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Die Figurenkonzeption und -charakterisierung der Protagonisten in 'Don Álvaro o la fuerza del sino' und 'La casa de Bernarda Alba' im Vergleich

Hausarbeit 2004 18 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Don Álvaro o la fuerza del sino
2.1. Skizzierung der Handlung
2.2. Charakterisierung der Protagonisten
2.2.1. Don Álvaro
2.2.2. Doña Leonor
2.2.3. Marqués de Calatrava
2.2.4. Don Carlos und Don Alonso de Vargas

III. La casa de Bernarda Alba
3.1. Skizzierung der Handlung
3.2. Charakterisierung der Protagonisten
3.2.1. Bernarda Alba
3.2.2. Angustias
3.2.3. Magdalena und Amelia
3.2.5. Martirio
3.2.6. Adela

IV. Zusammenfassung

V. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Ziel dieser Hausarbeit ist es, die Protagonisten der Dramen „Don Álvaro o la fuerza del sino“ von Duque de Rivas und „La casa de Bernarda Alba“ von Federico García Lorca auf ihre Figurenkonzeption hin zu untersuchen, und im Zusammenhang hierzu eine Charakterisierung dieser zu erstellen.

Nach Manfred Pfister stellt die Figurenkonzeption das Menschenbild bzw. die Grundvorstellungen der dramatischen Figuren dar, welche diesen zugrunde liegen und somit auch die vom Autor intendierten Bestimmungen mit einbeziehen. Er unterscheidet hierbei im Wesentlichen vier Dimensionen nach denen die Figuren eingeteilt werden können:

Eine erste Möglichkeit ist die Untersuchung der Figuren im Hinblick auf ihre Entwicklung während des Handlungsverlaufes, d.h. die Differenzierung von statischen Figuren, die sich nicht verändern und dynamischen Figuren, die sich besonders in ihrem Charakter wandeln und weiterentwickeln.

Ein zweites Kriterium ist die Einteilung in ein- oder mehrdimensionalen Figuren, wobei hiermit die Charakterisierung entweder durch einen kleinen und in sich schlüssigen Satz an Merkmalen (eindimensional) oder durch eine hohe Anzahl von komplexen Merkmalen (mehrdimensional) erfolgt.

Die letzten beiden Kategorisierungsmöglichkeiten sieht Pfister in der Differenzierung von offenen und geschlossen Figuren, sowie transpsychologischen und psychologischen Figuren. Ersteres meint die Analyse des Charakters auf seine Verständlichkeit und Nachvollziehbarkeit, und letzteres beschäftigt sich mit der Frage nach einem plausiblen oder irrationalen Handeln der Figuren.[1]

Die Figurencharakterisierung betreffend, unterscheidet Pfister vier Methoden, die ein Autor zur Darstellung seiner Figuren anwenden kann: explizit und implizit figural sowie explizit und implizit auktorial. Explizit figurale Figurencharakterisierungen erfolgen durch Eigenkommentare oder Fremdkommentare anderer Figuren und implizit figurale Charakterisierungstechniken beschränken sich auf die Selbstdarstellung der dramatischen Figur durch ihre Sprechweise, ihr Verhalten, aber auch durch ihr Aussehen.

Zu der explizit auktorialen Charakterisierung zählen vor allem die im Nebentext vorkommenden Schilderungen und Regieanweisungen des Autors, aber auch sprechende Namen sind in dieser Kategorie wieder zu finden.

Bei der implizit auktorialen Figurendarstellung handelt es sich um Korrespondenz- und Kontrastrelationen, d.h. die Beziehungen der Figuren untereinander werden analysiert.[2] Da die dramatischen Figuren durch die Handlungszusammenhänge geprägt sind und nur im Bezug auf diese dargestellt werden können, soll jeweils vor Beginn der eigentlichen Figurenanalyse ein kurzer Einblick in die Handlungsverläufe beider Dramen gegeben werden, um dem Leser ein zusammenhängendes und umfassendes Verständnis zu gewährleisten.

II. Don Álvaro o la fuerza del sino

2.1. Skizzierung der Handlung

Duque de Rivas’ Werk „Don Álvaro o la fuerza del sino“ gilt als eines der bekanntesten romantischen Dramen Spaniens und erzählt die tragische Geschichte des Titelhelden Don Álvaro.

Don Álvaro, dessen genauere Herkunft und sozialer Status ungewiss sind, bittet in Sevilla den Marqués de Calatrava um das Einverständnis zur Heirat mit dessen Tochter Doña Leonor. Allerdings ist dieser aufgrund der unbestimmten Abstammung Don Álvaros gegen eine Verbindung mit seiner Tochter und willigt nicht ein. Daraufhin beschließen die beiden Liebenden zu fliehen, werden jedoch vom Marqués überrascht und Don Álvaro ist bereit, sich zu ergeben. Unglücklicherweise löst sich ein Schuss aus dessen Pistole und verletzt den Marqués tödlich. Das Paar verliert sich aus den Augen und wird von den rachesüchtigen Brüdern Doña Leonors verfolgt.

Leonor beschließt ins Kloster zu gehen, um dort den Rest ihres Lebens in der Einsiedelei zu verbringen. Unterdessen zieht Don Álvaro, vom Tod seiner Geliebten überzeugt, unter falscher Identität als Soldat nach Italien. Dort freundet er sich mit Don Carlos, dem ältesten Sohn des Marqués, an, welcher ebenfalls unter falschen Namen lebt. Als Don Carlos die wahre Identität Don Álvaros entdeckt, kommt es zu einem Duell und Don Carlos wird getötet.

Infolgedessen zieht sich Don Álvaro in ein Kloster zurück, um dort als Mönch zu leben. Er wird jedoch von Don Alfonso, des Marqués’ jüngsten Sohn, aufgespürt und abermals zu einem Duell aufgefordert. Don Alfonso wird schwer verletzt.

Durch Don Álvaros Hilfeschreie herbeigeeilt, erscheint Doña Leonor, welche in jenem Kloster Schutz suchte. Daraus schließt Don Alfonso, dass die beiden gemeinsam im Verborgenen zusammenleben und ersticht seine Schwester, um die gebrochene Familienehre zu rächen. Niedergeschlagen und verzweifelt stürzt sich Don Álvaro in den Abgrund.

Typisch für das romantische spanische Drama war eine Vielzahl von auftretenden Figuren, so auch in diesem Werk. Im nächsten Kapitel sollen daher nur die wichtigsten Figuren dargestellt werden und nur an einigen Stellen die Nebenfiguren einbezogen werden.

2.2. Charakterisierung der Protagonisten

2.2.1. Don Álvaro

Don Álvaro, der Titelheld, stellt die tragische Hauptfigur in Duque de Rivas’ Drama dar, welcher fortwährend mit Schicksalsschlägen konfrontiert wird. Über seine Herkunft oder Familie gibt es keine genaueren Hinweise. Nicht nur für den Marqués de Calatrava oder die Bewohner Sevillas stellt er ein Mysterium dar, sondern auch für den Leser. Dennoch werden zu Beginn des ersten Aktes bei einem Gespräch der Bewohner Sevillas Gerüchte über seine Abstammung preisgegeben, welche nicht nur auf den Reichtum des „indianos“[3] hinweisen, sondern auch behaupten, er sei ein Mestize, ein Bastard eines adeligen Spaniers und einer maurischen Königin[4]. Des Weiteren wird er mit Hilfe von Fremdcharakterisierungen, d.h. aus der Perspektive anderer, als ein gut aussehender junger, ehrenhafter Mann dargestellt, der es würdig ist, Doña Leonors Mann zu sein.[5]

Sein Ziel ist es eben diese zu heiraten, doch zu einer Vermählung kann es nicht kommen. Seine Liebe zu ihr wird sehr deutlich in seinem Handeln, aber auch durch Eigenkommentare beschrieben. „¡Oh, loco estoy de amor y de alegría! [...] yo tu esposo seré; tú, esposa mía.” (I, 7, v. 281, S. 69) Er fühlt sich ebenfalls verpflichtet, Leonor zu schützen und sie zu retten: „Defenderte y salvarte es mi obligación.” (I, 7, S. 72) „Vuestra hija es inocente...Yo soy el culpado [...].” (I, 8, S. 73)

Neben diesen figuralen Charakterbeschreibungen sind auch Kommentare des Erzählers im Text zu finden, welche insbesondere Don Álvaros Äußeres schildern: „Don Álvaro sale embozado en una capa de seda, con un gran sombrero blanco, botines y espuelas [...] mirando con dignidad y melancolía [...].” (I, 3; S. 57) „[...] Don Álvaro, vestido de fraile franciscano, aparece de rodillas en profunda oración mental.” (V, 4, S. 154)

Das Tragische an Don Álvaro ist, dass, obwohl er immer wieder versucht seinem Leben eine neue Bestimmung zu geben und Konflikten aus dem Weg zu gehen, sich das Schicksal doch immer zum Schlechten hinwendet. Er verlässt sogar das Land und lebt unter einer falschen Identität als Soldat, um nicht von Leonors rachesuchenden Brüdern entdeckt zu werden.

[...]


[1] Vgl. Pfister, Das Drama, München: Fink8 1994 S. 240-249.

[2] Vgl. Pfister, 1994 S. 250-264.

[3] Vgl. Rivas, Duque de, Don Álvaro o la fuerza del sino, hg. v. A. Sánchez, 1994, I, 2, S. 54. Die weiteren direkten Zitate erfolgen im Text und beziehen sich auf diese Ausgabe.

[4] So Canónigo, S. 55: „[...] Sólo sabemos que ha venido de Indias hace dos meses y que ha traído dosnegros y mucho dinero [...]” und Tío Paco, S. 55: „[...] don Álvaro era hijo bastardo de un grande de España y de una reina mora [...]”.

[5] Vor allem durch Preciosilla geäußert, S. 54: „muy buen mozo [...] [que; K.P.] es digno de ser marido de una emperadora [...]“.

Details

Seiten
18
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783640442409
ISBN (Buch)
9783640442300
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v136097
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,7
Schlagworte
Duque de Rivas Federico Garcia Lorca Figuren Charakterisierung Spanisch Spanische Literatur Figurenkonzeption Protagonisten Literatur Spanische Autoren Dramenanalyse spanisches Drama Pfister literatura espanol caracteres

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