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Radio 2.0. Der Einfluss der digitalen Medien auf den Hörfunk in Deutschland

von Benjamin Gust (Autor) Simon Schlenke (Autor)

Hausarbeit 2009 23 Seiten

Medien / Kommunikation - Mediengeschichte

Leseprobe

Inhalt

1. Einführung

2. Vom UKW- zum Digital-Radio: der bisherige Stand (Gust)

3. Die Hürden der Digitalisierung (Gust)
3.1. Die Frage nach dem Standard
3.2. Die Frage nach dem Gerät
3.3. Die Frage nach dem Mehrwert
3.4. Die Frage nach den NRW-Lokalradios
3.5. Die Frage nach dem Frequenz-Verhältnis

4. Internetradio als Lösung (Gust)
4.1. Die Antwort auf die Standard- und Gerätefrage
4.2. Die Antwort auf den Mehrwert
4.3. Die Antwort auf die Frequenz: Internet wird mobil

5. Trends für die Zukunft des Radios (Schlenke)
5.1.Crossmedia
5.1.1. Definition von Crossmedia
5.1.2. Crossmedia am Beispiel EinsLive
5.2. Individualisierung
5.2.1. Warum wird das Radio individuell?
5.2.2. Individualisierung am Beispiel
5.2.3. Das Problem der Isolation
5.3. Der User wird zum Medienmacher

6. Rechtliche Schranken (Schlenke)

7. Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

Erklärung an Eidesstatt
Benjamin Gust
Simon Schlenke

1. Einführung

Erst die CD, dann der Computer - im Laufe der letzten Jahrzehnte wur-den analoge Medien wie Langspielplatte und Schreibmaschine nach und nach digitalisiert. Bessere Qualität und mehr Nutzungsmöglichkei-ten haben zum Erfolg der neuen, jetzt digitalen Medien geführt. Ein Medium ist zum Großteil aber noch immer analog: das Radio. Zwar wurde in den letzten Jahren versucht, die Technik zu digitalisieren, wirklich angenommen wurde das digitale Radio von der Masse bisher aber nicht. Gesendet wird weiter über die klassischen UKW-Antennen. Im ersten Teil der Seminararbeit geht Benjamin Gust auf die bisherige Entwicklung und die möglichen Gründe des ‚digitalen Scheiterns‘ ein. Danach erläutert er, welche Rolle das Internet spielt und wohin der Trend bei der Radionutzung geht.

Das Radio an sich, aber auch die komplette Medienlandschaft der Zu-kunft wird sich ändern. Internet und Digitalität schaffen neue Möglich-keiten und Herausforderungen. Auch wenn es ein Blick in die Kristall-kugel ist, Zeichnen sich gewisse Trends ab. Welche Chancen und Prob-leme das Radio in der Zukunft haben kann, beschreibt Simon Schlenke zweiten Teil der Seminararbeit.

2. Vom UKW- zum Digital-Radio: der bisherige Stand

Die Digitalisierung der Medien ist in vollem Gange. DVB-T setzt sich seit ein paar Jahren als TV-Standard durch, DSL hat längst die alten Kupferleitungen der Telekom ersetzt und sich als Internet-Standard etab-liert. Was aber ist mit dem Radio? Hier ist noch immer unklar, wie in Zukunft gesendet und vor allem empfangen wird.

„Bereits 1998 beschloss die Bundesregierung, im Jahre 2010, 85 Jahre nach der ersten UKW-Übertragung durch den Physiker Abraham Esau, die analoge Rundfunk-Ausstrahlung in Deutschland durch die digitale Verbreitung von Hörfunk ... abzulösen.“1 Mehr als 10 Jahre später ist davon aber nur wenig zu spüren. UKW - und damit das analog Radio - ist weiter der etablierte Standard in 98 Prozent der deutschen Haushal-te. Mindestens ein UKW-Empfänger steht in jeder Wohnung - und die Zahl steigt. Jährlich kommen ca. neun Millionen UWK-Geräte hinzu. Insgesamt 250 bis 350 Millionen UKW-Endgeräte sollen sich zurzeit schätzungsweise im gesamten Land befinden und den Radio-Empfang ermöglichen.2

Damit soll in ein paar Jahren aber Schluss sein. Hieß es erst, dass 2010 alle FM-Frequenzen abgeschaltet bzw. die jeweiligen Lizenzen von den Landesmedienanstalten nicht verlängert werden sollen, ist dieses jetzt für 2015 geplant.3 Geht es nach den Rundfunkanstalten, wird ab dann vor allem drahtloses, digitales Radio gehört. „Digital Radio ist der neue Hörfunkstandard und führt das analoge Radio in das digitale Zeitalter: mehr Programmauswahl – exzellenter Sound – einfache Bedienung – neue Serviceangebote.“4

Empfangbar ist dieser neue Hörfunkstandard bereits seit 1999. In Form des Digital Audio Broadcasts (kurz: DAB) senden die meisten der öf-fentlich-rechtlichen sowie einige Privatsender ihr Programm digital. „Aktuell verfügt DAB, laut Aussage der Technischen Kommission der Landesmedienanstalten, über eine technische Reichweite von 80 Pro-zent der Bevölkerung.“5

Digital empfangen wird dieser neue Hörfunk aber bisher kaum. Trotz vieler Versuche der öffentlich-rechtlichen Sender ist DAB - und damit das digitale Radio - weit hinter den Erwartungen der Anbieter zurück geblieben. 2007 waren deutschlandweit optimistischen Schätzungen zufolge gerade einmal 546.000 DAB-Empfänger im Einsatz.6 Knapp zwanzig Jahre nach der Einführung ist das digitale Radio somit weiter eine Randerscheinung in Deutschland geblieben.

Noch dieses Jahr soll sich das aber ändern. Mit einem ‚Big Bang‘ soll der Durchbruch für das Digital Radio kommen.7

„Die Branche ist dabei, einen Zeitpunkt zu verabreden, zu dem aus Sicht des Konsumenten das Gesamtangebot mit neuen Programmen in der Luft ist, zudem Endgeräte im Handel verfügbar sind und von ge-schultem Personal erklärt werden.“8 Ein bundesweiter und zwei lan-desweite Funk-Netze sollen dafür neu geschaffen werden. Eines der landesweiten Netze soll, wenn gewünscht, sogar regionalisiert werden. Ob der Plan aber aufgeht und ob der ‚Big Bang 2009‘ wirklich klappt, ist noch immer nicht klar.9

3. Die Hürden der Digitalisierung

Warum aber gestaltet sich der Digitalisierungsprozess des Hörfunks so problematisch? Um digitales Radio in Deutschland erfolgreich einzu-führen, müssen alle Beteiligten an einem Strang ziehen: Programman-bieter, Gerätehersteller und nicht zuletzt die Konsumenten des Radios von morgen.

3.1 Die Frage nach dem Standard

Eines der Hauptprobleme der Digitalisierung ist die Uneinigkeit über einen Sendestandard. Wurde bei der Einführung der ersten digitalen Sender 1999 noch DAB präferiert, gibt es heute eine Vielzahl an mo-derneren Funkstandards, die die DAB-Technik veraltet wirken lassen.10 Als Weiterentwicklung von DAB gilt beispielsweise DAB+. Durch mo-derne Komprimierungverfahren können hier im Vergleich zu DAB dop-pelt so viele Radioprogramme gesendet werden. DAB+ gilt somit als verbesserter und effektiverer Audioübertragungstandard. Allerdings sind dafür neue Geräte nötig, da bereits vorhandenen DAB-Radios die ver-besserte DAB+-Frequenz nicht empfangen können.11

Ebenfalls eine Weiterentwicklung von DAB ist Digital Multimedia Broadcasting (kurz: DMB). Wurde DMB bisher vor allem als Mobil-TV-Standard genutzt, kann es in der Zukunft auch für Hörfunkprogramme in den ohnehin reservierten DAB-Frequenzbereichen genutzt werden. „Die Empfangseigenschaften sind mit DAB vergleichbar, d. h. ebenfalls optimiert für hohe Geschwindigkeiten und (momentan) schwacher Inhouse-Versorgung.“12

Neben diesen drei Standards (DAB, DAB+ und DMB) existieren sogar noch ein paar weitere, die zurzeit aber nicht für Digital-Radio in Deutschland in Frage kommen. Beim amerikanischen HD-Radio ist zum Beispiel die technische Verträglichkeit unklar, Digital Radio Mond-iale+ (kurz: DRM+) ist noch nicht weit genug entwickelt und Satellite Digital Audio Radio Services (kurz: SDARS), ein satellitengestütztes Di-gitalformat aus den USA, ist nicht für den lokalen Rundfunk geeignet.13

3.2 Die Frage nach dem Gerät

Das technische Chaos führt zu einem weiteren Problem im Digitalisie-rungsprozess. Um zukünftig digitales Radio zu empfangen, sind neue Geräte notwendig. Eine Schlüsselrolle spielen somit auch die Geräte-hersteller. „Ihre Aufgabe ist es, eine breite Auswahl von Empfangsgerä-ten zu akzeptablen Preisen zu entwickeln. Während sich im europäi-schen Ausland diverse technische Standards mehr oder weniger erfolg-reich etabliert haben, werden in Deutschland immer neue Übertra-gungsstandards ins Spiel gebracht.“14 Die Gerätehersteller sind irritiert und wissen nicht, für welchen digitalen Standard sie zukünftige Geräte entwickeln sollen. „Grundsätzlich versuchen wir unseren Kunden alle Empfangsmöglichkeiten anzubieten [...| Das Angebot im Auto hängt dabei natürlich von den Entscheidungen der Sender zu den jeweiligen Übertragungswegen ab.“15 Zwar haben sowohl Autohersteller wie BMW als auch andere Radio-Produzenten Digital-Radios im Programm, aber mit Preisen ab 100 Euro liegen die „DAB-fähigen Radios wie Blei in den Verkaufsregalen“.16

Die Unsicherheit bezüglich des Standards führt auch bei den Kunden zu Verwirrung. Warum sollen sie sich jetzt ein teures Gerät kaufen, das in ein paar Jahren schon wieder veraltet sein könnte? Generell sind die Kunden nicht bereit, sich neue Radios anzuschaffen. Alle eigentlich funktionsfähigen 250 bis 350 Millionen UKW-Endgeräte im Markt müssten bei einer Digitalisierung von jetzt auf gleich ersetzt werden, da sie durch das Abschalten der UKW-Frequenzen auf einen Schlag nutz-los werden würden.17

3.3 Die Frage nach dem Mehrwert

Neben der Frequenz-Frage ist für den Kunden bisher aber auch der Mehrwert eines neuen Digital-Radios unklar. 54 Programme sind Ende 2007 über DAB zu empfangen.18 Nur wenige davon sind neue, eigens für das digitale Radio entwickelte Programme, andere sind das genaue Abbild der analogen. Zwar sollen diese Digital-Programme alle in einer Qualität senden, die mit der einer Audio-CD zu vergleichen ist,19 aber mögliche neue Features wie Nachrichten auf Abruf, schriftliche Zusatz-informationen zum Programm, Grafiken oder Fotos bietet bisher keiner der Sender.20

[...]


1 Zöllner, Oliver (Hrsg.) (2007): Format 2018 - Wie Experten und Nutzer die Zukunft des Mediums Hörfunk einschätzen. Bochum: Paragon-Verlag, S. 36

2 vgl. Goldhammer, Klaus; Schmidt, Michael & Martick, Anja (2008): Situation des digi-talen Hörfunks in NRW 2008. Berlin: Goldmedia GmbH Media Consulting & Research, S. 3

3 vgl. Medienforum NRW: RRC06 und die Folgen, URL: www.medienforum.nrw.de/ medientrends/konvergenz/rrc06-und-die-folgen.html (Besuch: 31.01.2009)

4 IMDR GmbH: Was ist Digital Radio?, URL: http://www.digitalradio.de/digital-radio/was-ist-digital-radio/ (Besuch 31.01.2009)

5 Zöllner, Oliver (Hrsg.) (2007): Format 2018 - Wie Experten und Nutzer die Zukunft des Mediums Hörfunk einschätzen. Bochum: Paragon-Verlag, S. 37

6 vgl. Scheidt, Walter (2008): Signale gesucht. Journalist, 10/2008, S. 19

7 Ory, Stephan (2008): Rundfunk-Perspektiven. Baden-Baden: Nomos, S. 229

8 Ory, Stephan (2008): Rundfunk-Perspektiven. Baden-Baden: Nomos, S. 229

9 Ory, Stephan (2008): Rundfunk-Perspektiven. Baden-Baden: Nomos, S. 229

10 vgl. Scheidt, Walter (2008): Signale gesucht. Journalist, 10/2008, S. 22

11 vgl. Goldhammer, Klaus; Schmidt, Michael & Martick, Anja (2008): Situation des digitalen Hörfunks in NRW 2008. Berlin: Goldmedia GmbH Media Consulting & Re­search, S. 3

12 vgl. Goldhammer, Klaus; Schmidt, Michael & Martick, Anja (2008): Situation des digitalen Hörfunks in NRW 2008. Berlin: Goldmedia GmbH Media Consulting & Re­search, S. 3

13 vgl. Goldhammer, Klaus; Schmidt, Michael & Martick, Anja (2008): Situation des digitalen Hörfunks in NRW 2008. Berlin: Goldmedia GmbH Media Consulting & Re­search, S. 4

14 Scheidt, Walter (2008): Signale gesucht. Journalist, 10/2008, S. 19

15 Boelsterl, Katharina (2009): DAB. München: BMW-Group. eMail vom 26.01.2009

16 Seibel-Müller, Inge (2008): Liegt die Zukunft des Radios doch im Internet? URL: http://www.bpb.de/themen/RGQ6M5.html (Besucht am 23.01.2009)

17 vgl. Medienforum NRW: RRC06 und die Folgen. URL:

www.medienforum.nrw.de/medientrends/konvergenz/rrc06-und-die-folgen.html (Be-such: 31.01.2009)

18 vgl. Scheidt, Walter (2008): Digitales Desaster. Journalist, 10/2008, S. 22

19 IMDR GmbH: Technik - Der Weg zur Digitalisierung. URL: http://www.digitalradio.de/background/technik/ (Besuch 31.01.2009)

20 vgl. Scheidt, Walter (2008): Digitales Desaster. Journalist, 10/2008, S. 18

Details

Seiten
23
Jahr
2009
ISBN (Buch)
9783640440122
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v135973
Institution / Hochschule
Westfälische Hochschule Gelsenkirchen, Bocholt, Recklinghausen – Institut für Journalismus und Public Relations
Note
1,3
Schlagworte
Radio Zukunft des Radios Digitalisierung Hörfunk digital DAB DMB HD-Radio Cross-Media Crossmedia Internetradio NRW-Lokalradios Radio NRW Zukunft des Hörfunks

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