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Satanismus als Ersatzreligion?

Hausarbeit 2008 12 Seiten

Theologie - Praktische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Kirche vs. neuartige „Glaubensformen“

2. Okkultismus
2.1. Definition und Ausprägungsformen
2.2. Gefahren des Okkultismus

3. Satanismus – die düstere Seite des Okkulten
3.1. Wurzeln des Satanismus im Christentum
3.2. Historische Entwicklung des Satansglaubens
3.2.1 Frühe Ausprägungen des Satanskultes
3.2.2. Der Neosatanismus
3.3. Charakteristika des satanischen Glaubens
3.4. Bekannte Satansorden

4. Exkurs: Abgrenzung des Satanismus von der Jugendkultur der Gothics

5. Satanismus und Okkultismus-Ausdrucksformen moderner Sehnsucht nach Spiritualität?

6. Bibliografie

1. Kirche vs. neuartige „Glaubensformen“

Abnehmende Gottesdienstbesuche, vermehrte Kirchenaustritte, Desinteresse der Jugendlichen an der Institution Kirche – all dies zeugt von der „Kirchenverdrossenheit“, die unserer modernen Gesellschaft innewohnt. Statt Antworten auf drängende Lebensfragen innerhalb des christlichen Glaubens zu suchen, wenden sich jüngere Generationen verstärkt ganz anderen „Glaubensformen“ zu, seien es nun Sekten, die dem christlichen Glauben mehr oder weniger nahe stehen, wie z.B. Scientology oder Die Zeugen Jehovas, oder andere spirituelle Ausdrucksformen, wie sie zum Beispiel die buddhistische Religion anbietet.

Als besonders vielschichtiger Betrachtungsbereich offenbart sich das meiner Meinung nach als „para-religiös“ zu bezeichnende Segment von Okkultismus und Satanismus, welches ich im Folgenden erschließen möchte. Nach einigen einführenden Worten über den Begriff des Okkultismus und über okkulte Praktiken werde ich hierbei meinen Schwerpunkt auf die Charakteristika satanistischer Strömungen legen, um schließlich eine Abgrenzung derselben von der Jugendkultur der Gothics vorzunehmen.

2. Okkultismus

2.1. Definition und Ausprägungsformen

Doch widmen wir uns zunächst dem Begriff Okkultismus. Hierbei ist es zunächst vonnöten die Etymologie dieses Wortes genauer zu betrachten. Okkultismus lässt sich nämlich auf das lateinische Adjektiv occultus, was zu deutsch „verborgen, geheim“ bedeutet zurückführen. Demzufolge bezeichnet dieser Terminus „[...] die Lehre von den verborgenen Dingen, Methoden und Begebenheiten“ (Haack 1989: 9). Es handelt sich hierbei um Phänomene, die außerhalb der konkret erfahrbaren Realität angesiedelt sind. Diese werden durch menschliche Handlungen, welche mit den herkömmlichen wissenschaftlichen Methoden nur schwerlich zu erklären sind, hervorgerufen bzw. beeinflusst. Hierin besteht auch der essentielle Unterschied zu religiösen Elementarien, die ja keinerlei menschlicher Manipulation unterliegen (vgl. Haack 1989: 9).

Welche Praktiken sind nun im Einzelnen dem Okkulten zuzurechnen? Zunächst einmal kann selbst so eine scheinbar harmlose Aktivität wie das wöchentliche Horoskoplesen als okkulte Praxis interpretiert werden. Diese astrologischen Methoden, auf die 30-60 % der Bevölkerung mehr oder weniger vertrauen, basieren auf der Prämisse, dass die „[...] psychische Struktur eines Menschen“ (Dahlke 1990: 169) in direkten Bezug zur Anordnung der Himmelskörper steht. Das Hellsehen, Handlesen sowie diverse andere Orakeltechniken können ebenso zur Vorhersage zukünftiger Ereignisse herangezogen werden. Das Legen von Tarotkarten, die Konsultation des alten chinesischen Weisheitsbuchs I- Ging sowie das Werfen bestimmter Steine, auf denen alte Schriftzeichen germanischer Stämme abgebildet sind (Runen), dienen gleichfalls der Schicksalsbefragung. Der Spiritismus dagegen ermöglicht eine Kontaktaufnahme mit „[...] dem Geist der verstorbenen Lieben, [...] mit jenseitigen Wesen und Mächten, mit Geistern, Engeln, Dämonen, Satan oder Luzifer“ (Cammans 1990: 84). Gläserrücken und Pendeln über einem Kreis aus Buchstaben sind nur zwei Beispiele für Praktiken, die den Spiritisten angeblich befähigen sollen, mit der jenseitigen Welt zu kommunizieren.

2.2. Gefahren des Okkultismus

Worin besteht nun die Problematik des okkulten Weltverständnisses? Zum Einen liegt natürlich eine ausgeprägte Suchtgefahr vor, da man sowohl von spiritistischen Praktiken als auch von Orakelmethoden leicht abhängig werden kann. Letztere bieten schließlich eine jederzeit konsultierbare Entscheidungshilfe an, die zukünftige Ereignisse der Verantwortung des unselbständigen Subjekts entzieht. Falls es sich hierbei um hellseherische Praktiken handelt, die mittels eines menschlichen Mediums vollzogen werden, verschafft der Orakelpriester sich darüber hinaus „[...] oft eine gehörige Portion Machtanspruch [...]“ (Dahlke 1990: 163). Der Orakelkonsument setzt sich also freiwillig der Willkür einer angeblich „[...] allwissende[n] Instanz [...]“ (Dahlke 1990: 163.) aus. Resümierend lässt sich also feststellen, dass Orakeltechniken in unserer heutigen Gesellschaft vorrangig dem Zwecke der Realitätsflucht, die mit dem Abgeben existentieller Verantwortlichkeiten korreliert, dienen (vgl. Dahlke 1990: 163.).

Des Weiteren ist es eine wissenschaftlich anerkannte Tatsache, dass sämtliche Prophezeiungstechniken in Menschen tiefgreifende Ängste erzeugen können, „[...] die in sogenannten selffullfilling prophecies (selbsterfüllende Prophezeiungen) gipfeln“ (Dahlke 1990: 176). So kann es beispielsweise vorkommen, dass eine schlechte Orakelvorhersage bezüglich der Gesundheit des betreffenden Individuums tatsächlich psychosomatische Beschwerden hervorruft. Ziehen wir auch im umgekehrten Fall dieses Beispiel heran, manifestiert sich eine weitere Gefahrendimension des Hellsehens. Wenn eine dem Okkultismus aufgeschlossene Person eine optimale Gesundheitsprognose allein durch Prophezeiungen eines Orakelpriesters erhält, liegt schließlich eine höhere Wahrscheinlichkeit vor, dass jener Mensch beispielsweise notwendige Vorsorgeuntersuchungen unterlässt.

3. Satanismus – die düstere Seite des Okkulten

3.1. Wurzeln des Satanismus im Christentum

Satanismus bezeichnet im Wesentlichen ein Teilgebiet des Okkultismus, und zwar sein wohl düsterstes. Über den genauen Entstehungskontext dieser okkulten Strömung lassen sich kaum zuverlässige Angaben machen, jedoch ist naheliegend, dass „[...] erst mit der Verehrung nur eines Gottes der Gedanke entstand, daß es auch eine andere Macht geben müsse [...]“ (Internetquelle 1), die das Böse und damit das Widergöttliche inkarniert.

Wie beschreibt die Bibel nun diese Macht, die als Satan, Beelzebub oder auch Luzifer bezeichnet wird? Im Hebräischen hat das Wort „Satan“ die Bedeutung von „Widersacher“ (vgl. Internetquelle 2) und derart tritt auch der im Alten Testament dargestellte Satan auf. Der ehemals von Gott favorisierte Engel Luzifer lehnt sich nämlich gegen den ihm übergeordneten Gott auf und wird deswegen vom Erzengel Michael hinab in die Finsternis gestoßen (vgl. Abb. 1). Daher will er den Menschen fortan Böses und agiert somit als Gegenspieler Gottes, was sich zum Beispiel darin ausdrückt, dass er Eva in Gestalt einer Schlange in Versuchung führt (Gen 3).

[...]

Details

Seiten
12
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640445714
ISBN (Buch)
9783640445417
Dateigröße
389 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v136343
Institution / Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt – Theologische Fakultät
Note
1,3
Schlagworte
Satanismus Ersatzreligion

Autor

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Titel: Satanismus als Ersatzreligion?