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Die Antichristlehre Martin Luthers

Hausarbeit 2008 22 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Prinzipien der Erkenntnis Luthers
2.1 Die Bedeutung des Wortes
2.2 Die Auslegung der Heiligen Schrift
2.3 Das Geschichtsbild Luthers

3. Die Antichristlehre Luthers
3.1 Zeichen der Endzeit
3.2 Die Antichristlehre Luthers
3.3 Instrumentalisierung apokalyptischer Aussagen?

4. Fazit

5. Bibliographie

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit möchte ich mich mit der Antichristlehre des Theologen Martin Luthers beschäftigen. Doch es soll keine bloße Darstellung dieser von ihm über die Jahre seines Schaffens entworfenen Konzeption entworfen werden. Ich möchte vielmehr wesentliche Fragestellungen in das Zentrum der Arbeit rücken, die in Verbindung mit der Beschäftigung mit diesem Thema notwendigerweise gestellt werden müssen.

So behandelt der erste Teil die Frage, wie Luther überhaupt auf seine Theologie vom Antichristen kam. Wenn man diese Frage beantworten möchte, muss man sich mit den Prinzipien auseinandersetzen, die der Erkenntnisgewinnung des Martin Luther zugrunde liegen. Bedeutsam sind hier drei Punkte, welche die Entwicklung seiner Lehren bestimmen, nämlich zunächst die Bedeutung des Wortes für Luther, welche das Wechselspiel zwischen dem Glauben und dem Wort enthält und so die Art der Wirksamkeit des Wortes beschreibt.

Ferner ist die Art und Weise seiner Schriftauslegung grundlegend wichtig für das Verständnis seiner Lehren, weshalb ich diesem Punkt ein Kapitel widmen möchte. Schließlich spielt in diesem Zusammenhang auch das Geschichtsbild Luthers eine große Rolle, welches deshalb in Verbindung mit den beiden ersten Punkten dargestellt werden soll.

Im zweiten Teil der Arbeit möchte ich dann auf die Antichristlehre Luthers eingehen. Die Offenbarung des Antichristen markiert ein eminent wichtiges Zeichen der Endzeit, wobei im Zeitalter der Reformation eine wahre Inflation an Zeichen der Endzeit herrschte. Aus diesem Grund scheint es mir wichtig, zunächst auf dieses Phänomen einzugehen und die Antichristlehre hier entsprechend einzuordnen. Der folgende Teil ist dann der Darstellung der Antichristkonzeption Luthers gewidmet, wobei sich immer wieder der rote Faden in seiner Theologie zeigt. Doch es soll nicht bei einer reinen Darstellung der Lehre bleiben. Diese wird ja erst so bedeutsam, da Luther das Papsttum mit dem Antichristen gleichsetzt bzw. das Papsttum mit dem Antichristen identifiziert.

Die Frage drängt sich auf, warum Luther in dem Papst den Antichrist zu erkennen meinte und woher er die unerschütterliche Gewissheit nahm, dass seine Erkenntnisse der Wahrheit entsprachen. Hier findet sich auch immer wieder eine Bezugnahme auf den ersten Teil dieser Arbeit, welche seine Existenz zu rechtfertigen vermag.

Abschließend möchte ich mich noch mit der Frage beschäftigen, ob Luther eine Instrumentalisierung seiner apokalyptischen Lehren für die Rechtfertigung politischen Widerstandes gegen die kaiserliche Gewalt zuließ oder gar beabsichtigte. Betrachtet man seine Haltung in Verbindung mit dem Schmalkaldischen Bund bzw. dem Schmalkaldischen Krieg, so lassen sich einige interessante Thesen bezüglich dieser Frage aufstellen.

Wichtig für das Verständnis Luthers und seiner apokalyptischen Lehren ist das Betrachten des Gegenstandes aus der richtigen Perspektive, d.h. nicht aus unserer heutigen Sicht. Das 16. Jahrhundert war ein apokalyptisches Zeitalter, in dem die Menschen beständig auf das Ende der Welt warteten und ihr Alltag dementsprechend von diesen Dingen bestimmt wurde[1]. Auf diesem Hintergrund sind die Vorgänge der Zeit zu betrachten und nur so kann die Entwicklung der Lehren Luthers und ihre Popularität richtig erfasst werden.

Aufgrund des begrenzten Rahmens dieser Arbeit kann die Antichristlehre Luthers nicht in ihrer Gesamtheit analysiert werden. Daher beschränke ich mich auf die Darstellung der wichtigsten Inhalte und kann auch nicht immer alle bedeutenden Bibelstellen, die Luthers Lehren zugrunde liegen, vollständig behandeln und erläutern.

Dennoch sollte deutlich werden, wie Luther auf seine Antichristlehre kam und weshalb er diese nicht widerrufen konnte.

2. Die Prinzipien der Erkenntnis Luthers

Die Frage, wie Luther auf seine Antichristlehre kam, ist hochinteressant. Ferner stellen sich bei der Beschäftigung mit diesem Thema natürlich auch weitere Fragen, etwa warum er den Papst als den Antichristen identifizierte, der doch der Stellvertreter Gottes auf Erden war. Oder warum er die heilige Kirche mit der in der Johannes-Apokalypse genannten Hure Babylons gleichsetzte. Luther dürfte es bewusst gewesen sein, dass solche Aussagen eine unglaubliche Provokation darstellten und eine immense Sprengkraft in sich bargen. Und doch verbreitete er diese Aussagen mit seiner über die Jahre exponentiell steigenden Überzeugung ihrer Richtigkeit und ihrer notwendigen Verbreitung.

Bedenkt man also das Ausmaß dieser Lehren Luthers, muss die Frage gestellt werden, wie Luther zu dieser festen Überzeugung kam. Aus welchen Informationen erwuchsen seine Erkenntnisse und warum war er sich seiner Sache so sicher?

Um diese Fragen zu klären, soll zunächst die Bedeutung des Wortes bei Luther erörtert werden, ferner seine Art der Auslegung der Heiligen Schrift und schließlich auch sein Geschichtsbild, da diese Punkte die Säulen für Luthers Aussagen gegen den Papst und die Kirche sowie für seine Eschatologie bilden.

2.1 Die Bedeutung des Wortes

Das Wort oder die Heilige Schrift hat für Luther eine zentrale Bedeutung. Seiner Ansicht nach kann die eschatologische Bestimmung des Menschen und der Welt als ganzer nur aufgrund des Wortes Gottes erkannt werden[2]. Zudem ist das Wort die Weise, wie den Menschen Unsichtbares und noch Zukünftiges gegenwärtig sein kann[3]. Damit spielt Luther auf zwei Dinge an, einerseits die Heilstat Christi, den zentralen Gegenstand der Heiligen Schrift und auf das ewige Leben.

Die Heilstat Christi besteht darin, dass dieser auf die Erde kam und ohne selbst Sünder zu sein die Anfechtung des sündigen Menschen bis zum Äußersten durchlitten hat. Durch seinen Tod am Kreuz hat er stellvertretend das Gericht, welches der Mensch aufgrund seiner sündigen Natur verdient hat, auf sich genommen und durch seine Auferstehung Sünde, Tod und Hölle überwunden und besiegt und den Menschen den Weg zum ewigen Leben eröffnet[4]. So hat also der Tod seine Macht durch die Heilstat Christi verloren[5]. Diese bedeutende Tatsache sei aber für den Menschen noch verborgen. Hier stellt Luther nun die Bedeutung des Wortes in diesem Kontext heraus. Denn diese besondere Wahrheit könne dem Menschen, da er noch immer Sünder und dem Tod unterworfen sei, nur im Wort des Evangeliums verkündet werden. Im Wort ist Christi Blut, Tod und Auferstehung, durch die er dem Menschen den Himmel eröffnet hat, wirklich und wirksam gegenwärtig[6], ja Gott ist sogar selbst in der Schrift anwesend[7], wodurch das Wort selbst ein Zeichen des Göttlichen wurde. Durch diese dem Wort eigene Vollmacht kann es den Menschen, die es im Glauben annehmen, auch Aufschluss über die zukünftigen Dinge geben, nämlich das ewige Leben und das Ende der Welt. Hierbei geht es Luther nicht nur um ein Festhalten oder Wiederholen der biblischen Aussagen, sondern um ihr Verstehen in der gemeinten Wirklichkeit. Um dies zu verdeutlichen, möchte ich den Prozess des Wirkens des Wortes nach Luther darstellen. Durch die Zusage Gottes an den Menschen, ihm ewiges Heil zuzusprechen, wird diesem bewusst, dass er in seinem momentanen Zustand verloren ist. In diesem Moment erfährt er schon das göttliche Gericht in seiner gegenwärtigen Wirklichkeit, wenn auch nicht in dem Ausmaß, welches es in der Zukunft haben wird[8]. Umgekehrt ist nach Luther aber auch das Vertrauen in Gottes Zusagen wirkliche Erfahrung des göttlichen Heils. Von diesen Erfahrungen aus bestimmt Luther dann auch den Sinn seiner eschatologischen Lehren[9].

Demnach wird das Wort durch den Glauben lebendig und wirksam, weshalb der Glaube und das Wort Gottes aufs engste miteinander verknüpft sind. Wie wichtig der Glauben für die Autorität des Wortes bei Luther ist, erkennt man bei der näheren Betrachtung dieses Gegenstandes. Nach Luther bedeutet Glauben, Gott in seinem Wort als wahrhaftig zu nehmen und ihn damit in seiner Gottheit anzuerkennen und zu ehren, denn Glauben sei das unbedingte Vertrauen zu Gott in seinem Wort[10]. Folglich handelt es sich bei Luther, wenn er von dem Glauben an sich spricht, nicht nur um eine anthropozentrische Sichtweise, also das Heil des Menschen betreffend, sondern auch um eine theozentrische Sichtweise, welche die Ehre Gottes in den Mittelpunkt rückt. Nur mit dem Glauben, dem unbedingten Vertrauen, würde Gott wahrhaft als Gott behandelt[11]

Es besteht also eine Wechselwirkung zwischen dem Glauben und dem Wort Gottes. Einerseits wird der Glaube durch das Wort oder das Evangelium bewirkt, denn er kann unmöglich von dem sündigen Menschen bewirkt werden, andererseits kann das Wort nur verstanden werden, wenn der Wille beim Menschen zum Glauben, also ein Stück Glauben selbst, vorhanden ist.

Folgerichtig lässt sich hier wiederum daraus schließen, dass keine andere Autorität den Glauben begründen kann, als allein das Wort Gottes[12], wenn ein Mensch das Heil erlangen und Gott als allein wahrhaften Gott ehren will.

Wenn man sich diese Ansichten Luthers vergegenwärtigt, die er allesamt aus dem Wort Gottes ableitet, ist es nicht verwunderlich, dass er sein „sola scriptura“-Prinzip aufstellte. Dies ist so bedeutsam, da somit alle Aussagen Luthers über den Papst, seine Antichristlehre und die Lehre von den letzten Dingen auf seiner Auslegung der Bibel fußten und er diese auch vehement vertreten musste, wollte er als guter Christ seinen Gott ehren. Andererseits musste er jede Auslegung, die sich nicht einzig und allein auf das überlieferte Wort Gottes stützte, verdammen[13].

[...]


[1] Kaufmann, T.: Konfession und Kultur. Lutherischer Protestantismus in der zweiten Hälfte des Reformationsjahrhunderts, Tübingen 2006, S. 33.

[2] WA 36, 622, 12-15. Vgl. auch Kunz, E.: Protestantische Eschatologie – Von der Reformation bis zur Aufklärung, Freiburg 1980, S. 5.

[3] WA 4, 272, 16-18.

[4] Kunz, E.: Protestantische Eschatologie, S. 9f.

[5] WA 19, 141, 13-16.

[6] Kunz, E.: Protestantische Eschatologie, S. 10.

[7] Rublack, U.: Die Reformation in Europa, Frankfurt am Main 2003, S. 219.

[8] WA 22, 101, 4; WA 19, 225, 29.

[9] Kunz, E.: Protestantische Eschatologie, S. 16.

[10] Althaus, P.: Die Theologie Martin Luthers, Gütersloh 1962, S. 49.

[11] Ebd. S. 49.

[12] Althaus, P.: Theologie Luthers, S. 51.

[13] Schönstädt, H.-J.: Antichrist, Weltheilsgeschehen und Gottes Werkzeug – Römische Kirche, Reformation und Luther im Spiegel des Reformationsjubiläums 1617, Wiesbaden 1978, S. 86f.

Details

Seiten
22
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640440542
ISBN (Buch)
9783640440740
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v136159
Institution / Hochschule
Universität Konstanz
Note
1,7
Schlagworte
Luther Martin Antichrist Papst Bibel Evangelium Eschatologie Chiliasmus Apokalyptik Ketzer Glauben Auslegung Wort Gottes Theologie Protestantismus Religiösität Wittenberg Katholisch

Autor

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Titel: Die Antichristlehre Martin Luthers