbst kann man im Groben in zwei Arten einteilen. Zum einen Armut, die man vorfindet oder in die man hineingestoßen wird und zum anderen Armut, die man freiwillig auf sich nimmt. Zur letzteren ist die Armutsbewegung zu zählen. Das Streben nach Armut wird zu einem Ideal, welches, wie wir später sehen werden, sich auch bei Mechthild niederschlägt. Geld und Macht erzeugen einen „Tunnelblick“, der alle Reichtümer des Lebens in den Hintergrund stellt. Aus diesem Grund wird der Mensch abhängig von irdischen Gütern. Nach der christlichen Vorstellung sind diese jedoch von Natur aus vergänglich und tragen nicht zum erstrebten Seelenheil bei.[4] In ihrer Argumentation beziehen sich die Anhänger der Armutsbewegung auf das Evangelium und führen, ausgehend von konkreten Fragen ihrer Zeit, theologische Debatten und Streitgespräche. „Die Theologie des 13. Jahrhunderts wurde nicht nur in den Domschulen, sondern auch auf den Straßen und in den Gassen betrieben.“[5] Es entwickelten sich im 13. Jahrhundert Bettelorden[6] die Besitzlosigkeit und Askese predigten.

3.2. Die Mystik

Der Begriff „Mystik leitet sich aus dem griechischen Wort „mysterion“ ab, was so viel bedeutet wie: „das Geheime“ oder „das Verborgene“. Für die Thematik der Mechthild von Magdeburg ist lediglich die christliche Mystik von Bedeutung. Aus diesem Grund werde ich mich bei meinen Ausführungen allein auf sie konzentrieren.

Aus christlicher Sicht versteht man unter der Mystik eine unmittelbare und positive Gotteserfahrung.[7] „Mystik ist eine auf Erfahrung gegründete Gottesterkenntnis.“ Gott wird in der Mystik also nicht nur geglaubt und theologisch philosophisch erschlossen, sondern seine Existenz wird durch persönliche religiöse Ereignisse erfahren. „Zu Gottesschau und Gotteseinigung reißt der jenseitige (transzendente) Gott die Menschenseele zu sich hinan oder steigt zu ihr herab.“ Die Vereinigung Gottes mit der Seele bezeichnet man als „Unio mystica“. Diese ist zugleich der Höhepunkt der Mystik Es bedarf jedoch einer Vielzahl von Voraussetzungen um diese „Unio“ zu erreichen. Mystik im weiteren Sinne ist demnach die „gesamte Frömmigkeitshandlung, die zu diesem Erleben hinführen will.“ Diese „Erlebnismystik“ ist ein seltener Einzelfall, der nur sehr wenigen zuteil wurde und heute auch noch wird. Mit dieser Gottesbegegnung geht ein unbeschreibliches Freudengefühl einher, dessen man sich nicht entziehen kann.[8] Dieser „numinose Augenblick“ wird oft in einer Intensiven Begegnung mit der Natur oder an einem Tiefpunkt des Lebens erlebt. Die betroffene Person erkennt, dass es etwas unfassbar Größeres gibt, das ihrem Leben einen neuen Sinn gibt. Die Rede ist dabei von Gott. Es findet also „eine Abkehr von der Welt der Dinge und eine Hinwendung zur Welt als Ort Gottes“ statt. Die Seele hat innerhalb der „Unio mystica“ die Möglichkeit die Welt für einen kleinen Augenblick aus göttlicher Perspektive wahrzunehmen. „Diese Schau wird der Seele zum Auftrag. Gestärkt durch die Berührung mit der schöpferischen Kraft des Göttlichen wird der Mensch zum Handeln berufen.“

Auch Mechthild hatte die Gabe mit Gott persönlichen Kontakt aufzunehmen und in einer „ganz persönlichen Liebesbeziehung mit Gott zu leben“. „Das Fließende Licht der Gottheit“ ist eine Dokumentation dieser Dialoge der Seele mit ihrem göttlichen Partner.[9]

3.3. Die Frauenmystik

Die Frauenmystik umfasst Texte, die für Frauen geschrieben oder von Frauen durch Diktat, seltener durch eigene Niederschrift vermittelt worden sind.[10] Sie entwickelte sich seit der zweiten Hälfte des zwölften Jahrhunderts, als Konsequenz der Armutsbewegung, in einigen Regionen Europas, als eine von Frauen getragene religiöse und soziale Strömung. Diese Regionen waren die wirtschaftlich, sozial und kulturelle fortschrittlichsten Europas, was im Reichtum der Städte begründet lag. Diese Frauenbewegung charakterisiert sich durch eine neue Lebensform, „eine intensive, aber nicht monastische Frömmigkeit und die Anhäufung mystischer Erlebnisse“. Diese Frauen entstammen zunächst meist aus den städtischen Schichten. An die Stelle der Familie traten für diese die Gemeinschaft anderer Frauen und die Beziehung zum „wahren Bräutigam“ im Himmel. Gemeinsam lebten sie nach den Idealen des Evangeliums. Sie verweigerten Reichtum und weltliche Güter, sämtliche negative Verhaltensweisen (z. B. Befehlen, Genießen), die mit dem Besitz weltlicher Güter einher gingen und auch das andere Geschlecht, als eine Folge der institutionellen Vereinigung durch die Ehe.[11] Sie waren jedoch nicht einem Kloster oder Orden angehörig und somit in ihren Entscheidungen frei. Dieser Fakt gab Mechthild später unter anderem die Möglichkeit das „Fließende Licht der Gottheit zu schreiben“.

„Mit der Frau erhält die mystische Spiritualität eine neue Dimension.“ Im Gegensatz zu den Männern werden die Frauen vom affektiven Element beherrscht. Mit ihm werden Visionen und Auditionen des göttlichen Herren und Geliebten der betroffenen Frauen zu teil.[12] Die Besonderheit dieser Visionen lag darin, dass sie direkt von Gott kamen und nicht durch eine kirchliche Zwischeninstanz beeinflusst waren, wie es beispielsweise im Kloster der Fall wäre. Es besaß somit nicht mehr die Kirche allein das Recht und die Möglichkeit Gottes Lehre zu verbreiten, sondern einfache, „ungelehrte“ Frauen. Auch war in den mystischen Schriften dieser Frauen häufig eine Kritik an die Kirche ihrer Zeit enthalten, was den Geistlichen ebenfalls „ein Dorn im Auge“ war.[13] Das Beginentum, dem sich auch Mechthild anschloss, zählt zu den mystischen Frauenbewegungen des Spätmittelalters.

[...]


[1] Vgl. H. Keul (2007), S. 56ff.

[2] Vgl. P. Dinzelbacher (1994), S. 159

[3] Vgl. Ebd.

[4] Vgl. H. Keul (2007), S. 75f.

[5] Vgl. H. Keul (2007), S. 63

[6] Die bekanntesten dieser Bettelorden waren die Dominikaner und Franziskaner, die Karmeliten und Augustiner. Die einzelnen Mönche, Klöster und Orden kennzeichneten sich durch Besitzlosigkeit und nutzen den Bettel als Erwerbsform. Eine andere Aufgabe war die Seelsorge und die Mission. – Vgl. M. Puhle (2005), S. 101

[7] Vgl K. Wieacker (2007), S. 18

[8] Vgl. P. Dinzelbacher (1994), S. 9ff.

[9] Vgl. K. Wieacker, http://www.mechthild-von-magdeburg.de/index2.php?id=mystik, (27.2. 2008)

[10] Vgl. K. Ruh (1993), S. 17

[11] Vgl. P. Dinzelbacher (1994), S. 194f.

[12] Vgl. K. Ruh (1993), S. 18

[13] Vgl. http://mechthild-von-magdeburg.de/archiv/uni-projekt/ (27.2.2009)

Details

Seiten
22
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640448227
ISBN (Buch)
9783640448395
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v136694
Institution / Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,7
Schlagworte
Mechthild von Magdeburg Leben Wirken Mittelalter Fließende Licht der Gottheit Frauenmystik

Autor

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