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Reflexive Oberflächen. Drei Funktionsdomänen im Spanischen

Hausarbeit 2005 13 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Reflexive Oberflächen- drei Funktionsdomänen von spanisch se
2.1 Echte Reflexivität
2.1.1 Echte Reflexivität beim direkten Objekt
2.1.2 Echte Reflexivität bei indirekten Objekten
2.2 Grammatische Pseudoreflexivität
2.2.1 Das mediale se
2.2.2 Das passivische se
2.2.3 Das unpersönliche se
2.3 Lexikalische Pseudoreflexivität

3. Grammatiken der frühen Neuzeit
3.1 Ad Pronomina
3.2 Ad Genus Verbi

4. Bedeutungs- und Funktionsveränderungen aufgrund der Verwendung des ethischen se aufgezeigt am Beispiel der Verben morirse, estarse und comerse
4.1 Beschreibung des verwendeten Korpus
4.2 Indizien für ein produktives Verfahren im Zusammenhang mit dem Dativus ethi- cus
4.3 morirse
4.4 estarse
4.5 comerse

5. Resümee

1. Einleitung

Meine Hausarbeit soll das Ziel haben, reflexive Oberflächen im Spanischen näher zu untersuchen. Hierbei soll zum einen Augenmerk auf die verschiedenen Funktions-domänen gelegt werden, zum anderen soll der Funktions- und Bedeutungsunterschied bei reflexivem und nichtreflexivem Gebrauch ein und desselben Verbs herausgestellt werden.

Dabei gehe ich wie folgt vor. Zunächst stelle ich die drei Funktionsdomänen: echte Reflexivität, grammatische Pseudoreflexivität und lexikalische Pseudoreflexivität vor und stelle dar, wie es sich mit den Reflexiva in den verschiedenen Domänen verhält. Dann gehe ich kurz auf die Grammatiken der frühen Neuzeit ein, um die Entwicklung des Reflexivum zur eigenen grammatischen Kategorie zu beschreiben. Als nächstes stelle ich das Korpus vor, dem die Verbbeispiele entspringen. Zuletzt weise ich anhand der Verbbeispiele morirse, estarse und comerse die Funktions- und Bedeutungsunter-schied bei reflexivem und nichtreflexivem Gebrauch ein und desselben Verbs auf.

In meiner ganzen Hausarbeit beziehe ich mich fast ausschließlich auf die im Buch „Reflexive Oberflächen im Spanischen. Se in standardfernen Texten des 16. Jahr-hunderts“ erschienen Forschungsergebnisse von Roland Schmidt-Riese. Da kein Ver-gleich verschiedener linguistischer Ergebnisse angestrebt werden soll, sondern lediglich die Aufarbeitung einer Perspektive über ein komplexes Sprachphänomen.

Die folgenden Gedanken und Beispiele entstammen also dem oben genannten Buch. Wenn ich etwas wortwörtlich übernommen habe, so ist es von mir kenntlich gemacht worden.

2. Reflexive Oberflächen- drei Funktionsdomänen von spanischse

2.1. Echte Reflexivität

Das echte Reflexivum baut immer eine Subjektanaphorik auf, das heißt, das se bezieht sich immer auf das Subjekt. Außerdem übt das echte Reflexivum auch häufig die Ak-tantenfunktion aus:

(1) Max se lava. Max wäscht sich.

Das Reflexivum kongruiert mit dem belebten Subjektreferenten in Numerus und Genus.

2.1.1. Echte Reflexivität beim direkten Objekt

Die Zweigliedrigkeit reflexiver Sätze ist in Abhängigkeit von der Erwartbarkeit der Reflexivität unterschiedlich prägnant:[1]

(2) Max oye a sí mismo en la radio. Max hört sich selbst im Radio.

(3) Max se ve (a sí mismo) en el agua. Max sieht sich (selbst) im Wasser.

(4) Max se contempla en el espejo. Max betrachtet sich im Spiegel.

Die Reflexivität im Beispiel (2) ist am wenigsten erwartbar. Das Radio gab es früher im 16. Jahrhundert noch nicht, und deshalb ist die Spiegelerfahrung im akustischen Medi­um erst durch die Entwicklung neuerer Technik möglich geworden. Das Beispiel (3) hingegen bedarf keinerlei technischer Voraussetzungen. Die Spiegelerfahrung im visu-ellen Medium war kulturgeschichtlich schon immer möglich, und daher ist sie weniger überraschend. Auch der Prozess des Betrachtens im Beispiel (4) geschieht in der Regel nicht reflexiv, da hier aber die Reflexivität beabsichtigt ist, hat sie nichts Über-raschendes.

In weit höherem Grad reflexiv erwartbar als die Wahrnehmungsprozesse in Beispiel 2-4 sind körpernahe Prozesse mit agentivischer Subjektrolle:

(5) Max se lava. Max wäscht sich.

Ein weiteres Beispiel für echte Reflexivität sind die Bewegungsverben mit agentivi- scher und ‚zustandsveränderter’ Subjektrolle:

(6) Max se arroja al suelo. Max wirft sich zu Boden.

Transitive Verben, die eine Veränderung der räumlichen Position zum Ausdruck bringen, werden bei reflexiver Besetzung der Objektfunktion automatisch zu in- transitiven Verben. Ein zweites semantisches Feld, auf dem dieser Effekt eintritt, ist der Bereich der seelischen Veränderung:

(7) Max se fastidia. Max ärgert sich.

Die Verben gefühlsmäßiger Veränderung werden bei reflexiver Besetzung automatisch zu Verben der Gemütsbewegung.

2.1.2. Echte Reflexivität bei indirekten Objekten

Vorgesehen sind indirekte Objekte nur bei einer bestimmten Klasse von Verben, den Verben des Gebens und Sagens:

(8) Max se da prisa. Max gibt sich einen Ruck.

(9) Max se lo ha dicho mil veces. Max hat sich das hundert Mal gesagt.

Die Prozesse des Gebens und Sagens werden durch die reflexive Figur zu Metaphern für Prozesse, die im Innern des Subjekts stattfinden und nach außen hin nicht mehr als Handlungsübergänge erscheinen.[2]

Ganz anders verhält es sich bei den Dativen commodi, possessivus und ethicus.

Der Dativus commodi drückt unabhängig von der Rektion des Verbs aus, zu wessen Vorteil oder Nutzen (oder auch gegenteiliges) etwas geschieht. Es gibt Verben, wie zum Beispiel das Verb kochen, die keinen Dativ regieren, sondern den Akkusativ:

Bsp.: Sie kocht die Suppe.

Solch ein Satz kann aber durch einen freien Dativ erweitert werden:

Bsp.: Sie kocht ihm die Suppe.

Der Dativus commodi kann durchaus eine echte Reflexivität besitzen, die aus der

anaphorischen Funktion des Reflexivums hervorgeht. In Beispiel 10 bezieht sich das se

auf Max:

(10) Max se construye una casa. Max baut sich ein Haus.

Der Dativus possessivus ersetzt in gewisser Maßen das Possessivpronomen. Zum Beispiel bei Satzkonstruktionen, die in Verbindung mit Körperteilen stehen:

Bsp.: Er strich mir über den Kopf.

In Bezug auf die Reflexivität gilt das Gleiche wie beim Dativus commodi:

(11) Max se lava las manos. Max wäscht sich die Hände.

In diesem Satz tritt die referenzsemantische Funktion des Reflexivums in den Vorder- grund.

Der Dativus ethicus drückt die innere Teilhabe, der meistens ersten oder zweiten Person aus. Der Gebrauch des Dativus ethicus ist im Deutschen eher unüblich. Der Da-tivus ethicus bezeichnet diejenige Person, deren Meinung oder Urteil der Gesamtsach-verhalt unterliegt:

Bsp.: Meiner Meinung nach; nach meinem Urteil, etc.

Die Person, die urteilt, ist jedoch nicht selbst an dem Geschehen beteiligt. Was die Reflexivität betrifft, so scheint sie beim Dativus ethicus zunächst wider-sprüchlich. Denn der Dativus ethicus bezeichnet ja gerade die Relevanz von Prozessen für Referenten, die nicht beteiligt sind. Dennoch gibt es, wie Schmidt-Riese sagt: „re-flexiv besetzte Dative, die am ehesten auf eine bestimmte Relevanz des Geschehens für den Subjektreferenten deuten“[3]:

(12) Max se está mirando la película. Max guckt sich den Film an.

2.2 Grammatische Pseudoreflexivität

Das grammatische Pseudoreflexivum begrenzt sich ausschließlich auf die dritte Person. Es wird nur mit dem Pronomen se gebraucht. Die Subjektreferenten sind unbelebt:

(13) El libro se lee bastante bien. Das Buch liest sich ziemlich gut. Zu dieser Kategorie gehören das mediale, das passivische und das unpersönliche se.

2.2.1 Das medialese

Medialität ist danach unterscheidbar, ob der Prozess vom Partizipanten selbst ausgelöst wird, oder von außen. Die Bewegung belebter Referenten geschieht in der Regel ge-wollt, die Bewegung unbelebter Referenten hingegen wird immer von außen bewirkt.

(14) Max se mueve. Max bewegt sich.

(15) El telón se mueve. Der Vorhang bewegt sich.

Beim belebten Referenten bleiben die Agensmerkmale wie volitional, controlling, activ-ley-inciating und responsible for the event erhalten und sie werden lediglich durch das Merkmal undergoing the change in time ergänzt. Beim unbelebten Referenten entfallen all diese Agensmerkmale und nur das Patiensmerkmal undergoing the change in time hat Gültigkeit.

[...]


[1] Schmidt-Riese, Roland: Reflexive Oberflächen im Spanischen. Se in standardfernen Texten des 16. Jahrhunderts. Tübingen: Gunter Narr Verlag 1998. S. 29.

[2] Schmidt-Riese, Roland: Reflexive Oberflächen im Spanischen. Tübingen 1998. S. 34.

[3] Schmidt-Riese, Roland: Reflexive Oberflächen im Spanischen. Tübingen 1998. S. 34.

Details

Seiten
13
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640443420
ISBN (Buch)
9783640443482
Dateigröße
421 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v136125
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Romanisches Seminar
Note
2,0
Schlagworte
Reflexive Oberflächen Spanischen
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