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Lernstrategien, Lerntypen und Lernstile

Hausarbeit 2008 19 Seiten

Psychologie - Entwicklungspsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Funktionsweise des Gedächtnis- das Dreispeichermodell

3 Lernstrategien
3.1 Kognitive Lernstrategien
3.1.1 Wiederholungsstrategien
3.1.2 Elaboratiionsstrategien
3.1.2.1 Die Schlüsselwortmethode
3.1.2.2 Die Loci-Methode
3.1.3 Organisationsstrategien
3.2 Metakognitive Lernstrategien
3.2.1 Affektive Strategien
3.2.2 Strategien zur Verständniskontrolle
3.3 Ressourcenorienterte Lernstrategien
3.3.1 Organisation von Lernstoff
3.3.2 Textbearbeitungsstrategien

4 Theorie des Erfahrungslernens nach Kolb
4.1 Theoretischer Hintergrund
4.2 Beschreibung der Lerntypen

5 Lernstile nach Honey und Mumford
5.1 Theoretischer Hintergrund
5.2 Beschreibung der Lernstile

6 Fazit

7 Literatur

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Lernstrategien und Lernstilen, mit einer Auswahl derer, die eine Relevanz für die Schulpraxis darstellen. Betrachtet man zunächst den Begriff des Lernens im Hinblick auf das schulische Lernen, so kann man in der unterschiedlichsten Literatur entnehmen, dass das Lernen auf speziellen Verhaltensveränderungen beruht, die sich entwickeln durch das Verstehen, die Erinnerung und die Anwendung von zu erlernenden Dingen. Unter dem Begriff „Lernstile“ werden in der Literatur verschiedene Persönlichkeitsmerkmale und individuelle Präferenzen des Lerners zusammengefasst wie beispielsweise schon vorhandene Vorkenntnisse, die Motivation des Lernenden sowie dessen grundsätzliche intellektuelle Fähigkeit. Dies sind Faktoren, weshalb Lernende unter gleichen Lernbedingungen oft unterschiedliche Erfolge erzielen.

Zunächst beginnt diese Arbeit mit der Erläuterung des Dreispeichermodells von Attkins und Shiffrin, indem die Kapazitäten des menschlichen Gedächtnisses aufgezeigt werden, um im Folgenden die Verarbeitung von Lernmaterial verständlich zu machen. Die Arbeit gliedert sich zunächst in kognitive, metakognitive und ressourcenorientierte Lernstrategien, im Anschluss erfolgt die Kategorisierung der Lernstile. Die kognitiven Strategien beschäftigen sich mit der lernzielförderliche Gestaltung von Informationsverarbeitungsprozessen: die Aufnahme, Speicherung und Reproduktion von Wissen. Zusätzlich werden Techniken vorgestellt, die dem Lernen mit Hilfe von Texten, dem Faktenlernen und der Strukturierung von Lernmaterial dienen. Im Kapitel metakognitive Lernstrategien geht es um den reflektierten Umgang mit Strategien und um die Entwicklung des Strategieerwerbs. Die ressourcenorientierten Lernstrategien zielen auf die Organisation des Zeit- und Anstrengungsmanagement.

Generell beschreiben Lernstile die unterschiedlichen Vorlieben der Lernenden für unterschiedliche Lern- und Lehrarten, welche vom Lerner selbst eingeschätzt und beschrieben werden. Aufgrund dessen können viele Kategorisierungen vorgenommen werden, die wohl bekanntesten Unterscheidungen, auf die am Ende der Arbeit eingegangen wird, sind die vier Lernstile nach Kolb (1981 und 1986), wonach Lernen aufgrund von Erfahrungen geschieht und ein ständig fortschreitender Phasenprozeß ist und die Lernstile nach Honey & Mumford (1992).

2 Funktionsweise des Gedächtnis - das Dreispeichermodell

Um die Funktionsweise des Gedächtnis anhand eines Modelles zu klären erstellten Attkins & Shiffrin 1968 das wohl gebräuchlichste Modell, das Dreispeichermodell, welches das Gedächtnis in einen sensorischer Speicher, einen Kurzzeitspeicher und einen Langzeitspeicher unterteilt.[1]

a) Der sensorische Speicher

wurde durch Sperling 1960 und dessen originellem Experiment erforscht. Es wurde bewiesen, dass sich im sensorischen Speicher Informationen befinden, die uns nicht bewusst sind und nur ein Teil der Informationen werden nach einer weiteren Verarbeitung bewusst.[2] Folglich wurde dem sensorischen Speicher zugrunde gelegt, dass dieser die Informationen der Sinne (Auge, Ohr usw.) speichert, die Speicherdauer sehr kurz und die gespeicherte Informationsmenge sehr hoch ist und dass die gespeicherten Informationen nicht alle bewusst werden, somit sind diese von der Aufmerksamkeit abhängig, präattentiv.[3]

Es gibt jedoch Techniken, die gezielt die Aufmerksamkeit steuren, wodurch die Quantität und Qualität der Informationsaufnahme und deren Speicherung deutlich verbessert werden kann.[4] Dies ist ein Prozess des

b) Kurzzeitspeichers.

Dort werden die durch die Sinne und den sensorischen Register aufgenommenen Informationen als Muster erkannt und eingeordnet dass heißt, die Elemente werden memoriert und abgerufen. Die Kurzzeitspeicherkapazität ist ebenfalls sehr gering, es können nur eine begrenzte Anzahl (7+/-2) von Elementen direkt nach deren Aufnahme auch reproduziert werden. Hierbei ist es irrelevant, wie groß der Umfang eines Elementes ist, demnach kann es sich bei einem Element um einen Buchstaben, eine Zahl oder ein Wort handeln. Bewiesen ist zum einen, dass sich die Anzahl der reproduzierbaren Elemente nicht vergrößert, wenn die aufzunehmenden Elemente kleiner werden und zum anderen, dass sich aber die Leistung des Reproduzierens von wahrgenommenen Elementen verbessern lässt, indem mehrere Elemente zu Speichereinheiten, sogenannte „chunk“ zusammengefasst werden.[5] Eine Steigerung der geringen Kapazität des Kurzzeitspeichers kann also durch die Bildung von Organisationseinheiten vergrößert werden, jedoch setzt dieser Vorgang ein gewisses Vorwissen voraus. Zum Beispiel lassen sich Buche, Birke und Eiche nur unter der Kategorie Laubbäume merken, wenn man bereits gelernt hat, was Laubbäume sind.[6]

c) Der Langzeitspeicher

bildet die dritte Komponente des Modells, der die aufgenommenen Elemente durch Kodierung speichert und durch Unterschiede in der Kodierung noch einmal in drei Ebenen unterteilt werden kann. 1) Der episodische Speicher, welcher durch persönliches Erfahren die aufzunehmendern Elemente speichert und reproduziert und diese zeitlich sowie räumlich lokalisiert. 2) Der semantische Speicher, welcher die Informationen seiner Bedeutung nach ordnet und klassifiziert zum Beispiel Freizeit und Universitäres Wissen und 3) der prozedurale Speicher, dessen gespeichertes Wissen sich auf die Ausführung von automatisierten Fertigkeiten (z.B. Autofahren, Zähneputzen) bezieht.[7] Die Speicherkapazität, über die der Langzeitspeicher verfügt ist enorm. Zum einen enthält er Informationen, die nicht vergessen werden können, wie Name, Geburtsort, Muttersprache und zum anderen verbirgt er Wissenselemente, die einen Abrufreiz benötigen um aktiviert und wieder zurück in den Arbeitsspeicher geführt zu werden. Je mehr Hinweise zur Bedeutung des gespeicherten Materials vorliegen, desto einfacher ist das Abrufen der begehrten Information.[8]

3 Lernstrategien

Zur Verbesserung des Lernerfolg und der Erinnerungsleistung können bestimmte Techniken und Strategien angewandt werden, die neue Informationen zu bereits vorhandenem Material zuordnen. Um einige dieser Strategien vorzustellen und zu erläutern dient das folgende Kapitel.

3.1 Kognitive Lernstrategien

Mit kognitiven Lernstrategien sind jene Aspekte gemeint, die mit der unmittelbaren Informationsaufnahme zusammenhängen wie zum Beispiel konkrete Arbeitstechniken, die man zum Einprägen von neuen Informationen anwendet. Dazu gehören Organisieren (Skizzen anfertigen, Schlüsselwörter markieren, Rausschreiben), Elaborieren (Ausdenken von konkreten Beispielen), kritisches Prüfen von Argumentationszusammenhängen, das Nachdenken über Alternativen zum gerade Erlernten, das Wiederholen durch mehrmaliges Lesen oder auch das Auswendiglernen von Schlüsselbegriffen. Im Folgenden werden verschiedene kognitive Lernstrategien vorgestellt und erläutert.

3.1.1 Wiederholungsstrategien

Diese Strategie ist die am häufigsten verwendete Methode und wird schon von Kindern zur Einprägung von Informationen verwendet. Dies wird durch ständiges Wiederholen der zu merkenden Information durchgeführt, beispielsweise in Form von lautem oder innerlichem Vorsagen. Zudem dient die Wiederholung als Selbstüberprüfung, ob alle Informationen behalten wurden und steigert die Dauer des Behaltens der Informationen im Kurzzeitspeicher um folglich in den Langzeitspeicher übernommen zu werden. Bewiesen ist, dass der häufige Gebrauch von Wiederholungsstrategien die Gedächtnisleistung verbessert. Schüler verwendet diese Strategie beispielsweise zum Auswendiglernen von Gedichten oder Jahreszahlen im Geschichtsunterrichts und sollten durch den Lehrer angeleitet werden, außerhalb der Schule eignet sich die Wiederholungsstrategie für das Einprägen von Materialien, die aus ihrem Kontext gehoben sind, wie Gegenstands- oder Wortlisten, Telefonnummern etc.[9]

3.1.2 Elaborationsstrategien

Mit dem Begriff der Elaborationsstrategien werden solche Lerntätigkeiten bezeichnet, die dazu geeignet sind, das neu aufgenommene Wissen in die bestehende Wissensstruktur zu integrieren. Zu den Elaborationsstrategien zählen beispielsweise die Bildung von Analogien zu bereits vorhandenen Wissensstrukturen, eine Verknüpfung des neu gelernten Materials mit Alltagsbeispielen, das Herstellen von Beziehungen zwischen neuem Wissen und den Inhalten verwandter Fächer, das Ausdenken von konkreten Beispielen zu praktischen Anwendungsmöglichkeiten. Ein Lernender kann sich deutlich besser an erworbenes Wissen erinnern, wenn dieser das Wissen mit einem persönlichen Begriffsystem verknüpft als wenn er alles auswendig lernen würde. Findet er außerdem zu einem Phänomen, wird die Behaltensleistung nachhaltig vergrößert. Zur Erinnerung an semantisch relativ unverbundene Inhalte eignet sich der Gebrauch von so genannten Mnemotechniken.[10] Zwei seien an dieser Stelle erwähnt:

3.1.2.1 Die Schlüsselwortmethode

Die Schlüsselwortmethode ist eine sehr effiziente Technik beim Erwerb von fremdsprachlichen Vokabeln. Es funktioniert über den Klang einer fremdsprachlichen Vokabel der einem Wort in der Muttersprache sehr ähnlich ist. Nach Artkinson und Raugh (1975) sollte das Wort der Muttersprache auch einen annähernd ähnlichen Inhalt besitzen, der fremdsprachlichen Vokabel sehr ähnlich klingen und kann nur unter diesen Bedingungen als Schlüsselwort dienen. Das Schlüsselwort wird also vom Lerner mit einer bildlichen Vorstellung mit der Übersetzung verknüpft. Betrachtet man das spanische Wort „mesa“ (Tisch) kann man es mit dem deutschen Wort „Messer“ in Verbindung bringen. Bildlich stellt man sich somit ein Messer vor, dass auf einem Tisch liegt. Nimmt man nur das Wort „mesa“ auf, erinnert man sich an das Messer, dass auf einem Tisch liegt und hat somit die Übersetzung.

Studien von Atkinson (1975) zeigten, dass mit vorgegebenen Schlüsselwörtern und selbst generierten bildhaften Vorstellungen bessere Ergebnisse erzielt wurden als mit selbst entwickelten Schlüsselwörtern und vorgegebenen Visualisierungen.[11]

3.1.2.2 Die Loci-Methode

Die Methode besteht darin, dass bestimmte Gedächtnisinhalte in Form von Vorstellungen mit unterschiedlichen Orten eines dem Lernenden sehr gut bekannten und systematisch absuchbaren Geländes assoziiert werden. Mit dem innerlichen

Passieren dieser Orte (Loci) nimmt man die dort hinterlegten Elemente auf und kann sie so leichter reproduzieren. Diese Methode unterstützt zwei Strategien: Erstens fördert sie die Organisation der Elemente und zweitens muss man das Material elaboriert verarbeiten, um eine Verknüpfung zwischen Ort und Item herzustellen.[12]

[...]


[1] Metzig, W. Schuster, M. Lernen zu Lernen. S. 10

[2] ebd. S. 12

[3] Metzig, W. Schuster, M. Lernen zu Lernen. S. 12-13

[4] ebd. S. 13-14

[5] ebd. S. 17-19

[6] ebd. S. 17-18

[7] Schermer, F.J. Lernen und Gedächtnis. S.128

[8] Metzig, W. Schuster, M. Lernen zu Lernen. S.22

[9] Wild, K.-P. & Klein-Allermann, E. Kognitive Lernstrategien

[10] Schnotz, W. Pädagogische Psychologie. Workbook S. 179

[11] Metzig, W. & Schuster, M. Lernen zu Lernen. S.92- 96

[12] Schnotz, W. Pädagogische Psychologie. Workbook S. 179

Details

Seiten
19
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640450978
ISBN (Buch)
9783640451067
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v136549
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1,3
Schlagworte
Entwichlungspsychologie; Lernstrategien; Lerntypen; Lernstile; Dreispeichermodell; ressourcenorientiert;

Autor

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Titel: Lernstrategien, Lerntypen und Lernstile