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Agression - Interindividuelle Unterschiede: Selbstwert und Selbstkontrolle

Hausarbeit 2008 32 Seiten

Psychologie - Sozialpsychologie

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Aggression – Ein Überblick
2.1 Definition
2.2 Messbarkeit von Aggression

3. Persönlichkeitsmerkmale

4. Die Rolle des Selbstwertes: Studie Baumeister/Bushman
4.1 Allgemeines
4.2 Narzissmus
4.3 Annahmen
4.4 Studie 1
a) Methode
b) Ergebnis
4.5 Studie 2
a) Methode
b) Ergebnis
4.6 Ergebnis

5. Die Rolle der Selbstkontrolle: Studie Baumeister/Boden
5.1 Allgemein
5.2 Experiment 1
5.3 Experiment 2
5.4 Experiment 3
5.5 Experiment 4
5.6 Experiment 5
5.7 Ergebnis

6. Fazit

7. Literatur

8. Anhang

1. Einleitung

„Computerspiele machen aggressiv“[1], „Alkohol macht aggressiv“[2], Stress macht aggressiv“[3] oder „ Hitze macht Autofahrer aggressiv“[4] sind überall zu findende Aussagen, die als Ursache für aggressives Verhalten äußere Umstände nennen. Eine ständige Präsenz in den Medien hat die Diskussion um die mögliche aggressive Wirkung von gewaltverherrlichenden Computerspielen und es ist weit verbreitet, dass sich stark alkoholisierte Menschen häufig sehr aggressiv Verhalten.

Doch nicht jeder Mensch verhält sich bei den gleichen situationsbedingten Einflüssen in gleichem Maße aggressiv.

Das Geschlecht sowie das Alter spielen eine wichtige Rolle in der Differenzierung zwischen Art und Grad der Aggression.

In dieser Arbeit wird der Fokus jedoch auf die Persönlichkeitsmerkmale gelegt, die einen Einfluss auf aggressive Handlungen haben können.

Nach einer kurzen Einführung über den Begriff der Aggression und insbesondere deren Messbarkeit als wichtigen Aspekt der Aggressionsforschung, werden einzelne Charakterzüge und deren Einfluss auf Aggressionen behandelt.

Der Hauptaugenmerk wird auf die Rolle des Selbstwertes und der Selbstkontrolle gelegt.

Der Bezug von Selbstwert zu Aggression ist insofern interessant, da die behandelte Studie von Baumeister und Bushman von 1998 einen Bestätigung der Annahme liefert, die im Gegensatz zu einer lange Zeit in der Aggressionsforschung als bestätigt angenommen Hypothese stand.

Zunächst werden der Selbstwert und die Sonderform des Narzissmus charakterisiert, um im Anschluss einen Überblick über den Verlauf und das Ergebnis der Untersuchung zu liefern.

Die Studie von Baumeister und Boden von 2005 zu der Beziehung zwischen Aggression und Selbstkontrolle ist weniger auf Grund des Befundes als ihrer Methodenvielfalt interessant.

In der Beschreibung von fünf Experimenten wird deutlich, inwiefern eine Veränderung der Methoden zur Aggressionsmessung oder die Variation verschiedener Variablen wie Frustrationsgrad oder Beanspruchungsgrad der Selbstkontrolle im Vorfeld zu einem umfassenden und sehr genauen Gesamteindruck über den Zusammenhang zwischen Selbstkontrolle und Aggression führen.

2. Aggression – Ein Überblick

2.1 Definition

Nach Baron und Richardson (Baron, R.A., Richardsaon, D.R., 1994, S.7 bei: Otten, S., Mummendey, S., 2002, S. 199) ist Aggression oder aggressives Verhalten die beabsichtigte Schädigung anderer Personen auf psychischer oder physischer Art, wobei dies von der geschädigten Person nicht gewollt sein darf.

Diese Definition ist sehr grob gefasst und lässt daher noch Spielraum für weitere Definitionen der verschiedenen Arten von Aggression.

Die Handlung kann verbal oder physisch sein und besteht entweder aus einer aktiven Handlung oder beabsichtigt unterlassener Handlung. Sie kann direkt oder indirekt sein, sich offen oder nur verdeckt zeigen. Die Schädigung kann wie bereits erwähnt psychischer oder physischer Natur sein und entweder von kurzer oder langer Dauer sein. Des Weiteren muss differenziert werden, ob die Aggression von einem Individuum oder einer Gruppe stammt. Die Veranlassung für das aggressive Handeln kann entweder unprovoziert oder vergeltend sein und nach Berkowitz (1993) kann das beabsichtigte Ziel entweder feindseliger oder instrumenteller Art sein (vgl. Krahe´,B., 2001, S. 11). Feindselige Handlungen entstehen aus Emotionen wie Wut oder Ärger und haben das Ziel dem Gegenüber Schmerz zuzufügen. Bei der instrumentellen Aggression hingegen dient der Schmerz lediglich als Mittel zum Zweck um ein anderes Ziel zu erreichen. (vgl. Aronson et al., 2004, S. 440)

2.2 Messbarkeit von Aggression

Die Betrachtung und Untersuchung der Aggression als eine Form sozialen Verhaltens erfordert Strategien und Methoden zur Messung. Man unterscheidet zwischen zwei unterschiedlichen Ansätzen; der Befragung und der Beobachtung.

Beobachtungen können im natürlichen Kontext, in Feld- sowie Laborexperimenten durchgeführt werde (vgl. Krahe´, B., 2001, S.13f). Obwohl die Validität der Labormethode nicht unumstritten ist, berufen sich die Studien von Baumeister/Bushman und Baumeister/Boden auf diese Art der Aggressionsmessung. In der Forschung werden Laborexperimente zur Aggressionsforschung durch verschiedene Argumente verteidigt.

Zum einen gilt für die Konstruktvalidität, dass es Zusammenhänge zwischen verschiedenen Indikatoren für Aggression wie Dauer, Intensität und Anzahl von Schocks oder verbalisierten aggressiven Ausdrücken gibt.

Ebenfalls gilt, dass die relative Intensität einer gezeigten aggressiven Handlung sich unter den gleichen Bedingungen nicht von der Intensität einer anderen aggressiven Handlung unterscheidet. Diese beiden Argumente stützen die hohe Konstruktvalidiät der Labormessungen von aggressiven Handlungen.

Kritiker befürchten, dass eine Generalisierung von Aggressivität in der realen Umwelt nicht funktioniert und somit die externe Validität von Laborexperimenten in Bezug auf Aggression nicht gegeben ist. Anderson und Baumeister widerlegten dies jedoch, indem sie in einer 53 Studien umfassenden Meta-Analyse den Zusammenhang zwischen Labor- und natürlicher Aggression im Alltag herstellten. (vgl. Idem, S. 19f)

Laborexperimente sind besonders beliebt, da man anders als bei anderen Beobachtungsmöglichkeiten jede Variable kontrollieren kann. In der Forschung haben sich folgende sechs Verfahren etabliert.

(1) Lehrer-Lerner Paradigma

Diese Methode ist an das Experiment von Milgram zum Gehorsam angelehnt. Der Versuchsteilnehmer befindet sich in einem angeblichen Experiment zur Lerntheorie und wird mit der Aufgabe betraut einem fiktiven Partner eine Aufgabe zu stellen und ihn bei Versagen gegebenenfalls durch Stromstöße zu bestrafen. Die Dauer und Intensität der Stromstöße ist durch den Versuchsteilnehmer selbst regulierbar und spiegelt den Grad der Aggression wieder. Es gibt auch Varianten dieser Methode, in denen die elektrischen Schocks durch unangenehme Geräusche oder Hitze ersetzt wurden.

(2) Aufsatz-Bewertung Paradigma

Diese Methode eignet sich besonders um Aggression als Folge von Provokation oder Frustration zu messen. Den Probanden wird die Aufgabe gestellt einen Aufsatz zu einem bestimmten Thema zu verfassen, der im Anschluss angeblich von einem anderen Versuchsteilnehmer korrigiert werden soll. Die Bewertung seiner Arbeit erfährt er durch die Verabreichung von elektrischen Schocks von seinem Bewerter, wobei ein Schock für eine positive Bewertung und sieben Schocks für eine schlechte Bewertung steht.

Im eigentlichen Hauptteil der Messung findet ein Rollenwechsel statt und der Proband muss elektrische Schocks als Bewertungsmaß verabreichen. Eine hohe Anzahl von Schocks steht hier für ein hohes Maß an Aggressivität.

(3) Kompetitives Reaktions-Zeit Paradigma

Auch bei dieser Methode werden elektrische Schocks als Indikator aggressiven Handels verwendet. Die Versuchsteilnehmer wurden wieder mit einem fiktiven Partner konfrontiert, gegen den sie ein Reaktionsspiel antreten sollten. Der Gewinner jeder Runde durfte den Verlierer mit Stromstößen bestrafen. Das Experiment wurde insofern manipuliert, dass der Proband immer den ersten Stromstoß geben durfte und somit die Intensität den Grad einer unprovozierten Aggression darstellte.

(4) Bobo-Doll Paradigma

Anders als bei den bisherigen Methoden beschränkt man sich hier nicht auf eine einzige aggressive Handlung, sondern beobachtet das komplette aggressive Verhalten gegenüber einer lebensgossen Puppe. In der klassischen Version dieses Experiments von Bandura, Ross und Ross wird den Kindern zunächst demonstriert, inwiefern man mit der Puppe aggressiv umgehen kann. Im Anschluss daran wird das aggressive Verhalten der Kinder gegenüber der Puppe beobachtet.

(5) Verbale Aggression

Im Gegensatz zu den vorherigen Paradigmen wird bei dieser Methode auf eine physische Form der Aggression verzichtet und sich auf die verbale Form beschränkt. Zu Beginn werden die aggressiven Impulse der Probanden stimuliert um im Anschluss entweder jeglichen verbalen Äußerungen oder schriftliche Beurteilungen der Probanden über ihren Provokateur auf ihren aggressiven Inhalt hin zu analysieren.

(6) Hot-Sauce Paradigma

Dies ist eine neuere Methode, bei der die Probanden einem angeblichen Gegenüber eine Menge an scharfer Soße verabreichen müssen, obwohl ihnen die Abneigung gegenüber Scharfem bekannt ist. Die Masse der Soße wird als Grad der Aggressivität gewertet. (vgl. Idem, S. 16ff)

3. Persönlichkeitsmerkmale

Die Aggressionsforschung beschäftigte sich lange mit der Bedeutung situationsbedingter Einflüsse auf aggressives Verhalten wie z.B. Schmerz, Unwohlsein oder Hitze. Der Differenzierung zwischen dem unterschiedlichen Auftreten aggressiven Verhaltens bei verschiedenen Personen wurde wenig Beachtung geschenkt. Daher ist der Umfang der wissenschaftlichen Untersuchungen zwischen Persönlichkeit und Aggression relativ gering.

Seit Mitte der Neunziger Jahre betrachtet man verschiedene Persönlichkeitskonstrukte, die eine Erklärung für interindividuelle Unterschiede in aggressivem Verhalten liefern könnten. (Idem, S. 54f)

Reizbarkeit

Mit Reizbarkeit ist die Tendenz gemeint „impulsiv, kontrovers oder grob auf die kleinste Provokation oder Meinungsverschiedenheit zu reagieren“ (nach Caprara, Perugini & Barbaranellini, 1994, S. 125 bei: Krahe´, B. 2001, S. 55). Carprara stellte die Vermutung auf, dass leicht reizbare Personen zu einem stärkeren aggressiven Verhalten neigen als weniger reizbare Personen. An Hand einer von ihm entwickelten Skala zur Einschätzung der eigenen Reizbarkeit wurde die persönliche Reizbarkeit der Versuchsteilnehmer festgestellt. Es zeigt sich, dass leichter reizbare Personen zu einem erhöht aggressiven Verhalten neigten, welches durch vorherige Frustration oder aggressiven Hinweisreizen noch verstärkt wurde.

Rumination

Ein weiteres Konstrukt das aggressives Verhalten beeinträchtigt ist die Eigenschaft „über etwas schnell hinweg zu sein“. Personen die Provokationen schnell vergessen und nicht weiter über das negative Erlebnis nachdenken, zeigen im Anschluss weniger aggressives Verhalten, als die Personen, die durch die Provokation alarmiert bleiben und eine vergeltende Reaktion planen.

Tendenz der feindseligen Attribution

Die Welt durch eine „blutrot-gefärbte Brille“ (Dill et al., 1997, S.245 bei Krahe´, B. , 2001, S. 56) zu sehen meint die Eigenschaft beliebiges Verhalten anderer als feindselig zu interpretieren. Meist überträgt sich dies auf die generelle Wahrnehmung der sozialen Umwelt und jeder Kontakt mit anderen wird zunächst als Angriff auf die eigene Person verstanden, der durch aggressives Handeln erwidert wird.

Perspektivenübernahme

Neben der feindseligen Attribution gibt es noch einen zweites Persönlichkeitsmerkmal, dass auf der kognitiven Verarbeitung sozialer Einflüsse beruht.

Die Fähigkeit die Perspektive wechseln zu können und sich so von seiner egozentrischen Sichtweise zu lösen und sich stattdessen in die andere Person hineinzuversetzen kann aggressives Verhalten unterdrücken.

[...]


[1] http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/nano/astuecke/13978/index.html am 02.12.2008

[2] http://www.polizei-nrw.de/presseportal/Behoerden/alle-behoerden/article/meldung-080205-170239-59-381.html am 02.12.2008

[3] http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/245426.html am 02.12.2008

[4] http://www.welt.de/vermischtes/article232043/Hitze_macht_Autofahrer_aggressiv.html am 02.12.2008

Details

Seiten
32
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640441525
ISBN (Buch)
9783640441686
Dateigröße
611 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v136425
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,3
Schlagworte
Agression Interindividuelle Unterschiede Selbstwert Selbstkontrolle

Autor

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Titel: Agression - Interindividuelle Unterschiede: Selbstwert und Selbstkontrolle